Khaled Abu Toameh, 25. Juni 2026, Gatestone Institute
aus dem Englischen von Martin Christen
- Während die Regierung Trump versucht, den Gazastreifen durch ihre Initiative „Board of Peace“ zu stabilisieren, sticht ein Teilnehmer als besonders ungeeignet für die Rolle des Vermittlers hervor: die Türkei.
- Nach Angaben israelischer Behörden operiert das sogenannte „Hauptquartier für das Westjordanland“ der Hamas von der Türkei aus, von wo aus sie Terroristen rekrutiert, Waffen und Geld transferiert und Anschläge gegen Israel lenkt.
- Dies sind nicht die Handlungen eines neutralen Vermittlers. Es sind die Handlungen eines Schirmherrn.
- Noch besorgniserregender sind Berichte, wonach die Hamas das türkische Finanzsystem genutzt hat, um massive Geldtransfers abzuwickeln. Nach Angaben israelischer Militär- und Geheimdienstmitarbeiter betrieben Hamas-Funktionäre in der Türkei ein geheimes Geldwechselsystem, das Hunderte von Millionen Dollar aus dem Iran an die Hamas-Führung transferierte.
- In einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten versuchen, den iranischen Einfluss im gesamten Nahen Osten einzudämmen, ist die Türkei zu einem entscheidenden Kanal für die Unterstützung der Hamas durch den Iran geworden.
- Unterdessen ist die Rhetorik der Türkei gegenüber Israel zunehmend extremer geworden.
- Der türkische Innenminister Mustafa Ciftci erklärte kürzlich, dass Jerusalem eines Tages wieder unter türkische Herrschaft fallen werde. „Genau wie in der Vergangenheit werden diese Orte wieder uns gehören“, sagte er. „Sie werden, so Gott will, wieder unter unsere Herrschaft und Autorität kommen.“
- Die offen ausgesprochenen Absichten der Türkei machen die Vorstellung, dass die Türkei bei der Entwaffnung der Hamas helfen könnte, so hanebüchen. Von Erdogans Regierung zu erwarten, dass sie die Hamas zur Waffenabgabe drängt, ist so, als würde man vom Iran erwarten, die Hisbollah aufzulösen.
- Die Führung der Türkei hat jahrelang die Hamas verteidigt, sie legitimiert, Aktivitäten im Umfeld der Hamas finanziert und ihr diplomatischen sowie politischen Schutz gewährt. Warum sollte irgendjemand ernsthaft glauben, dass sie nun dabei helfen wird, genau die Organisation zu zerschlagen, die sie selbst herangezogen hat?
- Die Vereinigten Staaten können es sich nicht länger leisten, die Unzuverlässigkeit der Türkei zu ignorieren.
- Washington muss seine Politik gegenüber der Türkei ernsthaft überdenken und aufhören, Erdogans Regierung als neutralen Akteur zu betrachten, der in der Lage ist, den Frieden voranzutreiben. Ein Regime, das sich offen zur Hamas bekennt, ihre Aktivisten beherbergt, ihre Finanznetzwerke toleriert und ihre Rhetorik teilt, ist kein ehrlicher Makler.
- Die Türkei erweist sich zunehmend nicht als Teil der Lösung, sondern als Teil des Problems.
Während die Trump-Regierung versucht, den Gazastreifen durch ihre Initiative „Board of Peace“ zu stabilisieren, sticht ein Teilnehmer als besonders ungeeignet für die Rolle des Vermittlers hervor: die Türkei.
Die Einbeziehung der Türkei in jegliche Bemühungen, die Hamas zu entwaffnen oder den Frieden im Nahen Osten voranzutreiben, wäre lächerlich, wenn es nicht um so viel gehen würde. Seit Jahren gehören der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine Regierung zu den loyalsten Unterstützern und Beschützern der Hamas.
Während westliche Beamte weiterhin von der Türkei als wertvollem NATO-Verbündeten und potenziellen regionalen Friedensstifter sprechen, hat die Hamas das türkische Territorium in eine ihrer wichtigsten operativen Operationsbasen im Ausland verwandelt.
