StartseiteNaher OstenWarum hassen sie die Juden?

Facebook-Posting von Noel Ratz in der Gruppe “Europeans against Antisemitism”, ursprünglich publiziert von
Albert Einstein, 26. 11. 1938, Collier’s Magazine

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Wenn du es nicht auf einfache Weise erklären kannst, dann verstehst du es noch nicht gut genug. — Albert Einstein

Eigentlich möchte ich mit einer alten Fabel beginnen, mit ein paar kleinen Änderungen – eine Fabel, die dazu dient, auf kühne Weise die Triebfedern des politischen Antisemitismus in die Waagschale zu werfen:

Der Hirtenjunge sagte zum Pferd: “Du bist das edelste Tier, das die Erde beschreitet. Du verdienst es, in unbeschwertem Glück zu leben, und in der Tat wäre dein Glück komplett, gäbe es nicht den verräterischen Hirsch. Doch er übte von Klein auf, dich zu übertreffen in der Schnelligkeit des Fusses. Sein schnelleres Tempo erlaubt es ihm, die Wasserlöcher vor dir zu erreichen. Er und sein Stamm trinken das Wasser weit und breit, während du und dein Fohlen dem Durst überlassen bleiben. Bleib bei mir! Meine Weisheit und Führung werden dich und deine Art aus düsterem und schmachvollem Zustand befreien.”

Von Neid und Hass gegenüber dem Hirsch geblendet, stimmte das Pferd zu. Er übergab dem Hirtenburschen seinen Zaum. Er verlor seine Freiheit und wurde des Hirten Sklave.

Das Pferd in dieser Fabel stellt ein Volk dar, und der Hirtenjunge eine Klasse oder Clique von Anwärtern auf die absolute Herrschaft über das Volk; der Hirsch auf der anderen Seite stellt die Juden dar.

Ich höre Sie sagen: “Eine höchst unwahrscheinlich Geschichte! Kein Geschöpf wäre so dumm wie das Pferd in der Fabel.”

Doch denken wir etwas länger darüber nach. Das Pferd hatte die Qualen der Durst erlitten, und seine Eitelkeit ist oft gestochen worden, wenn es sah, wie ihm der flinke Hirsch davonlief. Sie, die Sie keinen solchen Schmerz und Ärger gekannt haben, finden es vielleicht schwierig, zu verstehen, wie Hass und Blindheit das Pferd dazu treiben kann, so schlecht beraten und in leichtgläubiger Eile zu handeln. Das Pferd fiel jedoch als leichtes Opfer der Versuchung anheim, weil seine früheren Wirrungen es auf einen solchen Fehler vorbereitet hatten. Denn es steckt viel Wahrheit in dem Sprichwort, dass es einfach ist, – anderen! – gerechte und weise Ratschläge zu geben, jedoch schwer, recht und klug für sich selbst zu handeln. Ich sage euch mit voller Überzeugung: Wir alle haben oft die tragische Rolle des Pferdes gespielt und wir sind in ständiger Gefahr, der Versuchung nachzugeben.

Die in dieser Fabel dargestellte Situation ereignet sich immer und immer wieder im Leben von Menschen und Völkern. Kurz gesagt, können wir es das Verfahren nennen, durch das Abneigung und Hass gegen eine bestimmte Person oder Gruppe an eine andere Person oder Gruppe umgeleitet wird, die nicht in der Lage ist, sich effektiv zu verteidigen. Doch warum ist die Rolle des Hirsches in der Fabel so oft den Juden zugefallen? Warum haben sich die Juden so oft den Hass der Massen zugezogen? In erster Linie, weil es in fast allen Nationen Juden gibt, und weil sie überall zu dünn gestreut sind, um sich gegen gewalttätige Angriffe zu verteidigen.

Einige Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit beweisen diesen Punkt: Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts seufzten die russischen Menschen unter der Tyrannei ihrer Regierung. Dumme Fehler in der Aussenpolitik führten zu weiteren Anspannungen ihres Temperaments, bis es den Bruchpunkt erreichte. In dieser Extremsituation versuchten die Herrscher von Russland, Unruhen durch die Anstiftung der Massen zu Hass und Gewalt gegenüber den Juden abzulenken. Diese Taktik wurde wiederholt, nachdem die russische Regierung die gefährliche Revolution von 1905 in Blut ertränkt hatte und dieses Manöver wird gut dazu beigetragen haben, das verhasste Regime bis kurz vor dem Ende des Weltkrieges an der Macht zu halten.

