StartseiteNaher OstenDie Lin­ke und die Ju­den: Zeit, un­ser Ver­hält­nis zu überdenken

Kommentare

Die Lin­ke und die Ju­den: Zeit, un­ser Ver­hält­nis zu überdenken — 2 Kommentare

  1. Alan John­son kann ich nur in Teil­be­rei­chen zu­stim­men. Was mir auf­fällt, ist, dass er das Ver­hält­nis von Lin­ken und Ju­den als ers­tes auf ein mög­li­ches Miss­ver­ständ­nis re­du­zie­ren will: „Was ging schief?“

    Viel­leicht ist es ein rhe­to­ri­scher Schlen­ker, wenn er fragt, war­um „… die Lin­ke Groß­bri­tan­ni­ens un­kri­tisch sein soll­te be­züg­lich der is­rae­li­schen Po­li­tik. Die Lin­ke in Is­ra­el ist es nicht, war­um al­so soll­ten wir …“? Statt an der fak­tisch zwei­fels­frei­en an­ti­se­mi­ti­schen Po­si­tio­nie­rung der Lin­ken schar­fe Kri­tik zu üben, baut er für die­se Brücken. 

    Zu gu­ter Letzt be­haup­tet er mehr­fach, dass nur Tei­le der Lin­ken an­ti­se­mi­tisch sind. Da­bei ist das ge­naue Ge­gen­teil rich­tig: Nur klei­ne Tei­le der Lin­ken sind ex­pli­zit nicht an­ti­se­mi­tisch. Zu ers­te­rem Er­geb­nis kann nur ge­lan­gen, wer aus­blen­det, dass „Is­rael­kri­tik“, An­ti­zio­nis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus fast durch­ge­hend das Glei­che sind. Auch wenn Lin­ke nicht den vul­gä­ren Ju­den­hass der Na­zis tei­len, sie sind, was die rea­le Ver­nich­tung des jü­di­schen Staa­tes – und da­mit der jü­di­schen Ge­mein­schaft – be­trifft, ganz nah an den End­lö­sungs­vor­stel­lun­gen der Na­zis dran. 

    Nur ei­ne gro­be Rea­li­täts­ver­zer­rung führt da­zu, dem an­ti­se­mi­ti­schen Füh­rer der La­bour Par­ty zu be­schei­ni­gen, er wür­de nicht dem An­ti­se­mi­tis­mus frö­nen. Wo­her rührt die­se auf­fäl­li­ge Beiß­hem­mung? Ist es der Ver­such, um je­den Preis noch ei­nen Zu­gang zu ei­ner „Lin­ken“ of­fen­zu­hal­ten, die schon seit Lan­gem jeg­li­che po­li­ti­sche und mo­ra­li­sche In­te­gri­tät ver­lo­ren hat? Ein­zig die­se mi­kro­sko­pisch klei­nen, rein theo­re­ti­schen Op­tio­nen wür­de die vie­len In­kon­se­quen­zen von Alan John­sons Vor­trag in ir­gend ei­ner Form noch nach­voll­zieh­bar er­schei­nen las­sen. Für die­sen Op­ti­mis­mus se­he ich in der rea­len Welt nicht den al­ler­kleins­ten Hinweis.

  2. Der Ver­weis auf „nur ein Teil der Lin­ken” ist, den­ke ich ein rhe­to­ri­scher Kunst­griff, der sein Ziel­pu­bli­kum, die Lin­ken, nicht zum vorn­her­ein ab­schre­cken soll.

    Aber be­züg­lich Cor­byn ha­ben wir wohl nicht den­sel­ben Text ge­le­sen. Der wird vom Au­tor ein­deu­tig als An­ti­se­mi­tisch qua­li­fi­ziert, mei­ner be­schei­de­nen Mei­nung nach.

    Ins­ge­samt ge­fällt mir der Text sehr gut. Zum Ein­stieg will er sein Pu­bli­kum ver­söhn­lich stim­men, nur um dann um so här­ter zu­zu­schla­gen und den ein­deu­tig vor­han­de­nen so­zia­lis­ti­schen lin­ken An­ti­se­mi­tis­mus klar zu denunzieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

css.php