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Trump be­feu­ert Eu­ro­pas Anti-Establishment-Bewegung

„Die­ses Jahr wird das Jahr der Men­schen sein.”

So­e­ren Kern, 22.1.2017, Gatestone Institute

  • „Der Geist wird nicht wie­der in die Fla­sche zu­rück­ge­hen, ob Sie das wol­len oder nicht.” – Ge­ert Wil­ders, Ab­ge­ord­ne­ter und Chef der Par­tei für die Frei­heit, Niederlande.
  • Ei­ne wach­sen­de Zahl von Eu­ro­pä­ern re­bel­liert ge­gen jahr­zehn­te­lan­gen, von Re­gie­run­gen auf­ge­zwun­ge­nen Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, po­li­tisch kor­rek­te Sprach­codes und Mas­sen­mi­gra­ti­on aus der mus­li­mi­schen Welt.
  • Die Grün­dungs­par­tei­en Eu­ro­pas, weit da­von ent­fernt, sich um die An­lie­gen der ge­wöhn­li­chen Wäh­ler zu küm­mern, ha­ben ver­sucht, Dis­sens zum Schwei­gen zu brin­gen, in­dem sie Nein­sa­ger als Frem­den­fein­de, Is­la­mo­pho­be und Neo­na­zis brandmarkten.
  • „In vie­ler Hin­sicht be­wei­sen Frank­reich und Deutsch­land, dass sie die Be­deu­tung des Brex­it nicht ver­ste­hen. Sie fol­gen re­flex­ar­tig, fast re­li­gi­ös, wei­ter­hin ge­nau dem Weg, der die ge­gen­wär­ti­ge Exis­tenz­kri­se der EU pro­vo­ziert hat.” – Bot­schaf­ter John R. Bol­ton, ehe­ma­li­ger US-​Botschafter bei den Ver­ein­ten Nationen.
  • „Es gibt ein ech­tes Ge­fühl, dass Trumps Über­nah­me des Wei­ßen Hau­ses Teil ei­ner grö­ße­ren glo­ba­len Be­we­gung ist. Un­se­re Kri­ti­ker, die Trumps Kan­di­da­tur und sei­ne Re­de ges­tern be­ob­ach­te­ten, nen­nen es den Auf­stieg des Po­pu­lis­mus. Ich wür­de sa­gen, es ist ein­fach ei­ne simp­le Rück­kehr zu na­tio­nal­staat­li­cher De­mo­kra­tie und an­ge­mes­se­nen Wer­ten … Dies ist ei­ne ech­te po­li­ti­sche Re­vo­lu­ti­on.” – Nigel Fa­ra­ge, ehe­ma­li­ger Vor­ste­her der bri­ti­schen UKIP-​Partei, der die An­stren­gun­gen an­führ­te, dass Gross­bri­tan­ni­en die EU verlässt.
  • Die Ta­bu­the­men der letz­ten Jah­re sind voll auf der Agen­da: il­le­ga­le Ein­wan­de­rung, Is­lam, der Un­sinn of­fe­ner Gren­zen, Fehl­kon­struk­ti­on EU, Per­so­nen­frei­zü­gig­keit, Ar­beits­plät­ze, Recht und Ord­nung. Trumps Vor­gän­ger woll­ten nicht dar­über re­den, die Mehr­heit der Wäh­ler schon. Das ist De­mo­kra­tie.” – Ro­ger Köp­pel, Chef­re­dak­teur der Welt­wo­che, Schweiz.

Die Füh­rer der wich­tigs­ten Anti-​Establishment-​Parteien Eu­ro­pas tra­fen sich zum ers­ten Mal am 21. Ja­nu­ar in Ko­blenz, Deutsch­land. (Bild­quel­le: Ma­ri­ne Le Pen /​ Twit­ter)

In­spi­riert durch die In­au­gu­ra­ti­on des US-​Präsidenten Do­nald J. Trump ha­ben die Füh­rer der wich­tigs­ten Anti-​Establishment-​Parteien ei­ne eu­ro­pa­wei­te Kund­ge­bung or­ga­ni­siert, die auf die Ko­or­di­na­ti­on ei­ner po­li­ti­schen Stra­te­gie ab­zielt, um po­ten­zi­ell Mil­lio­nen von ent­täusch­ten Wäh­lern in den kom­men­den Wah­len in Deutsch­land, den Nie­der­lan­den und Frank­reich zu mobilisieren.

