«

»

Den Frie­den blockieren

Kom­men­tar: So­wohl Ker­rys Re­de die­se Wo­che und die Re­so­lu­ti­on des UNO-​Sicherheitsrates letz­te Wo­che er­lau­ben pa­läs­ti­nen­si­sche Un­nach­gie­big­keit. Doch die Re­ak­ti­on Ne­tan­ja­hus auf die Re­so­lu­ti­on bringt ge­nau­so viel Scha­den mit sich – in­dem sie die Be­zie­hun­gen Is­ra­els zu wich­ti­gen Län­dern un­ter­gräbt und die Ar­beit von BDS für sie leistet.

Ben-​Dror Ye­mi­ni, 31.12.2016, Ynetnews

Den Pa­läs­ti­nen­sern wur­den drei Vor­schlä­ge zur Schaf­fung ei­nes pa­läs­ti­nen­si­schen Staa­tes auf 95 Pro­zent – mehr oder we­ni­ger – des ge­gen­wär­tig von Is­ra­el kon­trol­lier­ten Lan­des prä­sen­tiert. Sie sag­ten drei­mal „Nein”.

Um die pa­läs­ti­nen­si­sche Lo­gik zu ver­ste­hen, muss man sich die Kom­men­ta­re z. B. von Ab­bas Za­ki, ei­nem der füh­ren­den Be­am­ten der PLO, vor et­wa fünf Jah­ren an­hö­ren: „Wenn wir sa­gen, dass die Sied­lun­gen auf den Gren­zen von 1967 ba­sie­ren soll­ten, dann ver­steht Prä­si­dent (Ab­bas), wir ver­ste­hen, und je­der weiß, dass das grö­ße­re Ziel nicht mit ei­nem Schritt er­reicht wer­den kann … Wenn Is­ra­el sich aus Je­ru­sa­lem zu­rück­zieht, die 650.000 Sied­ler eva­ku­iert und die Mau­er ab­reisst – was wird aus Is­ra­el wer­den? Es geht zu En­de … Net­anya­hu, Lie­ber­man, und Oba­ma … All die­ser Ab­schaum … Wenn man sagt, dass man Is­ra­el von der Land­kar­te lö­schen will … Kommt schon, es ist zu schwer, es ist nicht (ak­zep­ta­ble) Po­li­tik, das zu sa­gen. Sa­gen Sie die­se Din­ge der Welt nicht, be­hal­ten Sie sie für sich selbst.”

Za­ki be­hielt die­se Stra­te­gie nicht für sich. Er prä­sen­tier­te sie in ei­nem In­ter­view mit Al-​Dschasira. Es kann nicht die Po­si­ti­on der ge­sam­ten Füh­rung bei der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie sein, aber er re­prä­sen­tiert of­fen­sicht­lich viel mehr Leu­te, als wir denken.

US-Außenministerin Kerry im US-Außenministerium (Foto: EPA)

US-​Außenministerin Ker­ry im US-​Außenministerium (Fo­to: EPA)

John Ker­rys Re­de von die­ser Wo­che ent­hielt kei­ne Er­wäh­nung der pa­läs­ti­nen­si­schen Un­nach­gie­big­keit. Kein Wort da­von. Für die­je­ni­gen, die mit der Ge­schich­te der Ver­hand­lun­gen aus dem Os­lo­er Ab­kom­men bis heu­te nicht ver­traut sind, muss es wie ei­ne lo­bens­wer­te Re­de aus­se­hen. Ker­ry weiß, wie man die Bot­schaft rü­ber­bringt. Er ist für den Frie­den und für ei­nen jü­di­schen Staat. Er ist ge­gen die Sied­lun­gen, die in sei­ner Re­de mehr als al­les an­de­re er­wähnt wur­den. Sei­ne Re­de er­klär­te, dass sich al­les dar­an reibt, und dass kein an­de­res The­ma so schwer­wie­gend sei.

Das war auch sei­ne Er­klä­rung für die Re­so­lu­ti­on 2334 des UNO-​Sicherheitsrates. Nur dass es ei­nen Un­ter­schied gibt. In sei­ner Re­de sprach Ker­ry über Land­ab­tausch. Die Ver­si­on des Si­cher­heits­ra­tes war ganz an­ders. Es war ei­ne Re­so­lu­ti­on, die for­der­te, zu den 1967er Li­ni­en zu­rück­zu­keh­ren. Die Obama-​Regierung hat ihr den Stem­pel der Zu­stim­mung ge­ge­ben. Es war ein Schuss der Er­mu­ti­gung für die Frie­dens­ver­wei­ge­rer auf der pa­läs­ti­nen­si­schen Seite.

Der Ju­bel aus dem pa­läs­ti­nen­si­schen La­ger nach der Ab­stim­mung im UNO-​Sicherheitsrat war das Er­geb­nis des Er­folgs der Stra­te­gie, von der Ab­bas Za­ki sprach. Die For­de­rung, zu den 1967er Li­ni­en zu­rück­zu­keh­ren – oh­ne Kom­pro­mis­se, oh­ne dass Is­ra­el die Sied­lungs­blö­cke be­hält – hat sich zu ei­nem Werk­zeug ge­gen die Exis­tenz Is­ra­els verwandelt.

