StartseiteNaher OstenDie Nak­ba: Fak­ten ver­sus Fiktionen

Lev Zhia­vev, 24. Mai 2015, The Is­rae­li Perspective

Die Zei­ten, in de­nen wir le­ben, auf­er­le­gen uns ge­wis­se Spiel­re­geln, ob wir es wol­len oder nicht. Ei­ne die­ser Re­geln ist das „Nar­ra­tiv,” und das Zeit­al­ter, das sie uns auf­er­legt, ist die Post­mo­der­ne. Theo­re­tisch macht sie gel­tend, dass je­de Per­spek­ti­ve auf die Tat­sa­chen, die Chro­no­lo­gie zu der sie statt­ge­fun­den ha­ben, gang­bar ist. Auf den ers­ten Blick scheint es, dass das ei­ne völ­lig le­gi­ti­me Be­ob­ach­tung sei. Aber prak­tisch be­deu­tet es für zu vie­le zu häu­fig, dass Be­grif­fe wie Fak­ten und Chro­no­lo­gie ver­al­ten und be­lang­los wer­den. Nicht die Per­spek­ti­ve auf die Fak­ten än­dert sich, son­dern die Fak­ten än­dern, um sich der ei­ge­nen Per­spek­ti­ve an­zu­pas­sen. Fra­gen wie: – Wer ist der Ag­gres­sor? Wer hat zu­erst an­ge­grif­fen? Wer hat den Krieg be­gon­nen? War­um wur­de er be­gon­nen? Wie ist die tat­säch­li­che Ab­fol­ge der Er­eig­nis­se? Wel­ches ist die Ur­sa­che und Wir­kung? Wer ist ein Ter­ro­rist und wer ein Frei­heits­kämp­fer? – Al­les ver­liert an Bedeutung.

Wenn je­der Stand­punkt ak­zep­ta­bel ist, dann ist nie­mand ein Lüg­ner. Wenn je­der sei­ne ei­ge­ne Wahr­heit hat, dann gibt es über­haupt kei­ne Wahr­heit. Kei­ne Fak­ten, kei­ne Wahr­heit – kein rich­tig oder falsch. Las­sen wir das auf dem Ge­wis­sen der Men­schen las­ten, die für das Tö­ten von Wahr­heit als ein Kon­zept durch die Ein­füh­rung der Post­mo­der­ne in un­ser Le­ben ver­ant­wort­lich sind – die Wissenschaft.

Die Nak­ba, der „pa­lestinän­si­sche” Trau­er­tag, nach dem Gre­go­ria­ni­schen Ka­len­der am Tag der Aus­ru­fung der Grün­dung des Staa­tes Is­ra­el ge­fei­ert, ist das ul­ti­ma­ti­ve Bei­spiel für ein durch­ge­knall­tes „Nar­ra­tiv”. „Die Ka­ta­stro­phe”, „das De­sas­ter” der „Pa­läs­ti­nen­ser” hat al­le we­sent­li­chen Merk­ma­le des ty­pi­schen post­mo­der­nen mo­ra­li­schen und his­to­ri­schen „Re­la­ti­vis­mus”; Ge­schich­te igno­rie­ren, Ur­sa­che und Wir­kung ver­tau­schen, Er­eig­nis­se über al­le Pro­por­tio­nen hin­aus auf­bla­sen, je­den Kon­text aus dem Fens­ter schmeis­sen, Er­satz­theo­rie an­wen­den, und, na­tür­lich, Ein­zel­hei­ten her­aus­zu­grei­fen und mit zwei­er­lei Mass zu messen.

