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Vom Aus­ster­ben be­droht: „VoteBuddy”-Satire.

„Der ‚Vote­Bud­dy’ ist ein Fake” ti­telt die Ta­ges­schau und für ei­nen sehr kur­zen Mo­ment keimt Hoff­nung auf, dass sich die pa­ra­si­tä­re Des­in­for­ma­ti­ons­schleu­der auf ih­ren jour­na­lis­ti­schen Auf­trag be­sinnt. Dem ist na­tür­lich nicht so: „Rech­te Sei­ten im Netz zür­nen, der Bun­des­wahl­lei­ter er­mit­telt: In den ver­gan­ge­nen Ta­gen hat der ‚Vote­Bud­dy’ für Auf­se­hen ge­sorgt. […] Der ‚Vote­Bud­dy’ sorg­te aber nicht des­we­gen für Dis­kus­sio­nen im Netz, son­dern vor al­lem, weil an­geb­lich Mi­gran­ten in Deutsch­land nun wäh­len könn­ten.” [1]

Ich hät­te jetzt ver­mu­tet, dass der ei­gent­li­che Skan­dal, der Grund, war­um „Vote­Bud­dy” für Auf­se­hen ge­sorgt hat, der öf­fent­li­che Auf­ruf zur Wahl­fäl­schung (§ 107a StGB) in ca. 8 Mil­lio­nen Fäl­len ist – im­mer­hin nur ein Drit­tel al­ler Wahl­be­rech­tig­ten. Be­reits der Ver­such ist straf­bar. Aber weit ge­fehlt, das scheint die ARD we­ni­ger zu be­un­ru­hi­gen als „Rech­te Sei­ten zür­nen” (geht ja mal gar nicht), der hu­mor­lo­se Bun­des­wahl­lei­ter er­mit­telt ein­fach so drauf los (da ist er üb­ri­gens nicht der Ein­zi­ge), und da­bei war’s doch al­les nur „Sa­ti­re” (kann ja hin­ter­her je­der behaupten)…

Es hat jetzt we­nig Zweck, sich mit dem Ar­ti­kel als sol­chem in­halt­lich aus­ein­an­der­zu­set­zen, da er vom Ver­fas­ser vor al­lem da­für ge­nutzt wird, un­be­que­me Zeit­ge­nos­sen von Da­vid Ber­ger bis Eri­ka Stein­bach run­ter­zu­ma­chen und an­sons­ten sicht­lich be­müht ist, das für den Skan­dal ver­ant­wort­li­che „Künst­ler­kol­lek­tiv” mit dem ur­ko­mi­schen Na­men „Peng!” in ein po­si­ti­ves Licht und zu­gleich ei­ne Op­fer­rol­le zu rü­cken. Wer den Scheiß le­sen will, kann das ja auf ei­ge­ne Ver­ant­wor­tung selbst ma­chen. In­ter­es­sant ist, was sich die „Künst­ler” bei ih­rer Ak­ti­on ei­gent­lich ge­dacht haben:

„Im Ge­spräch mit dem ARD-​Faktenerfinder er­klärt Sa­ra Con­ti von ‚Peng!’, mit dem ‚Vote­Bud­dy’ ha­be die Grup­pe dar­auf auf­merk­sam ma­chen wol­len, dass in Deutsch­land Mil­lio­nen Mi­gran­ten kein Wahl­recht hätten.”

Stopp mal. Ein­gangs wur­de doch be­haup­tet, die De­bat­te hät­te sich dar­an ent­zün­det, dass „an­geb­lich Mi­gran­ten”… Nun ging es al­so im Kern doch dar­um? Viel­leicht hät­te der Herr Gen­sing von der Ta­ges­schau mal sei­nen ei­ge­nen Ar­ti­kel vor der Ver­öf­fent­li­chung kom­plett le­sen sol­len. Nun, wie dem auch sei. Und für die­se Er­kennt­nis muss­te man ei­ne Straf­tat be­ge­hen? Hät­te es nicht ein Le­ser­brief an die ARD auch getan?

” ‚Men­schen, die ih­ren Le­bens­mit­tel­punkt in Deutsch­land ha­ben, soll­ten das Recht ha­ben, le­gal wäh­len zu kön­nen, oh­ne da­für auf die Hil­fe an­de­rer oder auf Rechts­brü­che an­ge­wie­sen zu sein’, so Con­ti. Das Künst­ler­kol­lek­tiv for­dert da­her ein Wahl­recht für al­le Men­schen, die min­des­tens seit ei­nem Jahr in Deutsch­land le­ben – un­ab­hän­gig von der Staatsbürgerschaft.”

