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Zum To­de ver­ur­teilt we­gen „Be­lei­di­gung des Is­lam”

Ma­jid Ra­fiz­adeh, 7.4.2017, Gatestone In­sti­tu­te

  • Kön­nen Sie sich vor­stel­len, ei­nen Witz zu ma­chen und des­we­gen ein To­des­ur­teil zu be­kom­men?
  • „Wäh­rend sei­nes Ver­hörs wur­de Si­na ge­sagt, wenn er ein Ge­ständ­nis un­ter­schrei­be und be­reue, dass er be­gna­digt und frei­ge­las­sen wür­de”, sag­te die Quel­le in ei­nem In­ter­view mit CHRI am 21. März 2017. „Lei­der hat er ei­ne kind­li­che Ent­schei­dung ge­trof­fen und die An­schul­di­gun­gen ak­zep­tiert. Dann ha­ben sie ihn zum To­de ver­ur­teilt.” „Spä­ter gab er zu, dass er das Ge­ständ­nis un­ter­schrie­ben ha­be in der Hoff­nung, frei­ge­las­sen zu wer­den”, sag­te die Quel­le. „An­schei­nend ha­ben die Be­hör­den ihn da­zu ge­bracht, sein Ge­ständ­nis auch vor ei­ner Ka­me­ra aus­zu­spre­chen.” – Zen­trum für Men­schen­rech­te im Iran (CHRI).
  • Wenn die Is­la­mis­ten an die Macht kom­men, schaf­fen sie so­fort ihr ei­ge­nes „Jus­tiz­sys­tem”, um ih­re Um­set­zung des Scharia-​Gesetzes zu „le­gi­ti­mie­ren”. Tat­säch­lich wird das Jus­tiz­sys­tem we­ni­ger als Werk­zeug be­nutzt, um die Men­schen vor Ge­richt zu brin­gen, son­dern mehr als ein Werk­zeug, um die Re­de­frei­heit und die Pres­se zu un­ter­drü­cken.

Si­na Deh­ghan, 21, wur­de im Iran we­gen „Be­lei­di­gung des Is­lam” zum To­de ver­ur­teilt. Es gibt vie­le Men­schen wie ihn im Iran, die der­zeit in­haf­tiert sind, täg­lich ge­fol­tert wer­den oder auf ih­re Hin­rich­tung we­gen „Be­lei­di­gung des Is­lam”, „Be­lei­di­gung des Pro­phe­ten”, oder „Be­lei­di­gung des Obers­ten Füh­rers” war­ten – die Bei­spie­le sind end­los. (Bild­quel­le: Zen­trum für Men­schen­rech­te im Iran)

Für ra­di­ka­le is­la­mis­ti­sche Grup­pen ist der Is­lam kei­ne Re­li­gi­on, die zu be­fol­gen den Leu­ten frei­steht; Er ist ei­ne Waf­fe. Er ist das mäch­tigs­te Werk­zeug, das mit ma­ni­pu­la­ti­ven Fä­hig­kei­ten um­ge­schmie­det wer­den kann, um gan­ze Po­pu­la­tio­nen zu kon­trol­lie­ren. Un­ter ih­rer grim­mi­gen Herr­schaft wird je­der As­pekt des täg­li­chen Le­bens dik­tiert. Was an Klei­dung ge­tra­gen wird, was ge­ges­sen wird, was man sagt und was man schreibt, al­les wird kon­trol­liert; Ver­stö­ße ge­gen die­se stren­gen Ge­set­ze wer­den mit dra­ko­ni­schen Stra­fen be­legt. Kön­nen Sie sich vor­stel­len, ei­nen Witz zu ma­chen und da­für ein To­des­ur­teil zu be­kom­men? Kön­nen Sie sich die stän­di­ge Angst vor­stel­len, das Fal­sche zu tun, das Fal­sche zu sa­gen, wenn Sie ge­se­hen ha­ben, wie Men­schen ge­schla­gen, ge­stei­nigt oder auf der Stra­ße für nichts mehr als ei­ne mil­de Über­tre­tung ge­tö­tet wur­den?

