«

»

ISIS: Der schwar­ze Kra­ke

Mit gros­sen Öl­re­ser­ven, gut or­ga­ni­sier­ten Re­gie­rungs­in­sti­tu­tio­nen und Part­nern aus Ni­ge­ria bis Chi­na will der Is­la­mi­sche Staat sich aus­wei­ten und mehr Ter­ror im Wes­ten ver­brei­ten.

Alex Fish­man, 20.11.2015, Ynetnews.com

Si­cher­heits­kräf­te in Eu­ro­pa sind in ei­nem Zu­stand der Hys­te­rie. Seit dem 13. No­vem­ber, dem Schwar­zen Frei­tag von Pa­ris, weist mehr und mehr neue Ge­heim­dienst­in­for­ma­ti­on auf die Tat­sa­che hin, dass die An­grif­fe je­nes Abends nur ein Teil ei­nes viel grös­se­ren Bil­des sein soll­ten, das die al-​Qaida An­schlä­ge vom 11. Sep­tem­ber im Ver­gleich da­zu als ge­ra­de­zu mild er­schei­nen lies­se.

Der ur­sprüng­li­che Plan des Is­la­mi­schen Staa­tes war, ei­ne Rei­he von Ter­ror­an­schlä­gen in meh­re­ren eu­ro­päi­schen Haupt­städ­ten gleich­zei­tig zu be­ge­hen. Es war kein Zu­fall, dass der bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Da­vid Ca­me­ron und Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel di­rekt nach den An­schlä­gen in Pa­ris ih­re Kriegs­rä­te ein­be­rie­fen. Und das sind kei­ne Routine-​Operationen. Eu­ro­pas Ge­heim­diens­te sind erst dar­an, das ISIS-​Netzwerk auf dem Kon­ti­nent auf­zu­de­cken, wes­halb kein Land be­reit ist, ir­gend­ein Ri­si­ko ein­zu­ge­hen. Flü­ge, Kon­zer­te und Sport­ver­an­stal­tun­gen sind in ra­scher Fol­ge ab­ge­sagt wor­den, und das ist erst der An­fang.

Es ist noch un­klar, war­um der Plan für die grös­se­ren An­griff nicht aus­ge­führt wur­de, und es ist wahr­schein­lich, dass wenn so ein brei­tes Netz von ISIS-​Agenten in meh­re­ren eu­ro­päi­schen Haupt­städ­ten vor­han­den ist, dass ir­gend­wo auf dem Weg et­was schief ge­lau­fen ist. Es gibt ei­ne ech­te Sor­ge, dass die Ter­ro­ris­ten und die Waf­fen, die sie im Be­griff wa­ren, zu ver­wen­den, im­mer noch da draus­sen sind, und dass sie zu je­dem be­lie­bi­gen Zeit­punkt han­deln könn­ten, dass je­doch der­zeit je­mand sie dar­an hin­dert.

Ein ISIS Video, das die USA bedroht.

Ein ISIS Vi­deo, das die USA be­droht.

Und das ist nicht das ein­zi­ge, was mit ISIS’ Plä­nen schief ging. Der Haupt­ter­ror­an­schlag in Pa­ris soll­te am Sta­de de Fran­ce statt­fin­den, wo Zehn­tau­sen­de von Zu­schau­ern sich ein Freund­schafts­spiel zwi­schen Frank­reich und Deutsch­land an­sa­hen. Selbst­mord­at­ten­tä­ter plan­ten, sich in­ner­halb die­ser ge­wal­ti­gen Men­ge in die Luft zu spren­gen und Hun­der­te zu tö­ten. Das Er­öff­nungs­schau­spiel, das um 21:20 ein­ge­plant wur­de, soll­te die Fran­zo­sen un­ter Schock stel­len. Un­mit­tel­bar da­nach, wäh­rend die gan­ze Stadt von der mas­si­ven Ka­ta­stro­phe ge­lähmt wä­re, soll­ten drei oder vier wei­te­re Ter­ror­an­grif­fe im öf­fent­li­chen Raum der Stadt statt­fin­den, wie im Thea­ter und in Ca­fés.

Doch die Ter­ro­ris­ten, die an­geb­lich das Sta­di­on durch ver­schie­de­ne To­re be­tre­ten soll­ten, schei­ter­ten. Der ers­te ex­plo­dier­te am Gate B zur an­ge­ge­be­nen Zeit: um 21.20. Zehn Mi­nu­ten spä­ter ver­such­te ein wei­te­rer Ter­ro­rist, durch Tor H ins Sta­di­on zu ge­lan­gen, und auch ihm ge­lang es nicht. Er lief ein­fach in Si­cher­heits­leu­te – ein Phä­no­men, das in Eu­ro­pa noch nicht sehr ver­brei­tet ist, aus­ser in den Sta­di­en, wo Se­cu­ri­ty be­nö­tigt wird, um mit Hoo­li­gans um­zu­ge­hen. Erst jetzt be­ginnt Eu­ro­pa, sich mit Grund­se­cu­ri­ty zu be­fas­sen.

