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Die Is­rael­boy­kot­teu­re, die uns al­le be­dro­hen

Jo­na­than Neu­mann, Ja­nu­ar 2016, Stand­point Ma­ga­zi­ne

Als in den frü­hen 2000er Jah­ren  ara­bi­sche Ak­ti­vis­ten zum Boy­kott des jü­di­schen Staa­tes auf­rie­fen, war das nicht be­son­ders hoch oben auf der is­rae­li­schen Agen­da. Denn Is­ra­el war da­mit be­schäf­tigt, die zwei­te In­ti­fa­da ab­zu­weh­ren, ei­ne Si­cher­heits­bar­rie­re zu bau­en, um Ter­ro­ris­ten da­von ab­zu­hal­ten, in is­rae­li­sche Städ­te ein­zu­si­ckern, und die Vor­be­rei­tung dar­auf, die Zi­vil­be­völ­ke­rung und das Mi­li­tär aus dem Ga­za­strei­fen ab­zu­zie­hen. Schnel­ler Vor­lauf bis heu­te, und ein er­heb­li­cher Teil der is­rae­li­schen Di­plo­ma­tie und der Pro-​Israel-​Interessenvertretung in der gan­zen Welt wid­met sich dem Kampf ge­gen die Boy­kott, Des­in­ves­ti­ti­on und Sank­tio­nen (BDS) Kam­pa­gne. BDS ist ei­ne dif­fu­se Be­we­gung – vor al­lem auf Eu­ro­pa, Nord­ame­ri­ka und Süd­afri­ka be­schränkt -, die ei­nen Boy­kott Is­ra­els be­für­wor­tet und sei­ner na­tio­na­len In­sti­tu­tio­nen, for­dert die Staa­ten auf, Is­ra­el zu sank­tio­nie­ren, und übt Druck aus auf Kon­zer­ne, das Land zu ver­las­sen. In­zwi­schen ver­eint Op­po­si­ti­on ge­gen BDS Ju­den und Zio­nis­ten, un­ab­hän­gig von Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über die Aus­sen­po­li­tik Is­ra­els, mehr als die meis­ten an­de­ren The­men. Wie al­so ist BDS ent­stan­den und war­um? War sie er­folg­reich, und was sagt das über sei­ne An­hän­ger aus? Ist die Auf­merk­sam­keit ge­recht­fer­tigt, die Is­ra­el und an­de­re ihr zu­wen­den, und, ganz ent­schei­dend, kann sie be­siegt wer­den?

Ur­sprün­ge

BDS wird oft in den Ju­li 2005 zu­rück­da­tiert, als mehr als hun­dert ara­bi­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen, vor al­lem in der West­bank und im Ga­za­strei­fen, zu ei­nem Boy­kott Is­ra­els auf­rie­fen. Doch die­se Er­klä­rung war ge­nau ge­nom­men der Hö­he­punkt von meh­re­ren Jah­ren der Agi­ta­ti­on. Omar Barg­hou­ti – weit­hin als Grün­der und Ge­sicht von BDS be­trach­tet – war ei­ner von meh­re­ren ara­bi­schen Ak­ti­vis­ten, der ein Jahr zu­vor in Raal­lah zu ei­nem sol­chen Boy­kott auf­rie­fen. Noch frü­her, im April 2002, wur­de ein Brief im Guar­di­an ver­öf­fent­licht, der zu ei­nem aka­de­mi­schen Boy­kott Is­ra­els auf­rief. Er sam­mel­te mehr als 700 Un­ter­schrif­ten (ob­wohl ei­ne Ge­gen­pe­ti­ti­on im In­ter­net mit mehr als tau­send prah­len konn­te), und bis im Ok­to­ber 2002 wa­ren Des­in­ves­ti­ti­ons­pe­ti­tio­nen an mehr als 50 Uni­ver­si­tä­ten in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und an­ders­wo im Um­lauf.

Es war im Jahr 2001, je­doch, dass die Idee ei­nes brei­ten Boy­kotts ge­gen Is­ra­els wirk­lich auf den Weg ge­bracht wur­de, auf der Welt­kon­fe­renz ge­gen Ras­sis­mus in Dur­ban im Sep­tem­ber. Die­se Kon­fe­renz, da­mals und seit­her als Far­ce zu­rück­ge­wie­sen, ver­such­te, Zio­nis­mus und Ras­sis­mus gleich­zu­set­zen (ein Echo der be­rüch­tig­ten UNO-​Vollversammlungsresolution, die 1975 – 1991 in Kraft war), was zu dem Rück­zug der is­rae­li­schen und ame­ri­ka­ni­schen De­le­ga­tio­nen und letzt­lich zum Zu­sam­men­bruch der Glaub­wür­dig­keit der Kon­fe­renz führ­te. (Der Bo­den für die Kon­fe­renz wur­de in ei­ner vor­be­rei­ten­den Zu­sam­men­kunft im Fe­bru­ar 2001 in Te­he­ran ge­legt.) Un­ab­hän­gig da­von ent­stand aus der Kon­fe­renz ei­ne „Durban-​Strategie”, die „ei­ne Po­li­tik der voll­stän­di­gen und to­ta­len Iso­la­ti­on Is­ra­els” und „die Ein­füh­rung von ver­pflich­ten­den und um­fas­sen­de Sank­tio­nen und Em­bar­gos so­wie die voll­stän­di­ge Ein­stel­lung al­ler Ver­bin­dun­gen (di­plo­ma­ti­sche, wirt­schaft­li­che, so­zia­le, Hil­fe, mi­li­tä­ri­sche Zu­sam­men­ar­beit und Schu­lung) zwi­schen al­len Staa­ten und Is­ra­el” emp­fahl. Es war Dur­ban I, wie die Kon­fe­renz be­kannt wur­de, die auch da­zu bei­trug, die Dar­stel­lung Is­ra­els als Apart­heid­staat zu po­pu­la­ri­sie­ren.

Der „letz­te Auf­ruf”

In den gan­zen frü­hen 2000er Jah­ren bau­te sich ei­ne Boy­kott­dy­na­mik auf, mit An­ru­fen von eu­ro­päi­schen Uni­ver­si­tä­ten und ame­ri­ka­ni­schen Kir­chen. So war BDS in der Tat, auf gu­tem Weg zum Zeit­punkt der Er­klä­rung von 2005, die da­her als „Fi­nal Call” be­kannt ist. Die­ses State­ment, ein Er­geb­nis die­ser frü­hen Be­mü­hun­gen, kris­tal­li­siert die Zie­le der Be­we­gung ge­gen­über Is­ra­el wie folgt her­aus:

  1. Is­ra­els Be­set­zung und Ko­lo­ni­sie­rung jeg­li­cher ara­bi­schen Län­de­rei­en be­en­den so­wie De­mon­ta­ge der Mau­er;
  2. An­er­ken­nung der Grund­rech­te der arabisch-​palästinensischen Bür­ger Is­ra­els und ih­re vol­le Gleich­be­rech­ti­gung;
  3. Die Ach­tung, den Schutz und die För­de­rung der Rech­te der pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge, in ih­re Hei­me und Be­sitz­tü­mer zu­rück­zu­keh­ren wie in der UNO-​Resolution 194 ge­for­dert.

Die Be­we­gung bleibt die­ser Platt­form treu, die nichts we­ni­ger for­dert als den Ab­bau Is­ra­els als Na­tio­nal­staat des jü­di­schen Vol­kes. Die „Be­set­zung… al­ler ara­bi­schen Län­de­rei­en” da­für ent­wor­fen, in west­li­chen Oh­ren bloss als Re­fe­renz auf die Län­der zu klin­gen, die Is­ra­el 1967 er­ober­te (die das West­jor­dan­land, den Gaza-​Streifen und den öst­li­chen Teil Je­ru­sa­lems um­fas­sen). Doch für die An­hän­ger von BDS um­fas­sen sie das gan­ze Land, über das Is­ra­el sou­ve­rän ist – auch in­ner­halb der Gren­zen, die in­ter­na­tio­nal an­er­kannt sind.

