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Der gen­der­be­ses­se­ne Wes­ten stellt sich selbst die Fal­le des Auf­stiegs des Is­lam

Gi­ulio Meot­ti, 20.5.2017, Gatestone In­sti­tu­te

  • Fran­zö­si­sche Be­hör­den drän­gen Stu­den­ten lä­cher­li­che Bü­cher auf wie Dad­dy trägt ein Kleid. Es wä­re ko­misch ge­we­sen, wenn die fol­gen­den Jah­re nicht so tra­gisch ge­we­sen wä­ren. Was tat­säch­lich die­se fran­zö­si­schen Il­lu­sio­nen zer­stört hat, war der is­la­mi­sche Ter­ro­ris­mus.
  • Der ein­zi­ge Feind, den die­se fran­zö­si­schen Eli­ten kann­ten, wa­ren pa­tri­ar­cha­li­sche Pri­vi­le­gi­en, denn für sie kommt Herr­schaft aus­schließ­lich von wei­ßen, männ­li­chen Eu­ro­pä­ern.
  • Ob­ses­si­on mit Gen­der ist ei­ne be­que­me Ab­len­kung, um zu ver­mei­den, sich mit Din­gen be­schäf­ti­gen zu müs­sen, die schwie­ri­ger und we­ni­ger an­ge­nehm sind. Wenn der Wes­ten sich nicht ver­pflich­ten will, west­li­che Ge­sell­schaf­ten und Wer­te zu be­wah­ren, wird er fal­len. Und sein au­ßer­or­dent­li­cher Fort­schritt wird, zu­sam­men mit all die­sen Gen­der­rech­ten, von Dun­kel­heit über­deckt wer­den.

Will­kom­men an der pro­gres­si­ven „nächs­ten Gren­ze der ‚Be­frei­ung’”, wo die dring­lichs­te Fra­ge der west­li­chen De­mo­kra­ti­en „Gen­de­ris­mus” ist.

North Ca­ro­li­na er­litt ei­nen ein­jäh­ri­gen Boy­kott, bis es sein Transgender-​Toilettengesetz zu­rück­zog. Im ver­gan­ge­nen Mo­nat bat die Na­tio­na­le Leh­rer­ge­werk­schaft in Groß­bri­tan­ni­en die Re­gie­rung, Kin­der ab zwei Jah­ren in neu­en Transgender-​Theorien zu un­ter­rich­ten. New York hat vor kur­zem die ers­te „Trans-​Puppe” vor­ge­stellt. Ame­ri­ka­ni­sche Uni­ver­si­tä­ten sind hys­te­risch über die kor­rek­te Ver­wen­dung von neu­tra­len Pro­no­men. Auch Na­tio­nal Geo­gra­phic, an­statt über Lö­wen und Ele­fan­ten zu schrei­ben, be­gann, über die „Gender-​Revolution” zu be­rich­ten. Ei­ne der ers­ten An­kün­di­gun­gen von Em­ma­nu­el Ma­cron als ge­wähl­ter fran­zö­si­scher Prä­si­dent war, dass er Be­am­te aus ei­ner „Gen­der­gleich­heits”-Lis­te er­nen­nen wer­de.

Was be­deu­tet es, dass die­se Gender-​Manie je­de Ecke der west­li­chen Ge­sell­schaf­ten und Kul­tur durch­dringt? Laut Ca­mil­le Paglia, der ge­gen­läu­fi­gen Fe­mi­nis­tin, ist es ein Zei­chen des Nie­der­gangs der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on. In ih­rem neu­en Buch, Free Wo­men, Free Men, schreibt sie:

„Die Zi­vi­li­sa­tio­nen ha­ben im­mer wie­der­keh­ren­de Zy­klen durch­ge­macht.” Ex­tra­va­gan­zen von Gender-​Experimenten ge­hen dem kul­tu­rel­len Zu­sam­men­bruch vor­aus, wie sie es si­cher­lich in der Wei­ma­rer Re­pu­blik ge­tan ha­ben. „So wie da­mals gibt es Kräf­te, die sich au­ßer­halb der Gren­zen for­mie­ren, zer­streu­te fa­na­ti­sche Hor­den, wo der Kult der he­roi­schen Männ­lich­keit nach wie vor enor­me Kraft hat.”

