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Christ­li­cher Kle­rus heisst den Is­lam in der Kir­che will­kom­men und ver­neigt sich vor ihm

Gi­ulio Meot­ti, 4.1.2017, Gatestone In­sti­tu­te

  • Letz­ten Ju­li wur­de zum ers­ten Mal in Ita­li­en wäh­rend ei­ner Mes­se ein Vers des Ko­rans vom Al­tar her­un­ter re­zi­tiert.
  • Ein Pries­ter im Sü­den Ita­li­ens er­zürn­te Kirch­gän­ger, in­dem er die Jung­frau Ma­ria für die Weih­nachts­krip­pe sei­ner Kir­che in ei­ne mus­li­mi­sche Bur­ka klei­de­te. Die­se in­ter­re­li­giö­sen In­itia­ti­ven fus­sen auf der all­mäh­li­chen Be­sei­ti­gung des westlich-​christlichen Er­bes zu­guns­ten des Is­lam.
  • Die ka­tho­li­sche Geist­lich­keit ist wahr­schein­lich von Papst Fran­zis­kus selbst des­ori­en­tiert; Er war der ers­te, der den Vor­trag is­la­mi­scher Ge­be­te und Le­sun­gen aus dem Ko­ran aus dem Va­ti­kan er­laub­te.
  • Der Papst um­arm­te re­li­giö­sen Re­la­ti­vis­mus, wenn er mit dem Is­lam ein­her­geht. Er wie­der­hol­te, dass is­la­mis­ti­sche Ge­walt das Werk ei­ner „klei­nen Grup­pe von Fun­da­men­ta­lis­ten” sei, die laut ihm nichts mit dem Is­lam zu tun ha­ben.
  • Bi­schof Har­ries von der Church of Eng­land  schlug vor, dass der Krö­nungs­got­tes­dienst für Prinz Charles mit ei­ner Koran-​Lesung er­öff­net wer­den soll­te. In den USA hal­ten mehr als 50 Kir­chen, ein­schließ­lich der Wa­shing­ton Na­tio­nal Ca­the­dral, Koran­le­sun­gen ab. Gibt es in ir­gend­ei­ner Mo­sche­en Le­sun­gen der christ­li­chen Lit­ur­gie?
  • Wie kommt es, dass so we­ni­ge christ­li­che Füh­rer ih­re Stim­men ge­gen die­sen bei­spiel­lo­sen An­griff auf ein christ­li­ches Denk­mal er­ho­ben ha­ben? Ha­ben sie so vie­le Koran­le­sun­gen in ih­ren ei­ge­nen Kir­chen or­ga­ni­siert, dass sie es jetzt als nor­mal an­se­hen, ei­ne Kir­che in ei­ne Mo­schee zu ver­wan­deln?
  • Wä­re es nicht bes­ser für die ka­tho­li­sche Kir­che, ei­nen ech­ten Dia­log mit den is­la­mi­schen Ge­mein­schaf­ten auf der Grund­la­ge von Prin­zi­pi­en wie Ge­gen­sei­tig­keit (wenn ihr Mo­sche­en in Eu­ro­pa baut, dann bau­en wir Kir­chen im Na­hen Os­ten), Schutz christ­li­cher Min­der­hei­ten un­ter dem Halb­mond und theo­lo­gi­sche Ab­leh­nung des Dschi­had ge­gen „Un­gläu­bi­ge” auf­zu­bau­en?

Imam Sa­li Sa­lem re­zi­tiert am 31. Ju­li 2016 in der Rö­mer Kir­che San­ta Ma­ria in Tras­te­ve­re ei­nen Vers aus dem Ko­ran. (Bild­quel­le: La Stampa-​Video-​Screenshot)

Es gibt in Ita­li­en und Eu­ro­pa ei­nen be­un­ru­hi­gen­den und wach­sen­den Trend.

