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Pa­läs­ti­na schön­fär­ben, um Is­ra­el zu be­sei­ti­gen: Der Fall der Einstaaten-​Advokaten

Jo­seph S. Spo­erl, 12.4.2016, Je­ru­sa­lem Cen­ter for Pu­blic Af­fairs

Über­sicht

Ei­ne zu­neh­men­de Mo­de­strö­mung un­ter den selbst­er­nann­ten „Pro­gres­si­ven” ist die Be­für­wor­tung der „Ein­staa­ten­lö­sung” des israelisch-​palästinensischen Kon­flikts. Die­se „Lö­sung” stellt sich ei­nen ein­zi­gen „sä­ku­la­ren, li­be­ra­len und de­mo­kra­ti­schen Staat” vor, der sich über das ge­sam­te ehe­ma­li­ge Man­dats­ge­biet Pa­läs­ti­na er­streckt, mit ei­nem um­fas­sen­den „Rück­kehr­recht” für Mil­lio­nen von pa­läs­ti­nen­si­schen „Flücht­lin­gen”. Es gibt je­doch ei­nen ernst­haf­ten blin­den Fleck in der Ar­gu­men­ta­ti­on der Ein­staa­ten­be­für­wor­ter, der mit ih­rem Um­gang mit der pa­läs­ti­nen­si­schen po­li­ti­schen Kul­tur zu tun hat, in Ver­gan­gen­heit und Ge­gen­wart. Die Ein­staa­ten­be­für­wor­ter be­schö­ni­gen sys­te­ma­tisch die pa­läs­ti­nen­si­sche po­li­ti­sche Kul­tur durch leug­nen, igno­rie­ren oder ver­schlei­ern ih­rer is­la­mi­schen, is­la­mis­ti­schen und an­ti­se­mi­ti­schen As­pek­te. Ihr Ziel ist es, ih­re Le­ser von den il­li­be­ra­len, un­de­mo­kra­ti­schen As­pek­ten der pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­sell­schaft ab­zu­len­ken, um den Fo­kus un­er­bitt­lich auf die wirk­li­chen oder ver­meint­li­chen Sün­den Is­ra­els zu hef­ten. Sie nut­zen Pro­pa­gan­da als In­stru­ment des Krie­ges, um Is­ra­el der Le­gi­ti­mi­tät und in­ter­na­tio­na­len Un­ter­stüt­zung zu be­rau­ben und die gut mei­nen­den, aber nicht in­for­mier­ten Le­ser über die sehr rea­len Ri­si­ken hin­weg­zu­täu­schen, dass Ju­den als Min­der­heit un­ter ei­ner ara­bi­schen und mus­li­mi­schen Mehr­heit le­ben wür­den in ei­nem wie­der­ver­ei­nig­ten Pa­läs­ti­na.

Ein­füh­rung1

Der Kampf dar­um, das zio­nis­ti­sche Pro­jekt zu ver­ei­teln, hat im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert vie­le For­men an­ge­nom­men, ein­schliess­lich Ter­ro­ris­mus, kon­ven­tio­nel­len Krieg, Pro­pa­gan­da, di­plo­ma­ti­schen Druck, Han­dels­boy­kot­te und re­li­giö­se Mo­bi­li­sie­rung. Im Lau­fe der letz­ten zehn Jah­re ha­ben an­ti­is­rae­li­sche Ak­ti­vis­ten vor al­lem im Wes­ten ei­ne neue Tak­tik ein­ge­schla­gen, die die un­voll­kom­me­ne Wirk­lich­keit Is­ra­els mit der per­fek­ten Uto­pie ei­nes ein­zi­gen li­be­ra­len, lai­zis­ti­schen, de­mo­kra­ti­schen Staa­tes im gan­zen ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Man­dats­ge­biet Pa­läs­ti­na zu kon­tras­tiert, in dem Ju­den und nicht-​Juden voll­kom­me­ne Gleich­heit ge­nies­sen wür­den. Wäh­rend das Be­für­wor­ten der Idee des ein­zi­gen sä­ku­la­ren de­mo­kra­ti­schen Staa­tes seit Mit­te der 1960er und 1970er Jah­re ein Teil der Pro­pa­gan­da der Pa­läs­ti­nen­si­schen Be­frei­ungs­or­ga­ni­sa­ti­on ge­we­sen ist, ha­ben die Be­für­wor­ter der Ein­staa­ten­lö­sung die­se mit neu­er Kraft wie­der­be­lebt. Da je­de rea­le Ge­sell­schaft schlecht aus­sieht im Ver­gleich mit ei­ner hy­po­the­ti­schen Uto­pie, er­mög­licht die­se Tak­tik anti-​israelischen Ak­ti­vis­ten, die is­rae­li­sche Ge­sell­schaft in har­ten ne­ga­ti­ven Wor­ten dar­zu­stel­len. Es er­mög­licht ih­nen auch, die „Zwei­staa­ten­lö­sung” mit der Be­grün­dung ab­zu­leh­nen, dass sie die per­fek­te Ge­rech­tig­keit ih­rer vor­ge­stell­ten Uto­pie nicht er­reicht. In der Ab­leh­nung der Zwei­staa­ten­lö­sung zie­len sie dar­auf ab, den Kampf ge­gen Is­ra­el auf un­be­stimm­te Zeit am Le­ben zu er­hal­ten.

Es gibt ei­ne zio­nis­ti­sche Ver­si­on der ist „Ein-​Staaten-​Lösung”, 2, aber der Schwer­punkt die­ses Ar­ti­kels liegt auf der anti-​zionistischen Ver­si­on. Die vor­ge­schla­ge­ne Lö­sung wür­de die „Rück­kehr­recht ” für al­le pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge von 1948 und ih­re Nach­kom­men sind, mit ei­nem Aus­gleich für Ver­lus­te, die sie im Jahr 1948 er­lit­ten hat, so­wie die Ab­schaf­fung je­der an­geb­li­chen Dis­kri­mi­nie­rung zu­guns­ten von Ju­den oder ge­gen Nicht­ju­den , in­ner­halb ein ein­zi­ger Staat das ge­sam­te Ge­biet des ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Man­dats­ge­biet Pa­läs­ti­na um­fasst. Wenn um­ge­setzt, wür­de die „Ein-​Staaten-​Lösung” schnell Ju­den sich in ei­ne Min­der­heit in ei­ner Mehr­heit ara­bi­schen pa­läs­ti­nen­si­schen state.3

Es gibt ei­ne zio­nis­ti­sche Ver­si­on der ist „Ein-​Staaten-​Lösung”,2 doch der Schwer­punkt die­ses Ar­ti­kels liegt auf der anti-​zionistischen Ver­si­on. Die vor­ge­schla­ge­ne Lö­sung wür­de das „Rück­kehr­recht ” für al­le pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge von 1948 und ih­re Nach­kom­men ein­schlies­sen, mit ei­ner Kom­pen­sa­ti­ons­zahloung für al­le Ver­lus­te, die sie im Jahr 1948 er­lit­ten ha­ben, so­wie der Ab­schaf­fung je­der an­geb­li­chen Dis­kri­mi­nie­rung zu­guns­ten von Ju­den oder ge­gen Nicht­ju­den, in­ner­halb ei­nes ein­zi­gen Staa­tes, der das ge­sam­te Ge­biet des ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Man­dats­ge­biets Pa­läs­ti­na um­fasst. Wenn um­ge­setzt, wür­de die­se „Ein­staa­ten­lö­sung” schnell die Ju­den in die Min­der­heit ver­set­zen in ei­nem mehr­heit­lich ara­bi­schen pa­läs­ti­nen­si­schen Staat3

Einstaaten-​Befürworter sind be­geis­ter­te Er­zäh­ler vom, wie es Mar­tin Kra­mer nann­te, „My­thos des pa­läs­ti­nen­si­schen Son­der­wegs.„4 Nach die­sem My­thos ha­ben die Pa­läs­ti­nen­ser ei­ne po­li­ti­sche Kul­tur, die ge­kenn­zeich­net ist von Gleich­heit, De­mo­kra­tie, To­le­ranz, Ge­walt­lo­sig­keit, frei­er De­bat­te und Re­spekt für un­ter­schied­li­che Stand­punk­te. Wenn das wahr wä­re, wür­de dies die pa­läs­ti­nen­si­sche Na­tio­nal­be­we­gung in der ara­bi­schen Welt aus­ser­ge­wöhn­lich ma­chen. Denn in kei­nem an­de­ren ara­bi­schen Land gibt es ei­ne sol­che po­li­ti­sche Kul­tur. In der Tat, als schliess­lich die Pa­läs­ti­nen­ser die Mög­lich­keit hat­ten, ei­nen Staat auf­zu­bau­en in der West­bank und im Ga­za­strei­fen nach 1993, das heisst, die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de zu schaf­fen, schu­fen sie ei­ne kor­rup­te, re­pres­si­ve Ty­ran­nei, die die­je­ni­gen ent­täusch­te, die un­ter ihr zu le­ben ver­dammt wa­ren.5 Mit an­de­ren Wor­ten, das Ré­gime, das von Jas­sir Ara­fat ge­grün­det wur­de, „wich nicht we­sent­lich von der herr­schen­den ara­bi­schen Norm ab.„6 Das Hamas-​Régime in Ga­za ist noch schlim­mer. Doch das Schei­tern der Pa­läs­ti­nen­ser, ei­nen ei­ge­nen „sä­ku­la­ren, li­be­ra­len, de­mo­kra­ti­schen Staat” auf dem von ih­nen kon­trol­lier­ten Ter­ri­to­ri­um auf­zu­bau­en, hat die Einstaaten-​Befürworter nicht da­zu ge­bracht, ir­gend­wel­che Zwei­fel dar­über zu ent­wi­ckeln, wel­che Art von Staat ei­ne ara­bi­sche und mus­li­mi­sche Mehr­heit schaf­fen wür­de in ei­nem zu­künf­ti­gen ver­ein­ten Pa­läs­ti­na. Statt­des­sen grei­fen sie ein­fach je­den als „ras­sis­tisch” an, der es wagt, Zwei­fel an ei­nem sol­chen Staat zu er­he­ben. In sei­ner Kri­tik am Ein­staa­ten­pro­gramm, hat der palästinensisch-​amerikanische Ge­lehr­te Hus­sein Ibish im­mer­hin die Ehr­lich­keit, an­zu­er­ken­nen, dass „Exis­tenz­ängs­te” un­ter is­rae­li­schen Ju­den noch ver­schärft wer­den durch den schlech­ten Zu­stand der eth­ni­schen und kon­fes­sio­nel­len Ko­exis­tenz im Na­hen Os­ten im All­ge­mei­nen. Er fügt hin­zu:

Es wä­re nicht ver­tret­bar, zu be­haup­ten, dass der zeit­ge­nös­si­sche Na­he Os­ten ein re­gio­na­les po­li­ti­sches Kli­ma des Plu­ra­lis­mus und ge­rech­ter sek­tie­re­ri­scher und eth­ni­scher Macht­tei­lung be­güns­tigt. Eth­ni­sche und re­li­giö­se Kon­flik­te im Li­ba­non, Irak, Tür­kei und vie­len an­de­ren Staa­ten des Na­hen Os­tens zei­gen, dass das po­li­ti­sche Kli­ma auf­ge­klär­te Wech­sel­sei­tig­keit auf der Grund­la­ge ge­mein­sa­mer In­ter­es­sen nicht be­güns­tigt.7

Seit Ibish die­se Wor­te im Jahr 2009 ge­schrie­ben hat, ha­ben sich die eth­ni­schen und re­li­giö­sen Kon­flik­te im Na­hen Os­ten ver­schlech­tert. Ibishs Punkt scheint of­fen­sicht­lich für je­den, der die Nach­richt ver­folgt, doch Einstaaten-​Befürworter brin­gen nicht ge­nug Ehr­lich­keit oder ge­sun­den Men­schen­ver­stand auf, das Of­fen­sicht­li­che zu­zu­ge­ben. In die­ser Hin­sicht glei­chen sie auf be­mer­kens­wer­te Wei­se den ah­nungs­lo­sen Pro­fes­so­ren der Nah­ost­stu­di­en, die Mar­tin Kra­mer scharf kri­ti­siert.8

Aus ei­ner brei­te­ren his­to­ri­schen Per­spek­ti­ve ist die Ein­staa­ten­be­we­gung nur der jüngs­te Aus­druck der lang­jäh­ri­gen Be­mü­hun­gen der Pa­läs­ti­nen­ser, Is­ra­el durch ei­nen Staat mit ei­ner ara­bi­schen Mehr­heit zu er­set­zen. In die­ser Hin­sicht hat sie viel mit der „Zwei­staa­ten­lö­sung” ge­mein­sam. 1970 kam ei­ne De­le­ga­ti­on der PLO, die Nord­viet­nam be­such­te, auf die Idee, die Stra­te­gie der nord­viet­na­me­si­schen Kom­mu­nis­ten zu imi­tie­ren, die im Jahr 1954 „der Tei­lung ih­res Lan­des in zwei Staa­ten zu­stimm­ten, wäh­rend sie auf ein Kräf­te­gleich­ge­wicht war­te­ten, das güns­ti­ger war für sie.„9 In den Wor­ten von Abu Iyad (Sa­lah Khal­af, 1933 – 1991), ei­nem der Füh­rer der Fa­tah und der PLO, wenn die Pa­läs­ti­nen­ser ei­nen Brü­cken­kopf in ei­nem Teil des ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Man­dats­ge­biet Pa­läs­ti­na an­ge­bo­ten wer­den soll­te, so „soll­ten wir wis­sen, wie wir das uns an­ge­bo­te­ne neh­men kön­nen, oh­ne un­ser stra­te­gi­sches Ziel ei­nes de­mo­kra­ti­schen Staa­tes in ganz Pa­läs­ti­na, in dem Ara­ber und Ju­den als gleich­be­rech­tig­te Bür­ger le­ben wür­den, auf­zu­ge­ben.„10 Zu die­sem Zweck be­schlos­sen die Pa­läs­ti­nen­ser im Jahr 1974, „ei­ne na­tio­na­le Re­gie­rung auf je­dem Teil von Pa­läs­ti­na zu grün­den, der be­freit wird.„11 Des­halb wa­ren aus pa­läs­ti­nen­si­scher Sicht die Oslo-​Abkommen le­dig­lich ei­ne ein­zel­ne Pha­se ih­res Plans, Is­ra­el zu be­sei­ti­gen.12 Die an­geb­li­che Ak­zep­tanz von Is­ra­els Exis­tenz­recht durch die PLO 1988 war ge­nau ge­nom­men nur ein un­red­li­cher tak­ti­scher Schach­zug.13 Ara­fats nach-​Oslo-​Terrorismus war ein wei­te­rer As­pekt des Plans, den Krieg ge­gen Is­ra­el von ei­ner ter­ri­to­ria­len Ba­sis in Pa­läs­ti­na aus fort­zu­set­zen. Da je­doch Is­ra­el sich hart­nä­ckig wei­gert, sich auf­zu­lö­sen, ver­fol­gen vie­le pa­läs­ti­nen­si­sche Ak­ti­vis­ten jetzt ei­ne an­de­re Tak­tik, den welt­weit ein­zi­gen jü­di­schen Staat auf­zu­lö­sen. Die Einstaaten- und die BDS-​Bewegung sind Bei­spie­le für sol­che Tak­tik.

Der Auf­stieg der Ein­staa­ten­be­we­gung

Die Idee ei­nes ein­zi­gen „bi­na­tio­na­len” Staa­tes in Pa­läs­ti­na ist seit den 1920er Jah­ren dis­ku­tiert wor­den14 und der ver­stor­be­ne Ed­ward Said setz­te sich ein für die Idee bis zu sei­nem Tod im Jahr 2003.15 Sie wur­de als „Ein­staa­ten­lö­sung” in ei­nem Ar­ti­kel des New York Uni­ver­si­ty Pro­fes­sors To­ny Judt (1948−2010) wie­der­be­lebt, ver­öf­fent­licht im Jahr 2003.16 Ei­ne ame­ri­ka­ni­sche Po­li­to­lo­gin, Vir­gi­nia Til­ley, schrieb die ers­te um­fas­sen­de wis­sen­schaft­li­che Ar­beit zu die­sem The­ma im Jahr 2005 in ei­nem Buch mit dem Ti­tel The One-​State So­lu­ti­on: A Bre­akth­rough for Peace in the Israeli-​Palestinian De­ad­lock.17 Und Ali Ab­u­ni­mah, der palästinensisch-​amerikanische Mit-​Gründer der Web­site Elec­tro­nic In­ti­fa­da, folg­te im Jahr 2006 mit sei­nem Buch One Coun­try: A Bold Pro­po­sal to End the Israeli-​Palestinian Im­pas­se.18

Am 29. No­vem­ber 2007 ver­öf­fent­lich­ten meh­re­re Anti-​Israel-​Aktivisten und Aka­de­mi­ker die „Einstaats-​Erklärung.” Die­se „Er­klä­rung” lehnt die „Zwei­staa­ten­lö­sung” mit der Be­grün­dung ab, dass

… Die Zwei­staa­ten­lö­sung ver­ur­teilt pa­läs­ti­nen­si­sche Bür­ger Is­ra­els zu dau­er­haf­tem Sta­tus zwei­ter Klas­se in ih­rem Hei­mat­land, in ei­nem ras­sis­ti­schen Staat, der ih­re Rech­te be­strei­tet durch den Er­lass von Ge­set­zen, die Ju­den kon­sti­tu­tio­nell, recht­lich, po­li­tisch, so­zi­al und kul­tu­rell pri­vi­le­gie­ren. Aus­ser­dem be­strei­tet die Zwei­staa­ten­lö­sung pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­gen ihr in­ter­na­tio­nal an­er­kann­tes Rück­kehr­recht.„19

Un­ter den fünf­zehn Au­to­ren der „Einstaats-​Erklärung” sind: Ali Ab­u­ni­mah, Omar Barg­hou­ti, Oren Ben-​Dor, Ge­or­ge Bis­ha­rat, Jo­seph Mas­sad, und Ilan Pap­pe, und un­ter ih­ren 54 Spon­so­ren sind Sa­ree Mak­di­si und Nur Ma­sal­ha. Im März 2012 fand in der Harvard-​Universität ei­ne Kon­fe­renz über die so ge­nann­te „Ein­staa­ten­lö­sung” des israelisch-​palästinensischen Kon­flik­tes statt.20

Es ist be­mer­kens­wert, dass Omar Barg­hou­ti auch ein Füh­rer der BDS-​Bewegung ist (die Be­we­gung, die Is­ra­el boy­kot­tiert, aus Is­ra­el de­ves­tiert, und Is­ra­el sank­tio­niert). In sei­nem Buch BDS: The Glo­bal Strugg­le for Pa­lesti­ni­an Rights, schreibt Barg­hou­ti, dass „die BDS-​Bewegung ge­gen­über der Einstaaten- /​ Zweistaaten-​Debatte neu­tral ist.„21 Nach Barg­hou­ti kon­zen­triert sich die BDS-​Bewegung auf die drei Zie­le, die die Un­ter­stüt­zung von fast al­len Pa­läs­ti­nen­sern ge­nies­sen, näm­lich das En­de der is­rae­li­schen Be­set­zung der West­bank und im Ga­za­strei­fen, das En­de der Dis­kri­mi­nie­rung von Pa­läs­ti­nen­sern auf is­rae­li­schem Staats­ge­biet, und der Um­set­zung des Rück­kehr­recht für bis zu acht Mil­lio­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­gen.22 Al­ler­dings hat Barg­hou­ti in der Öf­fent­lich­keit an­er­kannt, dass die Um­set­zung des „Recht auf Rück­kehr” das En­de Is­ra­els als jü­di­scher Staat be­deu­ten wür­de, al­so (über­flüs­si­ger­wei­se) ei­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Staat ne­ben ei­nem an­de­ren pa­läs­ti­nen­si­schen Staat er­rich­tet.23 Da­her weist die Lo­gik der BDS-​Bewegung mit ih­ren drei For­de­run­gen in Rich­tung der Ein­staa­ten­lö­sung.