Als die Deutschen den Weltkrieg verloren hatten, der von ihrer herrschenden Klasse gehegt worden war, wurde sofort versucht, den Juden die Schuld zu geben, zunächst für die Anstiftung zum Krieg und dann, ihn zu verlieren. Im Laufe der Zeit wurden diese Bemühungen mit Erfolg  belohnt. Der Hass, der gegen die Juden geschürt wurde, schützt nicht nur die privilegierten Klassen, sondern erlaubte einer kleinen, skrupellosen und frechen Gruppe, das deutsche Volk in einem Zustand der vollständigen Knechtschaft zu halten.

Die Verbrechen, derer die Juden im Laufe der Geschichte bezichtigt wurden – Verbrechen, die die Gräueltaten gegen sie rechtfertigen sollten – wurden in rascher Folge geändert. Sie sollen Brunnen vergiftet haben. Man sagte ihnen nach, Kinder zu rituellen Zwecken ermordet haben. Sie wurden fälschlicherweise des systematischen Versuchs der wirtschaftlichen Dominierung und Ausbeutung der Menschheit beschuldigt. Pseudowissenschaftliche Bücher wurden geschrieben, um sie als minderwertige, gefährliche Rasse zu brandmarken. Man gab ihnen den Ruf, Kriege und Revolutionen aus egoistischen Gründen heraus zu schüren. Sie wurden gleichzeitig als gefährliche Innovatoren und als Feinde des wahren Fortschritts dargestellt. Sie wurden beschuldigt, die Kultur der Völker zu verfälschen durch Eindringen in das nationale Leben unter dem Deckmantel der Assimilierung. Im gleichen Atemzug beklagte man, sie seien so stur und unflexibel, dass es ihnen unmöglich sei, überhaupt in eine Gesellschaft zu passen.

Fast unvorstellbar waren die Anklagen, die gegen sie erhoben wurden, Beschuldigungen, die ihren Anklägern die längste Zeit als falsch wohl bekannt waren, die aber trotzdem immer wieder die Massen beeinflussten. In Zeiten von Unruhe und Turbulenzen sind die Massen Hass und Grausamkeit zugeneigt, während in Zeiten des Friedens diese Züge nur heimlich aus der menschlichen Natur hervorgehen.

Bis zu diesem Punkt habe ich nur von Gewalt und Unterdrückung gegen Juden gesprochen – nicht von Antisemitismus als psychologisches und soziales Phänomen, das selbst zu Zeiten und Umständen existiert, zu denen keine speziellen Massnahmen gegen Juden im Gange sind. In diesem Sinne kann man von latentem Antisemitismus sprechen. Was ist seine Grundlage? Ich glaube, dass man ihn in einem gewissen Sinne tatsächlich als eine normale Erscheinung im Leben eines Volkes ansehen kann.

Die Mitglieder jeglicher Gruppen in einem Land sind einander stärker verbunden, als zur übrigen Bevölkerung. Daher wird eine Nation niemals reibungsfrei sein, solange solche Gruppen weiterhin unterscheidbar sind. Ich glaube, dass Uniformität in einer Population nicht wünschenswert ist, selbst wenn sie erreichbar wäre. Gemeinsame Überzeugungen und Ziele, ähnliche Interessen, werden in jeder Gesellschaft Gruppen produzieren, die, in einem gewissen Sinne als Einheiten wirken. Es wird immer Reibungspunkte geben zwischen solchen Gruppen – die selbe Art von Abneigung und Rivalität, die auch zwischen den Individuen existiert.

Die Notwendigkeit von solchen Gruppierungen ist vielleicht am sichtbarsten auf dem Gebiet der Politik, bei der Bildung von politischen Parteien. Ohne Parteien leiden die politischen Interessen der Bürger eines Staates. Es gäbe kein Forum für den freien Austausch von Meinungen. Das Individuum würde isoliert und unfähig, seine Überzeugungen geltend zu machen. Politische Überzeugungen, darüber hinaus, reifen und wachsen nur durch gegenseitige Anregung und Kritik von Personen mit ähnlicher Gesinnung und Zweck; und Politik unterscheidet sich nicht von jedem anderen Bereich unserer kulturellen Existenz. Damit wird anerkannt, zum Beispiel, dass in Zeiten von intensivem religiösem Eifer wahrscheinlich verschiedene Sekten entstehen, deren Rivalität das religiöse Leben im Allgemeinen stimuliert. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass die Zentralisierung – das heisst, die Abschaffung der unabhängigen Gruppen – zu Einseitigkeit und Unfruchtbarkeit in Wissenschaft und Kunst führt, da solche Zentralisierung jede Rivalität der Meinungen und Forschungstrends kontrolliert und sogar unterdrückt.

