«

»

War­um hat Is­ra­el ein Pro­blem mit Pa­läs­ti­na?

Chaim Hand­ler, 11.6.2017, Quora.com

Is­ra­el hat kein Pro­blem mit Pa­läs­ti­na. Pa­läs­ti­na ist das, was da war, be­vor Is­ra­el exis­tier­te. Am 29. No­vem­ber 1947 stimm­te die UNO für ei­ne Emp­feh­lung, dass Pa­läs­ti­na in zwei Staa­ten auf­ge­teilt wer­de, in ei­nen jü­di­schen und ei­nen ara­bi­schen Staat. Die Ju­den ak­zep­tier­ten die Emp­feh­lung und pro­kla­mier­ten am 15. Mai 1948, am Tag, als das bri­ti­sche Man­dat en­de­te, den Staat Is­ra­el. Wenn die ara­bi­schen Pa­läs­ti­nen­ser sich da­für ent­schie­den hät­ten, die UNO-​Empfehlung zu ak­zep­tie­ren, dann hät­ten sie viel­leicht den Na­men „Pa­läs­ti­na” bei­be­hal­ten kön­nen, doch sie ta­ten das nicht. Statt­des­sen schlu­gen sie ei­nen Krieg vom Zaun und die UNO ver­mit­tel­te ei­nen Waf­fen­still­stand zwi­schen Is­ra­el und Jor­da­ni­en, Ägyp­ten, Sy­ri­en und dem Li­ba­non. Was von Pa­läs­ti­na üb­rig­blieb, die West­bank und der Ga­za­strei­fen, ist Jor­da­ni­en und Ägyp­ten ge­ge­ben wor­den. Das war das En­de von Pa­läs­ti­na.

1967 droh­ten die­sel­ben Län­der er­neut, Is­ra­el zer­stö­ren zu wol­len. Sie mo­bi­li­sier­ten ih­re Ar­me­en ent­lang meh­re­rer Fron­ten. Is­ra­el wur­de nicht zer­tört. Statt­des­sen ver­lies­sen die Jor­da­ni­er und die Ägyp­ter die West­bank und den Ga­za­strei­fen. Die UNO un­ter­stütz­te dann die Idee „Land für Frie­den”, wo­bei Jor­da­ni­en und Ägyp­ten ei­ne Frie­dens­ver­ein­ba­rung mit Is­ra­el ver­han­del­ten im Aus­tausch für ei­ne Rück­kehr in die West­bank und den Ga­za­strei­fen. Die Ant­wort der Ara­ber war ei­ne ge­mein­sa­me Re­so­lu­ti­on al­ler ara­bi­schen Staa­ten beim Gip­fel­tref­fen der ara­bi­schen Li­ga in Khar­to­um, in der sie er­klär­ten: „Kei­ne An­er­ken­nung, kei­ne Ver­hand­lun­gen, kein Frie­den.”

Bis 1974 war es klar, dass Ägyp­ten und Jor­da­ni­en nicht ver­han­deln wür­den. Statt­des­sen hör­te die UNO auf da­mit, Ver­trä­ge zwi­schen Is­ra­el und sei­nen Nach­barn ver­mit­teln zu wol­len, und pro­kla­mier­te statt­des­sen, dass die Pa­läs­ti­nen­ser ein „Volk” sei­en (wo­bei sie sich auf die ara­bi­schen Pa­läs­ti­nen­ser be­zo­gen, da die Ju­den von Pa­läs­ti­na 26 Jah­re vor­her Is­rae­lis ge­wor­den wa­ren) und das sie ein Recht auf „Selbst­be­stim­mung” hät­ten. Sie emp­fah­len er­neut die Grün­dung ei­nes ara­bi­schen Staa­tes, die­ses Mal in­ner­halb der Gren­zen, die sie, 1949, Ägyp­ten und Jor­da­ni­en zur Be­set­zung über­ge­ben hat­ten.