Die Beweise dafür sind erdrückend.
Israelische Sicherheitsbehörden enthüllten kürzlich, dass sie Dutzende von Terroranschlägen vereitelt haben, die von in der Türkei ansässigen Hamas-Aktivisten gesteuert wurden. Nach Angaben der israelischen Behörden operiert das sogenannte „Hauptquartier für das Westjordanland“ der Hamas von der Türkei aus. Von dort rekrutiert sie Terroristen, transferiert Waffen sowie Geld und lenkt Anschläge gegen Israel.
„Über die Jahre, und mit erhöhter Intensität im vergangenen Jahr, haben Aktivisten des Hauptquartiers für das Westjordanland umfangreiche militärische Aktivitäten in Judäa und Samaria sowie in Israel vom türkischen Boden aus gesteuert und vorangetrieben“, berichtete der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet.
Die Behörde identifizierte den in Istanbul ansässigen hochrangigen Hamas-Funktionär Zaher Jabarin als Kopf der Hamas-Operationen im Westjordanland. Zudem nannte sie mehrere Hamas-Aktivisten, die frei in der Türkei leben, während sie terroristische Aktivitäten gegen Israel steuern.
Unter ihnen befinden sich Ayman Sharawna, der mutmaßlich Terroristen rekrutiert; Mohammed Mallah, der Berichten zufolge Gelder für Terroroperationen transferiert; Majed Jaaba, der bei der Beschaffung der Waffen für einen tödlichen Schusswaffenangriff nahe Jerusalem half; Walid Abu Nassar, der Hamas-Zellen in Bethlehem finanzierte; und Salam Yaish, der Aktivisten für die Durchführung von Anschlägen rekrutierte.
Der Schin Bet stellte fest, dass diese Hamas-Mitglieder „ihre Aktivitäten ungehindert von türkischem Territorium aus durchführen“ und die „Infrastruktur im Land nutzen, um Anweisungen und Gelder“ an Terroristen im Westjordanland zu übermitteln.
Anfang des Jahres gab der Schin Bet bekannt, dass Ermittlungen ein weiteres mit der Hamas verbundenes Terrornetzwerk im Westjordanland aufgedeckt haben. Dieses wurde von dem in der Türkei ansässigen Aktivisten Mahmoud Radwan gesteuert und zielte darauf ab, Anschläge gegen Israel voranzutreiben.
Radwan, ein Hamas-Mitglied, das im Rahmen eines Gefangenen-Geisel-Austauschs freigelassen und im Januar 2025 in die Türkei abgeschoben worden war, saß zuvor in Israel wegen seiner Beteiligung am Mord an dem israelischen Staatsbürger Yossi Alfasi im Jahr 2001 im Gefängnis.
Die Türkei hat die Hamas noch nie als Terrororganisation eingestuft. Stattdessen stellt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Hamas wiederholt als legitime politische Bewegung und „Widerstandsorganisation“ dar.
Dieser Unterschied ist nicht bloß semantischer Natur. Die Türkei hat es der Hamas ermöglicht, eine hochentwickelte operative Basis in ihrer Mitte aufzubauen.
Laut Dokumenten, die von den israelischen Verteidigungskräften (IDF) während des Gaza-Kriegs sichergestellt wurden, nutzt die Hamas die Türkei nicht nur als politischen Zufluchtsort, sondern auch als Basis für die Planung von Terroranschlägen, die Rekrutierung von Aktivisten, den Geldtransfer und die Geldwäsche.
Mindestens ein Dokument skizzierte den Plan der Hamas, eine Zweigstelle in der Türkei einzurichten, die sich der Koordinierung von Anschlägen gegen Israel im Ausland widmen sollte – einschließlich Attentaten und Angriffen auf israelische Schiffe.
