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Eu­ro­pa: Was den Chris­ten dort ge­schieht, wird zu uns kom­men

Gi­ulio Meot­ti, 20.4.2017, Gates­to­ne In­sti­tu­te

  • „Pass auf, pass bloß auf. Was hier ge­sche­hen ist, wird zu euch kom­men.” – Ein äl­te­rer Pries­ter im Irak, zu Pa­ter Be­ne­dikt Kie­ly.
  • Im ver­gan­ge­nen Jahr sind mehr als 90.000 Men­schen aus der schwe­di­schen Kir­che aus­ge­tre­ten – fast dop­pelt so vie­le wie im Jahr zu­vor. Wäh­rend­des­sen sind in ei­nem Jahr 163.000 Mi­gran­ten ins Land ge­kom­men, die meis­ten von ih­nen mus­li­misch.
  • „Soll­te nicht die Fra­ge der Nah­öst­li­chen Chris­ten die eu­ro­päi­sche Zi­vi­li­sa­ti­on auf ih­re Ker­n­iden­ti­tät zu­rück brin­gen? Soll­ten wir in Eu­ro­pa und im Wes­ten uns nicht sa­gen, dass die­se An­grif­fe auch ge­gen uns ge­rich­tet sind?” – Ma­thieu Bock-​Côté, in Le Fi­ga­ro.

Die ka­tho­li­sche Erz­diö­ze­se St. An­d­rews und Edin­burgh un­ter der Lei­tung von Erz­bi­schof Leo Cush­ley (rechts) plant, die Zahl der Pfar­rei­en von mehr als 100 auf 30 zu sen­ken. (Bild­quel­le: La­wrence OP /​ Flickr)

„Ich fürch­te, wir nä­hern uns ei­ner Si­tua­ti­on, die dem tra­gi­schen Schick­sal des Chris­ten­tums in Nord­afri­ka in den frü­hen Ta­gen des Is­lam äh­nelt”, warn­te der lu­the­ri­sche Bi­schof Jobst Schoe­ne vor ei­ni­gen Jah­ren.

In al­ten Zei­ten ga­ben uns Al­ge­ri­en und Tu­ne­si­en, voll­stän­dig christ­lich, gro­ße Den­ker wie Ter­tul­li­an und Au­gus­ti­nus. Zwei Jahr­hun­der­te spä­ter war das Chris­ten­tum ver­schwun­den, er­setzt durch die arabisch-​islamische Zi­vi­li­sa­ti­on.

Er­lebt Eu­ro­pa nun das glei­che Schick­sal?

Im Na­hen Os­ten ist we­gen des is­la­mi­schen Ex­tre­mis­mus „das Chris­ten­tum im Irak vor­bei”; In Eu­ro­pa be­geht das Chris­ten­tum Selbst­mord.

Bin­nen 20 Jah­ren wer­den mus­li­mi­sche Frau­en mehr Ba­bys ge­bo­ren als christ­li­chen Frau­en welt­weit; Es ist nur das jüngs­te Zei­chen des schnel­len Wachs­tums, das den Is­lam bis zum En­de des Jahr­hun­derts zur größ­ten Re­li­gi­on der Welt zu ma­chen scheint, nach ei­ner neu­en Stu­die des Pew Re­se­arch Cen­ters.

„Das Chris­ten­tum stirbt in Eu­ro­pa buch­stäb­lich”, sag­te Con­rad Ha­ckett, der Lei­ter der For­scher, die am Pew-​Bericht ar­bei­te­ten.

Da­nach stieg die mus­li­mi­sche Be­völ­ke­rung zwi­schen 2010 und 2015 um mehr als 150 Mil­lio­nen Men­schen auf 1,8 Mil­li­ar­den an.

In Eu­ro­pa sind wie vie­le Chris­ten „ver­lo­ren” ge­gan­gen? Zwi­schen 2010 und 2015, „über­stie­gen die To­des­fäl­le die Ge­bur­ten um fast 6 Mil­lio­nen in die­ser kur­zen Zeit”.

In die­sem Tem­po wird das Chris­ten­tum in Eu­ro­pa ver­schwin­den.

