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Kon­so­li­die­rung ex­tre­mis­ti­scher Is­la­mis­ten in Bangladesh

Ber­til Lind­ner, SATP.org* – Hin­weis er­hal­ten von Die Apo­stro­phen des Islam

Süd­asi­en

Nach meh­re­ren Ar­ti­keln in in­ter­na­tio­na­len Me­di­en über die Rol­le, die re­li­giö­se Ex­tre­mis­ten in Ban­gla­desh spie­len1 — so­wohl als in­nen­po­li­ti­scher Fak­tor als auch als Gast­ge­ber für in­ter­na­tio­na­le Ter­ro­ris­ten, die vor dem Kon­flikt in Af­gha­ni­stan flüch­ten — re­agier­tee die Re­gie­rung in Dha­ka durch to­ta­le Ver­leug­nung al­ler der­ar­ti­ger Be­rich­te.2 Die Re­ak­ti­on ist ver­ständ­lich an­ge­sichts der schwe­ren Ab­hän­gig­keit Ban­gla­deshs von aus­län­di­scher Hil­fe vor al­lem aus dem Wes­ten. Ban­gla­desh kann es sich nicht leis­ten, als si­che­rer Ha­fen für is­la­mis­tisch­de Fa­na­ti­ker und Ter­ro­ris­ten an­ge­se­hen zu wer­den. Doch gleich­zei­tig ist es un­be­streit­bar, dass Ban­gla­desh im letz­ten Jahr­zehnt ei­ne fun­da­men­ta­le po­li­ti­sche und so­zia­le Trans­for­ma­ti­on durch­lau­fen ist. Ei­ne neue Sor­te Na­tio­na­lis­mus mit is­la­mis­ti­schem Ein­schlag er­setzt Stück für Stück den sä­ku­la­ren ben­ga­li­schen Na­tio­na­lis­mus, der die Ba­sis ist für die Staat­lich­keit Ban­gla­deshs. Aus­ser­dem ha­ben Ge­heim­dienst­be­am­te, lo­ka­le Jour­na­lis­ten und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (NGOs) es ge­schafft, meh­re­re ter­ro­ris­ti­sche Trai­nings­la­ger im Land aus­zu­ma­chen, vor al­lem im ge­setz­lo­sen Süd­os­ten, der an Myan­mar grenzt.

Seit den all­ge­mei­nen Wah­len im Ok­to­ber 2001 wur­de Ban­gla­desh von ei­ner Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung re­giert, die zum ers­ten Mal zwei Mi­nis­ter der fun­da­men­ta­lis­ti­schen Jamaat-​e-​Islami (Jel) ein­schliesst. Jel ist heu­te die dritt­stäks­te Par­tei im Land mit 17 Sit­zen im 300-​plätzigen Par­la­ment. Die Vier-​Parteien-​Allianz, die die Wah­len ge­won­nen hat, wird an­ge­führt von der Ban­gla­desh Na­tio­nal Par­ty (BNP) und um­fasst, ne­ben der Jel, auch noch die klei­ne­re Is­la­mis­ti­sche Par­tei, die Is­la­mi Oi­kyo Jo­te (IOJ), de­ren Prä­si­dent Azi­ul Hug Mit­glied des Bei­ra­tes der Harkata-​ul-​Jihad-​al-​Islamim (Hu­JI) ist, der haupt­säch­li­chen Ter­ro­ris­ten­grup­pe Ban­gla­deshs. Die IOJ hat zwei Sit­ze im Par­la­ment er­gat­tert, je­doch kei­nen Mi­nis­ter­pos­ten. Das vier­te Mit­glied der Al­li­anz, ein Zweig der Ja­tiya Par­ty, an­ge­führt von Na­ziur Rah­man Man­joor, hat kein of­fen­sicht­li­ches is­la­mi­sches Pro­fil.3

Die BNP ritt auf ei­ner Un­zu­frie­den­heits­wel­le mit der Awami-​Liga, die vie­le als kor­rupt an­sa­hen, doch die Vier-​Partien-​Allianz war in der La­ge, ei­ne be­que­me Mehr­heit zu ge­win­nen — 191 Sit­ze für die BNP und 23 Sit­ze für ih­re drei Ver­bün­de­ten — bloß auf­grund des Wahl­sys­tem im bri­ti­schen Stil mit ei­nem Ge­win­ner pro Wahl­pe­ri­ode, und die Al­li­anz­mit­glie­der stimm­ten al­le für­ein­an­der. Die Awami-​Liga bleibt die gröss­te po­li­ti­sche Par­tei Ban­gla­deshs mit 40 Pro­zent Wäh­ler­stim­men, doch konn­te sie nur 62 Sit­ze (oder 20.66 Pro­zent der Par­la­ments­mit­glie­der) in der Wahl si­chern (sie hat jetzt 58 Sit­ze, weil 4 zu­rück­tre­ten muss­ten auf­grund der Wahl von Par­la­men­ta­ri­ern von mehr als ei­nem Sitz).4 Die herr­schen­de BNP und ih­re Al­li­anz­part­ner ge­wann­ten 199 Sit­ze.5

Die Er­war­tun­gen an die neue Re­gie­rung wa­ren hoch, von der vie­le hoff­ten, dass sie „sau­be­rer” sein wür­de als die vor­her­ge­hen­de. Im Ju­ni 2001 hat­te die Ber­li­ner Or­ga­ni­sa­ti­on Trans­pa­r­en­cy In­ter­na­tio­nal in ih­rem Jah­res­be­richt Ban­gla­desh als welt­weit kor­rup­tes­tes Land auf­ge­lis­tet.6 Doch seit die neue Re­gie­rung letz­tes Jahr über­nahm, hat sich nur we­nig ver­än­dert in die­ser Be­zie­hung. Aus­ser­dem hat sich Ge­walt aus­ge­brei­tet und ein gros­ser Teil da­von scheint re­li­gi­ös und po­li­tisch mo­ti­viert. Die Ge­sell­schaft für Um­welt und mensch­li­che Ent­wick­lung (So­cie­ty for En­vi­ron­ment and Hu­man De­ve­lop­ment SEHD), ei­ne re­spek­tier­te NGO aus Ban­gla­desh, zi­tiert ei­nen lo­ka­len Be­richt, der sagt, dass nicht-​muslimische Min­der­hei­ten ge­lit­ten ha­ben: „Die Ein­schüch­te­rung von Min­der­hei­ten, die schon vor den Wah­len be­gon­nen hat­te, ver­stärk­te sich da­nach.„7 Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal be­rich­te­te im De­zem­ber 2001, dass Hin­dus — die heu­te we­ni­ger als 10 Pro­zent der Ban­gla­des­her Be­völ­ke­rung von 130 Mil­lio­nen aus­ma­chen — be­son­ders un­ter Be­schuss ge­kom­men sind. Hin­du­is­ti­sche Kult­stät­ten sind ge­plün­dert, Dör­fer zer­stört, und rei­hen­wei­se hin­du­is­ti­sche Frau­en ver­ge­wal­tigt wor­den..8

Wäh­rend die Ja­maat viel­leicht nicht di­rekt hin­ter die­sen At­ta­cken ste­cken, ih­re Be­tei­li­gung an der Re­gie­rung hat be­deu­tet, dass noch mehr ra­di­ka­le Grup­pen jetzt den­ken, dass sie Schutz durch die Au­to­ri­tä­ten er­fah­ren und dass sie nun straf­los agie­ren kön­nen. Die Hu­JI bei­spiels­wei­se soll 15,000 Mit­glie­der ha­ben, von de­nen 2,000 als Hard­core gel­ten. Ban­gla­des­her Hin­dus und mo­de­ra­te Mus­li­me hal­ten sie für ver­ant­wort­lich für vie­le der jün­ge­ren At­ta­cken ge­gen re­li­giö­se Min­der­hei­ten, sä­ku­la­re In­tel­lek­tu­el­le und Jour­na­lis­ten. In ei­ner vom US-​Aussenministerium am 21. Mai 2002 her­aus­ge­ge­be­nen Er­klä­rung wird Hu­JI als ter­ro­ris­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on mit Ver­bin­dun­gen zu is­la­mi­schen Mi­li­tan­ten in Pa­ki­stan be­schrie­ben.9

Wäh­rend Ban­gla­desh weit da­von ent­fernt ist, ein wei­te­res Pa­ki­stan zu wer­den, sind is­la­mis­ti­sche Kräf­te zwei­fel­los auf dem Vor­marsch, und der ex­tre­mis­ti­sche Ein­fluss wächst, be­son­ders auf dem Land. Ge­mäss ei­nem aus­län­di­schen Di­plo­ma­ten in Dha­ka: „In den 1960ern und 1970ern wa­ren es die Lin­ken, die als in­kor­rum­pier­ba­re Pu­ris­ten gal­ten. Heu­te ist das Vor­bild für vie­le jun­ge Män­ner in länd­li­chen Ge­gen­den der hin­ge­bungs­vol­le is­la­mi­sche Kle­ri­ker mit sei­nem Schei­tel­käpp­chen, wal­len­der Ro­be und Bart.„10

Vom ben­ga­li­schen zum is­la­mis­ti­schen Nationalismus

Als Ost­pa­ki­stan sich 1971 vom haupt­säch­li­chen west­li­chen Teil des Lan­des ab­trenn­te, um Ban­gla­desh zu bil­den, stand es in Op­po­si­ti­on zur Idee, dass al­le mus­li­mi­schen Ge­bie­te des ehe­ma­li­gen bri­ti­schen In­di­ens ei­nen zu­sam­men­ge­hö­ri­gen Staat bil­den soll­ten. Die Awami-​Liga, die den Un­ab­hän­gik­eits­kampf an­führ­te, wuchs aus der Bangla-​Sprachbewegung her­aus, und ba­sier­te auf ben­ga­li­schem Na­tio­na­lis­mus, nicht Re­li­gi­on. Gleich­zei­tig wur­de das un­ab­hän­gi­ge und sä­ku­la­re Ban­gla­desh das ein­zi­ge Land des Sub­kon­ti­nents mit ei­ner do­mi­nan­ten Sprach­grup­pe und sehr we­ni­gen eth­ni­schen un re­li­giö­sen Min­der­hei­ten. Es ist al­ler­ding wich­tig, sich zu er­in­nern, dass ein do­mi­nie­ren­des mus­li­mi­sches Ele­ment im­mer prä­sent war; sonst hät­te Ost­pa­ki­stan ein­fach mit dem vor­wie­gend hin­du­is­ti­schen in­di­schen Staat West­ben­gal ver­schmel­zen kön­nen, wo die­sel­be Spra­che ge­spro­chen wird.

Die Wich­tig­keit des Is­lams stieg, als die Awami-​Liga sich vom star­ken Mi­li­tär des Lan­des zu ent­fer­nen be­gann, wel­ches Re­li­gi­on als Ge­gen­ge­wicht zur sä­ku­la­ren, va­ge so­zia­lis­ti­schen Po­li­tik der Li­ga zu be­nut­zen be­gann (wo­bei vie­le hart­ge­sot­te­ne So­zia­lis­ten je­doch ei­nem ei­gen­stän­di­gen ben­ga­li­schen Staat in Ban­gla­desh ent­ge­gen­stan­den, den sie als „bür­ger­li­chen Na­tio­na­lis­mus” be­zeich­ne­ten). Der ver­tor­be­ne ban­gla­des­her Ge­lehr­te Mo­ham­med Ghul­am Ka­b­ir ar­gu­men­tier­te, dass Ge­ne­ral­ma­jor Zia-​ur-​Rahman, der in den 1970ern die Macht er­griff, „er­folg­reich das Image von Ban­gla­desh von ei­nem li­be­ra­len mus­li­mi­schen Land in ein is­la­mi­sches Land ver­än­der­te.„11 Ka­b­ir be­tont auch, dass „sä­ku­la­ris­mus” ein ver­schwom­me­nes und oft miss­ver­stan­de­nes Kon­zept ist in Ban­gla­desh. Der ben­ga­li­sche Be­griff da­für ist dhar­ma ni­ra­peks­ha­ta, was wört­lich auf „re­li­giö­se Neu­tra­li­tät” hin­aus­läuft. Da­her hat das Wort „Sä­ku­la­ris­mus” im Kon­text von Ban­gla­desh ei­ne sub­til an­de­re Be­deu­tung als im Wes­ten.12

1977 liess Zia den Sä­ku­la­ris­mus als ei­nen der vier Eck­pfei­ler der Ver­fas­sung von Ban­gla­desch (die an­de­ren drei wa­ren De­mo­kra­tie, Na­tio­na­lis­mus und So­zia­lis­mus, ob­wohl kein so­zia­lis­ti­sches Wirt­schafts­sys­tem je­mals ein­ge­führt wur­de) fal­len und mach­te die Re­zi­ta­ti­on von Ver­sen aus dem Hei­li­gen Ko­ran ei­ne re­gel­mä­ßi­ge Pra­xis an Tref­fen sei­ner neu ge­bil­de­ten po­li­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on, der BNP, die die zweit­größ­te Par­tei im Land wur­de nach der Awami-​Liga. Die be­que­me Ver­mäh­lung zwi­schen dem Mi­li­tär – das po­pu­lä­re An­zie­hungs­kraft und ei­ne ideo­lo­gi­sche Platt­form be­nö­tig­te, um sei­ne Op­po­si­ti­on ge­gen die Awami-​Liga zu recht­fer­ti­gen – und den is­la­mis­ti­schen Kräf­ten des Lan­des über­leb­ten Zi­as Er­mor­dung im Jah­re 1981.

