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Stol­ze Pa­läs­ti­nen­ser müs­sen den Kampf für die Re­form der UNRWA an­füh­ren

Bas­sem Eid, 1.12.2014, JPost

Ein Mann mit ei­ner UNRWA-​Flagge im süd­li­chen Ga­za­strei­fen. (Fo­to: REUTERS)

Wir Pa­läs­ti­nen­ser kön­nen un­se­re Ver­ant­wor­tung für das Schick­sal un­se­res Vol­kes nicht län­ger von uns wei­sen. Seit 26 Jah­ren ha­be ich mein Le­ben der Ver­tei­di­gung der Men­schen­rech­te ge­wid­met. Ich ha­be Krie­ge und Ter­ror ge­se­hen. Ich le­be in Je­ru­sa­lem und bin in ei­nem Flücht­lings­la­ger der UNO (UNRWA) in Shua­fat auf­ge­wach­sen, ei­nem Flücht­lings­la­ger wie 58 an­de­re UNRWA Flücht­lings­la­ger, ge­schaf­fen für den al­lei­ni­gen Zweck, das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk in ei­nem „vor­über­ge­hen­den” Zu­stand zu hal­ten, seit 65 Jah­ren, un­ter dem fal­schen Vor­wand und dem fa­den­schei­ni­gen Ver­spre­chen des „Rück­kehr­rechts” in Dör­fer von vor 1948, die nicht exis­tie­ren.

Als stol­zer Pa­läs­ti­nen­ser muss ich die Ver­ant­wung über­neh­men für das, was mit un­se­rem Volk ge­schieht.

Wir kön­nen nicht län­ger un­se­re Ver­ant­wor­tung für die Zu­kunft un­se­res Vol­kes von uns wei­sen.

Die UNRWA hängt, um ih­ren Be­trieb fort­zu­set­zen, vom Tod und dem sicht­ba­ren Lei­den von fünf Mil­lio­nen Pa­läs­ti­nen­sern ab, die sich wei­ter­hin in und um UNRWA-​Einrichtungen her­um wäl­zen.

Je mehr Pa­läs­ti­nen­ser lei­den, des­to mehr En­er­gie fliesst in die UNRWA, was ihr er­laubt, un­über­prüf­te Men­gen an hu­ma­ni­tä­ren Mit­teln auf­zu­brin­gen und Mu­ni­ti­on zu be­schaf­fen. Die Leu­te fra­gen: War­um die UNRWA nicht ab­schaf­fen? Nun, das geht nicht.

Die ein­zi­ge In­stanz, die die UNRWA ab­schaf­fen kann, ist die UNO-​Vollversammlung , die nie die In­ter­es­sen des pa­läs­ti­nen­si­schen Vol­kes am Her­zen ge­habt hat. Im­mer­hin streicht die UNO je­des Jahr mehr als 1,2 Mrd. Dol­lar ein als „An­reiz”, un­se­ren Sta­tus als Flücht­lin­ge fort­zu­set­zen.

Die Leu­te fra­gen: War­um bit­ten wir nicht die Ge­ber­län­der, die Fi­nan­zie­rung der UNRWA ein­zu­stel­len? Er­ken­nen Sie nicht, dass ei­ne west­li­che Ein­stel­lung der Fi­nan­zie­rung der UNRWA Län­dern wie Ka­tar er­lau­ben wür­de, das Va­ku­um auf­zu­fül­len, so dass der Wes­ten kei­ne He­bel­wir­kung mehr über die Po­li­tik der UNRWA hat? Der Punkt ist, die Ge­ber­na­tio­nen so zu be­ein­flus­sen, dass sie die UNRWA re­for­mie­ren und künf­ti­ge Hil­fe an die UNRWA an an­ge­mes­se­ne Be­din­gun­gen knüp­fen:

  1. Kon­trol­le al­ler Mit­tel an die UNRWA, die mit ei­nem Bud­get von 1.2 Bil­lio­nen Dol­lar ar­bei­tet.
  2. Ein­füh­rung der Nor­men des UNO-​Hochkommissariats für Flücht­lin­ge (UNHCR) in die UNRWA, um die dau­er­haf­te An­sied­lung von Flücht­lin­gen zu för­dern.
  3. Be­en­den des UNRWA-​Lehrplans-​des-​Krieges, der auf den Prin­zi­pi­en des Dschi­had, des Mar­ty­ri­ums und des Rück­ga­be­rechts mit Waf­fen­ge­walt ba­siert.
  4. For­dern, dass die UNRWA-​Schulen dem UNRWA-​Motto „Frie­den be­ginnt hier” ent­spre­chen.
  5. Ent­las­sung von UNRWA-​Mitarbeitern, die mit der Ha­mas ver­bun­den sind, die von den Ge­ber­län­dern der UNRWA als ter­ro­ris­ti­sche Ein­heit de­fi­niert ist.

