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Kann Is­ra­el ei­ne De­mo­kra­tie bleiben?

Ar­thur To­po­row­ski, 23.3.2015, Facebook

Die Pro­gno­sen der de­mo­gra­phi­schen Da­ten und ara­bi­schen Ge­bur­ten­ra­ten sind nicht die gan­ze Ge­schich­te. Man muss auch prü­fen, ob die pa­läs­ti­nen­si­schen Ara­ber au­to­ma­tisch für ei­nen ara­bi­schen Staat stim­men wer­den. Um­fra­gen un­ter den Ara­bern in Is­ra­el und auch der Ara­ber in „Ost”-Jerusalem ge­ben uns Grund, das zu hin­ter­fra­gen. Wie ei­ne Um­fra­ge des Wa­shing­ton In­sti­tu­te über die Fra­ge „Was wol­len die Ara­ber Ost-​Jerusalems wirk­lich?”, zeig­te: wäh­rend et­wa ein Drit­tel die PA als Re­gie­rung wol­len, war ein wei­te­res Drit­tel neu­tral, und der rest­li­che Teil (die Mehr­heit) woll­te ei­ne is­rae­li­sche Re­gie­rung. Noch viel­sa­gen­der ist, dass rund 40% sag­ten, dass sie nach Is­ra­el um­zie­hen wür­den, falls ihr Be­reich un­ter PA-​Herrschaft kom­men soll­te. Um­fra­gen un­ter Ara­bern in Is­ra­el zei­gen noch hö­he­re Pro-​Israel-​Werte, auch wenn die Me­tho­den we­ni­ger struk­tu­riert sind. Viel­leicht, wenn die West­bank und Ga­za in ein grös­se­res Is­ra­el an­nek­tiert wür­den, dann wür­de der Prag­ma­tis­mus ei­ni­ger Ara­ber ih­re Re­gie­run­gen über­ra­schen. Im­mer­hin, kann man staat­li­che Kor­rup­ti­on und Herr­schaft nur bis zu ei­ner ge­wis­sen Gren­ze to­le­rie­ren. Selbst in Is­ra­el kön­nen Ara­ber für is­rae­li­sche Par­tei­en stim­men, und tun dies auch, so wie Ju­den für Ara­ber stimm­ten kön­nen, und das auch tun.

Ob­wohl er schön po­liert ist, kommt Mr. Mil­banks Ar­ti­kel nicht oh­ne Vor­ein­ge­nom­men­heit oder fal­sche An­ga­ben aus. Von Mi­nis­ter­prä­si­dent Net­anya­hus frag­wür­di­gem Auf­ruf an die rech­ten Wäh­ler, an die Ur­nen zu kom­men, be­rich­tet er „als er am Wahl­tag warn­te, dass ‚ara­bi­schen Wäh­ler in Scha­ren kom­men’.” Aber, wie sei­ne ei­ge­ne Quel­le (Is­ha­an Tha­roor in ei­nem Wash.-Post-Artikel vom 17.3.) be­rich­tet, war der voll­stän­di­ge Satz „Die rech­te Re­gie­rung ist in Ge­fahr. Ara­bi­schen Wäh­ler kom­men in Scha­ren zu den Ur­nen. Lin­ke Or­ga­ni­sa­tio­nen brin­gen sie in Bus­sen.” Wäh­rend der Kom­men­tar als gan­zes frag­wür­dig ist, so ver­än­dert die voll­stän­di­ge Ver­si­on den Schwer­punkt deut­lich. Der pri­mä­re Sor­gen­punkt ist, dass Linksaussen-​Organisationen Per­so­nen ak­ti­vie­ren, die im Ein­klang mit ih­rer Po­li­tik ab­stim­men und das Wahl­er­geb­nis be­ein­flus­sen kön­nen, und des­halb drängt er die­je­ni­gen, die viel­leicht nicht ab­ge­stimmt ha­ben könn­ten, den zu­sätz­li­chen Auf­wand zu leis­ten, um ih­re Stim­me ab­zu­ge­ben. Sol­che An­trie­be zur Wahl sind kei­ne Sel­ten­heit, und sind si­cher­lich sie ein Teil des­sen, was so deut­lich die Wahl­be­tei­li­gung der Afro­ame­ri­ka­ner ver­bes­sert hat in den letz­ten bei­den ame­ri­ka­ni­schen Präsidentschaftswahlen.

Ich ge­be zu, zu wün­schen, dass P. M. Net­a­ny­hau das Wort „Ara­ber” weg­ge­las­sen hät­te, denn was für ei­nen Is­rae­li wie ei­ne de­mo­gra­fi­sche Kenn­zeich­nung aus­se­hen mag, wird im Wes­ten ein­deu­tig als falsch be­trach­tet, aber es ist wich­tig, fest­zu­hal­ten, dass er in kei­ner Wei­se die Ara­ber Is­ra­els des Wahl­rechts be­raub­te. Ab­ge­se­hen von der Tat­sa­che, dass 16 Ara­ber in der Knes­set die­nen, oder dass 12 die­ser Ara­ber in ei­ner Par­tei mit ge­mein­sa­mer Lis­te sit­zen, was ih­re 13 Sit­ze zur dritt­stärks­ten Par­tei in der Knes­set und po­ten­zi­ell zu ei­ner be­deu­ten­den Kraft macht, ent­we­der als Mit­glied der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on oder der Op­po­si­ti­on, ist die wich­tigs­te Sa­che, in Be­trach­tung zu zie­hen, dass die 1,4 Mil­lio­nen Ara­ber in Is­ra­el die ein­zi­gen Ara­ber im Na­hen Os­ten sind, die zu­ver­läs­sig und be­stän­dig über­haupt das Recht ha­ben, ab­stim­men zu dürfen.

Es ist nicht so sim­pel und ein­fach, wie Mr. Mil­bank es macht. Selbst mit Pa­ri­tät zwi­schen ara­bi­scher und jü­di­scher Be­völ­ke­rung ist es nicht so si­cher, dass die is­rae­li­sche De­mo­kra­tie ver­sagt. Es gibt Ara­ber, die für jü­di­sche Par­tei­en stim­men, und Ju­den, die für ara­bi­sche Par­tei­en stim­men, und es gibt Par­tei­en mit ara­bi­schen und jü­di­schen Mit­glie­dern. Es ist durch­aus mög­lich, dass die Op­ti­on von Frei­heit und Rech­ten, die ih­nen un­ter Ha­mas und Fa­tah ver­wei­gert wird, den Ara­bern im Ga­za­strei­fen und im West­jor­dan­land durch­aus ge­fällt. Es ist mög­lich, dass die Er­fah­rung des Zu­sam­men­le­bens oh­ne die An­stif­tung zur Ge­walt durch Ha­mas und Fa­tah (wel­che an Ter­ro­ris­ten und ih­re Fa­mi­li­en Ge­häl­ter be­zahlt) die de­mo­kra­ti­sche is­rae­li­sche Re­gie­rung als die bes­te Wahl er­schei­nen lässt.

Dies ist ein Kom­men­tar zu die­sem Ar­ti­kel in der Wa­shing­ton Post.

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