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Is­rae­li­sche NGO ver­tritt Fa­mi­li­en, die Twit­ter we­gen Be­güns­ti­gung und Bei­hil­fe zu Ter­ro­ris­mus ver­kla­gen

Fa­mi­li­en von zwei Op­fern von ISIS-​Anschlägen in Pa­ris und Brüs­sel rei­chen in den USA ei­ne Anti-​Terror-​Klage ge­gen Twit­ter ein für de­ren Rol­le bei der Ab­leh­nung von Maß­nah­men, um die Be­nut­zung ih­rer Diens­te durch Ter­ro­ris­ten zu ver­hin­dern; Shu­rat Ha­Din, ei­ne is­rae­li­sche ju­ris­ti­sche NGO, ver­tritt die Klä­ger.

Ila­na Mes­si­ka, 10.1.2017, TPS news

Die Fa­mi­li­en von zwei Op­fern von ISIS-​Terroranschlägen in Pa­ris und Brüs­sel ha­ben im US-​Bezirksgericht für den süd­li­chen Be­zirk von New York ei­ne Anti-​Terror-​Klage ge­gen den So­ci­al Media-​Riesen Twit­ter ein­ge­reicht für die Rol­le des Un­ter­neh­mens in der Be­güns­ti­gung von und Bei­hil­fe für ISIS bei der Durch­füh­rung der At­ta­cken. Zwei­hun­dert Men­schen wur­den bei den An­schlä­gen ge­tö­tet und Hun­der­te ver­letzt.

„Dies ist die ers­te Kla­ge, die die Schlüs­sel­rol­le Twit­ters beim Auf­stieg von ISIS, die am meis­ten ge­fürch­te­te ter­ro­ris­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on der Welt zu wer­den, do­ku­men­tiert, und die de­tail­liert dar­legt, wie ISIS Twit­ter spe­zi­ell in Ver­bin­dung mit zwei der schlimms­ten Terror-​Angriffe in der Ge­schich­te Eu­ro­pas ein­setz­te”, sag­te Nit­sa­na Darshan-​Leitner, Di­rek­to­rin der is­rae­li­schen ju­ris­ti­schen NGO Shu­rat Ha­Din und An­wäl­tin der Klä­ger, in ei­ner of­fi­zi­el­len Er­klä­rung.

„Un­ter den Social-​Media-​Plattformen ist Twit­ter die­je­ni­ge, die es am hart­nä­ckigs­ten ab­lehnt, die Be­nut­zung ih­rer Diens­te durch Ter­ro­ris­ten zu ver­hin­dern, in­dem sie die Po­si­ti­on ein­nimmt, dass „die Tweets flie­ßen müs­sen”, selbst wenn das be­deu­tet, dass da­mit Mas­sen­mord un­ter­stützt wird, sag­te sie.

Niederlegung von Blumensträußen nach den Anschlägen in Brüssel (Foto: EPA)

Nie­der­le­gung von Blu­men­sträu­ßen nach den An­schlä­gen in Brüs­sel (Fo­to: EPA)

In ei­nem In­ter­view mit Taz­pit Press Ser­vice (TPS) er­klär­te Darshan-​Leitner, dass das US-​Anti-​Terror-​Gesetz den Op­fern des in­ter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus Rech­te für Scha­dens­er­satz­kla­gen zu­ge­ste­he. Ge­klagt wer­den kön­ne ge­gen Fir­men aus al­len Bran­chen, wenn sie für die Un­ter­stüt­zung von Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen oder ih­ren Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­ant­wort­lich sind.

„Dies ist kein Straf­ver­fah­ren, wir er­he­ben kei­ne An­kla­ge ge­gen den So­ci­al Me­dia Rie­sen, son­dern wir kla­gen auf Kom­pen­sa­ti­on und Scha­dens­er­satz”, sag­te sie.

Dem­entspre­chend muss die Staats­an­walt­schaft be­wei­sen, dass Twit­ter ih­ren Dienst ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on wis­sent­lich und ab­sicht­lich zur Ver­fü­gung ge­stellt hat, dass sie wuss­ten, dass ISIS Kon­ten hat­te, die vor Be­ginn, wäh­rend und nach den An­schlä­gen für die Re­kru­tie­rung, In­dok­tri­na­ti­on oder Ein­schüch­te­rung im Rah­men die­ser spe­zi­fi­schen An­grif­fe ver­wen­det wur­den.