Ei­ne wei­te­re wich­ti­ge Stim­me in der Ver­tei­di­gung der Ein­staa­ten­lö­sung ist der palästinensisch-​amerikanische Aka­de­mi­ker Sa­ree Mak­di­si, ein Nef­fe von Ed­ward Said, und der Au­tor von Pa­läs­ti­ne In­si­de Out (2008), ein Buch, das mit ei­nem Auf­ruf zu ei­nem ein­zel­nen, sä­ku­la­ren, de­mo­kra­ti­schen Staat im gan­zen his­to­ri­schen Pa­läs­ti­na en­det, ein­schliess­lich dem „Rück­kehr­recht” für al­le pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge und ih­re Nach­kom­men.24 Mi­ko Pe­led, ein is­rae­li­scher Ju­de, der zum an­ti­zio­nis­ti­schen Ak­ti­vist ge­wor­den ist, hat sich auch in sei­nen Me­moi­ren The General’s Son (2012) zu­guns­ten der Ein­staa­ten­lö­sung aus­ge­spro­chen.25 Und der ame­ri­ka­ni­sche Po­li­to­lo­ge Ian Lustick, der zwar nicht ge­nau die Ein­staa­ten­lö­sung be­für­wor­tet, hat die Zwei­staa­ten­lö­sung als il­lu­so­risch an­ge­grif­fen, und schrieb, „ein ge­misch­ter Staat … ist nicht mehr un­denk­bar.„26

Die Be­für­wor­ter der Ein­staa­ten­lö­sung blie­ben nicht un­be­ant­wor­tet. Im Jahr 2009 ver­öf­fent­lich­te Hus­sein Ibish der ame­ri­ka­ni­schen Task Force für Pa­läs­ti­na ei­ne bril­lan­te Kri­tik an der Ein­staa­ten­agen­da aus pa­läs­ti­nen­si­scher Sicht.27 Im sel­ben Jahr ver­öf­fent­lich­te der is­rae­li­sche His­to­ri­ker Ben­ny Mor­ris sei­ne ei­ge­ne Kri­tik am Ein­staa­ten­vor­schlag.28 Vor kur­zem ver­öf­fent­lich­te ein füh­ren­der is­rae­li­scher Ge­lehr­ter, Pro­fes­sor As­her Sus­ser des Mos­he Da­y­an Cen­ter for Midd­le East Stu­dies an der Uni­ver­si­tät Tel Aviv, ei­ne poin­tier­te Wi­der­le­gung der Ein­staa­ten­be­für­wor­ter.29

Der Zweck die­ses Pa­piers ist es, ei­nen ernst­haf­ten blin­den Fleck in der Ar­gu­men­ta­ti­on der Ein­staa­ten­be­für­wor­ter zu ent­lar­ven und zu kri­ti­sie­ren. Die­ser blin­de Fleck be­trifft die Be­hand­lung der pa­läs­ti­nen­si­schen po­li­ti­schen Kul­tur, ver­gan­ge­ne und ge­gen­wär­ti­ge. Ich wer­de zei­gen, dass die Ein­staa­ten­be­für­wor­ter sys­te­ma­tisch pa­läs­ti­nen­si­sche po­li­ti­sche Kul­tur rein­zu­wa­schen, in­dem sie ih­re is­la­mi­schen, is­la­mis­ti­schen, und an­ti­se­mi­ti­schem Ei­gen­schaf­ten leug­nen, igno­rie­ren oder ver­schlei­ern. Ihr Ziel ist es, ih­re Le­ser von den il­li­be­ra­len, un­de­mo­kra­ti­schen As­pek­ten der pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­sell­schaft ab­zu­len­ken, um den Fo­kus un­er­bitt­lich auf die tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen Sün­den Is­ra­els zu hal­ten. Sie nut­zen Pro­pa­gan­da als In­stru­ment der po­li­ti­schen Kriegs­füh­rung, um Is­ra­el der Le­gi­ti­mi­tät und in­ter­na­tio­na­len Un­ter­stüt­zung zu be­rau­ben und um ih­re gut­mei­nen­den, aber nicht in­for­mier­ten Le­ser zu blen­den, da­mit sie die sehr rea­le Ge­fahr nicht se­hen, der sich Ju­den als Min­der­heit un­ter ei­ner ara­bi­schen und mus­li­mi­schen Mehr­heit in ei­nem ein­zel­nen Staat Pa­läs­ti­na ge­gen­über­se­hen wür­den.

Die Ein-​Staaten-​Befürworter über pa­läs­ti­nen­si­sche po­li­ti­sche Kul­tur

  1. Ed­ward Said

Ed­ward Said (1935−2003), der ver­stor­be­ne, be­kann­te palästinensisch-​amerikanische Li­te­ra­tur­pro­fes­ser an der Co­lum­bia Uni­ver­si­tät und Au­tor der ein­fluss­rei­chen Ar­beit Ori­en­ta­lism hat den Ton der Ein­staa­ten­ad­vo­ka­ten in sei­nen Schrif­ten über den Na­hen Os­ten vor­ge­ge­ben. In The Ques­ti­on of Pa­lesti­ne, ver­öf­fent­licht 1979, at­ta­ckier­te Said je­ne, die Pa­läs­ti­nen­ser oder Ara­ber des He­gens an­ti­se­mi­ti­scher Vor­ur­tei­le oder ge­no­zi­da­ler In­ten­tio­nen ge­gen­über den Ju­den be­schul­di­gen. Er schreibt: „Ra­tio­nal über die Pa­läs­ti­nen­ser zu spre­chen be­deu­tet, auf­zu­hö­ren, von Krieg oder Ge­no­zid zu re­den und an­zu­fan­gen, sich mit der po­li­ti­schen Rea­li­tät aus­ein­an­der zu set­zen.„30 Laut Said: „Pa­läs­ti­nen­ser sind nicht des­we­gen Flücht­lin­ge, weil sie An­ti­se­mi­ten wä­ren, son­dern ganz ein­fach weil die Zio­nis­ten vie­le von ih­nen ver­trie­ben ha­ben.„31 Weit da­von ent­fernt, An­ti­se­mi­ten zu sein, schreibt Said, dass „wir [Pa­läs­ti­nen­ser] ganz klar an­ti­ko­lo­nia­lis­tisch und an­ti­ras­sis­tisch sind in un­se­rem Kampf„32 und uns ver­pflich­tet füh­len, „ei­nen sä­ku­la­ren de­mo­kra­ti­schen Staat für Ara­ber und Ju­den in Pa­läs­ti­na zu schaf­fen.„33 Er ar­gu­men­tiert, dass es der Zio­nis­mus sei, der ein Mo­no­pol auf ex­klu­si­ven Na­tio­na­lis­mus, Dis­kri­mi­na­ti­on und Ras­sis­mus ha­be, und der in Tat und Wahr­heit der „Apart­heid” schul­dig sei.34 Als be­gab­ter Rhe­to­ri­ker de­le­gi­ti­miert Said ef­fek­tiv je­den, das es wagt, Is­ra­els Fein­de des An­ti­se­mi­tis­mus oder ge­no­zi­da­ler In­ten­tio­nen zu be­schul­di­gen. Sie sind es, die nicht „ra­tio­nal spre­chen” und die sich nicht „mit der Rea­li­tät aus­ein­an­der set­zen.” Said stellt wie­der­holt brei­te Ver­all­ge­mei­ne­run­gen auf, et­wa dass Pa­lä­si­nen­ser un­ter­schieds­los ei­nem sä­ku­la­ren de­mo­kra­ti­schen Staat ver­pflich­tet sei­enn und dass sie ge­gen Dis­kri­mi­nie­rung jeg­li­cher Art sei­en, wo­ge­gen Zio­nis­ten un­ter­schieds­los ras­sis­ti­sche Ko­lo­ni­sa­to­ren sei­en, die ei­ner Art Apart­heid ver­pflich­tet sei­en.

  1. Vir­gi­nia Til­ley

Vir­gi­nia Til­ley, ak­tu­ell Vor­sit­zen­de und Po­li­tik­pro­fes­so­rin an der Sou­thern Il­li­nois Uni­ver­si­ty, schreibt, dass „Pa­läs­ti­nen­si­scher Na­tio­na­lis­mus ei­ne de­mo­kra­ti­sche Phi­lo­so­phie seit sei­nen frü­hes­ten Pha­sen un­ter­hal­ten” ha­be.35 und sie pran­gert „den ras­sis­ti­schen My­thos [an], dass Ara­ber von na­tur aus an­ti­de­mo­kra­tisch” sei­en.36 Kurz vor der Wahl der Ha­mas 2006 schrieb sie, dass sie je­ne als „ahis­to­risch” und „amne­sisch” be­zeich­ne, die Ha­mas als Be­weis zi­tie­ren, dass „pa­läs­ti­nen­si­sche Po­li­tik pri­mär vom Is­lam ge­trie­ben ist.” Statt­des­sen be­haup­tet sie, dass „die is­la­mi­schen Ten­den­zen ei­ne erst jun­ge und nach wie vor in der Min­der­heit ste­hen­de Be­we­gung in­ner­halb ei­ner na­tio­na­len Be­we­gung sei, die, in ih­rem ers­ten hal­ben Jahr­hun­dert, über­wäl­ti­gend sä­ku­lar ge­we­sen” sei.37 Til­ley weist auch den Vor­wurf zu­rück, dass Ara­ber oder Pa­läs­ti­nen­ser an­ti­se­mi­tisch sei­en. „Ob­wohl Ara­ber si­cher­lich nicht im­mun sind ge­gen­über An­ti­se­mi­tis­mus, re­agiert die ara­bi­sche Spra­che ge­gen ‚die Ju­den’ pri­mär auf die aus­drück­li­che zio­nis­ti­sche För­de­rung ‚der Ju­den’ und die Ver­trei­bung und Ent­eig­nung der Pa­läs­ti­nen­ser zum Vor­teil der Ju­den.„38 Wenn pa­läs­ti­nen­si­sche oder ara­bi­sche Rhe­to­rik auf „die Ju­den” zie­le, dann sei das nicht qua Ju­den, „son­dern weil ‚jü­disch’ die po­li­ti­sche Iden­ti­tät ist, die die Ara­ber im fun­da­men­ta­len Kon­flikt über das Land kon­fron­tie­ren.„39 Pa­läs­ti­nen­si­sche Rhe­to­rik und Ver­hal­ten „zei­gen, dass die gros­se Mehr­heit der Pa­läs­ti­nen­ser bein­dru­ckend viel Wi­der­stands­kraft be­wei­sen ge­gen den di­rekt ras­sis­ti­schen Hass. Der Feind ist Is­ra­el und Zio­nis­mus, nicht das Ju­den­tum per se.„40 Ob­wohl ara­bi­sche und pa­läs­ti­nen­si­sche Rhe­to­rik viel­leicht 1948 nach der Ver­trei­bung der jü­di­schen Sied­ler aus dem pa­läs­ti­nen­si­schen Land ver­lang­te, „ha­ben sie nie ernst­haft ih­re phy­si­sche Ver­nich­tung auf­grund von ir­gend­was die den ras­si­schen Be­din­gun­gen des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ge­meint.„41 Wäh­rend Til­ley an­er­kennt, dass Ha­jj Amin al-​Husseini, der Muf­ti von Je­ru­sa­lem und Füh­rer der pa­lä­si­nen­si­schen Ara­ber von den 1920er Jah­ren bis in die 1940er, ei­ne „echt ras­sis­ti­sche Fi­gur” war, ent­lässt sie ihn als „nicht re­prä­sen­ta­tiv” für die Pa­läs­ti­nen­ser und „nie Füh­rer von mehr als ein paar we­ni­gen re­ak­tio­nä­ren pa­läs­ti­nen­si­schen Par­tei­en.„42 Til­ley be­haup­tet wie­der­holt, dass der Krieg von 1948 ein un­pro­vo­zier­ter Ag­gres­si­ons­krieg und ei­ne von den Zio­nis­ten ge­plan­te eth­ni­sche Säu­be­rung war.43 Is­ra­el „ver­liess sich bei sei­ner Grün­dung – und ver­lässt sich im­mer noch, zu sei­nem Er­halt – auf eth­ni­sche Säu­be­rung.„44 Zio­nis­mus „ist fun­da­men­tal ras­sis­tisch in sei­ner Kon­zep­ti­on und Aus­wir­kung…„45 Es ist da­her kein Wun­der, dass ein so gros­ser Teil der Welt Is­ra­el und den Zio­nis­mus hasst. Für Til­ley ist Is­ra­el die Haupt­ur­sa­che des welt­wei­ten Ter­ro­ris­mus.46 In der Tat, „der Israselisch-​Palästinensische Kon­flikt ist das Haupt­pro­blem, das die Ost-​West-​Beziehungen ‚ver­gif­tet’.„47 Sie be­teu­ert, dass sich „schreck­li­che Ter­ror­an­grif­fe in der Zu­kunft zu­sam­men­brau­en”, falls Is­ra­el wei­ter­hin pa­läs­ti­nen­si­sches Ter­ri­to­ri­um be­set­ze.48 Wenn je­doch „die is­rae­li­sche Be­sat­zung ver­schwin­det, dann ver­dampft jeg­li­ches Mo­tiv für an­ti­jü­di­sche Ge­walt – die der Zio­nis­mus im­mer als im Ur­sprung an­ti­se­mi­tisch um­ge­deu­tet hat.„49 Der Schlüs­sel zum Welt­frie­den ist da­her die Be­en­di­gung des Staa­tes Is­ra­el.

