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Islam-​Wachstum: Droht Is­ra­el die Katastrophe?

Der ein­zi­ge jü­di­sche Staat der Welt ist seit sei­ner Grün­dung von Au­ßen exis­tenz­ge­fähr­det. Doch auch von In­nen droht Gefahr.

Adam Elnakal, 7.7.2017, Phi­lo­so­phia Perennis

Kämp­fen für die ein­zi­ge De­mo­kra­tie im Na­hen Os­ten © s.u.

Seit sei­ner Grün­dung im Mai 1948 ist der Staat Is­ra­el von Fein­den um­ge­ben. Noch in der Nacht sei­ner Grün­dung wur­de er im ju­den­hass­erfüll­ten Wahn von sei­nen Nach­barn an­ge­grif­fen und muss­te ums nack­te Über­le­ben kämp­fen. Er hat es ge­schafft. Fast schon 70 Jah­re hält sich das freiheitlich-​demokratische Is­ra­el im unfreiheitlich-​islamischen Oze­an als Boll­werk der Ent­wick­lung und der Hu­ma­ni­tät und als ein­zi­ger mehr­heit­lich jü­di­scher Staat weltweit.

Als frei­heit­li­cher Rechts­staat ge­stat­tet Is­ra­el sei­nen Bür­gern selbst­ver­ständ­lich Re­li­gi­ons­frei­heit und ei­ne freie Fa­mi­li­en­pla­nung. Wenn die jü­di­sche Mehr­heit in Is­ra­el mo­men­tan auch noch sehr sta­bil ist, gibt es den­noch Zah­len, die zur Be­sorg­nis An­lass geben.

Ge­gen­wär­tig sind et­wa 74,9 Pro­zent der Is­rae­lis Ju­den und 17,7 Pro­zent Mus­li­me. 2011 wa­ren es aber bei­spiels­wei­se noch 75,4 Pro­zent Ju­den (mehr als 34) und 16,9 Pro­zent Muslime.

Wäh­rend der Pro­zent­satz der Ju­den in­ner­halb ei­nes hal­ben Jahr­zehn­tes um 0,5 sank, stieg je­ner der Mus­li­me um 0,8 an. Die Chris­ten ma­chen üb­ri­gens mit nicht ein­mal zwei Pro­zent ei­ne sehr viel klei­ne­re Min­der­heit aus, die je­doch kon­stant bleibt. Wäh­rend die jü­di­sche Be­völ­ke­rung jähr­lich um 1,7 Pro­zent wächst, be­trägt die Wachs­tums­ra­te bei der ara­bi­schen Be­völ­ke­rung 2,2 Pro­zent. Die muslimisch-​arabische Be­völ­ke­rung ist im Durch­schnitt mehr als zehn Jah­re jün­ger und wächst schnel­ler als die jüdische.

Orthodoxe Juden beim Al-Quds-Tag (c) David Berger.JPG

Or­tho­do­xe Ju­den de­mons­trie­ren beim Al-​Quds-​Tag ge­gen den Staat Israel

Laut den is­rae­li­schen Be­hör­den hat­ten im ver­gan­ge­nen Jahr 20,6 Pro­zent der Neu­ge­bo­re­nen ei­ne mus­li­mi­sche Mut­ter, wäh­rend 74,1 Pro­zent ei­ne jü­di­sche Mut­ter hat­ten. Wo­bei die ho­hen Ge­bur­ten­ra­ten bei den Ju­den vor al­lem bei den ul­tra­or­tho­do­xen Ju­den zu fin­den sind, die laut der is­rae­li­schen Zei­tung Haa­retz be­reits im Jah­re 2028 mehr als 20 Pro­zent al­ler Ju­den re­prä­sen­tie­ren könnten.

Die Pro­ble­me lie­gen auf der Hand: Die ul­tra­or­tho­do­xen Män­ner sind vom Wehr­dienst be­freit und ge­hen in der Mehr­heit auch nicht ar­bei­ten, son­dern wid­men sich aus­schließ­lich dem re­li­giö­sen Stu­di­um, wäh­rend die Frau­en den Le­bens­un­ter­halt aufbringen.

Vie­le ul­tra­or­tho­do­xe Ju­den ste­hen dem Staat Is­ra­el ega­li­ta­ris­tisch über kri­tisch bis ab­leh­nend ge­gen­über. Es liegt al­so schon in der innerjüdisch-​israelischen Ge­sell­schaft für die kom­men­den Jah­re ge­nug Span­nungs­po­ten­ti­al in der Luft, die dem sä­ku­la­ren Staat Is­ra­el ernst­haf­te Pro­ble­me be­rei­ten wird. Denn wäh­rend ei­ne jüdisch-​säkulare Frau im Durch­schnitt zwei Kin­der zur Welt bringt, schafft es die ul­tra­or­tho­do­xe Frau auf im Durch­schnitt mehr als sechs Kin­der. Man muss kein Ma­the­ma­tik­stu­di­um ab­sol­viert ha­ben, um hier ein im­mensens Konflikt- und Ge­fah­ren­po­ten­ti­al aus­zu­ma­chen. Mo­men­tan noch stellt das ul­tra­or­tho­do­xe Ju­den­tum et­wa ein Zehn­tel der Be­völ­ke­rung. Im Jah­re 1990 wa­ren es üb­ri­gens erst fünf Prozent.