Dar­über hin­aus ha­ben sie zu be­wei­sen, dass die Kon­ten re­gel­mä­ßig ver­wen­det wur­den und wei­ter­be­nut­zen durf­ten trotz meh­re­rer War­nun­gen, sie zu schlie­ßen.

Die ak­tu­el­le Kla­ge, Cain ge­gen Twit­ter, folgt ei­nem ähn­li­chen Fall im Jahr 2015, eben­falls un­ter­stützt von Shu­rat Ha­Din im Auf­trag von et­wa 20.000 Is­rae­lis, die Face­book ver­klag­ten, um das Un­ter­neh­men da­zu zu brin­gen, zu ver­hin­dern, dass pa­läs­ti­nen­si­sche Ter­ro­ris­ten zu ge­walt­tä­ti­gen At­ta­cken ge­gen is­rae­li­sche Bür­ger und Ju­den auf­ru­fen.

Nach dem Anschlag in Paris (Foto: AP)

Nach dem An­schlag in Pa­ris (Fo­to: AP)

In Be­zug auf zwei Ge­set­ze zur Ver­mei­dung von Auf­sta­che­lun­gen auf so­zia­len Me­di­en, die sich der­zeit im Ge­setz­ge­bungs­pro­zess be­fin­den, sag­te Darshan-​Leitner: „Sie soll­ten kei­nen Rich­ter brau­chen, um zu ent­schei­den, ob es sich um Auf­sta­che­lung han­delt oder nicht. Pri­va­te Un­ter­neh­men kön­nen ih­re ei­ge­nen Vor­schrif­ten, oder „Com­mu­ni­ty Stan­dards”, kon­stru­ie­ren, wie sie es bis­her ge­tan ha­ben. Die­se Ent­schei­dung den Fir­men zu über­las­sen, er­wies sich je­doch auf­grund von „Aus­le­gungs­fra­gen” als un­zu­rei­chend.

„Was die Knesset-​Gesetze (ei­nes von der Jus­tiz­mi­nis­te­rin Aye­let Shaked ein­ge­bracht und das an­de­re von der Zio­nis­ti­schen Uni­on MK Re­vi­tal Swid) den Kon­zer­nen auf­er­le­gen, ist die Ver­pflich­tung, die­se Stan­dards be­züg­lich The­men im Zu­sam­men­hang mit Ter­ror zu er­hö­hen. Ihr Ziel ist, stren­ge­re Be­schrän­kun­gen auf­zu­er­le­gen und so­zia­le Me­di­en be­treffs des In­halts ih­rer Sei­ten zu über­wa­chen. Ich un­ter­stüt­ze die­ses stren­ge­re Haf­tungs­sys­tem voll und ganz”, sag­te sie.

Ob­wohl das Ge­richt mög­li­cher­wei­se Jah­re braucht, ein Ur­teil im Fall Cain ge­gen Twit­ter ab­zu­ge­ben, sag­te Darshan-​Leitner, sie sei zu­ver­sicht­lich auf die Aus­sich­ten ei­ner po­si­ti­ven Aus­wir­kung auf Twit­ter schon sehr früh im Pro­zess.

„Die ‚Ak­zep­tanz’ des Fal­les wur­de von An­fang an ge­mes­sen. Ich glau­be, dass Twit­ter be­ginnt, sein Ver­hal­ten und sei­ne Re­geln zu än­dern, so­bald die Kla­ge ein­ge­reicht wird, und dass wir nicht auf ein Ur­teil war­ten müs­sen.

„Als wir zum Bei­spiel Ban­ken we­gen der Un­ter­stüt­zung und Be­kämp­fung von Ter­ror­grup­pen ver­klag­ten, muss­ten wir nicht auf ein end­gül­ti­ges Ur­teil war­ten. Sie be­gan­nen sehr früh, Kon­ten zu schlie­ßen, ver­wei­ger­ten Dienst­leis­tun­gen für Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich mit Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen iden­ti­fi­zier­ten, und so wei­ter.

Ich den­ke, die Social-​Media-​Unternehmen fol­gen die­sem Bei­spiel”, schloss sie.

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