«

»

Wenn das Kriegs­völ­ker­recht tö­tet

Ter­ro­ris­ten­grup­pen wie die Ha­mas wis­sen ganz ge­nau, wie sie das Kriegs­völ­ker­recht ma­ni­pu­lie­ren müs­sen, da­mit es ih­nen nützt.

Ja­mes S. Rob­bins, 17. März 2015, USNews.com

Die Kriegs­völ­ker­rech­te sol­len Kon­flik­te be­gren­zen und Ver­lus­te mi­ni­mie­ren. Doch was pas­siert, wenn Ter­ro­ris­ten die glei­chen Rech­te da­zu be­nut­zen, Kon­flik­te aus­zu­wei­ten und mehr Men­schen zu tö­ten?

Die­ses Pa­ra­do­xon steht in der Mit­te ei­nes neu­en Be­richts, „Be­ur­tei­lung des Gaza-​Kriegs 2014: Das neue An­ge­sicht von Kon­flikt,” be­auf­tragt vom Je­wish In­sti­tu­te for Na­tio­nal Se­cu­ri­ty Af­fairs. Es ist das Er­geb­nis ei­ner Stu­die von er­fah­re­nen US Mi­li­tärs im Ru­he­stand und Wis­sen­schaft­lern, die mit Pri­mär­quel­len und In­ter­views mit is­rae­li­schen, pa­läs­ti­nen­si­schen Be­am­ten und sol­chen der Ver­ein­ten Na­tio­nen ge­führt ha­ben.

Bei ei­ner Ver­an­stal­tung ver­gan­ge­ne Wo­che für die Frei­ga­be des Be­richts hat Eli­ot Co­hen, Pro­fes­sor an der Paul H. Nit­ze School of Ad­van­ced In­ter­na­tio­nal Stu­dies der Johns Hop­kins Uni­ver­si­ty, die Her­aus­for­de­run­gen des Kamp­fes ge­gen ei­nen un­kon­ven­tio­nel­len Feind her­aus­ge­stri­chen, der die Ge­set­zes­treue ei­nes Staa­tes als tak­ti­sche und stra­te­gi­sche Chan­ce nutzt. In un­kon­ven­tio­nel­ler oder hy­bri­der Kriegs­füh­rung scha­det das Völ­ker­recht Zi­vi­lis­ten, weil die­je­ni­gen, die es nicht be­ach­ten, es als Waf­fe ver­wen­den ge­gen die­je­ni­gen, die das tun, mit den Un­schul­di­gen als ih­re Werk­zeu­ge.

Wäh­rend des sechs­wö­chi­gen­se Gaza-​Krieg vom letz­ten Jahr – auch als Ope­ra­ti­on Schutz­rand (Pro­tec­tive Edge) be­kannt – ha­ben die Is­rae­lis be­deu­ten­de An­stren­gun­gen un­ter­nom­men, um die Be­din­gun­gen der Ge­set­ze vom in­ter­na­tio­na­len be­waff­ne­ten Kon­flikt zu er­fül­len. Ha­mas tat das Ge­gen­teil, er­höh­te das Ri­si­ko für Zi­vi­lis­ten ab­sicht­lich und eben­so die An­zahl zi­vi­ler Op­fer. Aber auf­grund un­kri­ti­scher Be­richt­erstat­tung in den Me­di­en, die die Tat­sa­che der zi­vi­len To­des­op­fer her­hob und nicht die Um­stän­de, un­ter de­nen sie ent­stan­den sind, konn­te die Ha­mas die Kon­trol­le über Dar­stel­lung in den Me­di­en aus­üben. Als Er­geb­nis, nach dem Vor­sit­zen­den der Task Force, dem pen­sio­nier­ten Air Force Ge­ne­ral Charles Wald, „denkt Ha­mas, dass sie die­se Sa­che ge­won­nen hät­ten”, ob­wohl sie auf dem Bo­den ent­schie­den ge­schla­gen wur­den.

