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Der Wes­ten un­ter­wirft sich Blas­phe­mie­ge­set­zen

Vor­wärts ins Mit­tel­al­ter!

Ju­dith Berg­mann, 3.3.2017, Gatestone In­sti­tu­te

  • „Jetzt, wo die Is­la­mo­pho­bie ver­ur­teilt wur­de, ist das nicht das En­de, son­dern der An­fang …” – der Mus­lim­bru­der­schaft na­he­ste­hen­der Sa­mer Ma­jz­oub, ka­na­di­sches mus­li­mi­sches Fo­rum.
  • Der Ge­set­zes­vor­stoss bie­tet im­mer noch kei­ne De­fi­ni­ti­on oder ir­gend­wel­che Sta­tis­ti­ken, um ih­re Be­haup­tung zu stüt­zen, dass „Is­la­mo­pho­bie” in Ka­na­da ein Pro­blem ist.
  • Al­ler­dings soll­te es kaum je­man­den scho­ckie­ren, dass dem ers­ten An­trag, der die Is­la­mo­pho­bie ver­ur­teilt, so rasch ein wei­te­rer Vor­stoss folg­te, der kon­kre­te Maß­nah­men der Re­gie­rungs for­dert.

Der Wes­ten un­ter­wirft sich Blas­phe­mie­ge­set­zen. Dä­ne­mark hat bei­spiels­wei­se an­schei­nend be­schlos­sen, dass jetzt die Zeit ist, ei­nen ver­staub­ten, al­ten Got­tes­läs­te­rungs­pa­ra­gra­phen her­vor­zu­kra­men. Dä­ne­mark hat im­mer noch ei­ne Be­stim­mung ge­gen Blas­phe­mie im Straf­ge­setz­buch, aber bis jetzt wur­de sie nur drei­mal an­ge­ru­fen. Das letz­te Mal war vor fast ei­nem hal­ben Jahr­hun­dert, im Jahr 1971. Dä­ne­marks Ge­ne­ral­staats­an­walt hat nichts­des­to­trotz so­eben ei­nen Mann der Ver­bren­nung ei­nes Ko­rans an­ge­klagt.

Im Wes­ten gilt die Blas­phe­mie als Straf­tat seit Jahr­hun­der­ten als Re­likt der Ver­gan­gen­heit. In ei­ner weit­ge­hend gott­lo­sen Ge­sell­schaft füh­len sich nur we­ni­ge Men­schen durch blas­phe­mi­sche Kom­men­ta­re oder Hand­lun­gen be­lei­digt. Chris­ten ge­hen nicht auf an­geb­li­che Läs­te­rer mit Ge­weh­ren und Mes­sern los, und Ver­le­ger ma­chen sich kei­ne Sor­gen um „be­lei­dig­te” Chris­ten.

Im Jahr 1997 fi­nan­zier­te der dä­ni­sche öffentlich-​rechtliche Rund­funk ei­nen Künst­ler, der ei­ne Bi­bel ver­brann­te und im na­tio­na­len Fern­se­hen aus­strahl­te. Nie­mand wur­de an­ge­klagt, ob­wohl es Be­schwer­den gab und der Staats­an­walt den Fall un­ter­such­te.

Den­noch wird ein dä­ni­scher Mann an­ge­klagt. Er ver­brann­te sei­nen ei­ge­nen Ko­ran in sei­nem ei­ge­nen Gar­ten und pos­te­te dann das Vi­deo in ei­ne öf­fent­li­che Facebook-​Gruppe „Ja zur Frei­heit, Nein zum Is­lam”, mit dem be­glei­ten­den Text „Neh­men Sie Rück­sicht auf Ih­ren Nach­barn, es stinkt, wenn er brennt”. Rechts­an­walt Jan Re­cken­dorff er­klär­te:

„Es ist die Auf­fas­sung der Staats­an­walt­schaft, daß die Um­stän­de der Ver­bren­nung von hei­li­gen Bü­chern wie der Bi­bel und dem Ko­ran im­pli­zie­ren, daß es in man­chen Fäl­len ei­ne Ver­let­zung des Got­tes­läs­te­rungs­ver­bots sein kann, die sich mit öf­fent­li­chem Spott oder ei­ner Ver­ach­tung ge­gen ei­ne Re­li­gi­on be­schäf­tigt. Es ist un­se­re Mei­nung, dass die Um­stän­de die­ses Fal­les ver­lan­gen, dass es straf­recht­lich ver­folgt wer­den muss, da­mit die Ge­rich­te die Mög­lich­keit ha­ben, sich in die­ser An­ge­le­gen­heit zu äu­ßern.”

