China ist in Kanadas Arktis eingebettet
Gordon G. Chang, 28. Januar 2026, Gatestone Institute
aus dem Englischen von Martin Christen
- Russland kann Kanada trotz all seiner Gräueltaten ohne seinen Partner nicht ernsthaft gefährden. Carney bezeichnete China im April letzten Jahres während einer Debatte im Vorfeld der Bundeswahlen umgehend als größte Sicherheitsbedrohung für sein Land. In Davos hingegen wollte er nicht darüber sprechen, dass China eine Gefahr für Kanada darstellt.
- Carney hatte von Anfang an Recht: Kanadas größte Bedrohung ist China.
- Russland und China sind enge Partner an der Nordspitze der Welt.
- China erforscht und kartiert derzeit die arktischen Gewässer, um die Navigation und Tarnung seiner U-Boote zu verbessern.
- Peking hat Kanada schon lange im Visier und beschränkt seine bedrohlichen Aktivitäten nicht auf die Meere.
- „Kanadas Unterfinanzierung ist auf die Selbstzufriedenheit nach dem Kalten Krieg, die Abhängigkeit von den USA und die Priorisierung sozialer Programme gegenüber der militärischen Verteidigung zurückzuführen.“ – Charles Burton, Thinktank Sinopsis, gegenüber Gatestone, Januar 2026.

In weiten Teilen der Arktis bildet Kanada die erste Verteidigungslinie der USA. China erforscht und kartiert derzeit arktische Gewässer, um die Navigation seiner U-Boote zu verbessern und deren Entdeckung zu verhindern. Innerhalb weniger Jahre wird China bewaffnete U-Boote zum Nordpol entsenden können. Dort werden sie sich in unmittelbarer Nähe potenzieller nordamerikanischer Ziele befinden. Im Bild: Am 10. April endete Chinas 40. Antarktisexpedition mit der Rückkehr des Polareisbrechers Xuelong nach Qingdao in der Provinz Shandong, China. (Foto: QDxiaoge, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
„Russland ist ohne Frage eine Bedrohung in der Arktis“, sagte der kanadische Premierminister Mark Carney diesen Monat beim Weltwirtschaftsforum in Davos. „Russland begeht zweifellos viele schreckliche Taten.“
Doch trotz all dieser Gräueltaten kann Russland Kanada ohne seinen Partner nicht ernsthaft gefährden. Carney hatte China im April letzten Jahres während einer Debatte im Vorfeld der Bundestagswahlen ohne zögern als die größte Sicherheitsbedrohung für sein Land bezeichnet. In Davos vermied er es jedoch, über die Gefahr zu sprechen, die China für sein Land darstellt.
Auch seine Außenministerin Anita Anand zeigte sich in Davos zurückhaltend. Als Journalisten sie nach der größten Bedrohung für Kanada fragten, nannte sie keinen konkreten Staat.
Carney lag von Anfang an richtig: Die größte Bedrohung für Kanada ist China.
Vor seiner Reise nach Davos war der kanadische Premierminister nach Peking gereist, wo er einem Handelsabkommen zustimmte und von einer „neuen Weltordnung“ sprach.
Er sprach außerdem von einer „neuen strategischen Partnerschaft zwischen Kanada und China, getragen von gegenseitigem Respekt, Gleichberechtigung und beiderseitigem Nutzen, um beiden Völkern mehr positive Ergebnisse zu bringen“.
Einige Beobachter meinen, Carney sei tatsächlich überzeugt, dass sein Land sich enger an China anlehnen sollte. Andere wiederum glauben, seine Reise in die chinesische Hauptstadt sei lediglich ein taktisches Manöver gewesen, um US‑Präsident Donald Trump dazu zu bewegen, von seinen zunehmend bedrohlich klingenden Handelsdrohungen abzurücken. In beiden Fällen jedoch spielt der kanadische Regierungschef eine reale Gefahr für Kanada herunter – insbesondere in der Arktis.
Am nördlichsten Punkt der Erde arbeiten Russland und China eng zusammen.
Im Jahr 2024 führten die chinesischen und russischen Streitkräfte erstmals gemeinsame Patrouillenflüge in der Nähe Alaskas durch. Chinesische Bomber starteten und landeten dabei auf einem russischen Luftwaffenstützpunkt.
Ebenfalls erstmals waren im vergangenen Sommer chinesische Forschungs‑U‑Boote unter dem arktischen Eis unterwegs. China untersucht und kartiert inzwischen systematisch die arktischen Gewässer, um seinen U‑Booten künftig sowohl die Navigation als auch das Entziehen vor Ortungssystemen zu erleichtern.