Am Mon­tag traf sich Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Mos­he Ya’alon mit den Bot­schaf­tern der NATO-​Staaten in Is­ra­el – dem fran­zö­si­schen, dem bri­ti­schen, dem ame­ri­ka­ni­schen und so­gar ei­nem Ver­tre­ter der tür­ki­schen Bot­schaft. Es lag ei­ne sehr düs­te­re At­mo­sphä­re über dem Raum. Ya­ron sprach über die Not­wen­dig­keit mo­ra­li­scher Klar­heit, und bat sie, auf­zu­hö­ren, Angst da­vor zu ha­ben, die Wor­te „po­li­ti­scher Is­lam” und „Is­la­mi­scher Ji­had” laut aus­zu­spre­chen. Dies ist nicht ein so­zia­les Pro­blem, sag­te er ih­nen. Dies ist ein Krieg zwi­schen den Zi­vi­li­sa­tio­nen. Der Is­la­mi­sche Ji­had hat ei­nen Krieg ge­gen uns al­le er­klärt, und nebst ISIS gibt es auch noch die Mus­lim­bru­der­schaft und an­de­re, die ver­su­chen, ih­re Re­li­gi­on der der gan­zen Welt auf­zu­zwin­gen.

Die Bot­schaf­ter wa­ren mehr an der ope­ra­ti­ven Sei­te der Din­ge in­ter­es­siert, an den Verteidigungs- und Si­cher­heits­mass­nah­men. Sie woll­ten wis­sen, wie Men­schen­rech­te mit Si­cher­heits­be­darf aus­ba­lan­ciert wer­den kön­nen, spra­chen über sen­si­ble The­men wie das Hö­ren auf die Zi­vil­be­völ­ke­rung und no­tier­ten höf­lich, was in der Sit­zung ge­sagt wur­de, für die Be­rich­te, die sie nach Hau­se schi­cken wür­den. Es gab kei­ne An­zei­chen, dass die NATO-​Mitglieder auf dem Weg wa­ren, um ihr Le­ben zu kämp­fen. Mehr noch, nie­mand in Eu­ro­pa konn­te sich über­haupt die Mög­lich­keit vor­stel­len, dass je­mand am Ein­gang zum Su­per­markt je­man­des Ta­sche sich­ten und kon­trol­lie­ren könn­te.

Sich nicht von den Go­lan­hö­hen weg rüh­ren

An­fangs Wo­che ge­schah ein sehr wich­ti­ges Er­eig­nis an der israelisch-​syrisch-​jordanischen Gren­ze statt­ge­fun­den, das nicht viel Auf­merk­sam­keit von den Me­di­en er­hal­ten hat. Der is­la­mi­sche Staat, der die nächst­ge­le­ge­ne Flä­che an der is­rae­li­schen Gren­ze auf den sy­ri­schen Go­lan­hö­hen kon­trol­liert, er­litt ei­nen schwe­ren Schlag und ver­lor auf ei­nen Schlag sei­ne ge­sam­ten Ober­be­fehls­ha­ber der Re­gi­on. Die Ge­schich­te ist die, dass ein Selbst­mord­at­ten­tä­ter ei­ner ri­va­li­sie­ren­den Grup­pe ein Tref­fen am Sitz der Yarmouk-​Märtyrerbrigaden in­fil­trier­te, ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on, die Treue zu ISIS ge­schwo­ren hat, sich im Raum in die Luft spreng­te und da­bei al­le im Raum be­find­li­chen Men­schen mit­nahm. Die Yar­mouk Mär­ty­rer­bri­ga­de, rund 700 Kämp­fer an der Zahl, war nicht nur ein Dorn in der Sei­te Is­ra­els, son­dern auch für Jor­da­ni­en, der Dru­sen in der Ge­gend, und für sy­ri­sche Op­po­si­ti­ons­grup­pen. Je­mand un­ter die­sen Mit­spie­lern hat­te be­schlos­sen, sie los zu wer­den.

Bis­her hat Is­ra­el kei­ne Pro­ble­me mit der Prä­senz des Is­la­mi­schen Staa­tes ge­habt auf den Go­lan­hö­hen. Trotz des über­schwap­pen­den Feu­ers aus Sy­ri­en nach Is­ra­el wäh­rend des blu­ti­gen Bür­ger­kriegs, der im Land wü­tet, wur­de nicht ei­ne ein­zi­ge Ku­gel von Mi­li­tan­ten des Is­la­mi­schen Ka­li­fats ab­ge­feu­ert. Und doch – ih­re blos­se An­we­sen­heit in der Re­gi­on schuf kon­stan­te Span­nun­gen und ei­nen kon­stan­ten Zu­stand der Wach­sam­keit auf der is­rae­li­schen Sei­te. Nun wer­den Kämp­fe zwi­schen den Män­nern der Yarmouk-​Märtyrerbrigaden und den Kämp­fern der Nus­ra Front, die mit Al-​Qaida ver­bun­den sind, aus­ge­foch­ten, und vie­le wer­den da­bei ver­letzt. Es ist nicht un­wahr­schein­lich, dass der töd­li­che An­griff, der die Füh­rung der Yarmouk-​Märtyrerbrigaden der Re­gi­on aus­schal­te­te, ei­gent­lich ein Zei­chen war, das das En­de der ISIS-​Kontrolle über den Go­lan mar­kier­te.