In man­cher Hin­sicht wur­de sie noch stär­ker un­ter der Herr­schaft von Oberst­leut­nant Hos­sain Mu­ham­mad Ershad (1982−90). Im Jahr 1988 mach­te Ershad den Is­lam zur Staats­re­li­gi­on Ban­gla­deschs, wo­durch er die neue Mar­ke des is­la­misch ori­en­tier­ten Na­tio­na­lis­mus, die von Zia ein­ge­führt wur­de, in­sti­tu­tio­na­li­sier­te. Ershad än­der­te auch den wö­chent­li­chen Frei­tag vom Sonn­tag zum Frei­tag und wie­der­be­leb­te die Ja­maat, um der sä­ku­la­ren Op­po­si­ti­on ent­ge­gen­zu­tre­ten. Die Ja­maat hat­te Pa­ki­stan ge­gen die ben­ga­li­schen Na­tio­na­lis­ten wäh­rend des Be­frei­ungs­krie­ges un­ter­stützt, und die meis­ten ih­rer An­füh­rer wa­ren nach 1971 nach West­afri­ka ge­flo­hen. Un­ter Zia kehr­ten sie zu­rück und brach­ten neue fun­da­men­ta­lis­ti­sche Ide­en mit. Es war un­ter Ershad, dass der Is­lam ein po­li­ti­scher Fak­tor wur­de, mit dem man rech­nen musste.

Ershad wur­de im De­zem­ber 1990 nach Anti-​Regierungs-​Protesten ab­ge­setzt und wur­de spä­ter we­gen ei­ner Rei­he von Straf­ta­ten ver­ur­teilt und ein­ge­sperrt. Dies führ­te je­doch nicht zu ei­ner Rück­kehr zu den al­ten welt­li­chen Prak­ti­ken. Zi­as Wit­we und der neue Füh­rer der BNP, Kha­le­da Zia, wur­de nach ei­ner all­ge­mei­nen Wahl im Fe­bru­ar 1991 Pre­mier­mi­nis­ter. Dies war ei­ne Zeit, in der die is­la­mis­ti­schen Kräf­te ih­ren Ein­fluss in Ban­gla­desch wei­ter fes­tig­ten, doch der Pro­zess kam zum Still­stand, als die Awami-​Liga , ge­führt von Scheich Ha­si­na Wa­jed, der Toch­ter von Ban­gla­deschs Grün­dungs­va­ter, Scheich Mujib-​ur-​Rahman, die Wahl 1996 gewann.

Seit der Wahl vom letz­ten Jahr sind die ex­tre­mis­ti­schen is­la­mis­ti­schen Grup­pen in ih­ren An­grif­fen auf die Min­der­hei­ten und sä­ku­la­ren Kräf­te des Lan­des er­neut ekla­tan­ter ge­wor­den. Der Hu­JI vor al­lem hat die Auf­merk­sam­keit der Si­cher­heits­pla­ner in der Re­gi­on er­regt. Die Grup­pe wur­de im Jahr 1992 mit Mit­teln von Osa­ma bin La­den ge­grün­det.13 Die Exis­tenz der fes­ten Ver­bin­dun­gen zwi­schen den neu­en ban­gla­de­shi Mi­li­tan­ten und Al-​Qaida wur­de zu­erst nach­ge­wie­sen, als Fazlur Rah­man, der Füh­rer der „Dschihad-​Bewegung in Ban­gla­desh” (zu der Hu­JI ge­hört), am 23. Fe­bru­ar die of­fi­zi­el­le Er­klä­rung des „hei­li­gen Krie­ges” 1998 ge­gen die Ver­ei­nig­ten Staa­ten un­ter­zeich­ne­te. An­de­re Un­ter­zeich­ner wa­ren Bin La­den, Ay­man al-​Zawahiri (Chef der Dschihad-​Gruppe in Ägyp­ten), Rifa’i Ah­mad Ta­ha aka Abu-​Yasir (ägyp­ti­sche is­la­mi­sche Grup­pe) und Scheich Mir Ham­zah (Se­kre­tär der Ja­mi­at -ul-​Ulema-​e-​Pakistan). 14

Hu­JI wird ge­lei­tet von Shaw­kat Os­ma ali­as Sheikh Fa­rid in Chittagong und, ge­mäss dem US-​Aussenministriumg, hat „min­des­tens sechs Camps” in Ban­gla­desh.15 Laut ei­nem Au­gen­zeu­gen in Ukhia, ei­ner klei­nen Stadt süd­lich von Cox’ Ba­zaar, be­fin­den sich hun­der­te von be­waff­ne­ten Män­nern  in ei­nem die­ser Camps in der Nä­he der Gren­ze zu Myan­mar. Wäh­rend ei­ni­ge von ih­nen Ben­ga­li spre­chen scheint die Mehr­heit von ih­nen Ara­ber zu sein oder aus Zentral- und West­asi­en zu stam­men. Die Mi­li­tan­ten ha­ben Dorf­be­woh­ner der Ge­gend ge­warnt, dass sie sie tö­ten wer­den, falls sie die Me­di­en in­for­mie­ren oder die Sa­che den Be­hör­den mel­den.16

Ban­gla­deschs is­la­mis­ti­sche Ra­di­ka­le er­hiel­ten erst­mals 1993 in­ter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit, als der Schrift­stel­ler Tas­li­ma Nas­re­en ge­zwun­gen war, nach dem Er­halt von To­des­dro­hun­gen aus dem Land zu flie­hen. Die Fun­da­men­ta­lis­ten wand­ten sich ge­gen ih­re kri­ti­schen Schrif­ten über das, was sie als ver­al­te­te re­li­giö­se Über­zeu­gun­gen be­zeich­ne­te. Ex­tre­mis­ten Grup­pen bo­ten ei­ne Be­loh­nung von $ 5,000 für ih­ren Tod. Sie lebt jetzt im Exil in Frankreich.

Wäh­rend Nas­re­ens frei­mü­ti­ge fe­mi­nis­ti­sche Schrif­ten auch bei mo­de­ra­ten Mus­li­men Ban­gla­deshs Kon­tro­ver­sen ver­ur­sach­ten, war der gan­ze Staat scho­ckiert, als An­fang 1999 drei Män­ner ver­such­ten, Sham­sur Rah­man, ei­nen be­kann­ten Dich­ter und ein Sym­bol für die säu­kla­re Na­tio­na­li­tät Ban­gla­deschs zu tö­ten.17 Bei den fol­gen­den Ver­haf­tun­gen er­wisch­te die Po­li­zei ei­ne Lis­te ver­schie­de­ner In­tel­lek­tu­el­ler und Schrift­stel­ler, ein­schliess­lich Nas­ree­en, die die re­li­giö­sen Ex­tre­mis­ten Ban­gla­deshs als „Fein­de des Is­lam” ge­brand­markt hat­ten.18

Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen aus Ban­g­laesh be­schul­di­gen Hu­JI, hin­ter den To­des­dro­hun­gen ge­gen Nas­re­en und dem Ver­such, Rah­man zu tö­ten, zu ste­cken. Das US-​Außenministerium stellt fest, dass Hu­JI im No­vem­ber 2000 an­ge­klagt wur­de, ei­nen hoch­ran­gi­gen Jour­na­lis­ten aus Ban­gla­desh er­sto­chen zu ha­ben, der ei­nen Do­ku­men­tar­film über die Not­la­ge von Hin­dus in Ban­gla­desch ge­macht hat­te, so­wie den At­ten­tats­ver­such im Ju­li 2000 auf den da­ma­li­gen Pre­mier Sheikh Ha­si­na aus­ge­führt zu ha­ben.19

Wie bei der Ja­maat und ih­rer mi­li­tan­ten Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on, der Is­la­mi­schen Chha­t­ra Shi­bir (ICS), be­fin­det sich die Haupt­burg von Hu­JI im ge­setz­lo­sen Süd­os­ten, der die Gren­ze zu Myan­mar um­fasst. Mit ih­rer flie­ßen­den Be­völ­ke­rung und der schwa­chen Straf­ver­fol­gung ist die Re­gi­on seit lan­gem ein Zu­fluchts­ort für Schmugg­ler, Waf­fen­nar­ren, Pi­ra­ten und eth­ni­sche Auf­stän­di­sche von hin­ter der Gren­ze Myan­mars. Das ver­gan­ge­ne Jahr­zehnt hat ei­nen mas­si­ven Zu­strom von Waf­fen ge­se­hen, vor al­lem von Klein­waf­fen, über den Fi­scher­ha­fen von Cox’s Ba­zaar, der die Si­tua­ti­on im Süd­os­ten noch ge­fähr­li­cher und un­be­stän­di­ger ge­macht hat.20

In der Re­gel wur­de der Sie­ger der Wahl von 2001 in ei­nem der Wahl­krei­se in Cox’-Basar, der BNP-​Kandidat Shah­ja­han Chowd­hu­ry, von dem „an­geb­lich füh­ren­den Schmugg­ler­be­trieb in der Grenz­stadt Te­knaf” un­ter­stützt.21 Statt der re­gu­lä­ren Ar­mee wur­den die pa­ra­mi­li­tä­ri­schen Bangladesh-​Schützen (BDR) in die­sem Wahl­kreis ein­ge­setzt, um der Po­li­zei bei ih­rer Si­che­rung des Wahl­vor­gan­ges zu hel­fen. Das wur­de, nach der SEHD, „von den Ein­hei­mi­schen kri­ti­siert, die be­haup­te­ten, dass die Bangladesh-​Schützen gut mit den Schmuggler-​Aktivitäten ver­bun­den sei­en und des­halb die Rol­le von Par­ti­sa­nen ein­neh­men könn­ten.„22

In ei­nem der jüngs­ten hoch­ka­rä­ti­gen An­grif­fe in der Re­gi­on wur­de Go­pal Krish­na Muhu­ri, der 60-​jährige Chef des Na­zir­hat Col­le­ge in Chittagong und ein füh­ren­der sä­ku­la­rer Hu­ma­nist, im No­vem­ber 2001 in sei­nem Haus von vier be­zahl­ten At­ten­tä­tern ge­tö­tet, die zu ei­ner Ban­de ge­hör­ten, die von der Ja­maat ge­för­dert wur­de.23 In­di­en, das das Wachs­tum der is­la­mis­ti­schen Be­we­gun­gen Ban­gla­deshs mit tie­fer Be­sorg­nis be­ob­ach­tet, hat Hu­JI mit dem An­griff auf das ame­ri­ka­ni­sche Zen­trum in Kolka­ta (Kal­kut­ta) im Ja­nu­ar 2002 ver­bun­den und mit ei­ner Rei­he von Bom­ben­an­schlä­gen im nord­öst­li­chen Bun­des­staat As­sam von Mit­te 1999.24

An­fang Mai 2002 tra­fen sich neun is­la­mis­ti­sche fun­da­men­ta­lis­ti­sche Grup­pen, dar­un­ter Hu­JI, in ei­nem Camp in der Nä­he der klei­nen Stadt Ukhia süd­lich von Cox’s Ba­zaar und bil­de­ten die Ver­ei­ni­gung Ban­gla­desch Is­la­mic Manch. Die neue Dach­or­ga­ni­sa­ti­on um­fasst auch die Ver­tre­tung der Rohin­gyas, ei­ner mus­li­mi­schen Min­der­heit in Bur­ma und der mus­li­mi­schen Be­frei­ungs­ti­ger von As­sam (MULTA), ei­ner klei­nen Grup­pe, die im Nord­os­ten In­di­ens tä­tig ist. Im Ju­ni wur­de be­rich­tet, dass die Ban­gla­des­her Ve­te­ra­nen des an­ti­so­wje­ti­schen Krie­ges in Af­gha­ni­stan der 80er Jah­re in min­des­tens zwei La­gern im süd­li­chen Ban­gla­desch Mit­glie­der der neu­en Al­li­anz aus­bil­den.25

Das Elend der Rohingyas

Die Re­gi­on Ara­kan von Bur­ma ist vom Rest des Lan­des durch ei­ne dicht be­wal­de­te Ge­birgs­ket­te ge­trennt, die es den Ara­ka­nern – die meis­ten von ih­nen Bud­dhis­ten – er­mög­lich­te, ih­re Un­ab­hän­gig­keit bis zum En­de des 18. Jahr­hun­derts zu er­hal­ten. Kon­tak­te mit der Au­ßen­welt wa­ren bis da­hin meist im Wes­ten, was wie­der­um den Is­lam in die Re­gi­on ge­bracht hat­te. Die ers­ten Mus­li­me an der Arakan-​Küste wa­ren mau­ri­sche, ara­bi­sche und per­si­sche Händ­ler, die zwi­schen dem 9. und dem 15. Jahr­hun­dert an­ka­men. Ei­ni­ge von ih­nen blie­ben und hei­ra­te­ten lo­ka­le Frau­en. Ih­re Nach­kom­men wur­den die Vor­fah­ren ei­ner wei­te­ren Hybrid-​Rasse, die viel spä­ter als Rohin­gyas be­kannt wur­de. Wie die Leu­te im Chittagong-​Gebiet, spre­chen sie ei­nen ben­ga­li­schen Dia­lekt, der mit Wor­ten aus dem Per­si­schen, Ur­du und Ara­ka­nisch ge­spickt ist.26

Es gibt kei­nen Be­weis für Rei­bung zwi­schen ih­nen und ih­ren bud­dhis­ti­schen Nach­barn in frü­he­ren Ta­gen. In der Tat be­nutz­ten die Kö­ni­ge von Ara­kan, ob­wohl Bud­dhis­ten, nach 1430 so­gar mus­li­mi­sche Ti­tel zu­sätz­lich zu ih­ren ei­ge­nen Na­men und gab Me­dail­lons her­aus mit dem mus­li­mi­schen Glau­bens­be­kennt­nis.27 Per­sisch war die Hof­spra­che bis zur bur­me­si­schen In­va­si­on 1784. Die bur­me­si­sche Herr­schaft dau­er­te bis zum ers­ten anglo-​burmesischen Krieg von 1824 – 26, als Ara­kan zu­sam­men mit dem Tenasserim-​Gebiet des süd­öst­li­chen Bur­mas von den Bri­ten über­nom­men wurde.

