Selektive Empörung: Wenn die Hisbollah angreift
Majid Rafizadeh, 18. April 2026, Gatestone Institute
aus dem Englischen von Martin Christen
- Die jüngste Eskalation der Feindseligkeiten hat nicht mit Israel begonnen. Sie begann mit der Hisbollah.
- Israel sah sich anhaltendem Raketenbeschuss aus dem Libanon und der Präsenz einer schwer bewaffneten Gruppe an seiner Grenze gegenüber – in Verletzung der Resolution 1701 des UNO‑Sicherheitsrats, die einstimmig vom Libanon verlangte: „drei Grundsätze – keine ausländischen Kräfte, keine Waffen für nichtstaatliche Milizen und keine von der Zentralregierung unabhängige Autorität – als Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden im Libanon.“
- Die operativen Taktiken der Hisbollah ähneln denen der Hamas und anderer terroristischer Gruppen: Sie betten ihre militärische Infrastruktur in zivile Gebiete ein – verstecken Waffen, Kommandozentralen und operative Mittel in dicht besiedelten Wohnvierteln. … Da die militärischen Ziele der Hisbollah in Wohnhäusern, Krankenhäusern und Schulen innerhalb ziviler Bevölkerungszentren liegen, birgt jeder Versuch, sie auszuschalten, die tragische Möglichkeit, Zivilisten unvermeidlich zu gefährden. Es ist eine Strategie, die bewusst darauf ausgelegt ist, Israels Reaktionen einzuschränken und internationale Gegenreaktionen gegen Israel zu erzeugen.
- Die Verantwortung für diese Kriegsverbrechen liegt eindeutig bei der Hisbollah im Libanon und der Hamas in Gaza, die sie bewusst herbeigeführt haben. Jegliche daraus resultierenden Opfer können nicht außerhalb dieses Kontextes beurteilt werden.
- Im Jahr 2024 verletzte die Hisbollah ihren Waffenstillstand mit Israel und griff 2025 zudem auf Geheiß des Irans an. Israels Reaktion entspricht dem, was jeder souveräne Staat tun würde, wenn sein Territorium und seine Zivilbevölkerung angegriffen werden.
- Soll es eine ernsthafte Diskussion über Stabilität im Nahen Osten geben, muss sie mit einer ehrlichen Anerkennung dieser Realitäten beginnen. Andernfalls werden internationale Reaktionen das Problem weiterhin falsch darstellen, indem sie die Antworten kritisieren, während sie die Ursachen übersehen – und damit eher zum Konflikt beitragen als zu seiner Lösung.

Die operativen Taktiken der Hisbollah ähneln denen der Hamas und anderer terroristischer Gruppen: Sie betten ihre militärische Infrastruktur in zivile Gebiete ein – verstecken Waffen, Kommandozentralen und operative Mittel in dicht besiedelten Wohnvierteln. Da die militärischen Ziele der Hisbollah in Wohnhäusern, Krankenhäusern und Schulen innerhalb ziviler Bevölkerungszentren liegen, birgt jeder Versuch, sie auszuschalten, die tragische Möglichkeit, Zivilisten unvermeidlich zu gefährden. Es ist eine Strategie, die bewusst darauf ausgelegt ist, Israels Reaktionen einzuschränken und internationale Gegenreaktionen gegen Israel zu erzeugen. Abgebildet: Ein von israelischen Streitkräften entdecktes Waffenlager der Hisbollah im Dorf Al‑Khayyam im Süden des Libanon, am 27. März 2025. (Foto: Büro der IDF‑Sprecher)
Einmal mehr scheinen große Teile der internationalen Gemeinschaft – von den Vereinten Nationen bis hin zu wichtigen europäischen Regierungen – entweder nicht willens oder nicht in der Lage zu sein, sich der grundlegenden und unbequemen Realität zu stellen, dass die jüngste Eskalation der Feindseligkeiten nicht mit Israel begann. Sie begann mit der Hisbollah.
Dieses Schweigen – oder bestenfalls selektive Eingeständnis – als ohne Provokation Raketen auf Israel abgefeuert wurden, steht in scharfem Kontrast zu der sofortigen Empörung, wenn Israel reagiert. Dieses Ungleichgewicht ist nicht nur unehrlich; es verzerrt das grundlegende Verständnis dafür, wie Konflikte dieser Art einzuordnen sind.