Zum ers­ten Mal ge­mein­sam in der Öf­fent­lich­keit auf­tre­tend, ver­sam­mel­ten sich Ma­ri­ne Le Pen, Lei­te­rin des fran­zö­si­schen Front Na­tio­nal, Frau­ke Pe­try, Lei­te­rin der Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD), Ge­ert Wil­ders, Lei­ter der nie­der­län­di­schen Par­tei für die Frei­heit (PVV), Matteo Sal­vi­ni, Füh­rer der ita­lie­ni­schen Nord­li­ga und Ha­rald Vi­lims­ky von der ös­ter­rei­chi­schen Frei­heits­par­tei, am 21. Ja­nu­ar bei ei­ner Kund­ge­bung in Ko­blenz, Deutsch­land, wo sie eu­ro­päi­sche Wäh­ler auf­for­der­ten, sich an ei­nem „pa­trio­ti­schen Früh­ling” zu be­tei­li­gen, um die Eu­ro­päi­sche Uni­on zu stür­zen, die na­tio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät zu stär­ken und na­tio­na­li­te Gren­zen zu sichern.

Die zwei­stün­di­ge Kund­ge­bung fand un­ter dem Ban­ner des Eu­ro­pa der Na­tio­nen und der Frei­heit (ENF) statt, ei­ner Grup­pe, die im Ju­ni 2015 von Mit­glie­dern des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments aus neun Län­dern ge­grün­det wur­de, um ge­gen den eu­ro­päi­schen Zen­tra­lis­mus vor­zu­ge­hen und die Über­tra­gung der po­li­ti­schen Macht von den Wäh­lern auf nicht ge­wähl­te Bü­ro­kra­ten in Brüs­sel, der de fac­to Haupt­stadt der Eu­ro­päi­schen Union.

Un­ter Be­zug­nah­me auf die Ent­schei­dung vom Ju­ni 2016 durch bri­ti­sche Wäh­ler, die Eu­ro­päi­sche Uni­on zu ver­las­sen und den Auf­stieg von Prä­si­dent Do­nald Trump in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, sag­te Le Pen:

„Wir durch­le­ben das En­de ei­ner Welt und die Ge­burt ei­ner an­de­ren. Wir er­le­ben die Rück­kehr der Na­tio­nal­staa­ten. 2016 war das Jahr, in dem die an­gel­säch­si­sche Welt auf­wach­te. 2017, da bin ich mir si­cher, wird das Jahr sein, in dem sich die Völ­ker des eu­ro­päi­schen Kon­ti­nents erheben.”

Wil­ders füg­te hin­zu:

„Die Welt ver­än­dert sich, Ame­ri­ka ver­än­dert sich. Eu­ro­pa ver­än­dert sich. Es be­gann letz­tes Jahr mit dem Brex­it, ges­tern war Trump und heu­te ver­sam­meln sich die frei­heit­li­chen Par­tei­en in Ko­blenz, der Geist wird nicht wie­der in die Fla­sche zu­rück­ge­hen, ob es Ih­nen ge­fällt oder nicht. Die Men­schen im Wes­ten er­wa­chen, sie wer­fen das Joch der po­li­ti­schen Kor­rekt­heit ab.

Um­fra­gen zei­gen, dass der po­li­ti­sche See­gang, der die Ver­ei­nig­ten Staa­ten durch­spült, die Un­ter­stüt­zung von Anti-​Establishment-​Parteien in Eu­ro­pa an­heizt. Ne­ben der Wut über die ero­die­ren­de Sou­ve­rä­ni­tät re­bel­liert ei­ne wach­sen­de Zahl von Eu­ro­pä­ern ge­gen jahr­zehn­te­lan­gen, von Re­gie­run­gen auf­ge­zwun­ge­nen Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, po­li­tisch kor­rek­te Sprach­codes und Mas­sen­mi­gra­ti­on aus der mus­li­mi­schen Welt.