Die ers­te For­de­rung ist da­her ei­ne nach­drück­li­che Ab­leh­nung der jü­di­schen Sou­ve­rä­ni­tät in to­to. Die Idee der Ara­bi­schen „Grund­rech­te” be­deu­tet in der Ter­mi­no­lo­gie des Kon­flikts Op­po­si­ti­on ge­gen den Nach­druck, dass Is­ra­el ein jü­di­scher Staat sei und ei­ne Ab­leh­nung von, un­ter an­de­rem, des zu­ge­hö­ri­gen is­rae­li­schen Rück­kehr­ge­set­zes, durch das die jü­di­sche Ein­wan­de­rung nach Is­ra­el pri­vi­le­giert ist. Schliess­lich ist das „Rück­kehr­recht” der ara­bi­schen Flücht­lin­ge nach Is­ra­el, ei­ne Ka­te­go­rie, die (ein­deu­tig) ih­re Mil­lio­nen von Nach­kom­men ein­schliesst, ein Code für die Über­schwem­mung des jü­di­schen Staa­tes mit Ara­bern und der Si­cher­stel­lung ara­bi­scher de­mo­gra­phi­scher Über­le­gen­heit. In an­de­ren Wor­ten, wenn BDS ge­winnt, wird es kein Is­ra­el ge­ben.

Die­ses ul­ti­ma­ti­ve Stre­ben der BDS-​Bewegung ist ei­gent­lich kein Ge­heim­nis. Omar Barg­hou­ti pran­gert Is­ra­el re­gel­mäs­sig als Apartheid-​Staat an und be­tei­ligt sich an Ak­tio­nen, die an Nazi-​Methoden er­in­nern, wen­det sich ge­gen ei­ne Zwei-​Staaten-​Lösung für den Kon­flikt, und be­steht dar­auf, dass auch ein voll­stän­di­ger is­rae­li­scher Rück­zug aus der West­bank nicht aus­rei­chen wür­de. „Ein jü­di­scher Staat in Pa­läs­ti­na, in wel­cher Form auch im­mer, muss zwangs­wei­se im Wi­der­spruch zu den Grund­rech­ten der ein­hei­mi­schen pa­läs­ti­nen­si­schen Be­völ­ke­rung des Lan­des ste­hen”, hat er ar­gu­men­tier­te, mit der Schluss­fol­ge­rung, dass „wir auf je­den Fall ge­gen ei­nen jü­di­schen Staat in ir­gend­ei­nem Teil von Pa­läs­ti­na sind.” Dar­über hin­aus, wa­ren bei den ers­ten Grup­pen, die den „letz­ten Auf­ruf” von 2005 un­ter­schrie­ben, Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen, die der Zer­stö­rung Is­ra­els ge­wid­met sind, wie je­ne in ei­ner Dach­or­ga­ni­sa­ti­on, be­kannt als Rat der na­tio­na­len und is­la­mi­schen Kräf­te in Pa­läs­ti­na, die die Ha­mas um­fas­sen, die Volks­front für die Be­frei­ung Pa­läs­ti­nas, die De­mo­kra­ti­sche Front für die Be­frei­ung Pa­läs­ti­nas und an­de­re Ter­ror­grup­pen, die durch den Wes­ten ge­äch­tet wer­den. Nach An­ga­ben der Anti-​Defamation League wur­de der Rat der na­tio­na­len und is­la­mi­schen Kräf­te mit der Ge­neh­mi­gung des Ar­chi­tek­ten der zwei­ten In­ti­fa­da per­sön­lich, Jas­sir Ara­fat, ge­bil­det und von Mar­wan Barg­hou­ti, ei­nem Fatah-​Terroristen, der von Is­ra­el für ei­ne Rei­he von At­ta­cken ver­ur­teilt und in­haf­tiert wor­den war; er ist auch ein ent­fern­ter Cou­sin von Omar Barg­hou­ti.

Selbst ei­ni­ge von Is­ra­els laut­stärks­ten Kri­ti­kern, wie Nor­man Fin­kel­stein, ha­ben BDS für sein ul­ti­ma­ti­ves Ziel ge­geis­selt. Fin­kel­stein sag­te:

Sie nen­nen es ih­re drei Ebe­nen… Wir wol­len das En­de der Be­set­zung, wir wol­len das Recht auf Rück­kehr, und wir wol­len die Gleich­be­rech­ti­gung der Ara­ber in Is­ra­el. Und sie den­ken, sie sei­en sehr klug, weil das Er­geb­nis der Um­set­zung al­ler drei, was schon, ist? Was ist das Er­geb­nis? Sie wis­sen, und ich weiss, was das Er­geb­nis ist: es gibt kein Is­ra­el.

Es kann da­her kei­nen Zwei­fel ge­ben, dass die Vi­si­on der BDS-​Bewegung ist, den Staat Is­ra­el zu be­sei­ti­gen. Lau­te Boy­kott­auf­ru­fe wur­den wäh­rend der zwei­ten In­ti­fa­da ge­macht und spiel­ten si­cher­lich in die­ser hef­ti­ge Kam­pa­gne ei­ne un­ter­stüt­zen­de Rol­le. BDS selbst, die im Jahr 2005 in Fahrt kam, nach­dem die Ter­ror­grup­pen zer­schla­gen wor­den wa­ren, war ei­ne Fort­set­zung die­ser Ge­walt und ih­rer Zie­le mit an­de­ren Mit­teln.

Aus ver­schie­de­nen Grün­den aber – sei es auf Grund ei­nes Miss­ver­ständ­nis­ses der Ter­mi­no­lo­gie, die von Ak­teu­ren in die­sem Kon­flikt ver­wen­det wer­den, oder als Er­geb­nis der ab­sicht­li­chen Ver­schleie­rung durch An­hän­gern der BDS – glau­ben vie­le west­li­che Be­ob­ach­ter im­mer noch, dass BDS be­schei­de­ne­re Zie­le hat. Ins­be­son­de­re bleibt die Il­lu­si­on be­stehen, dass BDS nur an der Be­en­di­gung der jü­di­schen Prä­senz in der West­bank und im Ga­za­strei­fen in­ter­es­siert sei, und nicht in ganz Is­ra­el. Selbst nach bei­sei­te wi­schen der tie­fen mo­ra­li­schen und prak­ti­schen Fra­gen der Vor­stel­lung der Rei­ni­gung der West­bank von Ju­den, ist die Idee, dass BDS nur um je­ne be­grenz­te Ge­bie­te geht, völ­lig un­be­grün­det. Doch weil der My­thos über­lebt, ver­dient er Ent­lar­vung.

Als ers­tes kam der „letz­te Auf­ruf” am Vor­abend des Rück­zugs Is­ra­els aus dem Ga­za­strei­fen im Jahr 2005, was un­mit­tel­bar dar­auf hin­weist, dass der ter­ri­to­ria­le Rück­zug al­lein nie­mals aus­rei­chen wür­de für die Boy­kot­teu­re. Wä­re Rück­zug wirk­lich ihr An­sin­nen ge­we­sen, dann hät­ten sie Is­ra­el ge­lobt, statt ei­ne Be­we­gung zu star­ten, um es zu be­stra­fen. Auch der EU-​Botschafter in Is­ra­el (ja, es gibt so ei­ne Per­son) hat ver­sucht, die Be­den­ken der EU mit der is­rae­li­schen Po­li­tik von den Mit­teln und Zie­len von BDS zu di­stan­zie­ren, die er als ein­zig­ar­tig ruch­los an­er­kennt. Wenn der ehe­ma­li­ge Pink-​Floyd-​Bassist Ro­ger Wa­ters und an­de­re BDS-​Aktivisten ver­su­chen, Mu­si­ker von Kon­zer­ten in Is­ra­el ab­zu­brin­gen – zu­letzt Bon Jo­vi (der sie igno­rier­te) – den­ken sie nicht ein­fach nur an das West­jor­dan­land, son­dern an Kon­zer­te über­all im gan­zen jü­di­schen Staat. Als die Schü­ler am Kings-​College Lon­don ei­ne BDS Mo­ti­on ver­ab­schie­de­ten, skan­dier­ten sie: „Vom Fluss bis zum Meer wird Pa­läs­ti­na frei sein.” Mit an­de­ren Wor­ten, der Boy­kott wird hel­fen, Pa­läs­ti­na zu „be­frei­en”, in­dem er Is­ra­el zer­stört. Und als Labour-​Chef Je­re­my Cor­byn, der in der Ver­gan­gen­heit Sym­pa­thie ge­zeigt hat für Boy­kot­te Is­ra­els, sich an die Labour-​Freunde-​Israels wand­te an ei­ner Par­tei­kon­fe­renz im ver­gan­ge­nen Herbst, konn­te er sich nicht da­zu über­win­den, den Na­men des Lan­des aus­zu­spre­chen. Die­se Men­schen kön­nen nicht an­ge­mes­sen ein­ge­stuft wer­den, wie es ih­re Apo­lo­ge­ten manch­mal be­to­nen, als Freun­de von Is­ra­el, die ein­fach wol­len, dass Is­ra­el sei­nen po­li­ti­schen Kurs än­dert.