Na­dal Sa­lah, ein Be­woh­ner von Jal­ju­li­ja, der die Gren­ze nach Sy­ri­en am 24. Ok­to­ber mit ei­nem Gleit­schirm über­quer­te, trat den Yarmouk-​Märtyrerbrigaden bei. Es ist un­klar, was mit ihm pas­siert. Die­se Wo­che stell­te sich her­aus, dass er die sy­ri­sche Or­ga­ni­sa­ti­on über das In­ter­net kon­tak­tiert hat­te, und dass er, zu­sam­men mit sei­nen Freun­den, sich dem ISIS-​Aussenposten auf dem Go­lan an­schlies­sen und Teil des neu­en is­la­mi­schen Ka­li­fats wer­den soll­te.

Geheimdienst-​Profis ver­su­chen, zu ver­ste­hen, ob der Über­gang von ISIS’ „ein­sa­mer Wolf”-Terroranschlägen – wie die von Char­lie Heb­do und dem Hy­per Cas­her im Ja­nu­ar 2015 – zu An­grif­fen in gros­sem Mass­stab, ein­ge­lei­te­ten, rich­tig or­ga­ni­sier­ten An­grif­fen auf­grund ih­rer Feh­ler in Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Ko­ali­ti­ons­streit­kräf­ten im Irak und in Sy­ri­en er­folgt. Die of­fen­sicht­li­che Schluss­fol­ge­rung ist auch in Is­ra­el, dass die bei­den nicht mit­ein­an­der ver­knüpft sind. Die tak­ti­schen Miss­er­fol­ge im Fel­de füh­ren kei­ne stra­te­gi­schen Ver­än­de­run­gen in die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on her­bei. Sie sind hier, um zu blei­ben, und mör­de­ri­sche Ter­ror­an­schlä­ge in Über­see sind Teil der Stra­te­gie.

Hin­ter dem Pa­ri­ser An­griff steht ein sehr or­ga­ni­sier­ter Me­cha­nis­mus von Übersee-​Attacken, an de­ren Spit­ze Guerillakampf-​Experten ste­hen, die gröss­ten­teils aus dem Kau­ka­sus stam­men. ISIS ver­fügt über et­wa 2’000 Kämp­fer aus der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on. Ihr mi­li­tä­ri­scher Be­fehls­ha­ber, Omar al-​Schischani, ist ein tsche­tsche­ni­scher Staats­bür­ger.

Abu Ba­kr al-​Baghdadi, der ISIS grün­de­te, ist ein ira­ki­scher Mann aus Samar­ra, ge­bo­ren 1971. Nicht nur ein Mann der Re­li­gi­on, wird er als sehr prak­ti­scher Mensch an­ge­se­hen, mit ei­ner ho­hen Fä­hig­keit für ope­ra­ti­ves Den­ken, das in der Rea­li­tät ge­er­det ist. Im Jah­re 2010, als er noch ein Teil der Füh­rung von Al-​Qaida war, be­gann er, auf so­zia­len Me­di­en ei­ne Prä­senz zu kul­ti­vie­ren, um Mus­li­me aus al­ler Welt zum Kampf zu re­kru­tie­ren.

Die­ser Ta­ge ver­öf­fent­licht er ein „Jahr­buch”, in dem er al­le Ak­tio­nen der Or­ga­ni­sa­tio­nen im De­tail aus­führt. Die Ame­ri­ka­ner, die die­se Pu­bli­ka­ti­on ver­folgt ha­ben, sa­gen, dass es ei­nen ho­hen Grad an Ge­nau­ig­keit ge­be in der Sta­tis­tik, die dort drin ste­he.

Al-​Baghdadi sel­ber ver­brach­te ei­nen si­gni­fi­kan­ten Teil sei­nes Le­bens in den „Fe­da­jin Saddam”-Kräften, die der da­ma­li­ge ira­ki­sche Prä­si­dent ge­gen sei­ne schii­ti­schen Fein­de be­trieb. Die Pra­xis der Ent­haup­tun­gen kommt von dort. Die meis­ten der Men­schen, die in der heu­te in der Um­ge­bung von Bagh­da­di sind, sas­sen nach dem Zwei­ten Golf­krieg mit ihm zu­sam­men in ame­ri­ka­ni­schen Ge­fan­ge­nen­la­gern, wo der Ein­topf des Has­ses, der zur Ge­burt des IS führ­te, ge­kocht wur­de.

