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Ein of­fe­ner Brief an Omad al-​Abed

De­nis McEoin, 7.8.2017, Gatestone In­sti­tu­te

  • Mus­li­me ha­ben schon oft Ju­den ge­tö­tet, und das hat die is­la­mi­sche Sa­che oder Re­li­gi­on nicht im ge­rings­ten wei­ter­ge­bracht. Nicht ein ein­zi­ger Tod, den Mus­li­me er­lit­ten ha­ben, hat den Men­schen des Is­lam Wohl­stand oder Frie­den ge­bracht. Sie wis­sen, dass die Ju­den nie­mals das Land ver­las­sen wer­den, das Al­lah ih­nen ge­ge­ben hat, wie es der Pro­phet Musa in der al-Ma’ida-Sure, aya 21 ver­sprach: „O mein Volk, tritt ein in das Hei­li­ge Land, das Gott für euch aus­er­wählt hat, und dreht Euch nicht um in Eu­ren Spu­ren, um nach den Zu­rück­blei­ben­den zu se­hen.”
  • Hast du nicht den gut fun­dier­ten Ha­dith ge­le­sen: „Kei­ner von euch hat Glau­ben, bis er für sei­nen Bru­der liebt, was er für sich sel­ber liebt”? Er­in­nerst Du Dich nicht an die Wor­te, die der Pro­phet in sei­ner letz­ten Pre­digt ge­spro­chen hat: „Ver­let­ze nie­man­den, da­mit Dich nie­mand ver­let­zen kann”?
  • Du denkst viel­leicht, dass das Tö­ten von Ju­den ei­ne ed­le Sa­che sei, dass an­de­re Dich lo­ben und Dich für ei­nen Hel­den hal­ten, ein tap­fe­rer Mann, ein ba­tal, ein wah­rer Gläu­bi­ger. Doch was du ge­tan hast, war nicht mu­tig, son­dern fei­ge. Die Leu­te wer­den Dir sa­gen, dass die Schlach­tung, die Du durch­ge­führt hast, he­ro­isch war und dass Du die Waf­fen in die Hand ge­nom­men hast, um Dei­nen Mit-​Muslimen Frei­heit zu brin­gen. Doch heu­te ver­ab­scheu­en Mil­lio­nen rund um die Welt, was du ge­tan hast und nen­nen es beim rich­ti­gen Na­men, ei­nen Sa­ta­ni­schen Akt. Du hast das Le­ben von Groß­el­tern und El­tern ge­nom­men und hast die Zu­kunft ih­rer klei­nen Kin­der rui­niert. Wie kann ir­gend­je­mand dar­auf stolz sein?
  • Die Ara­ber ha­ben sechs Krie­ge ge­gen die Ju­den ge­foch­ten und je­des Mal ver­lo­ren. Sie ha­ben In­ti­fa­das ge­foch­ten, um die Ju­den aus dem Land zu ver­trei­ben, das Gott ih­nen ge­ge­ben hat, und sie ha­ben über­lebt und ge­dei­hen präch­tig. Sie ha­ben Euch al­les an­ge­bo­ten, was Ihr braucht, um in Frie­den und Wohl­stand zu wach­sen. Sie ha­ben Euch be­schützt, da­mit Ihr frei be­ten könnt, Eu­re Mo­sche­en be­su­chen und Eu­re Pre­dig­ten pre­di­gen, selbst wenn Ihr Hass auf sie ge­pre­digt habt. Sind dies nicht An­zei­chen da­für, dass Al­lah sie be­schützt hat, ih­nen die Kraft ge­ge­ben hat, zu über­le­ben und sie seg­ne­te?

Ein Facebook-​Posting des Mör­de­rers Omar al-​Abed, Stun­den be­vor er drei Mit­glie­der der Fa­mi­lie So­lo­mon in Ha­la­mish er­mor­de­te.

Omar al-​Abed er­mor­de­te vor kur­zem drei Mit­glie­der ei­ner jü­di­schen Fa­mi­lie: Yo­sef Sa­lo­mon, sei­ne Toch­ter Cha­ya und sei­nen Sohn Elad. Die Mor­de fan­den in der Sied­lung Ha­la­mish statt, Land, das zwi­schen Is­rae­lis und „Pa­läs­ti­nen­sern” seit dem Krieg von 1967 um­strit­ten ist.