Ker­rys Ab­schieds­re­de zum israelisch-​palästinensischen Konflikt

Man muß zu­ge­ste­hen, daß hier und da an­de­re Stim­men zu hö­ren wa­ren. Es gibt mo­de­ra­te Pa­läs­ti­nen­ser. Es gab Be­reit­schaft, wie die Gen­fer In­itia­ti­ve, ei­nen Kom­pro­miss zu er­zie­len, der auf zwei Staa­ten für zwei Völ­ker ba­siert und die Sied­lungs­blö­cke auf is­rae­li­schem Ter­ri­to­ri­um beinhaltet.

Doch es scheint, dass das „Is­ra­el auslöschen”-Lager die Ober­hand hat. Und ge­nau das ist Ker­rys Pro­blem: Er folgt dem Hand­lungs­mus­ter der „Kräf­te des Fort­schritts” der Welt. Die­se „Kräf­te des Fort­schritts” spre­chen die Pa­läs­ti­nen­ser von jeg­li­cher Ver­ant­wor­tung frei. Die pa­läs­ti­nen­si­sche Auf­het­zung wur­de kaum er­wähnt. Ih­re Un­nach­gie­big­keit exis­tiert nicht. Die Re­de von Ker­ry war vor­ein­ge­nom­men, ihr fehl­te je­de In­te­gri­tät und sie war ei­ne ein­sei­ti­ge An­kla­ge ge­gen Is­ra­el und nur ge­gen Israel.

Der Schach­zug der Pa­läs­ti­nen­ser bei der UNO war nicht da­zu be­stimmt, ir­gend ei­ne Art von Frie­dens­ab­kom­men zu för­dern. Er soll­te ei­nes blo­ckie­ren. Ge­nau wie die For­de­run­gen der Pa­läs­ti­nen­ser an Par­la­men­te und Re­gie­run­gen welt­weit, An­er­ken­nung für ei­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Staat zu er­lan­gen. Ei­ne Men­ge nütz­li­cher Idio­ten, ge­führt vom is­rae­li­schen Di­plo­ma­ten Alon Liel, wur­de zum Haupt­in­stru­ment ih­rer Stra­te­gie. Liel und sei­ne An­hän­ger schlos­sen sich dem Kampf an, Par­la­men­te rund um die Welt zu über­zeu­gen, die pa­läs­ti­nen­si­sche For­de­rung zu ak­zep­tie­ren. Schließ­lich ver­lan­gen die­se nütz­li­chen Idio­ten gar nichts von den Pa­läs­ti­nen­sern: Die Phan­ta­sie des „Rück­kehr­rechts” nicht auf­zu­ge­ben und die Auf­het­zung ge­gen Is­ra­el nicht zu stoppen.

Das Do­ku­ment, das die­se Wo­che ei­ner ägyp­ti­schen Zei­tung zu­ge­spielt wur­de, er­in­nert an ei­ne ver­häng­nis­vol­le Be­geg­nung, die am 17. März 2014 im Wei­ßen Haus statt­fand. Wäh­rend die­ser Sit­zung prä­sen­tier­te Prä­si­dent Oba­ma Mahmoud Ab­bas das zwei­te Frie­dens­rah­mens­werk von Ker­ry, ganz ähn­lich dem­je­ni­gen, das Ker­ry selbst die­se Wo­che in sei­ner Re­de prä­sen­tier­te. Das pa­läs­ti­nen­si­sche Team ver­warf das Rah­men­werk und der Ver­hand­lungs­füh­rer Sa­eb Er­e­kat wur­de mit ei­nem saf­ti­gen Fluch­wort von der na­tio­na­len Si­cher­heits­be­ra­te­rin Su­san Ri­ce belohnt.

Palestinian President Abbas (Photo: AFP)

Pa­läs­ti­nen­ser­prä­si­dent Ab­bas (Fo­to: AFP)

Die Ame­ri­ka­ner hät­ten da­mals schon er­ken­nen sol­len, mit wem sie es zu tun hat­ten. Aber das ist nicht pas­siert. An­ders als Bill Clin­ton, der auf Jas­sir Ara­fat als den­je­ni­gen hin­weist, der sei­nen groß­zü­gi­gen Vor­schlag ver­ei­tel­te, wähl­ten Oba­ma und Ker­ry die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung. Ab­bas sag­te nein zu ih­nen, doch sie ver­lo­ren nie ein Wort dar­über. Schwei­gen. Voll­stän­di­ge Stil­le. Be­trug. So­gar ein Edi­to­ri­al in der Wa­shing­ton Post – das ist nicht ge­ra­de ei­ne kon­ser­va­ti­ve Zei­tung – be­schul­dig­te Oba­ma die­se Wo­che mit har­ten Wor­ten des Serienversagens.

