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Die letz­te halb­wegs freie Wahl: #Trau­Dich­Deutsch­land!

Ur­sprüng­lich woll­te ich ei­nen an­de­ren Text schrei­ben. Es soll­te ein fik­ti­ver Ta­ge­buch­ein­trag vom Vor­abend der vor­ge­zo­ge­nen Neu­wah­len am 22.09.2019 wer­den, der die vor­an­ge­gan­ge­nen (fik­ti­ven) Er­eig­nis­se Re­vue pas­sie­ren lässt. Nach den ers­ten drei Ab­sät­zen wur­de mir von mei­ner ei­ge­nen Ge­schich­te übel und ich ging zer­knirscht und mit Kopf­schmer­zen ist Bett. Und das lag kei­nes­wegs dar­an, dass der Text au­ßer­ge­wöhn­lich blut­rüns­tig oder an den Haa­ren her­bei ge­zo­gen war. Er fühl­te sich ganz im Ge­gen­teil be­ängs­ti­gend wie die ak­tu­el­le Ent­wick­lung un­se­rer Ge­sell­schaft an, nur eben ein paar Mo­na­te wei­ter gesponnen…

Mir ist in die­sem Mo­ment klar ge­wor­den, man ver­zei­he mir die­se Wort­wahl, wie tief wir be­reits jetzt in der Schei­ße ste­cken. In Dres­den wer­den „Bananen-​Fahnen” kon­fis­ziert [1], fast al­le wol­le man mit dem be­gehr­ten Ossi-​Obst auch die Er­in­ne­rung an ’89 aus­lö­schen. Face­book löscht in vor­aus­ei­len­dem Ge­hor­sam zehn­tau­sen­de re­gime­kri­ti­sche Kon­ten [2], par­don, Kon­ten, die un­ter „Ver­dacht ge­stan­den” hät­ten, „Falsch­in­for­ma­tio­nen” oder „ir­re­füh­ren­de In­hal­te” zu ver­brei­ten. Un­ter Ver­dacht, wohl­ge­merkt, wer auch im­mer den hat­te. Mein ei­ge­nes war eins da­von, und ich kann mir leb­haft vor­stel­len, nach wel­chen Kri­te­ri­en dort vor­sich­tig mit dem Holz­ham­mer dem Falsch­denk Ein­halt ge­bo­ten wurde.

Prak­tisch die ge­sam­te, mit ge­raub­tem Geld fi­nan­zier­te, öf­fent­li­che Me­di­en­land­schaft, so­wie ein Groß­teil der pri­va­ten Pres­se hat ei­ne sur­rea­le Ein­heits­front mit den eta­blier­ten Par­tei­en ge­bil­det. Zwar be­müht man sich in den letz­ten Wo­chen auf­fal­lend, auch AfD-​Vertreter vor­zu­stel­len, aber meist wer­den die­se dann so ge­schickt in ein du­bio­ses Licht ge­rückt, dass sie für Nor­mal­sterb­li­che eher we­nig at­trak­tiv wir­ken. Man gibt sich da­bei nicht mal Mü­he, die­se be­ab­sich­tig­te Wir­kung ir­gend­wie zu ver­schlei­ern. Wenn bei­spiels­wei­se ein Prot­ago­nist ei­ner an­de­ren Par­tei in der sel­ben Sen­dung Aus­sa­gen tä­tigt, die von geis­ti­ger Ver­wirrt­heit kaum zu un­ter­schei­den sind, und dann da­für be­ju­belt wird, wirkt das un­frei­wil­lig ko­misch. Wenn es nicht so ernst wäre.

Der „Wahl-​o-​Mat” [3] der ver­meint­lich neu­tra­len Bun­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche Bil­dung stellt bei den 38 Fra­gen, wel­che die Wahl­ent­schei­dung für Un­ent­schlos­se­ne er­leich­tern sol­len, KEINE EINZIGE po­li­ti­sche For­de­rung aus dem ers­ten Ka­pi­tel des Wahl­pro­gramms („Ver­tei­di­gung der De­mo­kra­tie in Deutsch­land”) zur Ab­stim­mung. Und das ist, mei­ner Mei­nung nach, das ei­gent­lich Wich­ti­ge. Denn dar­auf baut al­les an­de­re auf. [4] Das ist ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal der AfD und wür­de vie­le Men­schen an­spre­chen. Da hat man dann bes­ser gleich kom­plett dar­auf ver­zich­tet, um die Bür­ger nicht un­nö­tig zu verunsichern.