  1. Sa­ree Mak­di­si

Sa­ree Mak­di­si ist ein Nef­fe von Ed­ward Said und Pro­fes­sor für Eng­lisch und kom­pa­ra­ti­ve Li­te­ra­tur an der UCLA. Er schreibt oft als Gast­ko­lum­nist in ame­ri­ka­ni­schen Zei­tun­gen. Nach dem Sieg der Ha­en Wah­len der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de 2006 schrieb Mak­di­si po­si­tiv über die Ha­mas. Er hielt ihr ih­re „schlaue Re­ha­bi­li­tie­rung ei­ner echt pa­läs­ti­nen­si­schen Spra­che der Selbst­be­stim­mung und na­tio­na­ler Be­frei­hung zu­gu­te, die, iro­ni­scher­wei­se, ur­sprüng­lich von sä­ku­la­ren pa­läs­ti­nen­si­schen Par­tei­en – ins­be­son­de­re der Fa­tah – in den 1960ern und 1970ern aus­ge­drückt wor­den war, de­ren sä­ku­la­re Füh­rung je­doch [die­sen Aus­druck] pro­gres­siv ver­nach­läs­sigt hat­te…„50 Er ver­ur­teilt Is­ra­el und die USA für die Ver­hän­gung von Sak­tio­nen über die Pa­läs­ti­nen­ser nach der Wahl von Ha­mas, 51 und ver­ur­teilt die Bush-​Regierung da­für, Ha­mas da­zu auf­zu­ru­fen, der Ge­walt ab­zu­schwö­ren und Is­ra­el an­zu­er­ken­nen.52 Mak­di­si be­schreibt die Ha­mas als „bei­na­he un­ver­meid­li­ches Pro­dukt von vier­zig Jah­ren mi­li­tä­ri­scher Be­sat­zung,” und geis­selt je­ne, die sie als „Teil ei­ner re­gio­na­len Ver­schwö­rung un­ak­zep­ta­blen ‚Ex­tre­mis­mus’” oder ei­ne „Ma­ni­fes­ta­ti­on ei­ner ‚Ideo­lo­gie’, die ir­gend­wie schon vor­her exis­tier­te.” por­trä­tie­ren.

53 Im Kon­text der Ver­tei­di­gung der Ha­mas (und der His­bol­lah) macht er klar, dass „das Recht ei­nes Vol­kes, das un­ter mi­li­tä­ri­scher Be­sat­zung lebt, ge­gen die­se Be­sat­zung Wi­der­stand zu leis­ten, ist im Völ­ker­recht ver­an­kert, so­wie auch das Recht je­des Vol­kes auf Selbst­be­stim­mung.„54 Mak­di­si hält fest, dass die Pa­läs­ti­nen­ser die Ha­mas nicht „we­gen ih­rer is­la­mi­schen Ideo­lo­gie” ge­wählt hät­ten, son­dern weil, „im Ge­gen­satz zur Fa­tah [sic] lehnt sie die Ko­ope­ra­ti­on mit der Be­sat­zung ab, wie auch Kom­pro­mis­se ih­rer prin­zi­pi­el­len For­de­run­gen für das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk.„55 In an­de­ren Wor­ten, laut Mak­di­si ist die Ha­mas ei­ne ab­so­lut le­gi­ti­me po­li­ti­sche Par­tei, die ge­recht­fer­tig­te For­de­run­gen an Is­ra­el stellt, und Is­ra­el und die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft soll­te sie als sol­ches an­er­ken­nen. Er lehnt sich an den ehe­ma­li­gen US-​Präsident Jim­my Car­ter, in­dem er die US-​Regierungspolitik als „kri­mi­nell” an­pran­gert, die das „Re­sul­tat ei­ner le­gi­ti­men Wahl zu un­ter­wan­dern” ver­su­che.56

  1. Ali Ab­u­ni­mah

Wie Mak­di­si prä­sen­tiert Ali Ab­u­ni­mah, palästinensisch-​amerikanischer Grün­der der an­ti­is­rae­li­schen Web­sei­te Elec­tro­nic In­ti­fa­da ei­nen ge­ne­rell vor­teil­haf­ten Blick auf die Ha­mas. Laut Ab­u­ni­mah ent­stand der Sieg der Ha­mas von 2006 „mehr aus ei­ner pa­läs­ti­nen­si­schen Re­ak­ti­on auf die sich ver­schlech­tern­de Si­tua­ti­on und Ver­zweif­lung als aus ei­nem An­stieg des re­li­giö­sen Fun­da­men­ta­lis­mus.„57 Er ra­tio­na­li­siert die Ab­stim­mung Pro-​Hamas als „ein Weg, das, was die Pa­läs­ti­nen­ser als kor­rup­ten ‚Frie­dens­pro­zess’ be­trach­te­ten, aus­zu­schal­ten… Es si­gna­li­sie­re kei­ne Än­de­rung der dar­un­ter­lie­gen­den pa­läs­ti­nen­si­schen Grund­ein­stel­lun­gen, die be­mer­kens­wert of­fen blei­ben für ei­ne fried­li­che Ko­exis­tenz mit den Is­rae­lis.„58 Ab­u­nim­nah scheint die öf­fent­li­chen State­ments der Hamas-​Führer zu glau­ben, dass sie „den be­waff­ne­ten Kampf auf­ge­ben, wenn sich Is­ra­el auf die 1967er Li­ni­en zu­rück­zieht,” und dass ihr Kampf ge­gen Is­ra­el rein po­li­tisch und nicht re­li­gi­ös sei.59 Ab­u­ni­mah gibt je­doch zu, dass „Ha­mas klar ei­ne is­la­mis­ti­sche Be­we­gung” ist, und er fragt, „be­deu­tet ihr Auf­stieg dem­nach, dass die Pa­läs­ti­nen­ser un­ter ei­ner is­la­mi­schen Re­gie­rung le­ben wol­len?„60 Er ver­wirft die­se Mög­lich­keit so­fort. Schliess­lich hat der Ha­mas­füh­rer Mous­sa Abu Mar­zook in der Wa­shing­ton Post ei­nen Leit­ar­ti­kel ge­schrie­ben, in dem er sag­te, dass der Is­lam ei­ne to­le­ran­te Re­li­gi­on sei und „bis in die spä­ten 1980er Jah­re ha­ben nur we­ni­ge Pa­läs­ti­nen­ser in re­li­giö­sen Be­grif­fen über den Kon­flikt ge­spro­chen.„61 Ge­mässA­bu­ni­mah war es nur der zu­neh­mend re­li­giö­se Dis­kurs des Zio­nis­mus nach dem Krieg von 1967, der den pa­läs­ti­nen­si­schen Dis­kurs mehr in die re­li­giö­se Rich­tung ver­än­der­te. Er im­pli­ziert da­durch, dass wenn bloss die is­rae­li­schen ju­den ei­nen sä­ku­la­ren, de­mo­kra­ti­schen Staat mit glei­chen Rech­ten für Ju­den und Ara­ber um­ar­men wür­den, dass die Pa­läs­ti­nen­ser ih­rer­seits dann eben­falls sä­ku­la­rer wür­den in ih­rer ei­ge­nen Po­li­tik. „Pa­läs­ti­nen­ser ha­ben ge­zeigt, dass sie nach de­mo­kra­ti­schen und plu­ra­lis­ti­schen Re­geln le­ben wol­len.„62 Für Ab­u­ni­mah sind die Ha­mas und ähn­li­che is­la­mis­ti­sche Grup­pen „Teil der le­gi­ti­men na­tio­na­len Wi­der­stan­des.„63

  1. Omar Barg­hou­ti

Omar Barg­hou­ti, ein pa­läs­ti­nen­si­scher Füh­rer der BDS-​Bewegung und pro­fes­sio­nel­ler anti-​israelischer Vollzeit-​Aktivist, ver­langt nach der „sä­ku­la­ren Ein­heits­staats­lö­sung im his­to­ri­schen Pa­läs­ti­na, ba­sie­rend auf Ge­rech­tig­keit und vol­ler Gleich­heit.„64 Er lehnt je­doch em­pha­tisch ei­nen „bi­na­tio­na­len Staat” ab, weil „das bi­na­tio­na­le Mo­dell an­nimmt, dass es zwei Na­tio­nen mit glei­chen und kon­kur­rie­ren­den mo­ra­li­schen An­sprü­chen auf das Land gibt, und dass wir da­her bei­den na­tio­na­len Rech­ten Raum ge­ben müs­sen.„65 Ge­mäss Barg­hou­ti exis­tiert die­se Gleich­wer­tig­keit nicht. Die Pa­läs­ti­nen­ser ha­ben „un­ver­äus­ser­li­che Rech­te” als in­di­ge­ne Be­woh­ner des Lan­des, wäh­rend is­rae­li­sche Ju­den als „ko­lo­nia­lis­ti­sche Sied­ler” bloss ein „er­wor­be­ne Recht” des Auf­ent­hal­tes in Pa­läs­ti­na hät­ten. Wie an­de­re Ein­staa­ten­be­für­wor­ter kom­bi­niert Barg­hou­ti har­sche Ver­ur­tei­lun­gen des Zio­nis­mus und von Is­ra­el mit ei­ner ex­trem vor­teil­haf­ten Schil­de­rung der pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­sell­schaft. Die BDS-​Bewegung, breit un­ter­stützt durch Grup­pen der pa­läs­ti­nen­si­schen Zi­vil­ge­sell­schaft,66 „ist ka­te­go­risch ge­gen al­le For­men von Ras­sis­mus und ras­sis­ti­schen Ideo­lo­gi­en, ein­schliess­lich dem An­ti­se­mi­tis­mus.„67 Im Kon­trast da­zu sei die Apart­heid­ge­sell­schaft Is­ra­els schlim­mer als die von Süd­afri­ka.68 Er wie­der­holt das Ar­gu­ment, dass Is­ra­el 1948 mit­tels „mas­si­ver eth­ni­scher Säu­be­rungn, Mas­sa­kern, Ver­ge­wal­ti­gun­gen, ge­ziel­ter Zer­stö­rung von hun­der­ten von Dör­fern, und to­ta­ler Ver­nei­nung der grund­le­gends­ten Rech­te der in­di­ge­nen Pa­läs­ti­nen­ser…” ge­grün­det wor­den sei69 Die­se „mas­si­ve Kam­pa­gne der eth­ni­schen Säu­be­rung” sei „vor­sätz­li­che und sorg­fäl­tig Jah­re im Vor­aus von zio­nis­ti­schen Füh­rern, dar­un­ter Da­vid Ben Gu­ri­on, ge­plant wor­den und sys­te­ma­tisch, bru­tal und be­den­ken­los aus­ge­führt wor­den.„70