In Frank­reich zeigt ei­ne neue Ipsos-​Umfrage für Le Mon­de, dass Ma­ri­ne Le Pen jetzt be­reit ist, die ers­te Run­de der fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wahl vom 23. April 2017 zu ge­win­nen. Le Pen hat zwi­schen 25% und 26% Un­ter­stüt­zung bei den Wäh­lern im Ver­gleich zu 23% bis 25% für François Fil­lon von der Mitte-​Rechts-​Republikanischen Par­tei. Im De­zem­ber 2016 hat­te Fil­lon ei­ne Dreipunkte-​Führung vor Le Pen.

In den Nie­der­lan­den führt Ge­ert Wil­ders nun ge­mäss Um­fra­gen für die am 15. März 2017 ge­plan­ten Par­la­ments­wah­len. Der PVV hat die Un­ter­stüt­zung von 29% bis 33% der Wäh­ler. Dem­ge­gen­über ist die Un­ter­stüt­zung der re­gie­ren­den Volks­par­tei für Frei­heit und De­mo­kra­tie (VVD) auf zwi­schen 23% und 27% gefallen.

In Deutsch­land ist die Anti-​Immigrationspartei Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) die dritt­größ­te Par­tei des Lan­des ge­wor­den, mit Un­ter­stüt­zung bei rund 15% Pro­zent. Die AfD hat­te Ver­tre­tun­gen in zehn der 16 Lan­des­par­la­men­ten er­run­gen, und die Par­tei hofft zum ers­ten Mal Sit­ze im Bun­des­tag zu ge­win­nen in den Bun­des­tags­wah­len am 24. Sep­tem­ber 2017.

Die Grün­dungs­par­tei­en Eu­ro­pas, weit da­von ent­fernt, sich um die An­lie­gen der ge­wöhn­li­chen Wäh­ler zu küm­mern, ha­ben ver­sucht, Dis­sens zum Schwei­gen zu brin­gen, in­dem sie Nein­sa­ger als Frem­den­fein­de, Is­la­mo­pho­be und Neo­na­zis brand­mark­ten.

In Deutsch­land zum Bei­spiel ver­lang­te Vi­ze­kanz­ler Sig­mar Ga­bri­el, in ei­ner hin­ter­häl­ti­gen An­stren­gung, Kri­tik an der Mi­gra­ti­ons­po­li­tik  der of­fe­nen Tür der Re­gie­rung zum Schwei­gen zu brin­gen, dass der Ver­fas­sungs­schutz die AfD über­wa­chen sollte.

Das deut­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um schlägt nun vor, ein „Ab­wehr­zen­trum ge­gen Des­in­for­ma­ti­on” zu schaf­fen, um „Fake News” zu be­kämp­fen. Kri­ti­ker ha­ben das vor­ge­schla­ge­ne Zen­trum als ein „Zen­sur­mons­ter” be­schrie­ben, das dar­auf ab­zielt, ab­wei­chen­de Mei­nun­gen zum Schwei­gen zu bringen.

Auf­tritt Trump. Wenn ge­nü­gend eu­ro­päi­sche Wäh­ler durch den po­li­ti­schen Wan­del in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten in­spi­riert sind, kann das Gleich­ge­wicht der eu­ro­päi­schen po­li­ti­schen Macht be­gin­nen, sich zu­guns­ten der Anti-​Establishment-​Parteien zu ver­schie­ben. Eu­ro­päi­sche po­li­ti­sche und Medien-​Eliten wer­den da­her Trump si­cher­lich als Be­dro­hung für die eta­blier­te po­li­ti­sche Ord­nung Eu­ro­pas betrachten.

