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Eu­ro­pa: Selbst­zer­stö­rung!

Ju­dith Berg­mann, 25.11.2016, Gatestone In­sti­tu­te

  • Ei­ne ver­nünf­ti­ge Fra­ge, die vie­le Eu­ro­pä­er stel­len könn­ten, wä­re, ob es nicht viel­leicht an der Zeit ist, die Prio­ri­tä­ten zu über­prü­fen?
  • Viel­leicht ist die Zeit ge­kom­men, zu prü­fen, ob es sich lohnt, im Hin­blick auf den po­ten­ti­el­len Ver­lust an  Men­schen­le­ben auch wei­ter­hin an der Kon­ven­ti­on von 1961 fest­zu­hal­ten, die ein Land dar­an hin­dert, ei­nem zu­rück­keh­ren­den ISIS-​Kämpfer sei­ne Staats­bür­ger­schaft zu ent­zie­hen, um ihn am Be­tre­ten des Lan­des zu hin­dern?
  • Der Ter­ro­rist als ar­mes, trau­ma­ti­sier­tes Op­fer, das Hil­fe braucht, scheint ein wie­der­keh­ren­des The­ma der eu­ro­päi­schen Po­li­ti­ker zu sein. Aber was ist mit den Rech­ten der ar­men, trau­ma­ti­sier­ten Bür­ger, die die­se Po­li­ti­ker ge­wählt ha­ben?

Am 7. Ju­ni 2016 wur­de be­rich­tet, dass die bri­ti­sche Staats­bür­ge­rin Grace „Kha­di­ja” Da­re ih­ren 4-​jährigen Sohn Isa Da­re da­zu ge­bracht hat­te, in Schwe­den zu le­ben, um von der frei­en Ge­sund­heits­ver­sor­gung pro­fi­tie­ren zu kön­nen. Im Fe­bru­ar wur­de der Jun­ge in ei­nem ISIS-​Video ge­zeigt, in dem er vier Ge­fan­ge­ne in ei­nem Au­to in die Luft spreng­te (Bild oben). Der Va­ter des Jun­gen, ein Dschi­ha­dist mit schwe­di­scher Staats­bür­ger­schaft, wur­de im Kampf für ISIS ge­tö­tet.

Et­wa 30.000 aus­län­di­sche und eu­ro­päi­sche Kämp­fer für den Is­la­mi­schen Staat aus rund 100 ver­schie­de­nen Län­dern, die nach Sy­ri­en, Irak und Li­by­en ge­gan­gen sind, könn­ten sich nach der Zer­schla­gung der Ter­ror­grup­pe in ih­rer ira­ki­schen Fes­tung über den Kon­ti­nent aus­brei­ten, warn­te Ka­rin von Hip­pel, Ge­ne­ral­di­rek­to­rin des bri­ti­schen mi­li­tä­ri­schen Think Tank Roy­al United Ser­vices In­sti­tu­te im Ge­spräch mit dem Ex­press am 26. Ok­to­ber:

„Ich den­ke, so­bald sie das Ter­ri­to­ri­um im Irak und Sy­ri­en ver­lo­ren ha­ben und vor­aus­sicht­lich auch Li­by­en … wer­den sie wahr­schein­lich wie­der zu ei­nem auf­stän­di­schen Ope­ra­ti­ons­stil zu­rück­keh­ren ge­gen­über ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Grup­pe, die Ter­ri­to­ri­um zu be­haup­ten ver­sucht … Es gab et­wa 30.000 aus­län­di­sche Kämp­fer, die sich aus ca. 100 Län­dern zu­sam­men­ge­schlos­sen ha­ben. Nicht al­le von ih­nen ha­ben sich ISIS an­ge­schlos­sen, ei­ni­ge sind Al-​Qaida, Kur­den und an­de­ren Grup­pen bei­ge­tre­ten, aber die über­wie­gen­de Mehr­heit ist ge­gan­gen, um sich ISIS an­zu­schlie­ßen. Die­se Leu­te wer­den sich zer­streu­en. Ei­ni­ge wur­den be­reits ge­fan­gen ge­nom­men oder ge­tö­tet, doch vie­le wer­den sich zer­streu­en und sie wer­den in die eu­ro­päi­schen Län­der ge­hen … Sie keh­ren viel­leicht nicht da­hin zu­rück, wo sie her­ge­kom­men sind, und das hält vie­le Si­cher­heits­kräf­te in vie­len, vie­len Län­dern nachts wach.”

