Paris in Flammen: Unruhen breiten sich aus, Frankreich hält an seinen Tabus fest
Drieu Godefridi, 23. Oktober 2026, Gatestone Institute
Aus dem Englischen von Martin Christen
- Diese Ereignisse sind nicht im luftleeren Raum entstanden. Frankreich weigert sich seit langem, sich drei miteinander verflochtenen Realitäten zu stellen, die von seiner politischen Klasse wie Tabus behandelt werden: die unkontrollierte Masseneinwanderung, die wachsende Präsenz und der Separatismus des Islam sowie die unbezahlbaren Kosten der „Energiewende“ der EU.
- Was diesen Krawallen ihre Durchschlagskraft verleiht, ist die Rolle von La France Insoumise (LFI), der Partei von Jean-Luc Mélenchon, die sich seit Jahren in toxischen, pro-islamistischen Tiraden mit offen antisemitischen Untertönen ergeht.
- Die Partei scheint zu wissen, dass sie niemals an die Macht gelangen wird. Sie hat sich daher entschieden, voll und ganz auf die Politik der Revolution und des Unfriedens zu setzen, indem sie sich auf die extremsten Elemente der muslimischen Bevölkerung Frankreichs stützt und sich offen mit ihnen verbündet. In vielerlei Hinsicht ist LFI eine offen islamistische Partei.
- Natürlich sind nicht alle Muslime Islamisten. Laut Daten einer offiziellen Umfrage aus dem Jahr 2020 glauben jedoch etwa 60 % der jungen französischen Muslime, dass die Scharia Vorrang vor den Gesetzen der Französischen Republik hat – Ergebnisse, die durch spätere Umfragen Ende 2025 bestätigt wurden.
- Einwanderung, Islam und LFI sind nicht die einzigen Faktoren. Irrsinnige Energiekosten verschärfen den sozialen und fiskalischen Druck zusätzlich. Die Treibstoffpreise sind hoch genug, um den Wutbürger-Protest im Stil der Gelbwesten neu zu entfachen. Die Regierung hat darauf mit der Freigabe strategischer Dieselreserven, Preisdeckeln und gezielten Hilfen reagiert – nicht aber mit den erforderlichen strukturellen Reformen.
- Die Realität ist, dass der französische Staat weniger denn je in der Lage zu sein scheint, seine desaströsen Finanzen in Ordnung zu bringen; es droht das Risiko eines Schneeball-Effekts bei den Schuldenzinsen.
- Frankreich hat seit 1974 keinen Haushaltsüberschuss mehr erzielt; die strukturellen Treiber – hohe Ausgaben, demografischer Druck und die Weigerung, wachstumsorientierten Reformen Priorität einzuräumen – bestehen unverändert fort.
- Unterdessen verharrt Frankreich in seinen Tabus. Die wahnwitzige „Energiewende“ wird trotz des sichtbaren Widerstands gegen die steigenden Lebenshaltungskosten fortgesetzt. Eine ernsthafte Diskussion über eine gezielte Steuerung der Migration, Remigration, Assimilationsanforderungen oder die kulturellen und sicherheitspolitischen Implikationen des Islam wird durch den Konsens der Eliten sowie durch rechtliche und mediale Normen nach wie vor stark unterdrückt.
In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 2026 erlebte Frankreich einige der schwersten Rassen- und urbanen Krawalle seit Jahren. Die Sachschäden sind immens. Im Bild: Das Rathaus von Limoges, Frankreich, brennt, nachdem Randalierer es am 17. Oktober 2026 in Brand gesteckt hatten. (Foto: Lucas Destrem, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 2026 erlebte Frankreich einige der schwersten urbanen Krawalle seit Jahren. Was als größtenteils friedliche Demonstrationen gegen die hohen Lebenshaltungskosten, die gestiegenen Treibstoffpreise und den Zustand des öffentlichen Dienstes – insbesondere der Schulen – begann, artete in mehreren Städten in flächendeckende Unruhen, Brandstiftungen und Plünderungen aus. Selbst die etabliertesten Medien räumen „Kriegsszenen“ ein. Innenminister Laurent Nuñez bezifferte die Zahl der Teilnehmer landesweit auf rund 550.000 (die kommunistische Gewerkschaft CGT sprach von fast 800.000), davon etwa 110.000 in Paris. Die Polizei nahm rund 1.800 Personen fest, darunter die Rekordzahl von mehr als 1.200 in der Hauptstadt. Mehr als 900 Polizeibeamte wurden verletzt.