Dann fragt sie:

„Wie ist es pas­siert, dass so vie­le der kühns­ten und ra­di­kals­ten Ju­gend­li­chen der Welt sich heu­te nur durch se­xu­el­le Iden­ti­tät de­fi­nie­ren? Es gab ei­nen Zu­sam­men­bruch der Per­spek­ti­ve, der si­cher­lich ge­misch­te Kon­se­quen­zen für un­se­re Kunst und Kul­tur hat und viel­leicht die Fä­hig­keit von west­li­chen Ge­sell­schaf­ten un­ter­gra­ben kann, die ve­he­ment ge­gen­sätz­li­chen Über­zeu­gun­gen von an­de­ren, die uns nichts gu­tes wün­schen, zu ver­ste­hen oder auf sie zu re­agie­ren. Transgender-​Phänomene ver­meh­ren sich und ver­brei­ten sich in „spä­ten” Pha­sen der Kul­tur, wenn sich re­li­giö­se, po­li­ti­sche und fa­mi­liä­re Tra­di­tio­nen ab­schwä­chen und Zi­vi­li­sa­tio­nen ih­ren Nie­der­gang be­gin­nen.”

Es ist kein Zu­fall, dass die­se Ob­ses­si­on mit Gen­der aus der west­li­chen Kul­tur her­aus in den neun­zi­ger Jah­ren ent­stand, dem Jahr­zehnt des Frie­dens und des Wohl­stands vor dem 11. Sep­tem­ber. Das Jahr­zehnt war frei von jeg­li­cher exis­ten­ti­el­ler Angst, kon­zen­trier­te sich auf den Monica-​Lewinski-​Skandal und wur­de von Fran­cis Fu­ku­y­a­mas „En­de der Ge­schich­te” do­mi­niert. Laut Rus­ty Re­no, Her­aus­ge­ber der First Things, ist die Gender-​Ideologie ein Sym­bol für un­se­re Epo­che der „Schwä­chung” und zeigt auf ei­ne glo­ba­li­sier­te Zu­kunft, die von den Herd­göt­tern der Ge­sund­heit, des Reich­tums und der Freu­de re­giert wird. Die Ho­he­pries­ter die­ser Ideo­lo­gie be­rück­sich­tig­ten je­doch nicht den Auf­stieg des ra­di­ka­len Is­lam.

Be­vor die fran­zö­si­schen Städ­te Pa­ris, Niz­za und Rou­en un­ter den An­griff der Dschi­ha­dis­ten ge­rie­ten, hat­te die französisch-​sozialistische Re­gie­rung nur ei­ne kul­tu­rel­le Prio­ri­tät: das „ABC der Gleich­stel­lung der Ge­schlech­ter”. Der Na­me kommt von ei­nem um­strit­te­nen Pro­gramm, das Frank­reichs Frau­en­rechts­mi­nis­te­rin Najat Vallaud-​Belkacem in 500 Schu­len ge­star­tet hat­te.

Nach der Ge­neh­mi­gung der gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe glaub­te die fran­zö­si­sche Re­gie­rung of­fen­sicht­lich, dass sie auch ei­ne kul­tu­rel­le Re­vo­lu­ti­on för­dern müs­se. Laut Bil­dungs­mi­nis­ter Be­noît Ha­mon, der bei den letz­ten Prä­si­dent­schafts­wah­len kläg­lich ver­sagt hat, sind die Schu­len „ein Schlacht­feld”. Die Hälf­te der Schü­ler boy­kot­tier­te den Un­ter­richt in „Gen­der­theo­rie”. Dann ha­ben fran­zö­si­sche Be­hör­den den Stu­den­ten lä­cher­li­che Bü­cher wie Dad­dy trägt ein Kleid auf­ge­drängt. Es wä­re ko­misch ge­we­sen, wenn die fol­gen­den Jah­re nicht so tra­gisch ge­we­sen wä­ren. Was tat­säch­lich die­se fran­zö­si­schen Il­lu­sio­nen zer­stört hat, war der is­la­mi­sche Ter­ro­ris­mus.

Die Aus­wir­kung die­ser Gender-​Ideologie auf die west­li­che Kul­tur ist die Ab­leh­nung des kri­ti­schen Geis­tes in Ver­bin­dung mit ei­nem „Kitsch-​Appell an die Sen­ti­men­ta­li­tät, ge­gen die Ver­nunft”. Die glei­che gen­der­be­ses­se­ne Kul­tur wei­gert sich, den Bur­ki­ni als is­la­mis­ti­sches Werk­zeug zu se­hen und ver­wan­delt ihn statt­des­sen in ein Sym­bol der Men­schen­rech­te. Die Kon­se­quenz ist, dass die dschi­ha­dis­ti­sche Be­dro­hung nur als ei­ne un­an­nehm­ba­re Stö­rung der west­li­chen Le­bens­sti­le wahr­ge­nom­men wird. Eu­ro­pa ris­kiert, al­le sei­ne his­to­ri­schen Ge­schen­ke zu ver­lie­ren: Men­schen­wür­de, Ge­wis­sens­frei­heit, Re­li­gi­ons­frei­heit, Mei­nungs­äu­ße­rung­frei­heit und sei­ne ko­los­sa­le Kul­tur.