Nach­dem ich ge­le­sen hat­te, dass der Mör­der über­lebt hat und ins Kran­ken­haus ge­bracht wor­den war, woll­te ich mit ihm spre­chen – zum Teil nur des­halb, um ihm zu sa­gen, wie kon­tra­pro­duk­tiv und ver­geb­lich sei­ne Ak­ti­on ge­we­sen war. Aber ich dach­te auch, dass es sich lohnt, ihn in ei­ner Spra­che an­zu­spre­chen, die er ver­ste­hen wür­de, un­ter Be­zug­nah­me auf is­la­mi­sche An­ge­le­gen­hei­ten, in­dem ich den Ko­ran und die hei­li­gen Tra­di­tio­nen, die als Ha­dith be­kannt sind, zi­tie­re. Der un­ten ste­hen­de Brief könn­te auf Ara­bisch über­setzt und mit an­de­ren jun­gen Män­nern ge­teilt wer­den. In ihm wird mein Hin­ter­grund als Do­zent der is­la­mi­schen Stu­di­en er­wähnt, in der Hoff­nung, dass er und an­de­re se­hen könn­ten, dass ich nicht aus Ant­ago­nis­mus ge­gen ihn oder sei­nen Glau­ben handle- ein Glau­be, dem er und sie sich ver­pflich­tet füh­len, ihm nach­zu­fol­gen. Ich woll­te mo­ra­li­sche Fra­gen auf­wer­fen, über die sel­ten ein pa­läs­ti­nen­si­scher Mos­lem nach­denkt, be­son­ders wenn er er­regt ist von fal­schen Ge­rüch­ten über al-​Aqsa oder an­de­re Stät­ten, die er als hei­lig be­trach­tet.

Es ist wich­tig, zu be­to­nen, dass Ju­den das ein­zi­ge re­li­giö­se Volk ne­ben Mus­li­men sind, die an die ab­so­lu­te Ein­heit Got­tes glau­ben. Im­mer­hin war es von den Ju­den, dass Mo­ham­med zu pre­di­gen lern­te, „es gibt kei­nen Gott au­ßer Gott”. Ich schrei­be an Omar al-​Abed, dass er kein Recht hat­te, den Dschi­had zu ver­kün­den, denn ein In­di­vi­du­um darf das nicht. Auch wenn es im Scharia-​Gesetz Be­stim­mun­gen gibt, die es ei­nem In­di­vi­du­um er­lau­ben, Ge­walt an­zu­wen­den, wenn er glaubt, dass der Is­lam an­ge­grif­fen wird. Ich woll­te, dass er weiß, dass die Per­so­nen, die er er­mor­det hat­te, ihn nicht an­ge­grif­fen hat­ten und dass die Is­rae­lis tat­säch­lich Al-​Aqsa schüt­zen und dass sie nicht im ge­rings­ten an­ge­grif­fen wird. Ich zi­tie­re ko­ra­ni­sche Ver­se über das Lie­ben sei­ner Fein­de, ob­wohl vie­le spä­te­re Ver­se das Ge­gen­teil sa­gen. Wenn aber der Ko­ran für ihn das Wort Got­tes ist, so kann er doch die frü­he­ren Ver­se nicht ein­fach igno­rie­ren.

Der Brief ist nur ein Weg, zu ver­su­chen, ein paar Au­gen zu öff­nen, in­dem er in Be­grif­fen spricht, so dass je­mand, der dich als Feind be­trach­tet, be­son­ders wenn du kei­ner bist, be­grei­fen kann, und das kann als An­ge­bot ei­nes Hän­de­drucks die­nen. Um­ar al-‚Abed wird sich nur än­dern, wenn er wäh­rend des lan­gen Le­bens, das er im Ge­fäng­nis ver­brin­gen wird, Zeit hat, je­ne Tei­le sei­ner Re­li­gi­on zu re­flek­tie­ren und zu be­nut­zen, die Frie­den for­dern. Wer weiß, was im Lau­fe ei­nes Le­bens pas­sie­ren kann?

