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Iranische Frauen trotzen den Mullahs; westliche Feministinnen nirgends in Sicht

Giulio Meotti, 19.1.2020, Gatestone Institute
aus dem Englischen von Daniel Heiniger

Heute führen mutige iranische Frauen den Aufstand gegen das iranische Regime an. Sie erinnern an die Zeit vor der islamischen Revolution von 1979, als der Schleier noch nicht obligatorisch war. Sie kennen den Preis: Viele, die an regimefeindlichen Protesten teilgenommen haben, wurden im Gefängnis vergewaltigt und gefoltert. Abgebildet: Demonstration für Hijab & Bescheidenheit in Nishapur, 12. Juli 2013. (Foto von Sonia Sevilla/Wikimedia Commons)

Im Oktober 1979 warf die verstorbene italienische Journalistin Oriana Fallaci in einem seltenen Interview mit Ayatollah Ruhollah Khomeini ihm vor, der Schleier sei ein Symbol für die Segregation, in die die Frauen der islamischen Revolution die Frauen gezwungen hätten. „Unsere Sitten“, antwortete Khomeini, „gehen Sie nichts an. Wenn Sie die islamische Kleidung nicht mögen, sind Sie nicht verpflichtet, sie zu tragen, denn die islamische Kleidung ist für gute und anständige junge Frauen.

„Das ist sehr nett von Ihnen“, antwortete Fallaci. „Und da Sie das gesagt haben, ziehe ich diesen dummen, mittelalterlichen Lumpen sofort aus.“ Fallaci nahm ihren Schleier ab und verließ den Raum, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Iranische Frauen, die Fallaci nacheifern, führen jetzt die Proteste gegen das Regime an.

Kurz nachdem das iranische Regime zugegeben hatte, am 8. Januar ein ukrainisches Passagierflugzeug abgeschossen zu haben, begannen iranische Frauen außerhalb Teherans damit, Plakate des getöteten Terroristen General Qasem Soleimani niederzureißen. Wenige Stunden zuvor hatten die Ayatollahs den Stützpunkt Ain al-Assad im Irak angegriffen, in dem sich US-Truppen befinden. Kurz davor war in den sozialen Medien ein Bild einer iranischen Schiedsrichterin bei der Schachweltmeisterschaft der Frauen, Shohreh Bayat, in Umlauf gebracht worden, die eine Partie ohne Kopftuch leitete. „Die Menschen sollten das Recht haben, die Art und Weise zu wählen, wie sie sich kleiden wollen, man sollte sie nicht dazu zwingen“, sagte Bayat und stellte damit die iranische Herrschaft in Frage, die eine strenge islamische Kleiderordnung für Frauen vorschreibt.

„Soll ich mit Hallo, Auf Wiedersehen oder Mein Beileid beginnen? Hallo unterdrücktes Volk des Iran, auf Wiedersehen edles Volk des Iran, mein Beileid an euch Menschen, die ihr immer trauert“, schrieb Kimia Alizadeh, iranische Taekwondo-Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen von Rio 2016, nachdem sie nach Europa gezogen war. Auch sie protestierte gegen den „obligatorischen Schleier„.

Am 13. Januar traten drei iranische Fernsehmoderatorinnen des Regimesenders Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB), zurück. „Verzeihen Sie mir die 13 Jahre, in denen ich Ihnen Lügen erzählt habe“, entschuldigte sich Gelare Jabbari in einem Instagram-Posten, nachdem Staatsbeamte tagelang bestritten hatten, dass ein ukrainisches Passagierflugzeug vom Korps der Islamischen Revolutionsgarden abgeschossen worden war, wobei 176 Passagiere und Besatzungsmitglieder getötet wurden.

Diese sich selbst exilierenden iranischen Frauen sind den Dissidenten hinter dem sowjetischen Eisernen Vorhang ähnlich, die schließlich im Westen Zuflucht fanden. Ihre Rolle bei der Niederlage der Sowjetunion war grundlegend: Sie öffneten der westlichen Öffentlichkeit die Augen für die Realität in ihrem Land.

Die iranischen Frauen, die jetzt offen die Mullahs herausfordern, erinnern an die Zeit vor der islamischen Revolution von 1979, als der Schleier noch nicht obligatorisch war. Bilder aus dieser Zeit zeigen Frauen, die keinen Schleier tragen. Über Nacht wandelte sich die Kleidung dann „vom Minirock zum Hidschab„.

