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Der tödliche Dreifach-Hass des Westens auf Juden

Viele denken, dass Antisemitismus ein Vorurteil gegen Juden als Volk ist, während Antizionismus und Israelkritik legitime Angriffe auf ein politisches Projekt seien.

Melanie  Phillips, 5.12.2019, jns.com
aus dem Englischen von Daniel Heiniger

Illustration von Tom Gordon, Pixabay

In Frankreich, das eine weitere Welle antijüdischer Angriffe erlebt, hat das Unterhaus einen Resolutionsentwurf angenommen, der den Hass auf Israel als eine Form des Antisemitismus bezeichnet.

In Großbritannien, nachdem Oberrabbiner Ephraim Mirvis eine beispiellose Intervention in den allgemeinen Wahlkampf unternommen hatte, in der er davor warnte, dass „ein neues Gift“ des Antisemitismus, das „von oben sanktioniert“ wurde, „sich in der Labour Party etabliert hat“, nahm die Unterstützung für Labour tatsächlich zu. In vier von fünf Meinungsumfragen, die in den folgenden Tagen durchgeführt wurden, stieg die Bewertung der Partei um zwei bis fünf Punkte.

Letzte Woche wurden bei einem islamischen Terroranschlag in London zwei Menschen getötet und drei weitere verletzt. Und in den letzten zwei Wochen gab es vier Angriffe auf Juden in den Straßen Londons.

Diese Dinge sind alle miteinander verbunden.

Der Oberrabbiner hatte Recht damit, zu sagen, was er sagte, denn die Juden haben die Pflicht, unschöne Wahrheiten zu benennen und eine kulturelle Warnung auszusprechen.

Es ist jedoch eine traurige Tatsache, dass die Aufmerksamkeit auf den Antisemitismus zu ziehen in der heutigen Zeit tendenziell noch mehr davon hervorbringt. Der weit verbreitete Ressentiment- und Schuldkomplex über den wahrgenommenen Status der Juden als die primären Opfer der Geschichte wird ausgelöst, was noch mehr Feindseligkeit provoziert.

Obwohl einige anständige Stimmen gehört wurden, die ihre Besorgnis über die Haltung der Labour-Partei gegenüber den Juden zum Ausdruck brachten, waren die meisten Reaktionen auf die Kommentare von Mirvis entweder Gleichgültigkeit oder Unterstützung für die Partei gegen eine Anklage, die viele für vorgeschoben halten.

Ein Grund dafür ist, dass ein Großteil der verbalen Judenfeindlichkeit in Form von Antizionismus oder Israelkritik erfolgt. Und viele erkennen den Antizionismus nicht als eine Form des Judenhasses an. Sie denken, dass Antisemitismus ein Vorurteil gegen Juden als Volk ist, während Antizionismus und Israelkritik legitime Angriffe auf ein politisches Projekt sind.

Antisemitismus ist jedoch kein Vorurteil wie jedes andere. Er hat einzigartige Eigenschaften, die auf keine andere Gruppe, Person oder Sache angewendet werden. Er ist ein obsessives und verwirrendes Narrativ, das ausschließlich auf Lügen basiert; er beschuldigt Juden Verbrechen, deren sie nicht nur unschuldig sind, sondern deren Opfer sie sind; er verlangt von ihnen Standards, die von niemand anderem erwartet werden; er stellt sie als eine globale Verschwörung einzigartiger Bosheit und Macht dar.

Antizionismus hat genau die gleichen einzigartigen Eigenschaften, die sich gegen den kollektiven Juden in Israel richten. Er ist außerdem ein Angriff auf das Judentum selbst, denn das Land Israel ist ein untrennbares Element.

Natürlich bleiben Juden Juden, auch wenn Israel für ihr Leben irrelevant ist. Doch so wie der Sabbat ein Schlüsselbestandteil des jüdischen Glaubens ist, obwohl viele Juden ihn nicht einhalten, ist das Land Israel ein weiterer solcher Schlüsselbestandteil .

Das Judentum besteht untrennbar aus dem Volk, der Religion und dem Land. Das Recht des Volkes auf das Land anzugreifen, bedeutet, das Judentum selbst anzugreifen.

Der Ansturm gegen den Zionismus und Israel hat daher eindeutig Antisemitismus legitimiert und gefördert, mit einem Verhalten von Bosheit und Virulenz, die gegen keine andere Gemeinschaft gerichtet ist.

Als der konservative Gesundheitsminister Matt Hancock bei einer Wahlkampfveranstaltung versuchte, den Antisemitismus der Labour Party zu verurteilen, wurde er mit Schreien von „Oh mein Gott!“ und „Schande über dich! Lügner!““ niedergebrüllt.

Die Labour Partei veröffentlichte ein Wahlvideo, in dem sie sagte, dass sie Menschen schätze, egal ob sie Muslime, Hindus, Sikhs, Christen, Schwarze, Weiße, Asiaten, Behinderte, Alte, Junge, Arbeiterklasse oder unter 18 Jahre wären. Die eine Gruppe, von der es auffallend zu nennen versäumte, dass sie sie schätzen würde, waren die Juden.

Letzte Woche wurde ein Rabbiner, der London wegen einer Familienhochzeit besuchte, von zwei Männern auf der Straße schwer geprügelt, die schrien: „Tötet die Juden“.

Ende letzten Monats ereigneten sich in London innerhalb derselben Woche drei solcher Vorfälle. Im ersten wurden drei orthodoxe jüdische Jungen, die mit einem Londoner Bus unterwegs waren, von einem Passagier angegriffen, der einen von ihnen schlug und ihre Hüte zu Boden warf.

