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Mit­ten­drin: Der Krieg in Ga­za: En­ten

Mar­tin Sher­man, 12.9.2014, Je­ru­sa­lem Post

Islamischer Jihad gräbt neue Tunnel in Gaza (Photo: Screenshot)

Is­la­mi­scher Ji­had gräbt neue Tun­nel in Ga­za (Pho­to: Screen­shot)

Er­fah­re­ner di­plo­ma­ti­scher Of­fi­zel­ler sagt, dass Is­ra­el die Ha­mas da­bei ent­deckt hat, wie sie nur zwei Wo­chen nach dem En­de der Ope­ra­ti­on Schutz­rand Waf­fen in den Ga­za­strei­fen schmug­gelt
– Herb Kein­on, Je­ru­sa­lem Post, 7. Sep­tem­ber.

Die Ira­ner be­mü­hen sich, die Hil­fe für die Ha­mas zu er­neu­ern, weil die­se sich ge­gen den ‚zio­nis­ti­schen Feind’ be­wie­sen hat
– Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Mos­he Ya’alon, Her­liya, 8. Sep­tem­ber.

Is­arel hat nicht er­folg­reich die Zie­le er­rei­chen kön­nen, die der Pre­mier­mi­nis­ter für die Operra­ti­on [Schutz­rand] über die Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on [Ha­mas] ge­setzt hat.
– Oberst-​General (der Re­ser­ve) Amos Yad­lin, „Wie man mit der er­star­ken­den Ha­mas um­ge­hen muss” (he­brä­isch), 10. Sep­tem­ber.

Nach­dem die öf­fent­li­che De­bat­te über die Ope­ra­ti­on Schutz­rand ab­zu­klin­gen be­ginnt, und die öf­fent­li­che Er­in­ne­rung an die Er­eig­nis­se lang­sam ver­blasst, hät­te ich die­se Ko­lum­ne ak­tu­el­le­ren The­men wid­men kön­nen.

Das Ver­spre­chen von letz­ter Wo­che

Ich hät­te, zum Bei­spiel, mich mit dem dra­ma­ti­schen An­ge­bot, das an­geb­lich vom ägyp­ti­schen Prä­si­den­ten Ab­del Fattah al-​Sisi ge­macht wur­de, ei­nen gros­sen Be­reich im Si­nai für ei­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Staat zu re­ser­vie­ren. Oder die po­ten­ti­ell bahn­bre­chen­de An­kün­di­gung vom Diens­tag vom frü­he­ren Mossad-​Chef Shab­tai Shavit auf der 14. jähr­li­chen Kon­fe­renz des in­ter­na­tio­na­len In­sti­tuts für Anti-​Terrorismus, in der er die is­rae­li­schen Au­to­ri­tä­ten auf­ge­for­dert hat, auf die Auf­lö­sung der UNRWA (United Na­ti­ons Re­li­ef and Works Agen­cy) hin­zu­ar­bei­ten und die Flücht­lin­ge (oder bes­ser „Flücht­lin­ge”) in Ga­za an­ders­wo an­zu­sie­deln.

Doch die­se emi­nent wich­ti­gen The­men wer­den war­ten müs­sen. Statt­des­sen will ich das Ver­spre­chen hal­ten, das ich letz­te Wo­che ge­macht ha­be, ei­ne wei­te­re Fol­ge mei­ner Ko­lum­ne „Schutz­rand: Ka­ta­log ver­brei­te­ter En­ten.”

Der Le­ser er­in­nert sich viel­leicht dar­an, dass ich mich auf die Ak­ti­vi­tä­ten ver­schie­de­ner Re­gie­rungs­ab­le­ger und in­of­fi­zi­el­ler Re­gie­rungs­apo­lo­ge­ten, die ver­such­ten, uns zu ver­si­chern, dass die Kam­pa­gne ein gros­ser Er­folg war – und dass das, war wir jetzt ha­ben, das bes­te ist, was wir un­ter den ge­ge­be­nen Um­stän­den /​ Ein­schrän­kun­gen be­kom­men konn­ten. Sie ha­ben sich auf ei­nen ex­ten­si­ven „Ka­ta­log von En­ten” be­ru­fen, in dem Be­mü­hen, das Un­be­ha­gen gros­ser Tei­le der is­rae­li­schen Öf­fent­lich­keit – und von vie­len Un­ter­stüt­zern im Aus­land – zu zer­streu­en – das ei­ne Fol­ge von die­sem Er­geb­nis ist.