In ei­nem In­ter­view vom 16. Ja­nu­ar mit der Times of Lon­don und Deutsch­lands Bild sag­te Trump, dass er glau­be, dass der Brex­it „am En­de ei­ne groß­ar­ti­ge Sa­che sein wird.” Er füg­te hin­zu, dass Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ei­nen „völ­lig ka­ta­stro­pha­len Feh­ler ge­macht ha­be, in­dem sie all die­se Il­le­ga­len ins Land ge­las­sen habe.”

Im sel­ben In­ter­view sag­te Trump, dass die NATO-​Allianz „für mich sehr wich­tig ist”, aber er nann­te sie „ver­al­tet”, weil sie da­bei ver­sa­ge, die Be­dro­hung des Wes­tens durch den is­la­mi­schen Ter­ro­ris­mus ein­zu­däm­men. Er be­schwer­te sich auch dar­über, dass ei­ni­ge Län­der „nicht zah­len, was sie zah­len soll­ten.” Von den 28 Län­dern der Al­li­anz er­fül­len nur fünf – Groß­bri­tan­ni­en, Est­land, Grie­chen­land, Po­len und die Ver­ei­nig­ten Staa­ten – das Ziel, min­des­tens 2% ih­res BIP für die Ver­tei­di­gung auszugeben.

Die eu­ro­päi­schen Kom­men­ta­to­ren kri­ti­sier­ten Trump für sei­ne Kom­men­ta­re und ei­ni­ge be­schul­dig­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, ein „un­zu­ver­läs­si­ger Part­ner” zu sein. Die eu­ro­päi­schen Staats-​und Re­gie­rungs­chefs wie­der­hol­ten die For­de­run­gen nach ei­ner pan-​europäischen Ar­mee, ei­nem lang­jäh­ri­gen Ziel der eu­ro­päi­schen Fö­de­ra­lis­ten, das ei­ne bei­spiel­lo­se Über­tra­gung der Sou­ve­rä­ni­tät von den eu­ro­päi­schen Na­tio­nal­staa­ten auf die Eu­ro­päi­sche Uni­on zur Fol­ge hätte.

Bot­schaf­ter  und Gatestone-​Institute-​Vorsitzender John R. Bol­ton hat drin­gend be­nö­tig­ten Kon­text zur De­bat­te über die NATO ge­lie­fert. In ei­nem kürz­lich er­schie­ne­nen Ar­ti­kel für den Bos­ton Glo­be schrieb er:

„Die NATO hat die­ses Jahr hef­ti­ge Kri­tik von Do­nald Trump er­lebt, was wü­ten­de Re­ak­tio­nen von Wür­den­trä­gern des au­ßen­po­li­ti­schen Es­ta­blish­ment pro­vo­zier­te.” Die Wür­den­trä­ger wis­sen je­doch, dass Trump ein­fach mit sei­nem Me­ga­phon sagt, was sie selbst lei­ser sa­gen: Die Ent­schei­dungs­fin­dung in der NATO ist oft sklero­tisch, ih­re Mis­si­on wur­de nach dem Kal­ten Krieg nicht an­ge­mes­sen neu de­fi­niert, und zu vie­le Mit­glie­der ha­ben ihr Ge­wicht fi­nan­zi­ell oder mi­li­tä­risch lan­ge Jah­re nicht mit­ge­tra­gen .… Trump hat be­tont, dass sei­ne Kla­gen die De­bat­te über die Ver­bes­se­rung und Stär­kung der NATO för­dern sol­len, nicht sie zu spal­ten. Ei­nen De­bat­te, die zu füh­ren sich lohnt.”

Bol­ton füg­te hinzu:

„In vie­ler­lei Hin­sicht zei­gen Frank­reich und Deutsch­land, dass sie die Be­deu­tung des Brex­it nicht ver­ste­hen, denn sie fol­gen wei­ter­hin re­flex­ar­tig, fast re­li­gi­ös, ge­nau dem Weg, der die ge­gen­wär­ti­ge Exis­tenz­kri­se der EU pro­vo­ziert hat: Je­des Ver­sa­gen ei­ner en­ge­ren In­te­gra­ti­on im „eu­ro­päi­schen Pro­jekt” führt zu noch mehr In­te­gra­ti­on. Ob es dar­um geht, ei­ne Wäh­rung oh­ne Re­gie­rung zu grün­den, mi­li­tä­ri­sche Kom­pe­ten­zen zu­zu­si­chern, die die kol­lek­ti­ve EU nie­mals er­reicht, oder ei­ne Rol­le in der Welt spie­len zu wol­len, die nie­mand au­ßer­halb Brüs­sels ernst nimmt, im­mer ist ‚mehr Eu­ro­pa’ die Antwort.”