Als Bur­ma ein Teil des bri­ti­schen In­di­en war, zo­gen die frucht­ba­ren Reis­ge­bie­te von Ara­kan Tau­sen­de von Sai­son­ar­bei­tern an, vor al­lem aus dem Chittagong-​Gebiet des an­gren­zen­den Ost­ben­gals. Vie­le von ih­nen fan­den es an­ge­nehm, zu blei­ben, da es be­reits ei­ne gro­ße mus­li­mi­sche Be­völ­ke­rung gab, die die glei­che Spra­che sprach, und da­mals kein schlech­tes Ge­fühl ge­gen­über Im­mi­gran­ten aus In­di­en hat­te – an­ders als die Si­tua­ti­on in an­de­ren Tei­len von Bur­ma, wo Men­schen sub­kon­ti­nen­ta­ler Her­kunft ver­ach­tet wur­den. Gleich­zei­tig wan­der­ten die bud­dhis­ti­schen Ara­ka­ner nach Ost­ben­ga­len aus und lie­ßen sich ent­lang der Küs­te zwi­schen Chittagong und Cox’s Ba­zaar nie­der. Die of­fi­zi­el­le Gren­ze, der Fluß Naf, ver­ei­nig­te die bei­den bri­ti­schen Ter­ri­to­ri­en, statt sie zu trennen.

Doch die Prä­senz ei­ner mus­li­mi­schen Min­der­heit in Ara­kan wur­de zu ei­nem The­ma nach der Un­ab­hän­gig­keit Bur­mas im Jahr 1948. Die bud­dhis­ti­schen und mus­li­mi­schen Ge­mein­schaf­ten wa­ren wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges ge­teilt wor­den; Die Bud­dhis­ten hat­ten sich hin­ter den Ja­pa­nern ver­sam­melt, wäh­rend die Mus­li­me den Bri­ten treu ge­blie­ben wa­ren. Ei­ni­ge Mus­li­me, die Re­pres­sa­li­en von den Bud­dhis­ten fürch­te­ten, so­bald die Bri­ten ver­schwun­den wa­ren, be­gan­nen ei­nen be­waff­ne­ten Wi­der­stand und for­der­ten ei­nen un­ab­hän­gi­gen Staat, und die bur­me­si­sche Ar­mee wur­de ent­sandt, um die Re­bel­li­on zu un­ter­drü­cken. Das über­wie­gend bud­dhis­ti­sche Bur­ma an­er­kann­te die ara­ka­ni­schen Mus­li­me nie wirk­lich – die sich in den 1960er Jah­ren „Rohin­gya” zu nen­nen be­gan­nen, ei­ne Be­zeich­nung um­strit­te­nen Ur­sprungs – als ei­ne der „in­di­ge­nen” eth­ni­schen Grup­pen des Lan­des. Als sol­che, so­wie we­gen ih­rer un­ter­schied­li­chen Re­li­gi­on und ih­res phy­si­schen Er­schei­nungs­bil­des, sind sie oft zu be­que­men Sün­den­bö­cken für die Mi­li­tär­re­gie­rung Bur­mas ge­wor­den, um die Öf­fent­lich­keit ge­gen sie zu ver­ei­ni­gen, wann im­mer die­ses Land von ei­ner wirt­schaft­li­chen oder po­li­ti­schen Kri­se be­trof­fen war.

Im März 1978 star­te­te die bur­me­si­sche Re­gie­rung in Ara­kan ei­ne Kam­pa­gne mit dem Code-​Namen Na­ga Min (Dra­chen­kö­nig), an­geb­lich um „il­le­ga­le Ein­wan­de­rer” zu über­prü­fen. Hun­der­te von schwer be­waff­ne­ten Sol­da­ten fie­len über die mus­li­mi­schen Nach­bar­schaf­ten in Sitt­we (Akyab) her und et­wa 5.000 Men­schen wur­den ver­haf­tet. Als die Ope­ra­ti­on auf an­de­re Tei­le von Ara­kan aus­ge­dehnt wur­de, über­quer­ten Zehn­tau­sen­de von Rohin­gyas die Gren­ze nach Ban­gla­desch. Bis En­de Ju­ni wa­ren et­wa 200.000 Rohin­gyas ge­flo­hen, was ei­nen in­ter­na­tio­na­len Auf­schrei ver­ur­sach­te.28 Schließ­lich konn­ten die meis­ten Flücht­lin­ge zu­rück­keh­ren, aber Tau­sen­de fan­den es si­che­rer, auf der Ban­gla­de­scher Sei­te der Gren­ze zu blei­ben. Gan­ze Ge­mein­den von „il­le­ga­len Ein­wan­de­rern” aus Bur­ma ent­stan­den an der Gren­ze süd­lich von Cox’ Ba­zaar, und ein ste­ti­ger Strom von Flücht­lin­gen aus Bur­ma floss in den 1980er Jah­ren wei­ter nach Bangladesch.

Die un­er­mess­lich wohl­ha­ben­de saudi-​arabische Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­ti­on Ra­bi­tat al Alam al Is­la­mi be­gann wäh­rend der Kri­se von 1978 den Rohingya-​Flüchtlingen Hil­fe zu­kom­men zu las­sen, und sie bau­te auch ein Kran­ken­haus und ei­ne Ma­dras­sa (Schu­le) in Ukhia süd­lich von Cox’s Ba­zaar. Vor die­sen Er­eig­nis­sen gab es nur ei­ne po­li­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on un­ter den Rohin­gyas an der Bangladesch-​Burma-​Grenze, die Rohin­gya Pa­trio­ti­sche Front (RPF), die 1974 von Mu­ham­mad Ja­far Ha­bib ge­grün­det wur­de, ge­bür­tig aus But­hi­daung in Ara­kan und ein Ab­sol­vent der Uni­ver­si­tät Ran­gun. Er mach­te meh­re­re Hilfs­ap­pel­le – die meis­ten von ih­nen er­folg­los – an die in­ter­na­tio­na­le is­la­mi­sche Ge­mein­schaft und un­ter­hielt ein Camp für sei­ne klei­ne Guerilla-​Armee, die von der ban­gla­des­hi­schen Sei­te der Gren­ze aus operierte.

In den frü­hen acht­zi­ger Jah­ren bra­chen ra­di­ka­le­re Ele­men­te un­ter den Rohin­gyas von der RPF weg, um die Rohin­gya So­li­da­ri­täts­or­ga­ni­sa­ti­on (RSO) ein­zu­rich­ten. An­ge­führt von ei­nem Arzt aus Ara­kan, Mu­ham­mad Yu­nus, wur­de es bald die wich­tigs­te und mi­li­tan­tes­te Frak­ti­on un­ter den Rohin­gyas in Ban­gla­desch und an der Gren­ze. An­ge­sichts sei­nes stren­ge­ren re­li­giö­sen Stand­punk­tes ge­noss der RSO bald Un­ter­stüt­zung von gleich­ge­sinn­ten Grup­pen in der mus­li­mi­schen Welt. Da­zu ge­hör­ten JeI in Ban­gla­desch und Pa­ki­stan, Gul­bud­din Hek­mat­yars Hizb-​e-​Islami (HeI) in Af­gha­ni­stan, Hizb-​ul-​Mujahideen (HM) im in­di­schen Bun­des­staat Jam­mu und Kasch­mir (J & K) und der Ang­katan Be­lia Is­lam sa-​Malaysia (ABIM ) und die is­la­mi­sche Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on von Ma­lay­sia. Af­gha­ni­sche In­struk­to­ren wur­den in ei­ni­gen der RSO-​Camps ent­lang der Bangladesch-​Burma-​Grenze ge­se­hen, wäh­rend fast 100 RSO-​Rebellen in der af­gha­ni­schen Pro­vinz Khost mit Hizb-​e-​Islami Mu­jahi­de­en trai­niert wur­den.29

Das wich­tigs­te mi­li­tä­ri­sche Camp der RSO lag in der Nä­he des Kran­ken­hau­ses, das die Ra­bi­tat in Ukhia ge­baut hat­ten. Zu je­ner Zeit er­warb die RSO ei­ne be­trächt­li­che Zahl von chi­ne­si­schen RPG-​2 Ra­ke­ten­wer­fern, leich­ten Ma­schi­nen­ge­weh­ren, AK-​47 Sturm­ge­weh­ren, Land­mi­nen und Spreng­stof­fen von pri­va­ten Waf­fen­händ­lern in der thai­län­di­schen Stadt Aranya­pra­thet in der Nä­he von Thai­lands Gren­ze zu Kam­bo­dscha, die sich in den 1980er Jah­ren als gro­ßer Waf­fen­ba­sar für Gue­ril­la­be­we­gun­gen in der Re­gi­on her­vor­ta­ten. Die­se Waf­fen wur­den von den chi­ne­si­schen Waf­fen­lie­fe­run­gen an den Wi­der­stand ab­ge­zweigt, der die viet­na­me­si­sche Ar­mee in Kam­bo­dscha be­kämpf­te und an je­den ver­kauft, der woll­te und es sich leis­ten konn­te.30

Die Me­di­en Ban­gla­deshs wid­me­ten der RSO-​Aufrüstung ent­lang der Gren­ze ei­ne recht um­fang­rei­che Be­richt­erstat­tung, aber es wur­de bald klar, dass es nicht nur Rohin­gyas war, die in ih­ren La­gern trai­nier­ten. Vie­le, stell­te sich her­aus, wa­ren Mit­glie­der des ICS und ka­men von der Uni­ver­si­tät von Chittagong, wo ein „Cam­pus­krieg” zwi­schen is­la­mis­ti­schen Mi­li­tan­ten und den ge­mä­ßig­te­ren Stu­den­ten­grup­pen ge­kämpft wur­de.31 Der RSO war in der Tat in we­ni­ge bis gar kei­ne Kämp­fe in Bur­ma en­ga­giert. Vi­deo­tapes aus die­sen Camps tauch­ten spä­ter in Af­gha­ni­stan auf, wo sie vom ame­ri­ka­ni­schen Ka­bel­fern­seh­netz CNN er­wor­ben und im Au­gust 2002 welt­weit ge­zeigt wur­den. Da die Bän­der aber auf Ara­bisch mit „Myan­mar” be­schrif­tet wa­ren, wur­de da­von aus­ge­gan­gen, dass sie in die­sem Land ge­schos­sen wor­den wa­ren, an­statt hin­ter der Gren­ze im süd­öst­li­chen Ban­gla­desch.32

Es gab auch ei­ne ge­mä­ßig­te­re Frak­ti­on un­ter den Rohin­gyas in Ban­gla­desch, die Ara­kan Rohin­gya Is­la­mi­sche Front (ARIF), die 1986 ge­grün­det wur­de und die Res­te der al­ten RPF und ei­ne Hand­voll von Über­läu­fern aus dem RSO ver­ein­te. Sie wur­de von Nu­rul Is­lam ge­führt, ei­nem in Ran­goon aus­ge­bil­de­ten An­walt. Al­ler­dings hat­te sie nie mehr als ein paar Dut­zend Sol­da­ten, meist mit äl­te­ren, bri­ti­schen 9mm Ster­ling L2A3 Ma­schi­nen­pis­to­len, .303 Bol­zen­schuss­ge­weh­ren und ein paar M-​16 Sturm­ge­weh­ren aus­ge­stat­tet.33 1998 wur­de sie zur Ara­kan Rohin­gya Na­tio­nal Or­ga­ni­sa­ti­on (ARNO), die ih­ren mo­de­ra­ten Stand­punkt bei­be­hielt und in Chittagong und Cox’s Ba­zaar nur knapp über­le­ben konnte.

