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Eu­ro­päi­sche Uni­on er­klärt der frei­en Re­de im In­ter­net den Krieg

So­e­ren Kern, 3.6.2016, Gatestone In­sti­tu­te

  • Die Geg­ner ent­geg­nen, dass die In­itia­ti­ve ein An­griff auf die Re­de­frei­heit in Eu­ro­pa dar­stellt. Sie sa­gen, dass die De­fi­ni­ti­on von „Hass­re­de” und „An­stif­tung zur Ge­walt” der Eu­ro­päi­schen Uni­on so va­ge ist, dass es prak­tisch al­les ent­hal­ten könn­te, was von den eu­ro­päi­schen Be­hör­den als po­li­tisch in­kor­rekt ein­ge­stuft wird, ein­schliess­lich Kri­tik an Mas­sen­mi­gra­ti­on, Is­lam oder auch der EU selbst.
  • Ei­ni­ge Mit­glie­der des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments ha­ben die EU-​Online-​Verhaltensregeln – die ver­lan­gen, dass „of­fen­si­ves” Ma­te­ri­al in­ner­halb von 24 Stun­den aus dem In­ter­net ent­fernt wer­den muss – als „Or­wel­lia­nisch” cha­rak­te­ri­siert.
  • „In­dem Face­book ur­teilt, dass ‚frem­den­feind­li­che’ Kom­men­ta­re, die Re­ak­tio­nen auf die Kri­se sind, ‚ras­sis­tisch’ sei­en, macht es aus der Sicht­wei­se der meis­ten Eu­ro­pä­er (die, wie man be­to­nen muss, ge­gen Mer­kels Po­li­tik sind), ei­ne ‚ras­sis­ti­sche’ Mei­nung, und er­klärt so die Mehr­heit der Eu­ro­pä­er zu ‚Ras­sis­ten’ – Dou­glas Mur­ray.
  • Im Ja­nu­ar 2013 sus­pen­dier­te Face­book das Kon­to von Kha­led Abu To­a­meh, nach­dem er über die Kor­rup­ti­on in der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de schrieb. Das Kon­to wur­de 24 Stun­den spä­ter wie­der ge­öff­net, aber mit den bei­den Pos­tings ge­löscht und oh­ne Er­klä­rung.

Die­se Wo­che hat die EU in Part­ner­schaft mit Face­book , Twit­ter, You­Tube und Mi­cro­soft ei­nen „Ver­hal­tens­ko­dex” vor­ge­stellt, um die Aus­brei­tung der „il­le­ga­len Online-​Hassrede” in Eu­ro­pa zu be­kämp­fen. Am nächs­ten Tag sus­pen­dier­te Face­book das Kon­to von In­grid Carl­qvist, schwe­di­sche Ex­per­tin von Gatestone, nach­dem sie ein Gatestone -Vi­deo in ih­re Facebook-​Chronik ge­teilt hat­te – mit dem Ti­tel „Schwe­dens Migranten-​Vergewaltigungs-​Epidemie”.

Die Eu­ro­päi­sche Uni­on (EU), in Part­ner­schaft mit Face­book, Twit­ter, You­Tube und Mi­cro­soft, hat ei­nen „Ver­hal­tens­ko­dex” ent­hüllt, um die Ver­brei­tung von „il­le­ga­ler Online-​Hassrede” (ha­te speech) in Eu­ro­pa zu be­kämp­fen.

Die Be­für­wor­ter der In­itia­ti­ve ar­gu­men­tie­ren, dass nach den jüngs­ten Ter­ror­an­schlä­gen in Pa­ris und Brüs­sel ein schar­fes Vor­ge­hen ge­gen „Hass­re­de” not­wen­dig sei, um Online-​Dschihad-​Propaganda ent­ge­gen­zu­tre­ten.

Die Geg­ner ent­geg­nen, dass die In­itia­ti­ve ein An­griff auf die Re­de­frei­heit in Eu­ro­pa dar­stellt. Sie sa­gen, dass die De­fi­ni­ti­on von „Hass­re­de” und „An­stif­tung zur Ge­walt” der Eu­ro­päi­schen Uni­on so va­ge ist, dass es prak­tisch al­les um­fas­sen könn­te, was von den eu­ro­päi­schen Be­hör­den als po­li­tisch in­kor­rekt ein­ge­stuft wird, ein­schliess­lich Kri­tik an Mas­sen­mi­gra­ti­on, Is­lam oder auch der EU selbst.