Im Kon­trast zur zio­nis­ti­schen Bru­ta­li­tät, sei „Ge­walt­lo­sig­keit jahr­zehn­te­lang die Haupt­stüt­ze des pa­läs­ti­nen­si­schen Wi­der­stands ge­gen die ko­lo­nia­lis­ti­sche Siedler-​Eroberung ge­we­sen.„71 In der Tat sei „die Mehr­heit un­se­res [pa­läs­ti­nen­si­schen] Vol­kes in ge­walt­frei­en Wi­der­stand en­ga­giert ge­we­sen, selbst vor der In­spi­ra­ti­on durch Gan­dhi, King und Man­de­la.„72 Bei den sel­te­nen Ge­le­gen­hei­ten, bei de­nen Barg­hou­ti Ge­walt von Grup­pen wie der Ha­mas zu­gibt, nennt er sie „Wi­der­stands­kämp­fer” und deu­tet an, dass sie aus­schliess­lich dann Is­ra­el an­grei­fen, nach­dem Is­ra­el un­pro­vo­zier­te An­grif­fe ge­gen sie ge­star­tet hat.73 Barg­hou­ti nickt ober­fläch­lich in Rich­tung der „mo­ra­li­schen Pro­ble­me, die durch ir­gend­ei­nen wahl­lo­sen Akt der Ge­walt auf­ge­wor­fen wer­den, ob vom Un­ter­drü­cker oder Un­ter­drück­ten, trotz des un­er­mess­li­chen mo­ra­li­schen Un­ter­schieds zwi­schen den bei­den”, aber er fügt hin­zu: „Ich kann nie­mals ei­nen An­spruch der Pa­ri­tät zwi­schen den Un­ter­drü­ckern und Un­ter­drück­ten ak­zep­tie­ren.„74 So ent­schul­digt er je­den Akt des Ter­ro­ris­mus ge­gen Is­ra­el als ver­ständ­li­chen „Wi­der­stand”, wäh­rend er je­den Akt der Selbst­ver­tei­di­gung von Is­ra­el als „un­ge­rech­te Un­ter­drü­ckung” ver­ur­teilt. Den bra­si­lia­ni­sche Er­zie­her Pau­lo Frei­re zi­tie­rend, be­haup­tet Barg­hou­ti, dass „nie­mals in der Ge­schich­te Ge­walt von den Un­ter­drück­ten ein­ge­lei­tet wur­de. Wie könn­ten sie die In­itia­to­ren sein, wenn sie selbst das Er­geb­nis von Ge­walt sind?„75 Zum Bei­spiel ist Is­ra­els Be­la­ge­rung der Ha­mas im Gaza-​Streifen gleich­be­deu­tend mit „Völ­ker­mord”.76 „Es ist ir­rele­vant, ob die Ha­mas das Recht Is­ra­els, als jü­di­scher Staat (lies: Apartheid-​Staat) [Hin­weis weg­ge­las­sen] zu exis­tie­ren, ak­zep­tiert, oder die 1967er Gren­zen ak­zep­tiert – völ­lig ir­rele­vant”.77 Letzt­lich lehnt Barg­hou­ti, wie al­le Ein­staa­ten­be­für­wor­ter, eben­falls das Recht Is­ra­els ab, als jü­di­scher Staat zu exis­tie­ren. Die pa­läs­ti­nen­si­sche Ge­walt ge­gen die Is­rae­lis wird auf­hö­ren, wenn die is­rae­li­sche Un­ter­drü­ckung auf­hört, näm­lich wenn Is­ra­el auf­hört, ein jü­di­scher Staat zu sein, wenn es auf­hört, die Nicht­ju­den zu dis­kri­mi­nie­ren und die Mil­lio­nen von pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­gen und ih­re Nach­kom­men, die 1948 ver­trie­ben wur­den, ak­zep­tiert und ent­schä­digt.78

  1. Mi­ko Pe­led

Mi­ko Pe­led ist der israelisch-​jüdische Sohn von Ge­ne­ral Mat­ti Pe­led und En­kel von Av­ra­ham Kats­nel­son, ein pro­mi­nen­ter zio­nis­ti­scher Füh­rer und Un­ter­zeich­ner der Un­ab­hän­gig­keits­er­klä­rung Is­ra­els. Pe­led lebt heu­te in Ka­li­for­ni­en und ist ein aus­ge­spro­che­ner Anti-​Zionist ge­wor­den. Wie al­le Ein­staa­ten­be­für­wor­ter um­arm­te Mi­ko Pe­led das pa­läs­ti­nen­si­sche Nar­ra­tiv von der Grün­dung des Staa­tes Is­ra­el un­kri­tisch: 19478 wa­ren die pa­läs­ti­nen­si­schen Ara­ber den Zio­nis­ten weit­ge­hend un­ter­le­gen: „Als die Ju­den an­grif­fen, hat­ten die Pa­läs­ti­nen­ser kei­ne Chan­ce.„79 Er zi­tiert Ben­ny Mor­ris, Ilan Pap­pé und Avi Sh­laim als Be­stä­ti­gung des­sen, „was Pa­läs­ti­nen­ser seit Jahr­zehn­ten ge­sagt ha­ben”, näm­lich dass „Is­ra­el ge­schaf­fen wur­de, nach­dem jü­di­sche Mi­li­zen Pa­läs­ti­na zer­stört und sei­ne Leu­te ge­walt­sam ver­trie­ben hat­ten”.80 Seit der Grün­dung des mo­der­nen Is­ra­els ha­ben die Pa­läs­ti­nen­ser nach Pe­led der Un­ge­rech­tig­keit die­ses Ur­akts des Dieb­stahls mit vor­bild­li­cher Selbst­be­herr­schung und Mensch­lich­keit wi­der­stan­den. „In der Tat war der Groß­teil des pa­läs­ti­nen­si­schen Wi­der­stan­des im­mer ge­walt­frei, doch der ge­walt­tä­ti­ge be­waff­ne­te Kampf ist das, was die Me­di­en­auf­merk­sam­keit er­hält. Die über­wie­gen­de Mehr­heit der Pa­läs­ti­nen­ser in is­rae­li­schen Ge­fäng­nis­sen wur­de we­gen ge­walt­lo­sen po­li­ti­schen Wi­der­stan­des ver­ur­teilt.„81 Im Ge­gen­satz da­zu sind die Zio­nis­ten im­mer ge­walt­tä­tig. So ist „Ki­ryat Ar­ba, ge­nau wie die an­de­ren Sied­lun­gen im West­jor­dan­land, ei­ne of­fe­ne Wun­de in ei­nem an­sons­ten fried­li­chen und ein­la­den­den Land.„82 Und „im West­jor­dan­land un­ter den pa­läs­ti­nen­si­schen Freun­den le­bend, be­gann ich zu be­grei­fen, dass das Lei­den der Pa­läs­ti­nen­ser wei­ter­geht, egal wie sehr sie sich dem Frie­den und der Ver­söh­nung wid­men.„83 Laut Pe­led war „die of­fi­zi­el­le Li­nie der Fa­tah [die do­mi­nie­ren­de Frak­ti­on der PLO] … , ei­nen sä­ku­la­ren, de­mo­kra­ti­schen Staat zu un­ter­stüt­zen, der Ara­ber und Ju­den um­fas­sen wür­de …” [d.h. be­vor die Fa­tah 1988 die Zweistaaten-​Lösung um­arm­te].84 Der Füh­rer der Fa­tah und der PLO, Jas­sir Ara­fat, „war über die Jah­re kon­sis­tent. Um des Frie­dens wil­len war er be­reit, den Traum von al­len Pa­läs­ti­nen­sern auf­zu­ge­ben, in ih­re Hei­mat und ihr Land in Pa­läs­ti­na zu­rück­zu­keh­ren. Er war be­reit, Is­ra­el an­zu­er­ken­nen, den Staat, der Pa­läs­ti­na zer­stör­te…„85

In ih­rem ver­eh­re­ri­schen Vor­wort zu Mi­ko Pe­leds Buch schreibt die afro­ame­ri­ka­ni­sche Au­to­rin Ali­ce Wal­ker im Jahr 2012 (ein Jahr nach dem so ge­nann­ten „Ara­bi­schen Früh­ling”), dass „die ex­tre­me Vo­la­ti­li­tät des Na­hen Os­tens mit der lan­gen Lis­te der Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in Is­ra­el und der Ver­ach­tung für in­ter­na­tio­na­le Mei­nung und Völ­ker­recht im Mit­tel­punkt der Angst al­ler, ist ei­ne Be­dro­hung für uns al­le.„86 Mit an­de­ren Wor­ten: Is­ra­els an­geb­li­che Ver­bre­chen und Miss­bräu­che sind die Haupt­ur­sa­che für al­le In­sta­bi­li­tät und Ge­walt, die vom Na­hen Os­ten aus­ge­hen. Die­se Denk­wei­se sagt vor­aus, dass die Auf­lö­sung des zio­nis­ti­schen Staa­tes der ein­zi­ge Weg ist, den Welt­frie­den zu si­chern. Wie Pe­led schreibt, „ha­ben die Zio­nis­ten nicht de­mons­triert, dass, wenn sie an der Macht sind, die Din­ge gut lau­fen, wes­halb mei­ne Schluss­fol­ge­rung war, dass ei­ne ech­te plu­ra­lis­ti­sche De­mo­kra­tie al­len zu­gu­te kom­men wür­de.„87 Mit dem Ein­wand kon­fron­tiert, dass ein ein­zi­ger Staat für Ara­ber und Ju­den in Pa­läs­ti­na dem Li­ba­non oder dem ehe­ma­li­gen Ju­go­sla­wi­en äh­neln wür­de, ant­wor­tet er: „Oder der Schweiz oder Bel­gi­en. Wenn man uns mit an­de­ren mul­ti­na­tio­na­len Staa­ten ver­gleicht, ist un­se­rer ein nicht sehr kom­pli­zier­tes Pro­blem.„88 Es ist na­tür­lich dar­um nicht kom­pli­ziert, weil der Zio­nis­mus nach Pe­led die Ur­sa­che al­ler Pro­ble­me ist. Eli­mi­nie­ren Sie den Zio­nis­mus und den jü­di­schen Staat und die Pro­ble­me der Re­gi­on wer­den ver­schwin­den. Ein­staa­ten­be­für­wor­ter be­trach­ten nie­mals ernst­haft die Mög­lich­keit, dass die Pro­ble­me der mus­li­mi­schen Welt in in­di­ge­nen Kul­tur­kämp­fen ver­wur­zelt sind, die nichts mit Is­ra­el zu tun ha­ben.

