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He­roi­sche Ima­me

Kha­di­ja Khan, 24.7.2017, Gatestone In­sti­tu­te

  • Mehr als 60 is­la­mi­sche Füh­rer und Ima­me – aus Frank­reich, Bel­gi­en, Groß­bri­tan­ni­en, Tu­ne­si­en und von ver­schie­de­nen is­la­mi­schen Glau­bens­rich­tun­gen – in ei­nem Schritt, der wahr­schein­lich bei­spiel­los ist, sind auf Tour­nee, um den is­la­mi­schen Ter­ro­ris­mus zu ver­ur­tei­len und den Op­fern des Ter­rors in Eu­ro­pa zu hul­di­gen, in­dem sie vie­le der Or­te von Ter­ror­an­grif­fen be­su­chen.
  • Die Idee scheint Ex­tre­mis­ten bis zum Kern durch­ge­schüt­telt zu ha­ben. Sie ha­ben die­sen Ima­men To­des­dro­hun­gen ge­schickt.
  • Es ist da­her höchs­te Zeit, da die Mensch­heit an ei­nem ent­schei­den­den Wen­de­punkt steht, dass die Men­schen zu­sam­men­ste­hen und je­de Stim­me des Frie­dens wie die der mar­schie­ren­den Ima­me un­ter­stüt­zen und all je­ne Hän­de auf­hal­ten, die ver­su­chen, ih­re ed­le Mis­si­on zu sa­bo­tie­ren.

Mehr als 60 is­la­mi­sche Füh­rer und Ima­me – aus Frank­reich, Bel­gi­en, Groß­bri­tan­ni­en, Tu­ne­si­en und von ver­schie­de­nen is­la­mi­schen Glau­bens­rich­tun­gen – in ei­nem Schritt, die wahr­schein­lich bei­spiel­los ist, sind auf Tour­nee, um den is­la­mi­schen Ter­ro­ris­mus zu ver­ur­tei­len und den Op­fern des Ter­rors in Eu­ro­pa zu hul­di­gen, in­dem sie vie­le der Or­te Ter­ror­an­grif­fen besuchen.Es ist ei­ne Iro­nie, dass, wäh­rend die „li­be­ra­le” Welt in Ka­na­da da­mit be­schäf­tigt war, Mil­lio­nen zu ver­schwen­den we­gen dem „aus­län­di­schen ter­ro­ris­ti­schen Kämp­fer” Omar Khadr und in den USA Ex­tre­mis­ten wie Lin­da Sar­sour ver­wöhn­te – ei­ne Apo­lo­ge­tin für ISIS und is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus, die zum „Dschi­had” ge­gen den Prä­si­den­ten auf­ruft, und de­ren Tweets ras­sis­ti­sche Kom­men­ta­re wie „Wie oft müs­sen wir den Wei­ßen Frau­en noch sa­gen, dass wir nicht von ih­nen ge­ret­tet wer­den müs­sen? Gibt es ei­nen Sprach­code, den ich be­nut­zen muss, um durch­zu­kom­men?” be­inhal­ten – die Pres­se die­se mu­ti­gen is­la­mi­schen Füh­rer weit­ge­hend igno­riert hat. Sie sind aus sechs gro­ßen eu­ro­päi­schen Län­dern an­ge­reist und ha­ben ei­nen Frie­dens­marsch in Eu­ro­pa ge­star­tet, um den Mas­sen zu zei­gen, dass zu­min­dest ei­ni­ge Mus­li­me Ter­ro­ris­mus ver­ur­tei­len und mit Ter­ro­ris­ten nichts zu tun ha­ben, die im Na­men des Is­lam mor­den.

Vie­le be­trach­ten ih­re Be­mü­hun­gen als ei­nen mu­ti­gen Ver­such, das Ver­trau­en je­ner im Wes­ten zu­rück­zu­ge­win­nen, die mit Recht über die jüngs­te Wel­le von Ter­ror­an­schlä­gen in Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich, Bel­gi­en, Is­ra­el, Deutsch­land, den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und im Groß­teil der Welt wü­tend sind.