Ei­ni­ge Mit­glie­der des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments ha­ben die EU-​Online-​Verhaltensregeln – die ver­lan­gen, dass „of­fen­si­ves” Ma­te­ri­al in­ner­halb von 24 Stun­den aus dem In­ter­net ent­fernt wer­den muss – als „Or­wel­lia­nisch” cha­rak­te­ri­siert.

Der „Ver­hal­tens­ko­dex” wur­de am 31. Mai von der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on, dem nicht ge­wähl­ten Ver­wal­tungs­or­gan der Eu­ro­päi­schen Uni­on, in ei­ner Er­klä­rung [nur auf Eng­lisch ver­füg­bar] an­ge­kün­digt. Ei­ne Zu­sam­men­fas­sung der In­itia­ti­ve folgt:

„Mit der Un­ter­zeich­nung die­ses Ver­hal­tens­ko­dex ver­pflich­ten sich die IT-​Unternehmen, wei­ter­hin ge­gen il­le­ga­le Hass­re­de im In­ter­net vor­zu­ge­hen. Da­zu ge­hört die fort­lau­fen­de Ent­wick­lung in­ter­ner Ver­fah­ren und die Schu­lung von Mit­ar­bei­tern, da­mit die Mehr­heit der stich­hal­ti­gen An­trä­ge auf Ent­fer­nung il­le­ga­ler Hass­kom­men­ta­re in we­ni­ger als 24 Stun­den ge­prüft und die­se er­for­der­li­chen­falls ent­fernt bzw. der Zu­gang da­zu ge­sperrt wer­den kann.”

„Die IT-​Unternehmen wer­den sich au­ßer­dem um die Stär­kung ih­rer be­stehen­den Part­ner­schaf­ten mit Or­ga­ni­sa­tio­nen der Zi­vil­ge­sell­schaft be­mü­hen, die bei der Mel­dung von In­hal­ten hel­fen wer­den, mit de­nen zu Ge­walt und Hass auf­ge­ru­fen wird. Au­ßer­dem wol­len die IT-​Unternehmen und die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on ih­re Ar­beit zur Fest­stel­lung und För­de­rung ei­nes un­ab­hän­gi­gen Ge­gen­dis­kur­ses [Her­vor­he­bung hin­zu­ge­fügt] so­wie neu­er Ide­en und In­itia­ti­ven fort­set­zen und Bil­dungs­pro­gram­me, die zu kri­ti­schem Den­ken an­re­gen, un­ter­stüt­zen.”

Aus­zü­ge aus dem „Ver­hal­tens­ko­dex” um­fas­sen [nur auf Eng­lisch ver­füg­bar, des­halb hier ei­ne Über­set­zung da­von]:

„Die IT-​Unternehmen tei­len das En­ga­ge­ment der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on und der EU-​Mitgliedstaaten zur Be­kämp­fung von il­le­ga­ler Online-​Hassrede. Il­le­ga­le Hass­re­de, wie durch den Rah­men­be­schluss 2008913 /​ JI des Ra­tes vom 28. No­vem­ber 2008 zur Be­kämp­fung be­stimm­ter For­men und Aus­drucks­wei­sen von Ras­sis­mus und Frem­den­feind­lich­keit mit Hil­fe des Straf­rechts und der na­tio­na­len Ge­set­ze, die es zur Um­set­zung be­nö­tigt, de­fi­niert, be­deu­tet, dass al­les Ver­hal­ten, das öf­fent­lich zu Ge­walt oder Hass auf­sta­chelt ge­gen ei­ne Grup­pe von Per­so­nen oder ge­gen ein Mit­glied ei­ner sol­chen Grup­pe durch ei­nen Ver­weis auf Ras­se, Haut­far­be, Re­li­gi­on, Ab­stam­mung oder na­tio­na­le oder eth­ni­sche Her­kunft.…

„Die IT-​Unternehmen un­ter­stüt­zen die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on und die EU-​Mitgliedstaaten bei den Be­mü­hun­gen, auf die Her­aus­for­de­rung zu re­agie­ren, si­cher­zu­stel­len, dass Online-​Plattformen kei­ne Mög­lich­kei­ten bie­ten für die vi­ra­le Ver­brei­tung il­le­ga­ler Online-​Hassrede. Die Ver­brei­tung von il­le­ga­ler Online-​Hassrede wirkt sich nicht nur ne­ga­tiv auf die Grup­pen oder Ein­zel­per­so­nen aus, son­dern sie hat auch ei­nen ne­ga­ti­ven Ein­fluss auf je­ne, die die Stim­me für Frei­heit, To­le­ranz und Nicht­dis­kri­mi­nie­rung in un­se­ren of­fe­nen Ge­sell­schaf­ten er­he­ben und hat ei­ne ab­schre­cken­de Wir­kung auf den de­mo­kra­ti­schen Dis­kurs auf Online-​Plattformen.