Man muss mit der einfachen, aber entscheidenden Tatsache beginnen, dass es zum Zeitpunkt des Beginns der aktuellen Eskalation keinen aktiven, groß angelegten Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah gab. Israel sah sich jedoch direkten Bedrohungen und Angriffen in einer breiteren Konfrontation mit Iran ausgesetzt. Genau in diesem Moment – als Israel unter Druck stand – entschied sich die Hisbollah zu handeln. Das Timing spiegelt eine kalkulierte Entscheidung wider, eine zweite Front gegen Israel zu eröffnen, mit der klaren Absicht, den Druck auf seine Verteidigung zu erhöhen.
Was würde irgendein anderes Land tun, wenn es von einem Feind angegriffen wird und plötzlich Raketenangriffe auf seine Städte und Ortschaften erfolgen? Würde es einfach in den Himmel starren und zusehen.
Vermutlich würde kein Staat – weder in Europa, Asien noch auf dem amerikanischen Kontinent – eine solche Situation tolerieren. Die scheinbare Erwartung, dass Israel, kleiner als der US‑Bundesstaat New Jersey (rund 22.000 km²), solche Angriffe ohne eine entschlossene Reaktion hinnehmen solle, ist nicht nur unrealistisch; sie steht grundlegend im Widerspruch zu dem weltweit anerkannten Verständnis von Souveränität und Selbstverteidigung.
Die Hisbollah ist nicht irgendeine unabhängige Kraft, die isoliert handelt. Sie wurde – nach eigener Aussage – von der Islamischen Republik Iran gegründet, ist mit ihr verflochten und von ihr abhängig.
„Die Hisbollah entstand im Zuge der Islamischen Revolution Irans von 1979“, so der Nahost‑Experte Hussain Abdul‑Hussain, „als Teil eines Versuchs, in einem von Milizen zerrissenen Libanon einen islamischen Staat zu errichten.“
Die Waffen, die Finanzierung und die strategische Ausrichtung der Hisbollah sind ausdrücklich mit Tehran verküpft. Eine solche Beziehung verwandelt die Handlungen der Hisbollah von spontanen, isolierten Vorfällen in Bestandteile einer umfassenderen regionalen Strategie. Wenn die Hisbollah handelt, ist sie nicht einfach eine lokale Terrorgruppe, die taktische Entscheidungen trifft – sie ist eine Verlängerung der geopolitischen Agenda einer Regionalmacht.
Bei der Betrachtung von Waffenstillständen oder diplomatischen Vereinbarungen – etwa wenn Iran einen Waffenstillstand akzeptierte, während die Hisbollah ihre Angriffe fortsetzte – zeigt der Gegensatz deutlich, dass jeder Waffenstillstand, der Irans mächtigsten Stellvertreter nicht einhegt, unvollständig bleibt. Er ermöglicht es, den Konflikt auf indirektem Wege, durch die Hintertür, fortzuführen, während lediglich der Anschein von Deeskalation gewahrt wird. Solche Vereinbarungen sind weitgehend wertlos.
Israels Reaktion muss daher in diesem breiteren Kontext verstanden werden.
Israel sah sich anhaltendem Raketenbeschuss aus dem Libanon und der Präsenz einer schwer bewaffneten Gruppe an seiner Grenze gegenüber – in Verletzung der Resolution 1701 des UNO‑Sicherheitsrats, die einstimmig vom Libanon verlangte:
„drei Grundsätze – keine ausländischen Kräfte, keine Waffen für nichtstaatliche Milizen und keine von der Zentralregierung unabhängige Autorität – als entscheidend für einen dauerhaften Frieden im Libanon. Diesen Grundsätzen lag die Erkenntnis zugrunde, dass zwar der Zustrom von Waffen an terroristische Gruppen wie die Hisbollah die unmittelbarste Bedrohung für die Stabilität im Libanon darstellt, der wahre Schlüssel zu einem langfristigen Frieden jedoch eine gestärkte und handlungsfähige Zentralregierung in Beirut ist.“
Nichts davon ist natürlich eingetreten. Stattdessen hat die Hisbollah im Grunde die Kontrolle über den Libanon übernommen, ihre Dominanz über Militär und Medien gefestigt und sich ein Vetorecht über das libanesische Kabinett gesichert. Die Hisbollah positionierte sich entlang der kurzen, 80 Kilometer langen Grenze des Libanon zu Israel und stationierte rund 150.000 Raketen, die auf israelische Städte und Ortschaften gerichtet sind.
Israel handelte nach dem Angriff wenig überraschend, um die Bedrohung zu neutralisieren. Kritiker konzentrieren sich manchmal auf das Ausmaß der israelischen Operationen, doch allein das Ausmaß ist kein gültiger Maßstab für eine Bewertung. Die relevante Frage lautet: Hat ein Staat das Recht, sich gegen eine bewaffnete Gruppe zu verteidigen, die ihn angreift und offen seine Vernichtung anstrebt? Nach jedem konventionellen Verständnis internationaler Beziehungen lautet die Antwort: ja.
