Website-Icon Politisches & Wissenswertes

Verhandlungen mit Teheran: Die Gefahren der Diplomatie

Majid Rafizadeh, 11. April 2026, Gatestone Institute
aus dem Englischen von Martin Christen

Bei der Islamischen Republik Iran bedeutet ein Waffenstillstand nicht zwangsläufig eine echte Veränderung der Absichten. Er dient vielmehr als taktische Pause, um Druck abzubauen, Fähigkeiten wiederherzustellen und unter dem Deckmantel der Diplomatie Zeit zu gewinnen. Es handelt sich um ein Regime, dessen Führung zwischen jenen gespalten ist, die sprechen, und jenen, die entscheiden. Die Politiker mögen verhandeln – doch letztlich bestimmen die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) und der Geheimdienstapparat den Kurs. Abgebildet: Trauerfeier für die iranischen Militärkommandeure, Atomwissenschaftler und eine Gruppe ihrer Familienangehörigen, die infolge des 12-Tagekrieges getötet wurden, in Teheran am 28. Juni 2025. (Foto: Tehran Picture Agency, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Der Iran hat sich angeblich auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand eingelassen – den er, ob bewusst oder nicht, innerhalb von Minuten brach – sowie auf Verhandlungen. Auf den ersten Blick mag eine Einigung wie ein bedeutender Schritt wirken. Bei der Islamischen Republik Iran jedoch bedeutet ein Waffenstillstand nicht zwangsläufig eine echte Veränderung der Intentionen. Wie US‑Präsident Donald J. Trump und seine Unterhändler zweifellos wissen, dient er vielmehr als taktische Pause, um Druck abzubauen, Fähigkeiten wiederherzustellen und unter dem Deckmantel der Diplomatie Zeit zu gewinnen.

Anders als in konventionellen Staaten, in denen gewählte Amtsträger oder formale Institutionen letztlich die Entscheidungsgewalt innehaben, operiert der Iran über eine vielschichtige, oft undurchsichtige Machtstruktur. An der Oberfläche treten Diplomaten und Politiker gegenüber der internationalen Gemeinschaft auf, vermitteln Vernunft, Flexibilität und Kompromissbereitschaft. Unter dieser diplomatischen Fassade jedoch liegt das eigentliche Machtzentrum: die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) und der iranische Geheimdienstapparat. Diese Institutionen sind nicht nur einflussreich – sie sind ausschlaggebend. Sie gestalten die Sicherheitspolitik, kontrollieren zentrale Wirtschaftssektoren und bestimmen die strategische Ausrichtung des Regimes. Jede Verhandlung, die diese Struktur nicht berücksichtigt, verkennt, wer tatsächlich die endgültigen Entscheidungen trifft.

Das Regime des Iran dürfte sich inzwischen erheblich unter Druck befinden. Militärisch steht es unter anhaltendem Druck und hat Rückschläge erlitten; wirtschaftlich kämpft es weiterhin mit Sanktionen und internen Ineffizienzen; politisch muss es sowohl innenpolitische Unzufriedenheit als auch äußere Bedrohungen bewältigen. Das Regime hat daher starke Anreize, vorübergehend zu deeskalieren, ohne strategisch nachzugeben. In einer solchen Phase mag es bereit sein, weitreichende Zugeständnisse zu versprechen und sich sogar an internationale Forderungen anzunähern. Solche Signale dürfen jedoch – so bedauerlich es ist – nicht als Beleg für einen Wandel verstanden werden, sondern als Hinweise auf taktische Anpassung. Die zentrale Frage ist nicht, ob das Regime bereit ist, das Richtige zu sagen – sondern ob es bereit und in der Lage ist, es auch zu tun.

Während früherer Verhandlungsrunden, insbesondere 2015 im Zusammenhang mit dem damaligen JCPOA‑„Atomabkommen“ unter US‑Präsident Barack Obama, machte der Iran Zusagen, die umfassend und überprüfbar wirkten. Schon bald jedoch kamen Bedenken auf – etwa hinsichtlich nicht offengelegter nuklearer Aktivitäten, fortgesetzter technologischer Entwicklungen und der Grenzen der Überwachungsmechanismen.

Das zentrale Ziel des iranischen Regimes ist sein eigenes Überleben. Mit Forderungen, die wie vergiftete Angebote wirken, lehnt es jede Bedingung ab, die sein Verhalten verändern könnte. Stattdessen scheint es darauf abzuzielen, Schläge auszuhalten, Druck auszusitzen und auf günstigere Rahmenbedingungen zu warten. Diese Taktik umfasst – insbesondere, wenn der Islam als bedroht erscheint – häufig eine religiös begründete Anweisung, taqiyya, also Täuschung im Dienst der Förderung des Islam. Die Taktik beinhaltet zudem, Verhandlungen in die Länge zu ziehen, Zugeständnisse zu begrenzen und Handlungen zu vermeiden, die eine überwältigende Vergeltung auslösen könnten – und all dies, ohne die eigene Ideologie aufzugeben. Wenn Trump einen entschlossenen Kurs verfolgt, hat das iranische Regime einen Anreiz, Verhandlungen hinauszuzögern und Druck zu entschärfen, bis sich die politischen Rahmenbedingungen verändern. Verhandlungen werden so zu einem Instrument strategischer Geduld, nicht zu einem echten Wandel der Intentionen.