Viel­leicht ist die Mü­he wert­los. Ich bin kein Mos­lem, und zwei­fel­los macht das ei­nen Un­ter­schied. Ich bin kein Ju­de, aber ich ha­be ver­sucht, zu sa­gen, dass in mei­ner lang­jäh­ri­gen Er­fah­rung Ju­den gu­te Men­schen sind und die Men­schen, die er so bru­tal ge­tö­tet hat, gu­te Men­schen wa­ren, die, wie er, an ei­nen Gott glaub­ten.

Hier ist der Brief:

Ya ‚Um­ar, Ya Abu Zayd,

Ich ha­be so­eben dei­nen ara­bi­schen letz­ten Wil­len und dein Tes­ta­ment ge­le­sen. Nach dem bis­mil­lah und den Grüs­sen an dei­nen Pro­phe­ten Mo­ham­med, den Du als ashraf al-​khalq wa’l-mursil, den vor­nehms­ten der Men­schen und der Pro­phe­ten be­zeich­nest, kam ich zu dei­nen Wor­ten:

Ich bin jung, nicht ein­mal zwan­zig Jah­re alt, ich hat­te vie­le Träu­me und vie­le Zie­le. Aber was für ein Le­ben ist das, in dem un­se­re Frau­en und un­se­re Kin­der grund­los er­mor­det wer­den? Sie ent­wei­hen die al-​Aqsa-​Moschee und wir schla­fen, es ist ei­ne Pein­lich­keit, dass wir un­tä­tig da­ne­ben sit­zen.

„أنا شاب لم يتجاوز عمري العشرين، لي أحلام وطموحات كثيرة، كنت أعلم أنه بعون الله ستتحقق أحلامي، كنت أعشق الحياة لرسم البسمة على وجوه الناس، لكن أي حياة هذه التي تُقتل فيها نساؤنا وشبابنا ظلما ويدنس أقصانا مسرى حبيبنا ونحن نائمون.

Ihr, je­ne, die ei­ne Pis­to­le ha­ben und die aus­ge­laugt sind, Ihr, die Ihr eu­re Waf­fe nur auf Hoch­zei­ten und Fei­ern her­vor­kramt, schämt Ihr euch nicht? War­um er­klärt Ihr nicht den Krieg für Al­lah? Hier schlie­ßen sie die al-​Aqsa-​Moschee und dei­ne Waf­fe schweigt. Al­les, was ich ha­be, ist ein ge­schärf­tes Mes­ser, und es ant­wor­tet auf den Ruf der al-​Aqsa. Schan­de über Dich, der Du Hass pre­digst. Gott wird sich rä­chen und wird da­für sor­gen, dass es zählt. Al­le von uns sind die Söh­ne Pa­läs­ti­nas und die Söh­ne der al-​Aqsa. Ihr, Söh­ne von Af­fen und Schwei­nen, wenn ihr die To­re von al-​Aqsa nicht öff­net, bin ich mir si­cher, dass Män­ner mir fol­gen und dich mit ei­ner ei­ser­nen Faust tref­fen wer­den, ich war­ne dich.

Um­ar, ich kann nicht an dein Bett im Kran­ken­haus kom­men, wo dei­ne Wun­den von den Leu­ten be­han­delt wer­den, die zu has­sen dir bei­ge­bracht wur­de. Wenn du ein Mes­ser hät­test, dann wür­dest du die Ärz­te und Kran­ken­schwes­tern er­mor­den, die jetzt dein Le­ben ret­ten.

Ich ha­be ara­bisch und is­la­mi­sche Stu­di­en an ei­ner bri­ti­schen Uni­ver­si­tät un­ter­rich­tet; ich ha­be vie­le mus­li­mi­sche Freun­de und ha­be viel über den Is­lam ge­schrie­ben, ei­ne Re­li­gi­on, die ich gut ken­ne. Ein Groß­teil mei­nes Le­bens wur­de bei sei­nem Stu­di­um ver­bracht. Ich ha­be den Ko­ran und den Ha­dith auf Ara­bisch ge­le­sen und lie­be is­la­mi­sche Kunst, Kal­li­gra­phie und Poe­sie und kann gut ver­ste­hen, war­um du den Mas­jid al-​Aqsa, den Qub­bat al-​Sakhra und den gan­zen Ha­ram al-​Sharif liebst. Vie­le der schöns­ten Ge­bäu­de, die je ge­schaf­fen wur­den, wa­ren Mo­sche­en. Es gibt kei­ne Bit­ter­keit in mei­nem Her­zen.