Die­se Ima­me von ver­schie­de­nen is­la­mi­schen Glau­bens­rich­tun­gen ha­ben au­ßer­or­dent­li­che Ar­beit ge­leis­tet, um die Ter­ro­ris­ten klar zu ver­ur­tei­len, in­dem sie die Or­te der Ter­ror­an­grif­fe be­su­chen, um ei­ne Hom­mage an die Op­fer des Ter­ro­ris­mus in Eu­ro­pa ab­zu­lie­fern.

Es sind nicht nur ge­walt­tä­ti­ge Ex­tre­mis­ten, die ei­ne Be­dro­hung für Frie­dens­an­stren­gun­gen und den Wes­ten dar­stel­len. Zu­min­dest kann man das, was sie tun, se­hen. Mög­li­cher­wei­se schäd­li­cher sind ge­walt­freie Mus­li­me wie Lin­da Sar­sour, die, um naï­ve Ver­eh­rer an­de­rer Kul­tu­ren aus­zu­trick­sen, wei­ter­hin der Welt ein Nar­ra­tiv der mus­li­mi­schen Op­fer­rol­le ver­füt­tern, an­schei­nend im Ver­such, feind­schaft­li­che Ge­füh­le hochzupeitschen.Die Idee scheint Ex­tre­mis­ten bis zum Kern durch­ge­schüt­telt zu ha­ben. Sie ha­ben die­sen Ima­men To­des­dro­hun­gen ge­schickt.

Sar­sour zum Bei­spiel emp­fiehlt, ei­nen Dschi­had ge­gen die ak­tu­el­le US-​Regierung zu star­ten, in­dem sie ih­re Mit­glie­der „wei­ße Na­tio­na­lis­ten”, „Fa­schis­ten” und „Is­la­mo­pho­be” nennt. Sie hat auch ih­re herz­li­chen Wün­sche an As­sa­ta Shu­kar ge­schickt, ei­ne Frau, die ei­nen ame­ri­ka­ni­schen Po­li­zis­ten er­mor­det hat, und dann, nach­dem sie aus dem Ge­fäng­nis ent­kom­men war, nach Ku­ba ge­flo­hen war.

Es ist schmerz­lich, zu se­hen, wie sol­che Leu­te das Feu­er schü­ren, um Ex­tre­mis­ten zu un­ter­stüt­zen – vor al­lem, wäh­rend he­roi­sche Ima­me auf ei­ne Frie­dens­mis­si­on ge­hen, nur um ih­rer­seits Be­dro­hun­gen von Ex­tre­mis­ten zu er­hal­ten.

Es ist auch schmerz­lich, sol­che Ex­tre­mis­ten zu se­hen, die gut ge­tra­ge­ne Wor­te wie Dschi­had und Scha­ria an­ru­fen – Wor­te, de­ren Be­deu­tung in der mus­li­mi­schen Welt all­zu gut be­kannt ist – und dann spä­ter ver­su­chen, die­se Wor­te so aus­zu­ma­len – ver­mut­lich für leicht­gläu­bi­ge West­ler – als sei­en sie Sym­bo­le des sich so gut an­füh­len­den „ge­walt­frei­en Wi­der­stands”.

Auch wenn es teil­wei­se wahr ist, dass der Dschi­had im Is­lam als ein Kampf ge­gen sich selbst be­trach­tet wird, um das Übel in sich selbst zu be­sei­ti­gen, wenn man mit je­man­dem in der mus­li­mi­schen Welt spricht und fragt, was der Dschi­had ist, dann ist das nicht die Ant­wort, die man be­kom­men wird.

Es gibt Ha­di­the [die Hand­lun­gen und Re­den des Pro­phe­ten Mo­ham­med], die von Hardline-​Muslimen buch­sta­ben­ge­treu ge­nom­men wer­den, die die Not­wen­dig­keit des Dschi­hads ge­gen Un­gläu­bi­ge be­feh­len:

Die letz­te Stun­de wür­de nicht kom­men, be­vor nicht die Mus­li­me ge­gen die Ju­den kämp­fen und die Mus­li­me sie tö­ten, bis die Ju­den sich hin­ter ei­nem Stein oder ei­nem Baum ver­ste­cken und ein Stein oder ein Baum sa­gen wür­de: Oh Mus­lim oder Die­ner Al­lahs, da ist ein Ju­de hin­ter mir; komm und tö­te ihn .… (Sa­hih Mus­lim Buch 041, Num­mer 6985)

oder:

Mir wur­de be­foh­len, ge­gen die Men­schen zu kämp­fen, so­lan­ge sie nicht er­klä­ren, dass es kei­nen Gott gibt au­ßer Al­lah, und wer es an­er­kannt hat, er­hielt den Schutz sei­nes Ei­gen­tums und sei­nes Le­bens in mei­nem Na­men, au­ßer für die Rechts­ge­schäf­te, die in Al­lahs Hän­den blei­ben. (Ha­dith Mus­lim 30)

Es gibt Ko­ran­ver­se, die sa­gen:

Und tö­te sie, wo im­mer du sie ein­ho­len kannst, und ver­trei­be sie von wo im­mer sie dich ver­trie­ben ha­ben, und Fit­nah ist schlim­mer als Tö­ten. Und kämp­fe nicht bei al-​Masjid al-​Haram, bis sie dort ge­gen dich kämp­fen. Aber wenn sie ge­gen dich kämp­fen, dann tö­te sie. Das ist die Be­loh­nung der Un­gläu­bi­gen. (Ko­ran 2: 191 – 193)

So las­set die kämp­fen für die Sa­che Al­lahs, die das Le­ben in die­ser Welt für das Jen­seits ver­kau­fen. Und wer für die Sa­che Al­lahs kämpft und ge­tö­tet wird oder den Sieg er­ringt – Wir wer­den ihm ei­nen gro­ßen Lohn ge­ben. (Ko­ran 4:74)

Was nicht an­ge­spro­chen wird, ist, wie die Mehr­heit der Mus­li­me im Lau­fe der Jah­re von ex­tre­mis­ti­schen Kle­ri­kern ra­di­ka­li­siert wur­de, die nichts über Frie­den wis­sen. Sie ha­ben an­schei­nend ei­ne wört­li­che In­ter­pre­ta­ti­on vie­ler Ver­se an­ge­nom­men, um die nicht­mus­li­mi­sche Welt zu über­neh­men und der Mensch­heit ei­ne is­la­mi­sche Ver­si­on von Re­li­gi­on auf­zu­zwin­gen.

Es ist au­ßer­dem iro­nisch, dass Ex­tre­mis­ten sich von ih­ren ge­schäf­ti­gen Zeit­plä­nen Zeit ab­zwa­cken kön­nen, um To­des­dro­hun­gen an die­se fried­li­chen Ima­me zu sen­den, aber nie­mals ein Pro­blem ha­ben mit Men­schen wie Sar­sour – viel­leicht weil sie sie nicht in ih­rem Fa­den­kreuz hat und weil sie mög­li­cher­wei­se die glei­che Ideo­lo­gie tei­len.

Or­ga­ni­sa­tio­nen, die an­geb­lich „ge­walt­frei” sind, wie die Mus­lim­bru­der­schaft, der Rat über die amerikanisch-​islamischen Be­zie­hun­gen (CAIR) und die Is­la­mi­sche Ge­sell­schaft Nord­ame­ri­kas (ISNA), stel­len den­noch ei­ne Ideo­lo­gie dar, de­ren al­lei­ni­ger Zweck es ist, sau­di­sches, ta­li­ba­ni­sches oder Iran-​ähnliches Scharia-​Gesetz auf der Welt zu ver­hän­gen.

So­wohl die Mus­lim­bru­der­schaft als auch CAIR so­wie Is­la­mic Re­li­ef Groß­bri­tan­ni­ens und 80 wei­te­re Or­ga­ni­sa­tio­nen wur­den zum Bei­spiel im Jahr 2014 in die Lis­te der na­ment­lich be­kann­ten Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te auf­ge­nom­men. Ver­mut­lich sind sie al­le die Fron­ten, aus de­nen der ge­walt­tä­ti­ge Is­lam wächst. Vie­le auf der Lis­te, wie die His­bol­lah und Bo­ko Ha­ram, sind be­reits ge­walt­tä­tig.