Der Ge­ne­ral­staats­an­walt hat die Bi­bel wohl nur höf­lich­keits­hal­ber er­wähnt. Im­mer­hin wur­de in Dä­ne­mark nie­mand für die Ver­bren­nung ei­ner Bi­bel ver­folgt, noch nicht ein­mal ih­re öf­fent­li­che Ver­bren­nung im na­tio­na­len Fern­se­hen wur­de als hin­rei­chend be­lei­di­gend be­trach­tet. Der Ko­ran ist ein­deu­tig ei­ne ganz an­de­re Sa­che.

Die Ent­schei­dung hat ei­ne er­neu­te De­bat­te über die Ab­schaf­fung des Blasphemie-​Paragraphen in Dä­ne­mark her­vor­ge­ru­fen – ein The­ma, das re­gel­mä­ßig auf­poppt.

In Nor­we­gen wur­de das Blas­phe­mie­ver­bot im Jahr 2005 ab­ge­schafft. Ei­ne im Ja­nu­ar durch­ge­führ­te Um­fra­ge er­gab, dass 41% der nor­we­gi­schen Mus­li­me glau­ben, dass Blas­phe­mie be­straft wer­den soll­te, und 7% glau­ben, dass die Stra­fe für Got­tes­läs­te­rung, egal wo, ei­ne ka­pi­ta­le Stra­fe sein soll­te.

In Groß­bri­tan­ni­en wur­de min­des­tens ein Mann (im Jahr 2011) ge­richt­lich ver­folgt und ver­ur­teilt für die Ver­bren­nung des Ko­rans und meh­re­re wur­den 2010 und 2014 ver­haf­tet.

Die Durch­set­zung von Got­tes­läs­te­rungs­ver­bo­ten, die in ei­nem weit­ge­hend nach­christ­li­chen Eu­ro­pa so fehl am Platz sind, bringt das Mit­tel­al­ter zu­rück, als die Got­tes­läs­te­rung von der Kir­che hef­tig ver­folgt wur­de. Ist das wirk­lich an­ge­bracht in der mo­der­nen eu­ro­päi­schen Ge­sell­schaft, nach Jahr­hun­der­ten des Kamp­fes um die Re­de­frei­heit?

In Ka­na­da wer­den mitt­ler­wei­le Anti-​Islamophobie-​Gesetzesvorstösse, die all­mäh­lich al­le Kri­tik am Is­lam ver­bie­ten – und Teil der mus­li­mi­schen Got­tes­läs­te­rungs­ge­set­ze – ver­ab­schie­det. Das Par­la­ment von On­ta­rio hat im Fe­bru­ar ei­ne Anti-​Islamophobie-​Motion ein­stim­mig gut­ge­heis­sen. Die Mo­ti­on for­dert die Le­gis­la­ti­ve auf, „ge­gen al­le For­men von Hass, Feind­se­lig­keit, Vor­ur­tei­le, Ras­sis­mus und In­to­le­ranz ein­zu­ste­hen, die …wach­sen­de Flut anti-​muslimischer Rhe­to­rik und Ge­füh­le” und „al­le For­men von Is­la­mo­pho­bie zu ver­ur­tei­len”. Un­nö­tig zu sa­gen, dass kei­ne sol­chen Mo­tio­nen an­ge­nom­men wur­den, um das Ju­den­tum oder das Chris­ten­tum zu schüt­zen.