Ei­ne kur­ze Er­in­ne­rung

Ich ha­be be­reits auf drei sol­cher En­ten ein­ge­hen kön­nen: Die En­te vom „in­ter­na­tio­na­len Druck”, nach der Is­ra­el durch den Druck der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft, vor al­lem der USA, da­von ab­ge­hal­ten wur­de, noch stär­ke­ren mi­li­tä­ri­schen Druck aus­zu­üben; Die „anti-Semitismus”-Ente, nach der es un­mög­lich ist, solch schäd­li­chen Druck zu dämp­fen, weil er grund­sätz­lich aus ei­nem tie­fen Hass ge­gen Ju­den ent­steht, der sich als in­hä­ren­te Feind­lich­keit ge­gen den jü­di­schen Staat aus­drückt, un­ab­hän­gig da­von, ob des­sen Hand­lun­gen ge­recht sind oder nicht; Die „Obama”-Ente, nach der die is­rae­li­sche Ent­schei­dung, die mi­li­tä­ri­schen Ope­ra­tio­nen in Ga­za ein­zu­schrän­ken, auf den Druck zu­rück­zu­füh­ren ist, der aus der ekla­tan­ten An­ti­pa­thie der Obama-​Administration ab­ge­lei­tet ist.

Lo­gisch ha­be ich nicht den Wunsch, die De­tails der Ar­gu­men­te, die ich letz­te Wo­che prä­sen­tiert ha­be, um die En­ten­be­wei­se die­ser Din­ge zu be­le­gen.

Ich wer­de mich auf fol­gen­de Kurz­fas­sung be­schrän­ken:

(a) In Be­zug auf den an­ge­nom­me­nen Druck der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft und der US-​Administration, be­deu­ten Be­zug­nah­men auf die­se mehr ei­ne Aus­re­de für das Er­geb­nis, an­stel­le ei­nes Mo­tivs, das die Zu­rück­hal­tung des is­rae­li­schen Mi­li­tärs er­klärt. In ho­hem Mas­se ten­diert der „Druck” mehr von der is­rae­li­schen In­kom­pe­tenz und Im­po­tenz in Sa­chen öf­fent­li­cher Di­plo­ma­tie her zu rüh­ren.

(b) Was das An­ti­se­mi­tis­mus­the­ma be­trifft, so ge­fähr­det Is­ra­el die jü­di­schen Ge­mein­den im Aus­land, in­dem zu­ge­las­sen wird, dass das Bild Is­ra­els der­mas­sen dä­mo­ni­siert wird, dass den Diaspora-​Juden ei­ne Zu­ge­hö­rig­keit zum jü­di­schen Staat un­ter­stellt und so der An­ti­se­mi­tis­mus ver­stärkt wird.

Statt dass die an­ti­jü­di­schen Emo­tio­nen Anti-​israelische Hal­tun­gen in­du­zie­ren, pas­siert das Ge­gen­teil: Anti-​israelische Ge­füh­le er­zeu­gen an­ti­jü­di­sche Ani­mo­si­tä­ten, das Ge­gen­teil des­sen, was nor­ma­ler­wei­se an­ge­nom­men wird.

Jetzt kön­nen wir zur Ana­ly­se wei­te­rer En­ten in die­sem un­glück­li­chen und ir­re­füh­ren­den Ka­ta­log schrei­ten.

‚Den-​Rasen-​mähen’ /​ ‚Den-Konflikt-managen’-Ente

Die Wei­ge­rung, un­ge­niess­ba­ren Rea­li­tä­ten ins Ge­sicht zu se­hen, die durch den ko­los­sa­len Feh­ler ent­stan­den sind, dass den Ara­bern Land und Herr­schaft über­tra­gen wur­de, hat neue Slo­gans ent­ste­hen las­sen, um die in­tel­lek­tu­el­le Ka­pi­tu­la­ti­on zu tar­nen, so­wie um die man­geln­de Be­reit­schaft zu mas­kie­ren für die Not­wen­dig­keit – und die Kos­ten – von be­dau­er­lich Har­schen aber not­wen­di­gen Mass­nah­men.