Was aus der Nakba-​Farce heu­te ge­wor­den ist, kann wie folgt auf den Punkt ge­bracht werden:
Bö­se zio­nis­ti­schen Ju­den ka­men aus Eu­ro­pa im Jahr 1948 in ein ih­nen völ­lig frem­des Pa­läs­ti­na, flüch­tend vor den Ho­lo­caust (der in der Re­gel eben­falls ver­leug­net wird), be­setz­ten es, be­gan­nen ei­nen bru­ta­len Völ­ker­mord an der un­schul­di­gen zi­vi­len ein­hei­mi­schen pa­läs­ti­nen­si­sche Be­völ­ke­rung (der bis heu­te an­dau­ert! ) und das zio­nis­ti­sche Is­ra­el auf den Rui­nen von Pa­läs­ti­na grün­de­ten. Die­je­ni­gen, die nicht ge­schlach­tet wur­den, wur­den bru­tal in ei­nem bö­sen Akt der eth­ni­schen Säu­be­rung aus ih­ren Häu­sern aus­ge­stos­sen und sind bis heu­te Flücht­lin­ge (zu­sam­men mit all ih­ren Nach­kom­men!). Dies ist als das gröss­te Ver­bre­chen in der Ge­schich­te der Mensch­heit an­zu­se­hen, Is­ra­el soll­te als das letz­te Ko­lo­ni­al­pro­jekt wahr­ge­nom­men wer­den, der Zio­nis­mus soll­te als Ras­sis­mus und bei­spiel­lo­ses Übel zu se­hen sein.

Schreck­lich, nicht wahr?
Aus der Sicht des progressiv-​liberal-​postmodernen Re­la­ti­vis­ten ist das al­les le­gi­tim und so fühl­bar wie je­de an­de­re Ge­schich­te. Wenn es in der Tat so wä­re, dann wä­re Is­ra­el ei­ne In­kar­na­ti­on Sa­tans und all die Boy­kot­te, Vor­ur­tei­le und un­ver­hält­nis­mäs­si­ge Ob­ses­sio­nen wä­ren gerechtfertigt.
Aus der Sicht ei­nes nor­ma­len Men­schen? Nicht ganz so.

Mit der „Fei­er” des Nak­ba Day erst letz­te Wo­che, am 15. Mai, ist es von ent­schei­den­der Be­deu­tung, die Sa­che rich­tig zu stel­len und ei­nen ent­schei­den­den Stand­punkt ein­zu­neh­men: Lü­gen sind kein Narrativ.
Las­sen Sie uns die Nak­ba Far­ce ent­lar­ven und die Lü­gen, auf de­nen sie auf­ge­baut ist:

My­thos 1: „Ju­den ka­men 1948 nach Is­ra­el /​ Is­ra­el wur­de nur we­gen des Ho­lo­caust gegründet!”

Ab­ge­se­hen von der al­ten Ge­schich­te, der Re­li­gi­on, der Bi­bel und dem Ko­ran, die­se Lü­ge igno­riert den Auf­bau von Is­ra­el durch eu­ro­päi­sche Ju­den für ei­ni­ge 50 Jah­re vor dem Zwei­ten Welt­krieg. Es igno­riert die ers­te und die zwei­te „Aliyah” – Wel­len jü­di­scher Rück­füh­run­gen nach Is­ra­el 1882 – 1902 und 1904 – 1914, lan­ge vor dem Zwei­ten Welt­krieg oder dem Ho­lo­caust. Sie igno­riert die Grün­dung der zio­nis­ti­schen Be­we­gung – der Na­tio­nal­be­we­gung des jü­di­schen Vol­kes – im 19. Jahr­hun­dert. Sie igno­riert wei­ter­hin die ur­sprüng­li­che Rück­füh­rung der je­me­ni­ti­schen Ju­den nach Is­ra­el im 19. Jahr­hun­dert gleich­zei­tig und un­ab­hän­gig von der ers­ten Alijah.

My­thos 2: „Ju­den ha­ben „Pa­läs­ti­na” besetzt!”