„Es tut mir leid, sagen zu müssen, dass der Tschador den Frauen aufgezwungen wurde“, sagte Zahra Eshraghi, eine Enkelin von Ayatollah Khomeini. „Erzwungen – in Regierungsgebäuden, in der Schule, die meine Tochter besucht. Dieses traditionelle iranische Kleidungsstück wurde zu einem Symbol der Revolution gemacht“.

Die letzte Kaiserin des Iran, Farah Diba, bemerkte, dass „in unserer Zeit die Frauen in allen möglichen Bereichen aktiv waren. Irgendwann war die Zahl der iranischen Frauen, die zur Universität gingen, größer als die der Männer. Aber sie „werden jetzt belästigt und missachtet und man hat ihnen ihre Rechte genommen, und trotzdem sind sie so unglaublich mutig“.

Auf einem Foto von 1979 kann man sehen, wie Frauen auf die Straße gingen, um gegen den Schleier zu protestieren. „Dies wurde am 8. März 1979 aufgenommen, am Tag nach der Einführung des Hijab-Gesetzes, das besagt, dass Frauen im Iran Schals tragen müssen, wenn sie das Haus verlassen“, sagte die Fotografin Hengameh Golestan. „Viele Menschen in Teheran streikten und gingen auf die Straße. Es war eine riesige Demonstration mit Frauen – und Männern… Wir kämpften für die Freiheit“. Seitdem sind die Frauen nicht mehr unbedeckt auf die Straße gegangen.

Damals protestierten 100.000 Frauen gegen die islamistische Herrschaft. Heute führen mutige iranische Frauen den Aufstand gegen das iranische Regime an. Sie kennen den Preis: Viele, die sich an den Protesten gegen das Regime beteiligt haben, wurden im Gefängnis vergewaltigt und gefoltert. Auch die Mullahs wissen, dass 40 Millionen iranische Frauen unter ihrer Überwachung stehen und dass die islamische Revolution implodieren wird, wenn diese Frauen als Gruppe gegen die Scharia rebellieren. Diese Furcht könnte ein Grund dafür sein, dass das Regime den Westen zum Sündenbock macht.

Als der derzeitige oberste „Führer“ des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, eine Rede über den Schleier hielt, beschuldigte er die „Feinde“ des Irans, „eine Handvoll Mädchen zu täuschen und dazu zu bringen, ihren Hidschab auf der Straße zu entfernen“. 2009 war das Symbol der iranischen Proteste Neda Agha-Soltan, eine junge Frau, die vom Regime ermordet wurde. Der Fall von Sakineh Mohammadi Ashtiani, einer iranischen Frau, die wegen „Ehebruchs“ zum Tod durch Steinigung verurteilt worden sein soll, hat in Frankreich Kundgebungen ausgelöst, die möglicherweise eine Rolle bei ihrer späteren Freilassung gespielt haben. Vor zwei Jahren wurde eine andere Iranerin, Vida Movahedi, in Teheran zum Symbol des Trotzes, nachdem sie mit einem weißen Schal gewunken hatte.

Bücher über iranische Dissidenten – wie Persepolis und Reading Lolita in Tehran – wurden von Frauen geschrieben. Frauen kämpfen gegen die Ayatollahs. Unter den 1.500 Menschen, die das iranische Regime bei der jüngsten Razzia gegen die Demonstranten getötet hat, waren nach Angaben des iranischen Innenministeriums gegenüber Reuters etwa 400 Frauen.

Nach Angaben der iranisch-französischen Schriftstellerin Chahla Chafiq:

„Ihre Tat fordert uns vor allem über die infernale Ordnung heraus, die die Islamische Republik errichtet, indem sie Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen im Namen Gottes heilig macht… Die Dämonisierung des Frauenkörpers als Ort der Sünde, symbolisiert durch die Verpflichtung, den Schleier zu tragen, impliziert eine Reihe von Verboten, die das Leben der Frauen, die ständig gedemütigt werden und leiden müssen, verändern.