Die Er­wei­te­rung der RSO in den spä­ten 1980er und frü­hen 1990er Jah­ren und die bei­spiel­lo­se Pu­bli­zi­tät, die die Grup­pe in den lo­ka­len und in­ter­na­tio­na­len Me­di­en an­zog, ver­an­lass­te die bur­me­si­sche Re­gie­rung, ei­ne mas­si­ve Ge­gen­of­fen­si­ve zu star­ten, um das Grenz­ge­biet zu „klä­ren”. Im De­zem­ber 1991 über­quer­ten bur­me­si­sche Trup­pen die Gren­ze und grif­fen ei­nen mi­li­tä­ri­schen Vor­pos­ten in Ban­gla­desch an. Der Vor­fall ent­wi­ckel­te sich zu ei­ner gro­ßen Kri­se in den Bangladesch-​Burma-​Beziehungen, und bis April 1992 wa­ren mehr als 250.000 Rohin­gya Zi­vi­lis­ten aus Ara­kan ver­trie­ben worden.

Kaum zu­fäl­lig trat die­ser zwei­te mas­si­ve Exo­dus von Rohin­gyas zu ei­ner Zeit auf, als Bur­ma von ei­ner gro­ßen po­li­ti­schen Kri­se ver­schlun­gen wur­de. Die pro-​demokratische Na­tio­na­le Li­ga für De­mo­kra­tie (NLD) hat­te im Mai 1990 ei­nen Erd­rutsch­sieg bei ei­ner all­ge­mei­nen Wahl ge­won­nen, doch das Mi­li­tär­re­gime des Lan­des wei­ger­te sich, die ge­wähl­te Ver­samm­lung ein­zu­be­ru­fen. Es gab Anti-​Regierungs-​Demonstrationen in der nörd­li­chen Stadt Man­da­lay und die herr­schen­de bur­me­si­sche Jun­ta wur­de in­ter­na­tio­nal verurteilt.

Die Rohingya-​Flüchtlinge wa­ren in ei­ner Rei­he von pro­vi­so­ri­schen La­gern süd­lich von Cox’s Ba­zaar un­ter­ge­bracht und ver­an­lass­ten die Re­gie­rung Ban­gla­deschs, sich um Hil­fe der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft zu be­mü­hen. Der Hoch­kom­mis­sar für Flücht­lin­ge der Ver­ein­ten Na­tio­nen (UNHCR) kam her­bei, um die La­ger zu füh­ren und mit der bur­me­si­schen Re­gie­rung über die Rück­kehr der Rohin­gyas zu ver­han­deln. Im April 1992 be­such­te Prinz Kha­led Sul­tan Ab­dul Aziz, Kom­man­deur des sau­di­schen Kon­tin­gents im Golf­krieg von 1991, Dha­ka und emp­fahl ei­ne Wüstensturm-​ähnliche Ak­ti­on ge­gen Bur­ma, „ge­nau das, was die UNO mach­te, um Ku­wait zu be­frei­en.„34

Das ist na­tür­lich nie ge­sche­hen, und die bur­me­si­sche Re­gie­rung be­schloss schließ­lich un­ter dem Druck der Ver­ein­ten Na­tio­nen (UN), die meis­ten Flücht­lin­ge zu­rück­zu­neh­men. Doch schät­zungs­wei­se 20.000 Flücht­lin­ge blie­ben in zwei La­gern zwi­schen Cox’s Ba­zaar und der Gren­ze. Dar­über hin­aus lebt ei­ne un­be­kann­te Zahl von Rohin­gyas, viel­leicht 100.000 bis 150.000, wei­ter­hin au­ßer­halb der von der UNHCR be­treu­ten La­ger. Es gibt we­nig Zwei­fel dar­an, dass ex­tre­mis­ti­sche Grup­pen die ent­frem­de­ten Rohin­gyas be­nutz­ten, ein­schließ­lich der Re­kru­tie­rung als Ka­no­nen­fut­ter für Al-​Qaida in Af­gha­ni­stan und an­ders­wo. In ei­nem In­ter­view mit der Karachi-​basierten Zei­tung Um­mat am 28. Sep­tem­ber 2001 sag­te Bin La­den: „Es gibt Ge­bie­te in al­len Tei­len der Welt, wo star­ke Dschi­ha­di-Kräf­te an­we­send sind, von Bos­ni­en bis Su­dan und von Bur­ma bis Kasch­mir.„35 Er be­zog sich ver­mut­lich auf ei­ne klei­ne Grup­pe von Rohin­gyas an der Bangladesh-Burma-Grenze.

Vie­le der Rohingya-​Rekruten er­hiel­ten die ge­fähr­lichs­ten Auf­ga­ben auf dem Schlacht­feld, Mi­nen­räu­mung und Wacht­dienst. Nach asia­ti­schen Ge­heim­dienst­quel­len wur­den Rohingya-​Rekruten 30.000 Ban­gla­de­shi ta­ka ($ 525) beim Bei­tritt und da­nach 10.000 Ta­ka ($ 175) pro Mo­nat be­zahlt. Die Fa­mi­li­en der Re­kru­ten, die im Feld ge­tö­tet wur­den, er­hiel­ten 100.000 ta­ka ($ 1.750).36 Re­kru­ten wur­den meis­tens über Ne­pal nach Pa­ki­stan ge­bracht, wo sie aus­ge­bil­det wur­den und wei­ter­ge­schickt wur­den zu den Mi­li­tär­la­gern in Af­gha­ni­stan. Es ist nicht be­kannt, wie vie­le Men­schen aus die­sem Teil von Ban­gla­desch – Rohin­gyas und an­de­re – in Af­gha­ni­stan ge­kämpft ha­ben, aber die Zahl ist ver­mut­lich ziem­lich sub­stan­ti­ell. An­de­re gin­gen nach Kasch­mir und so­gar nach Tsche­tsche­ni­en, um dort mit is­la­mis­ti­schen Mi­li­tan­ten zu­sam­men­zu­ar­bei­ten.37

In ei­nem In­ter­view mit CNN im De­zem­ber 2001 ver­weist der ame­ri­ka­ni­sche Taliban-​Kämpfer John Wal­ker Lindh dar­auf, dass die von Al-​Qaida ge­führ­ten An­sar (Be­glei­ter des Pro­phe­ten) -Bri­ga­den, de­nen er in Af­gha­ni­stan an­ge­hör­te, nach sprach­li­chen Li­ni­en auf­ge­teilt wa­ren: „Ben­ga­li, Pa­ki­sta­ni (Ur­du) und Ara­bisch”, was dar­auf hin­deu­tet, dass die Ben­ga­li spre­chen­den Tei­le – Ban­gla­de­schi und Rohin­gya – be­deu­tend ge­we­sen sein muss­ten.38 Im frü­hen 2002 er­zähl­te der af­gha­ni­sche Aus­sen­mi­nis­ter, Dr. Ab­dul­lah, ei­nem west­li­chen Jour­na­lis­ten, „wir ha­ben ei­nen Ma­lay­en und ei­nen oder zwei Un­ter­stüt­zer aus Bur­ma ge­fan­gen ge­nom­men.„39

Im Ja­nu­ar 2001 griff Ban­gla­desch auf Rohingya-​Aktivisten und ih­re Bü­ros in Chittagong und Cox’s Ba­zaar durch, höchst­wahr­schein­lich in ei­nem Ver­such, die Be­zie­hun­gen zu Bur­ma zu ver­bes­sern. Hun­der­te wur­den ver­haf­tet, und die ört­li­che Pres­se war vol­ler Be­rich­te über ih­re an­geb­li­che Be­tei­li­gung an Waffen- und Rausch­gift­schmug­gel. Rohingya-​Führer be­strit­ten ve­he­ment sol­che An­schul­di­gun­gen und be­schul­dig­ten die lo­ka­len Bangladeshi-​Banden mit hoch­ste­hen­den Con­nec­tions der Ge­walt in der Ge­gend. Al­ler­dings wa­ren die Rohin­gyas ge­zwun­gen, ih­re Mi­li­tär­la­ger zu eva­ku­ie­ren, die sich im­mer auf der Bangladesch-​Seite der Gren­ze be­fun­den hat­ten. Es sind die­se La­ger, die von den Hu­JI und an­de­ren is­la­mis­ti­schen Grup­pen Ban­gla­deshs über­nom­men wur­den, wo­bei die Haupt­ba­sis die­je­ni­ge war, die die RSO in der Nä­he des in Ra­bat ge­bau­ten Kran­ken­hau­ses in Ukhia führ­te, und wo das CNN-​Tape in den frü­hen 1990er Jah­ren ge­schos­sen wor­den war.40

Auf­stieg der Ja­maat  und Rol­le der Ma­dras­sas

Die Ja­maat wur­de 1941 im un­ge­teil­ten In­di­en von Mau­la­na Ab­ul Ala Maud­du­di ge­grün­det und war aus der Dar­ul Uloom, der da­mals pres­ti­ge­träch­tigs­ten is­la­mi­schen Uni­ver­si­tät im Sub­kon­ti­nent, ent­stan­den. Sie war bei Deo­band im Be­zirk Sa­ha­ran­pur von dem, was heu­te Ut­tar Pra­desh ist ge­le­gen, und wur­de so be­kannt als Deo­band Ma­dras­sa (Schu­le). Die Deo­ban­dis wa­ren tat­säch­lich im bri­ti­schen In­di­en ent­stan­den, nicht als re­ak­tio­nä­re Kraft, son­dern als zu­kunfts­wei­sen­de Be­we­gung, um die mus­li­mi­sche Ge­sell­schaft im Ge­fol­ge der Un­ter­drü­ckung zu ver­ei­nen und zu re­for­mie­ren, mit der sie sich nach der Re­vol­te von 1857 oder „Meu­te­rei”, wie die Bri­ten es nann­ten, kon­fron­tiert sa­hen41 Doch im un­ab­hän­gi­gen Pa­ki­stan — Ost und West — ent­stan­den Deo­ban­di ma­dras­sas über­all, und sie wur­den von halb-​ausgebildeten Mul­lahs be­trie­ben, die, ge­mäss dem pa­ki­sta­ni­schen Jour­na­lis­ten Ah­med Ra­shid, „weit ent­fernt wa­ren von den ur­sprüng­li­chen re­for­me­ri­schen Ide­en der Deobandi-​Schule.„42 Im Lau­fe der Jah­re ist die Deobandi-​Marke des Is­lam zum Syn­onym für re­li­giö­sen Ex­tre­mis­mus und Fa­na­tis­mus ge­wor­den, und aus die­sen Ma­dras­sas ent­stan­den in den frü­hen und mitt­le­ren 1990er Jah­ren Af­gha­ni­stans ge­fürch­te­te Ta­li­ban („is­la­mi­sche Studenten”).

Die Ja­maat wur­den von An­fang an von den Ikhwan ul-​Muslimeen oder der Mus­lim­bru­der­schaft in­spi­riert, die 1928 in Ägyp­ten ge­grün­det wur­de, um ei­ne is­la­mi­sche Re­vo­lu­ti­on her­bei­zu­füh­ren und ei­nen is­la­mi­schen Staat zu schaf­fen.43 Als sie an den Punkt ge­kom­men wa­ren, Pa­ki­stan als is­la­mi­schen Staat zu ak­zep­tie­ren, wur­de der ben­ga­li­sche Na­tio­na­lis­mus völ­lig in­ak­zep­ta­bel. Die Jamaat-​Militanten kämpf­ten ne­ben der pa­ki­sta­ni­schen Ar­mee ge­gen die ben­ga­li­schen Na­tio­na­lis­ten. Un­ter den be­rüch­tigs­ten der Jamaat-​Führer war Ab­dul Ka­der Mol­la, der als „Metz­ger von Mir­pur” be­kannt wur­de, ein Dhaka-​Vorort, der 1971 haupt­säch­lich von nicht-​bengalischen mus­li­mi­schen Ein­wan­de­rern be­völ­kert wur­de.44 Heu­te ist er der Publicity-​Sekretär der Bangladeshi-​Jamaats und be­kam trotz sei­nes Back­grounds in der letz­ten Wo­che des Ju­ni 2002 ein US-​Visum für New York. 1971 wur­den er und an­de­re Jamaat-​Führer von der ers­ten Re­gie­rung des un­ab­hän­gi­gen Ban­gla­desch als Kriegs­ver­bre­cher an­ge­se­hen, aber es wur­de ih­nen nie der Pro­zess ge­macht, weil sie nach Pa­ki­stan ge­flo­hen waren.

