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Bas­sem Eid mach­te ‘B’Tselem’ be­rühmt, in­dem er is­rae­li­sche Miss­bräu­che auf­deck­te. Jetzt ist er ein Ver­rä­ter.

Joshua Mu­rav­chik, 18.11.2015, Ta­blet Mag

Der ara­bi­sche Men­schen­rechts­ak­ti­vist und furcht­lo­se Kor­re­spon­dent, ge­fan­gen in der Mit­te des end­lo­sen Kon­flik­tes.

(Il­lus­tra­ti­on: Pe­ter Hor­vath)

„Ähn­lich wie ein Klas­sen­ver­rä­ter”, so ver­such­te ein BDS-​Aktivist ei­nem an­de­ren ge­gen­über auf Twit­ter die Wor­te von Bas­sem Eid zu er­klä­ren, dem Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten der Pa­läs­ti­nen­ser, der ei­ne kraft­vol­le Stim­me ge­gen die BDS-​Bewegung ge­wor­den ist. Es war nicht das ers­te Mal, dass Eid ein Ver­rä­ter oder schlim­me­res  ge­nannt wor­den ist, aber sei­ne Ge­schich­te, die sei­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Lands­leu­ten weit bes­ser be­kannt ist als den Men­schen im Wes­ten, straft sol­che Ver­leum­dun­gen Lü­gen.

Es war Eid, der die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on B’Tselem auf die po­li­ti­sche Land­kar­te setz­te. Am be­kann­tes­ten für ih­re De­nun­zia­tio­nen ex­zes­si­ver is­rae­li­scher Mi­li­tär­ak­tio­nen, wur­de B’Tselem 1988 wäh­rend der ers­ten In­ti­fa­da von pro­mi­nen­ten lin­ken Is­rae­lis ge­grün­det mit dem Ziel, durch die is­rae­li­schen Streit­kräf­te be­gan­ge­ne Miss­bräu­che an Pa­läs­ti­nen­sern zu be­kämp­fen. Doch wie vie­le Pa­läs­ti­nen­ser öff­nen Is­rae­lis die Tür, die be­haup­ten, ih­nen hel­fen zu wol­len, selbst wenn die Is­rae­lis Ara­bisch spra­chen? Und wie vie­le Is­rae­lis wür­den Ge­schich­ten von Fehl­ver­hal­ten ih­rer Sol­da­ten er­zäh­len, wenn sie wuss­ten, dass die Pa­läs­ti­nen­ser nicht sel­ten zu wil­den Über­trei­bun­gen neig­ten? B’Tselem brauch­te ei­nen Er­mitt­ler, der auf bei­den Sei­ten Ver­trau­en schaf­fen konn­te, je­mand, vor dem die Pa­läs­ti­nen­ser frei re­den wür­den, der aber zu­gleich ih­re Ge­schich­ten mit ei­nem kri­ti­schen Au­ge be­trach­ten wür­de.

B’Tselems Su­che führ­te sie zu Eid, der da­mals ein 30-​jähriger pa­läs­ti­nen­si­scher Jour­na­list war, meist als frei­er Mit­ar­bei­ter oder Lo­kal­re­por­ter. Er schrieb manch­mal auf Ara­bisch für pa­läs­ti­nen­si­sche Zei­tun­gen, aber er sprach flies­send He­brä­isch. B’Tselem Grün­der kann­te sei­ne Schreib­wei­se von Kol Ha’ir, ei­ner Je­ru­sa­le­mer Wo­chen­zei­tung, die von Ha’aretz pu­bli­ziert wur­de. Über fünf Jah­re hat­te Eid ei­nen gu­ten Ruf für stei­ni­gen und sorg­fäl­ti­gen Ent­hül­lungs­jour­na­lis­mus eta­bliert. Zum Bei­spiel war es der häss­li­che Vor­fall im Dorf Sa­lem, in der Nä­he von Nab­lus, An­fang 1988, in dem die Be­woh­ner be­haup­te­ten, dass die is­rae­li­schen Sol­da­ten mit ei­nem Bull­do­zer ei­ni­ge Ju­gend­li­che bis zur Brust im Sand ver­gra­ben hat­ten, um sie für das Stei­ne­wer­fen zu be­stra­fen. Zu der Zeit, als Eid die Sze­ne er­reich­te, wa­ren die Ju­gend­li­chen be­freit wor­den. Al­les, was er se­hen konn­te, war ein Sand­hü­gel. Eid ver­lang­te stär­ke­re Be­wei­se der Ge­schich­te der Dorf­be­woh­ner. Wenn ei­nes der an­geb­li­chen Op­fer be­haup­te­te, dass er ei­nen Schuh un­ter dem Sand ver­lo­ren hat­te, als er her­aus­ge­zo­gen wur­de, dräng­te Eid die Men­schen, Schau­feln zu neh­men und für sie zu gra­ben. Und sie­he da, der Sand lie­fer­te ei­nen Schuh, und, wie Aschen­put­tels Glas­schuh, pass­te er dem jun­gen Mann. Auf Grund die­ser Be­wei­se un­ter­such­te die Ar­mee und be­stä­tig­te den Vor­fall. Als Eid die Ge­schich­te für Kol Ha’ir schrieb, pro­du­zier­te er ei­nen klei­nen Skan­dal.

Eids völ­li­ge Gleich­gül­tig­keit ge­gen­über den­je­ni­gen, die über sei­ne Ver­fol­gung ei­ner Ge­schich­te un­zu­frie­den wa­ren, ist über­aus sel­ten, be­son­ders in ei­nem Teil der Welt, wo Be­zie­hun­gen so viel zäh­len. Es war die­se Qua­li­tät, die das Au­ge von B’Tselem ge­fan­gen nahm. Bei ei­ner an­de­ren Ge­le­gen­heit war ei­ne Frau auf Eid zu­ge­gan­gen mit ei­ner Ge­schich­te über ih­re Schwie­rig­kei­ten bei der Er­lan­gung ei­ner Schei­dung. Er hat­te so­wohl ei­ne is­rae­li­sche Iden­ti­täts­kar­te als auch die jor­da­ni­sche Staats­bür­ger­schaft als pa­läs­ti­nen­si­scher Je­ru­sa­le­mer. Vie­le je­ru­sa­le­mer Frau­en be­vor­zu­gen die is­rae­li­schen mus­li­mi­schen Ge­rich­te, weil, sagt Eid, „sie die Rech­te der Frau viel mehr als die jor­da­ni­schen Mus­lim­ge­richt schüt­zen.”