Doch was genau ist ein Jude?

Die Bildung von Gruppen wirkt belebend auf allen Gebieten des menschlichen Strebens, vielleicht vor allem aufgrund des Kampfes zwischen den Überzeugungen und Zielen der verschiedenen Gruppen. Die Juden bilden eine solche Gruppe, mit einem definitiven Eigencharakter, und Antisemitismus ist nichts als die antagonistische Haltung der Nicht-Juden, die durch die jüdische Gruppe produziert wird. Dies ist eine normale soziale Reaktion. Doch für den politischen Missbrauch, der daraus resultiert, hätte sie keinen besonderen Namen gebraucht.

Was sind die Merkmale der jüdischen Gruppe? Was macht einen Juden aus? Es gibt keine schnellen Antworten auf diese Frage. Die naheliegendste Antwort wäre die folgende: Ein Jude ist eine Person bekennenden jüdischen Glaubens. Der oberflächliche Charakter dieser Antwort wird leicht mittels einer einfachen Parallel aufgedeckt. Lassen Sie uns die Frage stellen: Was ist eine Schnecke? Eine Antwort ähnlich in der Art, die der oben angegebenen könnte sein: Eine Schnecke ist ein Tier, das in einem Schneckenhaus wohnt. Diese Antwort ist nicht ganz falsch; noch ist sie sicherlich Vollständig; weil das Schneckenhaus eines der materiellen Produkte der Schnecke ist. In ähnlicher Weise ist der jüdische Glaube eines der charakteristischen Produkte der jüdischen Gemeinde. Es ist darüber hinaus bekannt, dass eine Schnecke die Schale abwerfen kann, ohne dabei aufzuhören, eine Schnecke sein. Der Jude, der seinen Glauben aufgibt (im formalen Sinne des Wortes) ist in einer ähnlichen Position. Er bleibt ein Jude.

Schwierigkeiten dieser Art tauchen auf, wann immer man den wesentlichen Charakter einer Gruppe zu erklären versucht.

Das Band, das die Juden seit Tausenden von Jahren verbunden hat, und das sie heute eint, ist vor allem das demokratische Ideal der sozialen Gerechtigkeit, verbunden mit dem Ideal der gegenseitigen Hilfe und der Toleranz unter allen Menschen. Selbst die ältesten religiösen Schriften der Juden sind von diesen sozialen Idealen durchdrungen, die sich kraftvoll ausgewirkt haben auf das Christentum und den Islam und einen gutartigen Einfluss auf die soziale Struktur eines großen Teils der Menschheit hatten. Ich erinnere hier an die Einführung eines wöchentlichen Ruhetags – ein tiefgreifender Segen für die ganze Menschheit. Persönlichkeiten wie Moses, Spinoza und Karl Marx, unähnlich, wie sie auch sein mögen, lebten und opferten sich alle für das Ideal der sozialen Gerechtigkeit; und es war die Tradition ihrer Vorfahren, die sie auf diese dornigen Weg geführt hatte. Die besonderen Leistungen der Juden auf dem Gebiet der Menschenfreundlichkeit entspringen aus der gleichen Quelle.

Der zweite Wesenszug der jüdischen Tradition ist die hohe Wertschätzung, den sie für jede Form von geistigem Streben und geistiger Anstrengung aufbringt. Ich bin davon überzeugt, dass dieser grosse Respekt vor geistigem Streben im weitesten Sinne des Begriffs verantwortlich ist für die Beiträge, die die Juden zum Fortschritt des Wissens gemacht haben. Angesichts ihrer relativ geringen Anzahl und der erheblichen externen Hindernissen die ihnen auf allen Seiten immer wieder in den Weg gelegt werden, verdient das Ausmass dieser Beiträge die Bewunderung von allen aufrichtigen Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass dies nicht auf Grund einer besonders reichen Ausstattung geschieht, sondern dass die Wertschätzung, die für intellektuelle Leistung bei den Juden aufgebracht wird, eine Atmosphäre schafft, die besonders günstig ist für die Entwicklung aller Talente, die eventuell vorhanden sind. Gleichzeitig verhindert ein starker kritischer Geist blinden Gehorsam zu jeder sterblichen Autorität.