Die Präsenz der Hamas in der Türkei weitete sich nach dem Gefangenenaustausch um Gilad Schalit im Jahr 2011 erheblich aus, als sich Hunderte von aus Israel abgeschobenen, verurteilten palästinensischen Terroristen in der Türkei niederließen. Im Laufe der Jahre baute die Hamas ein weitreichendes Netzwerk aus Finanzinstituten, Unternehmen, Wechselstuben und logistischer Infrastruktur auf, das zur Aufrechterhaltung ihrer terroristischen Operationen beitrug.
Die Beziehung zwischen der Regierung Erdogan und der Hamas ist weder verborgen noch zufällig: Türkische Führer treffen sich offen mit Hamas-Funktionären.
Im Januar empfing Erdogan eine Hamas-Delegation in Istanbul. Der türkische Geheimdienstchef Ibrahim Kalin traf sich später mit hochrangigen Hamas-Führern in Ankara, um über den Gazastreifen, Waffenstillstandsvereinbarungen und regionale Entwicklungen zu sprechen. Vertreter der Hamas nutzten die Gelegenheit, um sich persönlich bei Erdogan für die Bemühungen der Türkei zu bedanken.
Türkische Geheimdienst- und Politikbeamte nehmen regelmäßig Hamas-Delegationen auf und unterhalten direkte Kommunikationskanäle zur Führung der Gruppe.
Dies sind nicht die Handlungen eines neutralen Vermittlers. Es sind die Handlungen eines Schirmherrn.
Noch besorgniserregender sind Berichte, wonach die Hamas das türkische Finanzsystem genutzt hat, um massive Geldtransfers abzuwickeln. Nach Angaben israelischer Militär- und Geheimdienstmitarbeiter betrieben Hamas-Funktionäre in der Türkei ein geheimes Geldwechselsystem, das Hunderte von Millionen Dollar aus dem Iran an die Hamas-Führung transferierte. Das Netzwerk nutzte die türkische Finanzinfrastruktur, um iranische Gelder, die für Hamas-Aktivitäten bestimmt waren, zu empfangen, zu lagern, zu bewegen und zu verteilen.
Die Tragweite dieser Anschuldigungen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
In einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten versuchen, den iranischen Einfluss im gesamten Nahen Osten einzudämmen, ist die Türkei zu einem entscheidenden Kanal für die Unterstützung der Hamas durch den Iran geworden.
Unterdessen ist die Rhetorik der Türkei gegenüber Israel zunehmend extremer geworden.
Weit davon entfernt, als Friedensstifter zu agieren, hat der türkische Präsident wiederholt die Sprache und die Narrative der Hamas selbst übernommen.
Im Jahr 2024 erklärte Erdogan: „Die Hamas ist dasselbe wie die Kuva-yi Milliye [Nationalen Streitkräfte] in der Türkei während des Befreiungskrieges.“
Indem er die Hamas mit der nationalen Befreiungsbewegung der Türkei vergleicht, legitimiert Erdogan faktisch eine Terrororganisation, die für das Massaker vom 7. Oktober 2023 verantwortlich ist – den tödlichsten Angriff auf Juden seit dem Holocaust.
Erdogan hat auch davor gewarnt, dass Israel irgendwann die Türkei selbst ins Visier nehmen würde. „Wenn es nicht gestoppt wird“, sagte er, werde Israel „früher oder später ein Auge auf Anatolien werfen“.
Solche Aussagen sind nicht nur aufwieglerisch. Sie verstärken die Propaganda der Hamas, dämonisieren Israel und ermutigen islamistische Extremisten in der gesamten Region.
Noch alarmierender sind die direkten Drohungen, die aus Ankara kommen.
Erdogan hat angedeutet, dass die Türkei mit Israel das tun könnte, was sie in Libyen und Bergkarabach getan hat – Bemerkungen, die weithin als Drohungen mit einer militärischen Intervention interpretiert wurden. Die Türkei lieferte hochentwickelte bewaffnete Drohnen, Militärberater und taktische Unterstützung an ihre verbündeten Regierungen, was das Kräfteverhältnis auf dem Schlachtfeld erfolgreich verschob.