Schluss­fol­ge­rung

Die Be­für­wor­ter der Ein­staa­ten­lö­sung tei­len ein ge­mein­sa­mes rhe­to­ri­sches Ziel und zei­gen ei­ne Art von Gruppen-​Denken. Sie wol­len zei­gen, dass die pa­läs­ti­nen­si­sche po­li­ti­sche Kul­tur mit den Wer­ten der li­be­ra­len De­mo­kra­tie völ­lig ver­ein­bar ist und dass des­halb Pa­läs­ti­nen­ser mit Ju­den in ei­nem ein­zi­gen, sä­ku­la­ren, de­mo­kra­ti­schen Staat fried­lich ko­exis­tie­ren kön­nen. Wenn schließ­lich die pa­läs­ti­nen­si­sche Ge­sell­schaft in den drei­ßi­ger Jah­ren so an­ti­se­mi­tisch war wie Deutsch­land, oder wenn die Pa­läs­ti­nen­ser die Wer­te und bür­ger­li­chen Frei­hei­ten, die in ei­ner li­be­ra­len De­mo­kra­tie we­sent­lich sind, nicht re­spek­tie­ren, die ei­ne Ty­ran­nei der Mehr­heit ver­hin­dern, dann gä­be es kei­ner­lei Per­spek­ti­ven für ei­nen er­folg­rei­chen li­be­ra­len, sä­ku­la­ren, de­mo­kra­ti­schen Staat in Pa­läs­ti­na.

Die Um­keh­rung der Weiss­wa­schung der pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­sell­schaft ist die Dä­mo­ni­sie­rung Is­ra­els und des Zio­nis­mus. Barg­hou­ti zi­tiert an­er­ken­nend Pro­fes­sor Ri­chard Falk, ehe­ma­li­ger UNO-​Sonderberichterstatter für pa­läs­ti­nen­si­sche Men­schen­rech­te und eta­blier­ter Anti-​Israel-​Köder, der ei­nen „Le­gi­ti­mi­täts­krieg” ge­gen Is­ra­el for­dert, um Is­ra­el jeg­li­cher mo­ra­li­scher Le­gi­ti­mi­tät in den Au­gen der Welt zu ent­le­di­gen, wie es mit dem Aparheid-​Südafrika in den 1980er Jah­ren ge­macht wor­den war.89 Ali Ab­u­ni­mah spricht für al­le Ein­staa­ten­be­für­wor­ter, wenn er sagt: „Die Fra­ge, wie die Pa­läs­ti­nen­ser ins Exil ge­rie­ten, stand im­mer im Mit­tel­punkt ei­nes je­den Ar­gu­ments über die Le­gi­ti­mi­tät Is­ra­els.„90 Die­se Aus­sa­ge er­klärt die Tat­sa­che, dass Ein­staa­ten­be­für­wor­ter im­mer auf die Wer­ke von Ilan Pap­pé ver­wei­sen und die Ar­gu­men­te wie­der­ho­len, dass der Zio­nis­mus ei­ne ras­sis­ti­sche Ideo­lo­gie sei, die eth­ni­sche Säu­be­rung oder so­gar „Völ­ker­mord” un­ter­stüt­ze.91 Ab­schlie­ßend ist die Bot­schaft der Ein­staa­ten­be­für­wor­ter, dass die Zio­nis­ten ras­sis­tisch, ge­walt­tä­tig und an­ti­de­mo­kra­tisch sind, wäh­rend die Pa­läs­ti­nen­ser fried­li­che, de­mo­kra­ti­sche Geg­ner des Ras­sis­mus und über­haupt nicht an­ti­se­mi­tisch sind.

Un­in­for­mier­te Le­ser der Wer­ke von Ein­staa­ten­be­für­wor­tern be­den­ken in der Re­gel fol­gen­de Tat­sa­chen zu­we­nig:

  • Von den 1920er Jah­ren bis in die 1940er Jah­re wur­de die pa­läs­ti­nen­si­sche Na­tio­nal­be­we­gung ge­grün­det und ge­führt von Ha­jj Amin al-​Husseini, ei­nem ideo­lo­gi­schen Ka­me­ra­den und Kol­la­bo­ra­teur Adolf Hit­lers, der vor, wäh­rend und nach dem Zwei­ten Welt­krieg zum Völ­ker­mord an den Ju­den an­ge­stif­tet hat;92
  • Die Pa­läs­ti­nen­ser und an­de­re Ara­ber, – nicht die Zio­nis­ten, – lehn­ten die Re­so­lu­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen über die Tei­lung des man­da­tier­ten Pa­läs­ti­na ab und be­gan­nen 194748 ei­nen Krieg, in dem sie vom Staat Is­ra­el be­siegt wur­den.93
  • Die of­fi­zi­el­le pa­läs­ti­nen­si­sche Po­li­tik in den Jahr­zehn­ten vor 1948 war, Pa­läs­ti­na von sei­ner eth­ni­schen jü­di­schen Be­völ­ke­rung zu säu­bern;94
  • Der Krieg von 1948 „wur­de von der jü­di­schen Sei­te all­ge­mein als Krieg ums nack­te Über­le­ben an­ge­se­hen…,„95 und in der Tat er­lit­ten die Ju­den von Pa­läs­ti­na mas­si­ve Op­fer in die­sem Krieg: fast ein Pro­zent wur­de ge­tö­tet und zwei Pro­zent schwer ver­wun­det,96 das Äqui­va­lent da­zu wä­re, wenn 9.500.000 Ame­ri­ka­ner heu­te in ei­nem Krieg ge­tö­tet oder ver­wun­det wür­den;
  • So wie die Na­zis an ei­ne jü­di­sche Welt­ver­schwö­rung glaub­ten (auf der Grund­la­ge der Pro­to­kol­le der Äl­tes­ten von Zi­on), de­ren Zweck es war, das deut­sche Volk zu zer­stö­ren und sie wähl­ten den Völ­ker­mord, um sich ge­gen die­se an­geb­li­che Ver­schwö­rung zu weh­ren,97 be­zieht sich die Grün­dungs­ur­kun­de [Char­ta] der Ha­mas auf die Pro­to­kol­le und be­haup­tet, dass es ei­ne jü­di­sche Welt­ver­schwö­rung ge­be, die „den Is­lam ver­nich­ten” wol­le98 aund des­halb stif­ten die Hamas-​Führer rou­ti­ne­mäs­sig zum Völk­der­mord ge­gen die Ju­den an;99
  • Trotz dem oben ge­nann­ten zei­gen die jüngs­ten Mei­nungs­um­fra­gen, dass die Ha­mas ei­ne rea­lis­ti­sche Chan­ce hat, heu­te pa­läs­ti­nen­si­sche Wah­len zu ge­win­nen;[100]
  • Die jüngs­ten Um­fra­ge­da­ten zei­gen ein ho­hes Maß an An­ti­se­mi­tis­mus un­ter Pa­läs­ti­nen­sern, Ara­bern und Mus­li­men;[101]
  • 89 Pro­zent der pa­läs­ti­nen­si­schen Mus­li­me glau­ben, dass die Scha­ria oder das is­la­mi­sche Recht das of­fi­zi­el­le staaat­li­che Ge­setz in ih­rem Land sein soll­te;[102] 62 Pro­zent un­ter­stüt­zen die To­des­stra­fe für Men­schen, die den Is­lam ver­las­sen;[103] 72 Pro­zent un­ter­stüt­zen Stra­fen wie Stock­schlä­ge und Hand­ab­ha­cken für Ver­bre­chen wie Dieb­stahl und Raub;[104] 81 Pro­zent fa­vo­ri­sie­ren die Stei­ni­gung für Ehe­bre­cher;[105]
  • Der Ent­wurf ei­ner Ver­fas­sung für Pa­läs­ti­na (2003) be­sagt, “Der Is­lam ist die of­fi­zi­el­le Re­li­gi­on in Pa­läs­ti­na” und “Die Prin­zi­pi­en der is­la­mi­schen Scha­ria sol­len die Haupt­quel­le der Ge­setz­ge­bung sein;”[106]
  • Die meis­ten mehr­heit­lich mus­li­mi­schen Län­der ha­ben ähn­li­che Klau­seln in ih­ren Ver­fas­sun­gen, und das re­sul­tiert in sys­te­ma­ti­scher Ver­let­zung der Bür­ger­rech­te und in der Ver­fol­gung von Nicht­mus­li­men.[107]

Durch die se­lek­ti­ve Aus­wahl von Be­wei­sen und der Fo­kus­sie­rung aus­schließ­lich auf die wirk­li­chen oder ima­gi­nä­ren Sün­den der Zio­nis­ten ver­su­chen Ein­staa­ten­be­für­wor­ter, ih­re Le­ser von den il­li­be­ra­len und an­ti­se­mi­ti­schen Zü­gen der pa­läs­ti­nen­si­schen po­li­ti­schen Kul­tur ab­zu­len­ken. Die meis­ten Pa­läs­ti­nen­ser sind nicht und wa­ren nie­mals Cham­pi­ons der li­be­ra­len, sä­ku­la­ren De­mo­kra­tie, noch hät­ten die Ju­den ir­gend ei­nen Grund, mit fai­rer Be­hand­lung durch ei­ne ara­bi­sche und mus­li­mi­sche Mehr­heit in ei­nem ein­heit­li­chen Staat Pa­läs­ti­na rech­nen zu kön­nen. Tat­säch­lich zei­gen Jahr­hun­der­te der Ge­schich­te der Ju­den in den ara­bi­schen Län­dern, dass sie in den Rechts­sta­tus von Zweit­klass­bür­gern ver­setzt wur­den.[108] Ab­schlie­ßend, wie Pro­fes­sor As­her Sus­ser rich­tig sagt: „Im Sche­ma der Ein­staa­ten­be­für­wor­ter wür­den die is­rae­li­schen Ju­den, nach­dem sie ih­ren Staat ab­ge­wi­ckelt hät­ten, ei­ne wehr­lo­se Min­der­heit wer­den, die schließ­lich zur Un­ter­wer­fung ge­prü­gelt wür­de. … So­bald die Is­rae­lis ih­ren Mehr­heits­staat nicht mehr be­sä­ßen, hät­ten sie als wehr­lo­se Min­der­heit kei­ne Chan­ce.”[109]

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An­mer­kun­gen

1 Ei­ne frü­he­re Ver­si­on die­ses Ar­ti­kels wur­de zur Ver­öf­fent­li­chung durch die Le­van­ti­ne Re­view an­ge­nom­men. Der Au­tor dankt dem Her­aus­ge­ber der Le­van­ti­ne Re­view für die Er­laub­nis, ei­ne über­ar­bei­te­te Ver­si­on die­ses Ar­ti­kels hier zu ver­öf­fent­li­chen.