Frankreichs „größtenteils friedliche Demonstrationen“
Die Sachschäden sind immens. In Paris wurden Schaufenster zertrümmert (von Luxusgeschäften bis hin zu zahlreichen kleineren Läden und Privateigentum), Autos und Fahrräder in Brand gesteckt, Barrikaden aus Müllcontainern und Fahrrädern angezündet und Restaurants durch Feuer zerstört. Ganze Straßen wurden von Behördenvertretern als „verwüstet“ beschrieben. In Limoges wurde das Rathaus aus dem 19. Jahrhundert durch Brandstiftung zerstört; in Lyon wurde das Fremdenverkehrsamt in Brand gesteckt; Stadtverwaltungen und öffentliche Gebäude wurden attackiert oder beschädigt, insbesondere in Marseille, der zweitgrößten Stadt Frankreichs. Plünderungen trafen hunderte Geschäfte in Paris, Marseille, Lille, Bordeaux, Nizza und Straßburg.
Die Behörden führten diese schwerste Gewalt auf „linksextreme“ oder „ultra-linke“ Elemente zurück, denen sich opportunistische Straftäter anschlossen. Schwarz gekleidete, vermummte Gruppen lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei, die Tränengas und Wasserwerfer einsetzte. Dennoch blieben die Anweisungen und Einsatzregeln für die Gesetzeshüter überall eindeutig: vor allem keine Gewalt. Das bedeutet, dass die Randalierer die Oberhand über die Sicherheitskräfte behalten, die im Wesentlichen auf bloße Zuschauerränge degradiert sind. Das ist die Feigheit des Macron-Regimes. Mehr als 3.000 Geschäfte wurden beschädigt, der Schaden wird auf über eine Milliarde Euro geschätzt. Eine Synagoge in der Rue Burnouf im 19. Pariser Arrondissement wurde vandalisiert und verwüstet aufgefunden, religiöse Gegenstände lagen umher; die Berichte wichen voneinander ab, ob es sich um gezielten Vandalismus im Zusammenhang mit den Krawallen oder um einen Einbruchsversuch handelte (Torarollen blieben Berichten zufolge unberührt).
Die Ursachen
Diese Ereignisse sind nicht im luftleeren Raum entstanden. Frankreich weigert sich seit langem, sich drei miteinander verflochtenen Realitäten zu stellen, die von seiner politischen Klasse wie Tabus behandelt werden: die unkontrollierte Masseneinwanderung, die wachsende Präsenz und der Separatismus des Islam sowie die unbezahlbaren Kosten der „Energiewende“ der EU.
Einwanderer und ihre Nachkommen konzentrieren sich überproportional in bestimmten Banlieues und Städten, in denen die öffentlichen Dienste am stärksten belastet sind und wo bereits frühere Unruhewellen (unter anderem 2005) ihren Ursprung hatten. Frankreichs Sozialsystem, der Wohnungsbau, das Bildungswesen und die Sicherheitshaushalte stehen unter anhaltendem Druck durch hohe Zuwanderungszahlen, geringe Assimilationsraten in Teilen der Bevölkerung und die Existenz von Zonen, in denen die Autorität der Republik infrage gestellt wird. Kriminalstatistiken, die Dynamik der 751 No-go-Zonen in Frankreich und wiederkehrende Episoden jugendlicher Gewalt sind seit Jahren dokumentiert; die Plünderungen und organisierten Angriffe im Oktober folgten etablierten Mustern.
Die jüngsten Krawalle sind keineswegs eine Ausnahme; sie sind vielmehr eine weitere Episode in einer langen Reihe von Ereignissen, und viele weitere werden zweifellos folgen.
Was diesen Unruhen ihre Durchschlagskraft verleiht, ist die Rolle von La France Insoumise (LFI), der Partei von Jean-Luc Mélenchon, die sich seit Jahren in toxischen, pro-islamistischen Tiraden mit offen antisemitischen Untertönen ergeht.