Aber ich schrei­be über das, was du ge­tan hast, und Leid und Wut ver­mi­schen sich. Ich ken­ne vie­le Ju­den; sie sind gu­te Men­schen, die ge­lit­ten ha­ben, und wie Mus­li­me sind Mil­lio­nen von ih­nen ge­schlach­tet wor­den.

Ju­den, wie al­le Mus­li­me, sa­gen das Äqui­va­lent von la ila­ha ill’llah – es gibt kei­nen Gott au­ßer Gott – in ih­rem hei­ligs­ten Buch. Gott hat die To­ra, al-​Taurat, sech­zehn­mal im Ko­ran er­wähnt.

In al-​Taurat wirst du die Wor­te fin­den: „Hö­re, Is­ra­el, der HERR, un­ser Gott, der HERR ist eins”. Sind dies nicht wie die Wor­te, die vom ers­ten Mu’adhdhin des Is­lam, Bi­l­al ibn Ra­bah, aus­ge­spro­chen wur­den, als er von sei­nem Meis­ter ge­fol­tert wur­de, weil er den Göt­zen­dienst ver­las­sen und wie­der­holt ahad, ahad ge­sagt hat­te: eins, eins. Die Ju­den und die Mus­li­me sind die größ­ten Ver­eh­rer ei­nes ein­zi­gen Got­tes.

Hast Du je dar­an ge­dacht, dass du et­was Bö­ses ge­tan hast? Du hast das Le­ben ei­ner Fa­mi­lie von Gläu­bi­gen an ei­ne Gott­heit ge­nom­men.

Du hast ihr Le­ben zer­stört: ein Va­ter, sein Sohn und sei­ne Toch­ter. Du hast die Mut­ter schwer ver­letzt, die wie Du im Kran­ken­haus ist und um ihr Le­ben kämpft. Und wenn sie auf­wacht, wird ihr ge­sagt, dass du ihr ih­ren Mann, ih­ren Sohn und ih­re Toch­ter ge­nom­men hast. Al­le Mit­glie­der die­ser Fa­mi­lie sind heu­te in Trau­er, ei­ne Trau­er, von der sie sich nie­mals er­ho­len wer­den.

Und du hast dei­ne ei­ge­ne Fa­mi­lie zer­stört. Habt ihr nicht im Ko­ran ge­le­sen, in der al-​Isra-​Sure, die von der Nacht­fahrt des Pro­phe­ten zum Mas­jid al-​Aqsa er­zählt, wenn sie von Got­tes Be­fehl spricht: „Gott hat an­ge­ord­net, dass ihr nie­man­den als ihn an­be­tet”? Sie fährt fort: „Und seid eu­ren El­tern folg­sam. Ob ei­ner oder bei­de von ih­nen das ho­he Al­ter er­rei­chen, sprich nicht zu ih­nen „Uff” und scheue sie nicht, son­dern sag zu ih­nen ein ed­les Wort.” Jetzt ha­ben dein Va­ter und dei­ne Mut­ter ei­nen Sohn ver­lo­ren, der sie in ih­rem Al­ter hät­te be­schüt­zen kön­nen. Ein wei­te­rer Sohn, dein Bru­der, ist ver­haf­tet wor­den. Heu­te oder mor­gen wer­den Sol­da­ten das Haus zer­stö­ren, in dem dei­ne Fa­mi­lie leb­te. Ist es das, was Gott wün­schen wür­de?