Die Füh­rer der Ja­maat kehr­ten wäh­rend der Zia- und Ershad-​Régime nach Ban­gla­desh zu­rück, weil sie ein­ge­la­den wur­den, zu­rück­zu­kom­men, und sie sa­hen auch Ershad vor al­lem als An­füh­rer ih­rer Sa­che. Das war et­was iro­nisch, denn Ershad war – und ist im­mer noch – be­kannt als Play­boy und we­nig re­li­giö­ser Mensch. Aber er hat­te ei­ne Rei­he von is­la­mi­schen Re­for­men ein­ge­führt – und er brauch­te die Ja­maat, um der Awami-​Liga ent­ge­gen­zu­tre­ten, und wie sein Vor­gän­ger Zia muss­te er ideo­lo­gi­sche Grund­la­gen für das fin­den, was im Grun­de ei­ne Mi­li­tär­dik­ta­tur war. Das Pro­blem war, dass die Ja­maat durch ih­re Rol­le im Be­frei­ungs­krieg dis­kre­di­tiert wor­den wa­ren. Doch als ei­ne neue Ge­ne­ra­ti­on ent­stand, konn­te das „kor­ri­giert” wer­den, da die is­la­mi­schen Idea­le der Ja­maat er­neut in Ban­gla­deschs Ma­dras­sas ge­lehrt wur­den, die sich in ei­nem un­ge­heu­ren Tem­po vervielfachten.

Die Ma­dras­sas er­fül­len ei­ne wich­ti­ge Funk­ti­on in ei­nem ver­arm­ten Land wie Ban­gla­desh, wo Grund­aus­bil­dung nur für we­ni­ge ver­füg­bar ist. Heu­te gibt es schät­zungs­wei­se 64.000 Ma­dras­sas in Ban­gla­desh, in zwei Ar­ten un­ter­teilt. Die Aliya Ma­dras­sas wer­den mit Re­gie­rungs­un­ter­stüt­zung und -kon­trol­le be­trie­ben, wäh­rend die Dars-​e-​Nizami oder Deoband-​Stil-Ma­dras­sas völ­lig un­ab­hän­gig sind. Aliya-​Studenten stu­die­ren 15 – 16 Jah­re und wer­den in ara­bisch, Re­li­gi­ons­theo­rie und an­de­ren is­la­mi­schen The­men so­wie Eng­lisch, Ma­the­ma­tik, Na­tur­wis­sen­schaf­ten und Ge­schich­te un­ter­rich­tet. Sie be­rei­ten die Schü­ler auf die Be­schäf­ti­gung im staat­li­chen Dienst oder auf Ar­beits­plät­ze im pri­va­ten Sek­tor vor, wie je­der an­de­re Hochschul- oder Uni­ver­si­täts­stu­dent. Im Jahr 1999 gab es 7.122 sol­cher re­gis­trier­ter Ma­dras­sas in Ban­gla­desh.45

Die viel zahl­rei­che­ren Deo­ban­di Ma­dras­sas sind mehr „tra­di­tio­nell”; Is­la­mi­sche Stu­di­en do­mi­nie­ren, und die Stu­den­ten wer­den in Ur­du (Lan­des­spra­che Pa­ki­stans), Per­sisch und Ara­bisch un­ter­rich­tet. Nach Ab­schluss ih­rer Aus­bil­dung sind die Stu­den­ten un­fä­hig, ei­nen Mainstream-​Beruf auf­zu­neh­men, und die Mo­sche­en und Ma­dras­sas sind ih­re Haupt­quel­len der Be­schäf­ti­gung. Wie der ban­gla­de­shi Jour­na­list Sa­la­hud­din Babar hin­weist: „Ab­gän­ger von den Ma­dras­sas, die schlecht ge­rüs­tet sind, um in das Mainstream-​Leben und die Be­ru­fe ein­zu­tre­ten, wer­den die Schü­ler leicht von mo­ti­vier­ten Ele­men­ten ge­lockt, die re­li­giö­se Ge­füh­le aus­nut­zen, um Fa­na­ti­ker zu schaf­fen, statt mo­der­ne Mus­li­me.„46

Die Kon­se­quen­zen die­ser Art von Ma­dras­sa-Aus­bil­dung wird sich­bar im Wachs­tum der Ja­maat. Sie fuhr nicht gut in der Wahl von 1996, wo sie nur drei Sit­ze im Par­la­ment und 8.61 Pro­zent der Stim­men ein­fuhr.47 Ihr Wahl­ma­ni­fest war ziem­lich sorg­fäl­tig for­mu­liert, viel­leicht un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Rufs der Par­tei und der Tat­sa­che, dass ei­ne gros­se Mehr­heit der Ban­gla­de­shi dem Scharia-​Gesetz und an­de­rer ex­tre­mer is­la­mi­scher Prak­ti­ken feind­se­lig ge­gen­über­stand. Das 23-​Seitige Do­ku­ment wid­me­te 18 Sei­ten gross­ar­ti­gen Wahl­ver­spre­chen, und nur fünf da­von er­klär­ten den po­li­ti­schen Stand­punkt der Ja­maat. Die Par­tei ver­such­te, dem Pu­bli­kum zu er­klä­ren, dass sie nicht dar­auf aus war, Hän­de von Die­ben ab­zu­ha­cken, Ehe­bre­cher zu stei­ni­gen, oder Zins­ge­schäf­te zu ver­bie­ten – zu­min­dest nicht so­fort. Gemmäss der SEHD: „der prio­ri­tä­te Fo­kus wä­re das Be­he­ben der Ar­mut, das Un­ter­bin­den der frei­en Ver­mi­schung der Ge­schlech­ter und da­her das Be­wusst ma­chen des Geis­tes des Is­lam in der Be­völ­ke­rung, und dann wür­den letzt­end­lich Schritt für Schritt die is­la­mi­schen Ge­set­ze ein­ge­führt.„48

Doch im Ok­to­ber 2001 zeig­te sich die Ja­maat als dritt­größ­te Par­tei im Land und ih­re mi­li­tan­te Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on, die ICS, wur­de be­son­ders kühn und ak­tiv. Wie die Hu­JI zieht die ICS auch die meis­ten sei­ner Mit­glie­der aus den vie­len Deo­ban­di Ma­dras­sas des Lan­des und hat auch ein ei­ge­nes Netz­werk in­ter­na­tio­na­ler Kon­tak­te. Die ICS ist Mit­glied des In­ter­na­tio­na­len Is­la­mi­schen Ver­ban­des der Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen so­wie der Welt­ver­samm­lung der mus­li­mi­schen Ju­gend und hat en­ge Kon­tak­te zu an­de­ren ra­di­ka­len mus­li­mi­schen Grup­pen in Pa­ki­stan, dem Na­hen Os­ten, Ma­lay­sia und In­do­ne­si­en. Zu­hau­se in Ban­gla­desch ist sie in ei­ne Rei­he von Bom­ben­an­schlä­gen und po­li­tisch so­wie re­li­gi­ös mo­ti­vier­ten At­ten­ta­ten verwickelt.

Am 7. April 2001 wur­den zwei Füh­rer der Jugend- und Stu­den­ten­front der Awami-​Liga von ICS-​Aktivisten ge­tö­tet und am 15. Ju­ni 2001 wur­den schät­zungs­wei­se 21 Per­so­nen ge­tö­tet und über 100 ver­letzt bei ei­nem Bom­ben­an­schlag im Awami-​Liga-​Parteibüro in der Stadt Nara­y­anganj. Zwei Wo­chen spä­ter ver­haf­te­te die Po­li­zei ei­nen ICS-​Aktivisten für sei­ne an­geb­li­che Be­tei­li­gung an der Ex­plo­si­on.49 Ein jun­ger is­la­mis­ti­scher Mi­li­tant, Nu­rul Is­lam Bul­bul, ist der der­zei­ti­ge Prä­si­dent des ICS und Mu­ham­mad Naz­rul Is­lam sein Generalsekretär.

Vie­le Jah­re lang ist die Mut­ter­par­tei, die Ja­maat, von Gholam Azam ge­führt wor­den, der aus Pa­ki­stan zu­rück­ge­kehrt war, als Zia noch am Le­ben und an der Macht war. Er trat im De­zem­ber 2000 zu­rück, und Mo­tiur Rah­man Niz­ami über­nahm als der neue Chef der Par­tei in­mit­ten brei­ter Pro­tes­te und For­de­run­gen, dass er we­gen Kriegs­ver­bre­chen vor Ge­richt ge­stellt wird, die er wäh­rend des Be­frei­ungs­krie­ges be­gan­gen hat als Chef ei­ner be­rüch­tig­ten pa­ra­mi­li­tä­ri­schen Ein­heit, der Al-​Badar. Bei ei­nem be­son­de­ren Vor­fall am 3. De­zem­ber 1971 er­ober­ten ei­ni­ge Mit­glie­der die­ser Ein­heit ei­nes Nachts das Dorf Bis­ha­likkha auf der Su­che nach Frei­heits­kämp­fern, prü­gel­ten vie­le und tö­te­ten acht Men­schen. Als Niza­mis In­vol­vie­rung öf­fent­lich wur­de, ver­brann­ten Ve­te­ra­nen des Be­frei­ungs­krie­ges ein Bild von ihm wäh­rend ei­ner öf­fent­li­chen De­mons­tra­ti­on.50 Im Ok­to­ber 2001 wur­de Niz­ami zum Land­wirt­schafts­mi­nis­ter er­nannt, ein wich­ti­ger Pos­ten in ei­nem vor­wie­gend land­wirt­schaft­li­chen Land wie Ban­gla­desh. Sein Stell­ver­tre­ter, Ali Ahsan Mu­ham­mad Mu­jahid, wur­de Mi­nis­ter für so­zia­le Wohlfahrt.

Die Ter­ror­an­schlä­ge in New York am 11. Sep­tem­ber 2001 tra­ten wäh­rend des Wahl­kamp­fes in Ban­gla­desch auf, als ei­ne Über­gangs­re­gie­rung das Land re­gier­te. Doch der ab­tre­ten­de Pre­mier­mi­nis­ter, Scheich Ha­si­na der Awami-​Liga und dann der Op­po­si­ti­ons­füh­rer Kha­le­da Zia der BNP, ver­ur­teil­ten die An­grif­fe und bei­de, wenn sie ge­wählt wür­den, bo­ten den Ver­ei­nig­ten Staa­ten die Be­nut­zung des Luft­raums, der Hä­fen und an­de­ren Ein­rich­tun­gen von Ban­gla­desh an für mi­li­tä­ri­sche An­grif­fe ge­gen die Ta­li­ban und Al-​Qaida in Af­gha­ni­stan. Vie­le Ban­gla­deshis wur­den sehr be­wegt durch den Ver­lust von bis zu 50 ih­rer Lands­leu­te in den An­grif­fen auf das World Tra­de Cen­ter. Wäh­rend ei­ni­ge von ih­nen Im­mi­gran­ten wa­ren, die als Com­pu­ter­ana­ly­ti­ker und In­ge­nieu­re ar­bei­te­ten, schei­nen die meis­ten Kell­ner im Re­stau­rant „Win­dow on the World” ge­we­sen zu sein, die hart ar­bei­te­ten, um Geld an die ar­men Ver­wand­ten in Ban­gla­desch schi­cken zu kön­nen. Ein Bot­schafts­be­am­ter Ban­gla­deshs in Wa­shing­ton hat die An­grif­fe als „ei­ne Be­lei­di­gung des Is­lam … ei­nen An­griff auf die Mensch­heit” ge­brand­markt51

Ja­maats Stand­punkt zum »Krieg ge­gen den Ter­ro­ris­mus« steht je­doch im Kon­trast zu dem der eta­blier­ten Par­tei­en. Kurz nach­dem die US-​Angriffe auf Af­gha­ni­stan im Ok­to­ber 2001 be­gan­nen, schuf die Ja­maat ei­nen Fonds, der an­geb­lich „für die un­schul­di­gen Op­fer des ame­ri­ka­ni­schen Krie­ges” ge­dacht war. Nach den ei­ge­nen An­kün­di­gun­gen von Ja­maat wur­den 12 Mil­lio­nen Ta­ka ($ 210.000) ge­äuf­net, be­vor die An­stren­gun­gen im März 2002 ein­ge­stellt wur­den. Al­le ver­blei­ben­den Mit­tel, sag­te die Ja­maat, wür­den an af­gha­ni­sche Flücht­lin­ge in La­gern in Pa­ki­stan flie­ßen..52