Zu­sam­men mit sei­nem Volk schuf er ei­ne Zwei-​Phasen-​Lehre. Die ers­te – die Ame­ri­ka­ner aus dem Irak zu ki­cken und ein is­la­mi­sches Ka­li­fat zu er­rich­ten auf ei­nem Teil der Flä­che des Lan­des. In der zwei­ten Pha­se soll das Ka­li­fat Ägyp­ten, den Li­ba­non, Jor­da­ni­en, Sy­ri­en, Is­ra­el und Tei­le des Iraks um­fas­sen. Die ge­sam­te mus­li­mi­sche Welt aus­ser­halb da­von wird als die Pe­ri­phe­rie des Ka­li­fats be­trach­tet. Der Irak ist heu­te nur ein Sprung­brett. Al-​Raqqah in Sy­ri­en ist nur ei­ne vor­über­ge­hen­de Haupt­stadt. Es ist wahr­schein­lich, dass, wenn Da­mas­kus vom IS er­obert wer­den soll­te – es zu sei­ner Haupt­stadt wer­den wür­de.

Die Pa­läs­ti­nen­ser sind we­ni­ger ei­ne Sor­ge für ISIS, ob­wohl 15 Pro­zent der Ju­gend­li­chen der West­bank in Um­fra­gen Sym­pa­tie ge­gen­über der Or­ga­ni­sa­ti­on aus­ge­drückt ha­ben. ISIS be­trach­tet die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de, die von ei­nem de­mo­kra­ti­schen Staat ne­ben Is­ra­el spricht, als ab­scheu­lich. Vor ein paar Wo­chen gab er ein Vi­deo her­aus mit Dro­hun­gen ge­gen­über Is­ra­el, aber erst nach­dem Ai­man al-​Sawahiri, der Füh­rer ih­res Haupt­kon­kur­ren­ten Al-​Qaida, al-​Baghdadi der Ver­nach­läs­si­gung der pa­läs­ti­nen­si­schen Sa­che be­schul­dig­te.

Al­so für die­je­ni­gen, die sich Sor­gen ma­chen: Sie wer­den zu uns kom­men, aber erst in der letz­ten Pha­se der Er­rich­tung des Ka­li­fats. In die­sen Ta­gen re­giert das Ka­li­fat über Be­rei­che in Irak und Sy­ri­en, wo et­wa sechs Mil­lio­nen Men­schen le­ben. For­schung über den Grad der Sou­ve­rä­ni­tät, die sie in den bei­den gros­sen Städ­ten un­ter ih­rer Kon­trol­le ha­ben – Al-​Raqqah in Sy­ri­en und Mo­sul im Irak – zei­gen, dass in al­len Re­gie­rungs­pa­ra­me­tern die Din­ge dort bes­ser ste­hen, als sie un­ter ira­ki­schen oder sy­ri­schen Re­gimes wa­ren, und dass die Bür­ger­diens­te auch bes­ser sind.

ISIS. beim Verteilen von Süssigkeiten im Iraq nach den Nachrichten des zu Boden gebrachten russischen Flugzeugs.

ISIS. beim Ver­tei­len von Süs­sig­kei­ten im Iraq nach den Nach­rich­ten des zu Bo­den ge­brach­ten rus­si­schen Flug­zeugs.

Ne­ben all den Hor­ror­ge­schich­ten ist es wich­tig, sich dar­an zu er­in­nern, dass ISIS ei­ne Re­gi­on oh­ne die Un­ter­stüt­zung der Be­völ­ke­rung nicht hal­ten kann, die er wahr­schein­lich hat. Zu­min­dest ist das der Fall bei der sun­ni­ti­schen Be­völ­ke­rung. Nach der an­fäng­li­chen Flucht ver­ängs­tig­ter Ein­woh­ner Mo­suls wur­de die Be­völ­ke­rung der Stadt hal­biert, auf ei­ne Mil­li­on Ein­woh­ner. Die Stadt funk­tio­niert und die Men­schen be­kom­men ele­men­ta­re Diens­te wie Was­ser und Strom, die bes­ser funk­tio­nie­ren als zu­vor.

In Al-​Raqqa gibt es Däm­me, die zwei Kraft­wer­ke ver­bin­den, wo ehe­ma­li­ge sy­ri­sche Ver­wal­ter ar­bei­ten, die im­mer noch von der sy­ri­schen Re­gie­rung be­zahlt wer­den. Dar­über hin­aus ga­ben die Ira­ker und Ame­ri­ka­ner bis vor drei Mo­na­ten Geld an Iraks von ISIS be­trie­be­ne Re­gio­nen, um Scha­den für die Be­völ­ke­rung zu ver­hin­dern. Doch dann be­grif­fen sie, dass sie in ih­rer Tor­heit ISIS Geld ga­ben, und hör­ten da­mit auf.

Al-​Raqqah ist die Hei­mat der hoch­ran­gi­gen ISIS-​Führer – in Staat und Mi­li­tär. Das ist auch der Ort, wo der Schura-​Rat sein soll, der al­le As­pek­te des Le­bens der Bür­ger des Ka­li­fats dik­tiert. Dar­un­ter ope­rie­ren die bü­ro­kra­ti­schen Rä­te, die für öf­fent­li­che Dienst­leis­tun­gen, Land­wirt­schaft, Ge­sund­heits­we­sen und dem Mi­li­tär­rat ver­ant­wort­lich sind. An Bagh­da­dis Sei­te sit­zen zwei Rä­te, der ei­ne ver­ant­wort­lich für is­la­mi­sche Staats­an­ge­le­gen­hei­ten im Irak, der an­de­re ver­ant­wort­lich für Sy­ri­en.