Im glei­chen Zeit­rah­men über­stie­gen in den meis­ten eu­ro­päi­schen Län­dern – dar­un­ter Groß­bri­tan­ni­en, Deutsch­land, Ita­li­en und Russ­land – christ­li­che To­des­fäl­le christ­li­che Ge­bur­ten. „In Deutsch­land al­lein gab es zwi­schen 2010 und 2015 bei­spiels­wei­se schät­zungs­wei­se 1,4 Mil­lio­nen mehr christ­li­che To­des­fäl­le als Ge­bur­ten, ein Mus­ter, das vor­aus­sicht­lich in ganz Eu­ro­pa in den kom­men­den Jahr­zehn­ten wei­ter­ge­hen wird”, fand Pew her­aus. Es gibt kla­re Mus­ter an de­mo­gra­phi­schen Trends, Kir­chen­be­su­che, Pfar­reischlie­ßun­gen und die sin­ken­den Zahl der Pries­ter.

Die­se Mus­ter sind der Grund, war­um is­la­mi­sche Füh­rer wie der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan ei­nen de­mo­gra­phi­schen Krieg ge­gen Eu­ro­pa ge­führt ha­ben. „Du sollst nicht nur drei, son­dern fünf Kin­der ha­ben”, sag­te Er­do­gan zu Mus­li­men auf dem al­ten Kon­ti­nent. „Du bist die Zu­kunft Eu­ro­pas”. Die­ser Plan wird im Is­lam Hi­jrah ge­nannt: Er­wei­te­rung des Is­lam durch Mi­gra­ti­on, ba­sie­rend auf Mo­ham­meds Flucht von Mek­ka nach Me­di­na im Jah­re 622.

Das Chris­ten­tum in Nord­eu­ro­pa ist be­reits vom Athe­is­mus ge­schwächt wor­den, ein Trend, der mög­li­cher­wei­se durch mo­der­ne Fort­schrit­te in Wis­sen­schaft und Me­di­zin be­schleu­nigt wur­de. Der ame­ri­ka­ni­sche So­zio­lo­ge Phil Zu­cker­man ver­öf­fent­lich­te, nach­dem er mehr als ein Jahr in Skan­di­na­vi­en ver­bracht hat­te, ein Buch, Ge­sell­schaft oh­ne Gott. Vor kur­zem ha­ben nach ei­ner na­tio­na­len Wer­be­kam­pa­gne der Athe­is­ti­schen Ge­sell­schaft Tau­sen­de von Men­schen die dä­ni­sche Kir­che ver­las­sen. Die nor­we­gi­sche Staats­kir­che hat in ei­nem Mo­nat mehr als 25.000 Mit­glie­der ver­lo­ren. Im ver­gan­ge­nen Jahr sind mehr als 90.000 Men­schen aus der schwe­di­schen Kir­che aus­ge­tre­ten – fast dop­pelt so vie­le wie im Jahr zu­vor. Wäh­rend­des­sen sind in ei­nem Jahr 163.000 Mi­gran­ten ins Land ge­kom­men, die meis­ten von ih­nen mus­li­misch.

Das Chris­ten­tum kol­la­biert auch in Groß­bri­tan­ni­en. In Gross-​Manchester wer­den 20 Kir­chen bald schlie­ßen. Nach ei­ni­gen Be­rich­ten wird der An­gli­ka­nis­mus bis 2033 aus Groß­bri­tan­ni­en ver­schwin­den. Die Erz­diö­ze­se der Ka­tho­li­schen Kir­che von St. An­d­rews und Edin­burgh plant, die Zahl der Pfar­rei­en von mehr als 100 auf 30 zu sen­ken. Die Erz­diö­ze­se Glas­gow, bei wei­tem die größ­te des Lan­des, wird in Kür­ze – in­ner­halb von zwei Jahr­zehn­ten – nur noch 45 Pries­ter ha­ben und ver­mut­lich die Hälf­te ih­rer Pfar­rei­en still­le­gen. Stel­len Sie sich vor, ei­ne rie­si­ge ka­tho­li­sche Ge­mein­de wird die Hälf­te ih­rer Kir­chen schlie­ßen.

Ka­tho­li­ken in den Nie­der­lan­den se­hen sich auch ei­ner „Zu­kunft oh­ne Kir­chen” ge­gen­über. Kar­di­nal Wil­lem Ei­jk, Erz­bi­schof von Ut­recht, gab be­kannt, dass bis 2025 et­wa tau­send ka­tho­li­sche Pfar­rei­en schlie­ßen wer­den. „Wir sa­gen vor­aus, dass ein Drit­tel der ka­tho­li­schen Kir­chen bis 2020 und zwei Drit­tel bis 2025 ge­schlos­sen sein wird”, sag­te er.