„Wäh­rend die wirk­sa­me An­wen­dung der Be­stim­mun­gen, die Volks­ver­het­zung un­ter Stra­fe stel­len, auf ei­nem ro­bus­ten Sys­tem für die Durch­set­zung des Straf­rechts mit­tels Sank­tio­nen ge­gen die ein­zel­nen Hassrede-​Täter ab­hän­gig ist, muss die­se Ar­beit er­gänzt wer­den mit Ak­tio­nen, die ge­währ­leis­ten, dass nach Er­halt ei­ner gül­ti­gen Mel­dung in­ner­halb ei­nes an­ge­mes­se­nen Zeit­rah­mens zü­gig auf il­le­ga­le Online-​Hassrede durch Online-​Vermittler und Social-​Media-​Plattformen re­agiert wird. Um in die­ser Hin­sicht als gül­tig in Be­tracht ge­zo­gen zu wer­den, soll­te ei­ne Mel­dung we­der un­ge­nü­gend prä­zi­se noch un­zu­rei­chend be­grün­det sein.

  • „Die IT-​Unternehmen, die die Füh­rung über­neh­men in der Be­kämp­fung der Ver­brei­tung von il­le­ga­ler Online-​Hassrede, ha­ben mit der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on ei­nen Ver­hal­tens­ko­dex ver­ein­bart, der fol­gen­de öf­fent­li­chen Ver­pflich­tun­gen um­fasst:
  • „Die IT-​Unternehmen sol­len kla­re und wirk­sa­me Pro­zes­se in Kraft set­zen, um Mel­dun­gen über il­le­ga­le Hass­re­de auf ih­ren Diens­ten zu über­prü­fen, um sol­che In­hal­te zu ent­fer­nen oder den Zu­griff dar­auf zu de­ak­ti­vie­ren. Die IT-​Unternehmen sol­len Re­geln oder Gemeinschafts-​Richtlinien in Kraft set­zen, die klar­stel­len, dass sie die Ver­brei­tung von An­stif­tung zu Ge­walt und ab­scheu­li­chem Ver­hal­ten ver­bie­ten.
  • „Die IT-​Unternehmen sol­len die Mehr­heit der ab­ge­ge­be­nen gül­ti­gen Mel­dun­gen für die Ent­fer­nung von il­le­ga­ler Hass­re­de in we­ni­ger als 24 Stun­den über­prü­fen und ent­fer­nen oder den Zu­gang zu sol­chen In­hal­ten sper­ren, falls er­for­der­lich.
  • „Die IT-​Unternehmen und die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on, in An­er­ken­nung des Wer­tes un­ab­hän­gi­ger Ge­gen­re­de ge­gen hass­erfüll­te Rhe­to­rik und Vor­ur­tei­le, zie­len dar­auf ab, ih­re Ar­beit bei der Iden­ti­fi­zie­rung und För­de­rung der un­ab­hän­gi­gen Ge­gen­nar­ra­ti­ve, neue Ide­en und In­itia­ti­ven und Un­ter­stüt­zung von Bil­dungs­pro­gram­men fort­zu­set­zen, die kri­ti­sches Den­ken för­dern.”

Die Ver­ein­ba­rung ver­langt von den Internet-​Unternehmen auch, ein Netz­werk von „ver­trau­ens­wür­di­gen Hin­weis­ge­bern zu eta­blie­ren” in al­len 28 EU-​Mitgliedstaaten, um Online-​Inhalte, die „zu Ge­walt und hass­erfüll­tem Ver­hal­ten an­stif­ten,” zu kenn­zeich­nen.