All dies recht­fer­tigt Ne­tan­ja­hus Ver­gel­tung trotz­dem nicht. Wenn der Mi­nis­ter­prä­si­dent Is­ra­els ei­nen Be­such des Pre­mier­mi­nis­ters der Ukrai­ne, ein Tref­fen mit dem bri­ti­schen Pre­mier­mi­nis­ter und die Zu­sam­men­ar­beit mit afri­ka­ni­schen Staa­ten auf­hebt, gibt es kei­ne an­de­re Mög­lich­keit, als zu sa­gen, dass er ent­gleist ist. Im­mer­hin hat The­re­sa May vor kur­zem ei­ne der wich­ti­ge­ren pro-​israelischen Re­den ge­hal­ten. Doch sei­ne Ant­wort auf Mai äh­nelt eher sei­ner Re­ak­ti­on auf die Jour­na­lis­tin Ila­na Da­y­an. Dies ist nicht die Art, wie ein Mi­nis­ter­prä­si­dent re­agie­ren soll­te. Das ist kein na­tio­na­ler Stolz. Es ist Grö­ßen­wahn. Und vor al­lem tut Net­anya­hu, wo­von nicht ein­mal BDS träu­men konn­te. Net­anya­hu er­klet­ter­te nicht mal wäh­rend sei­ner Kam­pa­gne ge­gen das Iran Ab­kom­men ei­nen der­art ho­hen Baum.

Ministerpräsident Netanyahu (Foto: Gil Yohanan)

Mi­nis­ter­prä­si­dent Net­anya­hu (Fo­to: Gil Yohanan)

Es scheint, dass fast wäh­rend der gan­zen An­ge­le­gen­heit sei­ne Po­si­ti­on ge­recht war. Er hat­te gu­te Grün­de, sich ge­gen den Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu äu­ßern, der den Iran zu ei­ner re­gio­na­len Su­per­macht mach­te, die Ge­walt und Ter­ro­ris­mus kul­ti­viert. Und es be­steht kein Zwei­fel, dass das Atom­ab­kom­men zehn­mal schlech­ter ist als die Re­so­lu­ti­on des UNO-​Sicherheitsrates über die Sied­lun­gen. Und ge­ra­de dar­um wirft die Ant­wort von Net­anya­hu Fra­gen auf. Was ist mit ihm los? Seit Jah­ren ver­su­chen Is­ra­els Fein­de, ih­re Be­zie­hun­gen zu wich­ti­gen Na­tio­nen zu un­ter­gra­ben. Und jetzt hat Net­anya­hu, er und kein an­de­rer, be­schlos­sen, ih­re Ar­beit für sie zu tun.

Die Zio­nis­ti­sche Uni­on und Yesh Atid ver­öf­fent­lich­ten har­sche Er­klä­run­gen ge­gen die Re­so­lu­ti­on des UNO-​Sicherheitsrates. Auf der an­de­ren Sei­te war das La­ger von Ze­ha­va Ga­lon, Ah­mad Ti­bi, die nütz­li­chen Idio­ten, B’Tselem und Haa­retz, die die Re­so­lu­ti­on för­der­ten und be­grüß­ten. So ist die Tei­lung zu die­sem The­ma nicht zwi­schen der Rech­ten und der Lin­ken. Es ist zwi­schen der ra­di­ka­len Lin­ken und al­len an­de­ren – der zio­nis­ti­schen Lin­ken, dem Zen­trum und der Rech­ten. Aber für den post­fak­ti­schen Net­anya­hu ist das Bild ganz an­ders. In sei­nem Kopf ge­hört je­der, der sei­ne Re­ak­ti­on hin­ter­fragt, ein ra­di­ka­ler Lin­ken, der Is­ra­el zu scha­den versucht.

Am 20. Ja­nu­ar, sa­gen Net­anya­hus engs­te Mit­ar­bei­ter, wird sich al­les än­dern. Ein neu­er Prä­si­dent und ei­ne neue Re­gie­rung in den USA. Was für ei­ne Täu­schung. Wird Trump die Ukrai­ne oder Groß­bri­tan­ni­ens Po­si­tio­nen ver­än­dern? Kann das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um den Hoch­schu­len in Ame­ri­ka sa­gen, was zu tun ist? Ist es das, was die Kam­pa­gne des Has­ses ge­gen Is­ra­el stop­pen wird? Na­tür­lich nicht. Und noch wich­ti­ger: Nicht je­der da drau­ßen hasst Is­ra­el. Weit da­von ent­fernt. Oba­ma und Ker­ry er­mög­lich­ten die pa­läs­ti­nen­si­sche Un­nach­gie­big­keit. Ne­tan­ja­hu för­dert Israel-Hasser.

Es war ei­ne schlech­te Wo­che für al­le, die noch hof­fen, dass wir ei­nes Ta­ges ein Frie­dens­ab­kom­men ha­ben wer­den. Es war ei­ne Wo­che vol­ler Be­trug und Ra­di­ka­li­sie­rung. Oba­ma, Ker­ry und Net­anya­hu sind die Hel­den die­ser Wo­che. Oder bes­ser ge­sagt, ih­re Antihelden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php