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Ka­tar und Saudi-​Arabien wol­len ei­ne der größ­ten Ka­the­dra­len Eu­ro­pas is­la­mi­sie­ren

Gi­ulio Meot­ti, 18.7.2017, Gatestone In­sti­tu­te

  • In der is­la­mi­schen Sym­bo­lik ist Cór­do­ba das ver­lo­re­ne Ka­li­fat. Die po­li­ti­sche Au­to­ri­tät in Cór­do­ba ver­lieh dem An­spruch der ka­tho­li­schen Kir­che auf die Ka­the­dra­le ei­nen Schlag, in­dem sie er­klär­te, „re­li­giö­se Wei­he ist nicht der Weg, Ei­gen­tum zu er­wer­ben”. Doch so funk­tio­niert die Ge­schich­te, be­son­ders in den Län­dern, wo das Chris­ten­tum und der Is­lam hart um die Herr­schaft ge­kämpft ha­ben. War­um drän­gen die Sä­ku­la­ris­ten nicht den Prä­si­den­ten der Tür­kei, Re­cep Tay­y­ip Er­do­gan, da­zu, den Chris­ten die Ha­gia So­phia zu ge­ben? Nie­mand hat ei­ne Au­gen­braue ge­ho­ben, dass „die größ­te Ka­the­dra­le der Chris­ten­heit zu ei­ner Mo­schee ge­wor­den ist”.
  • Die spa­ni­sche Lin­ke, die die Re­gi­on re­giert, möch­te die Kir­che in ei­nen „Ort für die Be­geg­nung der Glau­bens­rich­tun­gen” um­wan­deln. Schö­ne öku­me­ni­sche Wor­te, aber ein Ein­falls­tor für die is­la­mi­sche Vor­herr­schaft über an­de­re Glau­bens­rich­tun­gen. Wenn die­se Is­la­mis­ten, un­ter­stützt von den mi­li­tan­ten Sä­ku­la­ris­ten, Al­lah in die Ka­the­dra­le von Cór­do­ba zu­rück­brin­gen kön­nen, wird ein Tsu­na­mi des is­la­mi­schen He­ge­mo­ni­al­den­kens das ver­fal­len­de Chris­ten­tum Eu­ro­pas über­schwem­men. Es gibt Tau­sen­de von lee­ren Kir­chen, die nur dar­auf war­ten, von den Stim­men der Mu­ez­zi­ne ge­füllt zu wer­den.
  • Der west­li­che Ver­such, im Mit­tel­al­ter Je­ru­sa­lem zu be­frei­en, ist als christ­li­cher Im­pe­ria­lis­mus ver­ur­teilt wor­den, wäh­rend die mus­li­mi­schen Kam­pa­gnen, das by­zan­ti­ni­sche Reich, Nord­afri­ka, den Bal­kan, Ägyp­ten, den Na­hen Os­ten und den gröss­ten Teil Spa­ni­ens zu ko­lo­ni­sie­ren und zu is­la­mi­sie­ren, um nur ei­ni­ge we­ni­ge zu nen­nen, als Zeit der Auf­klä­rung ge­fei­ert wer­den.

Der Haupt­al­tar der Ka­the­dra­le von Cór­do­ba. (Bild­quel­le: Wi­ki­me­dia Com­mons /​ © Jo­sé Luiz Ber­nar­des Ri­bei­ro /​ CC BY-​SA 3.0)

Mus­li­mi­sche He­ge­mo­nis­ten schei­nen Phan­ta­si­en zu ha­ben – als auch ei­ne lan­ge Ge­schich­te – christ­li­che Stät­ten in is­la­mi­sche zu ver­wan­deln. Neh­men wir zum Bei­spiel Saint-​Denis, die go­ti­sche Ka­the­dra­le, die nach dem ers­ten christ­li­chen Bi­schof von Pa­ris be­nannt wur­de, der dort im Jah­re 250 be­gra­ben wur­de, und die Grab­stät­te von Karl Mar­tell, des­sen Sieg die mus­li­mi­sche In­va­si­on Frank­reichs im Jah­re 732 stopp­te. Heu­te ist die­se Grab­stät­te, von den meis­ten der fran­zö­si­schen Kö­ni­ge und Kö­ni­gin­nen, laut dem Ge­lehr­ten Gil­les Ke­pel „das Mek­ka des fran­zö­si­schen Is­lams”. Die fran­zö­si­schen Is­la­mis­ten träu­men da­von, sie zu über­neh­men und die Kir­chen­glo­cken durch den Ruf des Mu­ez­zins zu er­set­zen.