Die EU-​Kommissarin für Jus­tiz, Ver­brau­cher und die Gleich­stel­lung der Ge­schlech­ter, Vě­ra Jou­ro­vá, hat die In­itia­ti­ve ver­tei­digt:

„Die jüngs­ten Ter­ror­an­schlä­ge ha­ben uns vor Au­gen ge­führt, wie drin­gend ge­gen il­le­ga­le Het­ze im In­ter­net vor­ge­gan­gen wer­den muss. Die so­zia­len Me­di­en ge­hö­ren lei­der zu den In­stru­men­ten, die ter­ro­ris­ti­sche Grup­pen nut­zen, um jun­ge Leu­te zu ra­di­ka­li­sie­ren, und die Ras­sis­ten nut­zen, um Ge­walt und Hass zu pro­pa­gie­ren. Die Ver­ein­ba­rung ist ein wich­ti­ger Schritt, um zu ge­währ­leis­ten, dass das In­ter­net ein Raum für die freie und de­mo­kra­ti­sche Mei­nungs­äu­ße­rung bleibt, in dem die eu­ro­päi­schen Wer­te und Ge­set­ze ge­ach­tet wer­den. Ich be­grü­ße die Zu­sa­ge der welt­weit tä­ti­gen IT-​Unternehmen, die Mehr­heit der stich­hal­ti­gen An­trä­ge auf Ent­fer­nung il­le­ga­ler Hass­kom­men­ta­re in we­ni­ger als 24 Stun­den zu prü­fen und die­se er­for­der­li­chen­falls zu ent­fer­nen bzw. den Zu­gang da­zu zu sper­ren.”

An­de­re wi­der­spre­chen. Die Na­tio­nal Se­cu­lar So­cie­ty (NSS) aus Gross­bri­tan­ni­en warn­te da­vor, dass die EU-​Pläne „auf ei­ner va­gen De­fi­ni­ti­on von ‚Hass­re­de’ ba­sie­ren und ris­kie­ren, Online-​Diskussionen, die Re­li­gi­on kri­ti­sie­ren, zu be­dro­hen.” Sie füg­te hin­zu:

„Die Ver­ein­ba­rung kommt un­ter wie­der­hol­ten An­schul­di­gun­gen von Ex-​Muslimen, dass Social-​Media-​Organisationen sie on­line zen­sie­ren. Der Rat der Ex-​Muslime in Gross­bri­tan­ni­en hat jetzt be­gon­nen, Bei­spie­le von sei­nen An­hän­gern zu sam­meln, wie Face­book ‚athe­is­ti­schen, sä­ku­la­ren und ex-​muslimischen In­halt zen­siert’ nach fal­schen ‚Mas­sen­hin­wei­sen’ durch ‚Cyber-​Dschihadisten’. Sie ha­ben ih­re An­hän­ger auf­ge­for­dert, De­tails und Be­wei­se zu lie­fern für al­le Sei­ten und Grup­pen, die ‚von Face­book ver­bo­ten [oder] sus­pen­diert wor­den sind für Kri­tik an Is­lam und Is­la­mis­mus.’”

NSS Kom­mu­ni­ka­ti­ons­of­fi­zier Ben­ja­min Jo­nes sag­te:

„Weit da­von ent­fernt, Online-‚Cyber-Jihad’ zu be­kämp­fen, ris­kiert die Ver­ein­ba­rung, ge­nau den ge­gen­tei­li­gen Ef­fekt zu ha­ben und je­de kri­ti­sche Dis­kus­si­on über Re­li­gi­on un­ter va­gen „Hassrede-” Re­geln zu er­sti­cken. Un­zu­rei­chend aus­ge­bil­de­tes Per­so­nal von Face­book oder Twit­ter, viel­leicht mit ih­rer ei­ge­nen ideo­lo­gi­schen Vor­ein­ge­nom­men­heit, könn­ten leicht er­hitz­te Kri­tik am Is­lam se­hen und den­ken, es sei ‚Hass­re­de’, vor al­lem, wenn Sei­ten oder Be­nut­zer von Is­la­mis­ten ins Vi­sier ge­nom­men und mas­sen­haft ge­mel­det wer­den.”

In ei­nem In­ter­view mit Breit­bart Lon­don sag­te die CEO von In­dex on Cen­sor­ship, Jo­die Gins­berg:

„Hassrede-​Gesetze sind in wei­ten Tei­len Eu­ro­pas be­reits zu breit und mehr­deu­tig. Die­se Ver­ein­ba­rung de­fi­niert nicht rich­tig, was ‚il­le­ga­le Hass­re­de’ ist und bie­tet kei­ne aus­rei­chen­den Ga­ran­ti­en für die freie Mei­nungs­äus­se­rung.

