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Die KGB-​Akten zum Na­hen Os­ten: Der Kampf ge­gen den Zio­nis­mus und das Welt­ju­den­tum

Ein­brü­che, Fäl­schun­gen, Schaf­fung von Front­or­ga­ni­sa­tio­nen und so­gar Bom­ben le­gen – al­le Mit­tel wa­ren ge­recht­fer­tigt in der Schlacht, die die so­wje­ti­schen Ge­heim­diens­te ge­gen die zio­nis­ti­sche Be­we­gung, die Aus­wan­de­rung von Ju­den aus der UdSSR und die be­deu­tends­ten jü­di­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen der Welt führ­te. Klas­si­fi­zier­te Do­ku­men­te zei­gen nun, dass die Ge­heim­dienst­chefs den Zio­nis­mus als ei­ne ech­te Be­dro­hung für das so­wje­ti­sche Im­pe­ri­um sa­hen und al­les in ih­rer Macht ste­hen­de da­ge­gen ta­ten.

Ro­nen Berg­man, 1.12.2016, YnetNews.com

Der jü­di­sche Welt­kon­gress

Im Ja­nu­ar 1972 trat die Ope­ra­ti­on Si­mon in die End­pha­se. Ein Team von Dienst A, ei­ne Schlüs­selab­tei­lung in der ers­ten Ge­ne­ral­di­rek­ti­on des KGB (die für die Be­schaf­fung von Ge­heim­dienst­in­for­ma­tio­nen und Son­der­ope­ra­tio­nen au­ßer­halb der UdSSR ver­ant­wort­lich war) reis­te nach Pa­ris, um In­for­ma­tio­nen zu sam­meln vor der Ope­ra­ti­on. Dienst A war un­ter an­de­rem für die Ope­ra­tio­nen ge­gen zio­nis­ti­sche und jü­di­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­ant­wort­lich, ein The­ma von größ­ter Be­deu­tung für den all­mäch­ti­gen KGB-​Chef Ju­ri An­dro­pow.

Im Glos­sar des so­wje­ti­schen Ge­heim­diens­tes trifft die Ope­ra­ti­on Si­mon auf die De­fi­ni­ti­on von „ak­ti­ven Maß­nah­men” zu. Ih­re prak­ti­sche Be­deu­tung war „dar­auf ge­rich­tet, nütz­li­che Ein­flüs­se auf As­pek­te des In­ter­es­ses im po­li­ti­schen Le­ben ei­nes Ziel­lan­des ein­schließ­lich sei­ner Au­ßen­po­li­tik aus­zu­üben; Die Lö­sung in­ter­na­tio­na­ler Pro­ble­me; Ir­re­füh­rung des Geg­ners; Un­ter­gra­ben und Schwä­chen der Po­si­tio­nen des Geg­ners.”

Ope­ra­ti­on Si­mon be­inhal­te­te die ge­hei­me In­fil­tra­ti­on der Bü­ros des Jü­di­schen Welt­kon­gress (WJC) in Pa­ris und das Ko­pie­ren von in­ter­nem Ma­te­ri­al – zu­meist Un­ter­la­gen über die Mit­glie­der der gro­ßen in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­ti­on -, um sei­ne Bin­dun­gen zu an­de­ren ent­schei­den­den jü­di­schen Or­ga­ni­sa­ti­on ab­zu­bil­den. Die Über­wa­chung der Zen­tra­le im Her­zen der Stadt der Lich­ter durch die Rus­sen zeig­te, dass die Mit­ar­bei­ter kei­ner­lei Ge­fahr spür­ten. Wäh­rend die Be­dro­hung durch den glo­ba­len Ter­ro­ris­mus zu die­ser Zeit be­reits ge­stie­gen war, hat­te nie­mand im WJC sich die Mü­he, ein Alarm­sys­tem zu in­stal­lie­ren oder die Bü­ros nachts zu be­wa­chen. Ein KGB-​Team er­hielt von ei­nem der Mit­ar­bei­ter ei­nen Schlüs­sel für die Ein­gangs­tür und ko­pier­te ihn.

Der jüdische Weltkongress in Genf 1953.

Der jü­di­sche Welt­kon­gress in Genf 1953.

Und so kam am 12. Fe­bru­ar ein KGB-​Mitarbeiter nach Pa­ris, um die Mis­si­on durch­zu­füh­ren. Sein Spitz­na­me war Chub, was auf rus­sisch „ein Ko­sa­ken­stoß” be­deu­tet. So­wje­ti­scher Geheimdienst-​Humor, an­schei­nend.

Chub in­fil­trier­te das Ge­bäu­de ganz leicht durch den Haupt­ein­gang. Er ar­bei­te­te die gan­ze Nacht und fo­to­ko­pier­te ei­ne gro­ße An­zahl von Do­ku­men­ten. Die Beu­te war be­ein­dru­ckend: Ei­ne Lis­te der 20.000 Un­ter­stüt­zer des WJC in Frank­reich, ein­schließ­lich ih­rer Na­men, Adres­sen und In­for­ma­tio­nen über die Spen­den, die je­der von ih­nen der Or­ga­ni­sa­ti­on gab, so­wie die Na­men von 3.000 Abon­nen­ten in 55 Län­dern von In­for­ma­ti­on Jui­ve – ei­ne Zei­tung für die fran­zö­sisch­spra­chi­ge jü­di­sche Ge­mein­de.

Chub über­gab das Ma­te­ri­al rasc der so­wje­ti­schen Bot­schaft in Pa­ris und kehr­te am sel­ben Tag mit ei­nem ge­fälsch­ten Pass nach Wien zu­rück. Das Ma­te­ri­al er­reich­te den Schreib­tisch von Ge­ne­ral Ni­ko­lai Ko­sov An­to­no­vich, der für Dienst A ver­ant­wort­lich war. Die Ope­ra­ti­on, wie sich spä­ter her­aus­stell­te re­la­tiv ein­fach, aber nicht ri­si­ko­frei. Je­den­falls mach­te sie klar, wie sehr An­dro­pow jü­di­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen sa­bo­tie­ren woll­te.


Ope­ra­ti­on Si­mon war nur ein Vor­spiel für die ei­gent­li­che Sa­che.

Im dar­auf­fol­gen­den Jahr ar­bei­te­ten die KGB-​Experten zu­sam­men, um das Ma­te­ri­al zu ana­ly­sie­ren, das Chub ge­stoh­len hat­te, was zur Pla­nung ei­ner brei­ten Ope­ra­ti­on führ­te. Am 4. Ja­nu­ar 1973 stell­te Ko­sov sei­ne ge­plan­te Rei­he von Ope­ra­ti­onsen sei­nem Vor­ge­setz­ten An­dro­pov vor, der ihn am nächs­ten Tag ge­neh­mig­te, und die Ope­ra­ti­on war kurz da­nach im Gan­ge.

Das KGB schuf ei­ne gan­ze Rei­he an­spruchs­vol­ler Fäl­schun­gen auf der Grund­la­ge des ge­stoh­le­nen Ma­te­ri­als und der Kontakt- und Mit­glie­der­lis­ten. Das Ziel war es, in­ter­ne Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zu sä­en und ei­nen Riss zwi­schen den jü­di­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen zu schaf­fen, sie mög­lichst mit in­ter­nen Que­re­len zu be­schäf­ti­gen und den Ver­dacht zu ver­tie­fen, dass sie sich ge­gen­sei­tig Geld stah­len.

Dienst A schuf ei­ne neue fik­ti­ve jü­di­sche Or­ga­ni­sa­ti­on, Uni­on der jun­gen Zio­nis­ten – ein Na­me, der ei­ni­gen ver­traut klin­gen mag. Die Er­mitt­lun­gen und Un­ter­su­chun­gen vor der Ope­ra­ti­on er­ga­ben, dass es ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on mit die­sem Na­men gab, die in Po­len in den 1930er und 1940er Jah­ren ak­tiv war.