In der größ­ten Ka­the­dra­le der Tür­kei, der Ha­gia So­phia, er­klang der Ruf ei­nes Mu­ez­zins vor kur­zem in der Kir­che aus dem sechs­ten Jahr­hun­dert zum ers­ten Mal seit 85 Jah­ren.

In Frank­reich for­der­ten mus­li­mi­sche Füh­rer, ver­las­se­ne Kir­chen in Mo­sche­en um­zu­wan­deln, wo­mit sie den ver­stor­be­nen Schrift­stel­ler Emi­le Cior­an echo­ten, der ein­mal über Eu­ro­pa weis­sag­te: „Die Fran­zo­sen wer­den nicht auf­wa­chen, bis die Not­re Da­me ei­ne Mo­schee wird”.

Jetzt ist es an der Rei­he von Spa­ni­ens größ­ter ka­tho­li­scher Stät­te, der Ka­the­dra­le von Cór­do­ba. Spa­ni­sche „Lin­ke” und Sä­ku­la­ris­ten wür­den jetzt, wie es scheint, ger­ne die Ka­the­dra­le von Cór­do­ba, das Sym­bol für ei­ne Zeit, in der ‚der Is­lam kurz da­vor stand, das Mit­tel­meer in ei­nen mus­li­mi­schen See zu ver­wan­deln’, in ei­ne is­la­mi­sche Mo­schee um­wan­deln. Jetzt, wo der Is­lam wie­der gro­ße Fle­cken des Na­hen Os­tens und Afri­kas er­obert, ist es nicht ein gro­ßer Zu­fall, dass die­se Kam­pa­gne an Bo­den ge­winnt?

Im Jah­re 550 war die Ka­the­dra­le von Cór­do­ba ei­ne christ­li­che Ba­si­li­ka, die ei­nem Hei­li­gen ge­wid­met war; dann wur­de sie 714 von den Mus­li­men be­setzt, die sie zer­stör­ten und wäh­rend der Herr­schaft des Ka­li­fen Abd al Rah­man I. in die Gro­ße Mo­schee von Cór­do­ba um­wan­del­ten. Der Ort wur­de 1523 von Kö­nig Fer­di­nand III. zum ka­tho­li­schen Glau­ben zu­rück­ge­bracht und wur­de die ak­tu­el­le gro­ße Ka­the­dra­le von Cór­do­ba, ei­ner der be­deu­tends­ten Or­te des west­li­chen Chris­ten­tums. Jetzt ver­sucht ei­ne Al­li­anz von Sä­ku­la­ris­ten und Is­la­mis­ten, die Kir­che wie­der zum is­la­mi­schen Glau­ben zu brin­gen.

Das Wall Street Jour­nal nann­te es de­co­n­quis­ta, mit dem Wort re­con­quis­ta spie­lend, was die Zeit meint, als Spa­ni­en vom Is­lam zum Ka­tho­li­zis­mus zu­rück­kehr­te. „Die Gro­ße Mo­schee von Cór­do­ba” nennt sie die UNESCO – die eben­falls die Ge­schich­te fol­tert, ver­dreht und auf den Kopf stellt, um die Ver­gan­gen­heit von Je­ru­sa­lem und He­bron um­zu­schrei­ben. In den letz­ten sechs Jahr­hun­der­ten wur­den dort aber nur ka­tho­li­sche Mes­sen und Glau­bens­be­kennt­nis­se dar­ge­bo­ten. Das WSJ wirft „lin­ken spa­ni­schen In­tel­lek­tu­el­len” vor, den Ort zu „de­chris­tia­ni­sie­ren”.

Ei­ne ak­tu­el­le Herr­schafts­kar­te des is­la­mi­schen Staa­tes um­fasst nicht nur den Na­hen Os­ten, son­dern auch Spa­ni­en. ISIS nennt es „Al-​Andalus”. Gatestones So­e­ren Kern, un­ter an­de­ren, hat den Auf­ruf von ISIS, Spa­ni­en zu­rück­zu­er­obern, be­schrie­ben. Osa­ma bin La­den, der im Jahr 2004 Spa­ni­en in ei­nem Ter­ror­an­griff an­vi­sier­te, be­zog sich häu­fig auf Al-​Andalus in sei­nen Vi­de­os und Re­den. Da­ni­el Pipes hat wei­ter er­klärt, „auch Jahr­hun­der­te nach der Re­con­quis­ta von 1492 seh­nen sich Mus­li­me wei­ter­hin da­nach, das mus­li­mi­sche An­da­lu­si­en wie­der auf­er­ste­hen zu las­sen”. Bin La­dens Er­be, Ay­man al-​Zawahiri, warf auch in die Waag­scha­le: „Die Rück­kehr von An­da­lus in mus­li­mi­sche Hän­de ist ei­ne Pflicht für die Um­ma [mus­li­mi­sche Ge­mein­schaft]”. Sy­ri­sche Dschi­ha­dis­ten nen­nen Spa­ni­en „das Land un­se­rer Vor­fah­ren”. In der is­la­mi­schen Sym­bo­lik ist Cór­do­ba das ver­lo­re­ne Ka­li­fat.