„Sie über­trägt ein­mal mehr Macht an nicht ge­wähl­te Un­ter­neh­men, zu be­stim­men, was Hass­re­de dar­stellt und wie sie zu sank­tio­nie­ren ist – ein Schritt, der ga­ran­tiert die freie Re­de in dem fal­schen Glau­ben er­stickt, dass uns das al­le si­che­rer macht. Das wird es nicht. Es wird ein­fach un­ge­niess­ba­re Ide­en und Mei­nun­gen in den Un­ter­grund trei­ben, wo sie schwe­rer zu über­wa­chen – oder her­aus­zu­for­dern – sind.

„Es gab Prä­ze­denz­fäl­le von Lö­schun­gen un­be­lieb­ter oder of­fen­si­ver Stand­punk­te, und die­se Ver­ein­ba­rung ver­stärkt das Ri­si­ko des Phä­no­mens von kon­tro­ver­sen – doch le­ga­len – Lö­schun­gen von In­hal­ten via Miss­brauch der Mel­de­pro­zes­se.”

Ei­ne Ko­ali­ti­on von Or­ga­ni­sa­tio­nen der frei­en Re­de, Eu­ro­pean Di­gi­tal Rights und Ac­cess Now kün­dig­ten ih­re Ent­schei­dung an, nicht an künf­ti­gen Ge­sprä­chen mit der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on mit­zu­ma­chen. Sie sa­gen, dass „wir kein Ver­trau­en ha­ben in den un­be­dach­ten ‚Ver­hal­tens­ko­dex’, der ver­ein­bart wur­de.” Ei­ne Er­klä­rung warn­te:

„Kurz ge­sagt de­gra­diert der ‚Ver­hal­tens­ko­dex’ das Ge­setz auf ei­nen Zweit­klass­sta­tus, hin­ter der ‚füh­ren­den Rol­le’ der pri­va­ten Un­ter­neh­men, die auf­ge­for­dert wer­den, will­kür­lich ih­re Nut­zungs­be­din­gun­gen um­zu­set­zen. Die­ser Pro­zess, der aus­ser­halb ei­nes ver­ant­wort­li­chen de­mo­kra­ti­schen Rah­mens ge­schaf­fen wur­de, nutzt un­kla­re Haf­tungs­re­geln für Online-​Unternehmen. Er schafft auch ernst­haf­te Ge­fah­ren für die Frei­heit der Mei­nungs­äus­se­rung, da le­ga­ler – aber um­strit­te­ner – In­halt sehr wohl als Fol­ge die­ses frei­wil­li­gen und un­er­klär­li­chen Take-​Down-​Mechanismus ge­löscht wer­den könn­te.

„Das be­deu­tet, dass die­se ‚Ver­ein­ba­rung’ zwi­schen nur ei­ner Hand­voll von Un­ter­neh­men und der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on wahr­schein­lich ein Ver­stoss ge­gen die EU-​Charta der Grund­rech­te ist (un­ter de­nen Ein­schrän­kun­gen der Grund­rech­te ge­setz­lich vor­ge­se­hen wer­den soll­ten), und in der Pra­xis die Recht­spre­chung des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te zur Ver­tei­di­gung der Re­de­frei­heit aus­he­beln wird.”

Ja­ni­ce At­kin­son, ei­ne un­ab­hän­gi­ge Par­la­men­ta­rie­rin aus der Re­gi­on Südost-​England, fass­te es so zu­sam­men: „Es ist Or­wel­lia­nisch. Wer 1984 ge­le­sen hat, sieht sei­ne Wie­der­inkraft­set­zung Live vor sich.”

Noch be­vor der Ver­hal­tens­ko­dex der EU un­ter­zeich­net war, gin­gen Social-​Media-​Sites auf die Re­de­frei­heit los, oft im Auf­trag von aus­län­di­schen Re­gie­run­gen.

Im Sep­tem­ber 2015 konn­te man die deut­sche Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel auf ei­nem Live-​Mikrofon hö­ren, wie sie Face­book CEO Mark Zu­cker­berg da­mit kon­fron­tier­te, was er tue, um Kri­tik an ih­rer Ein­wan­de­rungs­po­li­tik der of­fe­nen Tür zu ver­hin­dern.