Die fik­ti­ve Or­ga­ni­sa­ti­on schick­te voll­stän­dig fa­bri­zier­te Do­ku­men­te an Adres­sen von Mit­glie­dern, die in den Do­ku­men­ten ge­fun­den wur­den, die aus dem WJC-​Hauptquartier ge­stoh­len wor­den wa­ren. Die fa­bri­zier­ten Do­ku­men­te be­schul­dig­ten WJC-​Mitglieder, rie­si­ge Men­gen von Spen­den zu ver­heim­li­chen, die Is­ra­el er­rei­chen soll­ten und statt­des­sen ih­ren Weg in ih­re ei­ge­nen Ta­schen fan­den.

Die zio­nis­ti­sche Welt­or­ga­ni­sa­ti­on (WZO) und ihr ope­ra­ti­ver Arm, die Je­wish Agen­cy, wa­ren ge­mäss den fa­bri­zier­ten Do­ku­men­ten eben­falls an der Ver­un­treu­ung be­tei­ligt.

Sie ent­hüll­ten fer­ner ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen dem WJC und ra­di­ka­len jü­di­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen, die zu je­ner Zeit an­ti­se­mi­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten in den west­li­chen Na­tio­nen an­sporn­ten, um die Ein­wan­de­rung nach Is­ra­el zu för­dern.

Ein Mann, der wäh­rend die­ser Jah­re in ei­ner Füh­rungs­rol­le im WJC in Pa­ris ar­bei­te­te und den ich vor kur­zem dort traf, sag­te mir: „Es war uns klar, dass sich je­mand in un­se­re An­ge­le­gen­hei­ten ein­misch­te. Plötz­lich er­hiel­ten wir Feed­back von zahl­rei­chen Un­ter­stüt­zern, Freun­den und Spen­dern, die Ant­wor­ten ver­lang­ten, ei­ni­ge mit har­schen Wor­ten. Sie woll­ten wis­sen, was mit ih­ren Spen­den pas­siert war. Wir er­kann­ten, dass wir mit ei­ner ernst­haf­ten Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne über­zo­gen wur­den. Die Ge­rüch­te, die Vor­wür­fe, die Ge­schich­ten über Dieb­stahl – al­les hat uns gro­ßen Scha­den zu­ge­fügt. Es gab ei­nen star­ken Rück­gang der Spen­den ne­ben ei­ner At­mo­sphä­re des Ver­dachts. Ei­ni­ge ver­mu­te­ten den fran­zö­si­schen Ge­heim­dienst, wäh­rend an­de­re die Rus­sen ver­mu­te­ten, aber die Mehr­heit glaub­te wirk­lich, dass es ei­ne kon­kur­rie­ren­de Or­ga­ni­sa­ti­on war, die ver­such­te, un­se­ren Platz ein­zu­neh­men. Das wa­ren sehr un­an­ge­neh­me Ta­ge.”

Ha­ben Sie bei der Po­li­zei ei­ne An­zei­ge ein­ge­reicht?

„Ich war nicht in Fra­gen der Si­cher­heit in­vol­viert, aber ich glau­be nicht, dass wir das ge­tan ha­ben. Die da­durch ver­ur­sach­te Pein­lich­keit, dass je­mand so viel An­stren­gung in die Schaf­fung ei­nes Net­zes von Lü­gen über uns in­ves­tie­ren wür­de, oder die Pein­lich­keit, die die Un­ter­su­chung der An­schul­di­gun­gen in den Brie­fen ver­ur­sa­chen wür­de, war so groß, dass die Ver­ant­wort­li­chen be­schlos­sen, die An­ge­le­gen­heit zu schub­la­di­sie­ren.”

Im Ok­to­ber 1973 nutz­te das KGB In­for­ma­tio­nen, die es in Ope­ra­ti­on Si­mon er­hielt, um ei­ne wei­te­re Ver­leum­dung zu ver­brei­ten: Es schuf ei­ne an­de­re Front­or­ga­ni­sa­ti­on, dies­mal ei­ne fran­zö­si­sche pro-​Israel-​Organisation, die an­geb­lich am Mord an ei­nem Ver­wand­ten des da­ma­li­gen fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Valé­ry Gis­card D’Estaing be­tei­ligt war. Der Mord, nach der nicht exis­tie­ren­den Or­ga­ni­sa­ti­on, war ei­ne Ver­gel­tung für die Ver­fol­gung ei­ner Grup­pe jü­di­scher Fi­nan­ziers durch den fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten und für sei­ne ge­gen Is­ra­el ge­rich­te­ten Po­li­tik.

„Das Mos­kau­er Zen­trum war be­ses­sen von der ‚zio­nis­ti­schen Sub­ver­si­on’ ge­gen die So­wjet­uni­on”, sag­te mir Prof. Chris­to­pher An­drew, der His­to­ri­ker der bri­ti­schen Ge­heim­diens­te.

„Bis zu dem Punkt, dass sie nicht ver­stan­den, wie lä­cher­lich es war, zu ver­su­chen, den Mord mit Is­ra­el und dem Zio­nis­mus ver­knüp­fen und dass es kei­ne Chan­ce gab, dass die Men­schen die­se Ge­schich­te glau­ben wür­den. Ob­wohl die­se Ver­leum­dung ver­mut­lich kei­nen Scha­denn an­rich­te­te und trotz­dem weit von Mos­kaus ur­sprüng­li­chem Ziel ent­fernt war, „ak­ti­ve Schrit­te” ge­gen das Welt­ju­den­tum und den Zio­nis­mus zu un­ter­neh­men, sa­hen sie den gan­zen Streich im­mer noch als gro­ßen Er­folg an und wa­ren sehr stolz dar­auf.”

Ei­ne Ge­fahr für den Welt­frie­den

Ka­pi­tel eins der „KGB-​Nahost-​Akten”, ei­ne spe­zi­el­le Se­rie von Ar­ti­keln, die In­for­ma­tio­nen aus Tau­sen­den von KGB-​Dokumenten, die in den frü­hen 1990er Jah­ren in den Wes­ten ge­schmug­gelt wor­den wa­ren ans Licht brin­gen, er­zählt die Ge­schich­te, wie Va­si­li Mitrok­hin sei­ne Füh­rungs­po­si­ti­on als Stell­ver­tre­ten­der Chef­ar­chi­var der Agen­tur ein­setz­te, um die streng ge­hei­men Do­ku­men­te zu ko­pie­ren – wo­bei die So­wjets nicht klü­ger wa­ren.

Vasili Mitrokhin

Va­si­li Mitrok­hin

Die­se Do­ku­men­te hal­fen, ei­ni­ge 1000 KGB-​Agenten welt­weit zu ent­lar­ven und un­zäh­li­ge ver­deck­te Spio­na­ge­ope­ra­tio­nen auf­zu­de­cken. Dar­über hin­aus wur­den in Zu­sam­men­ar­beit mit Mitrok­hin zwei Bü­cher her­aus­ge­ge­ben von Prof. Chris­to­pher An­drew. Den­noch schaff­te es nur ein Teil der In­for­ma­tio­nen, die sie ent­hal­ten, tat­säch­lich nach Is­ra­el. Tat­säch­lich bleibt vie­les in die­ser gro­ßen Fül­le von In­for­ma­tio­nen über die Tä­tig­keit des KGB im jü­di­schen Staat und sei­ne Ein­stel­lung zum Welt­ju­den­tum und Zio­nis­mus ge­heim.