Viel­leicht hal­ten die­se Sze­na­ri­en wirk­lich die Si­cher­heits­kräf­te in vie­len Län­dern nachts wach. Wenn man sich den an­hal­ten­de Zu­strom von vor­wie­gend jun­gen Mi­gran­ten dem Kampf ge­gen das Al­ter in Eu­ro­pa dient, , dass die eu­ro­päi­schen Po­li­ti­ker selbst kei­nen Schlaf ver­lie­ren we­gen mög­li­cher neu­er Ter­ror­an­schlä­ge.

Laut ei­nem Be­richt von Ra­dio Schwe­den, zum Bei­spiel:

„Rund 140 Schwe­den sind nach ih­rem Bei­tritt zu den ge­walt­tä­ti­gen Grup­pen in Sy­ri­en und im Irak zu­rück­ge­kehrt, Nun be­rei­ten sich meh­re­re Ge­mein­den auf die Ar­beit mit de­nen, die sich ab­set­zen wol­len, vor. Das könn­te prak­ti­sche Un­ter­stüt­zung von Ab­trün­ni­gen um­fas­sen.

Die Ge­mein­de Lund be­schäf­tigt sich mit die­ser Fra­ge, und Mal­mö, Bor­län­ge und Öre­bro ha­ben ähn­li­che An­sich­ten. Wie Ra­dio Schwe­den be­rich­tet:

„Lunds Schluss­fol­ge­rung ist, dass Über­läu­fer von ge­walt­tä­ti­gen ex­tre­mis­ti­schen Grup­pen wie Über­läu­fer aus an­de­ren Um­ge­bun­gen wie or­ga­ni­sier­tem Ver­bre­chen be­han­delt wer­den soll­ten.” Nach ei­ner Un­ter­su­chung der Be­dürf­nis­se der Per­son kann die Ge­mein­de mit Wohn­raum, Be­schäf­ti­gung oder Le­bens­un­ter­halt hel­fen. ”

Ge­mäss dem schwe­di­schen „na­tio­na­len Ko­or­di­na­tor ge­gen ge­walt­tä­ti­gen Ex­tre­mis­mus”, Christoff­er Carls­son:

„… sie müs­sen in der La­ge sein, sich wie­der in den Ar­beits­markt zu in­te­grie­ren, viel­leicht brau­chen sie ei­nen Füh­rer­schein, Schul­den­re­ge­lung und Ob­dach. Wenn Men­schen et­was ver­las­sen, so wol­len sie es für et­was an­de­res ver­las­sen, aber sie ha­ben nicht die Res­sour­cen da­für, so dass es schwie­rig ist für sie, ih­ren Plan zu ver­wirk­li­chen. Wenn sie kei­ne Un­ter­stüt­zung er­hal­ten, ist das Ri­si­ko groß, dass sie nicht in der La­ge sind, die ex­tre­mis­ti­sche Um­welt zu ver­las­sen, son­dern statt­des­sen in sie zu­rück­fal­len.”

An­na Sjöstrand, städ­ti­sche Ko­or­di­na­to­rin von Lund ge­gen ge­walt­tä­ti­gen Ex­tre­mis­mus, sagt, dass Men­schen, die ih­re Stra­fe ab­ge­ses­sen ha­ben, al­le not­wen­di­ge Un­ter­stüt­zung be­kom­men soll­ten. Im ver­gan­ge­nen Jahr er­hielt die Ge­mein­de Öre­bro Kri­tik für ein Prak­ti­kum für ei­nen jun­gen Mann, der aus Sy­ri­en zu­rück­ge­kehrt war.

„Es mag sol­che Kri­tik ge­ben, aber für mich ist es schwer, in die­ser Rich­tung zu den­ken. Sie be­kom­men die glei­che Hil­fe wie an­de­re, die Hil­fe von uns su­chen.” Wir kön­nen nicht sa­gen, dass, weil Sie ei­ne fal­sche Wahl ge­trof­fen ha­ben, sie kein Recht ha­ben, zu­rück­zu­keh­ren und wie­der in un­se­rer Ge­sell­schaft zu le­ben”, sagt An­na Sjöstrand.