Zum ers­ten Mal seit über 700 Jah­ren er­klan­gen is­la­mi­sche Lie­der in der Flo­ren­ti­ner Ka­the­dra­le, der Kir­che San­ta Ma­ria del Fio­re. Un­ter dem be­rühm­ten Dom von Bru­nel­le­schi be­glei­te­ten is­la­mi­sche Me­lo­di­en christ­li­che. Die „in­ter­re­li­giö­se In­itia­ti­ve” wur­de ei­ne blos­se Wo­che nach dem bar­ba­ri­schen Mas­sa­ker durch is­la­mis­ti­sche Ter­ro­ris­ten in der Sa­ti­re­zeit­schrift Char­lie Heb­do in Pa­ris pro­mo­tet und um­fass­te un­ter an­de­rem „Ko­ran ist Ge­rech­tig­keit” und an­de­re „Hym­nen”.

Ein Pries­ter im Sü­den von Ita­li­en er­zürn­te Ge­mein­de­mit­glie­der, in­dem er die Jung­frau Ma­ria für die Weih­nachts­krip­pe sei­ner Kir­che in ei­ne mus­li­mi­sche Bur­ka klei­de­te. Der Pfar­rer der Pfar­rei der Hei­li­gen Joa­chim und An­ne in Po­ten­za, Pa­ter Fran­co Cor­bo, sag­te, er ha­be die spe­zi­el­le Krip­pe „im Na­men des Dia­logs zwi­schen den Re­li­gio­nen” ge­baut. Die­se in­ter­re­li­giö­sen In­itia­ti­ven grün­den auf der all­mäh­li­chen Be­sei­ti­gung des westlich-​christlichen Er­bes zu­guns­ten des Is­lam.

Ein an­de­rer Pries­ter in Ita­li­en be­sei­tig­te die Weih­nachts­krip­pe auf dem ört­li­chen Fried­hof, weil „es Mus­li­me be­lei­di­gen könn­te”. Pa­ter San­te Brag­giè sag­te, es gä­be kei­ne Krip­pe auf dem Fried­hof in der nörd­li­chen Stadt Cre­mo­na, weil sie Men­schen an­de­rer Glau­bens­rich­tun­gen oder Men­schen, de­ren Ver­wand­te nicht dort be­gra­ben sind, er­zür­nen könn­te:

„Ei­ne klei­ne Ecke des Fried­hofs ist für mus­li­mi­sche Grä­ber re­ser­viert. Ei­ne in Sicht­wei­te be­find­li­che Krip­pe könn­te als ein Man­gel an Re­spekt ge­gen­über An­hän­gern an­de­rer Glau­bens­rich­tun­gen an­ge­se­hen wer­den, was Emp­find­lich­kei­ten von Mus­li­men, aber auch In­dern und so­gar Athe­is­ten ver­letzt”.

In Reb­bio be­rei­te­te die ita­lie­ni­sche Pfarr­kir­che St. Mar­tin das En­de der Mes­se vor. Plötz­lich er­griff ei­ne ver­schlei­er­te Frau, Nour Fa­yad, das Wort und las die Ver­se des Ko­rans, die die Ge­burt Chris­ti ver­kün­den. Die In­itia­ti­ve war vom Pries­ter Don Gius­to del­la Val­le als „Ges­te des Dia­logs” be­ab­sich­tigt.

In Ro­za­no in der Nä­he von Mai­land sag­te Schul­di­rek­tor Mar­co Par­ma das Weih­nachts­lie­der­kon­zert sei­ner Schu­le ab: Er be­schloss, tra­di­tio­nel­le Fei­er­lich­kei­ten an der Garofani-​Schule zu ver­bie­ten, „um nie­man­den zu be­lei­di­gen”.

Im Ju­li wur­de zum ers­ten Mal in Ita­li­en ein Vers des Ko­rans wäh­rend ei­ner Mes­se vom Al­tar re­zi­tiert. Es ge­schah in der Kir­che von San­ta Ma­ria in Tras­te­ve­re in Rom, wäh­rend ei­ner Ze­re­mo­nie zum Ge­den­ken an Pa­ter Jac­ques Ha­mel, der von ISIS-​Terroristen in Frank­reich ab­ge­schlach­tet wor­den war. Wäh­rend die Ka­tho­li­ken das Glau­bens­be­kennt­nis re­zi­tier­ten, wie­der­hol­te ein Ab­ge­sand­ter der Al-​Azhar-​Moschee in Kai­ro sanft ein „is­la­mi­sches Ge­bet für den Frie­den”.