Die Mitrokhin-​Dokumente wur­den vor kur­zem ins Chur­chill Col­le­ge in Cam­bridge ver­legt. In den ver­gan­ge­nen sechs Mo­na­ten ha­ben wir dar­an ge­ar­bei­tet, sie zu durch­su­chen, zu über­set­zen und das Ma­te­ri­al mit an­de­ren ver­füg­ba­ren In­for­ma­tio­nen und Quel­len zu ver­bin­den.

Die Mitrokhin-Dokumente am Churchill College in Cambridge

Die Mitrokhin-​Dokumente am Chur­chill Col­le­ge in Cam­bridge

Im ers­ten Teil der Se­rie ver­öf­fent­lich­ten wir ei­ne Lis­te von Agen­ten, die nach den Mitrokhin-​Dokumenten in Is­ra­el ak­tiv wa­ren, dar­un­ter Na­men von Knesset-​Mitgliedern, Me­di­en­per­sön­lich­kei­ten, lei­ten­de In­ge­nieu­re in sen­si­blen Pro­jek­ten und Top-​Offiziere der IDF.

Der zwei­te Teil un­se­rer Ar­ti­kel­rei­he über die Mitrokhin-​Dokumente ent­hüll­te die ge­hei­men Be­zie­hun­gen zwi­schen dem KGB und den pa­läs­ti­nen­si­schen Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen.

Im drit­ten Teil der Rei­he zei­gen die Mitrokhin-​Dokumente, dass Ope­ra­ti­on Si­mon und die dar­aus ab­ge­lei­te­ten Ope­ra­tio­nen nur ei­ne Schlacht des Krie­ges wa­ren, den das KGB ge­gen das Welt­ju­den­tum und die Zio­nis­ti­sche Be­we­gung führ­te. Wäh­rend im In­land die Zwei­te Ge­ne­ral­di­rek­ti­on, die für die in­ne­re Si­cher­heit zu­stän­dig war, ge­gen die „Re­fu­se­niks” – die Be­we­gung der jü­di­schen Emi­gra­ti­on aus der UdSSR – kämpf­te, war die Ers­te Ge­ne­ral­di­rek­ti­on da­mit be­schäf­tigt, ei­nen jah­re­lan­gen Krieg mit zahl­rei­chen Ar­beits­kräf­ten und un­be­grenz­ten Mit­teln ge­gen al­le gro­ßen jü­di­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen der Welt zu kämp­fen.

Die KGB- und Po­lit­bü­ro­köp­fe sa­hen die zio­nis­ti­schen und jü­di­schen Be­we­gun­gen als ei­ne kla­re, un­mit­tel­ba­re und ech­te Ge­fahr für den Welt­frie­den und für die In­te­gri­tät des so­wje­ti­schen Im­pe­ri­ums – „ei­ne Ge­fahr, die ge­gen­über dem Haupt­feind, den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, nur ge­ra­de den zwei­ten Platz auf der Rang­lis­te ein­nahm” Und so weit ge­holt, wie dies klin­gen mag, glaub­ten sie tat­säch­lich an die Pro­to­kol­le der Äl­tes­ten von Zi­on und wa­ren si­cher, dass die Ju­den zu al­lem fä­hig wa­ren.

Jen­seits des his­to­ri­schen In­ter­es­ses an Ge­schich­ten über den Krieg des KGB ge­gen das Welt­ju­den­tum ist es wich­tig zu be­ach­ten, dass Russ­land der­zeit von den Ab­sol­ven­ten der Agen­tur kon­trol­liert wird. An­ge­sichts der Ver­schwö­run­gen der Rus­sen, der Lü­gen und der phan­ta­sie­vol­len und un­ethi­schen Trümp­fe sind die Ver­mu­tun­gen, dass Mos­kau ver­such­te, die jüngs­ten US-​Wahlen zu be­ein­flus­sen oder die Internet-​Server des Wes­tens zur Stre­cke zu brin­gen, auf je­den Fall ver­ständ­lich.

Yaa­kov Ked­mi, der Na­tiv vor­stand – ei­ne is­rae­li­sche Ge­heim­dienst­or­ga­ni­sa­ti­on, die den ge­hei­men Kon­takt mit Ju­den un­ter­hielt, die im Ost­block wäh­rend des Kal­ten Krie­ges leb­ten und die Ein­wan­de­rung nach Is­ra­el för­der­ten – und der als ei­ner der füh­ren­den Ex­per­ten im Ver­ständ­nis der so­wje­ti­schen In­tel­li­genz gilt, sag­te mir, „die Per­spek­ti­ve der Füh­rung in der UdSSR und des KGB be­ruh­te auf der Vor­stel­lung, dass das Welt­ju­den­tum ei­ne äu­ßerst erns­te Ge­fahr sei. Sie glaub­ten, dass ih­re Ope­ra­ti­ons­zen­tra­le in den USA sei und dass es von dort aus dort den Staat Is­ra­el kon­trol­lie­re, wie auch die ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schaft und das Fi­nanz­sys­tem so­wie das Handels- und Fi­nanz­sys­tem der Welt.”

Im Jahr 1992, nach dem Un­ter­gang des so­wje­ti­schen Im­pe­ri­ums, star­te­te Na­tiv ei­ne ge­hei­me Ope­ra­ti­on, um Zu­gang zu Kon­tak­ten in der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on zu er­hal­ten und Zehn­tau­sen­de von Do­ku­men­ten von Na­tio­nen zu er­gat­tern, die einst hin­ter dem Ei­ser­nen Vor­hang la­gen.

„Wir konn­ten ler­nen, wie gut das KGB Is­ra­el und was dort ge­schah kann­te, so­wie die Be­deu­tung, die die Or­ga­ni­sa­ti­on der zio­nis­ti­schen Be­we­gung und dem Welt­ju­den­tum zu­ge­schrie­ben hat”, sagt Ked­mi. „Die Agen­tur sah es als ei­nen wich­ti­gen Feind, wenn nicht als Haupt­feind. Der har­te an­ti­jü­di­sche An­satz wur­de von An­dro­pow mehr als von je­dem an­de­ren ge­prägt. Der pri­mä­re Grund für die­sen An­satz war per­sön­lich: An­dro­pow war nicht ein vier­tel jü­disch, ein drit­tel jü­disch oder halb jü­disch. Er war jü­disch, Punkt. Ich hör­te es von äl­te­ren KGB-​Leuten. An­dro­pow wuss­te, dass die Füh­rung der Par­tei sich des­sen be­wusst war, und ei­ni­ge von ih­nen wa­ren mit an­ti­se­mi­ti­schen ras­sis­ti­schen Ein­stel­lun­gen in­fi­ziert. Um zu be­wei­sen, daß er von sei­ner jü­di­schen Ab­stam­mung un­be­ein­flußt war und daß er in die­ser Sa­che echt rein war, be­gab er sich auf die ra­di­kals­te Li­nie.”

KGB-Chef und späterer Führer der Sowjetunion Andropow

KGB-​Chef und spä­te­rer Füh­rer der So­wjet­uni­on An­dro­pow

Is­ra­els en­ge Be­zie­hun­gen zu den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ha­ben die Sa­che nur noch ver­schärft. „Die Rus­sen wuss­ten sehr gut, dass Da­vid Ben-​Gurion ei­ne kla­re ame­ri­ka­ni­sche Nei­gung hat­te und dass Is­ra­el sei­ner Mei­nung nach al­les tun soll­te, um Teil des west­li­chen Blocks zu sein und ein Ver­tei­di­gungs­bünd­nis mit den USA zu un­ter­zeich­nen. Sie sa­hen, wie die Ame­ri­ka­ner Is­ra­el für den Be­ginn des Sechs­ta­ge­krie­ges ent­schul­dig­ten, ihm für den Bau des Atom­re­ak­tors in Di­mo­na ver­ga­ben und ihn igno­rier­ten, Is­ra­el mit Waf­fen und Hilfs­gü­tern un­ter­stütz­ten wäh­rend des Krie­ges im Ok­to­ber 1973. Sie ent­deck­ten, wie stark der Ein­fluss der Ju­den war in US-​Wahlkampagnen. In ih­ren Ge­sprä­chen mit nicht­jü­di­schen wich­ti­gen ame­ri­ka­ni­schen Be­am­ten hör­ten sie wie­der­holt Be­schwer­den über den ei­nen oder an­de­ren Be­am­ten, der nicht in der La­ge war, et­was zu tun, weil die Ju­den ihm im We­ge stan­den.