Nie, zu kei­nem Zeit­punkt in der Ge­schich­te gab es ei­nen un­ab­hän­gi­gen Staat na­mens „Pa­läs­ti­na”, den die Ju­den hät­ten be­set­zen kön­nen. „Pa­läs­ti­na” war nur ein von aus­län­di­schen Be­sat­zern für ein geo­gra­phi­sches Ge­biet  ge­ge­be­ner Na­me; Rö­mer, Tür­ken, Bri­ten. Der Na­me kommt vom he­bräi­schen Wort „Plisht­im”, was …„Ein­dring­lin­ge” be­deu­tet (hopp­la!), und wur­de ei­nem frem­den, al­ten grie­chi­schen Stamm ge­ge­ben, der vom Meer her in das Land ein­drang. Es gab nie ei­ne po­li­ti­sche Ein­heit na­mens „Pa­läs­ti­na”. Es gab nie ein ein­zig­ar­ti­ges Volk der „Pa­läs­ti­nen­ser”, ei­gen­stän­dig und ge­trennt vom Rest der Ara­ber des Na­hen Ostens.

My­thos 3: „„Pa­läs­ti­nen­ser” sind das ein­ge­bo­re­ne Volk Israels”!

Mit der Grün­dung der UNRWA wur­den ei­ni­ge ganz neue Kri­te­ri­en für ara­bi­sche Flücht­lin­ge aus bri­tisch Pa­läs­ti­na eta­bliert, ein­zig­ar­tig und ver­schie­den von den Kri­te­ri­en für al­le an­de­ren Flücht­ling im Uni­ver­sum. Im Ge­gen­satz zu al­len an­de­ren Flücht­lin­gen die­ser Welt, die den Sta­tus er­hal­ten, wenn sie aus ih­rem Hei­mat­land ver­trie­ben wur­den, er­hiel­ten die ara­bi­schen Flücht­lin­ge aus Bri­tisch Pa­läs­ti­na den Sta­tus, wenn sie seit …zwei Jah­ren in Bri­tisch Pa­läs­ti­na ge­leebt hat­ten. (Zu­sam­men mit ih­ren Kin­dern. Und ih­ren Kin­des­kin­dern. Und der Kin­der der Kinder…)
War­um war die­ses ein­zig­ar­ti­ge Kri­te­ri­um not­wen­dig? Of­fen­sicht­lich des­halb, weil der uni­ver­sel­le Stan­dard nicht auf die Ara­ber von Bri­tisch Pa­läs­ti­na zu­trifft. Wäh­rend die ge­nau­en Zah­len un­ter den Ge­lehr­ten um­strit­ten sind, ist of­fen­sicht­lich ein si­gni­fi­kan­ter An­teil de­rer, die heu­te „Pa­läs­ti­nen­ser” ge­nannt wer­den, in kei­ner Wei­se in Is­ra­el hei­misch. Kin­der aus­län­di­scher Ar­beit­neh­mer, die durch die Os­ma­nen her­ge­bracht wur­den, durch die Mi­gra­ti­on von Stäm­men, wäh­rend der ara­bi­schen Re­vol­te her­ge­kom­me­ne Ban­den. Ihr An­spruch ist in kei­ner Wei­se ur­sprüng­li­cher, als der Ju­den der ers­ten und zwei­ten Aliyahs. Nicht zu ver­ges­sen der his­to­ri­sche An­spruch auf Is­ra­el, spe­zi­fisch für die Juden.

Nun, wenn wir uns die von der UNRWA ge­nann­te ur­sprüng­li­che Zahl von 711’000 Flücht­lin­gen an­schau­en (auch wenn sie heu­te auf der of­fi­zi­el­len Web­site dreist „et­wa 750′000″ be­haup­ten!), dann wer­den wir auch ei­ne Über­ra­schung er­le­ben. Prof. Karshs akri­bi­sche For­schung hat be­wie­sen, dass die Schät­zung „pa­läs­ti­nen­si­scher” ara­bi­scher Flücht­lin­ge nur auf ma­xi­mal 609’000 zu ste­hen kommt. Das be­deu­tet, dass rund 100.000 be­nach­bar­te nicht-„palästinensissche” Ara­ber auf­ge­sprun­gen sind, um an den gross­zü­gi­gen Tit­ten der Welt­ge­mein­schaft zu saugen.

My­thos 4: „Zio­nis­ten ha­ben „Pa­läs­ti­nen­ser” hin­aus­ge­wor­fen! Sie ha­ben be­gon­nen! „Pa­läs­ti­nen­si­scher” Ter­ro­ris­mus ist nur ei­ne Re­ak­ti­on auf die zio­nis­ti­sche Aggression!”