Die Be­zir­ke des Is­la­mi­schen Staa­tes ba­sie­ren auf den Be­zir­ken, die in Sy­ri­en und dem Irak vor der Über­nah­me durch ISIS exis­tier­ten. Je­der ver­fügt über ei­nen Gou­ver­neur mit un­ab­hän­gi­ger Herr­schaft über Rechts­fra­gen, Straf­ver­fol­gung, die Um­set­zung der Scha­ria, Bil­dung und Ge­sund­heits­ver­sor­gung.

Je­der Gou­ver­neur hat ein Mi­li­tär­macht in Ba­tail­lons­stär­ke un­ter sei­nem Kom­man­do, die er un­ab­hän­gig ver­wen­den kann, um sei­ne Herr­schaft über das Ge­biet aus­zu­üben. Wenn er zum Bei­spiel be­schliesst, ein Gas­feld zu er­obern, da­mit sein Be­zirk die wirt­schaft­li­chen Vor­tei­le ge­nies­sen kann, so braucht er da­für nicht die Zu­stim­mung der Füh­rung in Al-​Raqqa. Es gibt auch Be­zir­ke, Da­mas­kus zum Bei­spiel, wo ISIS im­mer noch ei­ne har­te Zeit hat, al­le ih­re In­sti­tu­tio­nen zu grün­den, auf­grund von an­hal­ten­den Kämp­fen.

Die Fran­zo­sen be­rich­ten von Rache-​Bombardierungen in Al-​Raqqa, aber die be­kann­ten Zie­le sind von den Ame­ri­ka­nern be­reits wäh­rend des ver­gan­ge­nen Jah­res bom­bar­diert wor­den. Je­des Mal, wenn ein wür­di­ges Ziel iden­ti­fi­ziert wur­de – wur­de es bom­bar­diert. Die Fran­zo­sen ha­ben an­schei­nend ge­gen zi­vi­le In­sti­tu­tio­nen der Stadt los­ge­schla­gen.

Jen­seits der Be­zir­ke im Irak und in Sy­ri­en hat ISIS auch sei­ne Be­zir­ke auf der gan­zen Welt. Da­bei han­delt es sich um fun­da­men­ta­lis­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen in der Re­gi­on Si­nai in Ägyp­ten, Ga­za, In­di­en, Li­by­en, Ni­ge­ria, dem Fer­nen Os­ten, der ara­bi­schen Halb­in­sel, Tsche­tsche­ni­en, Chi­na und Bo­ko Ha­ram in Afri­ka. Ei­ni­ge die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen wur­den frü­her mit Al-​Qaida iden­ti­fi­ziert und ha­ben ih­re Loya­li­tät zum is­la­mi­schen Staat ver­scho­ben.

Die Ver­bin­dung der zen­tra­len Füh­rung zu den Be­zir­ken in Irak und Sy­ri­en wird durch „Bot­schaf­ter” ge­hal­ten, die zwi­schen Füh­rung und lo­ka­len Gou­ver­neu­ren kom­mu­ni­zie­ren. Kon­takt mit wei­ter ent­fern­ten Be­zir­ken er­folgt über die mo­derns­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel, die man sich vor­stel­len kann. Ab­ge­sand­te der zen­tra­len Be­zir­ke sind mehr als ein­mal aus­ge­sandt wor­den, um wei­ter ent­fern­te zu un­ter­stüt­zen. Zum Bei­spiel wur­de Bo­ko Ha­ram in Ni­ge­ria von ei­ner De­le­ga­ti­on be­sucht, die ih­nen hel­fen soll­te, ih­re Fä­hig­keit zu ver­bes­sern, Vi­de­os zu pro­du­zie­ren.

Im Lau­fe des gan­zen Jah­res gab es aus­ser­dem Be­rich­te von Be­su­chen des Stell­ver­tre­ters des Ka­li­fen, Abu Ala al-​Afri, in Li­by­en, das sich eben­falls zu ei­nem grös­se­ren ISIS-​Bezirk ent­wi­ckelt. Fach­leu­te sa­gen, dass, wenn der Wes­ten es schafft, ISIS aus dem Mitt­le­ren Os­ten her­aus zu be­kom­men, dann wird Li­by­en ein vor­über­ge­hen­des Er­satz­zu­hau­se für das Ka­li­fat sein.