War­um? Das er­gibt nicht mal Sinn. War­um soll­te je­der wäh­len dür­fen, der hier grad zu­fäl­lig wohnt? Bin­nen Jah­res­frist ist oft nicht mal ein Asyl­ver­fah­ren ab­ge­schlos­sen. Gut mög­lich, dass der po­ten­ti­el­le Wäh­ler nach dem Ur­nen­gang aus­rei­se­pflich­tig wird und wir müs­sen dann mit sei­ner Wahl­ent­schei­dung die nächs­ten Jah­re le­ben, wäh­rend er im Ide­al­fall gar nicht mehr an­we­send ist.

„Con­ti be­tont, sonst könn­ten Mil­lio­nen Men­schen nicht über die Po­li­tik mit­be­stim­men, die sie selbst be­trifft – bei­spiels­wei­se die Arbeits- und Fa­mi­li­en­po­li­tik. Über die­sen Wi­der­spruch ha­be man ei­ne De­bat­te ent­fa­chen wollen.”

Wo ge­nau ist hier ein Wi­der­spruch? Und zu wel­chem sinn­vol­len Er­geb­nis soll­te so ei­ne De­bat­te füh­ren? Es gibt ja auch Mil­lio­nen nicht Wahl­be­rech­tig­ter, die zwei­fel­los und le­gal ih­ren Wohn­sitz und Le­bens­mit­tel­punkt jah­re­lang in Deutsch­land ha­ben, die Deut­sche sind, die bei­spiels­wei­se auch von der Fa­mi­li­en­po­li­tik be­trof­fen sind – und trotz­dem nicht wäh­len dür­fen. Wir nen­nen sie Kin­der. Die dür­fen nicht wäh­len. Wie ge­mein ist das denn!

Es gibt auch Mil­lio­nen Men­schen, die ei­nen Füh­rer­schein be­sit­zen, aber gar nicht Au­to fah­ren. Und es gibt Mil­lio­nen Men­schen, die ger­ne Au­to fah­ren wür­den und kei­nen Füh­rer­schein ha­ben. Die fi­nan­zie­ren so­gar mit ih­ren Steu­ern die Stra­ßen. War­um bas­teln wir nicht ein­fach ei­ne Web­site, wo die sich… merks­te sel­ber, Frau Con­ti, oder? Das ist haar­sträu­ben­der Stuss und wird nicht da­durch sinn­vol­ler, dass man ihn mit ei­ner il­le­ga­len Ak­ti­on zu ei­ner Dis­kus­si­on aufplustert.

Ent­we­der je­mand er­füllt die An­for­de­run­gen, die für ei­ne be­stimm­te Hand­lung er­for­der­lich sind, oder eben nicht. Die­se An­for­de­run­gen sind ja nicht will­kür­lich. Das Wahl­recht setzt vor­aus, dass man halb­wegs in der La­ge ist, die Kon­se­quen­zen sei­ner Ent­schei­dung ab­zu­schät­zen (gut, das wür­de ich spon­tan mal den meis­ten Leu­ten ab­spre­chen, aber dar­um geht es nicht) und es ist vor al­lem ei­nes der Pri­vi­le­gi­en ei­ner Staats­bür­ger­schaft, die mit Rech­ten und Pflich­ten ein­her­geht. Ein­fach ir­gend­wo woh­nen reicht nicht, auch wenn Frau Mer­kel das irr­tüm­lich annimmt.

Ganz ehr­lich, ich ver­ste­he nicht, was bei sol­chen Leu­ten im Kopf vor­geht… Ich ha­be ei­ne un­heil­vol­le Ah­nung, was es sein könn­te, aber ich weiß es na­tür­lich nicht mit Si­cher­heit. Fas­zi­nie­rend an die­sem Ty­pus Mit­mensch ist al­ler­dings, dass es da­bei im­mer drei Din­ge im Pa­ket­an­ge­bot gibt: Schwach­sin­ni­ge Idee, grenz­wer­ti­ge bis il­le­ga­le Um­set­zung und na­tür­lich die Täter-​Opfer-​Umkehr. Und kei­ne Sor­ge, hier kommt auch schon die un­ver­meid­li­che Op­fer­rol­le rückwärts:

„Al­ler­dings ging die­ser Plan nur teil­wei­se auf. Zwar dis­ku­tier­ten ei­ni­ge Nut­zer in den so­zia­len Netz­wer­ken über die Fra­ge nach dem Wahl­recht für Mi­gran­ten, die in Deutsch­land le­ben – doch es über­wog der Hass. So er­reich­ten ‚Vote­Bud­dy’ zahl­rei­che Be­lei­di­gun­gen und Mord­dro­hun­gen. Sa­ra Con­ti meint, rech­te Ak­ti­vis­ten sei­en im Netz so ak­tiv und be­herr­schend, dass sie die Rich­tung ei­ner De­bat­te vor­ge­ben könnten.”

War ir­gend­wie klar. „Rech­te Ak­ti­vis­ten” ha­ben sie qua­si da­zu ge­nö­tigt, ein il­le­ga­les An­ge­bot ins In­ter­net zu stel­len, nur um sie da­nach run­ter­put­zen zu kön­nen. Ge­ni­al. Ko­mi­scher­wei­se be­kom­men sol­che Ge­hirn­akro­ba­ten dann auch im­mer ber­ge­wei­se Mord­dro­hun­gen (Auf wel­chem We­ge ei­gent­lich? Bis vor­hin war nicht mal klar, wer ei­gent­lich hin­ter der Ak­ti­on steckt?). Ganz ehr­lich: Heul hier nicht rum, Sa­ra, geh zur Po­li­zei und gut ist. Von der Ta­ges­schau gibts je­den­falls kei­nen Personenschutz!

In­ter­es­sant wä­re viel­leicht noch die Fra­ge, wel­che Rich­tung die De­bat­te denn ab­seits von „es ist straf­bar” sonst neh­men könn­te? Die­se Rich­tung ist vor­ge­ge­ben. Vom ver­damm­ten Straf­ge­setz­buch. Mög­lich, dass sich vie­le „rech­te Ak­ti­vis­ten” wün­schen, sie hät­ten es ge­schrie­ben oder könn­ten es um­schrei­ben, aber ich fürch­te, da­für ist ge­ra­de Hei­ko Maas zu­stän­dig (SPD). So­zu­sa­gen ein ziem­lich un­be­herrsch­ter lin­ker Ak­ti­vist. Und ist das nicht ei­gent­lich ein Grund zur Freu­de, wenn die Zi­vil­ge­sell­schaft ein der­art wach­sa­mes Au­ge auf die De­mo­kra­tie hat?

Aber ju­ris­ti­sche Fein­hei­ten sind oh­ne­hin nicht je­der­manns Spe­zi­al­ge­biet: „We­gen der Straf­an­zei­gen ma­che man sich hin­ge­gen we­ni­ger Sor­gen, sagt Con­ti. Die Künst­ler hät­ten die Ak­ti­on be­reits seit Ju­li ge­plant und sich ju­ris­tisch be­ra­ten las­sen: ‚Vote­Bud­dy’ ha­be kei­ne Stim­men ver­mit­telt und sei ein­deu­tig Sa­ti­re, mit der man auf die Ex­klu­si­on von Mil­lio­nen Men­schen bei der Bun­des­tags­wahl ha­be hin­wei­sen wollen.”

Der Bun­des­wahl­lei­ter ist da zum Glück et­was ge­er­de­ter und schrieb auf Twit­ter: „Bit­te um­ge­hend auf der Home­page & dem Twit­ter­ka­nal deut­lich dar­auf hin­wei­sen oder lö­schen. Sonst wer­den Er­mitt­lun­gen fort­ge­setzt.” [2] Da sich mitt­ler­wei­le ein ent­spre­chen­der Hin­weis ver­steckt im Im­pres­sum der „VomitBuddy”-Seite fin­det, dürf­te da­von aus­zu­ge­hen sein, dass das Künst­ler­kol­lek­tiv in nächs­ter Zeit das ei­ne oder an­de­re in­ter­es­san­te Nach­ge­spräch mit dem ei­ge­nen Rechts­be­ra­ter füh­ren wird.

Die Er­mitt­lun­gen ge­hen üb­ri­gens trotz­dem wei­ter, Pech gehabt… 😉

[1] https://www.tagesschau.de/inland/btw17/votebuddy-btw17-fake-101.html
[2] https://mobile.twitter.com/Wahlleiter_Bund/status/906069986896216064

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