Eu­ro­päi­sche Re­ak­tio­nen auf Trumps Inauguration

Die Präsidentschafts-​Antrittsrede von Trump wur­de von den eu­ro­päi­schen Füh­rern mit förm­li­cher Höf­lich­keit be­grüsst – von de­nen die meis­ten mit dem neu­en Füh­rer der frei­en Welt zu­sam­men­ar­bei­ten müs­sen – und von eu­ro­päi­schen Kom­men­ta­to­ren und Me­di­en­eli­ten mit un­ge­zü­gel­tem Spott – von de­nen vie­le an­schei­nend das Anti-​Establishment-​Feuer ver­leug­nen, das über die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Eu­ro­pa hinwegfegt.

Ein Groß­teil der eu­ro­päi­schen Kom­men­ta­re über Trump be­stand aus Be­schimp­fun­gen und An­ti­ame­ri­ka­nis­mus. Ei­ne Hand­voll eu­ro­päi­scher Ana­ly­ti­ker for­der­ten je­doch In­tro­spek­ti­on und Selbstkritik.

Was folgt ist ei­ne kur­ze Aus­wahl von eu­ro­päi­schen Kom­men­ta­ren auf Trump’s Inauguration:

In Groß­bri­tan­ni­en ver­teil­ten sich die Re­ak­tio­nen auf Trump gleich­mä­ßig auf die­je­ni­gen, die die bri­ti­sche Mit­glied­schaft in der Eu­ro­päi­schen Uni­on un­ter­stüt­zen und ab­leh­nen. Mi­nis­ter­prä­si­den­tin The­re­sa May sag­te:

„Aus un­se­ren bis­he­ri­gen Ge­sprä­chen weiß ich, dass wir uns bei­de ver­pflich­tet füh­len, das be­son­de­re Ver­hält­nis zwi­schen un­se­ren bei­den Län­dern vor­an­zu­trei­ben und für den Wohl­stand und die Si­cher­heit der Men­schen auf bei­den Sei­ten des At­lan­tiks zusammenzuarbeiten.”

Aus­sen­mi­nis­ter Bo­ris John­son schrieb:

„Ich den­ke, dass der neue Prä­si­dent es sehr deut­lich ge­macht hat, dass er Groß­bri­tan­ni­en an die Front­li­nie für ein neu­es Han­dels­ab­kom­men set­zen will und of­fen­sicht­lich ist das ex­trem auf­re­gend und wichtig.”

Nigel Fa­ra­ge, der Po­li­ti­ker, der die An­stren­gun­gen für das Ver­ei­nig­te Kö­nig­reich lei­te­te, die EU zu ver­las­sen, war ei­ner der we­ni­gen Eu­ro­pä­er, die das Aus­maß des Trumpf­auf­stiegs ver­ste­hen konn­ten. Er schrieb:

„Es gibt ein ech­tes Ge­fühl, dass Trumps Über­nah­me des Wei­ßen Hau­ses Teil ei­ner grö­ße­ren glo­ba­len Be­we­gung ist. Un­se­re Kri­ti­ker, die Trumps Kan­di­da­tur und sei­ne Re­de ges­tern be­ob­ach­te­ten, nen­nen es den Auf­stieg des Po­pu­lis­mus, ich wür­de sa­gen, es ist ein­fach ei­ne Rück­kehr zu na­tio­nal­staat­li­cher De­mo­kra­tie und an­ge­mes­se­nen Wer­ten. Da die­se In­au­gu­ra­ti­on nicht nur ein Wech­sel vom 44. Prä­si­den­ten zum 45. Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten ist. Dies ist ei­ne ech­te po­li­ti­sche Revolution.”

