«

»

Eu­ro­pa: „Big Busi­ness” kol­li­diert mit Is­la­mis­mus

Yves Ma­mou, 1.7.2017, Gatestone In­sti­tu­te

  • Für „Big Busi­ness” gilt: Je mehr Din­ge im Na­men des Is­lam als „ver­bo­ten” be­zeich­net wer­den, des­to mehr Pro­duk­te müs­sen als „er­laubt” pro­du­ziert wer­den, da­mit die „gu­ten Mus­li­me” sie kau­fen kön­nen.
  • In den 1970er Jah­ren fan­den Iran und Saudi-​Arabien, die sich in ei­nem Kon­kur­renz­kampf be­fan­den, um ih­re Vor­stel­lung des Is­lam welt­weit zu ver­brei­ten, Hil­fe von mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­nen wie Nest­lé, die die Schaf­fung des gro­ßen glo­ba­len Halal-​Lebensmittelmarktes im Au­ge hat­ten.
  • Die nächs­te Etap­pe ist: Wenn die meis­ten Mus­li­me ei­nen Schlei­er und Halal-​Essen als is­la­mi­sche Ver­pflich­tung be­trach­ten, dann wer­den sie bald die Scha­ria und is­la­mi­sche Ge­richts­hö­fe – wie in Groß­bri­tan­ni­en – for­dern.

La­den­schild in Fran­zö­sisch und Ara­bisch für ei­ne Halal-​Metzgerei in der Rue de Pa­t­ay, Pa­ris. (Bild­quel­le: Wi­ki­me­dia Com­mons /​ Mu)

Wenn Ge­winn zu ma­chen ist, dann hat der Ka­pi­ta­lis­mus kein po­li­ti­sches Ge­wis­sen und kann mit je­der Ideo­lo­gie – von De­mo­kra­ti­en bis hin zu to­ta­li­tä­ren Ty­ran­nei­en – zu­sam­men­ar­bei­ten. Die­se An­sicht wur­de zu­letzt von der fran­zö­si­schen An­thro­po­lo­gin Flo­rence Bergeaud-​Blackler in ih­rem Buch „Le mar­ché hal­al ou l’invention d’une tra­di­ti­on” („Der Halal-​Markt oder die Er­fin­dung ei­ner Tra­di­ti­on”) dar­ge­legt.

Bergeaud-​Blackler be­haup­tet in ih­rem Buch, dass „Halal”-Essen (Le­bens­mit­tel, die im Is­lam aus re­li­giö­sen Grün­den er­laubt sind) erst „kürz­lich er­fun­den” wor­den sind als Mar­ken­be­griff und als po­ten­zi­el­ler kom­mer­zi­el­ler Markt, in ei­ner Ab­spra­che zwi­schen ira­ni­schen Fun­da­men­ta­lis­ten und mul­ti­na­tio­na­len Nah­rungs­mit­tel­kon­zer­nen. In ei­nem In­ter­view mit der fran­zö­si­schen Ta­ges­zei­tung Li­be­ra­ti­on sag­te sie:

„Ich spre­che von der Er­fin­dung des „Halal-​Marktes” in dem Sin­ne, dass es sich nicht um ei­ne al­te Tra­di­ti­on han­delt, die aus mus­li­mi­schen Län­dern im­por­tiert wur­de. Der Halal-​Markt exis­tier­te nie­mals in der mus­li­mi­schen Welt, bis das „Big Busi­ness” der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie ihn er­schuf und ex­por­tier­te. Die Halal-​Konvention wur­de in den 70er und 80er Jah­ren ge­bo­ren. Zu die­ser Zeit tri­um­phier­ten zwei Ideo­lo­gi­en auf der in­ter­na­tio­na­len Büh­ne: ei­ner­seits der mus­li­mi­sche Fun­da­men­ta­lis­mus, dar­un­ter die Pro­kla­ma­ti­on der Is­la­mi­schen Re­pu­blik im Iran 1979 und an­de­rer­seits der Neo-​Liberalismus mit That­cher und Rea­gan. Die­se Kon­ver­genz, un­ge­plant und un­er­war­tet, er­mög­lich­te es die­sen bei­den Ideo­lo­gi­en, zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, um ein Halal-​Nahrungsmittel-​Industrieprotokoll zu eta­blie­ren.”