Ich habe mich hier auf diese beiden traditionellen Merkmale beschränkt, die mir am grundlegendsten scheinen. Diese Normen und Ideale finden ihren Ausdruck im Kleinen wie im Grossen. Sie werden von den Eltern auf die Kinder übertragen; sie färben Gespräche und Urteile unter Freunden; Sie füllen die religiösen Schriften; und sie geben dem Gemeinschaftsleben der Gruppe seinen charakteristischen Stempel. Es sind diese unverwechselbaren Ideale, in denen ich das Wesen der jüdischen Natur sehe. Dass diese Ideale nur unvollkommen realisiert sind im tatsächlichen alltäglichen Leben der Gruppe ist nur natürlich. Allerdings, wenn man versucht, einen kurz zusammengefassten Ausdruck des wesentlichen Charakters einer Gruppe zu finden, dann muss der Ansatz immer vom ideal ausgehen.

Wo Unterdrückung ein Stimulus ist

Im Vorangehenden habe ich das Judentum als eine Gemeinschaft von Traditionen konzipiert. Freund und Feind, auf der anderen Seite, haben oft behauptet, dass die Juden eine Rasse sind; dass ihr charakteristisches Verhalten das Ergebnis ist von angeborenen Eigenschaften, die von einer Generation auf die nächste vererbt werden. Diese Meinung gewinnt Gewicht aus der Tatsache, dass die Juden seit Tausenden von Jahren vor allem innerhalb ihrer eigenen Gruppe geheiratet haben. Ein solcher Brauch kann in der Tat eine homogene Rasse bewahren – wenn sie ursprünglich existierte; er kann nicht Gleichförmigkeit der Rasse produzieren – wenn sie ursprünglich eine Rassenmischung war. Die Juden sind jedoch ohne Zweifel eine gemischte Rasse, so wie alle anderen Gruppen unserer Zivilisation. Ernsthafte Anthropologen sind sich in diesem Punkt einig; gegenteilige Behauptungen gehören alle in den Bereich der politischen Propaganda und müssen entsprechend bewertet werden.

Vielleicht sogar noch mehr als auf ihre eigene Tradition hat sich die jüdische Gruppe vorantreiben lassen aufgrund der Unterdrückung und der Gegensätze, die sie schon immer in der Welt angetroffen hat. Hier liegt zweifellos einer der Hauptgründe für ihren Fortbestand durch so viele Tausende von Jahren.

Die jüdische Gruppe, die wir vorangehenden kurz charakterisiert haben, umfasst etwa sechzehn Millionen Menschen – weniger als ein Prozent der Menschheit, oder etwa halb so viele wie die Bevölkerung des heutigen Polen. Ihre Bedeutung als politischer Faktor ist vernachlässigbar. Sie sind nahezu über die ganze Erde verstreut und sind in keiner Weise als Ganzes organisiert – was bedeutet, dass sie nicht in der Lage sind zu konzertierten Aktionen jeglicher Art.

Wenn jemand ein Bild der Juden zeichnen sollte allein aus den Äusserungen ihrer Feinde, dann würde er zu dem Schluss kommen, dass sie eine Weltmacht darstellen. Auf den ersten Blick erscheint das geradezu absurd: und doch gibt es meiner Ansicht nach einen gewissen Sinn dahinter. Die Juden als Gruppe sind viellelicht machtlos, doch die Summe der Leistungen ihrer einzelnen Mitglieder ist überall beträchtlich und bezeichnend, auch wenn diese Leistungen angesichts grosser Hindernisse gemacht wurden. Die Kräfte, die schlafend in den einzelnen vorhanden sind, werden mobilisiert, und das Individuum selbst wird durch den Geist, der in der Gruppe lebt, stimuliert bis zur Selbst-Aufopferung.