2 Sie­he: Ca­ro­li­ne Glick, The Is­rae­li So­lu­ti­on: A One-​State Plan for Peace in the Midd­le East (New York: Ran­dom Hou­se, 2014).

3 Auf is­rae­li­schem Staats­ge­biet le­ben 6,251,000 Ju­den und 1,730,000 Ara­ber. Es sind et­wa 4,500,000 Ara­ber in der West­bank und dem Ga­za­strei­fen zu­sam­men. Es gibt 2,000,000 pa­läs­ti­nen­si­sche Flücht­lin­ge, meis­tens de­ren Nach­kom­men, in Jor­da­ni­en und grob 1,000,000 im Li­ba­non und in Sy­ria zu­sam­men­ge­zählt, und grob wei­te­re 2,000,000 in Eu­ro­pa, Groß­bri­tan­ni­en, La­tein­ame­ri­ka, Nord­ame­ri­ca, den Golf­staa­ten, etc. Des­halb wür­de das „Rück­kehr­recht” für die Flücht­lin­ge und ih­re Nach­kom­men die Ju­den rasch zu ei­ner Min­der­heit ma­chen in ei­nem mehr­heit­lich ara­bi­schen Pa­läs­ti­na, das Is­ra­el, Ga­za und die West­bank um­fas­sen wür­de. Die­se Be­völ­ke­rungs­zah­len ent­stam­men fol­gen­den Quel­len: Ha­yah Goldlist-​Eichler, “On the Eve of In­de­pen­dence Day: Is­rae­li Po­pu­la­ti­on stands at 8,345,000”, The Je­ru­sa­lem Post, 21 April 2015; Sta­te of Pa­lesti­ne, Pa­lesti­ni­an Cen­tral Bu­reau of Sta­tis­tics, Po­pu­la­ti­on; United Na­ti­ons Re­li­ef and Works Agen­cy for Pa­lesti­ne Re­fu­gees in the Ne­ar East (UNRWA), “UNRWA in Fi­gu­res”, Stand 1. Ju­li 2014.

4 Mar­tin Kra­mer, Ivo­ry Towers on Sand: The Fail­u­re of Midd­le East Stu­dies in Ame­ri­ca (Wa­shing­ton, DC: The Wa­shing­ton In­sti­tu­te for Ne­ar East Po­li­cy, 2001), 70 – 76.

5 Über die Miss­stän­de der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, sie­he: Jo­na­than Schan­zer, Sta­te of Fail­u­re: Yas­ser Ara­fat, Mahmoud Ab­bas, and the Un­ma­king of the Pa­lesti­ni­an Sta­te (New York: Pal­gra­ve Macmil­lan, 2013); Ali Qlei­bo, “The Reign of the Rabb­le: Or­ga­ni­zed Crime in Je­ru­sa­lem and the West Bank”, This Week in Pa­lesti­ne; Ka­rin Laub and Mo­ham­med Dar­agh­meh, “Un­der Ab­bas, Ma­jo­ri­ty Say They Can’t Speak Free­ly”, As­so­cia­ted Press, 17 De­cem­ber 2014; Kha­led Abu To­a­meh, “Pa­lesti­ni­ans Need Re­forms, Not Elec­tions”, Gatestone In­sti­tu­te, 4 May 2015; Kha­led Abu To­a­meh, “U.S., Eu­ro­pe Fund Tor­tu­re by Pa­lesti­ni­an Aut­ho­ri­ty”, Gatestone In­sti­tu­te, 26 Fe­bru­ary 2016; It­amar Mar­cus and Nan Jac­ques Zil­ber­dik, “No Free­dom of Speech in the PA”, Pa­lesti­ni­an Me­dia Watch, April 27, 2015.

6 Kra­mer, Ivo­ry Towers on Sand, 75.

7 Hus­sein Ibish, What’s Wrong with the One-​State Agen­da? Why En­ding the Oc­cupa­ti­on and Peace with Is­ra­el Is Still the Pa­lesti­ni­an Na­tio­nal Goal (Wa­shing­ton, DC: Ame­ri­can Task Force on Pa­lesti­ne, 2009), 62.

8 Kra­mer, Ivo­ry Towers on Sand.

9 Abu Iyad with Eric Rou­leau, My Home, My Land, trans. Lin­da But­ler Ko­seo­glu (New York: Times Books, 1981), 136; cf. 69 – 70.

10 Ibid., 136.

11 Ibid., cf. 141 – 2.

12 Jo­el Fi­sh­man, “Ten Ye­ars Sin­ce Os­lo: The PLO’s ‘Peop­les War’ Stra­te­gy and Israel’s In­a­de­qua­te Re­spon­se”, Je­ru­sa­lem Cen­ter for Pu­blic Af­fairs, 1 Sep­tem­ber 2003; Efraim Karsh, Arafat’s War: The Man and His Batt­le for Is­rae­li Con­quest (New York: Gro­ve Press, 2003), 5 – 6, 46, 59, 61, 83, 156; Bar­ry Ru­bin and Ju­dith Colp Ru­bin, Yas­ir Ara­fat: A Po­li­ti­cal Bio­gra­phy (Ox­ford: Ox­ford Uni­ver­si­ty Press, 2003), 69, 147, 238 – 9, 242 – 3, 261; Yossef Bo­dan­sky,The High Cost of Peace (Ro­se­vil­le, CA: Pri­ma Pu­bli­shing, 2002), 9 – 12, 181; Yedidya At­las, “Arafat’s Stock­holm Ad­dress”, 10 May 1996.

13 Karsh, Arafat’s War, 50 – 1; Ru­bin and Ru­bin, Yas­ir Ara­fat, 112 – 114.

14 Wal­ter La­queur, A Histo­ry of Zio­nism (New York: Holt, Ri­ne­hart and Winston, 1972), 251 – 254, 266, 539, 579, 595.

15 Ed­ward Said, “The On­ly Al­ter­na­ti­ve”, Al-​Ahram Wee­kly On­line, 1 – 7 March 2001, Is­sue No. 523.

16 To­ny Judt, “Is­ra­el: The Al­ter­na­ti­ve”, The New York Re­view of Books, 23 Oc­to­ber 2003; see al­so “An Al­ter­na­ti­ve Fu­ture: An Ex­chan­ge”, The New York Re­view of Books, 4 De­cem­ber 2003.

17 Vir­gi­nia Til­ley, The One-​State So­lu­ti­on: A Bre­akth­rough for Peace in the Israeli-​Palestinian De­ad­lock (Ann Ar­bor: The Uni­ver­si­ty of Mi­chi­gan Press, 2005).

18 Ali Ab­u­ni­mah, One Coun­try: A Bold Pro­po­sal to End the Israeli-​Palestinian Im­pas­se (New York: Me­tro­po­li­tan Books/​Henry Holt and Com­pa­ny, 2006).

19 https://electronicintifada.net/content/one-state-declaration/793

20Har­vard stu­dents or­ga­ni­ze one-​state so­lu­ti­on con­fe­renceThe Times of Is­ra­el, 29 Fe­bru­ary 2012.

21 Omar Barg­hou­ti, BDS: Boy­cott Di­ve­st­ment Sanc­tions: The Glo­bal Strugg­le for Pa­lesti­ni­an Rights (Chi­ca­go: Hay­mar­ket Books, 2011), 178.

22 Ibid.

23 Vi­deo­clips mit Barg­hou­tis dies­be­züg­li­chen Aus­sa­gen fin­den Sie hier: http://www.canarymission.org/individuals/#/omarbarghouti/

24 Sa­ree Mak­di­si, Pa­lesti­ne In­si­de Out: An Ever­y­day Oc­cupa­ti­on (New York and Lon­don: W. W. Nor­ton and Com­pa­ny, 2008), 279 – 298.

25 Mi­ko Pe­led, The General’s Son: Jour­ney of an Is­rae­li in Pa­lesti­ne (Char­lot­tes­vil­le, VA: Just World Books, 2012), 168, 174, 211, 212.

26 Ian S. Lustick, “Two-​State Il­lu­si­on”, The New York Times, 14 Sep­tem­ber 2013. Cf. Padraig O’Malley, The Two-​State De­lu­si­on (New York: Viking/​Penguin, 2015).

27 Hus­sein Ibish, What’s Wrong with the One-​State Agen­da: Why En­ding the Oc­cupa­ti­on and Peace with Is­ra­el Is Still the Pa­lesti­ni­an Na­tio­nal Goal (Wa­shing­ton, DC: Ame­ri­can Task Force on Pa­lesti­ne, 2009).

28 Ben­ny Mor­ris, One Sta­te, Two Sta­tes: Re­sol­ving the Israel/​Palestine Con­flict (New Ha­ven and Lon­don: Yale Uni­ver­si­ty Press, 2009).

29 As­her Sus­ser, Is­ra­el, Jor­dan, Pa­lesti­ne: The Two-​State Im­pe­ra­ti­ve (Walt­ham, MA: Brand­eis Uni­ver­si­ty Press, 2012).

30 Ed­ward W. Said, The Ques­ti­on of Pa­lesti­ne (New York: Ran­dom Hou­se, 1979), 51.

31 Ibid., 216.

32 Ibid., 122.

33 Ibid., 220.

34 Ibid., 37, 87, 100 – 1, 102 – 3, 119, 154, 174 – 5, 180 – 1, 220 and pas­sim.

35 Til­ley, The One-​State So­lu­ti­on, 203.

36 Ibid., 202.

37 Ibid., 203.

38 Ibid., 162.

39 Ibid., 162.

40 Ibid., 163.

41 Ibid., 164.

42 Ibid., 164 – 165.

43 Ibid., 87, 132, 137, 139, 144 – 5, 157, 178, 181, 200, 231.

44 Ibid., 87.

45 Ibid., 137.

46 Ibid., 6, 45, 54, 60, 73, 75, 86, 90, 93, 96 – 7, 98, 114, 218, 271.

47 Ibid., 90.

48 Ibid., 6.

49 Ibid., 60.

50 Mak­di­si, Pa­lesti­ne In­si­de Out, 86; cf. 89, 271.

51 Ibid., 167.

52 Ibid., 274.

53 Ibid., 269 – 270.

54 Ibid., 270.

55 Ibid., 271.

56 Ibid., 274.

57 Ab­u­ni­mah, One Coun­try, 164.

58 Ibid., 165.

59 Ibid., 165 – 166.

60 Ibid., 167.

61 Ibid., 167.

62 Ibid., 169.

63 Ibid., 186.

64 Barg­hou­ti, BDS, 178; cf. 51.

65 Ibid.

66 See: Ibid., 239 – 247, for the list of such groups.

67 Ibid., 33; cf. 49.

68 Ibid., 64, 120, 133, 169, 199.

69 Ibid., 44.

70 Ibid., 44 – 45; cf. 62, 67, 137, 188.

71 Ibid., 50; cf. 49, 173 – 174.

72 Ibid., 174.

73 Ibid., 196 – 197.

74 Ibid., 130.

75 Ibid., 130 – 131.

76 Ibid., 36, 193, 195

77 Ibid., 177.

78 Barg­hou­ti schreibt: „Der Kern der Pa­läs­ti­na­fra­ge war schon im­mer die Not der Flücht­lin­ge, die wäh­rend der Nak­ba eth­nisch ge­säu­bert wur­den.” (“The core of the ques­ti­on of Pa­lesti­ne has al­ways be­en the plight of the re­fu­gees who we­re eth­ni­cal­ly clean­sed du­ring the Nak­ba.”) Ibid., 198; cf. 68.