[SIEHE: Car­toons über den mitt­le­ren Os­ten]

Ha­mas wuss­te, dass Pres­se­be­rich­te nur auf die Aus­wir­kun­gen des Kamp­fes ein­ge­hen, nicht auf die un­mit­tel­ba­ren Um­stän­de ei­nes Feu­er­ge­fechts oder die In­ten­ti­on oder den Ent­schei­dungs­fin­dungs­pro­zess, der ihm vor­aus­geht. Sie ha­ben il­le­ga­ler­wei­se Mo­sche­en, Schu­len und Kran­ken­häu­ser be­nutzt – und die Nicht­kom­bat­tan­ten in ih­nen – als Kampf­stel­lun­gen, Ver­sor­gungs­la­ger und Kom­man­do­zen­tra­len. Wenn die­se Be­rei­che is­rae­li­sches Ge­gen­feu­er auf sich zo­gen – was nach dem Recht des be­waff­ne­ten Kon­flikts er­laubt ist – ging die Ha­mas hin und pu­bli­zier­te den Scha­den als an­geb­li­ches Kriegs­ver­bre­chen.

Den Is­rae­lis war dies schmerz­lich be­wusst, und sie gin­gen aus­ser­ge­wöhn­li­chen weit, um zu ver­su­chen, die Aus­wir­kun­gen des Krie­ges auf die Zi­vil­be­völ­ke­rung zu mi­ni­mie­ren. Wenn zum Bei­spiel die Ha­mas Kom­man­do­pos­ten und Kampf­po­si­tio­nen in Wohn­ge­bäu­den plat­zier­te, dann ha­ben die is­rae­li­schen Streit­kräf­te die Men­schen dar­in vor ei­nem be­vor­ste­hen­den Luft­an­griff ge­warnt durch „aufs-​Dach-​klopfen”, das heisst durch das Fal­len­las­sen von nicht-​explosiven Kör­pern auf die Dä­cher der Ge­bäu­de, um die Leu­te zum ver­las­sen des­sel­ben zu ver­an­las­sen. Dies gab dem Geg­ner ei­ne Chan­ce zu ent­kom­men, aber es zeigt, wie weit Is­ra­el ge­gan­gen ist, um das Kriegs­völ­ker­recht zu be­fol­gen, selbst zu sei­nem tak­ti­schen Nach­teil. In an­de­ren Fäl­len ha­ben Hamas-​Kämpfer mit vor­ge­hal­te­ner Waf­fe nicht zu­ge­las­sen, dass Be­woh­ner flie­hen. Dies führ­te manch­mal da­zu, dass ei­ne is­rae­li­sche Mis­si­on ab­ge­bro­chen wur­de; an­de­re Ma­le führ­te es zu un­nö­ti­gen zi­vi­len Op­fern, für die Is­ra­el ver­ant­wort­lich ge­macht wur­de.

Für Ame­ri­ka­ner ist das ei­ne alt­be­kann­te Ge­schich­te. Von der Tet-​Offensive 1968 in Viet­nam bis zu zeit­ge­nös­si­schen Gegen-​Aufständen ha­ben US Kämp­fer ent­deckt, dass sie bei­spiel­haft Sie­ge auf dem Schlacht­feld ge­win­nen konn­ten, nur um spä­ter in den Zei­tun­gen zu le­sen, wie sie „ei­gent­lich” ver­lo­ren hat­ten.

