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Die UNO ist schon länger böse, als Sie denken

Uri Kurlianchik, 10. Februar 2026, Substack
aus dem Englischen von Martin Christen

Der Gaza-Krieg erinnert mich an den Vietnamkrieg, aber nicht so, wie du denkst.

Israel ist nicht Amerika. Es ist Vietnam. Gaza ist auch nicht Amerika. Es ist Kambodscha.

Okay, mein erster Satz war etwas irreführend. Ich spreche nicht vom Vietnamkrieg, sondern vom Kambodschanisch-Vietnamesischen Krieg. Wohl der am meisten gerechtfertigte Krieg des 20. Jahrhunderts.

Dieser wenig bekannte Krieg beendete einen der schlimmsten Völkermorde der Menschheitsgeschichte und legte die schlimmsten Seiten der UNO offen – fast 50 Jahre vor dem 7. Oktober 2023.

Keine Sorge, wir kommen gleich darauf zurück.

Die meisten Geschichtsbücher behaupten, der Krieg habe 1978 mit dem Einmarsch Vietnams in Kambodscha begonnen. Das ist jedoch so, als würde man sagen, der Krieg vom 7. Oktober habe mit dem israelischen Einmarsch in Gaza im Jahr 2023 begonnen.

Zwischen 1975 und 1978 verübte Kambodscha unter der Führung der wahnsinnigen Roten Khmer Dutzende blutige Angriffe auf vietnamesische Grenzdörfer und massakrierte Tausende Zivilisten auf barbarischste Weise.

Allein beim Massaker von Ba Chúc wurden 3.157 Zivilisten ermordet. Die Roten Khmer trieben die Dorfbewohner in Tempel und Schulen, um sie dort mit Stichwaffen zu foltern und zu töten. Bewohner, die in die Berge flohen, wurden mit Hunden gejagt. Kinder wurden in die Luft geschleudert und dann mit Bajonetten aufgeschlitzt. Frauen wurden vergewaltigt und an den Genitalien gepfählt. Anschließend plünderten die Roten Khmer die Häuser, töteten Vieh und brannten sie nieder.

Foto aufgenommen in der Ausstellungshalle zum Gedenken an das Massaker von Ba Chúc. (Foto: Bùi Thụy Đào Nguyên, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

An dieser Stelle mag man sich fragen: „Ist es wirklich eine gute Idee, Krieg gegen die Vietnamesen zu beginnen, nachdem sie erfolgreich gegen Japaner, Franzosen und Amerikaner gekämpft und China in die Schranken gewiesen haben?“

Die Antwort lautet: „Nein, das ist eine schlechte Idee.“ Genauso schlecht, als würde ein Kleinstaat ohne Luftwaffe in einen Staat mit einer der stärksten Luftwaffen der Welt einmarschieren.

Als Reaktion auf die Massaker beschloss Vietnam, die Roten Khmer aus Kambodscha zu vertreiben. 150.000 vietnamesische Soldaten marschierten in das „Demokratische Kampuchea“ ein und überwältigten die Revolutionsarmee innerhalb von nur zwei Wochen. Damit endete die Herrschaft Pol Pots, der zwischen 1975 und 1979 für den Tod eines Viertels aller Kambodschaner verantwortlich war.

In nur vier Jahren hatte diese wahnsinnige linksextreme Regierung bis zu 2,8 Millionen ihrer eigenen Bürger getötet. Nur die vietnamesische Militärintervention und die anschließende Unterstützung internationaler Nahrungsmittelhilfe beendeten den Völkermord und retteten Millionen von Menschenleben.

Nun, dies mag wie einer der moralisch tugendhaftesten Kriege der Geschichte erscheinen. Als Reaktion auf eine Reihe grausamer Massaker marschiert eine Nation in ein barbarisches Nachbarland ein, das einen der schlimmsten Völkermorde der Geschichte begeht, stürzt dessen wahnsinnigen Diktator und beendet das Gemetzel.

Man sollte meinen, die Welt würde diesen Kreuzzug gegen das Böse feiern. Ach was, das würdest du nicht denken. Du bist ja nicht blöd.

Sehen Sie, das Völkerrecht achtet auf Grenzen, nicht auf Motive. Obwohl die Roten Khmer das pure Böse verkörperten und den Krieg mit einer Reihe sinnloser Massaker begannen, missbilligte der Westen, dass Vietnam den Kampf gegen seine Feinde aufnahm, anstatt sie lediglich von der Grenze zurückzudrängen.