„Für die Rus­sen war die US-​Israel-​Beziehung ei­ne na­tür­li­che Sym­bio­se im west­li­chen Im­pe­ria­lis­mus, die ge­gen sie ar­bei­te­te. Das ei­ne ist ei­ne Fort­set­zung des an­de­ren. Die Fra­gen, wer mit wes­sen Schwanz we­delt und wie der Schwanz den Hund kon­trol­liert, wa­ren in ih­ren Au­gen rein se­man­tisch.”

Vor­sicht Mat­zah Lie­fe­rung

Ge­treu sei­nem pa­ra­noi­den Ver­hal­ten ord­ne­te An­dro­pow dem KGB gro­ße An­stren­gun­gen bei der Über­wa­chung der Be­zie­hun­gen zwi­schen so­wje­ti­schen Ju­den und dem Welt­ju­den­tum an. So­gar ei­ne Matzah-​Lieferung von jü­di­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen im Aus­land an ih­re Brü­der in der UdSSR er­schien als sehr ge­fähr­li­che sub­ver­si­ve Tat.

Vla­di­mir Bu­kovs­ky, ein rus­si­scher Op­po­si­tio­nel­ler, der vie­le Jah­re in KGB Ver­neh­mun­gen und im Ge­fäng­nis ver­brach­te, kehr­te An­fang der 1990er Jah­re als His­to­ri­ker in die So­wjet­uni­on zu­rück und schaff­te es, vie­le Do­ku­men­te im Kreml-​Archiv zu fo­to­ko­pie­ren. Er ent­deck­te dort ei­ne Tran­skrip­ti­on ei­nes streng ge­hei­men Be­richts, den An­dro­pow dem Po­lit­bü­ro im März 1975 un­ter­brei­tet hat­te, in dem er sag­te: „Die Aus­lie­fe­rung die­ser Pa­ke­te (der Mat­zah) ver­schärft die ne­ga­ti­ven Pro­zes­se deut­lich, die die jü­di­sche Be­völ­ke­rung in der UdSSR durch­macht, stärkt Ih­re na­tio­na­lis­ti­schen Ge­füh­le und ih­re Un­ter­stüt­zung der Aus­wan­de­rung (in den Wes­ten). Der KGB glaubt, dass die Mat­zah, die aus dem Aus­land kom­men, so­fort be­schlag­nahmt wer­den müs­sen.”

Die Or­ga­ni­sa­ti­on al­lo­zier­te tech­no­lo­gi­sche Res­sour­cen und viel Ar­beits­kraft, um Te­le­fon­ge­sprä­che zwi­schen lo­ka­len Ju­den und Ju­den im Rest der Welt zu über­wa­chen. Als sich die so­wje­ti­schen Ju­den über die Dis­kri­mi­nie­rung be­klag­ten und die UdSSR ne­ga­tiv dar­stell­ten, un­ter­nahm der KGB gro­ßem An­stren­gun­gen, um die te­le­fo­ni­schen Ver­bin­dun­gen zu kap­pen zwi­schen den „na­tio­na­lis­ti­schen Ju­den” in der UdSSR und den „aus­län­di­schen Ele­men­ten, die sie un­ter­stüt­zen” – mit an­de­ren Wor­ten, zio­nis­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen in der Welt.

Im Ju­ni 1975 in­for­mier­te An­dro­pow mit gro­ßer Ge­nug­tu­ung, dass es der Or­ga­ni­sa­ti­on ge­lun­gen sei, Te­le­fo­na­te zu ver­hin­dern oder zu tren­nen, ob­wohl die Ju­den ver­sucht hät­ten, sie mit nicht­jü­di­schen Na­men zu über­lis­ten, in­dem sie öf­fent­li­che Te­le­fo­ne nut­zen oder di­rekt statt durch Ver­mitt­lungs­stel­len wäh­len wür­den. An­dro­pow prahl­te, dass durch die Un­ter­bin­dung der Te­le­fon­ge­sprä­che der so­wje­ti­schen Ju­den mit dem Aus­land die Agen­tur „er­heb­li­chen Scha­den für die zio­nis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen der Welt” ver­ur­sacht ha­be.

Der KGB sah die USA als das glo­ba­le Zen­trum des Ju­den­tums und da­mit als Ort, um in gro­ße An­stren­gun­gen zu in­ves­tie­ren. Auf der an­de­ren Sei­te ha­ben die USA al­les ge­tan, um den KGB dar­an zu hin­dern, in sei­nem Ter­ri­to­ri­um zu ope­rie­ren. Den­noch wur­den in den USA ei­ni­ge Ope­ra­tio­nen durch­ge­führt, um den Na­men der jü­di­schen Ge­mein­de in den Schmutz zu zie­hen und ei­nen Kon­flikt zwi­schen den Ju­den und an­de­ren Be­ob­ach­tern zu pro­du­zie­ren.

Zum Bei­spiel wähl­te der KGB die jü­di­sche Verteidigungs-​Liga (JDL), die vom ex­trem rechts­ra­di­ka­len Ak­ti­vis­ten Rab­bi Meir Ka­ha­ne ge­führt wur­de, um ih­nen un­be­wusst mit die­ser „ak­ti­ven Maß­nah­me” zu hel­fen. Das JDL hat ver­sucht, ge­gen so­wje­ti­sche Zie­le vor­zu­ge­hen als Pro­test ge­gen die Hal­tung der UdSSR ge­gen­über den Ju­den, was sie zu ei­nem Ziel für die Rus­sen mach­te. Der KGB führ­te in­ten­si­ve Spio­na­ge­ak­ti­vi­tä­ten ge­gen die JDL, sei­ne Be­triebs­me­tho­den und die Spra­che, die sie ver­wen­de­te, um Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men.

Kahane arrested during a 1979 protest in front of the Soviet Embassy in the US against the USSR's treatment of Jews

Ge­mäss den Mitrokhin-​Dokumenten sand­te der KGB im Sep­tem­ber 1969 und dann noch ei­ni­ge Mo­na­te spä­ter im Na­men der JDL Droh­brie­fe an meh­re­re Ver­tre­ter der ara­bi­schen Staa­ten in den Ver­ein­ten Na­tio­nen und droh­te da­mit, Ter­ror­an­grif­fe ge­gen die ara­bi­schen Di­plo­ma­ten aus­zu­üben als Ra­che für pa­läs­ti­nen­si­sche Ter­ror­ak­te ge­gen Is­ra­el und Ju­den.

Das Ziel war, dass die Brie­fe viel Zorn aus­lös­ten, nicht nur un­ter den Ara­bern, son­dern auch un­ter UNO-​Führern und den US-​Strafverfolgungsbehörden, da dies auf ih­rem Bo­den ge­schah. In der Tat wand­te sich die UNO als Re­ak­ti­on auf die Brie­fe  an die is­rae­li­sche di­plo­ma­ti­sche Mis­si­on und for­der­te Maß­nah­men ge­gen die JDL, wäh­rend das FBI sei­ne Ope­ra­tio­nen ge­gen die Grup­pe ver­stärk­te.