Nach Bergeaud-​Blackler war das Halal-​Essen seit Jahr­hun­der­ten in den mus­li­mi­schen Län­dern auf das Ver­bot von Schwei­ne­fleisch re­du­ziert ge­we­sen. Al­le Le­bens­mit­tel, mit Aus­nah­me von Schwei­ne­fleisch, die so­wohl lo­kal – als auch nicht lo­kal von „Men­schen des Bu­ches” (Chris­ten und Ju­den) – pro­du­ziert wur­den, gal­ten als Hal­al. Aber nach der ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­on im Jah­re 1979 wur­de Hal­al ein fun­da­men­ta­lis­ti­sches Nah­rungs­not­wen­dig­keits­ge­bot, das durch wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen ge­hei­ligt wur­de. In den 1970er Jah­ren fan­den der Iran und Saudi-​Arabien, die in ei­nem Kon­kur­renz­kampf be­fan­den, ih­re Vor­stel­lung des Is­lam auf der gan­zen Welt zu ver­brei­ten, nütz­li­che Hil­fe von mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­nen wie Nest­lé, die die Schaf­fung des gro­ßen glo­ba­len Halal-​Food-​Marktes im Au­ge hat­ten.

Bergeaud-​Blackler sagt, dass Nah­rungs­mit­tel­kon­zer­ne und is­la­mi­sche Fun­da­men­ta­lis­ten ein ge­mein­sa­mes In­ter­es­se fan­den, ei­ne neue Idee zu ver­mit­teln: Mus­li­me ha­ben spe­zi­fi­sche „Be­dürf­nis­se” in Be­zug auf Nah­rung. Vor der ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­on hiel­ten die Is­la­mis­ten, ein­schließ­lich der Ra­di­ka­len wie Yus­uf al-​Qaradawi von der mus­li­mi­schen Bru­der­schaft, die Auf­fas­sung, dass Mus­li­me Nah­rung, die von Län­dern der christ­li­chen und jü­di­schen Tra­di­ti­on pro­du­ziert wird, ver­brau­chen dür­fen. Doch im Be­wusst­sein, dass ei­ne „Nah­rungs­mit­tel­gren­ze” in der Po­li­tik ei­ni­ge Ef­fek­te her­vor­brin­gen könn­te, ha­ben die Fun­da­men­ta­lis­ten ih­re Po­si­ti­on ver­än­dert. Die in sä­ku­la­ri­sier­ten Län­dern pro­du­zier­ten Le­bens­mit­tel wur­den als ha­ram (ver­bo­ten) be­zeich­net und ein spe­zi­fi­scher Markt für mus­li­mi­sche Le­bens­mit­tel be­gann zu ent­ste­hen.

Laut Bergeaud-​Blackler ver­lie­hen die agri­kul­tu­rel­len mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­ne durch die In­dus­tria­li­sie­rung der Pro­duk­ti­on von Halal-​Nahrungsmitteln den Fun­da­men­ta­lis­ten ei­ne star­ke hel­fen­de Hand und hal­fen mit, ei­ne Trenn­wand zwi­schen Mus­li­men und Nicht-​Muslimen in eu­ro­päi­schen Län­dern zu bau­en:

„Den Raum zwi­schen dem, was er­laubt ist und was nicht, in zwei zu spal­ten, schafft ei­ne ge­wis­se so­zia­le Angst und führt zu ei­nem Ver­mei­dungs­ver­hal­ten. Wenn Sie aus­schließ­lich Hal­al es­sen la­den Sie kei­ne nicht-​Halal-​Menschen nach Hau­se ein, aus Angst, die­se Per­son könn­te Sie im Ge­gen­zug ei­ne Ge­gen­ein­la­dung aus­spre­chen. Die­se Ver­mei­dungs­mus­ter ver­bin­den sich mit der Spra­che, die „un­rei­ne” Spei­sen ab­lehnt. Die Ver­wir­rung zwi­schen Hal­al und Rein­heit ist ver­stö­rend.”