Im Ja­nu­ar 2016 star­te­te Face­book ei­ne „In­itia­ti­ve On­line Zi­vil­cou­ra­ge”, die sich an Facebook-​Nutzer in Deutsch­land rich­te­te und auf den „Kampf ge­gen Hass­re­den und Ex­tre­mis­mus im In­ter­net” aus­ge­rich­tet war.

Für das Gatestone In­sti­tut schrei­bend stell­te der bri­ti­sche Kom­men­ta­tor Dou­glas Mur­ray fest, dass der Facebook-​Angriff auf „ras­sis­ti­sche” Re­de „an­schei­nend al­les um­fasst, was kri­tisch ist ge­gen­über der ka­ta­stro­pha­len ak­tu­el­len Ein­wan­de­rungs­po­li­tik der EU.” Er schrieb:

„In­dem Face­book ur­teilt, dass ‚frem­den­feind­li­che’ Kom­men­ta­re, die Re­ak­tio­nen auf die Kri­se sind, ‚ras­sis­tisch’ sei­en, macht es aus der Sicht­wei­se der meis­ten Eu­ro­pä­er (die, wie man be­to­nen muss, ge­gen Mer­kels Po­li­tik sind), ei­ne ‚ras­sis­ti­sche’ Mei­nung, und er­klärt so die Mehr­heit der Eu­ro­pä­er zu ‚Ras­sis­ten’. Das ist ei­ne Po­li­tik, die das ih­re da­zu bei­tra­gen wird, Eu­ro­pa ei­ner ka­ta­stro­pha­len Zu­kunft aus­zu­lie­fern.

Face­book hat auch die mit dem Gatestone In­sti­tu­te ver­bun­de­nen Au­to­ren im Vi­sier. Im Ja­nu­ar 2013 sus­pen­dier­te Face­book das Kon­to von Kha­led Abu To­a­meh, nach­dem er über die Kor­rup­ti­on in der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de schrieb. Das Kon­to wur­de 24 Stun­den spä­ter wie­der ge­öff­net, aber mit den bei­den Pos­tings ge­löscht und oh­ne Er­klä­rung. Abu To­a­meh schrieb:

„Es ist im­mer noch ei­ne Fra­ge der Zen­sur. Sie ent­schei­den, was ak­zep­ta­bel ist. Nun müs­sen wir vor­sich­tig sein, was wir schrei­ben und was wir tei­len. Be­deu­tet dies, dass wir kei­ne ara­bi­schen Re­gie­run­gen mehr kri­ti­sie­ren kön­nen?”

Im Ju­ni 2016 sus­pen­dier­te Face­book das Kon­to von In­grid Carl­qvist, der schwe­di­schen Ex­per­tin des Gatestone In­sti­tuts, nach­dem sie ein Gatestone-​Video in ih­rer Facebook-​Chronik ge­teilt hat­te – na­mens „Schwe­dens Migranten-​Vergewaltigungs-​Epidemie.” In ei­nem Leit­ar­ti­kel schrieb Gatestone:

„Nach enor­mem Druck von un­ten von Gatestone-​Lesern be­gan­nen schwe­di­sche Me­di­en über die plum­pe Zen­sur von Face­book zu be­rich­ten. Der Schuss ging nach hin­ten los und Face­book ging zu Scha­dens­be­gren­zung über. Sie öff­ne­ten In­grids Kon­to wie­der – oh­ne je­de Er­klä­rung oder Ent­schul­di­gung Iro­ni­scher­wei­se ver­lieh ih­re Zen­sur In­grids Vi­deo nur noch mehr Auf­merk­sam­keit.

„Face­book und die EU ha­ben ei­nen Rück­zie­her ge­macht – für den Mo­ment. Doch es ist ih­nen tod­ernst da­mit, Ide­en zu stop­pen, die sie nicht mö­gen. Sie wer­den wie­der­kom­men.”

So­e­ren Kern ist ein Se­ni­or Fel­low des in New York an­säs­si­gen Gatestone In­sti­tu­te. Er ist auch Se­ni­or Fel­low for Eu­ro­pean Po­li­tics in der in Ma­drid an­säs­si­gen Gru­po de Estu­di­os Est­ra­té­gicos /​ Grup­pe für stra­te­gi­sche Stu­di­en. Fol­gen Sie ihm auf Face­book und auf Twit­ter. Sein ers­tes Buch, Glo­bal Fire, wird 2016 her­aus­kom­men.

  • Fol­gen Sie So­e­ren Kern auf Twit­ter und Face­book

    Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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