Wäh­rend die ul­tra­or­tho­do­xe Be­völ­ke­rung ra­pi­de wächst, so wächst auch die mus­li­mi­sche Be­völ­ke­rung in Is­ra­el, wenn­gleich nicht ganz so schnell. Doch ins­be­son­de­re im Nor­den Is­ra­els gibt es wei­te Ge­bie­te, die mehr­heit­lich is­la­misch sind. Im Nord­be­zirk von Is­ra­el (Na­za­reth und Um­ge­bung bis zu den Go­lan­hö­hen) ma­chen Ara­ber mit knapp 53 Pro­zent be­reits die Be­völ­ke­rungs­mehr­heit der 1,3 Mil­lio­nen Be­woh­ner in die­sem Be­zirk aus.

Die jüdische-​säkulare Prä­gung Is­ra­els ist al­so ei­ner er­heb­li­chen de­mo­gra­phi­schen Ge­fahr ausgesetzt.

16-04-04-Jerusalem-Straßenbahn-WAT_6246Die Si­tua­ti­on ist fest­ge­fah­ren. Denn selbst wenn man es schaf­fen wür­de die Ge­bur­ten­ra­te bei den ul­tra­or­tho­do­xen Ju­den durch Auf­klä­rung und Wer­bung für ein gemäßigt-​orthodoxes Ju­den­tum zu sen­ken, wür­de man die Ge­bur­ten­ra­ten der Ju­den ins­ge­samt sen­ken, was wie­der­um das ara­bi­sche Wachs­tum be­güns­ti­gen würde.

So oder so blei­ben dem Staat Is­ra­el nur sehr be­grenz­te Mög­lich­kei­ten, die­ses de­mo­gra­phi­sche Dra­ma ab­zu­wen­den. Die jun­gen Men­schen kön­nen in Is­ra­el vor al­lem in der Schu­le und durch das Mi­li­tär ge­prägt wer­den. Die Wehr­pflicht gilt für Män­ner und Frau­en, wo­bei der Wehr­dienst für Ara­ber und ul­tra­or­tho­do­xe Ju­den frei­wil­lig ist. Dies könn­te ge­än­dert wer­den. Denn schließ­lich ge­nie­ßen auch die ara­bi­schen Is­rae­lis und die Ul­tra­or­tho­do­xen die Vor­zü­ge ei­nes Le­bens in ei­ner frei­heit­li­chen Demokratie.

Der Mi­li­tär­dienst wird von vie­len Is­rae­lis als sehr lehr­reich und prä­gend emp­fun­den. Hier könn­ten sich jun­ge Is­rae­lis aus den re­li­giö­sen Sack­gas­sen ih­rer El­tern­häu­ser be­frei­en und ein ge­sun­des Maß zur Re­li­gi­on finden.

Die Ju­gend könn­te im ge­mein­sa­men Un­ter­richt und Wehr­dienst auch Er­kennt­nis ge­win­nen, dass der Staat Is­ra­el als ein­zi­ge freie De­mo­kra­tie im Na­hen Os­ten und ein­zi­ger mehr­heit­lich jü­di­scher Staat der Welt die Rech­te al­ler Ein­woh­ner si­chert und er es wert ist, dass man sich ge­mein­sam für die­ses Ge­mein­we­sen einsetzt.

Frei­lich soll­ten auch ei­ni­ge Ge­set­zes­än­de­run­gen über­legt wer­den. So er­laubt das Rück­kehr­ge­setz je­dem Ju­den seit 1950 die be­din­gungs­lo­se Ein­wan­de­rung in den Staat Is­ra­el. Die Ein­wan­de­rung könn­te an Be­din­gun­gen ge­knüpft wer­den, wie zum Bei­spiel das Vor­wei­sen von He­bräisch­kennt­nis­sen, die Be­reit­schaft Mi­li­tär­dienst zu leis­ten und die schrift­li­che Ver­pflich­tung Kin­der zu frei­heit­li­chen Staats­bür­gern zu erziehen.

Es bleibt an der Ju­gend sich aus an­ti­is­rae­li­schen El­tern­häu­sern zu be­frei­en und ei­ne Ge­fahr von in­nen abzuwenden.

Is­ra­el hat schon au­ßer­halb sei­ner Staats­gren­zen mehr als ge­nug Fein­de. Es kann kei­ne Fein­de in­ner­halb sei­ner Gren­zen mehr gebrauchen.

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Die­ser Ar­ti­kel er­schien zu­erst auf philosophia-perennis.com. Wie­der­ge­ge­ben mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Her­aus­ge­bers und des Autors.

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Fo­tos: (1) © http://www.flickr.com/people/45644610@N03, CC BY-​SA 3.0, via Wi­ki­me­dia Com­mons (2) © Da­vid Ber­ger (3) © Ralf Ro­let­schek [GFDL 1.2], via Wi­ki­me­dia Commons

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