Du schreibst und rufst dei­ne Mit-​Muslime an: „War­um er­klärt ihr nicht den Krieg für Gott?” Wel­chen Krieg kann das sein wenn nicht Dschi­had? Aber wel­ches Recht hast du, zum Dschi­had auf­zu­ru­fen? Kennst du das Scharia-​Gesetz nicht und was sagt es über den Auf­ruf zum Dschi­had? Ha­ben nicht die ‚ula­ma und die fu­qa­ha ge­sagt, dass ‚Qi­tal oder der Kampf nur er­klärt wer­den kann, wenn es ei­nen is­la­mi­schen Staat gibt und der Füh­rer oder Amir die­ses is­la­mi­schen Staa­tes ist der ein­zi­ge, der die­sen Hei­li­gen Krieg er­klä­ren kann ”

„Die Sa­che des Dschi­had liegt in den Hän­den des Herr­schers und sei­nes Ij­ti­hads, und die Leu­te müs­sen ihm ge­hor­chen, was im­mer er in die­ser An­ge­le­gen­heit für pas­send hält.” – Al-​Mughni (10÷368).

„Es ist nicht zu­läs­sig für die Ar­mee, in ei­nen Kampf zu zie­hen oh­ne die Er­laub­nis des Herr­schers, egal wel­ches die Si­tua­ti­on ist, weil die­je­ni­gen, de­nen der Be­fehl zum Kampf und En­ga­ge­ment im Dschi­had zu­steht, die Herr­scher sind, nicht Ein­zel­per­so­nen. In­di­vi­du­en müs­sen den Ent­schei­dungs­trä­gern fol­gen, al­so ist es nicht zu­läs­sig, dass oh­ne die Er­laub­nis des Imams ge­kämpft wird.” – Shaykh al-​Islam Ibn Tay­miyah.

Viel­leicht dach­test Du, dass der Prä­si­dent der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de Mah­mud Ab­bas die Er­laub­nis ge­ge­ben hat, Ju­den zu tö­ten. Aber die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de ist kein is­la­mi­scher Staat und die Pa­läs­ti­nen­si­sche Be­frei­ungs­or­ga­ni­sa­ti­on, von der Mah­mud Ab­bas der Vor­ste­her ist, ist ein sä­ku­la­rer Kör­per und wird auch für ei­nen zu­künf­ti­gen is­la­mi­schen Staat nie­mals die Ba­sis sein.

Heu­te gibt es kei­nen is­la­mi­schen Staat in Pa­läs­ti­na, noch gibt es ei­nen Amir mit Be­fug­nis, ei­nen Auf­ruf zum Dschi­had zu er­tei­len. Du bist in die­ser Sa­che sehr ge­täuscht wor­den. Vor al­lem hat nie­mand das Recht, die Waf­fen auf­zu­neh­men, auch nicht ein klei­nes Mes­ser, und als Mu­jahid aus ei­ge­nem Wil­len zu han­deln. Ein sol­cher Mann wür­de nicht als Mär­ty­rer ster­ben, denn er hat auf ei­ge­nes Kom­man­do ge­han­delt. Zwei­fel­los gibt es die Er­laub­nis für ei­nen Men­schen, zu kämp­fen, wenn Mus­li­me an­ge­grif­fen wer­den. Aber die Leu­te, die du ge­tö­tet hast, hat­ten dich nicht an­ge­grif­fen. Du hast sie an­ge­grif­fen. Sie wa­ren wehr­los. Du hast sie nicht ein­mal ge­be­ten, sich zum Is­lam zu be­keh­ren, was un­ter der shari’a das ers­te ist, was vor ei­nem An­griff ge­tan wer­den muss.

Du sagst: „Hier schlie­ßen sie die al-​Aqsa-​Moschee” und be­haup­test, dass Du et­was tust, um sie zu öff­nen. Doch nie­mand hat die Mo­schee ge­schlos­sen. Sie steht of­fen für al­le Mus­li­me, dort zu be­ten, wie es seit 1967 war, als die Is­rae­lis die Au­to­ri­tät an die Waqf-​Autorität in Jor­da­ni­en über­ga­ben. Hast du das nicht ge­wusst? Die Mas­jid al-​Aqsa ist auf ei­nem er­höh­ten Ort ge­baut, der der hei­ligs­te Ort der Welt für Ju­den ist und schon lan­ge hei­lig war, be­vor der En­gel Ji­bril Al­lahs Bot­schaft an Mo­ham­med über­gab. Ju­den wür­den nie­mals Ge­walt­ta­ten an ei­ner Stel­le be­ge­hen wol­len, die sie als so hei­lig an­se­hen, noch wol­len sie ei­ne Mo­schee zer­stö­ren, weil das un­ter ih­ren ei­ge­nen Ge­set­zen ver­bo­ten ist, die ge­schrie­ben wur­den, um al­le hei­li­gen Or­te zu schüt­zen, et­was was sie bis­her ge­tan ha­ben und es bis heu­te tun.