Hier kommt je­ne nervtötende-​kleine-​unbedeutende-​veraltete Be­läs­ti­gung na­mens „Chro­no­lo­gie” ins Spiel.
Fünf ara­bi­sche Ar­me­en grif­fen die Ju­den im Mai 1948 an, be­vor sie über­haupt je­man­den „raus­war­fen”. Wor­auf ha­ben sie dann „re­agiert”?
Ara­ber er­mor­de­ten rund 300 Ju­den wäh­rend der ara­bi­schen Re­vol­te von 1936 – 1939. Be­vor die Ju­den ir­gend je­man­den „raus­schmis­sen” oder „be­setz­ten”. Wor­auf ha­ben sie denn „re­agiert”?
Ara­ber schlach­te­ten 18 Ju­den in Safed und 67 in He­bron 1929. Wor­auf ge­nau ha­ben sie da „re­agiert”?
Die Lis­te lässt sich be­lie­big weiterführen.
Ha­ben Sie im­mer noch das Ge­fühl is­la­mi­schen Ter­ro­ris­mus recht­fer­ti­gen und ra­tio­na­li­sie­ren zu müssen?

Nun, oh­ne auch nur auf die Zah­len der (nicht un­er­heb­li­chen) Fra­ge ein­zu­ge­hen, wie vie­le Ara­ber tat­säch­lich phy­sisch von Ju­den ver­trie­ben wur­den, wie vie­le auf ei­ge­nen An­trieb flo­hen und wie vie­le ih­re Häu­ser ver­lies­sen auf­grund der Auf­for­de­rung von ara­bi­schen Ge­ne­rä­len (un­ter Ver­nach­läs­si­gung der Bit­ten der jü­di­schen Füh­rung, zu blei­ben und zu­sam­men ein Le­ben auf­zu­bau­en), da­mit sie die Ju­den rasch eli­mi­nie­ren und ih­nen die Rück­kehr „in zwei Wo­chen” er­mög­li­chen kön­nen, er­in­nern wir uns doch zu­nächst an ein paar grund­le­gen­de Fakten:
# 1: Es wa­ren Ara­ber, die Ju­den an­grif­fen; fünf aus­län­di­sche Ar­me­en so­wie lo­ka­le Banden.
# 2. De­ren aus­drück­li­ches Ziel war die Ver­nich­tung der Ju­den und Völkermord.
# 3. Sie be­gan­nen den Krieg. Sie plan­ten Völ­ker­mord. Sie ver­lo­ren. Wo ist der „Nak­ba Day” der Nazis?

My­thos 5: „Zio­nis­ten ha­ben Ge­no­zid an den „Pa­läs­ti­nen­sern” be­gan­gen! /​ Die Nak­ba ist der Ho­lo­caust der „Pa­läs­ti­nen­ser”!”

Der Ho­lo­caust ist nicht ei­ne Fra­ge der Perspektive.
Ein Völ­ker­mord ist nicht ein Pro­blem des Narrativs.
Sie kön­nen ih­re Nie­der­la­ge im Jahr 1949 nicht ei­nen „Ho­lo­caust” nen­nen, nur weil es „ein Ho­lo­caust für Sie” ist.

Die Lü­ge des durch Is­rae­lis ver­üb­ten Völ­ker­mords ist ei­ne Lü­ge mons­trö­ser Grös­se, mit ei­nem me­ta­phy­si­schen Zweck. Ihr Ziel ist es, zu be­wei­sen: „Die Ju­den sind doch die Bö­sen” – da­durch die Be­frei­ung des Wes­tens von der Schuld des Ho­lo­caust, und dass „was die Na­zis ih­nen an­ge­tan ha­ben, sie jetzt ge­ra­de den Pa­läs­ti­nen­sern an­tun”, was Zio­nis­mus in mo­der­nen Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­dreht und ganz Is­ra­el in ei­ne Art Freud­schen Kom­plex. Der ein­zig denk­ba­re Grund da­für, dass die­se Dreis­tig­keit ir­gend wel­chen Er­folg ha­ben kann, ist, an­zu­neh­men, dass Hit­lers Pro­pa­gan­da­tech­nik der Gros­sen Lü­ge funk­tio­niert: „Lü­gen Sie so ko­los­sal, dass nie­mand glau­ben wür­de, dass je­mand die Ruch­lo­sig­keit ha­ben kann, die Wahr­heit der­mas­sen in­fam zu verzerren”.