Die meis­ten Kir­chen in Brüs­sel wer­den eben­falls ge­schlos­sen – 108 von ih­nen. Die Wie­ner Erz­diö­ze­se in Ös­ter­reich wird auch die meis­ten ih­rer Pfar­rei­en – 660 da­von – in den nächs­ten 10 Jah­ren li­qui­die­ren. Statt­des­sen wird die Erz­diö­ze­se sie in 150 grö­ße­re Pfar­rei­en ver­schmel­zen.

Man fin­det über­all in Eu­ro­pa ähn­li­che Zah­len, vom ka­tho­li­schen Spa­ni­en bis zum pro­tes­tan­ti­schen Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich.

Pa­ter Be­ne­dikt Kie­ly, ein ka­tho­li­scher Pries­ter, der nasarean.org grün­de­te, die ver­folg­ten Chris­ten im Na­hen Os­ten hilft, hat vor kur­zem ei­ni­ge Chris­ten ge­trof­fen, die von ISIS im Irak ver­folgt wer­den. Als er das Land ver­ließ, er­griff ein an­de­rer äl­te­rer Pries­ter, selbst ein Flücht­ling, Kie­lys Hand und sag­te zu ihm auf ara­bisch: „Pass auf, pass bloß auf, was hier pas­siert ist, wird zu dir kom­men”.

Wie uns die An­grif­fe ge­gen zwei kop­ti­sche christ­li­che Kir­chen in Ägyp­ten am Palm­sonn­tag er­in­nern, ist der Ver­nich­tungs­krieg ge­gen die Chris­ten im Na­hen Os­ten sehr re­al.

Der ka­na­di­sche Phi­lo­soph Ma­thieu Bock-​Côté schreibt in Le Fi­ga­ro:

„Die west­li­che Welt hat sich seit lan­gem an die Ver­fol­gung von Chris­ten im Na­hen Os­ten ge­wöhnt, als ob ihr schlech­tes Los un­ver­meid­lich wä­re und ein­fach ak­zep­tiert wer­den muss. Soll­te nicht die Fra­ge der Nah­öst­li­chen Chris­ten die eu­ro­päi­sche Zi­vi­li­sa­ti­on auf ih­re Ker­n­iden­ti­tät zu­rück brin­gen? Soll­ten wir in Eu­ro­pa und dem Wes­ten uns nicht sa­gen, dass die­se An­grif­fe auch ge­gen uns ge­rich­tet sind? ”

Eu­ro­pa hat seit lan­gem die­sen Krieg ge­gen das Chris­ten­tum auf sei­nem ei­ge­nen Bo­den er­lebt: der Ter­ror­an­griff auf ei­ne fran­zö­si­sche Kir­che in der Nor­man­die, in der is­la­mi­sche Ex­tre­mis­ten ei­nen Pries­ter vor dem Al­tar er­mor­de­ten; Der Terror-​Plot ge­gen die Ka­the­dra­le von Not­re Da­me; Die Dro­hung von ISIS, den Pe­ters­dom in ei­ne Mo­schee zu ver­wan­deln; Der töd­li­che Ter­ror­an­griff auf ei­nen Weih­nachts­markt in Ber­lin, um nur ei­ni­ge zu nen­nen.

„Die Mut­ter­spra­che Eu­ro­pas ist das Chris­ten­tum”, sag­te der gro­ße deut­sche Schrift­stel­ler Jo­hann Wolf­gang von Goe­the – kein Papst. Viel­leicht wird die­se Spra­che in Zu­kunft wie­der stark sein. Viel­leicht wer­den die Pries­ter das Chris­ten­tum in Lon­don, Brüs­sel und Pa­ris le­ben­dig hal­ten. Könn­te sein. Aber das ist in Nord­afri­ka nicht ge­sche­hen.

Mitt­ler­wei­le hat sich Goe­thes „Mut­ter­spra­che” in Eu­ro­pa zu ei­nem kaum er­kenn­ba­ren Flüs­tern re­du­ziert. Statt­des­sen hört man die „is­la­mi­sche Spra­che”, die je­des Jahr stär­ker wird.

Gi­ulio Meot­ti, Kul­tur­re­dak­tor für Il Fo­glio, ist ein ita­lie­ni­scher Jour­na­list und Au­tor.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gates­to­ne In­sti­tuts.

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