Ei­ne Wel­le von Frei­wil­li­gen

Der har­te Kern von ISIS be­gann in den letz­ten zehn Jah­ren Ge­stalt an­zu­neh­men, in der ira­ki­schen sun­ni­ti­schen Be­zir­ken. Ei­ni­ge der Leu­te wa­ren aus Mi­li­tär und Re­gie­rung ent­fernt wor­den bei der da­ma­li­gen „Be­rei­ni­gung” in den ira­ki­schen In­sti­tu­tio­nen durch die ame­ri­ka­ni­schen Be­sat­zungs­streit­kräf­te. Zu die­sen Men­schen ge­hö­ren Fach­leu­te aus al­len mi­li­tä­ri­schen Be­rei­chen, ein­schliess­lich che­mi­scher Kampf­stof­fe, gros­ser Ra­ke­ten und Pan­zer – die in Sad­dam Hus­seins Mi­li­tär ge­dient hat­ten. Die Or­ga­ni­sa­ti­on be­gann die Ak­ku­mu­lie­rung von Waf­fen wäh­rend dem Um­zug aus dem Irak nach Sy­ri­en, als sie durch sun­ni­ti­sche Stäm­me ab­ge­drängt wur­den, die die Ame­ri­ka­ner mit gros­sen Geld­sum­men und Ver­spre­chun­gen ge­teil­ter Macht ge­kauft hat­ten.

ISIS, bei der Exekution von schiitischen Gefangenen im Irak.

ISIS, bei der Exe­ku­ti­on von schii­ti­schen Ge­fan­ge­nen im Irak.

ISIS’ Leu­te er­reich­ten Sy­ri­en im Jah­re 2011, di­rekt wäh­rend des Cha­os des Ara­bi­schen Früh­lings, wo sie an­fin­gen, mi­li­tä­risch auf­zu­blü­hen. ISIS be­gann, sy­ri­sche Ba­sen zu er­obern, schwe­re Waf­fen zu sam­meln, und kehr­te im Jah­re 2014 tri­um­phie­rend in den Irak zu­rück, mit dem Hö­he­punkt der Er­obe­rung der zweit­gröss­ten Stadt des Lan­des, Mo­sul.

ISIS’ Me­tho­dik am Vor­abend der Er­obe­rung Mo­suls er­in­nert an sein ak­tu­el­les Ver­fah­ren der Durch­drin­gung Eu­ro­pas. Sei­ne Leu­te be­gan­nen, freund­lich ge­stimm­te sun­ni­ti­sche Ge­mein­den zu in­fil­trie­ren, die von schii­tisch ge­führ­ten ira­ki­schen Mi­li­tärs un­ter­drückt wur­den, lan­ge be­vor das ers­te ISIS Ar­til­le­rie­re­gi­ment mit Waf­fen kam, die es vom sy­ri­schen Mi­li­tär ge­raubt hat­te.

ISIS’ Leu­te ver­wo­ben sich in Mo­sul und schaff­ten es, ein Wirt­schafts­sys­tem auf­zu­bau­en, das auf er­press­ten Schutz­gel­dern be­ruh­te. Im Au­gen­blick der Wahr­heit, lies­sen sie Mo­sul ein­fach von in­nen zu­sam­men­bre­chen. Das ist auch die Art, wie sie in Eu­ro­pa funk­tio­nie­ren. Ih­re Ak­ti­vis­ten sit­zen in den mus­li­mi­schen Ein­wan­de­r­er­stadt­tei­len und war­ten auf ih­re Be­feh­le.

Al-​Baghdadis Traum ei­nes is­la­mi­schen Ka­li­fats zog rund 15’000 Frei­wil­li­ge aus der gan­zen Welt in die Rei­hen des ISIS, 6’000 von ih­nen aus Tu­ne­si­en. Frau­en aus Tu­ne­si­en kom­men auch, um die Kämp­fer zu stär­ken, be­vor sie in den Krieg zie­hen, und ein Streit brach aus im lo­ka­len Par­la­ment, als 30 von ih­nen wie­der nach Hau­se ka­men, schwan­ger von ei­nem un­be­kann­ten Mann.

4’000 wei­te­re Frei­wil­li­ge ka­men aus Saudi-​Arabien, 750 aus Jor­da­ni­en, und 500 aus dem Je­men. Eu­ro­pa bleibt da nicht zu­rück: 1500 mach­ten ih­ren Weg aus Eng­land, 1200 aus Frank­reich und 600 aus Bel­gi­en. Erst vor kur­zem ha­ben die Tür­ken Hin­der­nis­se auf­ge­baut auf ih­ren Grenz­über­gän­gen nach Sy­ri­en, aber bis­her ist die Zahl der Frei­wil­li­gen nicht zu­rück­ge­gan­gen.

Ei­ni­ge von ih­nen kom­men, um zu kämp­fen, an­de­re ant­wor­ten auf al-​Baghdadis Auf­ruf, an der Er­rich­tung des Ka­li­fats mit­zu­ar­bei­ten als In­ge­nieu­re, Ma­na­ger, Leh­rer und Ärz­te. Ara­bi­sche Is­rae­lis sind auch in die­se Fal­le ge­tappt, und bis heu­te gibt es et­wa 50 von ih­nen, von de­nen man weiss, dass sie Mit­glie­der des ISIS sind. Ein paar Dut­zend an­de­re wur­den in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren ver­haf­tet beim Ver­such, Zel­len des Is­la­mi­schen Staa­tes in Is­ra­el zu schaf­fen, oder we­gen des Ver­dachts der Ab­sicht, ih­re Rei­hen zu ver­stär­ken.