Aber der Hö­he­punkt die­ser Tä­tig­keit war ein Ver­such, ei­nen Keil zwi­schen die Ju­den und die Schwar­zen in Ame­ri­ka zu trei­ben. Am 25. Ju­li 1971 be­fahl Ana­to­li Ki­re­ev, der für Ope­ra­tio­nen in den USA ver­ant­wort­lich war, der KGB-​Niederlassung in New York die Ope­ra­ti­on Pan­do­ra zu star­ten. Als Teil der Ope­ra­ti­on wur­de ei­ne Rei­he Spreng­bom­ben in afrikanisch-​amerikanischen Nach­bar­schaf­ten in New York und in ei­nem „schwar­zen” Col­le­ge ge­pflanzt. Nach ih­rer De­to­na­ti­on, die kei­nen be­deu­ten­den Scha­den ver­ur­sach­te, be­an­spruch­ten die KGB-​Verantwortlichen die Ver­ant­wor­tung zu­han­den der JDL. In „schwar­zen” Be­rei­chen ver­teil­te Bro­schü­ren be­schrie­ben die „Ver­bre­chen”, die an­geb­lich vom JDL be­gan­gen wur­den, und rie­fen nach Ra­che. Dar­über hin­aus gab der KGB Bro­schü­ren für die Par­tei der na­tio­na­len Wie­der­ge­burt heaus, ei­ne Grup­pe an­geb­li­cher wei­ßer Na­tio­na­lis­ten, die Ame­ri­ka­ner auf­for­der­ten, Ame­ri­ka von den Ju­den zu ret­ten.

Ei­ni­ge sa­gen, dass die Ope­ra­tio­nen des KGB ge­gen die JDL der letz­te Stroh­halm wa­ren, so­weit es Ka­ha­ne be­traf, und der Druck, der auf ihm und sei­ne Be­we­gung durch das FBI aus­ge­übt wur­de, wur­de zu viel für ihn. Im Sep­tem­ber 1971 ver­ließ er die USA und wan­der­te nach Is­ra­el aus.

„Nach der Art, wie der KGB es sah,” sagt Yaa­kov Ked­mi, „war das sich Ein­las­sen mit der JDL und der schwar­zen Ge­mein­schaft, um blu­ti­ge Kon­flik­te zu schaf­fen, ei­ne sehr na­tür­li­che Sa­che. Die Wahr­heit ist, dass die Ju­den die schwar­ze Füh­rung in den USA enorm un­ter­stütz­ten.

„Die JDL han­del­te ge­gen die UdSSR. So­weit es die So­wjets be­traf, war es wie das Er­wi­schen von zwei Flie­gen mit ei­ner Klap­pe – so­wohl die Ra­che an der JDL als auch die Ver­ant­wor­tung für die An­grif­fe auf die Schwar­zen und die Tren­nung zwi­schen den Ju­den und den Schwar­zen, um die schwar­ze Re­vol­te ge­gen die Haupt­re­gie­rung in Wa­shing­ton zu för­dern „, fügt Ked­mi hin­zu.

Ver­zö­ge­rung der Aus­wan­de­rung der Ju­den

Nach den Mitrokhin-​Dokumenten war 1975 die KGB-​Niederlassung in New York stark dar­an be­tei­ligt, rus­si­sche und ara­bi­sche Di­plo­ma­ten beim Stim­men­fang für die Re­so­lu­ti­on der UNO-​Generalversammlung zu un­ter­stüt­zen, die ent­schied, dass der Zio­nis­mus Ras­sis­mus sei.

Im Jahr 1976 in­iti­ier­te An­dro­pov ei­ne Rei­he von ge­hei­men Maß­nah­men, die der KGB un­ter der glo­ba­len di­plo­ma­ti­schen Ge­mein­schaft un­ter­neh­men wür­de, um für die Er­nen­nung ei­nes Son­der­aus­schus­ses zur Un­ter­su­chung des Zio­nis­mus, ähn­lich dem UNO-​Komitee ge­gen die Apart­heid, zu pu­shen. Die ara­bi­schen Staa­ten, un­ter der Lei­tung des da­ma­li­gen sy­ri­schen Prä­si­den­ten Ha­fez As­sad, be­schlos­sen schließ­lich, den Aus­schuss nicht zu för­dern.

Ab Mit­te der 70er Jah­re wur­de die UdSSR-​Politik zur jü­di­schen Emi­gra­ti­on nach Is­ra­el ver­här­tet. Es gab meh­re­re Grün­de für die stren­ge­re Po­li­tik: Zu­nächst ein­mal wur­de An­dro­pow stär­ker und fing an, als vol­les Mit­glied des Po­lit­bü­ros zu die­nen.

Zwei­tens ver­ab­schie­de­te der Ame­ri­ka­ni­sche Kon­gress 1975 ei­ne Än­de­rung des USA-​UdSSR Han­dels­ge­set­zes („Jackson-​Vanik”), die Ver­bes­se­run­gen der Men­schen­rechts­po­li­tik der UdSSR als Vor­aus­set­zung für ei­ne mög­li­che Lo­cke­rung der Han­dels­be­schrän­kun­gen in den USA vor­schrieb. Miss­trau­isch wie im­mer wa­ren die Be­am­ten des KGS über­zeugt, dass das Welt­ju­den­tum hin­ter dem Än­de­rungs­an­trag stand, so dass sich die Men­schen­rechts­po­li­tik der So­wjet­uni­on nicht bes­ser­te und die Be­schrän­kun­gen für Ju­den nicht ge­lo­ckert wur­den.

Ein drit­ter Grund war das Rin­gen der so­wje­ti­schen Ju­den um die Ein­wan­de­rung nach Is­ra­el, zu der auch sub­ver­si­ve Ope­ra­tio­nen jü­di­scher Ele­men­te ge­gen die So­wjets und die Ame­ri­ka­ner ge­hör­ten, die Ein­wan­de­rungs­ge­neh­mi­gun­gen zur Spal­tung der UdSSR nutz­ten.

„Der KGB er­kann­te, dass es ein Schlüs­sel­ele­ment hin­ter die­ser in­ter­na­tio­na­len Kam­pa­gne gab (Ju­den zu hel­fen, die UdSSR zu ver­las­sen und nach Is­ra­el aus­zu­wan­dern) – das Nativ-​Verbindungsbüro”, sagt Ked­mi, der als Ope­ra­ti­ons­bü­ro von Na­tiv be­gann und spä­ter Lei­ter der Or­ga­ni­sa­ti­on wur­de .

Was ha­ben Sie ge­tan, um sie so zu ver­är­gern?

„Auf wen sind wir nicht zu­ge­gan­gen, und wen ha­ben wir nicht ge­gen sie ins Feld ge­führt – von be­rühm­ten Schrift­stel­lern über In­tel­lek­tu­el­le, Po­li­ti­ker, Bot­schaf­ter und Schau­spie­ler. Sie wa­ren über­rascht, zu er­fah­ren, dass ein Füh­rer in ei­nem der zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Län­der, der tat­säch­lich ei­ner der kom­mu­nis­ti­schen Füh­rer in die­sem Land war, den so­wje­ti­schen Bot­schaf­ter scham­los un­ter Druck ge­setzt hat­te, den Ju­den zu er­lau­ben, zu ge­hen. Sie ent­deck­ten plötz­lich ei­ne star­ke Or­ga­ni­sa­ti­on, die ge­nau die­sel­ben Me­tho­den ge­gen sie be­nutz­te, und es trieb sie in den Wahn­sinn.”