Au­ßer­dem be­schrän­ken sich Boy­kot­te Is­ra­els – ob sie is­rae­li­schen Uni­ver­si­tä­ten, Fir­men oder an­de­ren In­sti­tu­tio­nen gel­ten – nur sel­ten auf je­ne, de­ren Ba­sis oder Ur­sprung im West­jor­dan­land liegt. Selbst wenn sie spe­zi­fisch auf Ju­den in der West­bank zie­len, sind sie trotz­dem schlecht be­ra­ten, da die Volks­wirt­schaf­ten von Is­ra­el und den jü­di­schen Ge­mein­den in der West­bank voll­stän­dig in­te­griert sind: letz­te­re zu boy­kot­tie­ren, aber nicht das ers­te­re, ist wie der Ver­such, das Ge­schäft mit al­len zu ver­wei­gern, die in York­shire ope­rie­ren, wäh­rend der Rest Gross­bri­tan­ni­ens un­be­rührt bleibt. Is­rae­li­sche Un­ter­neh­men und Men­schen, die auf der Westbank-​Seite der grü­nen Li­nie ope­rie­ren, tun dies fast im­mer auch auf der an­de­ren Sei­te, was ge­ziel­te Boy­kot­te zu Far­ce de­gra­diert. Bei­spiels­wei­se kün­dig­te die nor­we­gi­sche Re­gie­rung im Au­gust 2010 an, dass der staat­li­che Pen­si­ons­fonds nicht in zwei is­rae­li­sche Un­ter­neh­men, die an­geb­lich in der West­bank tä­tig wa­ren, in­ves­tie­ren wer­de. Im Jahr 2013 führ­te ei­ne Über­prü­fung da­zu, dass das Ver­bot rück­gän­gig ge­macht wur­de. Dann, im Jahr 2014, nach ei­ner er­neu­ten Über­prü­fung, wur­de die Rück­gän­gig­ma­chung rück­gän­gig ge­macht.

Selbst wenn ein Boy­kott auf die West­bank be­schränkt scheint, ist er es nicht. Zum Bei­spiel So­da­Stream, ein is­rae­li­sches Un­ter­neh­men, das Koh­len­säu­re­ein­spritz­ge­rä­te pro­du­ziert und ein­mal die Schau­spie­le­rin Scar­lett Jo­hans­son als Mar­ken­bot­schaf­te­rin en­ga­gier­te, wur­de welt­weit boy­kot­tiert, weil ei­ne ih­rer Fa­bri­ken in der West­bank lag. Al­ler­dings wa­ren die Mit­ar­bei­ter der Fa­brik lo­ka­le Ara­ber, die in der Re­gel hö­he­re Ge­häl­ter und bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen ge­nos­sen als ih­re Ka­me­ra­den, die in der ara­bi­schen Wirt­schaft ar­bei­te­ten, und das war ein Bei­spiel für Ju­den und Ara­ber, die ko­exis­tier­ten zum bei­der­sei­ti­gen Vor­teil.

Doch das trug nichts da­zu bei, die Ani­mo­si­tät von BDS zu mil­dern, die bei je­der Ge­le­gen­heit ge­gen das Un­ter­neh­men pro­tes­tier­te. In Gross­bri­tan­ni­en bei­spiels­wei­se ent­fern­te John Le­wis So­da­Stream Pro­duk­te, nach­dem ihr Shop in der Ox­ford Street das Ziel stän­di­ger De­mons­tra­tio­nen ge­we­sen war. Das SodaStream-​Geschäft in Brigh­ton war eben­falls Schau­platz von re­gel­mäs­si­gen Pro­tes­ten, be­vor es ge­schlos­sen wur­de. Jo­hans­son selbst wur­de ge­zwun­gen, von ih­rer Rol­le bei Ox­fam zu­rück­zu­tre­ten we­gen ih­rer An­nah­me der SodaStream-​Position. We­gen ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Grün­den hat So­da­Stream schliess­lich an­ge­kün­digt, dass sie ihr Werk in der West­bank in den Ne­gev ver­le­gen, ei­nem Ge­biet, das weit in­ner­halb Is­ra­els in­ter­na­tio­nal an­er­kann­ter Gren­zen liegt.

Ei­ni­ge dach­ten, dass das das En­de des In­ter­es­ses von BDS an der Ge­sell­schaft sein wür­de. Sie hat­ten Un­recht. Die Be­für­wor­ter von BDS klag­ten nun, dass die Fa­brik auf ge­stoh­le­nem Be­doui­nen­land ge­baut wer­de. Of­fen­sicht­lich könn­te die­ser lä­cher­li­che Vor­wurf, oder ei­ne Ab­lei­tung da­von, auf je­den be­lie­bi­gen Teil des jü­di­schen Staa­tes an­ge­wen­det wer­den und ent­hüllt BDS wirk­li­che Am­bi­ti­on – Is­ra­el voll­stän­dig zu eli­mi­nie­ren.

So­weit BDS das Ziel hat, Is­ra­el zu zer­stö­ren, war sie of­fen­bar kein Er­folg. Boy­kot­te ha­ben nicht die kom­mer­zi­el­len Aus­wir­kun­gen ge­habt, die sich die BDS-​Bewegung er­hofft hat­te. Der Han­del zwi­schen Is­ra­el und Gross­bri­tan­ni­en im Jahr 2014, zum Bei­spiel – ein Jahr, das Is­ra­els er­wei­ter­tes mi­li­tä­ri­sches En­ga­ge­ment ge­gen die Ha­mas in Ga­za ge­se­hen hat­te – stieg auf 3,9 Mrd. £, ein Re­kord­hoch. Trotz der For­de­rung nach ei­nem Boy­kott, hat ein Weiss­buch über Han­del und In­ves­ti­tio­nen für Wachs­tum, her­aus­ge­ge­ben von der bri­ti­schen Re­gie­rung im Jahr 2011, Is­ra­el her­vor­ge­ho­ben als ei­nen zen­tra­len stra­te­gi­schen Part­ner für die Zu­kunft Gross­bri­tan­ni­ens, und bri­ti­sche Ein­fuh­ren aus Is­ra­el wach­sen wei­ter. Bri­ti­sche Ex­por­te nach Is­ra­el wach­sen noch schnel­ler, so­dass Is­ra­el über wich­ti­ge wirt­schaft­li­che Druck­mit­tel ge­gen al­le künf­ti­gen bri­ti­schen Boy­kot­te ver­fügt. In der Zwi­schen­zeit wur­de der Han­del zwi­schen Is­ra­el und der EU im Jahr 2014 von der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on auf mehr als 30 Mil­li­ar­den € ge­schätzt und wächst eben­falls. Der Han­del zwi­schen Is­ra­el und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten be­trägt rund 36 Mil­li­ar­den US $ pro Jahr, und der is­rae­li­sche Han­del mit Chi­na be­schleu­nigt ra­pi­de, er über­stieg $ 10 Mil­li­ar­den in den ers­ten Mo­na­ten des Jah­res 2015.