ISIS Kämpfer.

ISIS Kämp­fer.

Nach sorg­fäl­tigs­ter Be­ur­tei­lung durch Ge­heim­diens­te hat ISIS über 30’000 Kämp­fer. Der Traum, den Is­lam zu­rück zu sei­nen glor­rei­chen Ta­gen zu brin­gen, zieht mus­li­mi­sche Ju­gend­li­chen aus der gan­zen Welt an. Haupt­ein­nah­me­quel­le von ISIS ist das Öl, den er aus dem Bo­den in Sy­ri­en und dem Irak ex­tra­hiert, spru­delt wei­ter­hin, nach­dem Mo­sul über 15 Pro­zent der ira­ki­schen Öl­re­ser­ven ver­fügt. Bis vor ein paar Mo­na­ten kauf­te die tür­ki­sche Re­gie­rung die­ses Öl of­fi­zi­ell und füll­te da­mit die Kas­sen von ISIS. Das der­zei­ti­ge Ab­kom­men der Tür­kei, die­se Käu­fe zu stop­pen, ist auch ein Be­trug, weil sie wei­ter­hin mit ISIS-​Mediatoren zu­sam­men­ar­bei­ten, und das Geld geht in Rich­tung der Tä­tig­kei­ten des ISIS.

Ein wei­te­rer Schlag für ISIS’ Öl­in­dus­trie war die Über­nah­me der Stadt Bai­ji durch das ira­ki­sche Mi­li­tär En­de Ok­to­ber 2015. Die Rus­sen be­tei­lig­ten sich die­se Wo­che eben­falls an der Jagd auf Öl-​Konvois, mit ei­ner Er­klä­rung der Ein­satz­lei­ter ih­res Mi­li­tärs, dass die Pi­lo­ten freie Hand hät­ten, auf ISIS-​Ziele zu feu­ern, ein­schliess­lich Öl­tan­ker.

Die Ame­ri­ka­ner ha­ben ver­sucht, ih­re ei­ge­nen An­stren­gun­gen bei­tra­gen, mit ih­ren Spe­zi­al­ein­hei­ten, die den füh­ren­den ISIS-​Ökonomen, Abu Say­yaf, in sei­ner Hei­mat Sy­ri­en er­mor­den sol­len.

Erst die­se Wo­che ha­ben zum ers­ten Mal ame­ri­ka­ni­sche A-​10 Flug­zeu­ge ei­nen Öl­tan­ker­kon­voi, der zu ISIS ge­hö­rend iden­ti­fi­ziert wor­den war, wäh­rend er sei­nen Weg in Rich­tung der tür­ki­schen Gren­ze mach­te. Wenn die­se Ein­nah­me­quel­le be­schä­digt ist, wird der is­la­mi­sche Staat in Schwie­rig­kei­ten kom­men. Die in­ten­si­ven Kämp­fe und nied­ri­ge­ren Ein­kom­men sor­gen be­reits da­für, dass das Ka­li­fat vor ei­nem Di­lem­ma steht – in­ves­tie­ren in die Si­cher­heit oder das Ni­veau der Dienst­leis­tun­gen für die Be­völ­ke­rung sen­ken. Bis­her hat es ei­ne Ab­sen­kung des Ni­veaus der Dienst­leis­tun­gen ge­ge­ben, aber nicht ei­ne, die die ISIS-​Herrschaft ge­fähr­det.

Die Luft­an­grif­fe ha­ben die Fä­hig­keit des ISIS, sich frei zu be­we­gen, be­schä­digt, und das ist der Grund, war­um er sich nicht mehr aus­brei­tet. Sind­schar, ein stra­te­gi­scher Punkt auf der Ach­se, die Sy­ri­en und den Irak ver­bin­det, wur­de zu­rück­er­obert, wo­mit die di­rek­te ter­ri­to­ria­le Ver­bin­dung von Mo­sul und Al-​Raqqa auf­ge­trennt wor­den ist.

Vie­le Men­schen der Or­ga­ni­sa­ti­on sind in die­sen Ta­gen nicht in Uni­form, in har­mo­ni­schem Ein­klang mit der Zi­vil­be­völ­ke­rung, und es scheint, als ob das ge­wünsch­te Er­geb­nis nur mit ei­ner Bo­den­of­fen­si­ve er­reicht wer­den kön­ne. Al­les in al­lem hat ISIS in zwei Jah­ren des Kamp­fes et­wa 10’000 Men­schen ver­lo­ren, die in Luft­an­grif­fen und Bo­den­kämp­fen ge­tö­tet wur­den. Aber die Men­ge der Kämp­fer wird nicht sin­ken, denn die Frei­wil­li­gen kom­men im­mer wei­ter, und der Zug, den die Or­ga­ni­sa­ti­on be­wirkt hat – ein Mann aus je­dem Haus un­ter ih­rer Herr­schaft.