Die Intervention der Türkei in Libyen im Jahr 2020 verhinderte den Fall der libyschen Hauptstadt in die Hände der Libyschen Nationalen Armee von General Khalifa Haftar und rettete Libyens von der UNO anerkannte Regierung der Nationalen Einheit.
Im Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien im Jahr 2020 fungierte die Türkei als treuer Unterstützer Aserbaidschans. Die Türkei bot intensive militärische Ausbildung, operative Planung und bewaffnete Drohnen. Die Drohnen erwiesen sich als hocheffektiv bei der Zerstörung der armenischen Luftverteidigung und schwer bewaffneter Stellungen und trugen erheblich zum entscheidenden militärischen Sieg Aserbaidschans bei.
Der türkische Innenminister Mustafa Ciftci erklärte kürzlich, dass Jerusalem eines Tages wieder unter türkische Herrschaft fallen werde. „Genau wie in der Vergangenheit werden diese Orte wieder uns gehören“, sagte er. „Sie werden, so Gott will, wieder unter unsere Herrschaft und Autorität kommen.“
Solche Erklärungen würden Empörung hervorrufen, wenn sie von irgendeiner anderen Regierung stammen würden. Dennoch hat ein Großteil der internationalen Gemeinschaft mit Schweigen reagiert.
Die Folgen sind gefährlich.
Jedes Mal, wenn Erdogan die Hamas lobt, Hamas-Delegationen empfängt, Israel des „Völkermords“ bezichtigt oder Israel droht, sendet er eine Botschaft an die Hamas, dass sie eine mächtige internationale Rückendeckung genießt.
Eine solche Rhetorik ermutigt die Hamas und andere dschihadistische Organisationen. Sie bestärkt sie in dem Glauben, dass sie überleben, sich neu formieren und ihren Krieg gegen Israel fortsetzen können.
Immerhin schaffen Erdogans Aussagen Klarheit über die Absichten seiner Regierung, anstatt sie im Verborgenen zu halten, wo niemand sie sehen kann.
Die offen ausgesprochenen Absichten der Türkei machen die Vorstellung, dass die Türkei bei der Entwaffnung der Hamas helfen könnte, jedoch so hanebüchen. Von Erdogans Regierung zu erwarten, dass sie die Hamas zur Waffenabgabe drängt, ist so, als würde man vom Iran erwarten, die Hisbollah aufzulösen.
Die Führung der Türkei hat jahrelang die Hamas verteidigt, sie legitimiert, Aktivitäten im Umfeld der Hamas finanziert und ihr diplomatischen sowie politischen Schutz gewährt. Warum sollte irgendjemand ernsthaft glauben, dass sie nun dabei helfen wird, genau die Organisation zu zerschlagen, die sie selbst herangezogen hat?
Die Realität sieht wohl so aus, dass Erdogan ein doppeltes Spiel perfektioniert hat.
Gegenüber dem westlichen Publikum präsentiert sich die Türkei als verantwortungsvolle Regionalmacht und unverzichtbarer NATO-Verbündeter.
Gegenüber der Hamas und anderen islamistischen Bewegungen bietet die Türkei politische Unterstützung, diplomatischen Schutz, finanzielle Möglichkeiten und ideologische Solidarität.
Die Vereinigten Staaten können es sich nicht länger leisten, die Unzuverlässigkeit der Türkei zu ignorieren. Washington muss seine Politik gegenüber der Türkei ernsthaft überdenken und aufhören, die Erdogan-Regierung als neutralen Akteur zu betrachten, der in der Lage ist, den Frieden voranzutreiben. Ein Regime, das sich offen zur Hamas bekennt, ihre Aktivisten beherbergt, ihre Finanznetzwerke toleriert und ihre Rhetorik teilt, ist kein ehrlicher Makler.
Die Türkei erweist sich zunehmend nicht als Teil der Lösung, sondern als Teil des Problems.
Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter Journalist mit Sitz in Jerusalem.
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Erstveröffentlichung bei Gatestone Institute. Reproduktion mit freundlicher Genehmigung.