Ver­bin­dun­gen zu Zentral- und Westasien

In der Nacht des 21. De­zem­ber 2001 – nur we­ni­ge Wo­chen nach dem Fall der Taliban-​Festung von Kan­da­har – er­reich­te ein Schiff, die m.v. Mek­ka, den Ha­fen von Chittagong. An Bord wa­ren meh­re­re hun­dert Ta­li­ban und Al Qai­da Ka­der mit Waf­fen und Mu­ni­ti­on. Un­ter der De­ckung der Dun­kel­heit be­stie­gen sie Bus­se und Last­wa­gen und wur­den in die süd­öst­li­chen Grenz­ge­bie­te ge­fah­ren.53

Es hät­te ei­ne ge­hei­me Ope­ra­ti­on sein sol­len, aber Nach­rich­ten dar­über si­cker­ten all­mäh­lich durch lo­ka­le NGOs aus. Des Wei­te­ren wur­den am 23. Sep­tem­ber 2002 sie­ben „aus­län­di­sche Hilfs­kräf­te” in Dha­ka ver­haf­tet. Die Po­li­zei von Dha­ka sag­te zu­nächst, dass die Män­ner, die aus Li­by­en, Al­ge­ri­en, Su­dan und dem Je­men wa­ren, we­gen des Ver­dachts des Kin­der­han­dels ver­haf­tet wur­den. Al­le ar­bei­te­ten für ei­ne saudi-​finanzierte Frei­wil­li­genagen­tur, das Al Ha­ra­main Is­la­mi­sche In­sti­tut (AHII), das 1992 erst­mals nach Ban­gla­desch kam, um mit den Rohingya-​Flüchtlingen im Süd­os­ten zu ar­bei­ten. Schon bald wur­de das In­sti­tut in ganz Ban­gla­desch ak­tiv und führ­te drei Wai­sen­häu­ser und 60 Ma­dras­sas in ver­schie­de­nen Tei­len des Lan­des.54

Ein­woh­ner von Dha­ka, die mit der Ver­haf­tung der sie­ben Män­ner ver­traut wa­ren, be­haup­te­ten, dass Schü­ler in ih­ren Ein­rich­tun­gen auch ei­ne mi­li­tä­ri­sche Aus­bil­dung durch­mach­ten. Die west­li­chen Ge­heim­dienst­quel­len glau­ben, dass die sie­ben un­ter der Grup­pe wa­ren, die an Bord der m.v. Mek­ka nach Ban­gla­desch schlüpf­ten, und dass sie sich spä­ter mit der AHII in der Ge­gend ver­ban­den, be­vor sie ih­re Ope­ra­tio­nen nach Dha­ka ver­scho­ben.55 Die Be­hör­den wa­ren rasch da­bei, sol­che Ver­bin­dun­gen zu ver­nei­nen, und es ist noch un­klar, ob ih­re Ver­haf­tung ein Feh­ler von über­eif­ri­gen Po­li­zei­be­am­ten in Dha­ka ge­we­sen war, da die An­kunft der m.v. Mek­ka zwei­fel­los das Er­geb­nis ei­ner Ver­ein­ba­rung zwi­schen Pa­ki­stans In­ter Ser­vices In­tel­li­gence (ISI) und sei­nem Bangladeshi-​Pendant, der Ge­ne­ral­di­rek­ti­on für Forces In­tel­li­gence (DGFI) war.

Nach den Ter­ror­an­schlä­gen in Wa­shing­ton und New York im Sep­tem­ber 2001 mach­te der pa­ki­sta­ni­sche Mi­li­tär­herr­scher, Ge­ne­ral Per­vez Mus­har­raf, den um­strit­te­nen Schritt, sich auf die Sei­te der USA zu stel­len und er­laub­te so­gar, dass sein Land als Stütz­punkt im Krieg ge­gen die Ta­li­ban und Al Qai­da in Af­gha­ni­stan be­nutzt wur­de Dies war ein kom­plet­ter Turn-​around sei­tens Pa­ki­stans, da der ISI Mit­te der 1990er Jah­re bei der Schaf­fung der Taliban-​Bewegung maß­geb­lich be­tei­ligt war und auch um­fang­rei­che Kon­tak­te zu Al Qai­da hat­te. Mus­har­raf muss­te den ISI auf­räu­men, konn­te das aber nur all­mäh­lich tun. Wäh­rend dies in Ar­beit war, ka­men Hun­der­te, wenn nicht Tau­sen­de von Ta­li­ban und Al-​Qaida-​Kämpfer nach Pa­ki­stan. Das war ei­ne gro­ße Pein­lich­keit, und es ist heu­te klar, dass der ISI die DGFI kon­tak­tier­te und zu­min­dest ei­ni­ge der jetzt un­er­wünsch­ten Gäs­te nach Ban­gla­desch ge­schickt hat­te.56

Ob dies für „si­che­re Ver­wah­rung” war, ist um­strit­ten, aber auch so spie­gelt es die en­gen Be­zie­hun­gen zwi­schen den Si­cher­heits­diens­ten Pa­ki­stans und Ban­gla­deschs — und noch mehr die wach­sen­den Ver­bin­dun­gen zwi­schen den is­la­mis­ti­schen Mi­li­tan­ten Ban­gla­deschs und ver­schie­de­nen ex­tre­mis­ti­schen Grup­pen in Zentral- und West­asi­en Selbst wenn wir das „si­che­re Verwahrung”-Argument ak­zep­tie­ren, ist es doch un­wahr­schein­lich, dass sich die Mi­li­tan­ten da­mit zu­frie­den ge­ben wer­den, in ih­rer neu­en Hei­mat un­auf­fäl­lig zu blei­ben. Sie ste­hen doch im Krieg mit dem Wes­ten und an­de­ren „Un­gläu­bi­gen”, und es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten für neue Ak­tio­nen in der Re­gi­on, wo sie jetzt sind. Die Be­zie­hun­gen zu den Rohin­gyas könn­ten für Myan­mar Pro­ble­me ver­ur­sa­chen, und die An­we­sen­heit von meh­re­ren auf­stän­di­schen Grup­pen aus In­di­ens Nord­os­ten könn­te mehr Ter­ror­an­schlä­ge in in­di­schen Staa­ten wie As­sam be­deu­ten. So­wohl die Rohin­gyas als auch die MULTA wa­ren auf dem Tref­fen in Ukhia im Mai 2002 an­we­send, als der Ban­gla­desh Is­la­mic Manch ge­bil­det wur­de – und so wa­ren sie Mi­li­tan­te von nicht-​sub-​kontinentalem Ur­sprung. Ein „Dschihad-​Rat” wur­de ge­bil­det, um die Ak­ti­vi­tä­ten der neun Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen zu koordinieren.

Al­le die­se Grup­pen mö­gen im brei­te­ren Kon­text der Po­li­tik Ban­gla­deshs klein und schein­bar un­be­deu­tend sein, und trotz der zu­neh­men­den Is­la­mi­sie­rung in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren hal­ten sich die welt­li­chen Wur­zeln des Lan­des zu­min­dest für den Au­gen­blick. Doch die is­la­mis­ti­schen Mi­li­tan­ten des Lan­des wer­den in ih­ren An­schlä­gen auf „Un­gläu­bi­ge” im­mer lau­ter und ge­wag­ter, ein be­sorg­nis­er­re­gen­des Zei­chen für ei­ne im Grun­de im­mer noch sehr to­le­ran­te Ge­sell­schaft. Und es ist nicht die Zahl der Ex­tre­mis­ten, auf die es an­kommt – auch ei­ne klei­ne Grup­pe kann Angst und Schre­cken ver­brei­ten – son­dern wie gut or­ga­ni­siert und en­ga­giert sie sind.

Die An­kunft der er­fah­re­nen Mi­li­tan­ten aus Mittel- und West­asi­en ist be­son­ders be­sorg­nis­er­re­gend, eben­so die Ver­brei­tung von Klein­waf­fen in Ban­gla­desh, vor al­lem in der Re­gi­on Chassagong-Cox’-Bazaar. Die Tat­sa­che, dass Mil­lio­nen von jun­gen Ban­gla­deshis, die jetzt die Ma­dras­sas durch­lau­fen, die von Fa­na­ti­kern be­trie­ben wer­den, wird eben­so die Wahr­neh­mung von Le­ben und Ge­sell­schaft ver­än­dern – und die Ein­stel­lun­gen ge­gen­über „Un­gläu­bi­gen” im All­ge­mei­nen. Wie In­do­ne­si­en – ein an­de­res Land, das bis vor kur­zem als mo­de­ra­ter mus­li­mi­scher Staat an­ge­se­hen wur­de – ge­zeigt hat, kann ein öko­no­mi­scher Zu­sam­men­bruch oder ei­ne po­li­ti­sche Kri­se zum Auf­stieg von Mi­li­tan­ten füh­ren, für die der re­li­giö­se Fa­na­tis­mus dem Na­tio­nal­stolz gleich­kommt; so­wie ein Aus­weg aus Miss­wirt­schaft, Auf­ruhr und kor­rup­ter Welt­po­li­tik. Es gibt al­len Grund, die Ent­wick­lung in Ban­gla­desch sorg­fäl­tig zu be­ob­ach­ten, zu­mal sei­ne Re­gie­rung ve­he­ment in ei­nem Zu­stand der Ver­leug­nung bleibt – was be­deu­tet, dass sie nicht al­les tun wird, um die Aus­brei­tung von Ex­tre­mis­mus und Fa­na­tis­mus zu stoppen.


ANHANG 1

Haupt-​islamische Grup­pie­run­gen in Bangladesh

Jamaat-​e-​Islami (JeI)
Die JeI ist ei­ne po­li­ti­sche Par­tei, die aus der bri­ti­schen Ko­lo­ni­al­zeit und der (ost-) pa­ki­sta­ni­schen Zeit (1947−1971) stammt. Sie un­ter­stütz­te Pa­ki­stan ge­gen die Bengali-​Nationalisten wäh­rend des Be­frei­ungs­krie­ges, und die meis­ten sei­ner Füh­rer flo­hen nach Ban­gla­deschs Un­ab­hän­gig­keit im Jahr 1971 nach West­afri­ka. Sein da­ma­li­ger Amir (Chef), Gholam Azam, kämpf­te ge­gen die Frei­heits­kämp­fer 1971, kehr­te aber ein paar Jah­re spä­ter nach Ban­gla­desch zu­rück. Im De­zem­ber 2000 über­nahm Mo­tiur Rah­man Niz­ami, ein wei­te­rer ehe­ma­li­ger pro-​pakistanischer Mi­li­tant, als Amir der JeI. Bei der Wahl im Ok­to­ber 2001 tauch­te die JeI als dritt­größ­te Par­tei mit 17 Sit­zen im Par­la­ment und zwei Mi­nis­tern in der neu­en Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung auf. Das ul­ti­ma­ti­ve Ziel von Ja­maat ist ein is­la­mi­scher Staat in Ban­gla­desch, ob­wohl dies Schritt um Schritt um­ge­setzt wird.

Is­la­mi Chha­t­ra Shi­bir (ICS)
ICS ist der jun­ge Flü­gel der JeI. 1941 ge­grün­det, wur­de sie 1979 Mit­glied der In­ter­na­tio­na­len Is­la­mi­schen Fö­de­ra­ti­on der Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen. Die ICS ist auch Mit­glied der Welt­ver­samm­lung der mus­li­mi­schen Ju­gend und hat en­ge Kon­tak­te zu an­de­ren ra­di­ka­len mus­li­mi­schen Ju­gend­grup­pen in Pa­ki­stan, dem Na­hen Os­ten, Ma­lay­sia und In­do­ne­si­en. Ei­ne ih­rer wich­tigs­ten Fes­tun­gen in Ban­gla­desch ist die Uni­ver­si­tät in Chittagong, und sie do­mi­niert pri­vat be­trie­be­ne Ma­dras­sas im gan­zen Land. Sie war an ei­ner Rei­he von Bom­ben­an­schlä­gen und po­li­tisch und re­li­gi­ös mo­ti­vier­ten At­ten­ta­ten be­tei­ligt. Nu­rul Is­lam Bul­bul ist ihr ak­tu­el­ler Prä­si­dent und Mu­ham­med Naz­rul Is­lam ist der Generalsekretär.

Is­la­mi Oi­kyo Jo­te (IOJ)
Ei­ne klei­ne­re is­la­mis­ti­sche Par­tei, die zur Vier-​Parteien-​Allianz bei­ge­tre­ten ist, die von der Bangladesch-​Nationalistischen Par­tei (BNP) ge­führt wur­de, die die Wahl im Ok­to­ber 2001 ge­wann. Die IOJ si­cher­te sich zwei Sit­ze im Par­la­ment, be­kam aber kei­ne Kabinettsposten.