Im zweiten schrie ein Mann bei einem orthodoxen jüdischen Paar in einem anderen Londoner Bus „Juden gehören nicht hierher“ zu und zeigte ihnen seinen Mittelfinger, bevor er den Mann an seiner Kapuze und die Frau an ihrer Sheitel (Perücke) zerrte.

Im dritten Fall wurde eine jüdische Familie mit zwei Kindern in einem Londoner U-Bahn-Zug von einem Mann mit einem Strom von aggressiven antisemitischen Beleidigungen belästigt.

In diesem Vorfall, der auf Video festgehalten wurde, prostierte eine muslimische Passagierin, Asma Shuweikh, gegen den Mann. Sie wurde zu Recht für ihren Mut gelobt, und es war in der Tat ermutigend, einen solchen angeborenen Anstand über die Religionen hinweg zu sehen.

Frau Shuweikh sagte, sie selbst habe bigotte Beleidigungen erlitten. Alle diese Vorurteile sind falsch und sollten vorbehaltlos verurteilt werden.

Tatsache ist jedoch, dass überproportional viele Angriffe auf Juden in Großbritannien von Muslimen begangen werden. Im Jahr 2018 ergab eine Studie des Instituts für jüdische Politikforschung und des Community Security Trust, dass die antijüdischen und antiisraelischen Haltungen der Muslime zwei- bis viermal höher waren als die der Bevölkerung im Allgemeinen.

Doch diese Kritik an der muslimischen Welt wird durch die Behauptung, sie sei „islamfeindlich“, praktisch zum Schweigen gebracht.

Der Begriff „Islamophobie“ ist eine Waffe des Heiligen Krieges. Vorurteile gegen andere Gruppen wie Hindus oder Sikhs werden nicht als Phobie bezeichnet. „Islamophobie“ wurde erfunden, um Antisemitismus nachzuahmen, der von Judenhassern fälschlicherweise als Mittel angesehen wird, um Juden gegen Kritik zu immunisieren.

So übernimmt „Islamophobie“ das einzigartige Kernattribut des Antisemitismus – war wirklich wirr ist – und bezeichnet jeden negativen Kommentar über die islamische Welt fälschlicherweise als eine Form der Geistesstörung, um ihn zum Schweigen zu bringen.

Deshalb konnte der islamische Terrorist Usman Khan letzte Woche seinen mörderischen Amoklauf in London durchführen.

Denn obwohl er ein verurteilter Terrorist war, der unter scheinbar strengen Aufsichtsbedingungen aus dem Gefängnis entlassen worden war, durfte er an einer Konferenz über die Rehabilitation von Gefangenen (ausgerechnet) teilnehmen, weil er anscheinend auf seine extremistischen islamischen Ansichten verzichtet hatte.

Und das vor allem, weil die Angst vor „Islamophobie“ das gesamte Justizwesen daran gehindert hat, die Bedrohung durch den fanatischen islamischen Glauben richtig zu erkennen.

Leider haben einige jüdische Führer selbst die Bedrohung durch den Begriff „Islamophobie“ nur langsam erkannt. Im Jahr 2014 hat sich das Jüdische Abgeordnetengremium mit dem Muslimischen Rat von Großbritannien zusammengetan, um sowohl Islamfeindlichkeit als auch Antisemitismus zu verurteilen.

Vor kurzem scheint das Abgeordnetengremium sein Vokabular geändert zu haben, indem es stattdessen gesagt hat, „antimuslimischen Hass“ zu bekämpfen. Doch die gefährliche Gleichsetzung mit dem Antisemitismus wird noch immer hergestellt.

In Kommentaren im Radio BBC über Asma Shuweikhs Begrüßungsansprache sagte der ehemalige Oberrabbiner Lord Jonathan Sacks über solche Beleidigungen, dass „Muslime genauso darunter leiden wie Juden“.

Das ist einfach nicht wahr. Juden erleiden proportional gesehen mehr Beleidigungen und Angriffe als Muslime. Synagogen und jüdische Schulen müssen unter Bewachung und hinter Stacheldraht stehen, nicht Moscheen und Madrassas.

Sagte Sacks: „Dass wir in Großbritannien immer noch über Antisemitismus, Islamophobie oder Rassismus reden, ist zutiefst schockierend.“

Aber was auch schockierend ist, ist die falsche Gleichsetzung von Antisemitismus mit antimuslimischen Beleidigungen. Juden setzen sie in einem fehlgeleiteten Versuch gleich, zu beweisen, dass sie keinen besonderen Status als Opfer beanspruchen.

Das ist ein schwerer Fehler. Was die Menschen nicht ertragen können, ist die Einzigartigkeit des Antisemitismus – und das liegt daran, dass sie die Einzigartigkeit des jüdischen Volkes nicht ertragen können. Die Weigerung, die Einzigartigkeit des Judenhasses anzuerkennen, zeigt lediglich genau diesen Judenhass auf.

Während Antisemitismus nicht als das verstanden wird, was er ist – und während Islamophobie weiterhin einschüchtert – gehen weder Angriffe auf Juden noch islamistische Angriffe auf alle anderen zurück.

Wuchernder Antisemitismus und Antizionismus, islamistische Angriffe und die Propagandawaffe der Islamophobie sind alles Symptome einer westlichen Kultur, die am Rande der Selbstzerstörung erschauert. Und wie immer in Zeiten kultureller Turbulenzen finden sich die Juden als Hauptziele wieder.

Melanie Phillips, eine britische Journalistin, Moderatorin und Autorin, schreibt eine wöchentliche Kolumne für JNS. Derzeit ist sie Kolumnistin für „The Times of London“, ihre persönlichen und politischen Memoiren „Guardian Angel“ ist bei Bombardier erschienen, die 2018 auch ihren ersten Roman „The Legacy“ veröffentlichten. Ihre Arbeiten finden Sie unter: www.melaniephillips.com.

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