Es ist selbst­zer­stö­re­risch und sur­re­al, dass spa­ni­sche Sä­ku­la­ris­ten – die­je­ni­gen, die be­haup­ten, dass ih­nen die Tren­nung von Kir­che und Staat wich­tig sei – jetzt die mus­li­mi­schen He­ge­mo­nis­ten in ih­rer „Re­con­quis­ta der Mo­schee von Cór­do­ba” un­ter­stüt­zen.

Die jüngs­te Ein­wan­de­rungs­wel­le hat vie­le Mus­li­me nach Spa­ni­en ge­bracht. Die is­la­mi­sche Be­völ­ke­rung Spa­ni­ens hat sich von et­wa ei­ner Mil­li­on im Jahr 2007 auf heu­te fast 1,9 Mil­lio­nen ver­dop­pelt. 350.000 Men­schen un­ter­zeich­ne­ten ei­ne Pe­ti­ti­on, die von der spa­ni­schen „Lin­ken” ge­för­dert wur­de und die die Ent­eig­nung des christ­li­chen Ge­bäu­des for­der­te. Die po­li­ti­sche Au­to­ri­tät in Cór­do­ba ver­lieh dem ka­tho­li­schen An­spruch auf die Ka­the­dra­le ei­nen Schlag, in­dem sie er­klär­te, „re­li­giö­se Wei­he ist nicht der Weg, Ei­gen­tum zu er­wer­ben”. Aber so funk­tio­niert Ge­schich­te, be­son­ders in den Län­dern, wo das Chris­ten­tum und der Is­lam hart um die Herr­schaft ge­kämpft ha­ben. War­um drän­gen die Sä­ku­la­ris­ten nicht den Prä­si­den­ten der Tür­kei, Re­cep Tay­y­ip Er­do­gan, dar­um, den Chris­ten die Ha­gia So­phia zu ge­ben? Nie­mand hat ei­ne Au­gen­braue ge­ho­ben, dass „die größ­te Ka­the­dra­le der Chris­ten­heit ei­ne Mo­schee ge­wor­den ist”.

Die spa­ni­sche „Lin­ke”, die die Re­gi­on re­giert, möch­te die Kir­che in ei­nen „Ort für die Be­geg­nung der Glau­bens­rich­tun­gen” um­wan­deln. Schö­ne öku­me­ni­sche Wor­te, aber ein Ein­falls­tor für die is­la­mi­sche Vor­herr­schaft über an­de­re Glau­bens­rich­tun­gen. Im Jahr 2010 ver­such­te ei­ne Grup­pe mus­li­mi­scher Ak­ti­vis­ten, im In­ne­ren des Ge­bäu­des zu be­ten. Um die Un­ter­stüt­zung der ame­ri­ka­ni­schen Ka­tho­li­ken zu ge­win­nen, hat der Bi­schof von Cór­do­ba, De­me­trio Fernán­dez Gon­zá­lez, vor kur­zem er­klärt, dass das Ge­setz von An­da­lu­si­en die Ent­eig­nung der Ka­the­dra­le er­lau­ben wür­de, wenn ein Ge­richt ent­schei­de, dass die ka­tho­li­sche Kir­che das Ge­bäu­de nicht pflegt. „Es ist bei den Lin­ken Mo­de ge­wor­den, die is­la­mi­sche Ver­gan­gen­heit von Spa­ni­en zu ro­man­ti­sie­ren”, be­merk­te das Wall Street Jour­nal.

„Die Ka­tho­li­ken der Re­con­quis­ta wer­den als ro­he Fa­na­ti­ker be­trach­tet, wäh­rend das Ka­li­fat als ei­ne Oa­se der To­le­ranz und des Ler­nens prä­sen­tiert wird, wo Ju­den und Chris­ten – ihr zweit­klas­si­ger Sta­tus spielt of­fen­bar kei­ne Rol­le – ne­ben Mus­li­men in glück­li­cher con­vi­vencia ge­lebt ha­ben. Ba­rack Oba­ma zi­tier­te so­gar wäh­rend sei­ner 2009er Re­de in Kai­ro An­da­lu­si­en als Bei­spiel für die ‚stol­ze Tra­di­ti­on der To­le­ranz’ des Is­lams”.

