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Der pa­läs­ti­nen­si­sche Men­schen­rechts­an­walt Bas­sem Eid bie­tet Insider-​Perspektiven

Lar­ry Hertz, 29.2.2016, Vas­sar Hub

Bas­sem Eid ver­brach­te die ers­ten 33 Jah­re sei­nes Le­bens in ei­nem pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lings­la­ger. Als Jour­na­list und spä­ter als Lei­ter von zwei Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen hat er den Re­spekt so­wohl des pa­läs­ti­nen­si­schen Vol­kes, als auch der is­rae­li­schen Be­hör­den ge­won­nen.

An ei­nem Vor­trag vom 17. Fe­bru­ar am Vas­sar hat Bas­sem Eid, Men­schen­rechts­ver­tre­ter der Pa­läs­ti­nen­ser, die BDS-​Bewegung als po­ten­zi­ell ver­hee­rend für die Pa­läs­ti­nen­ser ver­ur­teilt. (Fo­to Karl Ra­be)

In letz­ter Zeit tour­te Bas­sem durch ame­ri­ka­ni­sche Uni­ver­si­tä­ten, um, mit sei­nen Wor­ten, „ei­ni­ge Fak­ten zu in­ji­zie­ren” in das, was ein emo­tio­na­ler po­li­ti­scher Dis­kurs ge­wor­den ist. Und in ei­ner Re­de, die er an Vas­sar am 17. Fe­bru­ar hielt, pran­ger­te Eid die welt­wei­te BDS (Boy­cott, Des­in­ves­ti­ti­on und Sank­tio­nen) -Be­we­gung ge­gen Is­ra­el als po­ten­zi­ell ver­hee­rend für das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk an.

„Wenn BDS er­folg­reich ist, ich bin zu 100 Pro­zent si­cher, dass ei­ni­ge Pa­läs­ti­nen­ser ver­hun­gern wür­den”, sag­te Eid mehr als 70 Stu­den­ten, Do­zen­ten und Mit­ar­bei­tern, die den stun­den­lan­gen Vor­trag im Spit­zer Au­di­to­ri­um im San­ders Schul­ge­bäu­de be­such­ten.

Er stell­te fest, mehr als 92’000 Pa­läs­ti­nen­ser je­den Tag die Gren­ze über­que­ren, um in Is­ra­el zu ar­bei­ten, und wei­te­re 15’000 wer­den in der West­bank durch Is­ra­el in den Sied­lun­gen ein­ge­setzt. „BDS kann gros­sen Scha­den an­rich­ten für die pa­läs­ti­nen­si­sche Wirt­schaft”, sag­te Eid. „Ich kann an die­ser Be­we­gung nichts Gu­tes se­hen.”

Eid wur­de in Ost-​Jerusalem ge­bo­ren, wuchs im UNO Flücht­lings­la­ger Shua­fat auf und lebt heu­te in Je­ri­cho im West­jor­dan­land. Er ist der Grün­der und ehe­ma­li­ger Di­rek­tor der pa­läs­ti­nen­si­schen Menschenrechts-​Überwachungsgruppe, ei­ne über­par­tei­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on, die sich Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in Pa­läs­ti­na ge­wid­met hat. Be­vor er die Grup­pe grün­de­te, war Eid ein Chef­er­mitt­ler der is­rae­li­schen Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on B’Tselem, und pu­bli­zier­te und pran­ger­te Fäl­le von Miss­brauch durch das is­rae­li­sche Mi­li­tär an.

Sein Vor­trag am Vas­sar wur­de vom Kol­le­gi­um für Dia­log und En­ga­ge­ment über Dif­fe­ren­zen hin­weg ge­spon­sert.

In ei­nem Ge­spräch be­vor er sei­ne Re­de gab, sag­te Eid, dass er wahr­neh­me, dass die BDS-​Bewegung an Po­pu­la­ri­tät ge­winnt in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und in Eu­ro­pa. „Aber ich kann Ih­nen sa­gen, nir­gend­wo in der West­bank, wo ich le­be, kann man ir­gend je­man­den fin­den, der BDS un­ter­stützt”, sag­te er.

Eid sag­te, er ha­be vor kur­zem mit ei­nem Pa­läs­ti­nen­ser ge­spro­chen, der sei­nen Job ver­lo­ren hat­te, als ein is­rae­li­sches Un­ter­neh­men, So­da Stream, we­gen wirt­schaft­li­chen Drucks ei­ne sei­ner Fa­bri­ken von dort weg­be­weg­te. „Als ich ihm sag­te, dass dies we­gen BDS pas­siert war, sag­te er zu mir: „Wer ist die­ser BDS? Ich will ihn tö­ten”, sag­te Eid.