Re­de­frei­heit und Pres­se­frei­heit sind die Top-​Feinde der Is­la­mis­ten. Sie sind re­gel­mä­ßig Ziel­schei­ben, so dass es schwie­rig oder un­mög­lich ist, dass die Wahr­heit der Welt of­fen­bart wird. Wäh­rend an­de­re ih­re Pri­vat­sphä­re für selbst­ver­ständ­lich hal­ten kön­nen, müs­sen die Men­schen, die un­ter die­ser Art von Ty­ran­nei le­ben, über al­les nach­den­ken, was sie sa­gen und tun. Manch­mal wen­den sich so­gar die tap­fers­ten See­len ab an­ge­sichts sol­cher Ein­schüch­te­rung. Kann es wirk­lich so re­strik­tiv sein wie be­schrie­ben? Ja, und noch viel schlim­mer als man es sich vor­stel­len kann.

Si­na Deh­ghan, 21, wur­de zum Bei­spiel von ira­ni­schen is­la­mi­schen Re­vo­lu­ti­ons­gar­den (IRGC) ver­haf­tet, als er 19 war, we­gen „Be­lei­di­gung des Is­lam”. Es wur­de An­kla­ge ge­gen ihn er­ho­ben, dass er den Pro­phe­ten Mo­ham­med auf der Messa­ging App LINE be­lei­digt ha­be.

Nach dem Zen­trum für Men­schen­rech­te im Iran (CHRI):

„Wäh­rend sei­nes Ver­hörs wur­de Si­na ge­sagt, dass, wenn er ein Ge­ständ­nis un­ter­schrieb und be­reu­te, er be­gna­digt und frei­ge­las­sen wür­de”, sag­te die Quel­le in ei­nem In­ter­view mit CHRI am 21. März 2017. „Lei­der hat er ei­ne kind­li­che Ent­schei­dung ge­trof­fen und die An­schul­di­gun­gen ak­zep­tiert, dann ha­ben sie ihn zum To­de ver­ur­teilt.” „Spä­ter gab er zu, dass er das Ge­ständ­nis un­ter­schrieb, in der Hoff­nung, sich da­mit zu be­frei­en”, sag­te die Quel­le. „An­schei­nend ha­ben die Be­hör­den ihn aus­ser­dem da­zu über­re­det, vor ei­ner Ka­me­ra zu ge­ste­hen.”

Ein sol­ches Ur­teil mag wie Wahn­sinn er­schei­nen, aber in Wirk­lich­keit gibt es ein kal­tes und kal­ku­lier­tes Mus­ter für die­se Ak­tio­nen. Wenn ex­tre­mis­ti­sche Mus­li­me Macht ge­win­nen, schaf­fen sie so­fort ihr ei­ge­nes „Jus­tiz­sys­tem”, um ih­re Um­set­zung des Scharia-​Gesetzes zu „le­gi­ti­mie­ren”. Die­ses Jus­tiz­sys­tem wird in der Tat we­ni­ger als Werk­zeug ver­wen­det, um die Men­schen vor Ge­richt zu brin­gen, son­dern mehr als Werk­zeug, um die Re­de­frei­heit und die Pres­se­frei­heit zu un­ter­drü­cken. So­bald die­se Stil­le si­cher­ge­stellt ist, kön­nen sie die gan­ze Ge­sell­schaft un­ter­drü­cken, je­de an­ge­hen­de Op­po­si­ti­on zu­rück­bin­den, un­schul­di­ge Men­schen in­haf­tie­ren und quä­len und Tau­sen­de zum To­de ver­ur­tei­len.

Durch die Ver­haf­tung, das Fol­tern und das Hän­gen von idea­lis­ti­schen und re­bel­li­schen Ju­gend­li­chen nut­zen die herr­schen­den Po­li­ti­ker und das is­la­mis­ti­sche Jus­tiz­sys­tem sie als Ex­em­pel, um ei­ne Nach­richt an Mil­lio­nen von Men­schen zu schi­cken, dass sie nie­man­den to­le­rie­ren, der sich ih­rer re­li­giö­sen oder po­li­ti­schen Sicht­wei­se wi­der­setzt.

