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War­um sie die AfD wirk­lich has­sen, oder: Die ha­ben auch al­len Grund dazu!

Wird die AfD vom po­li­ti­schen Geg­ner und sei­nen Propaganda-​Organen at­ta­ckiert, geht es da­bei meist um ver­meint­li­che oder ech­te „Reiz­the­men” wie Mi­gra­ti­on, Is­lam, Ehe, Wehr­pflicht, etc. Da­mit las­sen sich Men­schen emo­tio­nal an­spre­chen und ab­ho­len (oder in die po­li­ti­sche Wüs­te trei­ben, je nach In­ten­ti­on). Dass es in der Po­li­tik und im Wahl­kampf we­der nett noch fair zu­geht, ist kei­ne bahn­bre­chen­de Erkenntnis.

Die Be­schäf­ti­gung mit je­ner gro­tes­ken Schlamm­schlacht soll aber nicht In­halt die­ses Ar­ti­kels sein, da sie vom ei­gent­li­chen Kern des Pro­blems nur ab­lenkt: Wor­um näm­lich prak­tisch al­le pein­lichst ge­nau ei­nen wei­ten Bo­gen ma­chen (ab­ge­se­hen vom Stich­wort EU), ist der kom­plet­te ers­te Teil des AfD-​Wahlprogramms [1] mit dem schö­nen Ti­tel „Ver­tei­di­gung der De­mo­kra­tie in Deutsch­land”. Selbst der „Wahl-​o-​Mat” [2] der Bun­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche Bil­dung mei­det die­sen The­men­kom­plex wie der Teu­fel das Weih­was­ser. Grund ge­nug, sich die­ses mys­te­riö­se Ka­pi­tel mal im De­tail anzuschauen:

  1. „Die Rechts­staat­lich­keit muss wie­der­her­ge­stellt wer­den, und der Staat muss sei­ne ei­gent­li­chen Kern­auf­ga­ben, ins­be­son­de­re die Ge­währ­leis­tung der in­ne­ren Si­cher­heit, wie­der wahr­neh­men.” (1.1)
  2. „Denn wir ste­hen ent­schie­den für Sub­si­dia­ri­tät und Fö­de­ra­lis­mus. Star­ke, ei­gen­stän­di­ge Bun­des­län­der, Re­gio­nen und Kom­mu­nen in ei­nem sou­ve­rä­nen Deutsch­land ent­spre­chen dem Ide­al frei­er Völ­ker und viel­fäl­ti­ger kul­tu­rel­ler Iden­ti­tä­ten.” (1.1)
  3. „Ein­heit in Viel­falt statt Selbst­auf­ga­be im Kol­lek­tiv ist uns Ur­sprung und Ziel deut­scher Selbst­be­stim­mung.” (1.1)
  4. Wir wol­len den sou­ve­rä­nen, de­mo­kra­ti­schen Na­tio­nal­staat er­hal­ten! (1.1)
  5. „Das be­stehen­de ‚Lissabon-​Europa’ ist da­her zu­rück­zu­füh­ren zu ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on von Staa­ten, die auf der Ba­sis völ­ker­recht­li­cher Ver­trä­ge ih­re In­ter­es­sen und Auf­ga­ben­wahr­neh­mung def­nie­ren.” (1.2)
  6. „So­fern ei­ne sol­che Kon­zep­ti­on mit den der­zei­ti­gen Part­nern der EU nicht ein­ver­nehm­lich aus­zu­han­deln ist, ist Deutsch­land ge­zwun­gen, dem Bei­spiel Groß­bri­tan­ni­ens zu fol­gen und aus der be­stehen­den EU aus­zu­tre­ten.” (1.2)
  7. „Heim­li­cher Sou­ve­rän in Deutsch­land ist ei­ne klei­ne, macht­vol­le po­li­ti­sche Olig­ar­chie […] Nur das Staats­volk der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land kann durch das Mit­tel der un­mit­tel­ba­ren De­mo­kra­tie die­sen il­le­ga­len Zu­stand be­en­den.” (1.3)
  8. Die AfD for­dert Volks­ent­schei­de nach Schwei­zer Vor­bild auch für Deutsch­land. […] Oh­ne Zu­stim­mung des Vol­kes darf das Grund­ge­setz nicht ge­än­dert und kein be­deut­sa­mer völ­ker­recht­li­cher Ver­trag ge­schlos­sen wer­den.” (1.4)
  9. Das deut­sche Volk soll des­halb nach dem bri­ti­schen Vor­bild über den Ver­bleib Deutsch­lands in der Eu­ro­zo­ne und ge­ge­be­nen­falls der EU ab­stim­men! (1.4)
  10. „Zahl­rei­che Ge­set­ze ha­ben die Ge­wal­ten­tei­lung in Deutsch­land über die Jah­re ero­die­ren las­sen und zu ei­ner über­bor­den­den Staats­ge­walt ge­führt […] par­tei­po­li­ti­sche Netz­wer­ke, die durch ver­bo­te­ne Äm­ter­pa­tro­na­ge ent­ste­hen, kön­nen nicht län­ger to­le­riert wer­den. Die Jus­tiz muss ent­po­li­ti­siert wer­den (1.5)
  11. „Die Mit­ar­bei­ter der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung ha­ben un­ab­hän­gig und loy­al zu sein. Beamten- und Rich­ter­stel­len sind aus­schließ­lich nach Qua­lif­kat­i­on und fach­li­cher Leis­tung zu be­set­zen (Art. 33 Abs. 2 GG). Die ‚Par­tei­buch­wirt­schaft’ muss be­en­det wer­den. Äm­ter­pa­tro­na­ge ist un­ter Stra­fe zu stel­len.” (1.6)
  12. „Par­tei­en sol­len am po­li­ti­schen Sys­tem mit­wir­ken (Art. 21 Abs. 1 GG), es aber nicht be­herr­schen. Die All­macht der Par­tei­en und de­ren Aus­beu­tung des Staa­tes ge­fähr­den un­se­re De­mo­kra­tie.” (1.7)
  13. Wir wol­len den Bun­des­prä­si­den­ten des­halb di­rekt durch das Volk wäh­len las­sen.” (1.8)
  14. Die AfD will die staat­li­che Par­tei­en­f­nan­zie­rung neu re­geln und deut­lich re­du­zie­ren.” (1.9)
  15. Wir tre­ten für die ‚freie Lis­ten­wahl’ ein, mit der Mög­lich­keit des Ku­mu­lie­rens, Pa­na­schie­rens und Strei­chens von Kan­di­da­ten.” (1.10)
  16. „Wir wol­len ei­ne Ver­klei­ne­rung des fast 700 Ab­ge­ord­ne­te um­fas­sen­den Bun­des­tags auf un­ter 500.” (1.10)
  17. Um un­ser Ide­al des Bür­ger­ab­ge­ord­ne­ten her­zu­stel­len, for­dern wir ei­ne Man­dats­zeit­be­gren­zung für Ab­ge­ord­ne­te auf vier und für den Bun­des­kanz­ler auf zwei Le­gis­la­tur­pe­ri­oden.” (1.11)
  18. „Wir wol­len, dass Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te ih­re vol­le Ar­beits­kraft der par­la­men­ta­ri­schen Ar­beit wid­men. Das Man­dat darf nicht un­ter be­zahl­ten Ne­ben­tä­tig­kei­ten lei­den.” (1.12)
  19. „Der über­bor­den­de Lob­by­is­mus in Brüs­sel und Ber­lin muss ein­ge­dämmt wer­den.” (1.12)
  20. „Die AfD möch­te das kost­spie­li­ge und den Steu­er­zah­ler über­mä­ßig be­las­ten­de Ver­sor­gungs­mo­dell für Ab­ge­ord­ne­te grund­le­gend re­for­mie­ren und es auf ein Sys­tem pri­va­ter Al­ters­vor­sor­ge um­stel­len.” (1.13)
  21. Die AfD for­dert da­her die Ein­füh­rung ei­nes neu­en Straf­tat­be­stands der Haus­halts­un­treue.” (1.14)
  22. Die Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land tritt für die Gleich­heit vor dem Ge­setz ein. Des­halb leh­nen wir so­ge­nann­te ‚Quo­ten­re­ge­lun­gen’ ab.” (1.15)
  23. „Die Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land tritt für die Be­wah­rung bzw. Wie­der­her­stel­lung der bür­ger­li­chen Selbst­be­stim­mung im Zi­vil­rechts­ver­kehr ein. Des­halb leh­nen wir so­ge­nann­te ‚An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­set­ze’ ab. Zen­tra­ler Grund­wert ei­ner frei­heit­li­chen Zi­vil­rechts­ord­nung ist die Ver­trags­ab­schluss­frei­heit […]” (1.15.1)

Das sind schon mal 23 gu­te Grün­de, als „eta­blier­ter Po­li­ti­ker” der AfD die Pest an den Hals zu wün­schen. Da­bei sind es nur Zi­ta­te aus dem ers­ten Ka­pi­tel (von ins­ge­samt 15) im Wahl­pro­gramm der ver­meint­li­chen „Ein-​Themen-​Partei”. Kein Zwei­fel, sol­che Na­zis dür­fen na­tür­lich auf gar kei­nen Fall in Re­gie­rungs­ver­ant­wor­tung kom­men und die De­mo­kra­tie ge­fähr­den! Je­der ein­zel­ne der oben auf­ge­führ­ten Punk­te löst da­her bei den Nutz­nie­ßern des ak­tu­el­len Re­gimes be­reits beim Le­sen ernst­haf­te Blutdruck-​Probleme aus.

Und das ist auch gut so.
Die ha­ben al­len Grund, sich Sor­gen zu machen!

[1] https://www.afd.de/wp-content/uploads/sites/111/2017/06/2017 – 06-01_AfD-Bundestagswahlprogramm_Onlinefassung.pdf
[2] https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2017/

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