Former Nativ head Yaakov Kedmi

An­dro­pows Ant­wort war in der Tat mäch­tig. Ein Teil des Ar­beits­pro­gramms des KGB für 1976 war ei­ner Rei­he von Ope­ra­tio­nen ge­wid­met, die dar­auf ab­ziel­ten, ei­nen Kon­flikt zwi­schen jü­di­schen Re­gie­rungs­geg­nern her­zu­stel­len, die die UdSSR ver­las­sen hat­ten und an­de­ren Geg­nern, haupt­säch­lich Ukrai­ner, die wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs weg­ge­gan­gen wa­ren. Ei­ne be­son­de­re An­stren­gung wur­de der Na­tio­na­len Al­li­anz rus­si­scher So­li­da­ris­ten (NTS) ge­wid­met, ei­ner der wich­tigs­ten an­ti­kom­mu­nis­ti­schen Be­we­gun­gen, um ei­nen Riss zwi­schen den Ve­te­ra­nen, die zu­meist Nicht­ju­den wa­ren, zu schaf­fen, und sie zu über­zeu­gen, dass jü­di­sche Mit­glie­der sie zu ver­trei­ben ver­such­ten.

Nach den Mitrokhin-​Dokumenten wur­den 1977 be­trächt­li­che An­stren­gun­gen un­ter­nom­men, um den Nazi-​Jäger Si­mon Wie­sen­thal, an­geb­lich im Auf­trag ehe­ma­li­ger so­wje­ti­scher Ju­den, zu dif­fa­mie­ren, nach­dem er ei­ne Rei­he har­ter Er­klä­run­gen ge­gen die Po­li­tik des Kreml ab­ge­ge­ben hat­te.

1978, nach ei­nem Be­schluß des Zen­tral­ko­mi­tees der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei der So­wjet­uni­on, „Maß­nah­men zu er­grei­fen, um das re­ak­tio­nä­re We­sen des welt­li­chen Zio­nis­mus und die an­ti­so­wje­ti­sche zio­nis­ti­sche Ak­ti­vi­tät auf­zu­de­cken”, be­rei­te­te der KGB 1978 und der Ver­band der so­wje­ti­schen Ju­ris­ten „das Weiß­buch des Zio­nis­mus” vor – ei­ne schreck­li­che Schmäh­schrift mit erns­ten Lü­gen.

Durch die ge­hei­men Ka­nä­le des KGB wur­de das Buch in 32 Län­dern ver­teilt, an die Füh­rer der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei­en in den USA, Ka­na­da und an­de­ren Län­dern über­ge­ben und un­ter Par­la­ments­mit­glie­dern, Mi­nis­tern und so­zia­len Ak­ti­vis­ten aus ver­schie­de­nen Län­dern so­wie Ver­tre­tern von in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen, Bi­blio­the­ken und Hoch­schu­len ver­teilt.

Das Buch ent­hält zum Bei­spiel die Ge­schich­te ei­ner ehe­ma­li­gen So­wjet­bür­ge­rin na­mens Ab­ra­mov. Am 24. April 1978 klopf­te sie an die Tü­ren der so­wje­ti­schen Bot­schaft in Wien und sag­te, sie sei zwei Jah­re zu­vor mit ih­rem Sohn Oleg nach Is­ra­el aus­ge­wan­dert. Wie die „ab­so­lu­te Mehr­heit” neu­er Ein­wan­de­rer aus der UdSSR such­te auch die Fa­mi­lie Ab­ra­mow in die al­te Hei­mat zu­rück­zu­keh­ren. Es stell­te sich her­aus, wie Ab­ra­mow be­zeug­te, dass „Agen­ten ei­nes spe­zi­el­len Si­cher­heits­diens­tes, der sich dar­auf spe­zia­li­siert hat, die Im­mi­gran­ten in Is­ra­el zu hal­ten, uns Tag und Nacht un­ter Druck set­zen.”

Ihr Sohn Oleg er­hielt schließ­lich ei­nen Pass, wur­de aber ei­ne Wo­che vor dem Rück­flug nach Hau­se er­mor­det. „Sie woll­ten mich und mei­ne Toch­ter auch um­brin­gen”, sag­te sie. „Ei­nen Tag vor un­se­rer Ab­rei­se wur­den wir von ih­nen übel ge­schla­gen. Um Mit­ter­nacht flo­hen wir zum Flug­ha­fen, da­mit uns nie­mand se­hen wür­de. Am Mor­gen sind wir nach Wien ge­flo­gen. ”

Der Kampf des so­wje­ti­sche Ju­den­tums ge­gen die staat­li­chen Be­hör­den und der Lärm, den das dank jü­di­scher Or­ga­ni­sa­tio­nen ent­ste­hen liess, lie­ßen die Re­gie­rung der UdSSR nicht gleich­gül­tig. Sie wuss­te sehr gut, dass das Image des Lan­des ei­nen schwe­ren Schlag er­litt in der glo­ba­len Öf­fent­lich­keit.

KGB-​Beamte wa­ren da­von über­zeugt, dass die­se pro­ble­ma­ti­sche Rea­li­tät, wie fast je­des an­de­re Pro­blem, durch „ak­ti­ve Maß­nah­men” ver­än­dert wer­den könn­te, die das Image der UdSSR als Land ver­bes­sern wür­den, das sei­ne jü­di­sche Ge­mein­schaft gut be­han­delt. Die Or­ga­ni­sa­ti­on star­te­te ei­ne Rei­he von Ope­ra­tio­nen, wo­bei die größ­te ge­gen Lord Ba­ron Im­ma­nu­el Ja­ko­bo­vits ge­rich­tet war, den Ober­rab­bi­ner der United He­brew Con­gre­ga­ti­ons of the Com­mon­wealth und ei­ner der be­deu­tends­ten In­tel­lek­tu­el­len und Füh­rer des bri­ti­schen Ju­den­tums al­ler Zei­ten, zu­sätz­lich zu sei­nen im­mensen Bei­trä­gen in den Be­rei­chen Ethik, Mo­ral und Me­di­zin.

Lord Baron Immanuel Jakobovits

Ja­ko­bo­vits kämpf­te sehr für so­wje­ti­sche Ju­den und for­der­te, dass die Be­hör­den des Lan­des „nicht nur ‚mein Volk ge­hen las­sen’, son­dern ‚mein Volk le­ben las­sen’” – mit an­de­ren Wor­ten, dass sie die re­li­giö­sen Rech­te und die Men­schen­rech­te des so­wje­ti­schen Ju­den­tums deut­lich ver­bes­sern.

Der Rab­bi­ner hat­te meh­re­re Ma­le um die Er­laub­nis ge­be­ten, her­zu­kom­men und sel­ber zu se­hen, wie die Ju­den hin­ter dem Ei­ser­nen Vor­hang leb­ten, und er war si­cher­lich über­rascht, als die Ge­neh­mi­gung schließ­lich im No­vem­ber 1975 kam. Die­se un­ge­wöhn­li­che Ent­wick­lung, die als gu­tes Zei­chen wahr­ge­nom­men wur­de zur Hal­tung der UdSSR-​Regierung ge­gen­über Ju­den, wur­de so­gar von der Je­ru­sa­lem Post mit ei­ner gro­ßen Über­schrift be­rich­tet. Nie­mand stell­te sich vor, dass hin­ter dem Wohl­tä­tig­keits­zug ein an­spruchs­vol­ler KGB-​Plan steht und dass der Rab­bi­ner das Ziel ei­ner „ak­ti­ven Maß­nah­men” ge­gen ihn ge­wor­den war.

Der KGB stell­te ei­ne Grup­pe von Agen­ten und Be­voll­mäch­tig­ten zu­sam­men – die Mitrokhin-​Dokumente do­ku­men­tie­ren die Na­men und Code­na­men von 11 von ih­nen -, die den Rab­bi­ner tref­fen und ihm ein völ­lig ver­zerr­tes Bild von der Si­tua­ti­on der Ju­den prä­sen­tie­ren wür­den.