Gut, en­ga­gie­ren wir uns in geis­ti­gem Selbst­miss­brauch: Ein Völ­ker­mord ist die sys­te­ma­ti­sche Zer­stö­rung der ge­sam­ten oder ei­nes we­sent­li­chen Teils ei­ner ras­si­schen, eth­ni­schen, re­li­giö­sen oder na­tio­na­len Grup­pe – mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung von Wi­ki­pe­dia.
Bei­spiel 1: Wäh­rend des ar­me­ni­schen Völ­ker­mords schlach­te­ten die Tür­ken rund 1,5 Mil­lio­nen der 2 Mil­lio­nen Ar­me­ni­er im Os­ma­ni­schen Reich ab. Das sind rund 75% der ar­me­ni­schen Be­völ­ke­rung im Os­ma­ni­schen Reich. Das ist ein Völkermord.
Bei­spiel 2: Wäh­rend des Ho­lo­caust sind rund 6 Mil­lio­nen der 9,5 Mil­lio­nen eu­ro­päi­schen Ju­den ab­ge­schlach­tet wor­den. Das ist rund 63% der jü­di­schen Be­völ­ke­rung. Das ist ein Völkermord.
Bei­spiel 3: Wäh­rend des Ge­no­zids in Ru­an­da wur­den rund 500’000 von den 770’000 Tut­sis ge­schlach­tet. Das sind et­wa 65% der Tutsi-​Bevölkerung. Das ist ein Völkermord.
Die­se Lis­te lässt sich weiterführen.

Jetzt zu Is­ra­el und den Ara­bern, von den 711’000 (Zah­len der UNO) ver­dräng­ten „Pa­läs­ti­nen­ser” (nicht der ge­sam­ten ara­bi­schen Be­völ­ke­rung des bri­ti­schen Pa­läs­ti­na, wohl­ge­merkt) wur­den rund 13’000 Men­schen ge­tö­tet. Das sind rund 1,8% der ara­bi­schen Be­völ­ke­rung. Ich ha­be ab­sicht­lich die Zah­len mit dem Sie­gel der Zu­stim­mung des „pa­läs­ti­nen­si­schen Nar­ra­tivs” ver­wen­det, auch wenn sie um­strit­ten und auf­ge­bla­sen sind.
So­gar ih­re ei­ge­nen Zah­len be­le­gen oh­ne Zwei­fel, dass es nie ei­nen Völ­ker­mord ge­ge­ben hat.

My­thos 6: „Gut, kein Völ­ker­mord, aber die Zio­nis­ten ha­ben Pa­läs­ti­na eth­nisch ge­säu­bert! Ge­hei­me zio­nis­ti­sche Do­ku­men­te be­wei­sen, dass das die gan­ze Zeit ih­re Ab­sicht war!”

Egal, wie viel be­stimm­te progressive-​liberal-​postmodern-​relativistischen „Ge­lehr­te” ver­su­chen, be­stimm­te Phra­sen oder Zi­ta­te zu ver­dre­hen, sie aus dem Zu­sam­men­hang zu reis­sen und sie aus ih­rem his­to­ri­schen Kon­text her­aus­zu­lö­sen ver­su­chen, gab es ei­nen brei­ten Kon­sens der Op­po­si­ti­on zu ei­ner Ver­trei­bung der Ara­ber über die ge­sam­te jü­di­sche po­li­ti­sche Land­kar­te, links und rechts.