In die­sem Fall je­doch er­hielt die Frau nicht Ge­rech­tig­keit. Eid er­in­nert sich: „Die Frau sag­te mir, dass je­des Mal, wenn sie vor Ge­richt ging, der Rich­ter, ein Scheich, ih­ren Fall ver­tag­te, weil er se­xu­ell an ihr in­ter­es­siert war.” Er er­klär­te, um ihr zu hel­fen brau­che er Be­wei­se, und er wies sie an, den Rich­ter von sei­nem Bü­ro aus an­zu­ru­fen. Eid re­kon­stru­iert das Zwi­schen­spiel:

Sie sag­te, „Herr Scheich, war­um ver­ta­gen Sie mei­nen Fall die gan­ze Zeit?” Und er sag­te: „Bis du zu mir nach Hau­se kommst.”

Und sie sag­te: „Ich weiss nicht, wo Ihr Zu­hau­se ist.” Und er sag­te: „Kannst du jetzt kom­men?”

Und sie sag­te: „Ja, ich kann, in ei­ner hal­ben Stun­de.” Er be­schrieb ei­nen Platz. Er sag­te: „Es gibt da ein öf­fent­li­ches Te­le­fon. War­ten Sie da­ne­ben. Ich wer­de kom­men und Sie ab­ho­len. „Sie stimm­te zu, und Eid rief schnell sei­nen Re­dak­teur bei Kol Ha’ir an, er sol­le Fo­to­gra­fen vor­bei­schi­cken, um das Ren­dez­vous fest­zu­hal­ten. Dann, wie Eid die Sa­ga fort­setzt:

 

Wir gin­gen. Ich ver­steck­te mich. Sie stand in der Nä­he des öf­fent­li­chen Te­le­fon und er kam in Py­ja­mas. Es war et­wa vier Uhr Nach­mit­tags. Und er kam an das öf­fent­li­che Te­le­fon. Er nahm ih­ren Arm, und be­gann zu ge­hen. Er war et­wa 65 Jah­re alt. Dann spran­gen zwei Fo­to­gra­fen vor ihn und mach­ten Fo­tos, und er fing an zu lau­fen. Er ent­kam von dem Platz, die Frau hin­ter sich las­send.

Die Fo­tos des Rich­ters, zu­sam­men mit Eids Ge­schich­te, hin­ter­liess nie­man­den glück­lich, mit Aus­nah­me der Frau, die ih­re Schei­dung be­kam. Der Rich­ter war ge­de­mü­tigt, und die mus­li­mi­schen Be­hör­den wa­ren ver­le­gen. Be­am­te des is­rae­li­schen Mi­nis­te­ri­ums für re­li­giö­se An­ge­le­gen­hei­ten ver­füg­ten die Öf­fent­lich­keit. Solch ein schwe­rer Fall von Er­pres­sung ver­lang­te nach Ta­ten, doch das Mi­nis­te­ri­um ging nur un­gern ge­gen ei­nen mus­li­mi­schen Geist­li­chen vor, wes­halb sie ihn nur von Je­ru­sa­lem nach Hai­fa ver­setz­ten.

***

Im Ge­gen­satz zu den meis­ten an­de­ren li­be­ra­len Den­kern im Na­hen Os­ten, ist Bas­sem Eid nicht aus der ge­bil­de­ten Mit­tel­schicht ge­kom­men. Sein Va­ter, Mo­ham­med, schlug sich als Schnei­der durch, ar­bei­te­te al­lein mit sei­ner Näh­ma­schi­ne in ei­nem klei­nen Stall in der Shouk in der Alt­stadt von Je­ru­sa­lem. Im Jah­re 1951 hei­ra­te­te Mo­ham­med Eid Mah­diyah, die Toch­ter ei­nes ar­men zum Schus­ter ge­wor­de­nen Imams aus Lod, die in ra­scher Fol­ge vier Söh­ne ge­bar, Bas­sem war der vier­te, und dann ei­ne Toch­ter.

Früh in der Ehe war die jun­ge Fa­mi­lie von ei­nem Haus im mus­li­mi­schen Vier­tel der Alt­stadt zu ei­nem im jü­di­schen Vier­tel um­ge­zo­gen. Ob­wohl oft pa­läs­ti­nen­si­sche Füh­rer die his­to­ri­sche Ver­bin­dung der Ju­den zu Je­ru­sa­lem leug­nen, nann­ten die ara­bi­schen Be­woh­ner die­ses Teils der Stadt es im­mer „Ju­den­vier­tel” auf Ara­bisch, auch als kei­ne Ju­den dort leb­ten. Die Woh­nung be­stand aus nur ei­nem ein­zi­gen Raum und ei­ner klei­nen Kü­che und ei­ner Toi­let­te. Wenn der An­drang von sie­ben in ei­nem Raum le­ben­den ihn stör­te, fand Bas­sem Zu­flucht bei der Schwes­ter sei­ner Mut­ter. So un­ge­wöhn­lich es in ih­rer Kul­tur war, so war die­se Tan­te ei­ne al­te Jung­fer, die al­lein in der Car­do leb­te, den Über­res­ten der zen­tra­len Stras­se der Stadt aus der by­zan­ti­ni­schen Epo­che, die nur ei­ne Mi­nu­te zu Fuss vom Zu­hau­se der Eid ent­fernt war.