Daher der Hass gegen die Juden von denen, die Grund haben, die Volksaufklärung zu meiden. Mehr als alles andere in der Welt, fürchten sie den Einfluss von Menschen mit geistiger Unabhängigkeit. Ich sehe darin die wesentliche Ursache für den wilden Judenhass, der im heutigen Deutschland tobt. Für die Gruppe der Nazis sind die Juden nicht nur ein Mittel, den Unmut der Menschen von sich selbst, den Unterdrückern, wegzudrehen; sie sehen die Juden als nicht-assimilierbares Element, das nicht in die unkritische Akzeptanz des Dogmas getrieben werden kann, und das daher – so lange es existiert – ihre Autorität bedroht durch seine dauerhafte Forderung nach Volksaufklärung der Massen.

Der Beweis, dass dieses Konzept den Kern der Sache trifft, wird überzeugend dargelegt durch die feierliche Zeremonie der Bücherverbrennung, inszeniert durch das NS-Regime kurz nach ihrer Machtübernahme. Dieser Akt, aus politischer Sicht sinnlos, kann nur als spontaner Gefühlsausbruch verstanden werden. Aus diesem Grund scheint er mir viel aussagekräftiger als viele Taten mit höherem Zweck und praktischer Bedeutung.

Auf dem Gebiet der Politik und Sozialwissenschaften ist ein begründetes Misstrauen gegenüber zu weit getriebenen Verallgemeinerungen gewachsen. Wenn das Denken zu stark von solchen Verallgemeinerungen dominiert wird, kommen Fehlinterpretationen von spezifischen Abfolgen von Ursache und Wirkung ohne weiteres vor, was der tatsächlichen Vielzahl von Veranstaltungen unrecht tut. Eine Aufgabe der Verallgemeinerung, auf der anderen Seite, bedeutet das Verständnis ganz aufzugeben. Aus diesem Grund, glaube ich, darf und muss man Verallgemeinerungen riskieren, so lange man sich seiner Unsicherheit bewusst bleibt. In diesem Sinne möchte ich in aller Bescheidenheit mein Verständnis des Antisemitismus präsentieren, von einem allgemeinen Standpunkt aus betrachtet.

Im politischen Leben sehe ich zwei entgegengesetzte Tendenzen, die im ständigen Ringen gegeneinander stehen. Der erste, optimistische Trend geht von der Überzeugung aus, dass die freie Entfaltung der Produktivkräfte von Individuen und Gruppen im wesentlichen zu einem zufriedenstellenden Zustand der Gesellschaft führen. Er erkennt die Notwendigkeit einer zentralen Macht, Gruppen und Einzelpersonen übergeordnet, räumt aber solcher Macht nur organisatorische und regulatorische Funktion ein. Der zweite, pessimistische Trend nimmt an, dass freies Spiel der Individuen und Gruppen zur Zerstörung der Gesellschaft führt: er will daher die Gesellschaft ausschliesslich auf Autorität, blindem Gehorsam und Zwang gründen. Tatsächlich ist dieser Trend nur in einem begrenzten Ausmass pessimistisch; denn er ist optimistisch in Bezug auf diejenigen, die Inhaber von Macht und Autorität sind, oder die den Wunsch danach haben. Die Anhänger dieses zweiten Trends sind die Feinde der freien Gruppen und der Bildung zu freier Meinungsbildung. Sie sind darüber hinaus die Träger des politischen Antisemitismus.

Hier in Amerika äussern alle Lippenbekenntnisse zur ersten, optimistischen, Tendenz. Nichtsdestotrotz ist die zweite Gruppe stark vertreten. Sie erscheint überall, aber zum grössten Teil verbirgt sie ihre wahre Natur. Ihr Ziel ist die politische und geistige Herrschaft über die Menschen durch eine Minderheit, über den Umweg der Kontrolle über die Produktionsmittel. Ihre Befürworter haben bereits versucht, die Waffe des Antisemitismus sowie der Feindseligkeit gegenüber verschiedenen anderen Gruppen zu nutzen. Sie werden den Versuch in kommenden Zeiten wiederholen. Bisher sind aber alle derartigen Tendenzen wegen des sicheren politischen Instinktes des Volkes gescheitert.

Und so wird es auch in Zukunft bleiben, wenn wir uns an die Regel halten: Hütet euch vor Schmeichlern, vor allem, wenn sie kommen, um Hass zu predigen.


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