Nach­dem das ge­sagt ist, lasst uns auch fest­hal­ten, dass „eth­ni­sche Säu­be­rung” die Art des post­mo­der­nen His­to­ri­kers ist, Be­völ­ke­rungs­um­sied­lun­gen zu dä­mo­ni­sie­ren. In den Jah­ren nach dem Zwei­ten Welt­krieg (d.h. in den frag­li­chen Jah­ren) wa­ren Be­völ­ke­rungs­um­sied­lun­gen mit dem Ziel der Schaf­fung ho­mo­ge­ner Na­tio­nal­staa­ten die in­ter­na­tio­na­le Norm, von der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft im All­ge­mei­nen und spe­zi­ell in Is­ra­el ge­neh­migt und ge­för­dert (so­gar von ei­ni­gen ara­bi­schen Füh­rern!). Si­cher, die ei­ge­ne Woh­nung zu ver­las­sen ist im­mer ei­ne Tra­gö­die, aber das ge­schah, trau­ri­ger­wei­se, auf der gan­zen Welt und in viel (viel) hö­he­ren Zah­len. Al­le die­se Aus­tau­sche wur­den auf tra­gi­sche Wei­se auch von gros­sen Ver­lus­ten an Men­schen­le­bens begleitet.

Bei­spiel 1: 14,5 Mio. wur­den zwi­schen In­di­en und Pa­ki­stan um­ge­sie­delt. Es gab kei­nen Krieg. Im Ge­gen­teil wur­de die Um­sied­lung durch­ge­führt, um durch die Ver­ei­ni­gung der Hin­dus mit den Hin­dus und der Mus­li­me mit den Mus­li­men ei­nen Krieg zu ver­hin­dern. Doch bei­de Län­der wa­ren in je­ner Zeit nicht in der La­ge, sich ge­büh­rend um die Mas­sen­um­sied­lung zu küm­mern, und es sind Mas­sa­ker auf bei­den Sei­ten auf­ge­tre­ten. Die ge­naue Zahl der ge­tö­te­ten Men­schen als Fol­ge der Um­sied­lung ist noch um­strit­ten, wo­bei ei­ni­ge Schät­zun­gen bis auf ei­ne Mil­li­on To­te ge­hen. Die meis­ten Ge­lehr­ten zi­tie­ren rund 500’000.
Bei­spiel 2: Un­ge­fähr 12 Mil­lio­nen eth­ni­sche Deut­sche aus ganz Eu­ro­pa wur­den nach der Nazi-​Niederlage von wü­ten­der lo­ka­ler Be­völ­ke­rung aus ih­ren Häu­sern ge­trie­ben. Dies ob­wohl sie in­di­gen wa­ren zu ih­rem Hei­mat­land, und auf kei­ne Wei­se ir­gend­ei­nen Be­zug zu den Na­zis hat­ten. Rund 550’000 wur­den wäh­rend der Ver­trei­bun­gen ge­tö­tet.
Bei­spiel # 3: Das En­de des Zwei­ten Welt­kriegs hat ei­nen si­gni­fi­kan­ten Groll zwi­schen den Po­len und den Ukrai­nern hin­ter­las­sen. 1,5 Mil­lio­nen wur­den aus ih­ren Häu­sern ver­trie­ben. Bis zu 100’000 wur­den ge­tö­tet.
Die­se Lis­te lässt sich weiterführen.

Ver­gleich welt­wei­ter Um­sied­lun­gen. In blau: Die to­ta­le An­zahl um­ge­sie­del­ter Men­schen. In rot: Die da­bei ge­tö­te­ten Menschen.

Rund 850’000 Ju­den (das sind 100’000 mehr als noch die ak­tu­el­len über­höh­ten Zahl der UNRWA) aus ara­bi­schen Län­dern als Fol­ge der Grün­dung des Staa­tes Is­ra­el ver­trie­be­ne kom­men auch in den Sinn. Die­se wa­ren tat­säch­lich in­di­ge­ne Bür­ger ih­rer Her­kunfts­län­der, die dort seit Jahr­hun­der­ten leb­ten. Sie wa­ren nicht im Krieg mit der ara­bi­schen Be­völ­ke­rung ih­rer Län­der. Sie ha­ben kei­ne In­va­si­on ge­star­tet aus fünf feind­li­chen jü­di­schen Staa­ten. Sie ha­ben nie schwo­ren, die Ara­ber ins Meer zu treiben.
Wis­sen Sie, klei­ne, un­be­deu­ten­de, nerv­tö­ten­den Unterschiede.