Die ka­tho­li­sche Geist­lich­keit ist wahr­schein­lich von Papst Fran­zis­kus selbst des­ori­en­tiert, der als ers­ter die Le­sung is­la­mi­scher Ge­be­te und Koran-​Lesungen aus der be­deu­tends­ten ka­tho­li­schen Ein­rich­tung der Welt er­laub­te. Es ge­schah, als Papst Fran­zis­kus sich mit dem ver­stor­be­nen is­rae­li­schen Prä­si­den­ten Shi­mon Pe­res und dem Pa­läs­ti­nen­ten der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de Mahmoud Ab­bas im Va­ti­kan traf, zu ei­ner Ver­samm­lung, die da­für ent­wor­fen war, für den Frie­den des Na­hen Os­tens zu be­ten.

Seit er zum Papst ge­wählt wur­de, ver­brach­te Fran­zis­kus viel Zeit in Mo­sche­en. Er be­such­te vie­le is­la­mi­sche Kult­stät­ten im Aus­land, wie in der Tür­kei und in der Zen­tral­afri­ka­ni­schen Re­pu­blik, aber er war auch be­reit, der ers­te Papst zu wer­den, der die Gro­ße Mo­schee in Rom be­sucht.

Wenn es um den Is­lam geht, heisst der Papst re­li­giö­sen Re­la­ti­vis­mus will­kom­men. Er wie­der­hol­te, dass is­la­mis­ti­sche Ge­walt das Werk ei­ner „klei­nen Grup­pe von Fun­da­men­ta­lis­ten” sei, die laut ihm nichts mit dem Is­lam zu tun ha­ben. Als er ge­fragt wur­de, war­um er nicht von is­la­mi­scher Ge­walt spre­che, ant­wor­te­te der Papst: „Wenn ich von is­la­mi­scher Ge­walt spre­che, dann muss ich von ka­tho­li­scher Ge­walt spre­chen”, auch wenn man heut­zu­ta­ge kaum noch Pries­ter, Non­nen oder an­de­re Ka­tho­li­ken fin­den wür­de, die ir­gend­wo im Na­men Je­su Chris­ti Bom­ben le­gen.

Die­ser Trend geht über Ita­li­en hin­aus. In Gross­bri­tan­ni­en schlug Bi­schof Har­ries vor, dass der Krö­nungs­got­tes­dienst für Prinz Charles mit ei­ner Le­sung aus dem Ko­ran er­öff­net wer­den soll­te. In den USA hal­ten mehr als 50 Kir­chen, ein­schließ­lich der Wa­shing­ton Na­tio­nal Ca­the­dral, Koran­le­sun­gen. Der Lei­ter der evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, Bi­schof Hein­rich Bedford-​Strohm, hat auch ge­for­dert, dass der Is­lam, in staat­li­chen Schu­len un­ter­rich­tet wer­de. Gibt es in ir­gend­ei­ner Mo­schee Le­sun­gen der christ­li­chen Lit­ur­gie?

Die­se in­ter­re­li­giö­sen Spek­ta­kel schei­nen uns auch blind zu ma­chen für ver­stö­ren­de­re Le­sun­gen des Ko­rans in christ­li­chen Kir­chen, wie sie in der Ha­gia So­phia vor kur­zem statt­ge­fun­den ha­ben: zum ers­ten Mal seit 85 Jah­ren le­sen die tür­ki­schen Mus­li­me ei­nen is­la­mi­schen Text im In­ne­ren der schöns­ten Kir­che des öst­li­chen Chris­ten­tums. Ihr Ziel ist klar, wie die Ge­set­zes­ent­wür­fe im tür­ki­schen Par­la­ment be­stä­ti­gen: Is­la­mi­sie­rung der Kir­che, die seit 1935 als Mu­se­um ge­nutzt wur­de.