Laut Schwe­den Ra­dio be­to­nen meh­re­re der Ge­mein­den, dass Men­schen, die Ver­bre­chen be­ge­hen, ver­ur­teilt wer­den und ih­re Stra­fen ab­die­nen soll­ten, be­vor sie Un­ter­stüt­zung er­hal­ten kön­nen. Laut Amir Ro­st­ami, der mit dem na­tio­na­len Ko­or­di­na­tor ge­gen ge­walt­tä­ti­gen Ex­tre­mis­mus ar­bei­tet:

„Wenn Du im Ver­dacht ei­nes Ver­bre­chens stehst, steht im­mer die Er­mitt­lung des Ver­bre­chens an ers­ter Stel­le, aber so­lan­ge kein Ver­dacht auf ein Ver­bre­chen be­steht, ist es in un­se­rem ei­ge­nen In­ter­es­se, den­je­ni­gen zu hel­fen, die aus die­sem ex­tre­mis­ti­schen Um­feld kom­men. Die Kon­se­quen­zen für die Ge­sell­schaft sind ziem­lich groß, wenn Du das nicht tust.”

In Sjöstrands Wor­ten ist al­so die Rei­se nach Sy­ri­en und in den Irak, um ISIS zu be­su­chen, ei­ne bes­tia­li­sche is­la­mi­sche Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on mit se­xu­el­ler Ver­skla­vung von Frau­en und Kin­dern, Ver­ge­wal­ti­gun­gen, bru­ta­len Mor­den an Chris­ten, Jes­si­den und an­de­ren Mus­li­men, nur ei­ne „fal­sche Ent­schei­dung”. Al­so ganz ähn­lich wie Geld­be­trug oder in ei­ner Bar be­trun­ken in ei­ne Schlä­ge­rei zu ge­ra­ten, ge­wöhn­li­che Feld-​Wald-​und-​Wiesen-​Verbrechen, die nicht mit Ih­rem „Recht auf Rück­kehr und Le­ben in un­se­rer Ge­sell­schaft” kol­li­die­ren soll­ten. Mit an­de­ren Wor­ten, es scheint die eu­ro­päi­sche Stan­dard­idee zu un­ter­stüt­zen, dass der Ter­ro­rist das Op­fer ist, nicht die un­schul­di­gen Men­schen, die er ver­stüm­melt, ver­ge­wal­tigt und tö­tet.

Ge­mäss der schwe­di­schen Sicht­wei­se soll­te das Ver­bren­nen von Chris­ten und Jes­si­den bei le­ben­di­gem Leib, die Ban­den­ver­ge­wal­ti­gung und Er­mor­dung von Frau­en und Kin­dern und an­de­re sol­che „fal­sche Ent­schei­dun­gen” nicht den Weg ver­sper­ren zu je­man­des „Rech­ten”. Es scheint auch die Rech­te der Mit­glie­der der fried­li­chen Ge­sell­schaft zu igno­rie­ren, die an­fäl­lig sind für An­grif­fe. Es wä­re lo­gisch, dass das dort­hin Rei­sen für den aus­drück­li­chen Zweck des Bei­tritts zu ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on wie ISIS, die als ex­pli­zi­tes Ziel die Zer­stö­rung west­li­cher Na­tio­nen wie Schwe­den hat, in der Tat zum Ver­fall des „Rück­kehr­rechts” und dem Recht, in un­se­rer Ge­sell­schaft zu le­ben, füh­ren soll­te – zu­mal die ehe­ma­li­gen ISIS-​Kämpfer die schwe­di­sche Ge­sell­schaft of­fen­sicht­lich nicht als” ih­re Ge­sell­schaft” be­trach­ten.

Ein an­de­res Wort, das ei­nem da­zu ein­fällt, ist Ver­rat. Aber nicht für Schwe­den, solch lo­gi­sche mo­ra­li­sche und po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen. Bes­ser neue po­li­tisch kor­rek­te Maß­nah­men un­ter­neh­men, zum Schei­tern ver­ur­teilt, auf Kos­ten der Si­cher­heit (und Steu­er­gel­der) von ge­set­zes­treu­en schwe­di­schen Bür­gern, de­ren Rech­te, oh­ne Angst vor ge­walt­tä­ti­gem Über­fall, Ver­ge­wal­ti­gung und Ter­ro­ris­mus zu le­ben, ein­deu­tig schon seit lan­ger Zeit kei­ne Rol­le mehr spie­len für die Schwe­di­schen Be­hör­den.

Die­se un­glück­li­che Hal­tung ge­gen­über ISIS äh­nelt zu­neh­mend ei­ner kri­mi­nel­len Nach­läs­sig­keit sei­tens der schwe­di­schen Be­hör­den. Vor kur­zem wur­de be­rich­tet, dass die schwe­di­sche Po­li­zei ei­ne Be­schwer­de we­gen Auf­sta­che­lung zum Ras­sen­hass er­hielt, nach­dem ein na­men­lo­ser 23-​jähriger Sy­rer ein Bild der ISIS-​Flagge als Pro­fil­bild auf So­ci­al Me­dia ver­wen­det hat­te. Staats­an­walt Gi­se­la Sjö­vall be­schloß, ge­gen den Mann kei­ne Kla­ge zu er­he­ben. Der Grund, so Sjö­vall?