Von all den Mil­lio­nen Flücht­lin­gen, die die Welt seit dem Zwei­ten Welt­krieg ge­se­hen hat, be­hält nur ei­ne Grup­pe sei­nen Flücht­lings­sta­tus bis heu­te und gibt ihn an ih­re Nach­kom­men wei­ter. Nur ei­ne hat ih­re Um­sied­lung zum Kern ih­rer na­tio­na­len Iden­ti­tät ge­macht. Nur ei­ne jam­mert und stöhnt, bis zum heu­ti­gen Tag, über ih­re „gros­se Ka­ta­stro­phe”. Ra­tet mal, welche.
Nach dem­sel­ben Mass­stab, wo ist der in­di­sche Nak­ba Day? Wo ist der pa­ki­sta­ni­sche Nak­ba Day? Wo der Deutsche? ..
Die­se Lis­te lässt sich weiterführen.

My­thos 7: „Zio­nis­ten be­trei­ben heu­te noch den Völ­ker­mord an den „Pa­läs­ti­nen­sern”!”

Selbst wenn Sie ab­so­lut nichts von Ge­schich­te, Völ­ker­recht, Po­li­tik, dem Na­hen Os­ten, dem israelisch-​arabischen Kon­flikt oder sonst et­was ver­ste­hen, so müs­sen Sie trotz­dem im­mer noch hirn­tot sein, um die­se Vor­wür­fe ernst zu nehmen.
Sie kön­nen nicht ei­nen Völ­ker­mord ha­ben mit ei­nem ste­ten Wachs­tum der Be­völ­ke­rung. (im Ge­gen­satz zu ei­nem star­ken Rück­gang, wis­sen Sie)
Sie kön­nen nicht ei­nen Völ­ker­mord ha­ben mit ei­nem ste­ten Wachs­tum der Le­bens­er­war­tung, hö­her als der Welt­durch­schnitt.
Sie kön­nen nicht ei­nen Völ­ker­mord ha­ben mit ei­nem ste­ten Rück­gang der Kin­der­sterb­lich­keit, nied­ri­ger als der Welt­durch­schnitt.
Die­se Lis­te lässt sich weiterführen.

My­thos 8: „Is­ra­el ist ein ko­lo­nia­lis­ti­sches Projekt!”

Die Ju­den sind nicht nach Is­ra­el ge­kom­men mit der Fah­ne von Po­len, Russ­land, Ma­rok­ko oder dem Je­men. Sie sind nicht ge­kom­men, um die „Reich­tü­mer” und die „in­di­ge­ne Be­völ­ke­rung” Is­ra­els für ei­ne an­de­res Hei­mat­land zu miss­brau­chen. Sie ka­men, um sich in Is­ra­el nie­der­zu­las­sen, ein ver­folg­tes Volk, al­les hin­ter sich zu­rück­las­send, um ein neu­es, jü­di­sches Le­ben in ih­rer neu­en Hei­mat auf­zu­bau­en. Um das Land zu be­ar­bei­ten, um die Städ­te zu bau­en, um ih­re ei­ge­ne, un­ab­hän­gi­ge, jü­di­sche Kul­tur zu ent­wi­ckeln. Zio­nis­mus ist nicht Ko­lo­nia­lis­mus, noch ist es Ras­sis­mus. Es ist die Bür­ger­rechts­be­we­gung des jü­di­schen Volkes.