Eid legt den gröss­ten Teil der Schuld für die Mi­se­re der Pa­läs­ti­nen­ser auf die pa­läs­ti­nen­si­schen Füh­rer selbst. „Wenn die Leu­te mich fra­gen, wen (der pa­läs­ti­nen­si­sche Prä­si­dent) Mah­mud Ab­bas ver­tre­te, dann sa­ge ich ih­nen: „Viel­leicht sei­ne Frau und sei­ne bei­den Söh­ne, aber si­cher nicht das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk”, sag­te er wäh­rend sei­ner Re­de am Vas­sar.

Nun, da die Titular-​Führung der Pa­läs­ti­nen­ser zwi­schen Ab­bas’ Fatah-​Partei in der West­bank und der Ha­mas im Gaza-​Streifen auf­ge­teilt ist, sag­te Eid, sei er noch we­ni­ger op­ti­mis­tisch, was die Mög­lich­keit ei­ner po­li­ti­schen Lö­sung in der Re­gi­on be­tref­fe. „Trotz fünf mit Is­ra­el aus­ge­han­del­ter Ab­kom­men ha­ben wir jetzt die Fa­tah und Ha­mas und über­haupt kei­ne Ein­heit”, sag­te er.

Den­noch, sag­te Eid, se­he er ei­nen Weg zu ei­nem bes­se­ren Le­ben für sein Volk. Wenn sie mit den Is­rae­lis dar­an ar­bei­ten, die wirt­schaft­li­chen Be­din­gun­gen zu ver­bes­sern, dann könn­te schliess­lich ei­ne de­mo­kra­ti­sche Re­gie­rung und wah­re Selbst­be­stim­mung fol­gen. „Im Mo­ment se­he ich nur Kor­rup­ti­on auf Kor­rup­ti­on un­ter un­se­ren Füh­rern”, sag­te er. „Sie ha­ben nicht ei­ne Uni­ver­si­tät, nicht ei­ne Kli­nik ge­baut.”

„Er­war­ten Sie al­so nicht, dass ich Ih­nen ei­ne po­li­ti­sche Lö­sung ge­be”, so Eid. „Der ein­zi­ge Weg ist ei­ne wirt­schaft­li­che Lö­sung, die Wirt­schaft durch die Zu­sam­men­ar­beit mit Is­ra­el zu stär­ken. Das wür­de für bei­de Sei­ten da­zu füh­ren, dass sie der Ge­walt ein En­de set­zen und, wie ich hof­fe, wird dann ein jun­ger, cha­ris­ma­ti­scher Füh­rer auf­tau­chen.”

Eid wur­de auf den Cam­pus ge­bracht durch die Be­mü­hun­gen ei­nes Stu­den­ten, Ja­son Storch, 17, und die College-​Verwaltung. Storch, ein Rus­se und Che­mie Doppel-​Absolvent von Lyn­brook, NY, sag­te, dass er den Dia­log auf dem Cam­pus über den israelisch-​palästinensischen Kon­flikt ver­bes­sern wol­le. „Es gibt ei­ne Mil­li­on und ei­ne un­ter­schied­li­che Per­spek­ti­ven auf das The­ma, aber ich be­merk­te, dass kei­ner der Leu­te, die wir im­mer hö­ren, je in Pa­läs­ti­na leb­te oder aus ei­ge­ner Er­fah­rung dar­über spre­chen konn­te, ein Le­ben in Pa­läs­ti­na zu ver­brin­gen”, sag­te Storch. „Bas­sem Eid tut ge­nau das, aber er ver­wen­det nicht die­se Le­bens­er­fah­rung sei­ner eth­ni­schen Zu­ge­hö­rig­keit oder be­ruft sich auf Na­tio­na­li­tät. Viel­mehr nutzt er sein Ethos, um sei­ne be­reits glaub­wür­di­gen Aus­sa­gen zu stüt­zen.”

Be­vor er sei­ne Re­de hielt, sag­te Eid, dass er in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten im ver­gan­ge­nen Herbst auf Tour­nee war und Re­den auf 27 College-​Campus ge­ge­ben hat­te. Auf die Fra­ge, wie er die Stim­mung an die­sen Stand­or­ten be­wer­tet in Be­zug auf Is­ra­el und Pa­läs­ti­na, sa­ge Eid, dass er er­mu­tigt sei. „Ich den­ke, es gibt ei­ni­ge, die die Fak­ten nicht ken­nen und die wie ein Pa­pa­gei ge­nau das wie­der­ge­ben, was an­de­re sa­gen, und es gibt an­de­re, die Fak­ten ken­nen, aber sie igno­rie­ren”, sag­te er. „Aber ich bin froh zu sa­gen, dass sie in der Min­der­heit sind. Die über­wie­gen­de Mehr­heit der Stu­den­ten sind be­strebt, die Wahr­heit dar­über zu er­fah­ren, was los ist.”

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  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] (Da­ni­el): – Der pa­läs­ti­nen­si­sche Men­schen­rechts­an­walt Bas­sem Eid bie­tet Insider-​Perspektiven – Mus­li­mi­sche In­zucht hat die Psy­che des Is­lam kor­rum­piert, und die Er­geb­nis­se sind […]

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