Ur­sprüng­lich wur­de uns ge­sagt, dass es „kei­ne Lö­sung” für den israelisch-​arabischen Kon­flikt gä­be, wes­halb wir den Kon­flikt mehr zu ma­na­gen als zu lö­sen an­stre­ben soll­ten.

Dann ist ein neu­er, et­was ab­fäl­li­ger, Fach­aus­druck ein­ge­führt, um ein ähn­li­ches Kon­zept zu ver­mit­teln: „Den Ra­sen mä­hen” soll die Idee aus­drü­cken, dass ei­ne neue Run­de von Kämp­fen je­des Mal dann not­wen­dig wird, wenn die pa­läs­ti­nen­si­sche Ge­walt ein in­ak­zep­ta­bles Ni­veau er­reicht.

Die Grund­la­ge, in Er­man­ge­lung ei­nes bes­se­ren Be­griffs, ist erst kürz­lich von zwei gut be­kann­ten Mit­glie­dern ei­nes pro­mi­nen­ten Think-​Tanks ar­ti­ku­liert wor­den: Der Ein­satz ei­nes Mas­ses an Ge­walt, dar­auf aus­ge­legt, „nicht ein un­mög­li­ches po­li­ti­sches Ziel zu er­rei­chen, son­dern … pri­mär dar­auf aus­ge­rich­tet, die feind­li­chen Fä­hig­kei­ten zu schwä­chen.”

Trau­ri­ger­wei­se ist das, was wir be­ob­ach­ten konn­ten, weit weg da­von, „die feind­li­chen Fä­hig­kei­ten” sub­stan­ti­ell „zu schwä­chen”.

Der be­sag­te Feind taucht im­mer wie­der auf, sucht den Kampf, je­des Mal mu­ti­ger und mit im­mer bes­se­ren Fä­hig­kei­ten.

„Den Ra­sen mä­hen” ist ei­ne nicht nach­hal­ti­ge En­te. In der Tat, vor bei­na­he zwei Jah­ren, am En­de der vor­he­ri­gen Run­de des „mä­hens” (Pil­lar of De­fen­se), ha­be ich ge­warnt: „Vor­über­ge­hen­de Flau­ten sind im­mer in­ak­zep­ta­bler, [weil sie] das Le­ben im Sü­den im­mer un­halt­ba­rer ma­chen … Ent­völ­ke­rung des Sü­dens und Ent­blös­sung der dor­ti­gen jü­di­schen Prä­senz wird zur im­mer greif­ba­re­ren Mög­lich­keit.” („Is­ra­els är­ger­li­che Im­po­tenz” – 29. No­vem­ber 2013).

Und rich­tig, wäh­rend der ak­tu­el­len Run­de des „Mä­hens” ist die­se „greif­ba­re Mög­lich­keit” zur tra­gi­schen Rea­li­tät ge­wor­den.

Es ist deut­lich, dass das pe­ri­odi­sche „Ra­sen­mä­hen” ein fehl­ge­lei­te­tes Re­zept ist, das nicht lan­ge be­stehen kann – es bringt es ein­fach nicht. Das Gras muss ein für al­le mal ent­wur­zelt wer­den.

Die „Ein Sieg ist nicht zulässig”-Ente

Die „Rasenmäher”-Ente ist eng ver­wandt mit – in der Tat dar­aus ent­sprun­gen – ei­ner an­de­ren En­te – dass „ein Sieg nicht zu­läs­sig” ist.

In ho­hem Mas­se ist die­se ät­zen­de En­te die Kon­se­quenz ei­nes Un­wohl­seins, das vie­len Of­fi­zie­ren der IDF ein­schärft wird von Zwei­staa­ten­be­für­wor­ten /​ Land-​für-​Frieden-​Anwälten, die vie­le der Mit­ar­bei­ter von Hoch­schu­len und Fa­kul­tä­ten um­fas­sen, die von Mit­glie­dern des Mi­li­tärs be­sucht wer­den wäh­rend ih­res Mi­li­tär­diens­tes. Hier wird ih­nen von An­hän­gern ei­nes po­li­ti­schen Ap­pease­ments und ter­ri­to­ria­ler Kon­zes­sio­nen bei­ge­bracht (sprich, wer­den sie dar­auf „kon­di­tio­niert”), dass Sieg nicht nur ein un­gül­ti­ges Kon­zept ist, son­dern dass er un­er­reich­bar ist, so­gar un­er­wünscht.