Die ero­to­kra­ti­schen fran­zö­si­schen Eli­ten wa­ren nicht vor­be­rei­tet auf das, was sich als der schwers­te Ter­ror­an­griff seit 911 her­aus­stell­te. Frank­reich, das vom „ABC der Gleich­heit” be­ses­sen war, wur­de un­vor­be­rei­tet und in Er­war­tung, ab­zu­rüs­ten, ge­trof­fen, als Ter­ro­ris­ten es am Tag der Fei­er der Gleich­heit an­grif­fen. In Frank­reich gab es ein­fach kei­nen öf­fent­li­chen Wi­der­stand ge­gen das Scharia-​Gesetz und die dschi­ha­dis­ti­sche Ideo­lo­gie. Ver­gif­tet mit der Ob­so­les­zenz der Iden­ti­tät, war der ein­zi­ge Feind, den die­se fran­zö­si­schen Eli­ten ken­nen, pa­tri­ar­cha­li­sche Pri­vi­le­gi­en, denn für sie kommt Herr­schaft aus­schließ­lich von wei­ßen, männ­li­chen Eu­ro­pä­ern.

Die Prä­si­dent­schaft von Em­ma­nu­el Ma­cron wur­de be­reits von Gender-​Aktivisten ge­fei­ert. „Ma­cron ist wie ein Hauch fri­scher Luft in die­sem Land”, sag­te Na­t­acha Hen­ry, ei­ne Schrift­stel­le­rin über Gen­der­fra­gen, der New York Times. „Ich glau­be, er hat ge­won­nen, weil er kei­ne Macho-​Leistung ge­bracht hat, und das ist es, was wir brau­chen.”

Die An­äs­the­sie­rung durch ei­ne Ob­ses­si­on mit Gen­der­rech­ten scheint nach Ter­ror­an­grif­fen zu ei­ner star­ren Fi­xie­rung der Län­der ge­wor­den zu sein. Bald nach­dem die Dschi­ha­dis­ten im Jahr 2004 auf Spa­ni­en ge­zielt hat­ten und es ge­zwun­gen hat­ten, sei­ne Trup­pen aus dem Irak zu­rück­zu­zie­hen, um­arm­te die so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung von Jo­se Lu­is Za­pa­tero das Nar­ra­tiv der Gen­der­ideo­lo­gie, ein­schließ­lich des gay-​freundlichen „Diversity”-Trainings an den Grund­schu­len. Das „Zapatero-​Projekt” ba­sier­te auf dem „Hohn der Na­tur, der Neu­erfin­dung von dem, was mensch­lich ist, die Er­hö­hung des Ver­lan­gens”. Die Jah­re des ehe­ma­li­gen US-​Präsident Ba­rack Oba­ma wur­den auch durch ei­ne „Ob­ses­si­on” mit Transgender-​Rechten ge­prägt. Ob­ses­si­on mit Gen­der ist ei­ne be­que­me Ab­len­kung, um Din­ge zu ver­mei­den, die schwie­ri­ger und we­ni­ger an­ge­nehm sind.

Es gibt ein Sprich­wort, dass Zi­vi­li­sa­tio­nen von in­nen zer­stört wer­den kön­nen, statt durch Ar­me­en von au­ßen. Wenn der Wes­ten sich nicht ver­pflich­ten will, west­li­che Ge­sell­schaf­ten und Wer­te zu be­wah­ren, wird er fal­len. Und sein au­ßer­or­dent­li­cher Fort­schritt, zu­sam­men mit all die­sen Gen­der­rech­ten, wird durch die Dun­kel­heit über­deckt.

Laut Ca­mil­le Paglia: „Ei­ne rein sä­ku­la­re Kul­tur ris­kiert Hohl­heit und, pa­ra­do­xer­wei­se, stellt selbst die Fal­le des Auf­stiegs fun­da­men­ta­lis­ti­scher Be­we­gun­gen auf, die omi­nös ver­spre­chen, zu rei­ni­gen und zu dis­zi­pli­nie­ren”. Wie et­wa – be­nen­nen wir es – der ra­di­ka­le Is­lam.

Gi­ulio Meot­ti, Kul­tur­re­dak­tor für Il Fo­glio, ist ita­lie­ni­scher Jour­na­list und Au­tor


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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