„In ers­ter Li­nie ist es wich­tig, sich über die Plä­ne von Rab­bi Ja­ko­bo­vits und sei­ner De­le­ga­ti­on zu in­for­mie­ren”, stand im Ope­ra­ti­ons­plan.

Um dies zu tun, wur­den der Rab­bi­ner und sein Se­kre­tär un­ter en­ge Über­wa­chung ge­stellt, und ei­ner der Undercover-​Arbeiter freun­de­te sich so­gar mit ihm an. Die Ju­den, die mit dem Rab­bi­ner zu­sam­men­ka­men, wur­den vom KGB streng ge­fil­tert. Ei­ni­ge wa­ren ak­ti­ve Agen­ten und ei­ni­ge wa­ren mit der Re­gie­rung auf die ei­ne oder an­de­re Wei­se ver­bun­den. Die Agen­ten prä­sen­tier­ten der De­le­ga­ti­on die Leis­tun­gen jü­di­scher Schrift­stel­ler und Kul­tur­fi­gu­ren in der Ent­wick­lung der jü­di­schen Kul­tur und Kunst in der UdSSR.

KGB-​Agenten in füh­ren­den Po­si­tio­nen in der re­li­giö­sen jü­di­schen Ge­mein­de wur­den auf­ge­for­dert, das Ge­mein­schafts­le­ben po­si­tiv zu prä­sen­tie­ren, „da­von zu er­zäh­len, wie Fei­er­ta­ge und der Schab­bat in der Syn­ago­ge ge­fei­ert wür­de und der De­le­ga­ti­on ei­nen Film über die Ge­burts­tags­fei­er von Rab­bi Le­vin zu zei­gen, dem ehe­ma­li­gen Rab­bi­ner der Mos­kau­er Syn­ago­ge.”

Es gab an­de­re Tref­fen mit Ju­den, die be­rich­te­ten, wie gut ihr Le­ben war und wie sie nicht die Ab­sicht hat­ten, auch wenn sie die Mög­lich­keit hät­ten, aus der UdSSR aus­zu­wan­dern.

Um den po­si­ti­ven Ein­druck zu stär­ken, „ak­zep­tier­ten” die Be­hör­den die Bit­te des Rab­bi­ners und er­laub­ten ihm, sich mit christ­li­chen Kle­ri­kern zu tref­fen, die auch KGB-​Agenten wa­ren und die die Be­rich­te über die Frei­heit des Ri­tu­als und der Re­li­gi­on, die er zu­vor ge­hört hat­te, be­stä­tig­ten.

Die Ope­ra­ti­on wur­de als gro­ßer Er­folg ge­han­delt. Der Rab­bi kehr­te aus der UdSSR zu­rück, und ob­wohl er auch Tref­fen mit Op­po­si­tio­nel­len und Aliyah-​Aktivisten ab­ge­hal­ten hat­te, traf ihn die Pro­pa­gan­da in sei­nem Kopf zu­tiefst. In In­ter­views mit den Me­di­en sag­te er, dass die Si­tua­ti­on in der UdSSR nicht so schlimm sei, dass nicht mehr als 100.000 Ju­den ab­rei­sen woll­ten und dass der Fo­kus we­ni­ger auf die Kämp­fe der Re­fu­se­niks und mehr auf die Ver­bes­se­rung der Si­tua­ti­on der Ge­mein­schaft im All­ge­mei­nen ge­rich­tet sein soll­te. Noch Jah­re nach sei­nem Be­such, als er sei­ne Me­moi­ren schrieb, wei­ger­te er sich zu er­ken­nen, dass er ei­nem an­spruchs­vol­len KGB-​Trick zum Op­fer ge­fal­len war.

Ju­den un­ter Über­wa­chung

Nach den Mitrokhin-​Dokumenten je­doch be­trach­te­te nicht je­der in der so­wje­ti­schen Füh­rung den Zio­nis­mus als gro­ße Ge­fahr, oder über­haupt als Ge­fahr. Es gab die­je­ni­gen im Po­lit­bü­ro, die be­haup­te­ten, dass An­dro­povs Be­ses­sen­heit „uns dumm da­ste­hen lässt.”

Im Sep­tem­ber 1978, als der so­wje­ti­sche Au­ßen­mi­nis­ter An­drej Gro­my­ko das Wei­ße Haus be­such­te, war er über­rascht, von Prä­si­dent Jim­my Car­ter we­gen ei­ner Per­son, mit de­ren Na­men er nicht ver­traut war, ge­ta­delt zu wer­den – Ana­to­ly Sha­ran­sky. Spä­ter än­der­te er sei­nen Na­men in Na­tan Sha­ran­sky und wur­de zum Mi­nis­ter der is­rae­li­schen Re­gie­rung und 2009 wur­de er zum Vor­sit­zen­den der Exe­ku­ti­ve der Je­wish Agen­cy er­nannt.

Natan Sharansky (Photo: Gil Yohanan)

An­dro­pow hat­te die Ver­haf­tung Sha­ran­skys be­foh­len und war per­sön­lich an der Jagd nach ihm be­tei­ligt. Die Ver­fol­gung dau­er­te an, bis Sha­ran­sky we­gen Ver­rat, Spio­na­ge und Auf­wie­ge­lung vor Ge­richt ge­bracht und zu 13 Jah­ren Ge­fäng­nis ver­ur­teilt wur­de.

Nach sei­nem Tref­fen mit dem ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten be­zeich­ne­te Gro­my­ko in ei­nem Ge­spräch mit dem so­wje­ti­schen Bot­schaf­ter in Wa­shing­ton, Ana­to­li Do­bry­nin, An­dro­povs Be­ses­sen­heit mit Sha­ran­sky als „ab­surd”.

Aber was An­dro­pow an­geht, so war es über­haupt nicht ab­surd. Im Mai 1979 ge­neh­mig­te er ei­nen Son­der­ope­ra­ti­ons­plan ge­gen die in­ter­na­tio­na­len Be­mü­hun­gen zur Un­ter­stüt­zung von Sha­ran­sky. An­dro­pow be­fass­te sich be­son­ders mit ei­nem Mo­ra­to­ri­um für den Schutz von Ju­ri Or­low (ei­nem Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten und Wis­sen­schaft­ler in Russ­land) und Sha­ran­sky, der von 2.400 ame­ri­ka­ni­schen Wis­sen­schaft­lern und Ex­per­ten un­ter­zeich­net wur­de, die ame­ri­ka­ni­sche und west­li­che Wis­sen­schaft­ler auf­for­der­ten, nicht mit so­wje­ti­schen Kol­le­gen zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, bis die zwei frei­ge­las­sen sind.

Der Ope­ra­ti­ons­be­fehl, der im Mitrokhin-​Archiv zu fin­den ist, ist lang und kom­pli­ziert und um­fasst Dut­zen­de von Ar­beits­ab­schnit­ten, wie et­wa die Ver­leum­dung der Or­ga­ni­sa­to­ren des Mo­ra­to­ri­ums in der west­li­chen Pres­se; Be­stechung ame­ri­ka­ni­scher Wis­sen­schaft­ler, da­mit sie ih­re Un­ter­stüt­zung zu­rück­zie­hen; ei­nen Film na­mens „Lie and Ha­te” zu pro­du­zie­ren, der Sha­ran­sky als CIA-​Agent dar­stel­len wür­de; Und Ver­tei­lung ei­ner Pro­kla­ma­ti­on zu­han­den von Wis­sen­schaft­lern, Po­li­ti­kern und so­zia­len Ak­ti­vis­ten aus West­deutsch­land, Ita­li­en und an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern, die den Boy­kott der Wis­sen­schaft­ler ver­ur­tei­len und die wis­sen­schaft­li­chen Ver­bin­dun­gen zwi­schen dem Wes­ten und der UdSSR ver­tei­di­gen wür­de.