Dies ist ein ideo­lo­gi­scher Im­pe­ra­tiv von ob­ses­si­ven Zwei­staat­lern, da sie die Wahr­neh­mung, dass ei­ne „po­li­ti­sche Lö­sung” ein il­lu­so­ri­scher Im­pe­ra­tiv ist, nur durch die Ver­wei­ge­rung der Mög­lich­keit ei­nes mi­li­tä­ri­schen Sie­ges auf­recht er­hal­ten kön­nen. Das Er­geb­nis die­ses Pro­zes­ses der des­in­te­gra­ti­ven Ar­gu­men­ta­ti­on wur­de kürz­lich von Ca­ro­li­ne Glick wäh­rend des letz­ten Krie­ges in Ga­za leb­haft dar­ge­stellt, in ei­ner ste­chen­den Ver­ur­tei­lung des Ver­hal­tens der obe­ren Rän­ge der IDF („Der un­voll­ende­te Krieg,” 1. Sep­tem­ber): „Die Ha­mas wird nur auf­hö­ren zu kämp­fen, wenn sie ge­schla­gen wird. Und Is­ra­el hat die Ha­mas nicht be­siegt … die obe­re Füh­rungs­ebe­ne der IDF ist das As im Är­mel der Ha­mas … un­ter Ge­ne­ral­leut­nant. Ben­ny Gantz wei­ger­te sich der Ge­ne­ral­stab, dem Ka­bi­nett jeg­li­chen durch­führ­ba­ren Plan zum Be­sie­gen der Ha­mas zu prä­sen­tie­ren.”

Das ist ein­deu­tig ei­ne Fra­ge der Wahl, nicht der mi­li­tä­ri­schen Zwangs­la­ge, die durch das Gleich­ge­wicht der Kräf­te be­stimmt wä­re. In den ver­gan­ge­nen acht Jah­ren, in vier mi­li­tä­ri­schen Be­geg­nun­gen mit leicht­be­waff­ne­ten Mi­li­zen, hat Is­ra­el ab­sicht­lich das Ziel, den Feind zu be­sie­gen, ver­mie­den. Die IDF hät­te Hizbollah-​Stellungen im Li­ba­non 2006 und der Ha­mas in Ga­za 2008, 2012 und 2014 über­ren­nen kön­nen.

Die­ser be­kla­gens­wer­te An­satz ge­währ­leis­tet, dass Is­ra­el ei­nen ho­hen Preis be­zahlt (Hun­der­te ge­tö­tet, Tau­sen­de ver­letzt) und ern­tet die ma­gers­ten Früch­te (die Not­wen­dig­keit, auch wei­ter­hin den „Ra­sen mä­hen” zu müs­sen und zwangs­läu­fig noch mehr lei­den­de Op­fer zu pro­du­zie­ren) – zeigt zwar an­schau­lich die küh­le, je­doch an­schei­nend un­aus­rott­ba­re, Wahr­heit der Ein­schrän­kung, der von John Chur­chill, dem ers­ten Her­zog von Marl­bo­rough (1650−1722) ar­ti­ku­liert wur­de: „…das Stre­ben nach Sieg oh­ne Op­fer führt wahr­schein­lich zu Op­fern oh­ne Sieg.”

Die ‚Ha­mas schwä­chen, je­doch be­wah­ren’ /​ ‚Wenn nicht Ha­mas, dann ISIS’-Ente

Ei­ne der selt­sams­ten Ide­en, die aus den 50 Ta­gen des Kamp­fes in Ga­za her­vor­ge­kom­men sind, ist die un­sin­ni­ge Idee, dass ir­gend­wie Is­ra­el ein In­ter­es­se dar­an hat, die Herr­schaft der Ha­mas (wenn auch ge­schwächt) über Ga­za auf­recht zu er­hal­ten. Un­glaub­li­cher­wei­se – oder viel­leicht auch nicht, an­ge­sichts des Glick’schen Re­zen­si­on der Denk­wei­se des Ober­kom­man­dos der IDF – scheint die­ser lä­cher­li­che Stand­punkt an Zug­kraft ge­won­nen zu ha­ben.