Im Jahr 1966 ent­schied die jor­da­ni­sche Re­gie­rung, dass die­ser Teil des jü­di­schen Vier­tels ent­völ­kert wer­den müs­se. Es wu­ree kei­ne Ge­walt an­ge­wandt, ein­fach ei­ne Ver­lo­ckung. Die UNRWA hat­te ge­ra­de ein neu­es Flücht­lings­la­ger ge­baut, ge­nannt Shua­fat, jetzt ein Nie­mands­land zwi­schen Is­ra­el und der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, die das Epi­zen­trum der ak­tu­el­len Wel­le der Mes­ser­an­grif­fe ge­wor­den ist, am nörd­li­chen Rand von Je­ru­sa­lem, ent­lang der Stras­se nach Ra­mal­lah. Je­de Fa­mi­lie, die dort­hin um­zog, be­kam ein Haus und ein Grund­stück kos­ten­los zur Ver­fü­gung ge­stellt.

In Fol­ge des Um­zugs wur­den die Kin­der nicht durch den Krieg von 1967 ent­wur­zelt, wie es vie­le an­de­re Be­woh­ner von Ost-​Jerusalem ge­wor­den wa­ren. Sie wur­den je­doch nicht von al­len Trau­mas ver­schont. Bas­sem, da­mals 9, war sei­ne Jungfern-​Tante in ih­rer Ein-​Zimmer-​Wohnung in der Car­do an dem Tag be­su­chen ge­gan­gen, an dem die Schlacht um Je­ru­sa­lem be­gann. Er er­in­nert sich:

Als der Krieg be­gann, gab es ein klei­nes Ra­dio bei mei­ner Tan­te. Und sie be­gan­nen, „Ya­hud, Ya­hud, Ya­hud” zu sa­gen [Ju­de, auf Ara­bisch] Ich hat­te kei­ne Ah­nung, was es be­deu­te­te. Al­so frag­te ich mei­ne Tan­te, „Was be­deu­tet es, Ya­hud? Sind sie Men­schen wie wir?”

Und sie sag­te, „Nein, sie es­sen Men­schen.”

„Oh, Him­mel! Viel­leicht kom­men sie her und es­sen uns.”

„Nein, kei­ne Angst. Ich ha­be die Aus­sen­tür ab­ge­schlos­sen.”

Fünf Ta­ge lang leb­ten sie von den Vor­rä­ten, die zu­fäl­lig vor­han­den wa­ren. Das Ra­dio gab ih­nen ein paar Nach­rich­ten, von zwei­fel­haf­ter Zu­ver­läs­sig­keit, aber es war ih­re ein­zi­ge Ver­bin­dung nach aus­sen. Das Haus hat­te kein Te­le­fon; auch nicht das der El­tern von Eid. Mo­ham­med und Mah­diyah konn­te nur zu Al­lah be­ten, ih­ren jun­gen Sohn zu be­wah­ren, der iso­liert war in der Mit­te ei­ni­ger der in­ten­sivs­ten Kämp­fe. Am sechs­ten Tag, er­in­nert sich Eid:

Je­mand klopf­te an die Tür, und so­fort lief ich zu mei­ner Tan­te und sag­te: „Die Ju­den sind ge­kom­men, um uns zu es­sen.”

Sie sag­te: „Nein, nein, es sind nicht die Ju­den. Geh und öff­ne die Tür.”

Ich sag­te: „Nein, du bist äl­ter als ich. Du musst sie öff­nen.”

Dann sag­te sie: „Mach dir kei­ne Sor­gen. Viel­leicht ist es dein On­kel.”

Dann ging ich und ich öff­ne­te sie. Und ich sah Sol­da­ten und so­fort lief ich ins In­ne­re des Hau­ses. Dann tra­ten sie ein. Sie spra­chen gut Ara­bisch. Sie frag­ten, ob es Män­ner im Haus ha­be, und mei­ne Tan­te sag­te: „Nie­mand, aus­ser mir und die­ses Kind.”

Und dann sag­te ein Sol­dat: „Wenn Sie et­was zu es­sen brau­chen, kön­nen Sie nach draus­sen ge­hen. Es gibt ei­nen Punkt hier, wo Nah­rung ver­teilt wird, ein paar To­ma­ten, et­was Brot und Milch.”

Und dann sah mei­ne Tan­te mich an und sag­te: „Willst du uns et­was brin­gen?”

Und ich sag­te: „Nein.”

Dann sah der Sol­dat zu mir und sag­te: „War­um nicht?” Auf Ara­bisch. „Du kannst ge­hen. Es ist si­cher. Nie­mand wird dir et­was tun.”

Und ich sag­te: „Nein.”

Als die Sol­da­ten ge­gan­gen wa­ren, frag­te Bas­sem sei­ne Tan­te: „Glaubst du ihm, dass sie Brot und To­ma­ten und Milch ver­tei­len?” Und sie sag­te: „Ja.” Bas­sem for­der­te sie her­aus: „Du hast mir ge­sagt, das Ju­den Men­schen es­sen. War­um soll­ten sie uns et­was zu es­sen ge­ben?” Dann sag­te sie: „Das ist, was dein Groß­va­ter mir ge­sagt hat”, aber sie ge­stand, dass sie den Wahr­heits­ge­halt da­von nicht wuss­te. So wag­te sich Bas­sem her­aus, und er fand „al­le Men­schen aus der Nach­bar­schaft wa­ren da, und brach­ten To­ma­ten, Brot und Milch. Sie ga­ben es al­len.”

Dass die jü­di­schen Sol­da­ten so viel freund­li­cher wa­ren als ihm zu er­war­ten bei­ge­bracht wor­den war, hat viel­leicht zu Eids Hal­tung zu Is­ra­el bei­ge­tra­gen, die, auch wenn er oft als sein ir­ri­tie­rends­tes, haa­rigs­tes Hemd han­del­te, nie von Hass ge­prägt war. Viel­mehr scheint die Ent­de­ckung, auf solch le­ben­di­ge Art und Wei­se, der Falsch­heit der Ge­schich­te des jü­di­schen Kan­ni­ba­lis­mus, die sei­ne Tan­te von sei­nem Groß­va­ter an ihn wei­ter­ge­ge­ben hat­te, dem jun­gen Eid das star­ke Ge­fühl der Dif­fe­renz zwi­schen Fak­ten und Ge­rüch­ten ein­ge­prägt zu ha­ben, das zum Mar­ken­zei­chen sei­ner Kar­rie­re ge­wor­den war.