In Frank­reich emp­fahl Prä­si­dent François Hol­lan­de Trump, die Finn­ger von eu­ro­päi­schen An­ge­le­gen­hei­ten zu las­sen – dies we­ni­ge Ta­ge nach­dem die fran­zö­si­sche Re­gie­rung ver­such­te, Is­ra­el ei­ne „Zwei-​Staaten-​Lösung” auf­zu­drän­gen. Er sag­te: „Eu­ro­pa wird be­reit sein, die trans­at­lan­ti­sche Zu­sam­men­ar­beit fort­zu­set­zen, aber es wird auf sei­nen In­ter­es­sen und Wer­ten ba­sie­ren. Es braucht kei­ne Rat­schlä­ge von aus­sen, um ihm zu sa­gen, was es tun soll.”

Ma­ri­ne Le Pen sag­te: „Der Sieg von Do­nald Trump ist ein­deu­tig ein wei­te­rer Schritt zur Ent­ste­hung ei­ner neu­en Welt, de­ren Be­ru­fung es ist, ei­ne al­te Ord­nung zu ersetzen.”

Jean-​Marie Co­lom­ba­ni, der ehe­ma­li­ge Chef­re­dak­teur von Le Mon­de, for­mu­lier­te das geo­po­li­ti­sche Di­lem­ma Eu­ro­pas, das die di­rek­te Fol­ge der Nich­trio­ri­sie­rung der fran­zö­si­schen Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben ist:

„Aus ame­ri­ka­ni­scher Sicht ist Vla­di­mir Pu­tin ein se­kun­dä­res Pro­blem: Russ­land ist ei­ne mitt­le­re Macht, die si­cher­lich Pro­ble­me für die USA schaf­fen kann, aber nur mar­gi­nal, wie bei­spiels­wei­se in Sy­ri­en. Chi­na ist die ein­zi­ge Macht, die ernst­haft mit Ame­ri­ka ri­va­li­sie­ren kann. Es wird, ist be­reits, die ein­zi­ge Ob­ses­si­on von Trumps Amerika.

„Wla­di­mir Pu­tin stellt für Eu­ro­pa ein Pro­blem dar, wenn nicht ei­ne Be­dro­hung, denn der rus­si­sche Prä­si­dent hat das Ziel der Schwä­chung der Eu­ro­päi­schen Uni­on ge­setzt, um die Rol­le der Hü­te­rin, die die UdSSR im Os­ten Eu­ro­pas aus­ge­übt hat, wie­der­her­zu­stel­len, in Län­dern, die jetzt Mit­glied der EU und der NATO sind. Al­les deu­tet dar­auf hin, dass Trump das glei­che Ziel ver­folgt: Eu­ro­pa zu schwächen.

„Tat­säch­lich ist Trumps eu­ro­päi­sche Po­li­tik von Nigel Fa­ra­ge in­spi­riert, der an der Spit­ze der Kam­pa­gne für Brex­it stand und des­sen po­li­ti­sches Ziel es nun ist, den Ab­bau der Eu­ro­päi­schen Uni­on zu er­rei­chen.” Dies er­klärt die Vor­her­sa­ge, die Trump über den bal­di­gen Nie­der­gang Eu­ro­pas for­mu­lier­te, und sei­ne an­ti­deut­schen Un­ter­tö­ne: Im neu­en ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten fin­den wir die Spra­che und die Ele­men­te al­ler po­pu­lis­ti­schen und ex­tre­mis­ti­schen Par­tei­en, de­ren ge­mein­sa­me Leh­re die Feind­se­lig­keit ge­gen­über dem eu­ro­päi­schen Pro­jekt ist: hier im Os­ten und Wes­ten wird Eu­ro­pa zu­sam­men­ge­presst wie in ei­nem Schraubstock!”