Des­halb glau­ben, ge­mäss Yaa­kov Lap­pin von der Je­ru­sa­lem Post, die „is­rae­li­schen Mi­li­tär­pla­ner”, dass der „Um­sturz der Herr­schaft der Ha­mas … nicht un­be­dingt im lang­fris­ti­gen stra­te­gi­schen In­ter­es­se von Is­ra­el ist. Es er­scheint äus­serst un­klar, wer Ha­mas er­set­zen wür­de, und Ga­za könn­te zu ei­nem Somalia-​haften Land­strei­fen wer­den, vol­ler Islamischer-​Staat-​Milizen, die nicht mehr ab­ge­schreckt wer­den kön­nen.”

Die­se Art von An­spruch muss ge­ra­de­wegs von der Hand ge­wie­sen wer­den. Es war ge­nau die­se Art von Den­ken, die Is­ra­el da­zu ver­an­lasst hat, sich mit der PLO ein­zu­las­sen, um nicht am En­de mit der Ha­mas ver­han­deln zu müs­sen. Und so hat Is­ra­el mit der PLO ver­han­delt und die Ha­mas be­kom­men…

Dar­über­hin­aus, ganz ab­ge­se­hen von der Tat­sa­che, dass man erst noch zei­gen muss, ob die Ha­mas ab­ge­schreckt wer­den kann, so bleibt es voll­kom­men un­klar, wie ei­ne ge­schwäch­te Ha­mas dem An­sturm der Islamischer-​Staat-​Milizen wi­der­ste­hen wür­de, be­son­ders wenn die Ab­sicht be­steht, die Ha­mas zu ent­waff­nen und zu de­mi­li­ta­ri­sie­ren (ei­ne wei­te­re En­te, die zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt noch zu dis­ku­tie­ren sein wird).

Is­ra­el kann nicht be­stim­men, wer in Ga­za re­gie­ren soll …aus­ser es tut dies sel­ber (sie­he die „Der Tag danach”-Ente wei­ter un­ten). Da­her, un­ab­hän­gig da­von, wer das ara­bi­sche Ré­gime in Ga­za stellt, es gibt im­mer ein Ri­si­ko, dass es durch ein noch feind­se­li­ge­res und un­ver­söhn­li­che­res er­setzt wird.

Die ‚Ab­bas stärken’-Ente

Je mehr ihr be­vor­zug­tes po­li­ti­sches Re­zept in der Ir­rele­vanz ver­schwin­det, des­to mehr ha­ben die Zwei­staat­ler, Land-​für-​Frieden-​Süchtigen ei­ne „in­no­va­ti­ve” Idee her­vor­ge­bracht, um das rasch sin­ken­de Wrack ih­rer Vi­si­on zu ret­ten: Abu Ma­zen.

Die­se Ab­sur­de Vor­stel­lung soll­te na­tür­lich mit ei­nem knap­pen „Schon da ge­we­sen. Schon ge­tan. Hat nicht funk­tio­niert.” ent­las­sen wer­den. Es ist fast un­vor­stell­bar, dass die­se Vor­stel­lung im­mer noch als ver­meint­lich rea­lis­ti­sche po­li­ti­sche Op­ti­on be­trach­tet wird.

Wie ir­gend ein ver­nuft­be­gab­tes We­sen der Idee an­hän­gen könn­te, dass ein na­he­zu Acht­zig­jäh­ri­ger, im zehn­ten Jahr sei­ner vier­jäh­ri­gen ge­wähl­ten Amts­zeit, der in Um­fra­gen ab­grund­tief hin­ter Ri­va­len hin­ter­her­hinkt, und der bar je­der Le­gi­ti­mi­tät und Au­to­ri­tät ist, ist un­be­greif­lich. Ab­bas wur­de aus Ga­za 2007 durch die Ha­mas kur­zer­hand aus­ge­stos­sen wor­den; er könn­te wohl nur un­ter To­des­schmer­zen zu­rück­keh­ren. Sei­ne Ad­mi­nis­tra­ti­on – wahr­schein­lich sein gan­zes Le­ben – ist ab­hän­gig vom Schutz durch IDF-​Truppen. Wie könn­te er je ei­ne Her­aus­for­de­rung durch die Ha­mas an­neh­men, ir­gend ei­ne si­gni­fi­kan­te Rol­le in ei­ner Re­gie­rung von Ga­za ein­neh­men, oder die­ses von jeg­li­chem vor­her­ge­sag­tem An­sturm durch ji­ha­dis­ti­sche Ra­di­ka­le schüt­zen? Dass ein­fluss­rei­che Leu­te im is­rae­li­schen Es­ta­blish­ment im­mer noch ernst­haft ei­ner der­ar­tig gro­tes­ken En­te an­hän­gen soll­te ernst­haf­te Sor­gen um die Ur­teils­fä­hig­keit der­je­ni­gen aus­lö­sen, die sich um die Wei­chen­stel­lun­gen der Na­ti­on be­mü­hen.