„Okay“, mögen Sie fragen, „das ist die Erste Welt, aber was ist mit der Zweiten Welt?“

Nun, China und die ASEAN-Staaten sahen dies als eine von der Sowjetunion unterstützte Invasion, da die Sowjetunion Vietnam unterstützte. „Klar, Pol Pot ließ Dracula wie einen Heiligen erscheinen, aber wir können es uns nicht leisten, dass sowjetische Verbündete ihren Einfluss durch das Töten von Monstern ausdehnen, oder?“

Infolgedessen verurteilte die UNO Vietnam für die Invasion. Fast die gesamte Welt verurteilte Vietnam für die Invasion.

Noch abscheulicher ist, dass die UNO den Roten Khmer jahrelang den UNO-Sitz Kambodschas gewährte. Wir sprechen hier von einem Regime, das 25 % seiner eigenen Bevölkerung ermordete und dann die gleiche Brutalität gegenüber seinen Nachbarn anwandte.

Kambodscha griff zuerst an. Kambodscha beging Völkermord. Vietnam stoppte ihn. Die Welt verurteilte Vietnam.

Die Heuchelei und der moralische Bankrott sind schon widerlich genug, aber lasst uns das Ganze noch schlimmer machen.

Sprechen wir über Gaza und Kosovo.

Genau wie die Roten Khmer grenzüberschreitende Massaker verübten, führte die Hamas eine massive Invasion aus Gaza durch und beging unzählige Gräueltaten in israelischen Grenzstädten.

Sie ermordeten sogar Menschen aus Südostasien.

Wie Vietnam reagierte auch Israel mit einer großangelegten Militäraktion, um diese Bedrohung für seine Bürger zu beseitigen. Wie in Vietnam konzentrierte sich der Großteil der Welt auf die Reaktion statt auf den ursprünglichen Angriff.

Man erkannte das Grauen zwar an, weigerte sich aber, die Politik davon bestimmen zu lassen. Druck, Sanktionsdrohungen und juristische Schritte richteten sich überwiegend gegen Israel, obwohl der jüdische Staat Opfer der Aggression einer Macht war, die endlosen Krieg und Völkermord nicht nur gegen die Juden, sondern gegen alle, die ihre islamistische Ideologie nicht teilten, angekündigt hatte.

Sowohl Vietnam als auch Israel überschritten ein vermeintliches internationales Tabu: Sie wollten die Bedrohung beseitigen, nicht nur abschrecken. Das internationale System verlässt sich darauf, dass Staaten Gräueltaten verhindern, gegen die es selbst nichts unternimmt … und verurteilt sie dann genau dafür.

Und jetzt machen wir es noch schlimmer.

Bislang mag die von uns beschriebene Weltordnung seelenlos sein, aber zumindest basiert sie auf Regeln, nicht wahr? Dann kam der Kosovokrieg.

Kosovo sollte die Ausnahme sein, die die Regel bestätigt. Stattdessen bewies es nur, dass es überhaupt keine Regeln gab, sondern nur die Launen der Mächtigen.

1999 bombardierte die NATO einen souveränen Staat, angeblich um einen Völkermord zu verhindern (obwohl kein Völkermord stattfand). Während des Krieges nahm die NATO Journalisten, Zivilisten und sogar Flüchtlinge ins Visier. Dies führte zu einem Regime- und Souveränitätswechsel im Kosovo und zu einer der größten ethnischen Säuberungen der modernen europäischen Geschichte unter dem Deckmantel der NATO.

Wurde die NATO so verurteilt wie Vietnam und Israel?

Nein. Ihr unprovozierter Angriff auf einen souveränen Staat, die gewaltsame Grenzverschiebung und die ethnische Säuberung wurden als vorbildliche humanitäre Intervention gefeiert.

Es war „illegal, aber legitim“.

Diese Heuchelei ist kaum zu fassen.

Der Kosovokrieg hat die Glaubwürdigkeit der „regelbasierten internationalen Ordnung“ nachhaltig beschädigt und den Weg für den russischen Einmarsch in die Ukraine geebnet. Ebenso hat der Gaza-Krieg bewiesen, dass die UNO und das „Völkerrecht“ eine groteske Farce sind, ein absurdes Theater, in dem wir die Witzfiguren sind.

Vietnam hat das 1979 erfahren müssen.

Serbien 1999.

Israel 2023.

Russland und China haben genau zugeschaut, sich Notizen gemacht und daraus gelernt.

Und nun wird der Westen vom Preis der Unsterblichkeit eingeholt.

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