Wenn Dein Ziel war, „die Mo­schee zu öff­nen”, sag mir, wie hat die Schlach­tung ei­ner Gott-​liebenden Fa­mi­lie ei­ne Lö­sung nä­her ge­bracht? Mus­li­me ha­ben schon oft Ju­den ge­tö­tet, und das hat die is­la­mi­sche Sa­che oder Re­li­gi­on nicht im ge­rings­ten vor­an­ge­bracht. Die Ju­den ha­ben viel ge­lit­ten, doch kein ein­zi­ger Tod, den die Mus­li­me er­lit­ten ha­ben, hat den Men­schen des Is­lam Wohl­stand oder Frie­den ge­bracht. Du weißt, dass die Ju­den das Land, das Al­lah ih­nen ge­ge­ben hat, nie­mals ver­las­sen wer­den, wie es der Pro­phet Musa in der al-Ma’ida-Sure, aya 21 ver­spro­chen hat: „O mein Volk, tritt ein in das Hei­li­ge Land, das Gott für euch aus­er­wählt hat, und dreht Euch nicht um in Eu­ren Spu­ren, um nach den Zu­rück­blei­ben­den zu se­hen.”

Wenn du die Gläu­bi­gen an den ei­nen Gott tö­test, ver­här­test du ih­re Her­zen ge­gen dich. Im­mer wie­der ha­ben die Men­schen in Is­ra­el den Mus­li­men Pa­läs­ti­nas Frie­dens und Wohl­stand an­ge­bo­ten, und je­des Mal habt Ihr ih­re An­ge­bo­te ab­ge­wie­sen und Euch selbst ins Un­glück ge­stürzt. Das ist kei­ne Weis­heit. Das bringt dir, dei­ner Fa­mi­lie, dei­nem Dorf oder dei­nen Kin­dern, die in Hass und Wut ge­bo­ren sind, kein gu­tes Le­ben. Die Ju­den has­sen dich nicht, sie has­sen das Schlach­ten, das Ihr seit fast hun­dert Jah­ren über sie ge­bracht habt. Die Ju­den wer­den im Ko­ran und in den Bü­chern des is­la­mi­schen Rechts als „Men­schen des Bu­ches” ge­lobt. Das ist des­we­gen, weil sie ei­ne Of­fen­ba­rung von Gott er­hal­ten ha­ben. Den­noch habt ihr sie ab­ge­schlach­tet, als wä­ren sie Göt­zen­die­ner.

In Sy­ri­en wü­tet der Krieg und Mus­li­me tö­ten Mus­li­me zu vie­len Tau­sen­den, und Mil­lio­nen wur­den ent­eig­net und ins Exil ge­trie­ben. Doch auch jetzt ar­bei­ten is­rae­li­sche Ju­den in Spe­zi­al­kran­ken­häu­sern in Sy­ri­en, in Kli­ni­ken, die sie ge­baut ha­ben, und brin­gen ver­letz­te Män­ner, Frau­en und Kin­der zur Be­hand­lung durch Fach­ärz­te und Kran­ken­schwes­tern hin. Wür­den sie das tun, wenn sie Mus­li­me hass­ten? Men­schen aus Ga­za und dem West­jor­dan­land wur­den in is­rae­li­schen Kran­ken­häu­sern zu Tau­sen­den be­han­delt, so wie Du jetzt be­han­delt wirst. Wür­den die Ju­den die­se Hil­fe leis­ten, wenn sie in ih­rem Her­zen dein Volk hass­ten? Doch du und an­de­re wie du ha­ben nichts als Hass für sie.