[SIEHE: Po­li­ti­sche Car­toons über den Iran]

Der pen­sio­nier­te Armee-​Generalmajor Mi­ke Jo­nes er­läu­tert die Grün­de, war­um Is­ra­el auf dem Schlacht­feld ge­win­nen konn­te, aber in der glo­ba­len In­for­ma­ti­ons­do­mä­ne ver­lor . Die is­rae­li­schen Streit­kräf­te hat­ten ro­bus­te In­for­ma­ti­ons­ope­ra­tio­nen, kon­zen­trier­ten sich aber auf das hei­mi­sche Pu­bli­kum in Is­ra­el. Das Mi­nis­te­ri­um für aus­wär­ti­ge An­ge­le­gen­hei­ten, zu­stän­dig für die Mit­ge­stal­tung der in­ter­na­tio­na­len öf­fent­li­chen Mei­nung, ver­füg­te nicht über die Res­sour­cen, um die An­stren­gun­gen der Ha­mas zu über­win­den. Die Ha­mas hat­te ei­nen sehr an­spruchs­vol­len An­satz zur tra­di­tio­nel­len Pres­se und so­zia­len Me­di­en. Jo­nes stell­te fest, dass, an­statt ei­nen Krieg zu füh­ren und zu ver­su­chen, die Pres­se­be­richt­erstat­tung zu ge­stal­ten, „kämpf­te die Ha­mas ei­ne In­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne, die von mi­li­tä­ri­schen Ope­ra­tio­nen ak­ti­viert ge­trie­ben war.”

Es gab auch ei­ne stra­te­gi­sche Fehl­an­pas­sung im Um­gang mit Re­por­tern. Pres­se­leu­te, die den Krieg von der is­rae­li­schen Sei­te her ab­deck­ten, hat­te ei­nen brei­ten Zu­gang und konn­ten ih­re Be­richt­erstat­tung ge­stal­ten, wie sie es für rich­tig hiel­ten, ge­le­gent­li­che Feh­ler auf dem Schlacht­feld, Bei­spie­le für Un­zu­frie­den­heit in mi­li­tä­ri­schen Rän­gen oder Pro­tes­te be­lie­big hoch­spie­len. Be­richt­erstat­tung von der an­de­ren Sei­te des Krie­ges war ganz an­ders. Ha­mas hat kein Kon­zept für Pres­se­frei­heit und die Rech­te der Jour­na­lis­ten. Re­por­ter durf­ten nur Ge­schich­ten schrei­ben, die die Ha­mas Er­zäh­lung un­ter­stütz­ten. Zum Bei­spiel be­kam die Pres­se aus­rei­chend Zu­gang zum Al-​Shifa Kran­ken­haus in Ga­za, wo sie Bil­der schies­sen durf­ten von Ver­letz­ten und trau­ern­den An­ge­hö­ri­gen, durf­ten aber nicht den il­le­ga­len Ge­fechts­stand im Kel­ler des Kran­ken­hau­ses zei­gen. Die­je­ni­gen, die über an­dau­ern­de Kriegs­ver­bre­chen der Ha­mas zu be­rich­ten ver­such­ten, wie den Ein­satz von mensch­li­chen Schutz­schil­den, wur­den schi­ka­niert, be­droht und ih­re Aus­rüs­tung wur­de kon­fis­ziert.

Die wich­tigs­te Leh­re für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten vor ähn­li­chen Kon­flik­ten ist es, so viel Zeit und En­er­gie in die Ge­stal­tung der Bil­der und Nach­rich­ten vom Schlacht­feld flies­sen zu las­sen, wie der Geg­ner es auch tut, so­wohl in tra­di­tio­nel­len und So­ci­al Me­dia. Auch ist es wich­tig, dass Jour­na­lis­ten, die wah­ren Gren­zen und Aus­wir­kun­gen des Völ­ker­rechts ver­ste­hen, noch be­vor sie an den Kriegs­schau­platz ge­lan­gen. Un­kon­ven­tio­nel­le Geg­ner kon­zen­trie­ren sich auf die In­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne, weil sie nur die­se ge­win­nen kön­nen. Es wird ei­ne sorg­fäl­ti­ge Pla­nung und Vor­aus­sicht brau­chen, um si­cher­zu­stel­len, dass sie das nicht schaf­fen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php