Bassam Tawil, 20. August 2026, Gatestone Institute
aus dem Englischen von Martin Christen
- Die im August 2026 vom „Palestinian Center for Policy and Survey Research“ (PSR) im Westjordanland und im Gazastreifen durchgeführte Umfrage zeigt, dass die grundlegenden politischen Einstellungen, die die palästinensische Gesellschaft seit Jahrzehnten plagen, weitgehend intakt sind. Die Hamas bleibt eine bedeutende politische Kraft; verurteilte Terroristen und Hamas-Führer bleiben beliebte Kandidaten für die Präsidentschaft der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA); überwältigende Mehrheiten lehnen eine bedingungslose Entwaffnung der Hamas ab; und der Iran, die Hisbollah sowie die Huthis im Jemen erfreuen sich weiterhin bemerkenswert hoher Zustimmungsraten.
- Auf die Frage, wer am ehesten geeignet sei, die Nachfolge von PA-Präsident Mahmoud Abbas anzutreten, wählten 39 % den in einem israelischen Gefängnis sitzenden Fatah-Führer Marwan Barghouti. Ein israelisches Gericht verurteilte ihn 2004 wegen Mordes im Zusammenhang mit drei Terroranschlägen in fünf Fällen.
- Barghouti wurde zu fünf aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen plus 40 Jahren verurteilt.
- Dennoch ist dies der Mann, den eine Mehrheit der voraussichtlichen palästinensischen Wähler gerne als ihren nächsten Präsidenten sehen würde.
- Der zweitplatzierte Kandidat ist der Chef der Hamas.
- Die Parlamentswahlen der PA sind für den 28. November 2026 geplant, Präsidentschaftswahlen werden für Anfang 2027 erwartet. Die PSR-Umfrage bietet eine Warnung vor dem, was diese Wahlen hervorbringen könnten.
- Die Hamas könnte erneut eine Wahl der Palästinensischen Autonomiebehörde gewinnen (wie bereits 2006).
- Überwältigende 72 % sagen, dass die Hamas ihre Waffen nicht niederlegen sollte, bevor sich Israel vollständig aus dem Gazastreifen zurückzieht.
- Der US-Sonderbeauftragte Jared Kushner traf kürzlich den Hamas-Führer Khalil al-Hayya und andere Hamas-Funktionäre in Kairo im Rahmen der US-Bemühungen, den Gaza-Friedensplan von Präsident Donald J. Trump voranzutreiben.
- Unabhängig von den Absichten der US-Regierung verschaffen solche Treffen der Hamas etwas, wonach sie seit Jahren strebt: internationale Legitimität.
- Wenn Vertreter der führenden Supermacht der Welt direkt mit Hamas-Führern am Tisch sitzen, kann die Hamas diese Begegnung gegenüber Palästinensern, Arabern und Muslimen als Beweis dafür präsentieren, dass ihre Strategie erfolgreich war.
- Die Botschaft lautet: Terrorismus macht sich bezahlt. Wenn man Anschläge verübt, Geiseln nimmt, seine Waffen behält und lange genug überlebt, werden die Amerikaner am Ende mit einem verhandeln.
- Diese Zahlen sind nur schwer mit Behauptungen in Einklang zu bringen, dass sich die palästinensische Gesellschaft in einem Wandel hin zu Mäßigung befinde.
- Was genau soll mit diesen Wahlen eigentlich erreicht werden?
- Wahlen sind nicht automatisch synonym mit Demokratie, Mäßigung oder Frieden.
- Die PA hielt 2006 eine Parlamentswahl ab. Die Hamas nahm teil und gewann. Ein Jahr später riss die Hamas die Kontrolle über den Gazastreifen gewaltsam an sich.
- Nun steuern die Palästinenser möglicherweise auf eine weitere Wahl zu, aus der die Hamas erneut als stärkste Fraktion hervorgehen könnte.
- Warum sollte die internationale Gemeinschaft also überstürzt Wahlen anstreben, die Extremisten und Terroristen legitimieren könnten, anstatt sie zu marginalisieren?
- Vor Wahlen benötigen die Palästinenser echte politische Reformen. Die Palästinensische Autonomiebehörde braucht rechenschaftspflichtige Institutionen, unabhängige Gerichte, Meinungsfreiheit, ein Ende der Korruption und vor allem eine politische Kultur, die Terroristen nicht verherrlicht oder bewaffnete Gruppen als legitime Alternativen zur Regierung behandelt.
Auf die Frage, wer am ehesten geeignet sei, die Nachfolge von PA-Präsident Mahmoud Abbas anzutreten, wählten 39 % der befragten Palästinenser den in einem israelischen Gefängnis sitzenden Fatah-Führer Marwan Barghouti. Hamas-Führer Khalil al-Hayya folgte an zweiter Stelle mit 16 %, gefolgt vom ehemaligen Fatah-Funktionär Mohammed Dahlan mit 15 %. Im Bild: Flagge zu Ehren von Marwan Barghouti während des Weltsozialforums in Tunesien am 28. März 2013. (Foto: Ashoola, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)