„Der IS drückt je­de Art von Re­spekt­lo­sig­keit aus, er ist ge­gen al­le au­ßer de­nen, die zum IS selbst ge­hö­ren.” Es gibt das Di­lem­ma, er [be­lei­digt] ei­ne zu gro­ße Grup­pe … Man könn­te sa­gen, dass das blos­se we­hen las­sen ei­ner IS-​Flagge in der ge­gen­wär­ti­gen Si­tua­ti­on nicht als Hass­re­de be­trach­tet wer­den kann, es ist kein Aus­druck von Re­spekt­lo­sig­keit ge­gen­über ei­ner [be­stimm­ten] eth­ni­schen Grup­pe. Es ist ge­sagt wor­den, dass es ei­ne Form von Auf­wie­ge­lung sein könn­te, dass IS an­de­re da­zu drängt, kri­mi­nel­le Hand­lun­gen wie Mord zu be­ge­hen, aber das ist nicht der Fall.”

Da ISIS ab­so­lut je­den hasst, kön­nen sie laut schwe­di­schem Recht an­schei­nend so viel Het­ze be­trei­ben, wie ihr Herz be­gehrt. Die Ter­ro­ris­ten, die um ein welt­be­herr­schen­des Ka­li­fat wett­ei­fern, la­chen sich be­stimmt tot dar­über.

Sjö­vall füg­te hin­zu, dass, da das Nazi-​Hakenkreuz un­trenn­bar mit An­ti­se­mi­tis­mus ver­knüpft ist, dies ge­gen die schwe­di­schen Ge­set­ze ver­stößt und dass die ISIS-​Flagge viel­leicht in 10 Jah­ren ge­gen das schwe­di­sche Recht ver­stößt.

Mit der Ge­schwin­dig­keit, mit der sich die schwe­di­sche Ge­sell­schaft selbst zer­stört, bleibt in 10 Jah­ren viel­leicht nicht mehr viel Schwe­den üb­rig.

Im be­nach­bar­ten Dä­ne­mark sag­te im März 2015 ei­ne dä­ni­sche Ab­ge­ord­ne­te für die So­zi­al­de­mo­kra­ten, Tri­ne Bram­sen, über zu­rück­keh­ren­de ISIS-​Kämpfer:

„Man­che stel­len ei­ne Ge­fahr dar oder kön­nen ge­fähr­lich wer­den, an­de­re brau­chen Hil­fe, und wir ha­ben tat­säch­lich ge­se­hen, dass vie­le, die nach Hau­se kom­men, sol­che Schre­cken er­fah­ren ha­ben, dass sie psy­cho­lo­gi­sche Hil­fe brau­chen.”

Der Ter­ro­rist als ar­mes, trau­ma­ti­sier­tes Op­fer, das Hil­fe braucht, scheint ein wie­der­keh­ren­des The­ma der eu­ro­päi­schen Po­li­ti­ker zu sein. Aber was ist mit den Rech­ten der ar­men, trau­ma­ti­sier­ten Bür­ger, die die­se Po­li­ti­ker ge­wählt ha­ben?

Dä­ne­mark ist zu­fäl­lig das eu­ro­päi­sche Land mit den meis­ten ISIS-​Kämpfern, die aus Sy­ri­en zu­rück­keh­ren, so ein Be­richt, der im April vom In­ter­na­tio­na­len Zen­trum für Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung in Den Haag ver­öf­fent­licht wur­de. Der Be­richt zeigt, dass 50% der Men­schen, die Dä­ne­mark ver­las­sen ha­ben, um für ISIS in Sy­ri­en zu kämp­fen, nach Dä­ne­mark zu­rück­ge­kehrt sind. Groß­bri­tan­ni­en liegt mit 48% an zwei­ter Stel­le, dann kom­men Deutsch­land (33%), Schwe­den (29%), Frank­reich (27%) und Ös­ter­reich (26%).

In Dä­ne­mark wur­den im April vier sy­ri­sche ISIS-​Kämpfer ver­haf­tet, als sie aus Sy­ri­en zu­rück­kehr­ten.