Das christ­li­che Schwei­gen ist we­ni­ger klar: Wie kommt es, dass so we­ni­ge christ­li­che Füh­rer ih­re Stim­me ge­gen die­sen bei­spiel­lo­sen An­griff auf ein christ­li­ches Denk­mal er­ho­ben? Ha­ben sie so vie­le Koran-​Lesungen in ih­ren ei­ge­nen Kir­chen or­ga­ni­siert, dass sie es jetzt als nor­mal an­se­hen, ei­ne Kir­che in ei­ne Mo­schee zu ver­wan­deln?

Nach ei­nem Ter­ror­an­griff in ei­ner Kir­che in der Nor­man­die im Ju­li, öff­ne­te die christ­li­che Geist­lich­keit die Tü­ren ih­rer Kir­chen für die Mus­li­me. Die­se Ges­te wur­de als Wen­de­punkt in der Be­zie­hung zwi­schen den bei­den Re­li­gio­nen be­grüßt. Aber von ei­ner Be­völ­ke­rung von sechs Mil­lio­nen Mus­li­men in Frank­reich nah­men nur we­ni­ge hun­dert Mus­li­me teil. War ih­re An­we­sen­heit wirk­lich re­prä­sen­ta­tiv für die is­la­mi­sche öf­fent­li­che Mei­nung?

Die­se gut ge­mein­ten Ges­ten se­hen viel­leicht aus wie ein in­ter­re­li­giö­ser Ge­winn, sind aber tat­säch­lich ein öku­me­ni­scher Ver­lust. Wä­re es nicht bes­ser für die Köp­fe der ka­tho­li­schen Kir­che, ei­nen ech­ten Dia­log mit den is­la­mi­schen Ge­mein­schaf­ten her­zu­stel­len, der auf Prin­zi­pi­en wie Ge­gen­sei­tig­keit (wenn ihr Mo­sche­en baut in Eu­ro­pa, dann bau­en wir Kir­chen im Na­hen Os­ten), Schutz christ­li­cher Min­der­hei­ten un­ter dem Halb­mond und theo­lo­gi­sche Ab­leh­nung des Dschi­hads ge­gen „Un­gläu­bi­ge” be­ruht?

Den ka­tho­li­schen Geist­li­chen, die die Tür der Flo­ren­ti­ner Ka­the­dra­le dem Is­lam öff­ne­ten, wer­den Mus­li­me als nächs­tes vor­schla­gen, ein Ge­mäl­de in der Ba­si­li­ka zu ent­fer­nen: Do­me­ni­co di Mi­che­li­nos „Dan­te und die Gött­li­che Ko­mö­die”. Für mus­li­mi­sche Ex­tre­mis­ten ist Dan­te der „Blas­phe­mie” schul­dig: er schließt Mo­ham­med in sei­ne poe­ti­sche Höl­le mit ein. Der is­la­mi­sche Staat macht kein Ge­heim­nis aus sei­ner Be­reit­schaft, ei­nen An­schlag auf Dan­tes Grab in Ita­li­en aus­zu­üben. Wei­te­re An­schlags­zie­le auf der Lis­te von ISIS sind die Ba­si­li­ka di San Mar­co in Ve­ne­dig und die Ba­si­li­ka San Pe­tro­nio in Bo­lo­gna, die bei­de Sze­nen aus der Gött­li­chen Ko­mö­die dar­stel­len.

Ei­ne Fan­ta­sie? Ganz und gar nicht. Die ita­lie­ni­sche Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Gherush92, die die Ver­ein­ten Na­tio­nen in Sa­chen Men­schen­rech­te be­rät, hat be­reits dar­um ge­be­ten, Dan­te aus den Lehr­plä­nen zu ent­fer­nen, weil er an­geb­lich „is­la­mo­phob” ist.

In die­ser neu­en in­ter­re­li­giö­sen „Kor­rekt­heit” ge­winnt nur der Is­lam. Chris­ten ha­ben al­les zu ver­lie­ren.

Gi­ulio Meot­ti, Kul­tur­re­dak­tor für Il Fo­glio, ist ita­lie­ni­scher Jour­na­list und Au­tor.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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