Nach der High School, wäh­rend Ti­sche be­dien­te, um für das Col­le­ge zu spa­ren, stol­per­te er in ei­ne Tä­tig­keit, die sei­ne Ent­wick­lung be­ein­fluss­te. Oh­ne be­stimm­ten Zweck hat­te er ei­ne ge­brauch­te he­bräi­sche Schreib­ma­schi­ne auf­ge­ga­belt. Er hat­te die Spra­che auf der Stras­sen auf­ge­schnappt, beim Aus­tra­gen von Zei­tun­gen jü­di­scher Is­rae­lis, da­mit er neue Klei­dung und Schul­ta­schen und Snacks kau­fen konn­te und sich auf dem Flip­per zum Meis­ter aus­zu­bil­den, da sei­ne El­tern, die bis da­hin noch vier Söh­ne hat­ten, ihm die­se Din­ge nicht ge­ben konn­ten. Dann, ei­nes Ta­ges, zu Fuss durch ei­nen Ab­schnitt der Shouk in der al­ten Stadt, in der Metz­ge­rei­en kon­zen­triert wa­ren, be­lei­digt ihn et­was, was er sah und roch. Die Metz­ger im Shouk hat­te kei­ne Kühl­schrän­ke. Fleisch­hälf­ten hin­gen von Ha­ken her­un­ter; Stü­cke wur­den auf The­ken aus­ge­legt. „Die Stras­sen ro­chen so schlecht und wa­ren so schmut­zig”, er­in­nert sich Eid. Er ging nach Hau­se und tipp­te ei­nen Brief auf He­brä­isch an den Bür­ger­meis­ter von Je­ru­sa­lem, Ted­dy Ko­lek, in dem er sich über die Be­din­gun­gen be­klag­te.

Zwei Wo­chen spä­ter brach­te die Post ei­ne Ant­wort. Ko­lek dank­te ihm da­für, sei­ne Auf­merk­sam­keit auf die­ses Pro­blem zu rich­ten, lob­te ihn als gu­ten Bür­ger und ver­sprach, die Metz­gerstras­se zu be­rei­ni­gen. Das war auf­re­gend; al­so schick­te er als nächs­tes ei­nen Brief an Pre­mier­mi­nis­ter Shi­mon Pe­res. Eid kann sich nicht mehr an das The­ma er­in­nern, nur, dass er er­neut ei­ne Ant­wort be­kam – un­ter­zeich­net vom Pre­mier­mi­nis­ter. Eid er­zähl­te an­de­ren von sei­ner Kor­re­spon­denz und das Wort be­gann die Run­de zu ma­chen, dass er die Macht ha­be, mit den is­rae­li­schen Be­hör­den zu kom­mu­ni­zie­ren. Eid er­in­nert sich:

Dann be­gan­nen die Leu­te zu mir kom­men und Din­ge zu sa­gen, wie: „Hö­ren Sie, ich ha­be ein Pro­blem mit der na­tio­na­len Ver­si­che­rung. Kön­nen Sie ei­nen Brief schrei­ben, um ih­nen zu er­klä­ren, dass ich in die­sem Jahr noch nie ge­ar­bei­tet ha­be, weil ich krank war? Ich ha­be die me­di­zi­ni­schen Be­rich­te hier bei mir.”

Nach et­wa ei­nem Jahr mach­te Eid ein klei­nes Un­ter­neh­men aus dem Schrei­ben von Stell­ver­tre­ter­brie­fen. Er mie­te­te ei­nen Raum in der Nä­he sei­nes Hau­ses, be­schaff­te sich ein Post­fach, und in­stal­lier­te so­gar ein Te­le­fon – et­was, was der Eid­sche Haus­halt sich nie hat­te leis­ten kön­nen. Die Be­woh­ner von Shua­fat wür­den ihm ih­re Strei­tig­kei­ten mit ver­schie­de­nen Bü­ros der Re­gie­rung oder Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men brin­gen, und Eid wür­de Buch­sta­ben in He­brä­isch tip­pen und ih­re Fäl­le dar­le­gen. Sie wür­den ihm ein paar Sche­kel zah­len und manch­mal, wenn er je­man­dem ein Bün­del spa­ren konn­te, wür­den sie ihm ei­nen Tipp ge­ben.

Er ent­wi­ckel­te das Ver­trau­en in sei­ne ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten als Für­spre­cher. Er lern­te auch et­was über das We­sen der De­mo­kra­tie. „Für je­den Brief, den ich schick­te, er­hielt ich ei­ne Ant­wort in Form ei­nes schrift­li­chen Brie­fes”, sagt er. „Das ist in der ara­bi­schen Welt über­haupt nicht üb­lich. In Is­ra­el ist es nor­mal. Je­der Brief, den Sie sen­den – manch­mal braucht es Zeit, den Fall zu prü­fen – aber am En­de er­hal­ten Sie ei­ne schrift­li­che Ant­wort.”

Nach vier Jah­ren der Ar­beit in Re­stau­rants tags­über, und Für­sprache­brie­fe zu schrei­ben in der Nacht – oder um­ge­kehrt – hat­te Eid ge­nug Geld ge­spart, um sich an der He­brew Uni­ver­si­ty ein­zu­schrei­ben zum Stu­di­um des Jour­na­lis­mus. Doch nach zwei Jah­ren lief sei­ne Mit­tel aus, und er war ge­zwun­gen, sein Stu­di­um auf­zu­ge­ben. Er ar­bei­tet die Ar­beit in Gast­stät­ten wie­der auf und das Schrei­ben von Brie­fen für die Mit­glie­der sei­ner Ge­mein­de, aber er be­gann auch für ara­bi­sche und he­bräi­sche Pa­pie­re als Fre­e­lan­cer zu schrei­ben, und bald fing er bei Kol Ha’ir an. Sei­ne Ver­bin­dung blieb fre­e­lan­ce, aber für die nächs­ten fünf Jah­re er­schie­nen sei­ne Bei­trä­ge re­gel­mäs­sig.

