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Schwe­den ein Fai­led Sta­te?

Ju­dith Berg­mann, 21.7.2017, Gatestone In­sti­tu­te

  • Der schwe­di­sche Staat kämpft im wahrs­ten Or­well­schen Stil ge­gen die schwe­di­schen Staats­bür­ger, die auf die of­fen­sicht­li­chen Pro­ble­me hin­wei­sen, die Mi­gran­ten ver­ur­sa­chen.
  • Als der Po­li­zei­be­am­te Pe­ter Spring­a­re im Fe­bru­ar sag­te, dass Mi­gran­ten in den Vor­städ­ten ei­ne un­ver­hält­nis­mä­ßig ho­he Zahl von Ver­bre­chen be­ge­hen, wur­de ein Ver­fah­ren we­gen „An­stif­tung zum Ras­sen­hass” ge­gen ihn an­ge­strengt.
  • Der­zeit wird ein 70-​jähriger schwe­di­scher Rent­ner we­gen „Hass­re­de” ver­folgt, weil er auf Face­book ge­schrie­ben hat­te, dass Mi­gran­ten „Au­tos in Brand set­zen und auf die Stra­ßen uri­nie­ren und ko­ten”.

Die Si­cher­heits­la­ge in Schwe­den ist heu­te so kri­tisch, dass der na­tio­na­le Po­li­zei­chef Dan Eli­as­son die Öf­fent­lich­keit um Hil­fe ge­be­ten hat. Die Po­li­zei ist nicht in der La­ge, die Pro­ble­me al­lei­ne zu lö­sen. Im Ju­ni ver­öf­fent­lich­te die schwe­di­sche Po­li­zei ei­nen neu­en Be­richt, „Ut­s­at­ta om­rå­den 2017″, („Ver­letz­li­che Ge­bie­te 2017”, all­ge­mein be­kannt als „No-​Go-​Zonen” oder ge­setz­lo­se Ge­bie­te). Er zeigt, dass die 55 No-​Go-​Zonen von vor ei­nem Jahr jetzt auf 61 an­ge­stie­gen sind.

Im Sep­tem­ber 2016 wei­ger­ten sich Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­fan Löf­ven und In­nen­mi­nis­ter An­ders Yge­man, die War­nun­gen zu se­hen: Im Jahr 2015 wur­den nur 14% al­ler Ver­bre­chen in Schwe­den auf­ge­klärt, und im Jahr 2016 ha­ben 80% der Po­li­zei­be­am­ten in Er­wä­gung ge­zo­gen, den Dienst zu quit­tie­ren. Bei­de Mi­nis­ter wei­ger­ten sich, es ei­ne Kri­se zu nen­nen. Laut An­ders Yge­man:

„… wir sind in ei­ner sehr schwie­ri­gen La­ge, aber Kri­se ist et­was ganz an­de­res … wir sind in ei­ner sehr an­ge­spann­ten Po­si­ti­on und das liegt dar­an, dass wir die größ­te Re­or­ga­ni­sa­ti­on seit den 1960er Jah­ren durch­ge­führt ha­ben, wäh­rend wir die­se sehr schwie­ri­gen ex­ter­nen Fak­to­ren ha­ben mit dem höchs­ten Flücht­lings­zu­fluss seit dem Zwei­ten Weltkrieg.Wir ha­ben zum ers­ten Mal seit 20 Jah­ren Grenz­kon­trol­len und ei­ne er­höh­te ter­ro­ris­ti­sche Be­dro­hung.”

Ein Jahr spä­ter nennt der schwe­di­sche Po­li­zei­chef die Si­tua­ti­on „akut”.

Schwe­den äh­nelt zu­neh­mend ei­nem ge­schei­ter­ten Staat: In den 61 „No-​Go-​Zonen” gibt es 200 kri­mi­nel­le Netz­wer­ke mit schät­zungs­wei­se 5.000 Kri­mi­nel­len als Mit­glie­der. Drei­und­zwan­zig die­ser No-​Go-​Zonen sind be­son­ders kri­tisch: Kin­der, die bis zu 10 Jah­re jung sind, sind dort an schwe­ren Ver­bre­chen be­tei­ligt, dar­un­ter Waf­fen und Dro­gen, und wer­den buch­stäb­lich trai­niert dar­in, har­te Kri­mi­nel­le zu wer­den.

Die Schwie­rig­kei­ten ge­hen je­doch über das or­ga­ni­sier­te Ver­bre­chen weit hin­aus. Im Ju­ni wur­de die schwe­di­sche Po­li­zei in der Stadt Troll­hät­tan bei ei­nem Auf­ruhr im Vor­ort Kro­no­går­den von et­wa hun­dert mas­kier­ten ju­gend­li­chen Mi­gran­ten, vor al­lem So­ma­lis, an­ge­grif­fen. Der Auf­ruhr dau­er­te zwei Näch­te an.