Die Partei scheint zu wissen, dass sie niemals an die Macht gelangen wird. Sie hat sich daher entschieden, voll und ganz auf die Politik der Revolution und des Unfriedens zu setzen, indem sie sich auf die extremsten Elemente der muslimischen Bevölkerung Frankreichs stützt und sich offen mit ihnen verbündet. In vielerlei Hinsicht ist LFI eine offen islamistische Partei. Bei der Präsidentschaftswahl 2022 stimmten Schätzungen von Umfrageinstituten zufolge 69 % der muslimischen Wähler im ersten Durchgang für Jean-Luc Mélenchon.
Offizielle Statistiken und Erhebungen schätzen die französische muslimische Bevölkerung auf etwa 9 bis 10 Prozent der Gesamtzahl (rund 6 bis 7 Millionen Menschen) – im Vergleich zu etwa 1 Prozent in den 1960er Jahren. Daten des Institut national d’études démographiques (INSEE) zeigen, dass Muslime unter jüngeren Erwachsenen die zweitgrößte deklarierte Religionsgruppe stellen, mit weitaus höheren Raten der Religionsausübung und der generationalen Weitergabe als im Katholizismus: 91 Prozent der Einwanderer der zweiten Generation, die in muslimischen Familien aufgewachsen sind, behalten als Erwachsene ihren Glauben bei, verglichen mit deutlich geringeren Werten bei Personen mit christlichem Hintergrund. Ausgeprägte Religiosität ist unter Muslimen spürbar höher.
Natürlich sind nicht alle Muslime Islamisten. Laut Daten einer offiziellen Umfrage aus dem Jahr 2020 glauben jedoch etwa 60 % der jungen französischen Muslime, dass die Scharia Vorrang vor den Gesetzen der Französischen Republik hat – Ergebnisse, die durch spätere Umfragen Ende 2025 bestätigt wurden.
In Frankreich sind antisemitische Vorfälle in den letzten Jahren scharf angestiegen, was häufig mit islamistischen Netzwerken oder radikalisierten Jugendlichen in Verbindung gebracht wird; Vorfälle an Synagogen finden vor diesem Hintergrund statt. Der islamistische Einfluss in Nachbarschaften, Schulen und Vereinen wurde von den Sicherheitsdiensten und in Berichten des Innenministeriums wiederholt angeprangert. Die politische Linke, insbesondere La France Insoumise (LFI), hat Allianzen mit islamismusnahen oder „palästinensischen“ Strömungen gepflegt und wird regelmäßig beschuldigt, Ausschreitungen zu legitimieren oder zu instrumentalisieren.
Nicolas Sarkozy brachte es in einer privaten Bemerkung im September 2025 auf den Punkt: „Der Rassemblement National von Marine Le Pen will die Macht und wird sie erlangen; LFI will nicht die Macht – was sie will, sind Unruhe, Anarchie und Gewalt.“ Diese Krawalle und die treibende Rolle von LFI scheinen ihm recht zu geben. Ein anhaltendes Chaos dient ihrer revolutionären Ausrichtung offenbar besser als gewöhnliche Regierungsarbeit.
Einwanderung, Islam und LFI sind nicht die einzigen Faktoren. Irrsinnige Energiekosten verschärfen den sozialen und fiskalischen Druck zusätzlich. Die Treibstoffpreise sind hoch genug, um den Wutbürger-Protest im Stil der Gelbwesten neu zu entfachen. Die Regierung hat darauf mit der Freigabe strategischer Dieselreserven, Preisdeckeln und gezielten Hilfen reagiert – nicht aber mit den erforderlichen strukturellen Reformen. Frankreichs Nuklearpark bleibt zwar ein relativer Wettbewerbsvorteil, doch jahrelange grüne Transformation, Steuern, Regulierungskosten und Unterinvestitionen haben zu erhöhten Preisen und Unmut in der Bevölkerung beigetragen. Demonstranten führten die Treibstoffpreise explizit neben den Zuständen an den Schulen an.