Zu­rück­kom­mend auf die „Zeit des Nar­ra­tivs”, si­cher ist der Sieg des ei­nen Men­schen ei­nes an­de­ren Men­schen Tra­gö­die. Ge­währt. Auch wenn es völ­lig selbst­ver­schul­det ist. Zu­ge­ge­ben, je­der Ver­lust, je­de Um­sied­lung ist ein tra­gi­sches Er­eig­nis für die be­trof­fe­nen Men­schen. Zu­ge­ge­ben, wenn es kei­ne Krie­ge auf der Welt gä­be, dann wä­re sie ein bes­se­rer Ort. Kei­ne Fra­ge. Nun, neh­men wir an, dass Sie die­sen Ver­lust in ei­nen ent­schei­den­den Mo­ment in Ih­rer Ge­schich­te ver­wan­delt ha­ben, in ei­nen Grund­stein Ih­rer na­tio­na­len Iden­ti­tät (bei­spiel­los, wirk­lich). Neh­men wir an, dass Sie das Elend zum Be­ruf ge­macht ha­ben. Sa­gen wir, dass Sie das Lei­den (der Nach­kom­men) Ih­rer Flücht­lin­ge ver­ewigt ha­ben. Sa­gen wir, dass Ih­re na­tio­na­le Idee auf­fal­lend ne­ga­tiv ist, in ei­ner ab­so­lut ein­zig­ar­ti­gen Art und Wei­se ge­gen­über der glo­ba­len Praxis.

Be­trach­ten Sie fol­gen­des, der is­rae­li­sche Vize-​Botschafter in Nor­we­gen, Ge­or­ge De­ek (der zu­fäl­lig ein is­rae­li­scher Ara­ber ist), brach­te die­se Fra­ge auf: War­um wird der Nak­ba am Tag der is­rae­li­schen Un­ab­hän­gig­keits­er­klä­rung ge­dacht? War­um nicht, sa­gen wir, am Tag die­se Ver­trei­bung oder je­nes Mas­sa­kers, oder die­ser Nie­der­la­ge? Was hat es mit der pa­läs­ti­nen­si­schen „Ka­ta­stro­phe” auf sich? Ihr Ver­lust? Ih­rer Ver­trei­bung? Ih­re Dia­spo­ra? Oder ist es un­ser Sieg, der die Haupt­ur­sa­che ih­rer Trau­er ist?

Dar­um geht es am En­de. Das We­sen des ge­sam­ten Kon­flikts. Haupt­pro­blem der Pa­läs­ti­nen­ser ist nicht ein Man­gel an ei­nem Staat, es ist die Exis­tenz von un­se­rem. Kei­ne an­de­re Na­ti­on hat die Men­ge der Mög­lich­kei­ten der Pa­läs­ti­nen­ser ge­habt, ih­ren ei­ge­nen Staat zu eta­blie­ren. Es ist nicht ei­ne Fra­ge des Ter­ri­to­ri­ums. So­lan­ge ein jü­di­scher Staat über­all im his­to­ri­schen Is­ra­el exis­tiert, wird die pa­läs­ti­nen­si­sche „Nak­ba” nicht zu En­de sein.

Las­sen Sie sich nicht das Ge­hirn wa­schen von „Nar­ra­ti­ven”.
Be­stehen Sie um je­den Preis dar­auf, Ihr Ge­hirn zu benutzen.


Kommentare

Die Nak­ba: Fak­ten ver­sus Fiktionen — 3 Kommentare

  1. Su­per zu­sam­men­ge­fasst. Könn­te man das nicht an al­le Me­di­en und Par­tei­en schi­cken? Sie müs­sen ant­wor­ten, auch wenns dann nur zu ei­ner Stan­dard­ant­wort reicht.

  2. Pingback: Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

  3. Ei­ne sehr schö­ne Samm­lung von My­then. Wür­den die Pa­lA­ra­ber und die an­de­ren Ara­ber ih­re spru­deln­de Fan­ta­sie für et­was Kon­struk­ti­ves ver­wen­den, wür­den sie in vie­ler, wenn
    nicht in je­der Hin­sicht wei­ter hal­ten. Wirt­schaft­lich, po­li­tisch usw. Viel­leicht wür­de dann ihr tie­fer Haß auf Is­ra­el und den Wes­ten aufhören.
    lg
    caruso

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