Die operativen Taktiken der Hisbollah ähneln denen der Hamas und anderer terroristischer Gruppen: Sie betten ihre militärische Infrastruktur in zivile Gebiete ein – verstecken Waffen, Kommandozentralen und operative Mittel in dicht besiedelten Wohnvierteln. Diese Positionierung schafft bewusst ein tragisches und beabsichtigtes Dilemma. Da die militärischen Ziele der Hisbollah in Wohnhäusern, Krankenhäusern und Schulen innerhalb ziviler Bevölkerungszentren liegen, birgt jeder Versuch, sie auszuschalten, die tragische Möglichkeit, Zivilisten unvermeidlich zu gefährden. Es ist eine Strategie, die bewusst darauf ausgelegt ist, Israels Reaktionen einzuschränken und internationale Gegenreaktionen gegen Israel zu erzeugen.
Der Einsatz militärischer Infrastruktur innerhalb einer Zivilbevölkerung verstößt gegen das humanitäre Völkerrecht und stellt ein Kriegsverbrechen dar, wenn dadurch Zivilisten bewusst gefährdet werden. Die Verantwortung für diese Kriegsverbrechen liegt eindeutig bei der Hisbollah im Libanon und der Hamas in Gaza, die sie bewusst orchestriert haben. Jegliche daraus resultierenden Opfer können nicht außerhalb dieses Kontextes beurteilt werden.
Die weltweiten Reaktionen jedoch – ungeachtet der tatsächlichen Verantwortlichen, wie geplant – folgen einem vorhersehbaren und beunruhigenden Muster. Die ersten Aggressionsakte der Hisbollah oder der Hamas erhalten keinerlei Aufmerksamkeit oder werden zweideutig dargestellt. Sobald Israel reagiert, jedoch, verschiebt sich das Narrativ dramatisch und verwandelt sich in die Behauptung: „Es begann alles damit, dass er zurückschlug!“ Darauf folgen Sympathie für die falschen Klagen, weitverbreitete Verurteilung Israels, das angegriffen wurde, und selbstgerechte, fehlgeleitete Forderungen nach Zurückhaltung. Dieses Muster kehrt Ursache und Wirkung um und konzentriert sich auf die Reaktion, während die Aggression heruntergespielt oder ignoriert wird. Ein solcher Ansatz trägt nicht zum Frieden bei; er verewigt auf subtile Weise die Verdrehung der Fakten. Möglicherweise gibt es Akteure, die nicht wollen, dass das Ergebnis des Konflikts mit den Fakten übereinstimmt.
Seit fast 80 Jahren sieht sich das kleine Israel offenen und anhaltenden Bedrohungen seiner Existenz durch die meisten der 57 Mitglieder der Organisation für Islamische Zusammenarbeit ausgesetzt, die mit Unterstützung Russlands und eines Großteils Europas agieren. Die jüngsten Angriffe aus dem Libanon – die neben der Hamas-Front im Süden eine zweite Front im Norden Israels eröffnet haben – sind ein Zustand, den kein Land tolerieren kann. Die Erwartung, Israel solle sich geschlagen geben, ist nicht nur unrealistisch, sondern widerspricht auch den für alle anderen Nationen geltenden Normen.
2024 brach die Hisbollah den Waffenstillstand mit Israel und griff 2025 auf Geheiß des Iran an. Israels Reaktion entspricht dem Vorgehen jedes souveränen Staates angesichts von Angriffen auf sein Territorium und seine Zivilbevölkerung.
Soll eine sinnvolle Diskussion über Stabilität im Nahen Osten stattfinden, muss sie mit einer ehrlichen Anerkennung dieser Realitäten beginnen. Andernfalls werden die internationalen Reaktionen das Problem weiterhin falsch darstellen, indem sie die Reaktionen kritisieren, während sie deren Ursachen übersehen – und so eher zum Konflikt als zu seiner Lösung beitragen.
Dr. Majid Rafizadeh ist Politikwissenschaftler, an der Harvard University ausgebildeter Analyst und Vorstandsmitglied der Harvard International Review. Er hat mehrere Bücher über die US‑Außenpolitik verfasst. Er ist erreichbar unter dr.rafizadeh@post.harvard.edu
- Folgen Sie Majid Rafizadeh auf X (vormals Twitter)
Erstveröffentlichung bei Gatestone Institute. Reproduktion mit freundlicher Genehmigung.

Kommentare
Selektive Empörung: Wenn die Hisbollah angreift — Keine Kommentare
HTML tags allowed in your comment: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>