Wir­kung

Die­ser Trends un­ge­ach­tet war BDS nicht ganz er­folg­los. Ne­ben der SodaStream-​Affäre und ähn­li­cher Ein­schüch­te­run­gen von is­rae­li­schen Un­ter­neh­men, ha­ben ei­ni­ge in­ter­na­tio­na­le Kon­zer­ne an­geb­lich ih­re Prä­senz in Is­ra­el ver­rin­gert. Das fran­zö­si­sche Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Veo­lia, nach­dem es von der BDS-​Bewegung sechs Jah­re lang ins Vi­sier ge­nom­men wur­de (in­klu­si­ve ei­nem Boy­kott des Un­ter­neh­mens durch den Tower Ham­lets Bo­rough Coun­cil in Lon­don), hat ver­gan­ge­nes Jahr an­ge­kün­digt, dass es sei­ne Ak­ti­vi­tä­ten in Is­ra­el be­en­det.

Man kann die Mög­lich­keit wei­te­rer ver­deck­ten Boy­kot­te nicht aus­schlies­sen, bei de­nen Un­ter­neh­men es still ab­leh­nen, Ge­schäf­te in Is­ra­el zu tä­ti­gen, an­geb­lich un­ter kom­mer­zi­el­len Vor­wän­den, aber in Wirk­lich­keit, um ne­ga­ti­ve Pu­bli­ci­ty zu ver­mei­den. Doch im all­ge­mei­nen wa­ren Sie­ge von BDS flüch­tig. Im Jahr 2015 er­klär­te der CEO des fran­zö­si­schen Te­le­kom­rie­sen Oran­ge in Ägyp­ten, dass sein Un­ter­neh­men Is­ra­el boy­kot­tie­ren soll­te – auch wenn Oran­ge selbst nicht dort ar­bei­tet, son­dern ei­ne lo­ka­le Fir­ma mit ei­nem Fran­chise­ver­trag ih­ren Na­men ver­wen­det. Den­noch pro­du­zier­te sei­ne An­kün­di­gung viel Pu­bli­zi­tät und Ap­plaus der BDS-​Leute. Es brach­te auch be­deu­ten­de Op­po­si­ti­on, die ihn da­zu brach­te, Is­ra­el in der fol­gen­den Wo­che zu be­su­chen und sich zu ent­schul­di­gen. Bald da­nach leis­te­te sei­ne Fir­ma still und lei­se ei­ne be­trächt­li­che In­ves­ti­ti­on dort.

Die­se Art von Lärm we­gen Mass­nah­men steht auch für die zahl­rei­chen Boy­kot­te Is­ra­els durch die Ge­werk­schaf­ten, dar­un­ter, in Gross­bri­tan­ni­en, der Ge­werk­schafts­kon­gress, die Feu­er­wehr­ge­werk­schaft, Unite, Uni­son, die GMB und die Na­tio­na­le Ge­werk­schaft der Jour­na­lis­ten. In an­de­ren Län­dern die Ge­werk­schaf­ten in Ir­land, Ka­na­da, Süd­afri­ka, Schwe­den, Nor­we­gen, Ka­li­for­ni­en und Aus­tra­li­en un­ter­stütz­ten oder führ­ten Boy­kot­te in ir­gend­ei­ner Form durch. Re­li­giö­se In­sti­tu­tio­nen wie die Syn­ode der an­gli­ka­ni­schen Kir­che, die bri­ti­sche me­tho­dis­ti­sche Kir­che und die Ge­ne­ral­ver­samm­lung der Pres­by­te­ria­ni­schen Kir­che (USA) ha­ben sich für Boy­kot­te oder Des­in­ves­ti­ti­on ent­schie­den, und Kom­mu­nen in Gross­bri­tan­ni­en, ein­schliess­lich Lei­ces­ter Ci­ty Coun­cil, Swan­sea und Gwy­nedd Coun­cils in Wales, so­wie meh­re­re in Schott­land, ha­ben Boykott-​Motionen ver­ab­schie­det. In Is­land ent­schied der Stadt­rat von Reyk­ja­vik, ganz Is­ra­el zu boy­kot­tie­ren, be­vor er sich wie­der­um sel­ber um­dreh­te, um den Boy­kott auf die West­bank zu be­gren­zen.

Die­se Boy­kot­te ha­ben mi­ni­ma­le di­rek­te wirt­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen. Im Fall der lo­ka­len Be­schaf­fung durch Ge­mein­den, zum Bei­spiel ha­ben die boy­kot­tie­ren­den Rä­te ganz ge­ne­rell kaum Ein­käu­fe aus Is­ra­el oder is­rae­li­schen Un­ter­neh­men ge­leis­tet, so dass die Aus­wir­kun­gen ih­rer Be­schlüs­se eher nur sym­bo­lisch sind. Eben­falls mehr sym­bo­lisch als wirt­schafts­schäd­lich sind kul­tu­rel­le Boy­kot­te, wo ver­schie­de­ne Künst­ler und an­de­re in der Kunst tä­ti­ge Men­schen, ein­schliess­lich Lau­ryn Hill, An­nie Lennox, El­vis Cos­tel­lo und Dan­ny Glover nicht nach Is­ra­el ge­gan­gen sind.

Der Er­folg die­ser kul­tu­rel­len Boy­kot­te soll­ten auf je­den Fall nicht über­be­wer­tet wer­den, denn: we­nig Pro­mi­nen­te sind dem Ruf ge­folgt, und ei­ni­ge ha­ben ak­ti­ven Wi­der­stand ge­leis­tet. Zum Bei­spiel als Re­ak­ti­on auf ei­ne pro-​Boykott-​Petition im ver­gan­ge­nen Fe­bru­ar in ei­nem Brief an den Guar­di­an im Ok­to­ber, er­klär­ten JK Row­ling, Si­mon Scha­ma, Hil­ary Man­tel, Mel­vyn Bragg und an­de­re ih­re Op­po­si­ti­on zu ei­nem kul­tu­rel­len Boy­kott Is­ra­els.

Doch ge­ra­de in Be­zug auf die Sym­bo­lik war die BDS-​Bewegung am er­folg­reichs­ten. Je mehr Ge­werk­schaf­ten und Be­triebs­rä­te für ei­nen Boy­kott Is­ra­els stim­men, des­to mehr wird die Iso­la­ti­on und Aus­gren­zung des jü­di­schen Staa­tes nor­mal (dass die­se In­sti­tu­tio­nen nicht wirk­lich et­was aus Is­ra­el ein­kau­fen, zeigt, dass die sym­bo­li­sche Wir­kung in der Tat ihr ei­gent­li­ches Ziel ist). Und es sind die Uni­ver­si­tä­ten, an de­nen BDS ih­re gröss­ten sym­bo­li­schen Fort­schrit­te ge­macht hat. Meh­re­re aka­de­mi­sche Ge­werk­schaf­ten ha­ben da­für ge­stimmt, Is­ra­el zu boy­kot­tie­ren, dar­un­ter die Na­tio­nal As­so­cia­ti­on of Tea­chers in Fur­t­her and Hig­her Edu­ca­ti­on (ob­wohl die­ser Boy­kott jetzt aus­ge­lau­fen ist) und der Ver­band der Hoch­schul­leh­rer (ob­wohl die­ser Boy­kott an ei­ner Dring­lich­keits­sit­zung ein paar Wo­chen spä­ter rück­gän­gig ge­macht wur­de). Die­se bei­den Ge­werk­schaf­ten ha­ben sich in der Uni­ver­si­ty and Col­le­ge Uni­on zu­sam­men­ge­schlos­sen, wel­che wie­der­um Schrit­te zu ei­nem Boy­kott un­ter­nom­men hat.

In den USA ha­ben meh­re­re aka­de­mi­sche Ge­werk­schaf­ten be­schlos­sen, Is­ra­el zu boy­kot­tie­ren, aber sie sind auf Wi­der­stand ge­stos­sen, oft in Form von College-​Verwaltungen, die ver­such­ten, ih­re In­sti­tu­tio­nen von den Er­klä­run­gen der Fa­kul­tät zu di­stan­zie­ren. So wich­tig je­ne Ab­mil­de­rungs­be­ü­hun­gen sind, sie ma­chen die gif­ti­ge At­mo­sphä­re nicht rück­gän­gig, die kon­ti­nu­ier­li­che Boy­kott­auf­ru­fe an­le­gen.