Harkat-​ul-​Jihad-​al-​Islami (Hu­JI)
Die Hu­JI sind die wich­tigs­te mi­li­tan­te Or­ga­ni­sa­ti­on in Ban­gla­desch. Im Jahr 1992 ge­grün­det, hat sie jetzt ei­ne ge­schätz­te Stär­ke von 15.000 und wird von Mau­la­na Shaw­kat Os­man ali­as Sheikh Fa­rid in Chittagong ge­lei­tet. Ih­re Mit­glie­der wer­den haupt­säch­lich von den Schü­lern der vie­len Ma­dras­sas des Lan­des re­kru­tiert, und bis zum Jahr 2001 nann­ten sie sich die „Ta­li­ban Ban­gla­deschs”. Es wird an­ge­nom­men, dass die Grup­pe um­fang­rei­che Kon­tak­te mit mus­li­mi­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen in den in­di­schen Staa­ten von West­ben­ga­len und As­sam hat. Azi­zul Huq, Vor­sit­zen­der der IOJ, ist Mit­glied des Be­ra­tungs­rats des HuJI.

‘The Ji­had Movement’
Osa­ma bin La­dens Fat­wa (re­li­giö­ses Ur­teil) vom 23. Fe­bru­ar 1998, die zum Dschi­had ge­gen die Ver­ei­nig­ten Staa­ten dräng­te, wur­de von zwei ägyp­ti­schen Kle­ri­kern mit­un­ter­zeich­net, ei­ner aus Pa­ki­stan, und Fazlur Rah­man, „Füh­rer der Dschihad-​Bewegung in Ban­gla­desch”. Man glaubt nicht, dass es sich um ei­ne ei­ge­ne Or­ga­ni­sa­ti­on han­delt, son­dern um ei­nen ge­mein­sa­men Na­men für meh­re­re is­la­mis­ti­sche Grup­pen in Ban­gla­desch, von de­nen Hu­JI als größ­te und wich­tigs­te an­ge­se­hen wird.

Ara­kan Rohin­gya Na­tio­nal Or­ga­ni­sa­ti­on (ARNO)
Die ARNO ist ei­ne po­li­ti­sche Grup­pie­rung un­ter den Mi­gran­ten von Rohin­gya aus Myan­mar, die im Chassagong-​Cox-​Bazar-​Gebiet le­ben und be­haup­ten, für ei­ne au­to­no­me mus­li­mi­sche Re­gi­on in Bur­mas Staat Ara­kan (Rak­hi­ne) zu kämp­fen. Sie wur­de 1998 durch ei­ne Fu­si­on der Ara­kan Rohin­gya Is­la­mic Front (ARIF) und der Rohin­gya So­li­da­ri­ty Or­ga­ni­sa­ti­on (RSO) ge­grün­det. Bin­nen Mo­na­ten fiel die Front je­doch aus­ein­an­der. Der Füh­rer von dem, was von ARNO üb­rig bleibt, Nu­rul Is­lam, gilt als ge­mä­ßigt. Er führ­te auch die ARIF vor der Fu­si­on im Jahr 1998.

Rohin­gya So­li­da­ri­ty Or­ga­ni­sa­ti­on (RSO)
Nach der Auf­lö­sung von ARNO in den Jah­ren 1999 – 2000 tauch­ten drei neue Frak­tio­nen auf, die al­le den al­ten Na­men RSO be­an­spruch­ten. Tra­di­tio­nell ist die RSO sehr nah an Jamaat-​e-​Islami und Is­la­mi Chha­t­ra Shi­bir in Chittagong und Cox’s Ba­zaar. In den frü­hen 1990er Jah­ren hat­te RSO meh­re­re Mi­li­tär­la­ger in der Nä­he der bur­me­si­schen Gren­ze, wo auch Ka­der der ICS im Gue­ril­la­krieg ge­schult wurden.


ANHANG 2

Harkat-​ul-​Jihad-​Al-​Islami/​Bangladesh

Zen­tra­lexe­ku­ti­ve
a) Mau­la­na Na­j­rul Is­lam, Amir
b) Muf­ti Mau­la­na Sa­fiur Rah­man, Dy Amir
c) Muf­ti Ab­dul Hye
d) Muf­ti Man­ju­rul Hossain
e) Mau­la­na Nia­ma­tul­lah Farid
f) Mau­la­na Baqi Billah
g) Mau­la­na Sayeed Abu Taher
h) Mau­la­na Sam­sud­din Kasimi
i) Mau­la­na Abu Nasir
j) Mau­la­na Faz­lu Haq, Ami­ni of Ban­gla­desh Is­la­mic Khelafat Andolan
k) Mau­la­na Ataur Rah­man Khan, Ex-​MP of Kishoreganj
l) Ab­dul Zab­bar of the Young Mus­lim League
m) Mau­la­na Mo­hi­ud­din of the Is­la­mic Morcha

Bei­rat

a) Mau­la­na Mo­hi­ud­din Khan, Chief
b) Muf­ti Ab­dul Hye, Dy Chief, ver­haf­tet durch die Po­li­zei Ban­gla­desh am 8. No­vem­ber 1998
c) Mau­la­na Man­jur Ah­med, ver­haf­tet durch die Po­li­zei Ban­gla­desh am 8. No­vem­ber 1998
d) Mau­la­na Faz­lul Ka­rim, Kum­pel von Char­mo­nai, Chef der Is­la­mic Sha­s­ant­an­tra Andolan
e) Kum­pel von Sharsina
f) Kum­pel von Ful­ta­li, Sylhet
g) Muf­ti Sha­fi Ah­med, Hat­ha­za­ri ma­dras­sa, Chittagong
h) Muf­ti Ta­he­rul­lah, Pa­tiya ma­dras­sa, Chittagong
i) Mau­la­na Ab­dul Ka­lam Azad
j) Mau­la­na Ka­ma­lud­din Zafri
k) Mau­la­na De­la­war Hos­sain Saidi
l) Mau­la­na Obaidullah
m) Prof. Akhtar Farooq
n) Mau­la­na Sa­ik­ul Had­dis Allama
o) Azi­zul Huq, Amir, Ban­gla­desh Khil­afat, Ma­jlish and Chair­man of the Is­la­mi Oi­kya Jote
p) Mohd. Ab­dus Mann­an, princi­pal Gau­har­d­an­ga ma­dras­sa, Go­pal­ganj, se­creta­ry ge­ne­ral of the Sar­bo­da­ya Ole­ma Parishad

Khul­na Zweig

a) Mohd. Si­ra­jul Haque, Amir
b) Mohd. Anisur Rahaman
c) Mohd. Sattarud­din Khan
d) Ka­sem Ali

Chittagong Zweig
Bü­ro der Ma­dras­sa Jameyat-​ul-​Ulum, Lalkhan­ba­zaar, Chittagong und Chief Mau­la­vi ist Mau­la­na Az­ha­rul Islam

a) Ab­dur Rouf, Amir
b) Muf­ti Shai­qur Rah­man, Dy Amir
c) Ab­dul Baset
d) Ab­dul Khaled
e) Abu Tarek
f) Ab­dul Hakim
g) Amzad Belal
h) Ob­ai­dur Rah­man Khan
i) Mau­la­na Ab­dul Quddus
j) Mau­la­na Mah­bu­bul Alam, Gön­ner, wohn­haft 73, Kusum­bagh, Dhober­pa­har, nä­he Chittagong

Cox’s Ba­zaar Branch
Mau­la­na Sa­la­hul Is­lam, 36 jäh­rig, ar­bei­tet für ei­ne NGO na­mens Al-​Haramain (ei­ne in Mek­ka an­ge­sie­del­te Or­ga­ni­sa­ti­on) in Cox’s Ba­zaar. Ab­schluss an der Uni­ver­si­tät Riyadh, soll dem Chef des Karachi-​Zweigs der Harkat-​ul-​Mijahideen Na­he stehen.

Syl­het Zweig

a) Mau­la­na Mohd. Ab­dul Ka­rim, Gön­ner, aka Sheikh-​e-​Kauria und Prä­si­dent des Syl­het Zweigs der Jamaat-​e-​Ulema-​e-​Islam, Sylhet
b) Kum­pel von Ful­ta­li, Ful­ta­li, Sylhet
c) Ju­n­ed Ah­med, Biya­ni Ba­zaar, Sylhet
d) Ab­dul Ma­tin, Biya­ni Ba­zaar, Sylhet

Jes­so­re Zweig

a) Mau­la­na Ma­ni­rul Is­lam Ma­da­ni, Gön­ner, Via­na, Jes­so­re Kat­wa­li PS
b) Muf­ti Ami­n­ul Huq, Imam der Bahn­hofs­madras­sa, Jessore
c) Mau­la­na Ab­dul Hassan Mu­had­dis (BA von der Uni­ver­si­tät Kal­kut­ta und FAREK [ähn­lich ei­nem MA in re­li­giö­sen Stu­di­en] von der Deo­band Ma­dras­sa, Sahran­pur, UP, In­di­en. Ak­tu­ell an­ge­stellt als Rek­tor, Qau­mi Ma­dras­sa, Jes­so­re. Gen, Scy des Jes­so­re Zweig der Nizami-​e-​Islami Par­tei in der Re­gi­on Ostpakistan.
d) Mau­la­na Ab­dur Rouf, 50 jäh­rig, ur­sprüng­lich aus Bon­gaon, West Ben­gal. Ex org. scy, der Nizami-​e-​Islami Par­tei in der Re­gi­on Ost­pa­ki­stan. Ver­haf­tet 1971 we­gen sei­ner Anti-​Befreiungs-​Aktivitäten. Heu­te Ein­woh­ner von Ba­ran­di­pa­ra, Jessore.
e) Muf­ti Ami­n­ul Islam
f) Ab­dur Jabbar (pen­sio­nier­ter DSP, Po­li­zei Bangladesch)
g) D.K. Baksh (pen­sio­nier­ter un­ter­ge­ord­ne­ter Ma­jor, Ar­mee Bangladesch)

Brah­m­an­ba­ria Zweig

a) Mau­la­na Si­ra­jul Is­lam, Vor­ste­her, Zamia Yunn­sia Ma­dras­sa, Brahmanbaria
b) Ab­dul Ka­rim, Füh­rer der Ta­li­ban Mu­jahids, trai­niert in Af­gha­ni­stan. Un­ter sei­nem Kom­man­do ste­hen 15 Ban­gla­de­scher Ta­li­ban Mu­jahids, re­kru­tiert und ba­siert in Brahmanbaria

Co­mil­la Zweig

a) Imam der Ib­ne Tahmi­na High School, Gön­ner, Comilla
b) Mohd. Ali Akhtar, Füh­rer der Ta­li­ban Mu­jahids, Co­mil­la. Un­ter sei­nem Kom­man­do ste­hen 15 Ban­gla­decs­her Ta­li­ban Mu­jahids, re­kru­tiert und ba­siert in Comilla

Trai­nings­ein­rich­tun­gen

1. Mo­hi­ur­sun­nals Ma­dras­sa. Kni­la, Te­knaf, Cox’s Ba­zaar (nä­he Gren­ze zu Burma)
2. Hat­ha­za­ra Ma­dras­sa, Chittagong Sadar
3. Pa­tiya Ma­dras­sa, Pa­tiya, Chittagong Sadar
4. Jal­pai­ta­li and Te­tul­ta­li, Bandar­ban Dis­trict, Chittagong Hill Tracts
5. Ma­heshkha­li und Gar­za­nia Hills in Nykhong­cha­ri PS, Bandar­ban Dis­trict, Chittagong Hill Tracts
6. Ra­ni­ping, Ka­zir Ba­zaar und Mun­shi Ba­zaar Ma­dras­sas in Ful­ta­li PS, Syl­het District.
7. Ba­luch­he­ra, Cox’s Ba­zaar Dis­trict (Haupt­la­ger)
8. Jameyat-​ul-​Ulum Ma­dras­sa, Lalkhan­ba­zaar, Chittagong
9. Brahmanbaria
10. Na­ya­pa­ra, Da­mu­dia Uni­on, Te­knaf, Cox’s Ba­zaar District
11. Na­rich­ha Ba­zaar, Chittagong District
12. Ran­ga­ma­ti Is­la­mic Com­plex Ma­dras­sa, Ran­ga­ma­ti, Chittagong Hill Tracts
13. Moh­mad­pur Rah­miya Ja­mia­tul Ma­dras­sa, Dhaka
14. Lal­ma­tia Kau­mi Ma­dras­sa, Dhaka
15. Ma­li­bagh Kau­mi Ma­dras­sa, Dhaka
16. Ha­ja­ri­pa­ra Kau­mi Ma­dras­sa, Dhaka
17. Ma­da­ni Kau­mi Ma­dras­sa, Dhaka
18. Farm­ga­ti Kau­mi Ma­dras­sa, Dhaka
19. Ga­zipur Bor­mi Kau­mi Madrassa


NOTIZEN

* Ber­til Lint­ner is er­fah­re­ner Schrift­stel­ler, Far Eas­tern Eco­no­mic Re­view (FEER).