Die­se frus­trie­ren­de Auf­zäh­lung lie­ße sich noch be­lie­big fort­set­zen und ver­sucht nicht mal, ei­nen An­spruch auf Voll­stän­dig­keit zu er­he­ben. Wer mit of­fe­nen Au­gen durchs Le­ben geht, ist sich die­ser Pro­ble­me oh­ne­hin be­wusst und kennt je­de Men­ge wei­te­re Bei­spie­le. Sei­en es die ge­walt­tä­ti­gen Über­grif­fe auf Per­so­nal und Ei­gen­tum der AfD, die mas­si­ve Stö­rung und Be­hin­de­rung des Wahl­kampfs, der Wahl­be­trug bei den zu­rück­lie­gen­den Land­tags­wah­len, die staat­li­chen Re­pres­sio­nen ge­gen­über kri­ti­schen Bür­gern, usw. usf. Zum Spaß sind die OECD-​Wahlbeobachter je­den­falls nicht im Land. Aber kei­ne Sor­ge, sie wer­den Deutsch­land ein aus­ge­zeich­ne­tes Zeug­nis ausstellen.

Dass Mer­kel die kom­men­de „Nicht-​Flüchtlingswelle” po­li­tisch über­lebt, hal­te ich für aus­ge­schlos­sen. 2018 dür­fen al­lein 390.000 „Sy­rer” ih­re Fa­mi­li­en nach Deutsch­land ho­len [5]. Wenn da nur ei­ne Frau und zwei-​drei Kin­der kom­men, re­den wir über ver­mut­lich 1,5 Mil­lio­nen Men­schen. Und das ist nur der Nach­zug der Sy­rer. Oder je­ner, die un­ter­wegs wel­che ge­wor­den sind. Wer glaubt, dass da nur vier Leu­te kom­men, die tat­säch­lich zur Fa­mi­lie ge­hö­ren, ist wahr­haft op­ti­mis­tisch. „Flücht­lin­ge” sind die der­art Ge­hol­ten üb­ri­gens nicht, wor­über sich die Sta­tis­tik freu­en dürf­te, denn sie bleibt da­von un­be­fleckt. Die­se Men­schen sind dann halt auch ir­gend­wie da.

Ich ha­be oben ge­schrie­ben, dass Mer­kel die nächs­te Le­gis­la­tur­pe­ri­ode po­li­tisch nicht über­lebt. Das muss sie auch gar nicht. Sie wird sie un­po­li­tisch (un­de­mo­kra­tisch) über­le­ben. Ju­ris­tisch sind die Wei­chen zur Ze­men­tie­rung die­ses Re­gimes be­reits ge­stellt. Die Ge­wal­ten­tei­lung ver­sagt kläg­lich in ei­nem Staat, in dem die Ju­di­ka­ti­ve die un­ver­ho­le­nen Rechts­brü­che der Le­gis­la­ti­ve ent­we­der nach­träg­lich le­ga­li­siert oder schlicht­weg nicht ver­folgt, un­ter Miss­brauch des Ge­walt­mo­no­pols der Exe­ku­ti­ve. Die vier­te Macht im Staat, die Pres­se, steht des­in­ter­es­siert am Rand und be­klatscht das düs­te­re Spektakel.

An­ge­sichts die­ser Ent­wick­lung sind mir die ge­schätz­ten 30 Pro­zent Nicht­wäh­ler ein ab­so­lu­tes Rät­sel. Eben­so wie die 90 Pro­zent Wäh­ler, die laut ak­tu­el­len Um­fra­gen ei­ne der eta­blier­ten Par­tei­en wäh­len wol­len (die­sem Wunsch-​Ergebnis wird man sich al­ler­dings nur durch um­fang­rei­che „Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten” bei der Wahl an­nä­hern kön­nen). In die­sem Sin­ne, mei­ne Lie­ben: Geht raus und über­zeugt die Men­schen. Wer nicht wäh­len mag, weil er das für sinn­los hält, kann ja zur Ab­wechs­lung auch mal AfD wäh­len, wenn es so­wie­so „egal” ist. Und vie­len Un­ent­schlos­se­nen fehlt le­dig­lich die rich­ti­ge Be­ra­tung. Das geht nur im per­sön­li­chen Gespräch.

Lasst uns am 24. Sep­tem­ber der DDR 2.0 die blaue Kar­te zeigen!

[1] https://youtu.be/mNb3_GU2f8E
[2] http://www.n-tv.de/politik/Facebook-loescht-Zehntausende-Konten-article19995213.html
[3] https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2017/
[4] https://www.afd.de/wp-content/uploads/sites/111/2017/06/2017 – 06-01_AfD-Bundestagswahlprogramm_Onlinefassung.pdf
[5] http://www.bild.de/politik/inland/migrationspolitik/merkel-beim-fluechtlingsgipfel-in-paris-53023774.bild.html

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