Hef­ti­ge Un­ru­hen sind je­doch nur ein Teil der Si­cher­heits­pro­ble­me in Schwe­den. Im Jahr 2010 gab es, ge­mäß der Re­gie­rung, „nur” 200 ra­di­ka­le Is­la­mis­ten in Schwe­den. Im Ju­ni sag­te der Chef des schwe­di­schen Si­cher­heits­diens­tes (Sä­po), An­ders Thorn­berg, den schwe­di­schen Me­di­en, dass das Land vor ei­ner „his­to­ri­schen” Her­aus­for­de­rung ste­he, mit Tau­sen­den von „ra­di­ka­len Is­la­mis­ten in Schwe­den” um­zu­ge­hen. Die Dschi­ha­dis­ten und Dschi­ha­dis­ten­un­ter­stüt­zer sind vor al­lem in Stock­holm, Gö­te­borg, Mal­mö und Öre­bro kon­zen­triert. „Das ist die ‚neue Nor­ma­li­tät”… Es ist ei­ne his­to­ri­sche Her­aus­for­de­rung, dass ex­tre­mis­ti­sche Krei­se wach­sen”, sag­te Thorn­berg.

Das schwe­di­sche Es­ta­blish­ment kann sich nur sel­ber die Schuld da­für ge­ben.

Thorn­berg sag­te, dass Sä­po jetzt rund 6.000 Ge­heim­dienst­in­for­ma­tio­nen pro Mo­nat über Ter­ro­ris­mus und Ex­tre­mis­mus er­hält, im Ver­gleich zu durch­schnitt­lich 2.000 pro Mo­nat im Jahr 2012.

Ei­ni­ge der Grün­de für die Zu­nah­me sind, laut dem Ter­ror­spe­zia­lis­ten Ma­gnus Ranstorp von der schwe­di­schen Ver­tei­di­gungs­uni­ver­si­tät SDU, auf die Se­gre­ga­ti­on in den schwe­di­schen No-​Go-​Zonen zu­rück­zu­füh­ren:

„… es war für Ex­tre­mis­ten leicht, un­ge­stört in die­sen Ge­bie­ten zu re­kru­tie­ren … die Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men wa­ren ziem­lich zahm … wenn man Dä­ne­mark und Schwe­den ver­gleicht, ist Dä­ne­mark auf Hoch­schul­ni­veau und Schwe­den auf Kin­der­gar­ten­stu­fe.”

Auf die Fra­ge, was die Zu­nah­me der Men­schen, die ex­tre­mis­ti­sche Ideo­lo­gi­en un­ter­stüt­zen, über die Ar­beit von Schwe­den zur Be­kämp­fung des Ra­di­ka­lis­mus aus­sa­ge, sag­te In­nen­mi­nis­ter An­ders Yge­man der schwe­di­schen Zeit­schrift TT:

„Ich den­ke, es sagt nur we­nig aus, das ist ei­ne Ent­wick­lung, die wir in ei­ner Rei­he von Län­dern in Eu­ro­pa be­ob­ach­tet ha­ben, an­de­rer­seits zeigt es, dass es rich­tig war, die­se Maß­nah­men zu er­grei­fen. Ein ef­fek­ti­ves Zen­trum ge­gen den ge­walt­tä­ti­gen Ex­tre­mis­mus, dass wir das Bud­get er­höht ha­ben, um ge­gen ge­walt­tä­ti­gen Ex­tre­mis­mus vor­zu­ge­hen, dass wir das Bud­get der Si­cher­heits­po­li­zei für drei Jah­re er­höht ha­ben.”

Viel­leicht gibt es noch mehr Dschi­ha­dis­ten, als Sä­po denkt. Im Jahr 2015, auf dem Hö­he­punkt der Mi­gran­ten­kri­se, als Schwe­den über 160.000 Mi­gran­ten auf­nahm, ver­schwan­den 14.000 von ih­nen, de­nen ge­sagt wur­de, dass sie de­por­tiert wer­den wür­den, in­ner­halb von Schwe­den spur­los. Noch im April 2017 such­te Schwe­den 10.000 von ih­nen. Schwe­den hat je­doch nur 200 Grenz­po­li­zis­ten zur Ver­fü­gung, um sie zu su­chen. Ein sol­cher „ver­schwun­de­ner Mi­grant” war Rakhmat Aki­l­ov aus Us­be­ki­stan. Er steu­er­te ei­nen Last­wa­gen in ein Kauf­haus in Stock­holm, tö­te­te vier Leu­te und ver­wun­de­te vie­le an­de­re. Er sag­te spä­ter, dass er es für den is­la­mi­schen Staat (ISIS) ge­tan ha­be.