Die Trenn­mau­er geht je­doch weit über die ge­mein­sa­me Ge­sel­lig­keit hin­aus. Nach Gil­les Ke­pel, Pro­fes­sor am Pa­ri­ser In­sti­tut für Po­li­ti­sche Stu­di­en:

„Durch die Ver­schär­fung der Fra­ge nach Hal­al füh­ren die po­li­ti­schen Ak­teu­re des Is­la­mis­mus zu ei­ner Lo­gik des Bruchs – mus­li­mi­sche Kin­der wer­den auf­ge­for­dert, Schul­kan­ti­nen zu ver­mei­den, und das hilft ih­nen, die Ju­gend­li­chen von der Schu­le und von der Na­ti­on zu di­stan­zie­ren.”

In Frank­reich zum Bei­spiel, wo öf­fent­li­che Schu­len das tra­di­tio­nel­le In­stru­ment der so­zia­len und kul­tu­rel­len In­te­gra­ti­on sind, ist dies be­son­ders wich­tig.

Laut Ke­pel ist Halal-​Nahrung die zwei­te Schlacht, die Is­la­mis­ten in Frank­reich und in Eu­ro­pa füh­ren. So­bald der Schlei­er die Köp­fe der meis­ten mus­li­mi­schen Frau­en be­deckt, ist die Zeit ge­kom­men, die Se­zes­si­on der mus­li­mi­schen Be­völ­ke­rung mit Hal­al zu er­rei­chen:

„Zu An­fang wird Hal­al als Kon­sum­be­darf prä­sen­tiert: Wir es­sen hal­al wie ve­gan, or­ga­nisch oder ko­scher. Und Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men täu­schen sich nicht: Ih­re Su­per­märk­te bie­ten ei­ne brei­te Pa­let­te von halal-​Produkten in den Gän­gen an, mit ei­nem ge­schätz­ten Markt von 5 Mil­li­ar­den Eu­ro .… die po­li­ti­schen Ak­teu­re des Is­la­mis­mus … se­hen Hal­al als Chan­ce für die Kon­trol­le der Ge­mein­schaft und sie be­mü­hen sich, zu ra­di­ka­li­sie­ren und zu ver­schär­fen … ”

In Frank­reich, am Ar­beits­platz, hat Hal­al be­gon­nen, ei­ne Haupt­quel­le von Kon­flik­ten zu sein. Un­ter­neh­men wer­den mit wach­sen­den For­de­run­gen nach Halal-​Food in Kan­ti­nen kon­fron­tiert. In Frank­reich sind Un­ter­neh­men nicht ge­setz­lich ver­pflich­tet, Halal-​Lebensmittel an­zu­bie­ten, aber vie­le Un­ter­neh­men ha­ben Angst, als ras­sis­tisch ge­brand­markt zu wer­den, wenn sie den For­de­run­gen nicht nach­kom­men.

Mitt­ler­wei­le sind al­le west­li­chen Un­ter­neh­men, die sich auf Le­bens­mit­tel, Ge­flü­gel, Sü­ßig­kei­ten, Fleisch, Fast Food und Ein­zel­han­dels­ket­ten spe­zia­li­siert ha­ben, tief in die Hal­al­pro­duk­ti­on ver­wi­ckelt. Nest­lé ist welt­weit Num­mer eins und kon­kur­riert hef­tig mit an­de­ren mul­ti­na­tio­na­len Nah­rungs­mit­tel­kon­zer­nen wie Wool­worths, Cole’s, Aldo’s, Cad­bu­ry, Kraft, Kellogg’s und Hun­der­ten von an­de­ren. Fast Food Out­lets wie McDonald’s, Bur­ger King, Red Roos­ter, KFC und Sub­way ha­ben in Halal-​Fleisch in­ves­tiert, manch­mal nur im Aus­land.