In der ers­ten Hälf­te der 80er Jah­re er­reich­te die Refusenik-​Bewegung – die pro­mi­nen­tes­ten Ak­ti­vis­ten der Aliya – und die Aliyah-​Bewegung der UdSSR ih­ren Tief­punkt. Der KGB-​Chef An­dro­pow und sei­ne Nach­fol­ger in­for­mier­ten das Po­lit­bü­ro in ei­nem Be­richt, der zum da­ma­li­gen Zeit­punkt teil­wei­se kor­rekt war, mit Freu­de dar­über, dass es ih­nen ge­lun­gen war, die­se Be­we­gun­gen zu un­ter­drü­cken und dass die noch ak­ti­ven Ju­den un­ter stän­di­ger Über­wa­chung der Agen­tur stan­den und nicht ar­bei­ten konn­ten. An­dro­pow be­rich­te­te bei­spiels­wei­se im Mai 1981, dass es dem KGB ge­lun­gen sei, Plä­ne für ein Tref­fen in ei­nem Wald in der Nä­he von Mos­kau auf­zu­de­cken und zu ver­hin­dern, das so­wohl dem Ge­den­ken den Ho­lo­caust ge­wid­met war, als auch der Wei­ge­rung der Be­hör­den, Aus­rei­se­ge­neh­mi­gun­gen für Ju­den zu ge­wäh­ren.

Seit den frü­hen 80er Jah­ren, als der so­wje­ti­sche Pre­mier Leo­nid Bre­schnew kör­per­lich und geis­tig schwä­cher wur­de, wuchs der Ein­fluss von An­dro­pow stär­ker. Er wur­de er­nannt, um ihn nach sei­nem Tod 1982 zu er­set­zen, und dien­te der So­wjet­uni­on als Pre­mier­mi­nis­ter bis 1984.

In die­ser Zeit er­reich­ten die Be­zie­hun­gen des Lan­des zu den USA ein bei­spiel­lo­ses Tief und die Span­nun­gen wa­ren die höchs­ten seit der ku­ba­ni­schen Ra­ke­ten­kri­se. Die­se Span­nun­gen führ­ten zu der be­rühm­ten Re­de des US-​Präsidenten Ro­nald Rea­gan, in der er die UdSSR als „bö­ses Im­pe­ri­um” be­zeich­ne­te und die Rei­bung zwi­schen den Län­dern auf den Punkt der Kriegs­ge­fahr er­höht hat. Die­se Span­nun­gen wirk­ten sich stark auf den KGB aus, der die Si­tua­ti­on als ein wei­te­res Pro­dukt des zio­nis­ti­schen Plans – der den Geis­tes­zu­stand der ame­ri­ka­ni­schen Füh­rung do­mi­nier­te – sah, die Sta­bi­li­tät des so­wje­ti­schen Blocks zu un­ter­mi­nie­ren. In­fol­ge­des­sen wei­te­te der KGB sei­ne Tä­tig­keit ge­gen den Zio­nis­mus aus.

Nach den Mitrokhin-​Dokumenten, am 25. De­zem­ber 1981, be­fahl die Par­tei, „die Spio­na­ge­ak­ti­vi­tät ge­gen die Sub­ver­si­on der Zio­nis­ten der Welt zu ver­bes­sern”.

Ei­ni­ge Mo­na­te spä­ter tra­fen sich die Köp­fe al­ler Ar­me des KGB in Le­nin­grad zu ei­ner Kon­fe­renz zum Zio­nis­mus. Die Re­den der Kon­fe­renz be­ton­ten die „um­fang­rei­che sub­ver­si­ve Tä­tig­keit der zio­nis­ti­schen Zen­tren auf der gan­zen Welt und ih­re In­fil­tra­ti­on in Ent­schei­dungs­zen­tren in ver­schie­de­nen Län­dern” und be­haup­te­ten, dass „die zio­nis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen die Au­ßen­po­li­tik der ein­zel­nen Län­der be­ein­träch­ti­gen und Kon­flik­te welt­weit ver­schär­fen.” Die Kon­fe­renz be­ton­te wei­ter: „Es gibt kei­nen ein­zi­gen ne­ga­ti­ven Vor­fall in den so­zia­lis­ti­schen Län­dern, an dem die Zio­nis­ten nicht be­tei­ligt sind.”

Die Ju­den in der UdSSR, so ar­gu­men­tier­ten sie, „sind eher ge­neigt, das Land zu ver­ra­ten, den Kampf ge­gen das so­wje­ti­sche Ré­gime zu füh­ren, in ein an­de­res Land zu zie­hen, In­for­ma­tio­nen über die UdSSR zu sam­meln und den Fein­den zu über­ge­ben.”

Im An­schluss an die Kon­fe­renz ver­öf­fent­lich­ten sie im Som­mer 1982 ei­nen „Ar­beits­plan zur Be­kämp­fung des Zio­nis­mus” bis 1986. Vla­di­mir Kryuch­kov, der 1988 zum Lei­ter des KGB er­nannt wur­de, be­ton­te auch, dass „der Zio­nis­mus die Haupt­be­dro­hung für die UdSSR und den so­wje­ti­sche Block ist.”

Die Ar­beits­plä­ne des KGB für die bei­den fol­gen­den Jah­re wur­den in ähn­li­cher Wei­se ge­schrie­ben. Die KGB-​Köpfe sa­hen die Frei­mau­re­rei als „Teil der glo­ba­len jü­di­schen Ver­schwö­rung” und be­haup­te­ten, dass „der ame­ri­ka­ni­sche militärisch-​industrielle Kom­plex im­mer noch von Ju­den do­mi­niert wird.”

Nach den Mitrokhin-​Dokumenten wei­sen Pro­to­kol­le der ers­ten Tref­fen un­ter dem Vor­sitz von Mi­chail Gor­bat­schow als UdSSR-​Führer im Jahr 1985 dar­auf hin, dass der An­ti­se­mi­tis­mus auch sei­ne Ge­ne­ra­ti­on nicht über­sprang. Als der KGB sei­nen Ar­beits­plan ge­gen den Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten An­drej Sach­a­row vor­stell­te und be­haup­te­te, er sei von sei­ner jü­di­schen Frau „hun­dert­pro­zen­tig” be­ein­flusst wor­den, sag­te Gor­bat­schow, wahr­schein­lich scherz­haft: „Nun, das macht der Zio­nis­mus mit ei­nem Men­schen.”

Nichts­des­to­trotz war es Gor­bat­schow, der Sak­ha­rov aus dem Haus­ar­rest, dem er un­ter­ge­stellt war, frei­ge­las­sen hat­te und spä­ter so­gar die To­re der UdSSR für die freie jü­di­sche Aus­wan­de­rung öff­ne­te, was in den 1990er Jah­ren zur An­kunft von ei­ner Mil­li­on Ein­wan­de­rern in Is­ra­el führ­te.

For­schung und Über­set­zung aus dem Rus­si­schen ins Eng­li­sche von Will Styles, Alex­an­der Ta­bach­nik, Ya­na So­fo­vich und Ya­el Sass. Über­set­zung aus dem Eng­li­schen ins Deut­sche von Da­ni­el Hei­ni­ger.

Der Au­tor möch­te sei­ne Dank­bar­keit und Wert­schät­zung für Prof. Chris­to­pher An­drew und Dr. Pe­ter Mart­land von der Cam­bridge Uni­ver­si­tät aus­drü­cken.

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  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] Da­ni­el (Po­li­ti­sches aus der Schweiz): – Die KGB-​Akten zum Na­hen Os­ten: Der Kampf ge­gen den Zio­nis­mus und das Welt­ju­den­tum […]

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