In­zwi­schen kom­men wei­te­re ISIS-​Kämpfer aus Sy­ri­en nach Schwe­den zu­rück, ei­ne Lie­bens­wür­dig­keit, die die Si­cher­heits­la­ge kaum ver­bes­sert. Schwe­den hat bis­lang 150 zu­rück­keh­ren­de ISIS-​Kämpfer be­kom­men. Es blei­ben nach wie vor 112, die sich im Aus­land be­fin­den – die als die här­tes­ten von al­len gel­ten – und Schwe­den er­war­tet, dass vie­le von de­nen auch noch zu­rück­keh­ren wer­den. Er­staun­li­cher­wei­se hat die schwe­di­sche Re­gie­rung meh­re­ren ISIS-​Rückkehrern ge­schütz­te neue Iden­ti­tä­ten ge­ge­ben, um zu ver­hin­dern, dass ein­hei­mi­sche Schwe­den her­aus­fin­den, wer sie sind. Zwei schwe­di­sche ISIS-​Kämpfer, Osa­ma Kray­em und Mo­ha­med Bel­kaid, die nach Eu­ro­pa zu­rück­ge­kehrt sind, fuh­ren da­mit fort, dass sie mit­hal­fen, die Ter­ror­an­grif­fe am Brüs­se­ler Flug­ha­fen und die Me­tro­sta­ti­on Ma­el­beek im Zen­trum von Brüs­sel am 22. März 2016 zu be­ge­hen. Ein­und­drei­ßig Men­schen wur­den ge­tö­tet; 300 wur­den ver­letzt.

Schwe­di­sche Nach­rich­ten­ka­nä­le ha­ben be­rich­tet, dass die schwe­di­schen Städ­te, die die Rück­keh­rer auf­neh­men, nicht ein­mal wis­sen, dass es sich um zu­rück­keh­ren­de ISIS-​Kämpfer han­delt. Ei­ne Ko­or­di­na­to­rin der Ar­beit ge­gen den ge­walt­tä­ti­gen is­la­mis­ti­schen Ex­tre­mis­mus in Stock­holm, Chris­ti­na Kiern­an, sagt: „… im Mo­ment gibt es kei­ne Kon­trol­le über die Rück­keh­re­rer aus ISIS-​kontrollierten Ge­bie­ten im Na­hen Os­ten”.

Kiern­an er­klärt, dass es Re­geln gibt, die die Wei­ter­ga­be von In­for­ma­tio­nen über die Rück­kehr von Dschi­ha­dis­ten durch Sä­po an die ört­li­chen Ge­mein­den ver­hin­dern, so dass die Per­so­nen, die in den Kom­mu­nal­be­hör­den, zu­stän­dig sind, ein­schließ­lich der Po­li­zei, kei­ne In­for­ma­tio­nen dar­über ha­ben, wer und wie vie­le zu­rück­ge­kehr­te ISIS-​Kämpfer sich in ih­rer Re­gi­on auf­hal­ten. Es ist da­her un­mög­lich, sie zu über­wa­chen – und das zu ei­ner Zeit, in der Sä­po die Zahl der ge­walt­tä­ti­gen is­la­mis­ti­schen Ex­tre­mis­ten in Schwe­den in die Tau­sen­de schätzt.

Selbst nach all dem kämpft der schwe­di­sche Staat im wahrs­ten Or­well­schen Stil ge­gen die­je­ni­gen schwe­di­schen Bür­ger, die auf die of­fen­sicht­li­chen Pro­ble­me hin­wei­sen, die Mi­gran­ten ver­ur­sa­chen. Als der Po­li­zei­be­am­te Pe­ter Spring­a­re im Fe­bru­ar sag­te, dass Mi­gran­ten in den Vor­städ­ten ei­ne un­ver­hält­nis­mä­ßig ho­he Zahl Ver­bre­chen be­gin­gen, wur­de ein Ver­fah­ren we­gen „An­stif­tung zum Ras­sen­hass” ge­gen ihn an­ge­strengt.

Der­zeit wird ein 70-​jähriger schwe­di­scher Rent­ner we­gen „Hass­re­de” ver­folgt, weil er auf Face­book schrieb, dass Mi­gran­ten „Au­tos in Brand ste­cken und auf die Stra­ßen uri­nie­ren und ko­ten”.

Bei Tau­sen­den von Dschi­ha­dis­ten in ganz Schwe­den, was könn­te wich­ti­ger sein als die Ver­fol­gung ei­nes schwe­di­schen Rent­ners we­gen et­was, was er auf Face­book schreibt?

Ju­dith Berg­man ist Ko­lum­nis­tin, An­wäl­tin und po­li­ti­sche Ana­ly­ti­ke­rin.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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