Als Fol­ge sei­nes wach­sen­den Rufs in die­ser Rol­le wur­de er von den Grün­dern von B’Tselem ent­deckt und re­kru­tiert. Ur­sprüng­lich hat­te die Or­ga­ni­sa­ti­on sechs Mit­ar­bei­ter, von de­nen Eid der ein­zi­ge ara­bi­sche und der ein­zi­ge Vollzeit-​Feldarbeiter war. Er war das Herz der Ope­ra­ti­on. „Für mich ist Bas­sem Eid B’Tselem”, schrieb Gi­deon Le­vy, ein Ko­lum­nist der Zei­tung Ha’aretz, der pa­läs­ti­nen­si­sche An­ge­le­gen­hei­ten ab­deckt. „Er bringt ih­nen ih­re har­ten In­for­ma­tio­nen, ih­ren Roh­stoff.” Spä­ter stell­te die Grup­pe ei­nen flies­send ara­bisch spre­chen­den Is­rae­li ein, der auch Feld­ar­beit mach­te, aber das war nach­dem B’Tselem das Ver­trau­en der Pa­läs­ti­nen­ser, vor al­lem dank Eid, be­reits ge­won­nen hat­te.

Zu die­sem Zweck be­gann Eid ei­ne wö­chent­li­che Ge­schich­te für Al Quds zu schrei­ben, der wich­tigs­ten pa­läs­ti­nen­si­schen Zei­tung, in der er über Fäl­le re­de­te, die er un­ter­sucht hat­te. Je­des Mal, wenn die is­rae­li­sche Ar­mee ei­nes Fehl­ver­hal­tens be­schul­digt wur­de, schick­te ihr B’Tselem ei­nen Be­richt, ba­sie­ren­de auf den Zeu­gen­aus­sa­gen, die Eid auf­ge­nom­men hat­te. Die Ar­mee wür­de dann un­ter­su­chen und ent­we­der leug­nen oder den Vor­wurf zu­ge­ben. In sei­nen Ar­ti­keln, be­ton­te Eid die Zä­hig­keit von B’Tselem, und er er­wähn­te häu­fig Fäl­le, in de­nen die Ar­mee Schuld ein­ge­stan­den und Ent­schul­di­gun­gen oder Rück­erstat­tung an­ge­bo­ten hat­te.

Manch­mal wand­ten sich durch das schlech­te Be­neh­men ih­rer Ka­me­ra­den auf­ge­wühl­te is­rae­li­sche Sol­da­ten an Eid. Im Jahr 1990 kon­tak­tier­te ihn ein Re­ser­vist und be­rich­te­te, dass sei­ne Ein­heit ei­ne Rei­he von Ju­gend­li­chen im Dorf Aboud, in der Nä­he von Ra­mal­lah, ge­stellt hat­te, von de­nen ver­mu­tet wur­de, dass sie mit Stei­nen auf ei­ni­ge jü­di­sche Sied­ler ge­wor­fen hat­ten. Die Sol­da­ten schlu­gen sie und er­nied­rig­ten sie. Es war ge­ra­de der jü­di­sche Fei­er­tag Pu­rim, wenn Kos­tü­me an­ge­zo­gen wer­den, und ei­ni­ge Sol­da­ten zwan­gen die Jun­gen, ih­re Ge­sich­ter mit Far­be zu be­ma­len und ein Purim-​Lied zu sin­gen. Eid ver­sam­mel­te be­stä­ti­gen­de Zeu­gen­aus­sa­gen und ei­ni­ge an­de­re Sol­da­ten ge­stan­den schliess­lich und wur­den be­straft.

Eid mach­te oft die is­rae­li­schen Mi­li­tärs ver­rückt. Ein­mal zum Bei­spiel ver­haf­te­te die Ar­mee ei­nen 16-​jährigen Be­woh­ner ei­nes Westbank-​Dorfes, Beir Na­ba­la, der ge­stand, über Nacht ei­ne Stras­se mit Stei­nen blo­ckiert zu ha­ben. Auf die Fra­ge, wie er die be­trächt­li­chen Ent­fer­nung von sei­nem Haus zur Stel­le der Blo­cka­de zu­rück­ge­legt hat­te, sag­te der Bur­sche er ha­be sei­nes Va­ters Esel ge­nom­men. Am nächs­ten Tag ka­men Sol­da­ten mit ei­nem Last­wa­gen und be­schlag­nahm­ten den Esel. Als die Fa­mi­lie Eid sag­te, was ge­sche­hen war, schrieb er rasch ei­nen Brief an den Rechts­be­ra­ter der Ar­mee. Er er­kun­dig­te sich nach dem Ver­bleib des Esels, frag­te: „Ich möch­te wis­sen, ob Sie ein Ge­fäng­nis für Esel ha­ben. Ich möch­te wis­sen, wie Sie die Esel be­han­deln. Und ich möch­te wis­sen, ob die Be­sit­zer das Recht ha­ben, ih­re Esel zu be­su­chen.” Der Rechts­be­ra­ter ant­wor­te­te in hu­mor­lo­ser Bü­ro­kra­ten­spra­che und er­klär­te, dass er ei­ne Fall­num­mer be­nö­ti­ge, und frag­te, ob der in Fra­ge ste­hen­de Esel be­son­de­re Un­ter­schei­dungs­merk­ma­le ha­be. Eid gab den Aus­tausch an die Pres­se wei­ter, die, wie er wuss­te, sei­ne Drol­lig­keit zu schät­zen wis­sen wür­de. Als es auf der Ti­tel­sei­te von drei is­rae­li­schen Zei­tun­gen war, wur­de der Esel zu­rück­ge­ge­ben.