Eine Menschenrechtsanwältin, Nasrin Sotoudeh, die Frauen, die gegen den Schleier protestierten, vertreten hat, wurde im März zu 38,5 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen sie 12 Jahre absitzen muss. Die Aktivistinnen Yasaman Aryani, ihre Mutter Monireh Arabshahi und Mojgan Keshavarz wurden verhaftet, nachdem sie ein Video veröffentlicht hatten, in dem sie sich ohne Kopftuch beim Verteilen von Blumen an die Mitreisenden zeigten. Drei Frauen, die wegen „Missachtung des obligatorischen Hidschab“ angeklagt wurden, wurden zu insgesamt 55 Jahren verurteilt. Shaparak Shajarizadeh, eine 43-jährige Frau aus Teheran, wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie ihren Schleier abgelegt hatte. Azam Jangravi, die ihr Kopftuch in der Luft hielt und es über ihrem Kopf in einer belebten Straße in Teheran schwenkte, sagte, sie habe es für ihre achtjährige Tochter getan. „Ich sagte mir: ‚Viana sollte in diesem Land nicht unter den gleichen Bedingungen aufwachsen, unter denen Du aufgewachsen bist'“, sagte sie.

Die iranischen Mullahs scheinen bereit zu sein, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um diese Frauenbewegung zu zerstören. Sie haben Frauen, die Videos über das Entfernen ihrer Schleier gezeigt haben, zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt und 2.000 neue „Moralpolizei„-Einheiten eingeführt, um die Frauenbewegung zu zerschlagen. Das iranische Regime produziert auch Propagandavideos über den Hidschab. Ein Mädchen, das versucht hatte, als Mann verkleidet ein Fußballstadion in Teheran zu betreten, hat sich nach ihrem Prozess selbst in Brand gesteckt. Iranische Frauen haben „die höchste Selbstmordrate unter Frauen und Mädchen im Nahen Osten“. Siebzig Prozent der Selbstmorde im Iran werden von Frauen begangen, die unter diesem Regime so viel zu verlieren haben.

Der Schleier ist jedoch nicht ihr einziges Problem. Hinter dem Schleier gibt es mehr Aktivitäten, die für Frauen im Iran riskant sind: Tanzen, Singen, Musizieren oder Händeschütteln mit Männern. Vor 1979 hatten iranische Frauen Freiheit. Sie wollen sie zurück.

„Die Flamme des Feminismus ist im Iran lebendig“, berichtete Foreign Policy. Wo iranische Feministinnen mutig sind und sich weigern, den Hidschab zu tragen, haben ihre westlichen Kolleginnen, die rosa Hüte tragen, sie elendiglich im Stich gelassen. Federica Mogherini, die ehemalige Leiterin der EU-Außenpolitik, die bei offiziellen Besuchen im Iran einen Tschador trug, während sie mit iranischen Parlamentariern Selfies schoss, hat kein Wort über diese außergewöhnlichen Frauen gesagt.

Masih Alinejad, die an der Spitze der iranischen Frauenkampagne gegen das zwangsweise Tragen von Kopftüchern stand, wandte sich an westliche Politikerinnen, die sich bei ihren Besuchen im Iran bedeckten: „Lassen Sie mich eines klarstellen: ein diskriminierendes Gesetz als Teil unserer Kultur zu bezeichnen – das ist eine Beleidigung für eine Nation“, sagte sie. Das iranische Regime verhaftete umgehend Mitglieder ihrer Familie.

Einem kürzlich in Brunei erlassenen Strafgesetz – Tod durch Steinigung für Sex zwischen Männern oder Ehebruch – folgte ein internationaler Aufschrei. Der Iran tut jedoch dasselbe: Homosexuelle töten und Frauen wegen „Ehebruchs“ erhängen. Warum wird die iranische Barbarei im Westen so leicht verziehen?

Die iranische Revolution von 1979 schuf den ersten modernen Staat, der auf islamischen Prinzipien basiert. Die Ayatollahs bewiesen, dass eine auf der Scharia basierende Regierungsführung mit dem ersten modernen Versuch, eine muslimische Theokratie zu errichten, möglich war. Das Zentrum ihres Systems war die Unterdrückung der Frauen.

Vor dreißig Jahren wurde die Berliner Mauer von einfachen Bürgern niedergerissen, die ihre Bewegungsfreiheit zurückforderten. Heute könnte die Mauer des iranischen Regimes von diesen einfachen Frauen niedergerissen werden, die die Freiheit zurückfordern, das tragen zu können, was ihnen gefällt. Sie weigern sich mutig, über die Flaggen Israels und der USA zu laufen – und genießen wieder den Wind in ihren Haaren.

Giulio Meotti, Kulturredaktor für Il Foglio, ist ein italienischer Journalist und Autor.


Erstveröffentlichung hier. Reproduktion mit freundlicher Genehmigung des Gatestone Instituts.

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