79 Pe­led, The General’s Son, 121 – 2.

80 Ibid.

81 Ibid., 145.

82 Ibid., 185.

83 Ibid., 199; cf. 202.

84 Ibid., 63.

85 Ibid., 115

86 Ibid., 10.

87 Ibid., 216.

88 Ibid., 217.

89 Barg­hou­ti, BDS, 16.

90 Ab­u­mi­nah, One Coun­try, 7.

91 For examp­le, Barg­hou­ti ci­tes Pap­pé in BDS, 30, 44, 108, 257, 282n19, 283n2.

92 Zvi El­pe­leg, The Grand Muf­ti: Haj Amin al-​Hussaini, Foun­der of the Pa­lesti­ni­an Na­tio­nal Mo­ve­ment, trans. Da­vid Har­vey, ed. Shmu­el Hi­mel­stein (Lon­don and Port­land, OR: Frank Cass, 1993); Zvi El­pe­leg, Through the Eyes of the Muf­ti: The Es­says of Haj Amin, Trans­la­ted and An­no­ta­ted, trans. Ra­chel Kes­sel (Lon­don and Port­land, OR: Val­len­ti­ne Mit­chell, 2009); Jef­frey Herf, “Na­zi Pro­pa­gan­da to the Arab World du­ring World War II and the Emer­gence of Is­la­mism,” in: Charles As­her Small, ed., Glo­bal An­ti­se­mi­tism: A Cri­sis of Mo­der­ni­ty, Vol. IV: Is­la­mism and the Arab World (New York: ISGAP, 2013), 81 – 90; Jef­frey Herf, Na­zi Pro­pa­gan­da for the Arab World (New Ha­ven and Lon­don: Yale Uni­ver­si­ty Press, 2009; pa­per­back edi­ti­on 2010).

93 Efraim Karsh, Fa­bri­ca­ting Is­rae­li Histo­ry, zwei­te, über­ar­bei­te­te Aus­ga­be (Lon­don and Port­land OR: Frank Cass, 2000), 74 – 75; Da­vid Bar­nett and Efraim Karsh, “Azzam’s Ge­n­o­ci­dal Thre­at,” Midd­le East Quar­ter­ly, 18 (2011), 85 – 88; Ani­ta Shapi­ra, Is­ra­el: A Histo­ry (Walt­ham, MA: Brand­eis Uni­ver­si­ty Press, 2012), 156.

94 Ben­ny Mor­ris, 1948: A Histo­ry of the First Arab-​Israeli War (New Ha­ven and Lon­don: Yale Uni­ver­si­ty Press, 2008), 408.

95 Ibid., 407 – 408.

96 Ibid., 406.

97 Jef­frey Herf, The Je­wish En­e­my: Na­zi Pro­pa­gan­da Du­ring World War II and the Ho­lo­caust (Cam­bridge, MA: The Bel­knap Press of Har­vard Uni­ver­si­ty Press, 2006); Ro­bert Wis­trich, Hitler’s Apo­ca­lyp­se: Jews and the Na­zi Le­ga­cy (New York: St. Martin’s Press, 1985).

98The Co­venant of the Is­la­mic Re­sis­tan­ce Mo­ve­ment: Ha­mas”, Midd­le East Me­dia Re­se­arch In­sti­tu­te (MEMRI), Spe­cial Dis­patch Se­ries No. 1092, 14 Fe­bru­ary 2006. See: ar­ti­cles 17, 22, 28, 32.

99 See the fol­lo­wing examp­les: “Ga­za Uni­ver­si­ty De­an of Qura­nic Stu­dies Ap­pro­ves Kil­ling Je­wish Wo­men and Child­ren”, MEMRI, Clip No. 5122, 16 Oc­to­ber 2015; “Ha­mas Cle­ric and TV Host Abu Funun: We Will Not Lea­ve a Sin­gle Jew, Dead or Ali­ve, on Our Land”, MEMRI, Clip No. 5115, 13 Oc­to­ber 2015; “Ha­mas Ser­mon from the Ga­za Strip: Our Doc­tri­ne Ent­ails Ex­ter­mi­na­ting the Jews”, MEMRI, Clip No. 4376, 25 Ju­ly 2014; “Ha­mas MP Al-​Astal: We Must Mas­sa­c­re Jews, Im­po­se Ji­zya Poll Tax on Them” MEMRI,” Clip No. 4202, 6 March 2014; “Ha­mas Lea­der Mahmoud al-​Zahar Ju­s­ti­fies Per­se­cu­ti­on of Jews in Histo­ry and Pro­mi­ses that Jews ‘Are Hea­ded to An­ni­hi­la­ti­on’”, MEMRI, Spe­cial Dis­patch No. 3373, 12 No­vem­ber 2010; “Ha­mas De­pu­ty Mi­nis­ter of Re­li­gious En­dow­ments: Jews are Bac­te­ria, Not Hu­man Beings”, MEMRI, Clip No. 2415, 28 Fe­bru­ary 2010; “De­pu­ty Ha­mas Mi­nis­ter of Re­li­gious En­dow­ments Ab­dal­lah Jar­bu’: On­ly a Ma­d­man Would Think Jews Are Hu­man”, MEMRI, Clip No. 2430, March 19, 2010; Meir Lit­vak, “The Anti-​Semitism of Ha­mas”, Palestine-​Israel Jour­nal of Po­li­tics, Eco­no­mics, and Cul­tu­re, 12,2 – 3 (2005).

100 Pa­lesti­ni­an Cen­ter for Po­li­cy and Sur­vey Re­se­arch, “Spe­cial Ga­za War Poll”, 2 Sep­tem­ber 2014; Pa­lesti­ni­an Cen­ter for Po­li­cy and Sur­vey Re­se­arch, “Pa­lesti­ni­an Pu­blic Opi­ni­on Poll No. 53”, 29 Sep­tem­ber 2014; Pa­lesti­ni­an Cen­ter for Po­li­cy and Sur­vey Re­se­arch, “Pa­lesti­ni­an Pu­blic Opi­ni­on Poll No. 54”, 3 – 6 De­cem­ber 2014; Pa­lesti­ni­an Cen­ter for Po­li­cy and Sur­vey Re­se­arch, „Pa­lesti­ni­an Pu­blic Opi­ni­on Poll No. 57″, 6 Oc­to­ber 2015.

101 Pew Re­se­arch Cen­ter, Glo­bal At­ti­tu­des Pro­ject, “Com­mon Con­cerns About Is­la­mic Ex­tre­mism; Muslim-​Western Ten­si­ons Per­sist”, 21 Ju­ly 2011, 42, 43, 47 (pa­ge num­bers re­fer to PDF file); Anti-​Defamation League, “ADL Glo­bal 100: An In­dex of An­ti­se­mi­tism”.

102 Pew Re­se­arch Cen­ter, “The World’s Mus­lims: Re­li­gi­on, Po­li­tics and So­cie­ty”, 30 April 2013, 201 (pa­ge num­ber re­fers to PDF file).

103 Ibid., 219.

104 Ibid., 220.

105 Ibid., 221.

106 Draft Con­sti­tu­ti­on of Pa­lesti­ne (2003), Ar­ti­cle 4.

107 For co­pious do­cu­men­ta­ti­on, see Paul Mar­shall and Ni­na Shea, Si­len­ced: How Apostasy and Blas­phe­my Codes Are Cho­king Free­dom World­wi­de (New York and Ox­ford: Ox­ford Uni­ver­si­ty Press, 2011); Paul Mar­shall, Le­la Gil­bert, and Ni­na Shea, Per­se­cu­t­ed: The Glo­bal As­s­ault on Chris­ti­ans (Nash­ville: Tho­mas Nel­son, 2013), pp. 123 – 256; see al­so the U.S. Sta­te Department’s an­nu­al In­ter­na­tio­nal Re­li­gious Free­dom Re­ports; and Jo­seph S. Spo­erl, “What a Mus­lim Bro­ther­hood Sta­te Looks Li­ke”, The New English Re­view, Ju­ne 2013.

108 On the sta­tus of Jews in Is­la­mic law, theo­lo­gy, and so­cie­ty, see Ber­nard Le­wis, The Jews of Is­lam (Prince­ton: Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, 1984), 3 – 66; S. D. Go­itein, Jews and Arabs: A Con­cise Histo­ry of their So­ci­al and Cul­tu­ral Re­la­ti­ons (Mi­neo­la, NY: Do­ver Pu­bli­ca­ti­ons, Inc., 2005), 62 – 88; Nor­man Still­man, The Jews of Arab Lands: A Histo­ry and Source­book (Phil­adel­phia: The Je­wish Pu­bli­ca­ti­on So­cie­ty of Ame­ri­ca, 1979); Bat Ye’or, The Dhim­mi: Jews and Chris­ti­ans Un­der Is­lam, trans. Da­vid Mais­el, Paul Fen­ton, and Da­vid Litt­man (Ru­t­her­ford NJ: Fairl­eigh Di­ck­in­son Uni­ver­si­ty Press, 1985), 43 – 77 and pas­sim; Hag­gai Ben-​Shammai, “Jew-​Hatred in the Is­la­mic Tra­di­ti­on and the Is­la­mic Ex­ege­sis,” in Shmu­el Al­mog ed., An­ti­se­mi­tism Through the Ages (Ox­ford: Per­ga­mon Press, 1988), 161 – 170; Ja­cob Lass­ner, Jews, Chris­ti­ans, and the Abo­de of Is­lam (Chi­ca­go and Lon­don: The Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press, 2012),161 – 169 and pas­sim; Shaykh Safiur-​Rahman Al-​Mubarakpuri trans, Tafsir Ibn Ka­t­hir, se­cond ed. (ab­rid­ged) (Riyadh: Darus­sa­lam, 2003), Vol. 4, pp. 404 – 6 (com­men­ta­ry on ver­se 9:29).

109 Sus­ser, Is­ra­el, Jor­dan, Pa­lesti­ne: The Two-​State Im­pe­ra­ti­ve, 215.

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