Die  Lei­te­rin des Stra­te­gi­schen In­sti­tuts der Ver­tei­di­gungs­aka­de­mie in Dä­ne­mark, An­ja Dalgaard-​Nielsen, sag­te im April ei­ner dä­ni­schen Zei­tung, dass es nicht ge­nü­gend Res­sour­cen gibt, um al­le zu­rück­keh­ren­den ISIS-​Kämpfer zu über­wa­chen und da­mit ih­re Ver­haf­tung zu ge­währ­leis­ten, und füg­te hin­zu:

„Aber auch hier, nicht al­le [ISIS-​Kämpfer] sind iden­tisch. Man­che wer­den nach Hau­se kom­men und ei­ne Be­dro­hung für die Ge­sell­schaft sein, wäh­rend an­de­re des­il­lu­sio­niert zu­rück­keh­ren wer­den. Wenn wir al­le auf die glei­che Wei­se be­han­deln, ris­kie­ren wir, ei­ni­ge der Zweif­ler noch tie­fer hin­ein zu drü­cken. Wenn je­mand zu­rück­kehrt und es nicht nach­ge­wie­sen wer­den kann, dass er Ver­bre­chen be­gan­gen hat und wenn er dar­über hin­aus des­il­lu­sio­niert ist, dann soll­te er Hil­fe be­kom­men, um aus­zu­stei­gen. ”

Wie be­stim­men Sie mit Be­stimmt­heit, dass je­mand „des­il­lu­sio­niert” ist, wenn er tat­säch­lich ei­ne ti­cken­de Zeit­bom­be sein könn­te, die nur dar­auf war­tet, Ter­ror zu be­ge­hen?

In Dä­ne­mark be­schlos­sen die Be­hör­den ein Ver­bot, nach Sy­ri­en zu rei­sen, um sich ISIS an­zu­schlie­ßen. Das löst je­doch nicht das Pro­blem, was mit den zu­rück­keh­ren­den ISIS-​Kämpfern zu tun ist. Es hilft auch nicht viel, je­ne po­ten­ti­el­len ISIS-​Kämpfer zu ver­hin­dern, die in ih­ren Be­mü­hun­gen, ISIS zu un­ter­stüt­zen, ent­täuscht wur­den, ih­ren Ter­ror auf eu­ro­päi­schem Bo­den zu ent­fes­seln – wie es ISIS tat­säch­lich be­foh­len hat.

Meh­re­re Län­der, dar­un­ter Gross­bri­tan­ni­en und Aus­tra­li­en, ha­ben die An­nul­lie­rung der Staats­bür­ger­schaft für die Rück­kehr von ISIS-​Kämpfern in Er­wä­gung ge­zo­gen, um da­mit zu ver­hin­dern, dass sie zu­rück­keh­ren. Dies ist si­cher­lich denk­bar, wenn die be­tref­fen­de Per­son dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft hat. Po­li­ti­sche Hin­der­nis­se bei­sei­te, aber ei­nes der wich­tigs­ten recht­li­chen Hin­der­nis­se für Län­der, die die­sen Weg neh­men wol­len, ist das UNO-​Übereinkommen von 1961 über die Ver­rin­ge­rung der Staa­ten­lo­sig­keit, das es Re­gie­run­gen ver­bie­tet, die Staats­an­ge­hö­rig­keit ei­nes Men­schen zu wi­der­ru­fen, wenn es sie staa­ten­los macht.

Ei­ne ver­nünf­ti­ge Fra­ge, die vie­le Eu­ro­pä­er stel­len könn­ten, wä­re, ob es nicht viel­leicht an der Zeit ist, die Prio­ri­tä­ten zu über­prü­fen? Viel­leicht ist es Zeit, ge­nau­er zu prü­fen, ob es sich lohnt, im Hin­blick auf den po­ten­ti­el­len Ver­lust an Men­schen­le­ben auch wei­ter­hin an der Kon­ven­ti­on von 1961 fest­zu­hal­ten, die ein Land dar­an hin­dert, ei­nem zu­rück­keh­ren­den ISIS-​Kämpfer sei­ne Staats­bür­ger­schaft zu ent­zie­hen, um ihn am Be­tre­ten des Lan­des zu hin­dern?

Ver­mut­lich küm­mern sich die eu­ro­päi­schen Men­schen mehr dar­um, am Le­ben zu blei­ben als um die Fein­hei­ten des Völ­ker­rechts. Wann wer­den die eu­ro­päi­schen Füh­rer den po­li­ti­schen Hand­lungs­wil­len mo­bi­li­sie­ren?

Ju­dith Berg­man ist Schrift­stel­le­rin, Ko­lum­nis­tin, An­wäl­tin und po­li­ti­sche Ak­ti­vis­tin.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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