  1. Sie­he zum Bei­spiel Ber­til Lint­ner, „Ban­gla­desh: A Cocoon of Ter­ror”, Far Eas­tern Eco­no­mic Re­view, Hong Kong, 4. April 2002, S. 14 – 17; Alex Per­ry, „De­ad­ly Car­go”, Time, Hong Kong, vol. 160, no. 15, 21. Ok­to­ber 2002.
  2. Ein Re­gie­rungspre­cher be­schrieb ei­nen Be­richt, der die Time zi­tier­te mit ei­nem Be­richt, dass die Ge­heim­diens­te des Lan­des „Kon­takt mit ih­rer Ge­gen­stel­le im pa­ki­sta­ni­schen Inter-​Services In­tel­li­gence (ISI) ge­hal­ten ha­ben” und dass Ban­gla­desch ei­ne „Brut­stät­te anti-​indischen Ter­ro­ris­mus” sei als „Fan­ta­sie­ge­bil­de”. Das Aus­sen­mi­nis­te­ri­um sag­te, dass der Be­richt dar­auf aus­ge­rich­tet ge­we­sen sei, die „freund­li­chen und an­ge­neh­men Be­zie­hun­gen zwi­schen In­di­en und Ban­gla­desch” zu be­schä­di­gen. Die Re­gie­rung „de­men­tiert ve­he­ment und ka­te­go­risch die In­hal­te des Be­rich­tes”, sag­te der Spre­cher, und füg­te hin­zu, „er ist viel­leicht kon­stru­iert und mo­ti­viert mit dem Ziel, dem In­ter­es­se ge­wis­ser Krei­se zu die­nen.” Sie­he „Re­port and rea­li­ty”, Front­li­ne, Chen­nai, vol. 19 no. 23, No­vem­ber 9 – 22, 2002.
  3. Für ei­ne Lis­te der is­la­mis­ti­schen Grup­pie­run­gen in Ban­gla­desh, sie­he An­hang 1. Für ei­ne Lis­te der Amts­lei­ter und Zwei­ge der Hu­JI, sie­he An­hang 2.
  4. The Eighth Par­lia­men­ta­ry Elec­tions 2001, Dha­ka: So­cie­ty for En­vi­ron­ment and Hu­man De­ve­lop­ment for Co­or­di­na­ting Coun­cil for Hu­man Rights in Ban­gla­desh, März 2002, S. 2.
  5. Sie­he „Re­sults Sum­ma­ry”, www.bd-ec.org/election.php3?sum=1.
  6. http://www.transparency.org/cpi/2001/cpi2001.html.
  7. The Eighth Par­lia­men­ta­ry Elec­tions 2001, p. 161.
  8. Ban­gla­desh: At­tacks on mem­bers of the Hin­du ma­jo­ri­ty, Lon­don: Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal, De­zem­ber 2001.
  9. See Pat­terns of Glo­bal Ter­ro­rism 2001, the Of­fice of the Co­or­di­na­tor for Coun­ter­ter­ro­rism, 21. Mai 2002. See http://www.state.gov/s/ct/rls/pgtrpt/2001/html/10254.htm#hujib.
  10. Ber­til Lint­ner, „Is re­li­gious ex­tre­mism on the ri­se in Ban­gla­desh?”, Jane’s In­tel­li­gence Re­view, Lon­don, Mai 2002.
  11. Mu­ham­mad Ghul­am Ka­b­ir, Chan­ging Face of Na­tio­na­lism: The Ca­se of Ban­gla­desh, De­lhi: South Asi­an Pu­blishers, 1994, p. 201.
  12. Ibid, p. 189.
  13. See South Asia Ter­ro­rism Por­tal; Coun­tries; Ban­gla­desh; Ter­ro­rist Groups; Hu­JI; www.satp.org.
  14. See Emer­gen­cy Re­spon­se and Re­se­arch In­sti­tu­te (ERRI) Dai­ly In­tel­li­gence re­port, ERRI Risk As­sess­ment Ser­vice, Ju­ne 11, 1998, vol. 4 – 162. The full text of the 1998 fat­wah is al­so avail­ab­le on http://www.fas.org/irp/world/para/docs/980223-fatwa.htm.
  15. Pat­terns of Glo­bal Ter­ro­rism 2001.
  16. E-​mail from an NGO ac­tivist in the area who in­sisted on an­ony­mi­ty, Sep­tem­ber 25, 2002.
  17. An at­tempt on the li­fe of Rah­man was ma­de on Ja­nu­ary 18, 1999. Af­ter Po­li­ce ar­rested 10 Hu­JI ac­tivists and sea­led its of­fice in Dhaka’s sub­urb of Khil­gaon, in­ter­ro­ga­ti­ons re­vea­led that they plan­ned to kill 28 pro­mi­nent in­tel­lec­tu­als, in­clu­ding Na­tio­nal Pro­fes­sor Ka­b­ir Choud­hu­ry, wri­ter Tas­li­ma Nas­re­en and the Di­rec­tor Ge­ne­ral of the Is­la­mic Foun­da­ti­on, Mau­la­na Ab­dul Awal. See South Asia Ter­ro­rism Por­tal; Coun­tries; Ban­gla­desh; As­sess­ment 2000; www.satp.org.
  18. Türk­ka­ya Ata­öv, Kash­mir and Neigh­bours: Ta­le, Ter­ror, Truce, Al­der­shot: Ash­ga­te Pu­bli­shing, 2001, p. 150.
  19. Pat­terns of Glo­bal Ter­ro­rism, 2001.
  20. Small Arms Sur­vey 2001: Pro­filing the Pro­blem, Ox­ford: Ox­ford Uni­ver­si­ty Press and Small Arms Sur­vey, Ge­ne­va, 2001, p. 181.
  21. The Eighth Par­lia­men­ta­ry Elec­tions 2001, p. 99.
  22. Ibid.
  23. Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal, De­cem­ber 2001.
  24. The Hin­du, Chen­nai, Ja­nu­ary 23, 2002. Al­so see Sub­ir Bhau­mik, „The Se­cond Front of Is­la­mic Ter­ror in South Asia”, pa­per pre­sen­ted at an in­ter­na­tio­nal se­mi­nar on ter­ro­rism and low in­ten­si­ty con­flict, Ja­davpur Uni­ver­si­ty, Kolka­ta, March 6 – 8, 2002.
  25. Far Eas­tern Eco­no­mic Re­view, Hong Kong, Ju­ly 11, 2002.
  26. For a com­pre­hen­si­ve ac­count of the Rohin­gyas and other Mus­lim com­mu­nities in Bur­ma, see Mos­he Ye­gar, The Mus­lims of Bur­ma: A Stu­dy of a Mi­no­ri­ty Group, Wies­ba­den: Ot­to Harr­as­so­witz, 1972.
  27. Ibid, p. 19.
  28. For an ac­count of the 1978 re­fu­gee cri­sis, see Ber­til Lint­ner, Bur­ma in Re­volt: Opi­um and Insur­gen­cy Sin­ce 1948, Chiang Mai: Silk­worm Books, 1999, pp. 317 – 8.
  29. Ber­til Lint­ner, „Ten­si­on Mounts in Ara­kan Sta­te,” Jane’s De­fence Wee­kly, Oc­to­ber 19, 1991. The sto­ry was ba­sed on in­ter­view with Rohin­gyas and others in the Cox’s Ba­zaar area in 1991. I al­so vi­si­ted a Rohin­gya ar­my camp ne­ar the bor­der with Burma.
  30. Ibid.
  31. In­ter­views and ob­ser­va­tions ma­de when I vi­si­ted the bor­der in 1991.
  32. See „Ban­gla­desh: Cham­pio­n­ing Is­la­mist Ex­tre­mism”, South Asia In­tel­li­gence Re­view, vol. 1, no. 9, Sep­tem­ber 16, 2002; South Asia Ter­ro­rism Por­tal; www.satp.org/satporgtp/sair/Archives/1_9.htm.
  33. Jane’s De­fence Wee­kly, Oc­to­ber 19, 1991.
  34. For an ac­count of the 1991 – 92 Rohin­gya re­fu­gee cri­sis, see Lint­ner, Bur­ma in Re­volt, pp. 397 – 8.
  35. See al­so Jim Ga­ra­mo­ne, „Bin La­den and the Al-​Qaeda Net­work,” Ame­ri­can Forces Press Ser­vice, Sep­tem­ber 21, 2001: „Al-​Qaeda has cells in Al­ge­ria, Egypt, Mo­roc­co, Tur­key, Jor­dan, Ta­ji­ki­stan, Uz­be­ki­stan, Sy­ria, Chi­na, Pa­ki­stan, Ban­gla­desh, Ma­lay­sia, Bur­ma, In­do­ne­sia, the Phil­ip­pi­nes, Le­ba­non, Iraq, Saudi-​Arabia, Ku­wait, Bah­rain, Ye­men, Li­bya, Tu­ni­sia, Bos­nia, Ko­so­vo, Chech­nya, Da­ge­stan, Su­dan, So­ma­lia, Ke­nya, Tan­za­nia, Azer­bai­jan, Eri­trea, Ugan­da, Ethio­pia, and in the West Bank and Gaza.”
  36. Jane’s In­tel­li­gence Re­view, May 2002.
  37. Sub­ir Bhau­mik, „Se­cond Front of Is­la­mic Terror”.
  38. Tran­script of John Wal­ker in­ter­view, CNN, Ju­ly 4, 2002, www.cnn.com/2001/WORLD/asiapcf/central/12/20/ret.walker.transcript/.
  39. Ber­til Lint­ner, „A Re­ci­pe for Trou­ble,” Far Eas­tern Eco­no­mic Re­view, April 4, 2002. The com­ment was ma­de to the edi­tor of the Far Eas­tern Eco­no­mic Re­view, Mi­cha­el Vatikiotis.
  40. I vi­si­ted the area, in­clu­ding Ukhia, in March 2002.
  41. For an ex­cel­lent ac­count of the ri­se of the Deo­ban­dis, see Sa­la­hud­din Babar, „Ri­se of the Right”, Pro­be News­ma­ga­zi­ne (Ban­gla­desh), March 1 – 15, 2002.
  42. Ah­med Ra­shid, Ta­li­ban: The Sto­ry of the Af­ghan War­lords, Lon­don: Pan Books, 2001, p. 89.
  43. Ibid, p. 86.
  44. Ah­med Sa­lim, „Mur­ders Most Foul,” News­li­ne, Ka­ra­chi, No­vem­ber 29, 2000.
  45. Pro­be, March 1 – 15, 2002.
  46. Ibid.
  47. The Reporter’s Gui­de: Hand­book on Elec­tion Re­porting, Dha­ka: So­cie­ty for En­vi­ron­ment and Hu­man De­ve­lop­ment, 2001, p. 101.
  48. Ibid, p. 101.
  49. Ban­gla­desh As­sess­ment 2002, South Asia Ter­ro­rism Por­tal; www.satp.org.
  50. Ban­gla­desh Broad­cas­ting Ser­vice, Dha­ka, De­cem­ber 8, 2000.
  51. http://usinfo.state.gov/topical/pol/terror/01100321.htm
  52. Ho­li­day, Dha­ka, March 8, 2002.
  53. Alex Per­ry, „De­ad­ly Car­go,” Time, Asi­an edi­ti­on, Oc­to­ber 21, 2002.
  54. „Dha­ka Po­li­ce Look for Al-​Qaeda Link,” Far Eas­tern Eco­no­mic Re­view, Oc­to­ber 10, 2002.
  55. Ibid. Al­so see Time, „De­ad­ly Car­go”, Oc­to­ber 21, 2002.
  56. For a com­ple­te co­verage of the ope­ra­ti­on, see Time, „De­ad­ly Car­go”, Oc­to­ber 21, 2002.

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  1. The UNTOLD Story of the Muslim Rohingyas in Burma /mit Übersetzung

    […] Die Re­gi­on Ara­kan von Bur­ma ist vom Rest des Lan­des durch ei­ne dicht be­wal­de­te Ge­birgs­ket­te ge­trennt, die es den Ara­ka­nern – die meis­ten von ih­nen Bud­dhis­ten – er­mög­lich­te, ih­re Un­ab­hän­gig­keit bis zum En­de des 18. Jahr­hun­derts zu er­hal­ten. Kon­tak­te mit der Au­ßen­welt wa­ren bis da­hin meist im Wes­ten, was wie­der­um den Is­lam in die Re­gi­on ge­bracht hat­te. Die ers­ten Mus­li­me an der Arakan-​Küste wa­ren mau­ri­sche, ara­bi­sche und per­si­sche Händ­ler, die zwi­schen dem 9. und dem 15. Jahr­hun­dert an­ka­men. Ei­ni­ge von ih­nen blie­ben und hei­ra­te­ten lo­ka­le Frau­en. Ih­re Nach­kom­men wur­den die Vor­fah­ren ei­ner wei­te­ren Hybrid-​Rasse, die viel spä­ter als Rohin­gyas be­kannt wur­de. Wie die Leu­te im Chittagong-​Gebiet, spre­chen sie ei­nen ben­ga­li­schen Dia­lekt, der mit Wor­ten aus dem Per­si­schen, Ur­du und Ara­ka­nisch ge­spickt ist.26 […]

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