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Es wird Zeit, die Fak­ten zu ler­nen über Ju­däa und Sa­ma­ria

Oded Re­vi­vi, 7.9.2014, Je­ru­sa­lem Post

Um den Sta­tus die­ses Ter­ri­to­ri­ums wirk­lich zu ver­ste­hen, müs­sen wir zu­nächst un­ter­schei­den zwi­schen dem pri­va­ten und dem na­tio­na­len.

Siedlung in der Westbank

Pa­läs­ti­nen­si­sche Ar­bei­ter ar­bei­ten auf ei­nem Bau­platz in ei­ner re­li­giö­sen jü­di­schen Sied­lung in der West­bank (Ar­chiv. Fo­to: REUTERS)

Der jüngs­te Auf­ruhr um die Ent­schei­dung der Re­gie­rung, 400 Hekta­ren in Gva­ot in Gush Et­zi­on zu „Staats­land” zu er­klä­ren, ist ein klas­si­sches Bei­spiel für die Un­kennt­nis der Ge­schich­te und der Ge­set­ze, die die meis­ten Dis­kus­sio­nen der is­rae­li­schen Ak­tio­nen jen­seits der in­ter­na­tio­nal ge­hei­lig­ten „Green Li­ne” be­glei­tet. Me­di­en­schlag­zei­len rund um die Welt schrien von „An­ne­xi­on” und „Land­raub”, die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de er­klär­te es ein „Ver­bre­chen” und Aus­sen­mi­nis­te­ri­en auf der gan­zen Welt ha­ben die Auf­he­bung der Ent­schei­dung ge­for­dert. Doch nur we­ni­ge Ar­ti­kel, Pres­se­mit­tei­lun­gen oder Com­mu­ni­qués er­wähn­ten die Krux der Sa­che; den recht­li­chen und his­to­ri­schen Sta­tus des in Fra­ge ste­hen­den Lan­des.

Für vie­le, wenn nicht für die meis­ten auf der gan­zen Welt, ist je­der Zoll Land jen­seits der Waf­fen­still­stands­li­ni­en von 1949 au­to­ma­tisch pa­läs­ti­nen­sisch; ei­ne Zur­schau­stel­lung der Un­kennt­nis der Ge­schich­te und des Völ­ker­rechts.

Um den Sta­tus die­ses Ter­ri­to­ri­ums wirk­lich zu ver­ste­hen, müs­sen wir zu­nächst un­ter­schei­den zwi­schen dem pri­va­ten  und dem na­tio­na­len.

Selbst­ver­ständ­lich gibt es Land im Pri­vat­be­sitz von Pa­läs­ti­nen­sern in Ju­däa und Sa­ma­ria, was vie­le die „West­bank” nen­nen, in schein­ba­rer Rück­sicht auf die jor­da­ni­sche Be­sat­zung, die den Be­griff als Ge­gen­über­stel­lung zu sei­nem öst­li­chen Ufer er­fun­den hat. Die­se Be­rei­che, wie Ge­biet in Pri­vat­be­sitz über­all in der Welt, kann nicht an­ge­rührt wer­den, es sei denn es gibt sehr drän­gen­de Grün­de für ei­ne Re­gie­rung oder ei­ne sou­ve­rä­ne Macht, dies zu tun. Die­se Be­rei­che, ge­mäss os­ma­ni­schen und bri­ti­schen Auf­zeich­nun­gen, bil­den nicht mehr als ein paar Pro­zent der Ge­samt­flä­che, was be­deu­tet, dass der über­wie­gen­de Teil nicht in Pri­vat­be­sitz ist.

Doch zu be­haup­ten, dass die­se Ge­bie­te „pa­läs­ti­nens­lisch” sind auf na­tio­na­ler Ebe­ne ist je­doch pro­ble­ma­tisch. Zu be­haup­ten, ein Ge­biet ge­hö­re ei­ner be­stimm­ten Na­ti­on er­for­dert, dass das Ge­biet die­sem Volk an­ge­hör­te, wo sie ei­ne Art von Sou­ve­rä­ni­tät hat­ten, die all­ge­mein an­er­kannt war.