Die Konsequenzen
Die absehbaren Folgen dieser Unruhen sind eindeutig und bereits sichtbar. Macron wird nicht zurücktreten. Er befindet sich vor den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2027 in den letzten Monaten seiner zweiten desaströsen Amtszeit. Seine Zustimmungswerte sind niedrig, doch der institutionelle Zeitplan und die politischen Anreize sprechen nicht für einen vorzeitigen Rücktritt. Die unmittelbare Haushaltslage verschlechtert sich weiter. Das öffentliche Defizit Frankreichs wird für 2026 auf rund 5,4 Prozent des BIP geschätzt (gehört zu den höchsten in der Eurozone), bei einer Verschuldung von nahe 120 Prozent des BIP. Der Haushalt von Premierminister Lecornu für 2027 visiert durch Einsparungen und Einfrierungen im Umfang von rund 54 Milliarden Euro etwa 5 Prozent an, doch die Nationalversammlung bleibt nach den vorgezogenen Neuwahlen von 2024 zersplittert. Die Realität ist, dass der französische Staat weniger denn je in der Lage zu sein scheint, seine desaströsen Finanzen in Ordnung zu bringen; es droht das Risiko eines Schneeball-Effekts bei den Schuldenzinsen.
Frühere Haushalte machten den Einsatz des Verfassungsinstruments 49.3 erforderlich, um eine Abstimmung zu umgehen (Artikel 49.3 der französischen Verfassung ist ein mächtiger Mechanismus, der es dem Premierminister ermöglicht, ein Gesetz ohne Abstimmung durch die Nationalversammlung zu bringen). Die Märkte haben die Renditen französischer Staatsanleihen deutlich nach oben getrieben. Weitere Unruhen und politische Lähmung machen eine glaubwürdige Konsolidierung schwerer, nicht leichter. Die Zinslast steigt erneut. Frankreich hat seit 1974 keinen Haushaltsüberschuss mehr erzielt; die strukturellen Treiber – hohe Ausgaben, demografischer Druck und die Weigerung, wachstumsorientierten Reformen Priorität einzuräumen – bestehen unverändert fort.
Sarkozys Beobachtung bezüglich LFI bestätigt sich in Echtzeit. Die Partei und ihre Verbündeten profitieren von der Wahrnehmung des systemischen Versagens, während sie sich der Regierungsverantwortung entziehen. Nachdem LFI jahrelang Muslime umworben und sich mit absoluter Straflosigkeit antisemitischen Stereotypen bedient hat – oft unter Komplizenschaft der übrigen Linken –, eskaliert sie ihr Verhalten mit jedem Tag weiter.
Unterdessen verharrt Frankreich in seinen Tabus. Die wahnwitzige „Energiewende“ wird trotz des sichtbaren Widerstands gegen die steigenden Lebenshaltungskosten fortgesetzt. Eine ernsthafte Diskussion über eine gezielte Steuerung der Migration, Remigration, Assimilationsanforderungen oder die kulturellen und sicherheitspolitischen Implikationen des Islam wird durch den Konsens der Eliten sowie durch rechtliche und mediale Normen nach wie vor stark unterdrückt. Marine Le Pen – eine wahrscheinliche, wenn auch keineswegs gesicherte Siegerin der kommenden Präsidentschaftswahl – hat gerade erklärt, dass der „Islam mit der Republik kompatibel“ sei. Berichten zufolge beabsichtigt sie, das Renteneintrittsalter auf 62 Jahre zu senken – in einem Land mit einer zunehmend alternden Bevölkerung, in dem, wie man sich erinnern sollte, der Staat die Renten auszahlt.
Die Wahrheit ist: Wenn Frankreich sich seinen Tabus nicht stellt, werden die Oktober-Unruhen im Rückblick wie ein Probelauf gewirkt haben.
Drieu Godefridi ist Jurist (Universität Saint-Louis, Universität de Louvain), Philosoph (Universität Saint-Louis, Universität de Louvain) und promovierte in Rechtstheorie an der Universität Paris IV-Sorbonne. Er ist Unternehmer, CEO einer europäischen privaten Bildungsgruppe und Direktor der PAN Medias Group. Er ist der Autor von „The Green Reich“ (2020).

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