Die­se At­mo­sphä­re wird auch von Stu­den­ten­po­li­tik ge­nährt. Stu­den­ten­ver­ei­ni­gun­gen sind ein stän­di­ges BDS-​Schlachtfeld. In Gross­bri­tan­ni­en ha­ben sich Stu­den­ten­ver­ei­ni­gun­gen von Birk­beck, Bru­nel, Es­sex, Exe­ter, Gold­schmie­de, Kings Col­le­ge Lon­don, Kings­ton, Li­ver­pool, SOAS, Stra­th­cly­de, Sus­sex, Swan­sea und der Uni­ver­si­tät der Küns­te Lon­don, so­wie von der Uni­ver­si­ty of Lon­don hin­ter Boy­kot­te ge­gen Is­ra­el ge­stellt. Meh­re­re an­de­re Ver­ei­ni­gun­gen ha­ben eben­falls De­ves­ti­tio­nen aus G4S und an­de­ren Un­ter­neh­men ge­bil­ligt für ih­ren Han­del mit Is­ra­el. Im Ju­ni letz­ten Jah­res hat das Na­tio­na­le Exe­ku­tiv­kom­mit­tee der Na­tio­nal Uni­on of Stu­dents (NUS) BDS un­ter­stützt, ge­mein­sam mit der NUS-​Frauen-​Konferenz, der Postgraduate-​Konferenz und Black Stu­dents Cam­pai­gn. An an­de­ren Stand­or­ten fan­den hit­zi­ge De­bat­ten und (er­folg­lo­se) Ab­stim­mun­gen über BDS Be­we­gun­gen statt, so dass die Idee des Boy­kotts Is­ra­els jetzt be­kannt ist an Uni­ver­si­tä­ten im gan­zen Land, ob sie es tat­säch­lich tun oder nicht.

Ein wich­ti­ger Bei­trag zur Po­pu­la­ri­tät von BDS auf dem Cam­pus ist die „Is­ra­el Apart­heid Week”. In­spi­riert von Dur­ban I fand die­ses gro­tes­ke Fes­ti­val zum ers­ten Mal in To­ron­to im Jahr 2005 statt, im sel­ben Jahr wie der „Letz­te Auf­ruf” und Start von BDS. Heu­te ei­ne jähr­li­che Ver­an­stal­tung an Uni­ver­si­tä­ten auf der gan­zen Welt, setzt die­se Rei­he von Vor­trä­gen und De­mons­tra­tio­nen Is­ra­el mit dem ehe­ma­li­gen süd­afri­ka­ni­schen Ré­gime gleich und im­pli­ziert, dass der sel­be Ak­ti­vis­mus – über­wie­gend Boy­kot­te – ge­eig­net ist.

Drei­stu­fi­ge Dop­pel­mo­ral

Die sym­bo­li­sche Wir­kung von BDS, der Is­ra­el Apart­heid Week und an­de­ren da­mit ver­bun­de­nen Kam­pa­gnen ist, dass sie be­son­de­re Auf­merk­sam­keit auf Is­ra­el rich­ten, die auf kein an­de­res Land ge­rich­tet wird. Dies ist Teil ei­ner drei­fa­chen Dop­pel­mo­ral, die rou­ti­ne­mäs­sig auf Is­ra­el an­ge­wen­det wird. Die ers­te ist, dass aus­schliess­lich Is­ra­el nach ei­nem be­stimm­ten Mass­stab be­ur­teilt wird, wäh­rend an­de­re Län­der ei­nen Frei­pass er­hal­ten. Dies ist ganz of­fen­sicht­lich an­ti­se­mi­tisch. Nicht nur, dass Is­ra­el der vie­len ihm zu­ge­schrie­be­nen Sün­den nicht schul­dig ist, vie­le Staa­ten sind weit grös­se­rer Übel­ta­ten schul­dig. Und doch un­ter­liegt nur Is­ra­el dem Zorn der Boy­kot­teu­re. Selsbt der Lin­gu­ist und po­li­tisch ra­di­ka­le No­am Chom­sky, selbst in der Re­gel ein Un­ter­stüt­zer von Boy­kot­ten ge­gen Is­ra­el, hat ge­sagt, dass die „Heu­che­lei” der BDS-​Bewegung „so trans­pa­rent ist … war­um nicht die Ver­ei­nig­ten Staa­ten boy­kot­tie­ren?” Ganz zu schwei­gen von den ech­ten Schur­ken­staa­ten die­ser Welt.

Die­se Dop­pel­mo­ral ist nicht die ein­zi­ge Art von Heu­che­lei, de­rer BDS schul­dig ist. BDS Grün­der Omar Barg­hou­ti ist ein Dok­to­rand an der Uni­ver­si­tät Tel Aviv. Dar­über hin­aus, im Ge­gen­satz zu der Vor­stel­lung, dass BDS ei­ne Mas­sen­be­we­gung sei mit der Un­ter­stüt­zung der ara­bi­schen „Stras­se”, sind vie­le der ur­sprüng­li­chen Un­ter­zeich­ner des „letz­ten Auf­rufs” zu BDS in der Tat Ein-​Mann-​NGOs oder nicht vor­han­de­ne Or­ga­ni­sa­tio­nen, von de­nen kei­ne Spur ge­fun­den wer­den kann, über ih­ren Ver­merk in die­ser Er­klä­rung hin­aus. Wäh­rend­des­sen tram­peln im Wes­ten Aka­de­mi­ker, die laut ih­re Un­ter­stüt­zung für ei­nen Boy­kott is­rae­li­scher Uni­ver­si­tä­ten ver­kün­den, über den frei­en Aus­tausch von Ide­en hin­weg, ver­zich­ten auf die Zu­sam­men­ar­beit mit ih­ren Kol­le­gen und be­rau­ben Schü­ler ei­ner be­stimm­ten Na­tio­na­li­tät ei­ner voll­stän­di­gen Aus­bil­dung, wo­mit sie die grund­le­gen­den Prin­zi­pi­en ih­res Be­ru­fes auf­ge­ben. An­de­re BDS-​Aktivisten ver­wen­den ger­ne is­rae­li­schen Tech­no­lo­gie – zum Bei­spiel beim Auf­bau ih­rer Web­sites – um für den Boy­kott Is­ra­els zu wer­ben.

Der NUS, der sich wei­ger­te, den Is­la­mi­schen Staat zu ver­ur­tei­len, aus Angst, dass er viel­leicht „is­la­mo­phob” sein könn­te, war glück­lich dar­über, den jü­di­schen Staat oh­ne je­de Sor­ge um die Aus­wir­kun­gen die­ser Ent­schei­dung auf jü­di­sche Stu­den­ten zu boy­kot­tie­ren. Wäh­rend Nor­we­gen, Schwe­den und Finn­land Pro­duk­te von So­da­Stream boy­kot­tier­ten, die in ih­rer Fa­brik in der West­bank pro­du­ziert wor­den wa­ren, hat­ten die­se Län­der den­noch kein Pro­blem, wie der CEO des Un­ter­neh­mens be­ob­ach­te­te,  kein Pro­blem bei der Ver­mark­tung ih­rer Pro­duk­te in Chi­na, der „Mut­ter der Men­schen­rech­te”, wie er sar­kas­tisch for­mu­lier­te.

Die zwei­te Dop­pel­mo­ral ist ele­men­ta­rer – und wird nur sel­ten von Be­ob­ach­tern be­merkt. Sie be­steht dar­in, dass un­ab­hän­gig von der Sub­stanz der Mei­nun­gen zu Is­ra­el, die Men­schen über­haupt Mei­nun­gen zu Is­ra­el ha­ben. Denn wäh­rend nie­mand viel No­tiz nimmt vom Ver­hal­ten an­de­rer Staa­ten von Is­ra­els Grös­se, er­hält nur Is­ra­el ei­ne so gros­se Men­ge an Auf­merk­sam­keit. Das liegt auch zum Teil an BDS, die da­bei hilft, Is­ra­el zu­vor­derst in den Köp­fen der Men­schen zu hal­ten. Es ist un­ver­meid­lich, dass ei­ne sol­che Auf­merk­sam­keit ne­ga­tiv sein wird.