Ob­wohl er ein Dorn in ih­rem Au­ge war, kam die Ar­mee wi­der­stre­bend da­zu, Eid zu re­spek­tie­ren. Sie er­kann­te, dass sei­ne Be­rich­te frei wa­ren von der Phan­ta­sie und Über­trei­bung, die nur all­zu häu­fig im pa­läs­ti­nen­si­schen Dis­kurs ist. „War­um über­trei­ben?”, fragt Eid. „Wenn zum Bei­spiel 2’000 Häu­ser zer­stört wur­den, war­um 10’000 dar­aus ma­chen? Wenn die Is­rae­lis vier ge­tö­tet ha­ben, war­um sa­gen, dass es 40 wa­ren?” Er nahm Be­schwer­den von pa­läs­ti­nen­si­schen Koll­gen nicht zum Nenn­wert. Im Ge­gen­teil, er mach­te es zu sei­ner Pra­xis, die Ge­nau­ig­keit der Aus­sa­ge zu son­die­ren, be­vor er sei­nen Kol­le­gen im B’Tselem Haupt­quar­tier sag­te, sie soll­ten ei­nen for­mel­len Brief an die Ar­mee schi­cken, um nach de­ren Ver­si­on der ihm dar­ge­leg­ten Er­eig­nis­se zu fra­gen. Es war nicht un­ge­wöhn­lich, da­bei Ver­zer­run­gen zu ent­de­cken.

Ein­mal starb ein 6-​jähriges Mäd­chen an ei­ner Schuss­wun­de am Kopf, wo­bei ihr Va­ter, ein Mit­glied der pa­läs­ti­nen­si­schen Si­cher­heits­kräf­te, sag­te, dass ein is­rae­li­scher Sied­ler in sein Au­to ge­feu­ert ha­be. Es dau­er­te nur ein paar Te­le­fo­na­te an die Nach­barn, bis Eid er­fuhr, dass in Wahr­heit die Ku­gel von der ei­ge­nen Waf­fe des Va­ters kam, als er sie in sei­nem Haus rei­nig­te. Ein an­de­res Mal starb ein klei­nes Mäd­chen an ei­nem Schuss ei­nes is­rae­li­schen Sol­da­ten in ein Au­to. Ihr Va­ter be­rich­te­te, er sei ge­fah­ren und sie sei­en grund­los an­ge­grif­fen wor­den. Bas­sem ent­deck­te, dass der 15-​jährige Bru­der des Mäd­chens das Au­to der Fa­mi­lie für ei­ne Freu­den­fahrt ge­nom­men hat­te, oh­ne Er­laub­nis der El­tern, und sie mit­ge­nom­men hat­te für das Ver­spre­chen ei­ner Eis­tü­te. An ei­nem Kon­troll­punkt wen­de­te er und ras­te weg, weil er kei­nen Füh­rer­schein hat­te. Ein Sol­dat gab dann den töd­li­chen Schuss ab. Der Sol­dat wur­de be­straft, weil sei­ne Be­feh­le wa­ren, auf die Rei­fen ei­nes flie­hen­den ver­däch­ti­gen Fahr­zeugs zu schies­sen, nicht auf die Pas­sa­gie­re, doch die Ge­schich­te war nicht der kalt­blü­ti­ge Mord, den der Va­ter be­haup­tet hat­te.

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1994 war ein ent­schei­den­des Jahr für Eid, wie für al­le Pa­läs­ti­nen­ser und Is­rae­lis. Im Ju­li, 10 Mo­na­te nach dem un­ge­schick­ten Hand­schlag zwi­schen Ra­bin und Ara­fat auf dem Ra­sen des Weis­sen Hau­ses, hat­te die PLO-​Führung ih­re tri­um­pha­le Rück­kehr aus dem Exil nach Pa­läs­ti­na, um ei­ne Re­gie­rung ein­zu­rich­ten. Fast al­le Pa­läs­ti­nen­ser sehn­ten sich nach ei­nem ei­ge­nen Staat, aber Eid, wie an­de­re auch, hat­te Vor­be­hal­te ge­gen die lan­ge exi­lier­te PLO-​Führung. Ra­bin hat­te ein­mal öf­fent­lich den Deal mit ei­nem Mann ge­recht­fer­tigt, den er of­fen ver­ach­te­te, in­dem er sag­te, dass Ara­fat die Pa­läs­ti­nen­ser kon­trol­lie­ren wür­de und „sie be­han­deln wird, wie sie be­han­delt wer­den müs­sen, oh­ne … Stö­rung durch B’Tselem.”

Eid hat­te be­reits Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit ei­ni­gen der Fa­tah Hard­li­ner in den Ge­bie­ten, weil er ei­ni­ge der bru­ta­len Strassen- „Ge­rich­te” an­ge­pran­gert hat­te, die sie  sie aus­teil­ten, vor al­lem in den Flücht­lings­la­gern. Er war auch we­sent­lich be­tei­ligt an ei­nem B’Tselem Be­richt von An­fang 1994 über das The­ma der Tö­tung von Pa­läs­ti­nen­sern, die im Ver­dacht der „Kol­la­bo­ra­ti­on” mit Is­ra­el stan­den, durch an­de­re Pa­läs­ti­nen­ser. Die Er­geb­nis­se der Stu­die wa­ren krass:

Die brei­te De­fi­ni­ti­on des Be­griffs „Kol­la­bo­ra­teur” von pa­läs­ti­nen­si­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen und ih­re Ak­ti­vis­ten und ih­re Vor­ge­hens­wei­se führ­te zur Tö­tung von Hun­der­ten von Pa­läs­ti­nen­sern, die nicht im Dienst der Si­cher­heits­be­hör­den stan­den. Vie­le wur­den ge­tö­tet, weil ihr Ver­hal­ten als un­mo­ra­lisch emp­fun­den wur­de oder weil sie als „ne­ga­ti­ve Ele­men­te” in der Ge­sell­schaft be­trach­tet wur­den, oder aus an­de­ren Grün­den. Ei­ni­ge Mor­de wur­den im Rah­men von in­ter­nen Strei­tig­kei­ten durch­ge­führt, oder um per­sön­li­che Ri­va­li­tä­ten zu re­geln, und wur­den dann als Stra­fe für Kol­la­bo­ra­ti­on dar­ge­stellt.