China wird in wenigen Jahren in der Lage sein, bewaffnete U‑Boote bis zum Nordpol zu entsenden. Dort wären sie in unmittelbarer Nähe potenzieller nordamerikanischer Ziele.
Zudem patrouilliert China inzwischen auch mit Küstenwachschiffen in der Arktis – Schiffe, die zwar in zivilem Weiß gestrichen sind, aber in ihrer Bauweise eher grauen Marinefregatten ähneln.
Peking hat Kanada schon seit Langem im Visier und beschränkt seine bedrohlichen Aktivitäten nicht auf die Meere.
„Während sich die meisten Diskussionen über China und die Arktis auf maritime Fragen konzentrieren, arbeitet Peking seit Jahren daran, auch an Land Beziehungen zwischen Menschen aufzubauen – etwa zu kanadischen First Nations, die über riesige Landflächen verfügen oder diese kontrollieren“, erklärte Cleo Paskal von der Foundation for Defense of Democracies diesen Monat gegenüber Gatestone. „Die Chinesen sprachen dabei über Gemeinsamkeiten, einschließlich der Möglichkeit, dass man ‚verwandt‘ sei, da die ersten Kanadier über die Beringstraße aus Asien gekommen seien.“
Im Herbst 2008, berichtet Paskal, reisten mehr als zwei Dutzend Häuptlinge und Vertreter der First Nations nach China. Der Leiter der Delegation, Chief Calvin Helin, sagte dazu: „Auf dem Niveau empfangen und betreut zu werden, wie wir es wurden, ist kaum zu glauben und wirklich historisch.“
Historisch? Ja. Unglaublich? Nein.
China hat in einer Reihe von Ländern gezielt die indigene Bevölkerung umworben, um sich dort einen Fuß in der Tür zu verschaffen und anschließend Einfluss auszuüben oder Gemeinschaften gegeneinander auszuspielen. Kanada gehört zu diesen Zielstaaten.
„Ottawas Vernachlässigung seiner arktischen Bevölkerungsgruppen besteht seit Langem – genau solche Situationen sind es, in denen China gedeiht“, sagt Paskal.
Es sind diese Bevölkerungsgruppen, die das Rückgrat der kanadischen Verteidigung in den arktischen Gebieten bilden, die 40 % der Landesfläche und über 70 % der Küstenlinie ausmachen. Dort stützt sich Ottawa auf die rund 5.000 Mitglieder starken Canadian Rangers, eine paramilitärische Einheit, die sich aus Inuit, Dene, Cree, Anishinaabe, Métis und anderen Bewohnern der abgelegenen nördlichen und küstennahen Regionen zusammensetzt.
Wie Charles Burton vom Thinktank Sinopsis gegenüber Gatestone erklärt, stellt Ottawa den Canadian Rangers lediglich eine „unzureichende Ausrüstung für die harschen Bedingungen zur Verfügung, etwa veraltete Gewehre und Schneemobile für Patrouillen über ihr riesiges, gefrorenes Territorium“.
„Kanada gehörte über Jahre hinweg zu den NATO‑Staaten mit den niedrigsten Verteidigungsausgaben und stellte vor den jüngsten Zusagen nur etwa 1,4 % des Bruttoinlandsprodukts bereit“, betonte Burton, Autor des soeben erschienenen The Beaver and the Dragon: How China Out-Maneuvered Canada’s Diplomacy, Security, and Sovereignty („Der Biber und der Drache: Wie China Kanadas Diplomatie, Sicherheit und Souveränität ausmanövrierte„). „Kanadas Unterfinanzierung resultiert aus Selbstzufriedenheit nach dem Kalten Krieg, der Abhängigkeit von den USA und der Priorisierung sozialer Programme gegenüber der militärischen Verteidigung.“
Kanadas zentrales Problem in der Arktis ist nicht eine unzureichende Finanzierung, sondern eine gefährliche Blindheit. Bis 2020 haben die chinesischen und kanadischen Streitkräfte am CFB Petawawa, einem Armeestützpunkt in Ontario rund 170 Kilometer nordwestlich von Ottawa, für den Winterkrieg gemeinsam trainiert.
Kanadas riesige Arktisregion bleibt unverteidigt, und die politischen Führungskräfte des Landes können heute nicht offen über die Quelle der Bedrohung sprechen.
Diese Zurückhaltung ist auch für die USA ein Problem: In weiten Teilen der Arktis bildet Kanada die erste Verteidigungslinie Amerikas.
Gordon G. Chang ist der Autor von Plan Red: China’s Project to Destroy America („Plan Rot: Chinas Projekt zur Zerstörung Amerikas“), Distinguished Senior Fellow des Gatestone Institute und Mitglied dessen Beirats.
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Erstveröffentlichung bei Gatestone Institute. Reproduktion mit freundlicher Genehmigung.

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