Die drit­te Dop­pel­mo­ral, die BDS zu kul­ti­vie­ren hilft, ist, im Wes­ten Fra­gen zu Is­ra­els Le­gi­ti­mi­tät zu för­dern: in der Spra­che der Pro-​Israel-​Befürworter, BDS „de­le­gi­ti­mi­siert” den jü­di­schen Staat. Is­ra­el ist so ab­scheu­lich, sagt die­se Lo­gik, dass es gar nicht exis­tie­ren soll­te. Die­se geis­ter­haf­te Vor­stel­lung ist zu ei­ner der zen­tra­len Plan­ken der Dis­kus­si­on über Is­ra­el ge­wor­den auf dem Cam­pus, in den Ge­werk­schaf­ten und in ei­ni­gen Kon­fes­sio­nen. Doch nicht nur ist ak­ti­ver Wi­der­stand ge­gen den al­lei­ni­gen Aus­druck jü­di­scher Selbst­be­stim­mung – den Staat Is­ra­el – zwei­fel­los an­ti­se­mi­tisch, auch wird kein an­de­res Land der Welt auf die­se Wei­se un­ter­gra­ben. Von kei­nem an­de­ren Land wird ge­fragt, ob es „ein Recht zu exis­tie­ren” ha­be ( in den in­ter­na­tio­na­len Be­zie­hun­gen auf je­den Fall ei­ne ab­sur­de und sinn­lo­se Fra­ge).

Das An­ti­se­mi­tis­mus­pro­blem von BDS geht aber noch tie­fer als Dop­pel­mo­ral. Die Idee, Is­ra­el zu boy­kot­tie­ren, be­gann ja ge­nau ge­nom­men nicht mit BDS oder de­ren Vor­stu­fen wäh­rend der zwei­ten In­ti­fa­da. Es gab frü­he­re Ite­ra­tio­nen, ein­schliess­lich des ara­bi­schen Boy­kotts Is­ra­els im Jah­re 1945 ge­gen die jü­di­schen Ge­mein­den in der Re­gi­on ins Le­ben ge­ru­fen und jahr­zehn­te­lang auf­recht­erhal­ten nach Is­ra­els Grün­dung im Jahr 1948; und lo­ka­le Boy­kot­te von Ara­bern ge­gen jü­di­sche Ge­schäf­te in den 1920er Jah­ren. BDS ist in die­sem Zu­sam­men­hang, ein­fach die neu­es­te Ma­ni­fes­ta­ti­on der Op­po­si­ti­on des Na­hen Os­tens ge­gen die Idee der jü­di­schen Sou­ve­rä­ni­tät durch Boy­kott.

Doch die Zie­le der BDS-​Propaganda lie­gen im Wes­ten, und hier ha­ben die Füh­rer der BDS-​Bewegung noch frucht­ba­re­ren Bo­den ge­fun­den, da Boy­kot­te ge­gen Ju­den in Eu­ro­pa bis ins Mit­tel­al­ter zu­rück­rei­chen, und Nazi-​Boykotte jü­di­scher Ge­schäf­te und Aka­de­mi­ker in den 1930er Jah­ren mit ein­schlies­sen. BDS ist ei­ne ex­ak­te Fort­set­zung auch von die­ser Art von An­ti­se­mi­tis­mus. BDS-​Boykotte, wäh­rend sie an­geb­lich aus­ge­rich­tet sind ge­gen al­le Is­rae­lis in ei­nem be­stimm­ten Be­reich (wie Aka­de­mi­ker), um­fas­sen in Wirk­lich­keit nur die jü­di­schen Is­rae­lis in die­sen Be­rei­chen (un­ter Aus­schluss, bei­spiels­wei­se, von arabisch-​israelischen Ge­lehr­ten).

Zu Hau­se lo­ben BDS-​Demonstranten rou­ti­ne­mäs­sig Hit­ler, ent­bie­ten den Na­zi­gruss, ma­len Hakenkreuz-​Graffiti und be­ken­nen sich of­fen da­zu, Ju­den­has­ser zu sein. Die be­rüch­tig­ten Pro­to­kol­le der Wei­sen von Zi­on sind bei BDS-​Veranstaltungen zum Ver­kauf an­ge­bo­ten wor­den. Aka­de­mi­ker, die Boy­kot­te un­ter­stützt ha­ben, ha­ben auf be­rüch­tig­te Ver­schwö­rungs­theo­ri­en über jü­di­sche Macht hin­ge­wie­sen. Pro-​BDS-​Vereinigungen zei­gen kei­ne Rück­sicht auf ih­re jü­di­schen Mit­glie­der, die sich über Un­be­ha­gen be­kla­gen wäh­rend der De­bat­ten und Lob­by­ar­beit über BDS, noch küm­mern sich Hoch­schu­len oder Stu­den­ten­ver­ei­ni­gun­gen um jü­di­sche Stu­den­ten, die sich auf Pro-​BDS-​Universitäten zu ein­ge­schüch­tert füh­len, um Vor­le­sun­gen zu be­su­chen.

Im Jahr 2012 ha­ben BDS-​Aktivisten auf die he­bräi­sche Pro­duk­ti­on von Der Kauf­mann von Ve­ne­dig am Glo­be Theat­re ge­zielt, Teil ei­ner In­itia­ti­ve, Shake­speare in meh­re­ren Spra­chen auf­zu­füh­ren. Im Jahr 2014 ver­such­te das Tri­cy­cle Theat­re im Nor­den von Lon­don, das Je­wish Film Fes­ti­val zu boy­kot­tie­ren – das sich der anglo-​jüdischen Ge­mein­schaft wid­met – weil es teil­wei­se durch (be­din­gungs­lo­se) Zu­schüs­se von der is­rae­li­schen Bot­schaft fi­nan­ziert wur­de. Su­per­märk­te, die von BDS-​Aktivisten zum Ziel ge­wor­den wa­ren, sind in die­sem Jahr kurz­zei­tig ge­zwun­gen ge­we­sen, al­le ko­sche­re Es­sen aus den Re­ga­len zu ent­fer­nen.

Letz­tes Jahr ver­such­ten in Süd­afri­ka pro-​BDS-​Studierende, ih­re jü­di­schen Kol­le­gen von der Uni­ver­si­tät aus­zu­schlies­sen we­gen ih­rer Be­zie­hun­gen zu Is­ra­el. In Ka­li­for­ni­en er­leb­ten jü­di­sche Stu­den­ten, die sich zur Wahl stell­ten oder ver­such­ten, bei Ab­stim­mun­gen für BDS-​Motionen mit­zu­ma­chen und ih­re Stim­me ab­zu­ge­ben, Wi­der­stand von Israel-​Boykotteuren auf der Ba­sis, ihr Jü­disch­sein ma­che sie un­glaub­wür­dig oder vor­ein­ge­nom­men. BDS-​Aktivisten stör­ten ei­ne Ab­stim­mung zur Er­in­ne­rung an die Be­frei­ung von Ausch­witz bei ei­nem Tref­fen im New York Ci­ty Coun­cil, an­geb­lich aus Pro­test ge­gen Be­su­che von Rats­mit­glie­dern in Is­ra­el. Und letz­ten Som­mer schaff­ten es BDS-​Agitatoren, Ma­ti­sya­hu, ei­nen jü­di­schen ame­ri­ka­ni­schen Rap-​Star, der kein Is­rae­li ist, kurz­zei­tig aus ei­nem spa­ni­schen Mu­sik­fes­ti­val aus­zu­sper­ren, weil er sich wei­ger­te, Is­ra­el zu ver­ur­tei­len – ei­ne ab­sur­de For­de­rung, die an kei­nen an­de­ren Künst­ler ge­stellt wur­de. (All dies fügt sich in das be­kann­te Mus­ter von Auf­brau­sen im arabisch-​israelischen Kon­flikt, das durch An­grif­fe auf Ju­den an­ders­wo be­glei­tet wird.)