In Deutsch­land, das für sei­ne Ver­tei­di­gung völ­lig von den Ame­ri­ka­nern ab­hän­gig ist und das stand­haft ab­lehn­te, sei­ner Ver­pflich­tung zu fol­gen, 2% des BIP für die Ver­tei­di­gung auf­zu­wen­den, war die Re­ak­ti­on auf Trumps Re­de über­wäl­ti­gend negativ.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ver­sprach, mit Trump zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, um die trans­at­lan­ti­sche Be­zie­hung zu be­wah­ren. „Die trans­at­lan­ti­sche Be­zie­hung wird in den kom­men­den Jah­ren nicht we­ni­ger wich­tig sein als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren”, sag­te sie. „Und ich wer­de dar­an ar­bei­ten. Auch wenn es un­ter­schied­li­che Mei­nun­gen gibt, kön­nen Kom­pro­mis­se und Lö­sun­gen am bes­ten ge­fun­den wer­den, wenn wir Ide­en austauschen.”

Vi­ze­kanz­ler Sig­mar Ga­bri­el war weit we­ni­ger di­plo­ma­tisch. Er sag­te: „Wir müs­sen die­sen Mann ernst neh­men. Was wir heu­te hör­ten, wa­ren höchst na­tio­na­lis­ti­sche Tö­ne, ich den­ke, wir müs­sen uns warm an­zie­hen.” Er for­der­te die Eu­ro­pä­er auf, sich zu ver­ei­nen, um „un­se­re In­ter­es­sen zu verteidigen”.

In ei­nem Kom­men­tar für die Deut­sche Wel­le er­mahn­te Max Hof­mann die Eu­ro­pä­er, dass sie sich nicht mehr über Trump be­schwe­ren, son­dern ihr ei­ge­nes Haus in Ord­nung brin­gen sollten:

„Was tun, wenn der bis­her engs­te Part­ner ein­fach ab­taucht? Das, was die EU schon lan­ge hät­te ma­chen müs­sen: Ihr ei­ge­nes Haus in Ord­nung brin­gen – un­ab­hän­gig da­von, was „The Do­nald” in den USA an­stellt. Brex­it, Mi­gra­ti­on, Eu­ro – es gibt ge­nug zu tun. Frei nach dem Sprich­wort „ein Je­der keh­re vor sei­ner Tür”. Denn wenn wir als Eu­ro­pä­er ehr­lich sind, dann ist das, was auf dem al­ten Kon­ti­nent pas­siert, aus ame­ri­ka­ni­scher Per­spek­ti­ve – und nicht nur aus der – nicht mehr nach­voll­zieh­bar. Wür­de ein US-​Parlamentarier die eu­ro­päi­sche Zer­strit­ten­heit und Zag­haf­tig­keit als „Wahn­sinn” oder „Schwach­sinn” be­zeich­nen – man dürf­te ihm kei­nen Vor­wurf machen.”

Kom­men­ta­tor Hu­bert Wet­zel sag­te, dass Trump ei­ne Be­dro­hung für die eu­ro­päi­sche Si­cher­heit dar­stell­te und for­der­te zu eu­ro­päi­scher Ein­heit, um die nächs­ten vier Jah­re zu be­wäl­ti­gen. In ei­nem Auf­satz vol­ler Über­trei­bun­gen, schrieb er:

„Auch die Eu­ro­pä­er wer­den sich auf ei­nen neu­en Ton im Um­gang mit Ame­ri­ka ein­stel­len müs­sen. Trump hat in sei­ner Re­de klar ge­macht, dass er im Kern ein na­tio­na­lis­ti­scher Au­ßen­po­li­ti­ker ist, sei­ne An­spra­che ent­hielt kei­ner­lei Re­fe­renz an Ame­ri­kas Ver­bün­de­te. [Trump sag­te tat­säch­lich: ‚Wir wer­den al­te Al­li­an­zen stär­ken und neue bil­den’, und ‚Wir wer­den Freund­schaft und Good­will su­chen mit den Na­tio­nen die­ser Welt’] Sei­ne Be­reit­schaft, für die Ver­tei­di­gung an­de­rer Län­der Geld aus­zu­ge­ben, ist ge­ring. Er sieht die USA auch nicht als Schutz­macht de­mo­kra­ti­scher Wer­te in der Welt; und er ist der ers­te US-​Präsident seit dem En­de des Zwei­ten Welt­kriegs, der of­fen Zwei­fel am Wert der eu­ro­päi­schen Ei­ni­gung und der Exis­tenz der Na­to ge­äu­ßert hat. In ei­ner Zeit, in der Russ­land mit di­plo­ma­ti­schen, ge­heim­dienst­li­chen und mi­li­tä­ri­schen Mit­teln ver­sucht, den Wes­ten zu schwä­chen, ist das ei­ne Hal­tung, die für das ge­ein­te Eu­ro­pa ei­ne ernst­haf­te Ge­fahr darstellt.”