Ein Be­richt von Thom­son Reu­ters und Di­nar­Stan­dard schätz­te den Halal-​Food-​Markt im Jahr 2014 auf 1,37 Bil­lio­nen Dol­lar. Dies ent­spricht 18,2% des ge­sam­ten Nahrungsmittel- und Ge­trän­ke­mark­tes welt­weit und ei­ner Stei­ge­rung von 6,2% ge­gen­über 2013.

Für „Big Busi­ness” ist es so, dass, je mehr Din­ge im Na­men des Is­lam als „ver­bo­ten” be­zeich­net wer­den, des­to mehr als „er­laubt” de­kla­rier­te Pro­duk­te für die „gu­ten Mus­li­me” pro­du­ziert wer­den müs­sen.

Für die Fun­da­men­ta­lis­ten ist es so, dass, je mehr Mus­li­me sich an die­se äu­ße­ren Zei­chen des Is­lam hal­ten – hal­al Es­sen, ver­schlei­er­te Frau­en, Bur­ki­nis – um so ein­fa­cher ist es, Mus­li­me von Nicht­mus­li­men zu tren­nen.”

In Eu­ro­pa wächst der Halal-​Markt mit ei­ner ge­schätz­ten jähr­li­chen Ra­te von 10 – 20%. Es ist ei­ne For­de­rung, die von ei­nem all­ge­mei­nen Wunsch nach Scharia-​Befolgung un­ter ei­ner wach­sen­den mus­li­mi­schen Be­völ­ke­rung ge­tra­gen wird”, so Pau­li­us Kun­ci­nas, Busi­ness Ana­lyst und Ma­na­ging Di­rec­tor Asi­en bei der Ox­ford Busi­ness Group.

Wir kön­nen heu­te mit Si­cher­heit sa­gen, dass die mus­li­mi­sche Be­völ­ke­rung in Eu­ro­pa – und in Frank­reich – völ­lig un­ter kul­tu­rel­ler und re­li­giö­ser Kon­trol­le von ver­schie­de­nen is­la­mi­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen (Sala­fis­ten, Mus­lim­bru­der­schaft) steht. Laut ei­ner Stu­die, „Ein fran­zö­si­scher Is­lam ist mög­lich”, in Frank­reich ver­öf­fent­licht durch das In­sti­tut Mon­tai­gne, sag­ten 2016 70% der be­frag­ten Mus­li­me, dass sie „im­mer” Halal-​Fleisch kau­fen; 22% kau­fen es „manch­mal” und nur 6% „nie”.

Die nächs­te Etap­pe ist, dass, wenn die meis­ten Mus­li­me ei­nen Schlei­er und Halal-​Nahrung als is­la­mi­sche Ver­pflich­tung be­trach­ten, sie bald die Scha­ria und is­la­mi­sche Ge­richts­hö­fe – wie in Groß­bri­tan­ni­en – for­dern wer­den.

Die Re­gie­run­gen wer­den ent­schei­den müs­sen, was sie tun wol­len: be­gin­nen sie, den Zu­griff des Is­la­mis­mus auf­zu­hal­ten, oder wol­len sie je­des eu­ro­päi­sche Land in zwei Tei­le tei­len: ei­nen für Is­la­mis­ten, den an­de­ren Teil für Nicht­mus­li­me.

Yves Ma­mou ist Jour­na­list und Au­tor aus Frank­reich. Er hat zwei Jahr­zehn­te für die Ta­ges­zei­tung Le Mon­de ge­ar­bei­tet vor sei­ner Pen­sio­nie­rung.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php