Of­fen­sicht­lich macht sich BDS kei­ne Mü­he, zwi­schen Is­ra­el und Ju­den zu un­ter­schei­den, ei­ne Un­ter­las­sung, die sehr vie­le ih­rer Geg­ner stört und be­lei­digt. Doch die­se Sor­ge über­schat­tet ei­ne tie­fe­re und un­be­que­me­re Wahr­heit, näm­lich dass al­le Ver­su­che, Is­ra­el und die Ju­den von­ein­an­der zu tren­nen sinn­los sind, weil Is­ra­el Teil der Iden­ti­tät fast al­ler Dia­spor­a­ju­den ist in der ei­nen oder an­de­ren Form. Der Wi­der­stand ge­gen das ei­ne ist un­trenn­bar mit Wi­der­stand ge­gen die an­de­ren ver­bun­den. Ju­den sind un­wei­ger­lich mit Is­ra­el im re­li­giö­sen, wirt­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und fa­mi­liä­ren Be­reich auf ei­ne Art und Wei­se ver­bun­den, die BDS-​Aktivisten miss­fällt, und Is­ra­el ist na­tür­lich mit dem jü­di­schen Le­ben in der Dia­spo­ra ver­bun­den, sei es durch ko­sche­res Es­sen (von dem ein Gross­teil aus Is­ra­el kommt), Fi­nan­zie­rung kul­tu­rel­ler Ak­ti­vi­tä­ten, und so wei­ter. Die jü­di­sche Ge­mein­de in Gross­bri­tan­ni­en ist des­halb zum Ziel von Is­rael­has­sern ge­wor­den. Ju­den­tum und Is­ra­el sind in je­der Hin­sicht schlicht un­teil­bar, und das ist der sprin­gen­de Punkt. Das ist der Grund, wes­halb BDS, selbst wenn es woll­te, nichts an­de­res sein kann als die neu­es­te Ma­ni­fes­ta­ti­on des äl­tes­ten Has­ses.

Die Tat­sa­che, dass es jü­di­sche An­hän­ger von BDS gibt, wird häu­fig als Be­leg ge­nom­men, um zu be­wei­sen, dass die­se Boy­kot­te in kei­ner Ver­bin­dung zu An­ti­se­mi­tis­mus ste­hen. Doch im Ge­gen­teil, das ist ein wei­te­rer Be­weis, dass sie es sind. In je­der Ge­ne­ra­ti­on gibt es ein­zel­ne Ju­den, die die Nor­men der jü­di­schen Ge­mein­de ver­las­sen, oder sich ge­gen sie wen­den und zu ih­ren Pei­ni­gern wer­den. In der Tat ge­hö­ren ei­ni­ge von ih­nen zu den übels­ten Ver­tre­tern von und Apo­lo­ge­ten des An­ti­se­mi­tis­mus, wie Pa­blo Chris­tia­ni, Karl Marx und Bru­no Krei­sky. Dass ei­ne klei­ne Min­der­heit von Ju­den er­neut ge­gen die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit ih­res ei­ge­nen Vol­kes steht, ist ab­so­lut zu er­war­ten.

In der Ver­gan­gen­heit ha­ben sich die­je­ni­gen Per­so­nen ge­gen die Mehr­heit teil­wei­se des­halb ge­stellt, um der Ver­fol­gung, der sie als Ju­den un­ter­lie­gen, zu ent­ge­hen. Das ist heu­te nicht viel an­ders: Der jü­di­sche Staat und jü­di­sche Is­rae­lis – und zu­neh­mend das Dia­spor­a­ju­den­tum durch ih­re Er­wei­te­rung – wer­den aus dem glei­chen an­ti­se­mi­ti­schen Geist, den es schon frü­her gab, ver­folgt, und die Ju­den, die den Boy­kott un­ter­stüt­zen, ver­su­chen sich ef­fek­tiv vor der Ver­fol­gung zu schüt­zen, in­dem sie da­bei mit­ma­chen.

Was die­se frü­he­ren und zeit­ge­nös­si­schen an­ti­jü­di­schen Ju­den je­doch un­ter­schei­det, ist, dass, wäh­rend der Hass, der die ers­te­ren kon­fron­tier­te, recht ei­gent­lich ihr Le­ben be­droh­te, so ist das, was die letz­te­ren pri­mär be­trifft, er­bärm­li­cher­wei­se, die Pein­lich­keit, die sie füh­len, wenn sie von ih­ren lin­ken Freun­den mit Is­ra­el as­so­zi­iert wer­den, das die­se so ver­ach­ten, aber de­ren Va­li­die­rung die­se Ju­den so ver­zwei­felt er­seh­nen.

Der Kampf ge­gen BDS

Wie steht es dann um den Kampf ge­gen BDS? In den meis­ten Fäl­len, wenn ei­ne BDS-​Demonstration statt­fin­det oder ein An­trag ein­ge­bracht wird, gibt es ei­nen Ge­gen­pro­test oder ei­ne Be­mü­hung, die Mo­ti­on zu be­sie­gen. Ju­den und Un­ter­stüt­zer Is­ra­els in vie­len ver­schie­de­nen Stel­lun­gen – ob an ei­ner Uni­ver­si­tät oder in ei­ner Ver­ei­ni­gung oder auf ei­ner Syn­ode – fin­den sich kon­fron­tiert mit ei­nem ge­mein­sa­men Feind, und das hat ei­ne will­kom­me­ne ver­ei­nen­de Wir­kung.

Meh­re­re Ba­sis­or­ga­ni­sa­tio­nen sind im gan­zen Land ein­ge­rich­tet wor­den, um für Is­ra­el ein­zu­ste­hen und BDS auf den Stras­sen zu be­kämp­fen, auf dem Cam­pus, in den Ge­rich­ten und po­li­tisch. Un­ter ih­nen ist ei­ne neue Or­ga­ni­sa­ti­on, vor ei­nem Jahr ge­grün­det, die so ge­nann­te Jü­di­sche Hu­man Rights Watch (von de­nen ich ein Di­rek­tor bin). JHRW hat ge­gen War on Want ei­ne Be­schwer­de ein­ge­reicht bei der Cha­ri­ty Com­mis­si­on für de­ren Un­ter­stüt­zung von BDS, und de­ren Ge­mein­nüt­zig­keit ist jetzt auf dem Prüf­stand. Es wur­de auch ei­ne ge­richt­li­che Über­prü­fung der BDS-​Anträge von Lei­ces­ter, Swan­sea und Gwy­nedd Coun­cils ge­be­ten, droh­te ge­gen meh­re­re in Schott­land und leis­te­te Lob­by­ar­beit bei der Re­gie­rung für ei­nen Wan­del. Dank die­ser An­stren­gun­gen kün­dig­ten die Kon­ser­va­ti­ven an ih­rem Par­tei­tag ih­re Ab­sicht an, Rechts­vor­schrif­ten zum Ver­bot von Boy­kot­te von Ge­mein­de­rä­ten ge­gen das Aus­land und Gross­bri­tan­ni­ens Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie zu er­las­sen, die nicht im Ein­klang mit der na­tio­na­len Po­li­tik ste­hen, ei­ne Schach­zug, der auf ein Ver­bot von BDS hin­aus­läuft und auch so in­ter­pre­tiert wird.

Die bri­ti­sche Re­gie­rung agiert ge­mein­sam mit an­de­ren, wenn sie ih­ren Ekel ge­gen­über Boy­kot­ten ge­gen Is­ra­el er­klärt: In Frank­reich ist das „Lell­ou­che Ge­setz” 2003 ver­ab­schie­det wor­den, das Anti-​Rassismus-​Gesetze aus­wei­tet auf die­je­ni­gen, die be­stimm­te Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten zur Ziel­schei­be von Dis­kri­mi­nie­rung ma­chen. Kon­se­quen­ter­wei­se be­stä­tig­te ver­gan­ge­nen Ok­to­ber das höchs­te Be­ru­fungs­ge­richt des Lan­des frü­he­re Ur­tei­le zur Be­stra­fung von ei­nem Dut­zend BDS-​Demonstranten für den Auf­ruf zum Boy­kott Is­ra­els. In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ha­ben Ge­setz­ge­ber in Il­li­nois, In­dia­na, New York, Penn­syl­va­nia, South Ca­ro­li­na und Ten­nes­see in den letz­ten Mo­na­ten Mo­tio­nen ver­ab­schie­det, die BDS-​Aktivitäten ver­ur­tei­len oder be­schrän­ken, oder die staat­li­chen Pen­si­ons­fonds oder öf­fent­li­che Ein­rich­tun­gen ver­bie­ten, in Boy­kot­teu­re zu in­ves­tie­ren.