Jede Vereinbarung muss daher ausschließlich auf strikten, durchsetzbaren Überprüfungsmechanismen beruhen, die konkrete, irreversible Konsequenzen vorsehen und dem Regime die Möglichkeit nehmen, zu früherem Verhalten zurückzukehren. Die Bestände an angereichertem Uran dürfen nicht einer indirekten Überwachung unterliegen, die – wie kürzlich bekannt wurde – leicht umgangen werden kann. Stattdessen sollte sämtliches Uran physisch entfernt werden, unter direkter Aufsicht der USA, und es dürfen keinerlei versteckte Bestände im Land verbleiben.

Alle Infrastrukturen zur Herstellung von Atomwaffen und ballistischen Raketen müssen vollständig demontiert oder zerstört werden. Teilweise Beschränkungen, vorübergehende Aussetzungen oder umkehrbare Begrenzungen reichen nicht aus. Alles andere würde eine latente Bedrohung schaffen, die jederzeit wieder auftauchen kann – zu einem Zeitpunkt, den das Regime selbst bestimmt.

Es darf keinerlei iranische Unterstützung für terroristische Stellvertreter wie die Hisbollah, die Hamas, die Huthis oder den Palästinensischen Islamischen Dschihad – oder andere – geben.

Iranische Staatsmedien haben bereits begonnen zu signalisieren, dass das Regime im Rahmen einer Nachkriegsregelung eine Entschädigung erwarte. Diese Forderung, die offenbar Teil eines anfänglichen, später verworfenen „Zehn-Punkte-Plans“ war, sollte selbstverständlich kategorisch zurückgewiesen werden.

Vor allem aber muss die Straße von Hormus ein freier und offener internationaler Seeweg bleiben, der von den etablierten Grundsätzen des Seerechts und nicht durch einseitige Kontrolle bestimmt wird. Jede internationale Überwachungsmission muss eine dauerhafte US‑Präsenz einschließen, um sicherzustellen, dass die internationalen Kräfte wirksam bleiben. Die UNIFIL‑Friedenstruppen im Libanon haben es offenbar vorgezogen, Zuschauer zu sein und damit stillschweigend alle Vereinbarungen zu ignorieren. Die Gewährleistung freien Zugangs ist nicht nur ein regionales Anliegen – sie ist eine globale Notwendigkeit.

Zudem muss in der gesamten Region die aggressive Dimension des iranischen Regimes ernsthaft angegangen werden. Die fortwährende Verwendung von Parolen wie „Tod Amerika“ und „Tod Israel“ spiegelt eine tief verankerte Weltanschauung wider, die Feindseligkeit legitimiert und Konfrontation als moralische Pflicht darstellt. Solange diese ideologische Haltung intakt bleibt, läuft jedes diplomatische Abkommen Gefahr, durch genau jene Narrative untergraben zu werden, die die Identität des Regimes tragen. Eine dauerhafte Lösung im Iran – ebenso wie in anderen Staaten wie Katar – erfordert daher nicht nur eine Verhaltensänderung, sondern auch eine Abkehr von der aggressiven Rhetorik des Regimes.

Dies ist ein Regime, dessen Führung zwischen jenen gespalten ist, die sprechen, und jenen, die entscheiden. Die Politiker mögen verhandeln – doch letztlich bestimmen die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) und der Geheimdienstapparat den Kurs.

Kurz gesagt: Es darf keinerlei Vorab‑Erleichterungen für den Iran geben, keine schrittweise Lockerung auf Grundlage von Versprechen und keine Zugeständnisse in Erwartung künftiger Kooperation. Jeder Aspekt der Verpflichtungen des Regimes – die Entfernung von Uran, der Abbau nuklearer und ballistischer Infrastruktur sowie die Beendigung destabilisierender Aktivitäten – muss vollständig überprüft werden. Jeglichen Druck vorzeitig zu verringern, hieße dem Regime genau das zu geben, was es anstrebt: Raum, um sich zu erholen, neu zu formieren und letztlich seinen bisherigen Kurs wieder aufzunehmen.

Dr. Majid Rafizadeh ist Politikwissenschaftler, an der Harvard University ausgebildeter Analyst und Vorstandsmitglied der Harvard International Review. Er hat mehrere Bücher über die US‑Außenpolitik verfasst. Er ist erreichbar unter dr.rafizadeh@post.harvard.edu

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Jerusalem Post und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors nachgedruckt.


Erstveröffentlichung bei Gatestone Institute. Reproduktion mit freundlicher Genehmigung.

Die mobile Version verlassen