Hast du nicht den fun­dier­ten Ha­dith ge­le­sen:

Kei­ner von euch hat Glau­ben, bis er für sei­nen Bru­der liebt, was er für sich sel­ber liebt. (Quel­le: Ṣaḥīḥ al-​Bukhārī 13, Stu­fe: Mut­ta­faqun Alayhi)

Er­in­nerst Du dich nicht an die Wor­te, die der Pro­phet in sei­ner letz­ten Pre­digt ge­spro­chen hat: „Ver­let­ze nie­man­den, da­mit dich nie­mand ver­let­zen kann”? Und wenn du denkst, dass die Ju­den dir ge­gen­über fal­sches ge­tan ha­ben, hast du die Wor­te Al­lahs in Su­re al-​Fussilat, aya 34, nicht ge­le­sen:

Und nicht gleich sind die gu­te Tat und die Bö­se. Weh­re [das Bö­se] ab durch die­se [Tat], die bes­ser ist; Und dar­auf ist der, zwi­schen dem und dir Feind­schaft ist, als ob er ein hin­ge­bungs­vol­ler Freund wä­re. (Sa­hih In­ter­na­tio­nal)

Ich ha­be ge­hört, dass ei­ni­ge Mus­li­me sa­gen, dass Sie sich durch­set­zen wer­den, weil die Ju­den das Le­ben lie­ben und Ihr den Tod. Du bist an ih­rem hei­ligs­ten Tag der Wo­che los­ge­zo­gen, weil du da­mit ge­prahlt hast, glück­lich zu sein, zu ster­ben. Doch in ih­rer Le­bens­lie­be ha­ben die Ju­den gro­ße Fort­schrit­te, Hei­lung, Wis­sen und Wohl­stand in die Welt ge­bracht. Und in Eu­rer Vor­lie­be für den Tod habt Ihr euch selbst nichts als Hass und Ver­zweif­lung und har­tes Le­ben ge­bracht.

Du wirst ins Ge­fäng­nis ge­hen und du wirst dort blei­ben, bis du stirbst. Du wirst kei­ne dei­ner Am­bi­tio­nen er­rei­chen kön­nen, dei­ne Hoff­nun­gen, dei­ne Sehn­süch­te, ein Le­ben, das dei­ner Fa­mi­lie und dei­nen Mit-​Muslimen Stolz und Wür­de brin­gen wür­de. Du wirst nie­mals Arzt wer­den und die Kran­ken hei­len, ei­ne ed­le Be­ru­fung. Du wirst nie ein An­walt oder Rich­ter wer­den und Ge­rech­tig­keit lie­fern, ei­ne an­de­re gött­li­che Le­bens­wei­se. Du wirst nie ein mus­li­mi­scher Ge­lehr­ter wer­den, ein ‚alim, ein Pre­di­ger, ein Imam, al­le hei­li­gen Be­ru­fun­gen. Du wirst nie­mals hei­ra­ten, nie­mals Kin­der ha­ben, nie­mals ein gro­ßer Mann wer­den, der die Welt und sein ei­ge­nes Volk be­rei­chert ha­ben könn­te. Es gibt Män­ner und Frau­en in der Welt, die du zum Is­lam hät­tet ru­fen kön­nen, die aber, wenn sie von den bö­sen Din­gen hö­ren, die du ge­tan hast, den Is­lam für den Rest ih­res Le­bens ver­wer­fen wer­den. Dein Na­me wird in die Ge­schich­te ein­ge­hen zu­sam­men mit Na­men wie Adolf Hit­ler und Pha­rao, die Ju­den ent­ge­gen Got­tes Wil­len tö­te­ten und ver­sklav­ten. Und ich fürch­te, dass in der nächs­ten Welt, wenn es ei­ne nächs­te Welt gibt, wirst Du ei­ne Ewig­keit in der Ge­sell­schaft von Mör­dern und Ty­ran­nen ver­brin­gen.