Al­le die­se Kri­te­ri­en sind his­to­risch durch das jü­di­sche Volk er­füllt wor­den, und kei­nes von den Pa­läs­ti­nen­sern.

In der Tat hat­ten die Ju­den die na­tio­na­len Rech­te in die­sen Ge­bie­ten nicht nur kraft der Ge­schich­te und Sou­ve­rä­ni­tät in der Ver­gan­gen­heit, son­dern auch durch blei­ben­de Rech­te, die im Völkerbund-​Mandat vor­ge­se­hen wa­ren, und die nie­mals be­en­det wur­den und die von der UNO-​Charta be­wahrt wer­den, nach Ar­ti­kel 80 – der be­rühm­ten „Palästina-​Klausel”, die ent­wor­fen wur­de, zum Teil, um die Kon­ti­nui­tät in Be­zug auf die Rech­te der Ju­den aus dem Völ­ker­bund zu ga­ran­tie­ren.

Für die ver­gan­ge­nen bei­na­he 2000 Jah­re, seit der Zer­stö­rung der jü­di­schen Sou­ve­rä­ni­tät und der Ver­trei­bung der meis­ten sei­ner in­di­ge­nen Be­völ­ke­rung, blieb es ein be­setz­ter und ko­lo­ni­sier­ter Aus­sen­pos­ten im Ge­biet von vie­len glo­ba­len und re­gio­na­len Rei­che.

Die Os­ma­nen wa­ren die letz­ten, die of­fi­zi­ell das Ge­biet auf­teil­ten, in das, was sie als os­ma­ni­sches Sy­ri­en be­zeich­ne­ten, das das heu­ti­ge Is­ra­el, Sy­ri­en, Jor­da­ni­en und Tei­le des Irak um­fasst. Vor dem os­ma­ni­schen Bo­den­ge­setz von 1858 war Land gröss­ten­teils im Be­sitz, oder wur­de wei­ter­ge­ge­ben, von Mund zu Mund, Ge­wohn­heit oder Tra­di­ti­on. Un­ter den Os­ma­nen aus dem 19. Jahr­hun­dert wur­de Land in drei Haupt­ka­te­go­ri­en auf­ge­teilt: Mulk, Mi­ri und Ma­wat.

Mulk war das ein­zi­ge Ge­biet, das in Pri­vat­be­sitz im üb­li­chen Sin­ne des Wor­tes war, und wie ge­sagt, um­fass­te es nur ei­nen mi­ni­ma­len Teil des ge­sam­ten Ge­biets, ein Gross­teil da­von im Be­sitz von Ju­den, de­nen das Recht auf Land­be­sitz durch Re­for­men ge­ge­ben wor­den war.

Mi­ri war Land im Staats­be­sitz, und Ein­zel­per­so­nen konn­ten ein Stück er­wer­ben, um die­ses Land zu kul­ti­vie­ren und den Zehn­ten an die Re­gie­rung zu be­zah­len. Ei­gen­tum konn­te nur mit Zu­stim­mung des Staa­tes über­tra­gen wer­den. Miri-​Rechte konn­ten an Er­ben über­tra­gen wer­den, und das Land konn­te un­ter­ver­mie­tet wer­den an Mie­ter. Mit an­de­ren Wor­ten, ei­ne ähn­li­che An­ord­nung wie bei ei­nem Mie­ter in ei­ner Woh­nung oder ei­nem Haus, als In­ha­ber von Rech­ten am Ei­gen­tum, aber nicht an der Im­mo­bi­lie.

Schliess­lich war Ma­wat staat­li­ches oder her­ren­lo­ses Land, we­der im Be­sitz von Pri­vat­per­so­nen, noch weit­ge­hend kul­ti­viert. Die­se Be­rei­che bil­de­ten fast zwei Drit­tel des ge­sam­ten Ter­ri­to­ri­ums.