Es ist da­her in der Ver­ant­wor­tung des pa­läs­ti­nen­si­schen Vol­kes, zu re­bel­lie­ren ge­gen die will­kür­li­che Ver­wal­tung der UNRWA, die un­se­ren Flücht­lings­sta­tus zu ver­ewi­gen sucht, an­statt un­se­rem Volk zu hel­fen, ei­ne bes­se­re Zu­kunft an­zu­stre­ben.

Die Pa­läs­ti­nen­ser se­hen, dass die UNRWA stän­dig ih­re Tä­tig­kei­ten re­du­ziert, wo­bei der gröss­te Teil ih­res Bud­gets Ge­sund­heit und Bil­dung ge­wid­met ist.

Die UNRWA be­haup­tet, dass dies dar­an liegt, dass die be­tei­lig­ten Län­der ih­re Ver­pflich­tun­gen in Be­zug auf die Zah­lung von Mit­teln nicht ein­hal­ten. Dar­über hin­aus stellt die UNRWA viel mehr Dienst­leis­tun­gen im Ga­za­strei­fen als in der West­bank, und dies er­bost so­gar die Be­woh­ner der West­bank im­mer mehr. Dar­über hin­aus hat die UNRWA die Ge­häl­ter ih­rer lo­ka­len Mit­ar­bei­ter seit Jah­ren nicht an­ge­ho­ben, und hat in vie­len Fäl­len so­gar mo­na­te­lang die Aus­zah­lung der Löh­ne ih­re Mit­ar­bei­ter ver­nach­läs­sigt – was die Pa­läs­ti­nen­ser noch wei­ter er­zürnt und zu zahl­rei­chen Streiks und Kon­flik­ten führ­te.

UNRWA hat seit rund zwei Jahr­zehn­ten kei­ne Volks­zäh­lung in den Flücht­lings­la­gern durch­ge­führt und so kann die Or­ga­ni­sa­ti­on nicht wis­sen, wie vie­le Flücht­lin­ge in den La­gern in den be­setz­ten Ge­bie­ten und in der Dia­spo­ra le­ben. Bis heu­te blei­ben die Zah­len un­klar. Wäh­rend die ei­ne Quel­le sagt, es gibt 2,5 Mil­lio­nen Flücht­lin­ge, be­haup­tet die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de, dass die Zahl hö­her als 6 Mil­lio­nen sei. UNRWA, die die maß­geb­li­che Quel­le sein soll­te, schweigt. Auf wel­che Zah­len stützt al­so die UNRWA ih­re An­trä­ge auf Mit­tel? Ha­ben die be­tei­lig­ten Län­der ei­ne Ah­nung von dem, zu was sie bei­tra­gen? Die pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge ha­ben al­le Hoff­nung ver­lo­ren, dass die UNRWA An­stren­gun­gen un­ter­nimmt, dass sie in ih­re ur­sprüng­li­chen Ge­bie­te zu­rück­keh­ren kön­nen (Rück­ga­be­recht) und sie glau­ben, dass sie sich mit ei­ner Ent­schä­di­gung zu­frie­den­ge­ben wer­den müs­sen. Aber sie sind be­sorgt, dass, wenn sie die UNRWA nicht un­ter Druck set­zen, die­se Gel­der auch durch de­ren gro­ßen Or­ga­ni­sa­ti­ons­ap­pa­rat ver­schlun­gen wer­den.

Mei­ner Mei­nung nach ist es wich­tig, ei­ne um­fas­sen­de Un­ter­su­chung in den Flücht­lings­la­gern im ge­sam­ten Na­hen Os­ten durch­zu­füh­ren, nicht nur um die ge­naue Zahl von Flücht­lin­gen fest­zu­stel­len, son­dern auch, um zu ver­ste­hen, was die Pa­läs­ti­nen­ser für sich selbst wol­len, was sie sich wün­schen, und was sie glau­ben, was ver­nünf­ti­ger­wei­se er­war­tet wer­den kann.

In den Au­gen der Pa­läs­ti­nen­ser han­delt die UNRWA wie ein Staat mit ei­ner ei­ge­nen Au­ßen­po­li­tik.

Und die­se Au­ßen­po­li­tik dient nicht dem bes­ten In­ter­es­se der pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge.

Ich sa­ge das als loya­ler Pa­läs­ti­nen­ser. Ich sa­ge das, weil ich be­sorgt bin über die Zu­kunft mei­nes Vol­kes.

Der Au­tor ist der Grün­der und Lei­ter der in Je­ru­sa­lem an­säs­si­gen pa­läs­ti­nen­si­schen Menschenrechte-​Monitoring-​Gruppe. Die­ser Ar­ti­kel wird Teil sein ei­ner be­son­de­ren Prä­sen­ta­ti­on vor dem bri­ti­schen Par­la­ment, die von der in Lon­don an­säs­si­gen Hen­ry Jack­son So­cie­ty und dem in Je­ru­sa­lem an­säs­si­gen Zen­trum für Nahost-​Politik-​Forschung ge­spon­sert wird.

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  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] Da­ni­el (Po­li­ti­sches aus der Schweiz): – Stol­ze Pa­läs­ti­nen­ser müs­sen den Kampf für die Re­form der UNRWA an­füh­ren […]

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