Wür­de Ara­fat und sei­ne gut be­waff­ne­te Be­sat­zung die­se Ge­walt un­ter­bin­den, frag­te sich Eid oder eher er­hö­hen? Es dau­er­te nicht lan­ge, be­vor sei­ne Be­fürch­tun­gen be­stä­tigt wur­den. Ara­fat schuf ei­ne Viel­zahl von be­waff­ne­ten Agen­tu­ren, von de­nen die be­kann­tes­te der Pre­ven­ti­ve Se­cu­ri­ty Ser­vice (PSS) war, von ei­nem sei­ner engs­ten Ver­trau­ten be­feh­ligt, Ji­bril Ra­joub. Bald be­gan­nen Pa­läs­ti­nen­ser mit Ge­schich­ten von Miss­brauch in den Hän­den von Ra­joub Scher­gen zu Eid zu kom­men. „Ich fing an, Te­le­fon­an­ru­fe von den Leu­ten zu be­kom­men, die ver­haf­tet wor­den, ge­fol­tert und dann frei­ge­las­sen wor­den wa­ren”, er­in­nert sich Eid. „Ei­ni­ge von ih­nen hat­ten wirk­lich Angst.” Weil es so vie­le sol­cher Be­schwer­den wa­ren, kam Eid zum Schluss, dass dies nicht Ein­zel­fäl­le wa­ren, son­dern „ein Phä­no­men.”

Eid for­der­te sei­ne Vor­ge­setz­ten bei B’Tselem da­zu auf, ei­ne Un­ter­su­chung von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen durch die neue pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de zu er­öff­nen, aber sie sag­ten, dass für sie als is­rae­li­sche Or­ga­ni­sa­ti­on es ih­re Mis­si­on sei, Un­ta­ten von Is­ra­el zu kri­ti­sie­ren, nicht von der im Ent­ste­hen be­grif­fe­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Re­gie­rung. Al­so be­gann Eid sei­ne ei­ge­nen Auf­zeich­nun­gen zu füh­ren. Als die­se Auf­zeich­nun­gen di­cker wur­den, ap­pel­lier­te Eid an B’Tselem, ih­re Po­li­tik zu än­dern und ihm zu er­lau­ben, ei­nen of­fi­zi­el­len Be­richt über die Miss­hand­lun­gen vor­zu­be­rei­ten. Er sam­mel­te Bei­spie­le von Zeu­gen­aus­sa­gen, über­setzt sie auf He­brä­isch, und ver­teilt sie an die Mit­glie­der des Vor­stan­des, die dann für die Ge­neh­mi­gung des Be­richts stimm­ten. Er wur­de im Au­gust 1995 ver­öf­fent­licht und zi­tiert Fäl­le von:

aus­ser­ge­richt­li­che Be­stra­fung, Ent­füh­rung von Ein­woh­nern, il­le­ga­le Ver­haf­tun­gen, ver­län­ger­te Haft oh­ne ge­richt­li­che Kon­trol­le, die Ver­wei­ge­rung ju­ris­ti­scher Ver­tre­tung, die Ver­wei­ge­rung re­gel­mäs­si­ger Fa­mi­li­en­be­su­che, und der Ein­satz von Fol­ter­tech­ni­ken wie Schlä­gen, schmerz­haf­ter Fes­se­lung, Dro­hun­gen, De­mü­ti­gun­gen, Schlaf­ent­zug und Vor­ent­hal­tung von me­di­zi­ni­scher Be­hand­lung. Die Wei­ge­rung der meis­ten de­rer, die für B’Tselem aus­sag­ten, und vie­ler an­de­rer, die von den Me­di­en über die­se The­men be­fragt wur­den, ih­re Na­men zu ver­öf­fent­li­chen, zeigt, dass vie­le Be­woh­ner der West­bank die PSS nicht öf­fent­lich kri­ti­sie­ren aus Angst vor schwe­rer und hef­ti­ger Re­ak­tio­nen der PSS.

Als Re­ak­ti­on ver­ur­teil­te Ra­joub Eid als „Kol­la­bo­ra­teur” und ei­nen „is­rae­li­schen Po­li­zei­spit­zel.” Es fehl­te nur noch, dass er ein Kopf­geld auf Eid aus­setz­te. Hu­man Rights Watch be­rich­te­te: „Vie­le Men­schen­rechts­grup­pen pro­tes­tier­ten ge­gen die­se Be­mer­kung als bös­ar­tig und un­be­grün­de­te Be­haup­tung, die Eids per­sön­li­che Si­cher­heit ge­fähr­den könn­te. Die PA ver­si­cher­te, dass Men­schen­rechts­grup­pen frei sei­en, in den Selbst­ver­wal­tungs­ge­bie­ten zu ar­bei­ten, zog aber die An­kla­ge nicht for­mell zu­rück.”

Die durch Ra­joub ent­fes­sel­te Dro­hung zwang Eid, sei­ne Me­tho­den zu än­dern. Nun wür­de er, wenn er ge­fähr­li­che Ge­bie­te be­such­te, ei­nen Kol­le­gen mit­neh­men, vor al­lem is­rae­li­sche und aus­län­di­sche Jour­na­lis­ten, de­ren An­we­sen­heit als po­ten­ti­el­le Zeu­gen An­grif­fe ab­schre­cken wür­den. Aber er gab nicht nach.