Die ‚Der Tag danach’-Ente

Um Be­für­wor­ter der Sieg-​orientierten Po­li­tik ab­zu­schre­cken, Re­den ih­re Geg­ner von der „Tag-danach”-Ente, ge­mäss der ein Sieg über die Ha­mas ka­ta­stro­phal wä­re, weil „am Tag nach” dem Er­folg Is­ra­el vor dem Pro­blem stün­de, was es mit der gros­sen zi­vi­len Be­völ­ke­rung, die nun un­ter ih­rer Kon­trol­le steht, an­fan­gen soll.

Oh­ne die Dis­kus­si­on dar­über, wie man ei­ner solch gros­se Her­aus­for­de­rung be­geg­nen soll­te, aus­wei­chen zu wol­len, muss man dar­auf hin­wei­sen, dass das, was „am Tag da­nach” zu tun ist, kei­ne Ein­bahn­fra­ge ist. Je­ne, die ge­gen den Sieg über die Ha­mas sind, müs­sen eben­falls ge­zwun­gen wer­den, die Fra­ge zu kon­fron­tie­ren.

Im­mer­hin wird oh­ne ei­nen Sieg über die Ha­mas der „Tag da­nach” ziem­lich gleich aus­se­hen wie der „Tag da­vor.”

Der Ver­zicht auf die Sied­lun­gen im Ga­za­strei­fen hat ein­deu­tig ge­zeigt, dass es ir­gend­wann ent­we­der Ju­den im Ne­gev oder Ara­ber in Ga­za gibt, aber nicht bei­des. Das ist die bru­ta­le Wahl, der sich is­rae­li­sche Ent­schei­dungs­trä­ger ge­gen­über se­hen – das wah­re „Tag danach”-Dilemma.

Um es zu lö­sen ist die ein­zi­ge Op­ti­on Is­ra­els, Ha­mas zur be­din­gungs­lo­sen Ka­pi­tu­la­ti­on zu zwin­gen, an­ge­fan­gen mit ei­ner sys­te­ma­ti­schen Ent­waff­nung von Ga­za und ei­ner hu­ma­ni­tä­ren Um­sied­lung der nicht-​kriegerischen Be­völ­ke­rung in Dritt­staa­ten, wie ich schon vor zwan­zig Jah­ren in „War­um wir Ga­za nicht sich selbst über­las­sen kön­nen” (Je­ru­sa­lem Post, 9. De­zem­ber 1992) vor­ge­schla­gen ha­be, und in zahl­rei­chen wei­te­ren Into-​the-​Fray-​Kolumnen – Et­was, wor­auf Shab­tai Shavit in sei­ner er­wähn­ten kürz­li­chen An­spra­che an­ge­spielt zu ha­ben scheint.

En­ten, Gän­se, und an­de­re vo­gel­be­zo­ge­ne Aus­sa­gen

Der Be­griff ‚En­te’ stammt aus dem mit­tel­al­ter­li­chen fran­zö­si­schen Be­griff „Vend­re des ca­nards à moi­tié” – wo­mit wört­lich ge­meint ist, „nur hal­be En­ten zu ver­kau­fen”, al­so Leu­te mit et­was zu täu­schen, das zwar wört­lich wahr ist, aber ab­sicht­lich in die Ir­re führt.

Wenn wir nicht an­fan­gen, un­se­re po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­fin­dungs­me­cha­nis­mus vom zer­stö­re­ri­schen Ein­fluss die­ser ät­zen­den En­ten be­frei­en, dann sind un­se­re Gän­se viel­leicht tat­säch­lich gut durch­ge­kocht.

Mar­tin Sher­man ist der Grün­der und lei­ten­der Di­rek­tor des is­rae­li­schen In­sti­tu­tes für stra­te­gi­sche Stu­di­en.

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