In Spa­ni­en schrieb der geo­po­li­ti­sche Ana­lyst Ra­fa­el Bardaji:

„Prä­si­dent Trump ver­sprach, dass heu­te ei­ne neue Ära be­ginnt. In sei­ner An­tritts­re­de mach­te er deut­lich, dass er Wa­shing­ton ver­ach­tet und die Art und Wei­se haßt, wie das Es­ta­blish­ment das Land bis jetzt re­giert und sei­ne Pri­vi­le­gi­en auf Kos­ten der Bür­ger ver­tei­digt hat. Ja, ei­ne Re­de, die man po­pu­lis­tisch nen­nen kann, aber ei­ne, die doch wahr ist. Die De­mo­kra­tie ist schließ­lich als die Re­gie­rung des Vol­kes für das Volk ent­stan­den, was ge­gen­wär­tig in Ame­ri­ka und Eu­ro­pa weit da­von ent­fernt ist, ei­ne Rea­li­tät zu sein. Der gro­ße ge­sell­schaft­li­che Ver­trag der li­be­ra­len De­mo­kra­tie, näm­lich der wach­sen­de Wohl­stand und der Frie­den und die Si­cher­heit der Bür­ger, wird nicht mehr er­füllt. Dies auf­grund der Un­fä­hig­keit der Eli­ten, mit [wirt­schaft­li­chen] Kri­sen um­zu­ge­hen, we­gen ih­rer Be­ses­sen­heit mit Pa­zi­fis­mus und auf­grund der Un­ter­ord­nung der In­ter­es­sen der Bür­ger zu­guns­ten der Einwanderer.”

In der Schweiz warn­te Ro­ger Köp­pel, Chef­re­dak­tor der Welt­wo­che, vor den Be­mü­hun­gen der eu­ro­päi­schen Eli­ten, Trump her­ab­zu­wür­di­gen. Er schrieb:

„Al­lein sei­ne Wahl war ei­ne heil­sa­me Er­schüt­te­rung. Der Schock war nö­tig. Nicht nur Macht­kar­tel­le, auch Welt­bil­der bre­chen ein. Das löst Ge­häs­sig­kei­ten aus, klar. Mehr kommt ins Rut­schen, als vie­le ver­kraf­ten kön­nen. ­To­le­rant blei­ben. Die Ver­stö­rung al­ler­dings ist fruchtbar.

Be­reits wird of­fe­ner und sach­li­cher ge­re­det. Die Ta­bu­the­men der letz­ten Jah­re sind voll auf der Agen­da: il­le­ga­le Ein­wan­de­rung, Is­lam, der Un­sinn of­fe­ner Gren­zen, Fehl­kon­struk­ti­on EU, Per­so­nen­frei­zü­gig­keit, Ar­beits­plät­ze, Recht und Ord­nung. Trumps Vor­gän­ger woll­ten nicht dar­über re­den, die Mehr­heit der Wäh­ler schon. Das ist Demokratie.”

So­e­ren Kern ist ein Se­ni­or Fel­low am New Yor­ker Gatestone In­sti­tu­te. Er ist eben­falls Se­ni­or Fel­low für Eu­ro­päi­sche Po­li­tik am Ma­dri­der Gru­po de Estu­di­os Est­ra­té­gicos /​ Grup­pe für stra­te­gi­sche Stu­di­en. Fol­gen Sie ihm auf Face­book und Twit­ter.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone Instituts.

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