Der Kon­gress hat auch Schrit­te ge­gen BDS un­ter­nom­men, mit ei­ner Ge­setz­ge­bung im ver­gan­ge­nen Jahr, dass in ih­ren Han­dels­ver­hand­lun­gen mit der Eu­ro­päi­schen Uni­on die Bun­des­re­gie­rung Boy­kot­te ge­gen Is­ra­el oder Ju­den in der West­bank ent­mu­ti­gen muss (ob­wohl die Obama-​Regierung er­klärt hat, dass sie den Teil über die West­bank igno­rie­ren wird). Zwar gibt es noch viel zu tun, vor al­lem an den Uni­ver­si­tä­ten welt­weit, aber das Blatt dreht sich ge­gen BDS.

Die Wir­kung auf die BDS-​Bewegung von Je­re­my Cor­byns Wahl zum Labour-​Führer bleibt ab­zu­war­ten. Cor­byn hat in der Ver­gan­gen­heit be­stimm­te Boy­kot­te Is­ra­els be­für­wor­tet, ist selbst ein Ver­bün­de­ter der ein­ge­schwo­re­nen Fein­de des Lan­des, wird von ge­nau der ra­di­ka­len Wäh­ler­schaft der bri­ti­schen Po­li­tik un­ter­stützt, die die BDS-​Bewegung füllt, und hat den Guar­di­an-Au­to­ren Se­u­mas Mil­ne zum Exe­ku­tiv­di­rek­tor für Stra­te­gie und Kom­mu­ni­ka­ti­on von La­bour be­stellt, der ar­gu­men­tier­te, dass Is­ra­el kein Recht ha­be, sich selbst zu ver­tei­di­gen. Im No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res be­schloss die Na­tio­na­le Exe­ku­ti­ve von La­bour, G4S zu boy­kot­tie­ren we­gen der Ver­bin­dun­gen des Un­ter­neh­mens zu Is­ra­el.

Auf der ei­nen Sei­te wird ei­ne aus­drück­li­che Bil­li­gung von BDS durch die Füh­rer der Op­po­si­ti­on si­cher­lich der Be­we­gung Auf­trieb ge­ben; auf der an­de­ren Sei­te, wenn Cor­byn die Wahr­neh­mung nicht er­schüt­tern kann, dass er sich an, in Da­vid Ca­me­rons Wor­ten, ei­ne „mit Ter­ro­ris­ten sym­pa­thi­sie­ren­de und Gross­bri­tan­ni­en has­sen­de” Ideo­lo­gie hält, kann je­de Un­ter­stüt­zung, die er BDS gibt, we­nig mehr tun als zu un­ter­strei­chen, wie ex­trem und pe­ri­pher die Be­we­gung ist. Dar­über hin­aus, nach­dem der neu­es­te li­be­ra­le Füh­rer des Wes­tens, Ka­na­das Jus­tin Tru­deau, sei­ne Op­po­si­ti­on zu Boy­kot­ten Is­ra­els er­klärt hat, wür­de je­de Bil­li­gung von BDS Cor­byn am äus­sers­ten ra­di­ka­len En­de des li­be­ra­len Spek­trum zu die­sem The­ma, wie auch zu so vie­len an­de­ren, plat­zie­ren.

Die Be­sorg­nis über die BDS soll­te breit ge­teilt wer­den, weil die von ihr aus­ge­hen­de Be­dro­hung nicht nur der jü­di­schen Ge­mein­de und den anglo-​israelischen Be­zie­hun­gen gilt, son­dern al­len Bri­ten, der Si­cher­heit von Gross­bri­tan­ni­en und der west­li­chen Welt ins­ge­samt. Letz­ten Herbst hat­te Ca­me­ron vier Uni­ver­si­tä­ten na­ment­lich ge­nannt und an­ge­pran­gert als Brut­stät­ten der Ra­di­ka­li­sie­rung und der Re­kru­tie­rung für den Is­la­mi­schen Staat. Es ist kein Zu­fall, dass Stu­den­ten­schaf­ten an je­der BDS ge­bil­ligt hat­ten; An­ti­se­mi­tis­mus und der Boy­kott Is­ra­els wer­den vom glei­chen Hass ali­men­tiert, wie is­la­mis­ti­scher Ex­tre­mis­mus. Der IS-​Angriff auf Pa­ris im No­vem­ber ist ein wei­te­res Bei­spiel. Das Bata­clan Theat­re, wo die Ter­ro­ris­ten die meis­ten ih­rer Op­fer er­mor­de­ten, war seit Jah­ren ein Ziel von BDS-​Protesten, weil die lang­jäh­ri­gen Be­sit­zer – zwei jü­di­sche Brü­der – vie­le Pro-​Israel-​Veranstaltungen und jü­di­sche Ver­an­stal­tun­gen durch­ge­führt hat­ten. Der Zorn der Boy­kot­teu­re wur­de nicht nur in Pro­tes­ten aus­ge­drückt, son­dern auch in der An­dro­hung von Ge­walt und min­des­tens zwei ge­schei­ter­ten Ter­ror­an­schlä­gen, dar­un­ter ei­ner von Al-​Kaida. (Die Band, die in der Nacht des An­griffs spiel­te, hat­te auch vor kur­zem in Is­ra­el ge­spielt und die Auf­for­de­run­gen von BDS, dies nicht zu tun, igno­riert.) Die jü­di­schen Be­sit­zer des Bata­clan hat­ten, wie es so geht, das Thea­ter im Sep­tem­ber ver­kauft, weil ei­ner der Brü­der nach Is­ra­el um­zog, Teil ei­ner Wel­le von Französisch-​jüdischen Emi­gran­ten, die aus dem Land flie­hen. Frank­reich steht für An­ti­se­mi­tis­mus in Eu­ro­pa, und jetzt ist es auch prak­tisch ein Kriegs­ge­biet ge­wor­den, mit be­waff­ne­ten Sol­da­ten, die in der gan­zen Haupt­stadt sicht­bar sind als ei­ne ver­zwei­fel­te Mass­nah­me, um die Si­cher­heit und den Kom­fort zu ret­ten, auf die der Wes­ten ge­baut ist. BDS mag mit den Ju­den be­gin­nen, aber die Ra­di­ka­li­sie­rung, die sie an­treibt, hat grös­se­re Am­bi­tio­nen.

Die Kam­pa­gne, Is­ra­el zu boy­kot­tie­ren, ist nur ein Teil der an­ti­bri­ti­schen, an­ti­west­li­chen und an­ti­se­mi­ti­schen Ideo­lo­gie, die vie­le un­se­rer Hoch­schu­len, re­li­giö­se Ein­rich­tun­gen und Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­tio­nen und so­gar ei­ni­ge Ge­werk­schaf­ten er­fasst hat, durch­dringt, und die Re­gie­rung hat dies er­kannt. Bei der Be­kannt­ga­be des BDS-​Verbots bei der kon­ser­va­ti­ven Par­tei­kon­fe­renz, gleich­zei­tig mit ei­ner Ver­ur­tei­lung Cor­byns und sei­ner Ver­bün­de­ten als ra­di­ka­le, Terror-​sympathisierende und Grossbritannien-​hassende, si­gna­li­sier­te der Mi­nis­ter­prä­si­dent, dass er den Kon­text ver­steht, in dem BDS ge­deiht und die von ihr aus­ge­hen­de Be­dro­hung für uns al­le. Sei­ne Ab­sicht ist es, die Be­we­gung der Ver­ges­sen­heit zu über­ge­ben, wo sie hin­ge­hört.

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  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] Politisches.ch (Da­ni­el): – Pfar­rer Ga­bri­el Nad­daf zu “Brea­king the Si­lence” – Ich muss jetzt auch das Schwei­gen bre­chen – Die Is­rael­boy­kot­teu­re, die uns al­le be­dro­hen […]

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