Dies­mal pro­kla­mier­te die UNO, dass die Re­prä­sen­tan­ten der Pa­läs­ti­nen­ser nie­mand an­de­res als Jas­sir Ara­fat und sei­ne pa­läs­ti­nen­si­sche Be­frei­ungs­front (PLO) sei. Die PLO lehn­te Ver­hand­lun­gen mit Is­ra­el ab und wies die Idee ei­nes Staa­tes in­ner­halb der be­setz­ten Ter­ri­to­ri­en zu­rück. Das war bis sie, 19 Jah­re spä­ter, ei­ne Prin­zi­pi­en­de­kla­ra­ti­on un­ter­zeich­ne­ten, auch Oslo-​Verträge ge­nannt. In den Oslo-​Verträgen er­hiel­ten die Pa­läs­ti­nen­ser au­to­no­me Selbst­ver­wal­tung un­ter ei­ner Re­gie­rung der PLO, wäh­rend die PLO ei­nen de­fi­ni­ti­ven Sta­tus mit Is­ra­el hät­te aus­han­deln sol­len, der vor­zugs­wei­se in der Eta­blie­rung ei­nes pa­läs­ti­nen­si­schen Staa­tes hät­te en­den sol­len.

Zwei­mal, statt in Treu und Glau­ben zu ver­han­deln, lief die PLO weg vom Ver­hand­lungs­tisch, ent­täuscht, dass Is­ra­el bloss 97% ih­rer For­de­run­gen er­fül­len woll­te. Sie sind seit­her nicht an den Ver­hand­lungs­tisch zu­rück­geh­kehrt. In der Zwi­schen­zeit hat Is­ra­el kein Pro­blem mit „Pa­läs­ti­na”, weil es de-​fakto kei­ne En­ti­tät na­mens „Pa­läs­ti­na” gibt. Is­ra­el hat je­doch ein Pro­blem mit Ge­walt­ak­ten, die ge­gen is­rae­li­sche Bür­ger aus­ge­übt wer­den, und wird al­les not­wen­di­ge tun, um sei­ne Bür­ger vor Pa­läs­ti­nen­sern zu be­schüt­zen, de­nen von der pa­läs­ti­nen­si­schen Füh­rung im­mer und im­mer wie­der ge­sagt wird, dass Wi­der­stand ge­gen die Be­sat­zung ein mo­ra­li­sches Im­pe­ra­tiv sei, selbst wenn das be­deu­tet, Bus­se in die Luft zu spren­gen oder Mes­ser in die Brust von Pas­san­ten zu ste­chen oder ein Au­to in ei­ne vor ei­ner Bus­hal­te­stel­le war­ten­de Men­schen­men­ge zu steu­ern.

Wei­ter­hin hat ei­ne fun­da­men­ta­lis­ti­sche is­la­mi­sche Or­ga­ni­sa­ti­on, die Ha­mas, die PLO-​Regierung im Ga­za­strei­fen ge­stürzt. Ha­mas hat er­klärt, dass sie nicht an Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen der PLO und Is­ra­el ge­bun­den sei­en und dass sie sich dem be­waff­ne­ten Kampf ver­pflich­tet füh­le. Im Som­mer 2015 riss die Ha­mas ei­nen Krieg vom Zaun, in­dem sie 4500 Ra­ke­ten ziel­los auf is­rae­li­sche Städ­te ab­feu­er­te. Is­ra­el to­le­riert wei­ter­hin die Kon­trol­le der Ha­mas über den Ga­za­strei­fen, lässt aber nicht zu, dass die Ha­mas Waf­fen in ihr Ter­ri­to­ri­um schmug­gelt oder Ma­te­ria­li­en zur Her­stel­lung wei­te­rer Ra­ke­ten oder Tun­nels in is­rae­li­sches Ter­ri­to­ri­um, mit de­nen heim­lich Gue­ril­la­kämp­fer nach Is­ra­el ge­schleust wer­den soll, um is­rae­li­schen Bür­gern Scha­den zu­zu­fü­gen.

Wie die Din­ge ste­hen kann die PLO den fi­na­len Sta­tus ei­ner Re­gi­on, über die sie kei­ne Kon­trol­le ha­ben, nicht aus­han­deln. Wenn die PLO wie­der die Kon­trol­le über den Ga­za­strei­fen zu­rück­ge­winnt, dann wird Is­ra­el sei­ne Zu­gangs­be­schrän­kun­gen zum Ga­za­strei­fen auf­he­ben auf den Sta­tus, der herrsch­te, be­vor die Ha­mas die Kon­trol­le über­nahm, und dann wird die PLO in der La­ge sein, ei­ne fi­na­le Sta­tus­ver­ein­ba­rung aus­zu­han­deln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php