Bis der Mes­si­as kommt

ISIS’ jüngs­te Miss­er­fol­ge sind gleich­auf mit sei­nen Er­fol­gen. Auf der ei­nen Sei­te die Ter­ror­an­schlä­ge in Pa­ris, die Bom­bar­die­rung des rus­si­schen Flug­zeugs im Si­nai, die Bom­bar­die­rung im Her­zen von Bei­rut und meh­re­re Er­fol­ge auf der Aleppo-​Damaskus-​Route. Auf der an­de­ren Sei­te ein Rück­zug im Irak un­ter dem Druck des ira­ki­schen Mi­li­tärs, der Kur­den und der schii­ti­schen Mi­li­zen.

In­zwi­schen ha­ben die Ame­ri­ka­ner ei­nes ih­rer wich­tigs­ten Werk­zeu­ge für den Kampf in Sy­ri­en ver­lo­ren – ver­deck­te Ak­tio­nen. Die Spe­zi­al­ein­hei­ten, in Ver­bin­dung mit der CIA, ha­ben sich in der Ver­gan­gen­heit bei der Durch­drin­gung und der Be­ein­flus­sung Ein­hei­mi­scher her­vor­ge­tan. Doch die der­zei­ti­ge Re­gie­rung hat in ei­ner kla­ren Ent­schei­dung die­sen Zweig in Sy­ri­en ver­nach­läs­sigt und Op­po­si­ti­ons­quel­len ver­nach­läs­sigt, wie die Freie Sy­ri­sche Ar­mee, die um Hil­fe ge­be­ten hat­te.

Es gibt kei­ne Ver­bin­dung zwi­schen ISIS Miss­er­fol­gen im Kampf und ih­ren Leis­tun­gen bei der Aus­füh­rung von Ter­ror­an­schlä­gen in der gan­zen Welt, so wie es kei­ne Ver­bin­dung zwi­schen der Wel­le der sy­ri­schen Flücht­lin­ge und der eu­ro­päi­schen In­fra­struk­tur von ISIS gibt, die schon vor Jah­ren auf­ge­baut wur­de. Das Ge­gen­teil ist der Fall – in ih­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen spricht ISIS da­ge­gen, dass das sy­ri­sche Volk sein Hei­mat­land in Rich­tung Eu­ro­pa ver­lässt, sieht es als Ver­rat am is­la­mi­schen Staat. Die Flücht­lin­ge wer­den auch da­vor ge­warnt, dass ihr Schick­sal un­ter den Un­gläu­bi­gen schlim­mer sein wird als un­ter dem Ka­li­fat.

Dr. Ba­rak Men­delsohn, ein Ex­per­te für welt­wei­te Jihad-​Bewegungen, vom Ha­ver­ford Col­le­ge in Penn­syl­va­nia, hat vor kur­zem ein Buch ver­öf­fent­licht, das sich mit der Aus­brei­tung des welt­wei­ten Ji­hads und sei­nen Aus­wir­kun­gen be­fasst. Men­delsohn sagt, dass die gross an­ge­leg­ten Ter­ror­an­schlä­ge in Eu­ro­pa und an­de­ren Or­ten wei­ter­ge­hen wer­den, weil sie da­zu be­stimmt sind, die eu­ro­päi­schen Mus­li­me zu zwin­gen, sich für ei­ne Sei­te zu ent­schei­den und ei­ne Kluft zwi­schen der mus­li­mi­schen und nicht-​muslimischen Be­völ­ke­rung auf­zu­reis­sen.

Die Leu­te von ISIS un­ter­stüt­zen tat­säch­lich den Auf­stieg der rech­ten Be­we­gun­gen in Eu­ro­pa, in der Hoff­nung, dass es Mus­li­me da­zu er­mu­tigt, sich ge­gen sie zu er­he­ben. ISIS will die Gross­an­grif­fe wei­ter­füh­ren – un­ter an­de­rem, um mehr mus­li­mi­sche Ju­gend­li­che zu er­mu­ti­gen, der Or­ga­ni­sa­ti­on bei­zu­tre­ten, und auch we­gen der ab­schre­cken­den Wir­kung, die sie er­zeu­gen sol­len, im An­ge­sicht der eu­ro­päi­schen Län­der, die mit­ma­chen im Kampf ge­gen ihn in Sy­ri­en und dem Irak. Und ja, da ist auch Ra­che.

Men­delsohn glaubt, ISIS ma­che die glei­chen Feh­ler, die Al-​Kaida am 11. Sep­tem­ber in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten mach­te. „Sie be­ur­tei­len die Ge­füh­le im Wes­ten nicht rich­tig”, sagt er. „Sie ste­cken in ei­ner ideo­lo­gi­schen Denk­wei­se fest, die sagt, dass die Ter­ror­an­grif­fe die Chris­ten zwin­gen wer­den, in die Le­van­te zu kom­men und sie im hei­li­gen Land zu be­kämp­fen, bis zu je­ner ent­schei­den­den Schlacht in der Stadt Da­bek in Nord­sy­ri­en, wo­nach die Chris­ten be­siegt wer­den und der Mes­si­as aus sei­nem Grab stei­gen wird.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php