Ra­di­ka­le is­la­mis­ti­sche Grup­pen ha­ben die glei­che Tak­tik in an­de­ren Na­tio­nen be­nutzt, um Angst und Schre­cken in der Öf­fent­lich­keit zu ver­brei­ten. Sie zie­len dar­auf ab, Men­schen zum Schwei­gen zu brin­gen und sie un­ter­wür­fig zu ma­chen. So­bald sie die Kon­trol­le ha­ben, wer­den sie vor nichts halt ma­chen, um sie zu be­hal­ten.

Wenn man sich der Re­li­gi­on der Is­la­mis­ten ein­mal un­ter­wirft, dann ge­hö­ren Ih­re Re­de­frei­heit und Pres­se­frei­heit Al­lah. Ih­re ein­zi­ge Auf­ga­be ist es nun, still zu sein und Ge­hor­sam aus­zu­üben, und Ih­rem re­li­giö­sen Füh­rer, dem Imam, Scheich oder velayat-​e faqih („Vor­mund­schaft des is­la­mi­schen Ju­ris­ten”) zu fol­gen.

Wie es das Zen­trum für Men­schen­rech­te im Iran aus­drück­te:

„Die Sicherheits- und Jus­tiz­be­hör­den ver­spra­chen Sina’s Fa­mi­lie, dass er, wenn sie um sei­nen Fall kei­nen Lärm mach­ten, ei­ne bes­se­re Chan­ce hät­te, be­freit zu wer­den, und dass mit den Me­di­en über sei­nen Fall zu spre­chen ge­gen ihn ar­bei­ten wür­de”, füg­te die Quel­le hin­zu. „Lei­der glaub­te die Fa­mi­lie die­se Wor­te und hör­te auf, In­for­ma­tio­nen über sei­nen Fall zu tei­len und an­de­re zu er­mu­ti­gen, sie auch zu tei­len.” „Si­na fühlt sich nicht gut”, fuhr die Quel­le fort. „Er ist de­pri­miert und weint stän­dig, er wird in ei­ner Sta­ti­on mit Dro­gen­de­lin­quen­ten und Mör­dern ge­hal­ten, die vor ei­ner Wei­le sei­nen Kie­fer ge­bro­chen ha­ben.”

Für die herr­schen­den Is­la­mis­ten ist es egal, ob du dein Le­ben lang loy­al ge­we­sen bist. Wenn du nur ein­mal das Wort er­greifst oder dich ih­nen wi­der­setzt, wirst du eli­mi­niert. Wie CHRI ei­ne Quel­le zi­tier­te: „Er war ein 19-​jähriger Jun­ge zu der Zeit (sei­ner Ver­haf­tung) und hat­te noch nie in sei­nem Le­ben et­was falsch ge­macht.”

Ei­ner von Dehghan’s Mit­an­ge­klag­ten, Mo­ham­mad Nou­ri, wur­de auch zum To­de ver­ur­teilt, weil er anti-​islamische Kom­men­ta­re auf So­ci­al Me­dia ver­öf­fent­licht hat­te. Ein an­de­rer Mit­an­ge­klag­ter, Sa­har Elia­si, wur­de zu sie­ben Jah­ren ver­ur­teilt, spä­ter wur­de die Stra­fe auf drei Jah­re re­du­ziert.

Was be­deu­tet der Be­griff „anti-​islamisch” ge­nau in ei­nem is­la­mis­ti­schen Jus­tiz­sys­tem? Wenn ein To­des­ur­teil dar­auf steht, könn­te man da­von aus­ge­hen, dass die Pa­ra­me­ter des Ge­set­zes gut um­ris­sen wür­den. Das ist aber nicht der Fall. Für die herr­schen­den Is­la­mis­ten ist der Be­griff „anti-​islamisch” völ­lig zwei­deu­tig und sub­jek­tiv und kann sich auf al­les be­zie­hen, was ih­rer An­sicht oder ih­rer Macht wi­der­spricht. Was wie ei­ne un­schul­di­ge Be­mer­kung er­schei­nen mag, könn­te ein Le­ben für im­mer ver­än­dern.