Viel­leicht denkst Du, dass das Tö­ten von Ju­den ei­ne ed­le Sa­che ist, dass an­de­re Dich lo­ben und für ei­nen Hel­den hal­ten, ein tap­fe­rer Mann, ein ba­tal, ein wah­rer Gläu­bi­ger. Doch was du ge­tan hast, war nicht mu­tig, son­dern fei­ge. Die Leu­te wer­den Dir sa­gen, dass die Schlach­tung, die Du durch­ge­führt hast, he­ro­isch war und dass Du die Waf­fen auf­ge­nom­men hast, um Frei­heit für Dei­ne Mit-​Muslime zu brin­gen. Doch heu­te ver­ab­scheu­en Mil­lio­nen rund um die Welt was du ge­tan hast und nen­nen es bei sei­nem rich­ti­gen Na­men, ei­nen Sa­ta­ni­schen Akt. Wenn Du mit ei­ner of­fe­nen Hand und ei­nem lä­cheln­den Ge­sicht in die­ses Haus ge­gan­gen wärst, ver­si­che­re ich dir, dass die Fa­mi­lie dich be­grüßt hät­te, dei­ne Hand ge­schüt­telt und dich ein­ge­la­den hät­te, ihr Mahl zu tei­len. Aber das hast Du nicht ge­tan. Statt­des­sen hast du das Le­ben von Groß­el­tern und El­tern ge­nom­men und die Zu­kunft für ih­re klei­nen Kin­der rui­niert. Wie kann ir­gend je­mand dar­auf stolz sein?

Ich adres­sie­re die­sen Brief an Dich in der Hoff­nung, dass ir­gend­wo, heu­te, mor­gen oder in vie­le Jah­ren, Du das, was du ge­tan hast, als das se­hen kannst, was es ist und Dich schämst. Du hast Schan­de über Dei­ne Leu­te ge­bracht. Viel­leicht fin­dest Du ei­nen Weg, Dei­nen Mit-​Gläubigen, den jun­gen Pa­läs­ti­nen­sern wie Du selbst, zu er­klä­ren, dass sie trotz dem, was sie hö­ren, was sie zum Tö­ten lockt, auf dem Weg zu ih­rem Ru­in sind. Die Ara­ber ha­ben sechs Krie­ge ge­gen die Ju­den ge­kämpft und je­des Mal ver­lo­ren. Sie ha­ben In­ti­fa­das ge­kämpft, um die Ju­den aus dem Land zu ver­trei­ben, das Gott ih­nen ge­ge­ben hat, und sie ha­ben über­lebt und ge­dei­hen. Sie ha­ben Euch al­les an­ge­bo­ten, was Ihr braucht, um in Frie­den und Wohl­stand zu wach­sen. Sie ha­ben Euch be­schützt, da­mit Ihr frei be­ten könnt, Eu­re Mo­sche­en be­su­chen und Eu­re Pre­dig­ten pre­di­gen, selbst wenn Ihr Hass auf sie ge­pre­digt habt. Sind dies nicht An­zei­chen da­für, dass Al­lah sie be­schützt hat, ih­nen die Kraft ge­ge­ben hat, zu über­le­ben und sie ge­seg­net hat?

Es ist Zeit, ei­nen an­de­ren Weg zu su­chen, Eu­re Mes­ser in Pflug­scha­ren um­zu­wan­deln, Frie­den zu schlie­ßen, statt Krieg zu füh­ren und das Op­fer dei­ner Ju­gend­li­chen und Äl­te­ren zu be­en­den, das den pa­läs­ti­nen­si­schen Mus­li­men nichts als Elend bringt. Wenn Du al­lein, ein Mann, ver­ste­hen könn­test, dass Frie­den nah ist, so­bald du ihn willst und dar­auf hin­ar­bei­test. Al­lah sagt in Su­re al-Waqi’a, ayas 25 – 26, über das Volk des Pa­ra­die­ses: „Sie hö­ren dort kein lee­res Ge­re­de, noch Wor­te, die zur Sün­de auf­ru­fen, denn nur die Wor­te ‚Frie­den, Frie­den!’ wer­den dort ge­spro­chen.”

Frie­de sei mit Dir. Al-​salamu ‚alay­ka.
De­nis MacEoin

De­nis MacEoin, der ei­nen PhD in Is­la­mi­schen Stu­di­en auf­weist, ist ein Dis­tin­guis­hed Se­ni­or Fel­low am Gatestone In­sti­tu­te.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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