Das Ge­biet, das vor kur­zem zu „Staats­land” er­klärt wor­den war von der is­rae­li­schen Re­gie­rung, in ei­nem Ver­fah­ren, das Ge­gen­stand ei­ner in­ten­si­ven lau­fen­den Un­ter­su­chung ge­we­sen war für vie­le Jah­re, ist Mawat-​Land. Mit an­de­ren Wor­ten, hat es kei­nen pri­va­ten Sta­tus und steht nicht in Pri­vat­be­sitz.

Vie­le An­sprü­che auf das Ge­biet ent­stan­den plötz­lich im Ver­lauf der Un­ter­su­chung, aber al­le wur­den als auf der Ba­sis des Bo­den­rechts un­be­grün­det ab­ge­wie­sen.

In­ter­es­san­ter­wei­se, das soll­te von je­nen klar ver­stan­den wer­den, die Ju­däa und Sa­ma­ria als „be­setz­tes Ge­biet” be­trach­ten, muss nach dem Völ­ker­recht die Be­sat­zungs­macht das be­reits be­stehen­de Bo­den­recht als Grund­la­ge für An­sprü­che ver­wen­den, ge­nau so, wie Is­ra­el es in die­sem Fall ge­tan hat, ob­wohl die of­fi­zi­el­le Po­si­ti­on Is­ra­els ist, dass es sich nicht de ju­re als Be­sat­zungs­macht im ju­ris­ti­schen Sin­ne des Be­grif­fes ver­steht.

Kei­ne die­ser Tat­sa­chen wer­den in den vie­len Be­rich­ten rund um die Mass­nah­men der Re­gie­rung in der Um­ge­bung Gva­ot über­haupt nur an­ge­deu­tet. Dies ist zu­tiefst un­ge­recht und ein blos­ser An­schein des je­wei­li­gen Hin­ter­grunds, der Ge­schich­te und der Fak­ten wür­de den not­wen­di­gen Kon­text schaf­fen für das, was sich zu ei­nem in­ter­na­tio­na­len Zwi­schen­fall aus­ge­wei­tet hat, wo kei­ner sein soll­te.

Ich neh­me häu­fig aus­län­di­sche Be­su­cher und Be­am­te auf ei­ne Tour durch Ef­rat und Gush Et­zi­on und bin er­staunt über die wohl­mei­nen­de Un­wis­sen­heit und vor­ge­fass­ten Mei­nun­gen, die vie­le, auch Freun­de Is­ra­els, ha­ben über den Sta­tus die­ser Be­rei­che und all­ge­mein von Ju­däa und Sa­ma­ria. Üb­li­cher­wei­se wer­den je­doch bis zum En­de der Tour vie­le die­ser Po­si­tio­nen kor­ri­giert und die­je­ni­gen, mit de­nen ich spre­che, sind ganz er­staunt, dass es auch ei­ne an­de­re Sei­te der Ge­schich­te gibt, nach­dem man ih­nen ver­si­chert hat, dass die pro-​Judäa- und -Samaria-​Position al­lein auf der Bi­bel fusst.

Ich be­grüs­se und for­de­re al­le und je­den her­aus, her­zu­kom­men und sich die Rea­li­tät sel­ber an­zu­se­hen und die Ge­schich­te und den Kon­text der Re­gi­on zu ler­nen, und wenn auch nur aus Grün­den der in­tel­lek­tu­el­len Red­lich­keit. Nie­mand hat je­mals durch in­tel­lek­tu­el­le Neu­gier et­was ver­lo­ren, und ich bin si­cher, dass wir den nächs­ten Auf­ruhr und in­ter­na­tio­na­len Zwi­schen­fall ge­rin­ger hal­ten kön­nen, wenn ei­ne grös­se­re An­zahl von Men­schen mehr ver­traut ge­macht wird mit den Tat­sa­chen der Ge­schich­te.

Der Ver­fas­ser ist Bür­ger­meis­ter von Ef­rat, das im Gush Et­zi­on liegt, und ein ehe­ma­li­ger Part­ner in ei­ner füh­ren­den An­walts­kanz­lei.

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