Im Ok­to­ber 2016 ver­ab­schie­de­te das ka­na­di­sche Na­tio­nal­par­la­ment ein­stim­mig ei­ne Anti-​Islamophobie-​Motion, die das Er­geb­nis ei­ner Pe­ti­ti­on war, die vom der Mus­lim­bru­der­schaft na­he­ste­hen­den Sa­mer Ma­jz­oub, Prä­si­dent des ka­na­di­schen Muslim-​Forums, ein­ge­reicht wur­de. Zu der Zeit wuss­te nie­mand, was sie ver­ur­teil­ten: Kri­tik am Is­lam? Kri­tik an Mus­li­men? Dis­kus­si­on dar­über, ob ISIS ei­ne wah­re Ma­ni­fes­ta­ti­on des Is­lam ist? Nie­mand wuss­te es, denn nie­mand hat­te sich die Mü­he ge­macht, es zu de­fi­nie­ren.

Die feh­len­de De­fi­ni­ti­on hat je­doch Iq­ra Kha­lid, ein Mit­glied des Par­la­ments von der re­gie­ren­den Li­be­ra­len Par­tei, nicht da­von ab­ge­hal­ten, ei­ne neue Mo­ti­on, Mo­ti­on M-​103, auf dem Rü­cken der vor­he­ri­gen im ka­na­di­schen Par­la­ment ein­zu­brin­gen. Die Mo­ti­on for­dert, dass „Is­la­mo­pho­bie” nicht nur ver­ur­teilt wird, son­dern dass die Re­gie­rung ein um­fas­sen­des Kon­zept zur Re­duk­ti­on oder Be­sei­ti­gung von Is­la­mo­pho­bie ent­wick­le. Die Mo­ti­on bie­tet im­mer noch kei­ne De­fi­ni­ti­on oder ir­gend­wel­che Sta­tis­ti­ken, um ih­re Be­haup­tung zu stüt­zen, dass „Is­la­mo­pho­bie” in Ka­na­da ein Pro­blem ist. Al­ler­dings soll­te es kaum scho­ckie­ren, dass der ers­te An­trag, der die Is­la­mo­pho­bie ver­ur­teilt, so schnell von ei­ner neu­en Mo­ti­on ge­folgt wur­de, die kon­kre­te Re­gie­rungs­maß­nah­men for­dert. Nach­dem die ers­te Mo­ti­on ein­stim­mig ver­ab­schie­det wor­den war, hat­te der Mann, der die ur­sprüng­li­che Pe­ti­ti­on in­iti­ier­te, Sa­mer Ma­jz­oub, fol­gen­des in ei­nem In­ter­view mit dem ka­na­di­schen Mus­lim Fo­rum zu sa­gen:

„Jetzt, wo Is­la­mo­pho­bie ver­ur­teilt wur­de, ist das nicht das En­de, son­dern der An­fang … Wir müs­sen wei­ter­hin po­li­tisch und so­zi­al und mit der Pres­se ar­bei­ten. Sie ha­ben an der Exis­tenz von Is­la­mo­pho­bie ge­zwei­felt, aber jetzt müs­sen wir uns dar­um kei­ne Sor­ge mehr ma­chen; al­le Blö­cke und po­li­ti­schen Per­sön­lich­kei­ten, die durch die obers­te ge­setz­ge­ben­de Au­to­ri­tät Ka­na­das ver­tre­ten sind, ha­ben von die­ser Exis­tenz ge­spro­chen. In der Of­fen­si­ve müs­sen wir die po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger da­zu brin­gen, et­was zu tun, be­son­ders wenn es um die Li­be­ra­len geht, die ei­ne deut­li­che Of­fen­heit ge­zeigt ha­ben In Be­zug auf Mus­li­me und al­le Eth­ni­en … Al­le von uns müs­sen hart ar­bei­ten, um un­se­ren fried­li­chen, so­zia­len und hu­ma­ni­tä­ren Kampf zu er­hal­ten, so dass Ver­ur­tei­lung von ei­ner um­fas­sen­den Po­li­tik ge­folgt wird.”

Wünscht der Wes­ten wirk­lich, dass es wie­der zu den In­qui­si­tio­nen des Mit­tel­al­ters kommt?

Ju­dith Berg­man ist Schrift­stel­le­rin, Ko­lum­nis­tin, An­wäl­tin und po­li­ti­sche Ana­lys­tin.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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