Die­se An­sich­ten im Is­lam ha­ben nichts mehr zu tun mit den gro­ßen mys­ti­schen Phi­lo­so­phen wie Rumi, Saa­di und Ibn el Ara­bi, die so­gar die schwächs­te See­le als ei­ne Er­wei­te­rung von Al­lah be­trach­te­ten und so die Lie­be und den Re­spekt für al­le for­der­ten und oh­ne Am­bi­tio­nen sind, je­man­den zu be­herr­schen oder die Welt zu täu­schen.

Je­der, der ver­sucht, den Is­lam und die Scha­ria als et­was Nicht-​Militantes zu ver­kau­fen, die ei­ne ex­tre­mis­ti­sche Ideo­lo­gie dar­stel­len, prä­sen­tiert sich nur selbst als je­mand, der ver­sucht, die Welt zu täu­schen.

Es ist auch wich­tig zu be­den­ken, dass Ex­tre­mis­ten fried­li­che Mus­li­me als Aposta­ten be­trach­ten. Man­so­or Hal­laj zum Bei­spiel, der grau­sam ge­fol­tert und hin­ge­rich­tet wur­de, ist ein Sym­bol da­für, wie die­se ex­tre­mis­ti­schen Mus­li­me je­man­den zer­fleischt ha­ben, der ver­sucht hat, ei­ne „freund­li­che­re, sanf­te­re” Ver­si­on des Is­lam an­zu­bie­ten.

Der ein­zi­ge Grund da­für, dass die mo­der­nen Men­schen – aus Ost und West – sich des ge­walt­tä­ti­gen As­pekts des Dschi­had be­wusst sind, ist, dass sie Blut­bä­der und Mas­sa­ker ge­se­hen ha­ben, wo im­mer der Aus­druck „Al­la­hu Ak­bar”, „Al­lah ist der Größ­te”, ge­brüllt wur­de.

Des­halb kann das Wort Dschi­had im ge­gen­wär­ti­gen his­to­ri­schen Kon­text nur Miss­trau­en und Wut ge­gen je­den aus­lö­sen, der den Dschi­had als Wunsch an­kün­digt.

Ex­tre­mis­ti­sche Mus­li­me ha­ben die­ses Spiel seit Jahr­zehn­ten im Wes­ten und auch in der mus­li­mi­schen Welt ge­spielt. Sie ha­ben nicht nur den Ver­stand ih­rer ei­ge­nen Ju­gend­li­chen ge­gen an­de­re Glau­bens­rich­tun­gen ver­gif­tet, son­dern sie auch dar­auf vor­be­rei­tet, Ge­walt ge­gen Men­schen an­de­rer Glau­bens­rich­tun­gen zu be­ge­hen, um die Welt durch den „Dschi­had” zu über­neh­men.

Jetzt ha­ben sie er­kannt, dass sie viel­leicht an­fan­gen, das Spiel zu ver­lie­ren: Vie­le Ju­gend­li­che ha­ben an­ge­fan­gen, ih­re Ak­ti­vi­tä­ten zu hin­ter­fra­gen, wäh­rend vie­le Re­gie­run­gen im Wes­ten Pro­gram­me ge­star­tet ha­ben, die ge­hirn­ge­wa­sche­nen Ju­gend­li­chen in ih­re Ge­sell­schaf­ten zu in­te­grie­ren.

Der Be­griff von „uns ge­gen sie” fängt an zu zer­fal­len und schließ­lich scheint die Welt aus dem jahr­zehn­te­lan­gen Cha­os und Kal­ten Krieg her­aus­zu­kom­men, das nach den 1940er Jah­ren be­gon­nen hat.

Es ist al­so höchs­te Zeit, da die Mensch­heit vor ei­nem ent­schei­den­den Wen­de­punkt steht, dass die Men­schen zu­sam­men­kom­men und je­de Stim­me des Frie­dens un­ter­stüt­zen, wie die der mar­schie­ren­den Ima­me, und al­le Hän­de zu­rück­hal­ten, die ver­su­chen woll­ten, ih­re ed­le Mis­si­on zu sa­bo­tie­ren.

Kha­di­ja Khan ist pa­ki­sta­ni­scher Jour­na­list und Kom­men­ta­tor, ak­tu­ell in Deutsch­land le­bend.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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