Un­ser sä­ku­la­res Es­ta­blish­ment in den Zei­tun­gen, Uni­ver­si­tä­ten und der Pop-​Kultur ver­dammt die Kreuz­zü­ge als Be­weis für die west­li­che Schuld ge­gen­über der is­la­mi­schen Welt. Der west­li­che Ver­such, im Mit­tel­al­ter Je­ru­sa­lem zu be­frei­en, ist als christ­li­cher Im­pe­ria­lis­mus ver­ur­teilt wor­den, wäh­rend die mus­li­mi­schen Kam­pa­gnen, das by­zan­ti­ni­sche Reich, Nord­afri­ka, den Bal­kan, Ägyp­ten, den Na­hen Os­ten und den gröss­ten Teil Spa­ni­ens zu ko­lo­ni­sie­ren und zu is­la­mi­sie­ren, um nur ei­ni­ge zu nen­nen, als ei­ne Zeit der Auf­klä­rung ge­fei­ert wer­den. Kei­ner scheint sich je­doch ir­gend­wel­che Sor­gen zu ma­chen we­gen den is­la­mi­schen Mu­ez­zin­ru­fen, die von den Dä­chern vie­ler Städ­te im Wes­ten auf­stei­gen. Wäh­rend der Wes­ten sich für die Skla­ve­rei peitscht, er­hebt die­se in der is­la­mi­schen Welt kei­ne Fra­gen, ob­wohl Skla­ve­rei der­zeit in Saudi-​Arabien, Mau­re­ta­ni­en, West­afri­ka und an­de­ren Or­ten in vol­lem Gan­ge ist (ob­wohl of­fi­zi­ell „ab­ge­schafft”).

Die Fra­ge in Sa­chen Ka­the­dra­le von Cór­do­ba, die mo­men­tan auf al­ler Lip­pen ist: Wer fi­nan­ziert die Kam­pa­gne, die den Is­lam wie­der an die­sen gro­ßen christ­li­chen Ort zu brin­gen ver­sucht? Die Ant­wort ist Ka­tar. Das Emi­rat un­ter­stützt die Kam­pa­gne der is­la­mi­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen, die Kir­che zum Is­lam zu kon­ver­tie­ren. Der Na­he Os­ten ist voll von in Mo­sche­en um­ge­wan­del­te Kir­chen, wie die Omay­ya­den von Da­mas­kus, Ibn Tu­lun von Kai­ro und die Hagia-​Sophia-​Kathedrale in Is­tan­bul. Die Is­la­mis­ten sind nun dar­um be­müht, das­sel­be in Cór­do­ba zu tun. Die ka­tho­li­sche Kir­che hat Stel­lung ge­nom­men. Wie der Bi­schof von Cór­do­ba, De­me­trio Fer­nan­dez, sag­te: „Den Ort mit den Mus­li­men zu tei­len wä­re wie ein Mann, der sei­ne Frau mit ei­nem an­de­ren Mann teilt”.

Ein Ana­ly­ti­ker am spa­ni­schen In­sti­tut für Stra­te­gi­sche Stu­di­en des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums, Oberst Emi­lio Sán­chez de Ro­jas, gab vor kur­zem ei­nen Vor­trag, in dem er er­klär­te, dass Cór­do­ba „ei­ne Re­fe­renz für den Is­lam” sei. Er warf Ka­tar und Saudi-​Arabien vor, „Kam­pa­gnen des Ein­flus­ses im Wes­ten” zu be­trei­ben und als „ei­ne Quel­le der Fi­nan­zie­rung für die Kam­pa­gne für die Re-​Islamisierung der Ka­the­dra­le in Cór­do­ba” zu fun­gie­ren.

Wenn die­se Is­la­mis­ten, un­ter­stützt von den mi­li­tan­ten Sä­ku­la­ris­ten, Al­lah in die Ka­the­dra­le von Cór­do­ba brin­gen kön­nen, wird ein Tsu­na­mi des is­la­mi­schen He­ge­mo­ni­al­den­kens das ver­fal­len­de Chris­ten­tum Eu­ro­pas über­schwem­men. Es gibt Tau­sen­de von lee­ren Kir­chen, die nur dar­auf war­ten, von den Stim­men von Mu­ez­zi­nen ge­füllt zu wer­den.

Gi­ulio Meot­ti, Kul­tur­re­dak­tor für Il Fo­glio, ist ein ita­lie­ni­scher Jour­na­list und Au­tor.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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