Wenn sie so ge­walt­tä­ti­ge und un­ter­drü­cken­de Men­schen sind, kön­ne man sich fra­gen, wie sie je­mals in der La­ge wa­ren, an die Macht zu kom­men. Sie tun dies durch Ma­ni­pu­la­ti­on, Charme und un­zäh­li­ge fal­sche Ver­spre­chen.

Ei­ni­ge ra­di­ka­le Is­la­mis­ten ver­spre­chen den Men­schen, be­vor sie an die Macht kom­men, Gleich­heit, Ge­rech­tig­keit, Frie­den und ein weit bes­se­res Le­ben. Sie ap­pel­lie­ren an die Ju­gend­li­chen, an die Tra­di­tio­nen und an die Hoff­nung. Aber so­bald sie die Macht er­grei­fen, um­klam­mern sie al­le Frei­hei­ten, die ih­ren Leu­ten zur Ver­fü­gung ste­hen, mit ei­ser­nem Griff – ins­be­son­de­re die Re­de­frei­heit.

So­bald der ra­di­ka­le Is­lam die Macht er­langt, sein ei­ge­nes Jus­tiz­sys­tem ge­grün­det und das Rechts­sys­tem mit sei­nem Scharia-​Gesetz in­fil­triert hat, ist nie­mand mehr in der La­ge, die Re­gie­rung oder das po­li­ti­sche Es­ta­blish­ment zu kri­ti­sie­ren. In ei­ner ge­sell­schaft­li­chen Ord­nung, die vom ra­di­ka­len Is­lam re­giert wird, ist die Re­gie­rung der Is­lam; Die Re­gie­rung ist der Re­prä­sen­tant Al­lahs und des Pro­phe­ten Mo­ham­med. Herr­schen­de Po­li­ti­ker, die die Ge­set­ze er­las­sen, sind „gött­li­che” Fi­gu­ren, die an­geb­lich von Gott er­nannt wer­den. Sie dür­fen nicht in Fra­ge ge­stellt wer­den.

Es gibt vie­le Leu­te wie Si­na Deh­ghan, die der­zeit in­haf­tiert sind, täg­lich ge­fol­tert wer­den oder auf ih­re Hin­rich­tung we­gen „Be­lei­di­gung des Is­lam”, „Be­lei­di­gung des Pro­phe­ten”, „Be­lei­di­gung des Obers­ten Füh­rers” war­ten – die Bei­spie­le sind end­los. Das Pro­blem ist, dass wir nichts von die­sen Fäl­len hö­ren. Ei­ni­ge Me­di­en wei­gern sich rund­weg, über sie zu be­rich­ten, um die is­la­mi­sche Re­pu­blik Iran zu be­sänf­ti­gen – nur ein wei­te­rer Be­weis da­für, wie zwang­haft ih­re Macht sein kann. Der ein­zi­ge Weg, sie – und die Un­ter­drü­ckung und Ab­schlach­tung von so vie­len Men­schen – zu re­du­zie­ren, ist, die Auf­merk­sam­keit auf die Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu len­ken, die un­ter dem is­la­mi­schen Ban­ner der re­li­giö­sen „Le­gi­ti­mi­tät” und „Au­then­ti­zi­tät” durch­ge­führt wur­den.

Die­se Art von Ty­ran­nei ist ei­ne Ge­fahr, nicht nur für die­je­ni­gen, die sie er­lei­den müs­sen, son­dern für die Welt.

Dr. Ma­jid Ra­fiz­adeh, po­li­ti­scher Wis­sen­schaft­ler und Ab­sol­vent der Har­vard Uni­ver­si­ty ist Präi­dent des In­ter­na­tio­nal Ame­ri­can Coun­cil für den Na­hen Os­ten. Man er­reicht ihn un­ter Dr.rafizadeh@post.harvard.edu.

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Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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