Im Ja­nu­ar 1996 hiel­ten die Pa­läs­ti­nen­ser Wah­len für ei­nen Prä­si­den­ten und ei­nen Le­gis­la­tiv­rat ab. In ei­ner öf­fent­li­chen Er­klä­rung kri­ti­sier­te Eid Ara­fat für das Schei­tern der pa­läs­ti­nen­si­schen TVs, auch über an­de­re Kan­di­da­ten zu be­rich­ten. In der glei­chen Nacht, als Eid um 23.00 Uhr nach Shua­fat nach Hau­se kam, stieg ein Mann aus ei­nem ge­park­ten Au­to und nä­her­te sich ihm. Er iden­ti­fi­zier­te sich als Abu Fuad Jn­ei­di, ein Of­fi­zier der Kraft Sieb­zehn, ei­nem Si­cher­heits­dienst, der un­ter an­de­rem mit Ara­fats per­sön­li­cher Si­cher­heit be­auf­tragt war so­wie an­de­ren be­son­de­ren Diens­ten. Er frag­te, ob Eid ihn in sein Bü­ro in Ra­mal­lah be­glei­ten wür­de „auf ei­ne Tas­se Kaf­fee.” Eid lach­te und sag­te: „Ich ken­ne vie­le Leu­te, die von Ih­nen auf ei­ne Tas­se Kaf­fee ein­ge­la­den wur­den, die nie zu­rück­kehr­ten.”

Jn­ei­di gab sich be­lei­digt, an­er­kann­te Eids Emi­nenz und ver­si­cher­te ihm, dass er als Gast be­han­delt wer­den wür­de. Eid rech­ne­te sich aus, dass, wenn er sich wei­ger­te, wür­de dies in die Ge­rüch­te­kü­che ver­brei­tet wer­den als Be­weis, dass er ein „Kol­la­bo­ra­teur” sei, al­so stimm­te er zu. Jn­ei­di bat ihn, in sein Au­to zu kom­men, aber Eid sag­te, er wer­de in sei­nem ei­ge­nen fol­gen. Sie nah­men ei­ne Rou­te mit di­ver­sen Um­we­gen, um is­rae­li­sche Check­points zu ver­mei­den, da Jn­ei­di ver­haf­tet wor­den wä­re. Un­ter­wegs rief Eid ei­ni­ge Jour­na­lis­ten von Re­por­ters Sans Fron­tiè­res an, um ih­nen sei­ne Si­tua­ti­on zu er­klä­ren. Of­fen­bar be­gan­nen sie so­fort, An­ru­fe für ihn zu tä­ti­gen.

Im Bü­ro in Ra­mal­lah frag­te Eid: „Wird das lan­ge dau­ern?”

„Wahr­schein­lich bis mor­gen”, ant­wor­te­te Jn­ei­di.

„Bin ich ver­haf­tet?”, frag­te Eid.

„Nein”, be­harr­te Jn­ei­di, „bit­te ver­ste­hen Sie uns nicht falsch.”

„Al­so, was ich bin?”, frag­te Eid.

„Sie sind ein Gast.”

„Darf ich ge­hen?”, sag­te Eid, und tat, als ob er auf­ste­hen wol­le.

„Nein”, sag­te Jn­ei­di und leg­te sei­ne Hand auf Eid, um ihn zu­rück­zu­hal­ten.

Am nächs­ten Tag strahl­te Ra­dio Is­ra­el ei­nen Be­richt über Eids Ver­schwin­den aus. Sie zi­tier­ten ei­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Kom­man­dan­ten, der be­haup­te­te, pa­läs­ti­nen­si­sche Haft­an­stal­ten nach Eid ab­ge­sucht zu ha­ben und ar­gu­men­tier­te, dass es die Is­rae­lis sein müss­ten, die ihn fest­hiel­ten. Aber dann er­schien Ah­med Ti­bi, ein ara­bi­sches Mit­glied der is­rae­li­schen Knes­set, der auch ein en­ger Be­ra­ter Ara­fats war, auf der Po­li­zei­sta­ti­on, wo Eid fest­ge­hal­ten wur­de und ord­ne­te sei­ne Frei­las­sung an. Di­rek­te Ap­pel­le an Ara­fat von US-​Aussenminister War­ren Chris­to­pher und dem is­rae­li­schen Pre­mier­mi­nis­ter Shi­mon Pe­res und brei­te Be­richt­erstat­tung hat­te ihn ge­ret­tet.

Die­se Er­fah­rung stärk­te Eids Ent­schlos­sen­heit, Miss­bräu­che durch die pa­läs­ti­nen­si­schen Be­hör­den zu über­wa­chen. Aber die Füh­rung von B’Tselem war ge­teil­ter Mei­nung, ob die Grup­pe selbst den Wach­hund der pa­läs­ti­nen­si­schen Be­hör­den als auch der is­rae­li­schen spie­len soll­te. Die­je­ni­gen, die die Men­schen­rech­te über Ideo­lo­gie stell­ten, woll­ten das tun, aber es gab ei­ne an­de­re Grup­pe, an­ge­führt von Uri Av­ne­ry, die mit der PLO sym­pa­thi­sier­te und woll­te, dass B’Tselem ih­ren Fo­kus aus­schliess­lich auf Is­ra­el hielt. Im Ju­li 1996 kün­dig­te Eid sei­nen Rück­tritt von B’Tselem an und mach­te sich dar­an, sei­ne ei­ge­ne Or­ga­ni­sa­ti­on zu schaf­fen.

Eid pa­läs­ti­nen­si­sche Men­schen­rechts­be­ob­ach­ter­grup­pe hielt ei­nen kri­ti­schen Blick auf die Ak­tio­nen Is­ra­els, ver­öf­fent­lich­te Be­rich­te über Haus­zer­stö­run­gen, In­haf­tie­rung von pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­fan­ge­nen, Ge­walt durch is­rae­li­sche Sied­ler ge­gen Pa­läs­ti­nen­ser und der­glei­chen. Aber die­ses Mal kon­zen­trier­te sich Eid in ers­ter Li­nie auf die pa­läs­ti­nen­si­schen Be­hör­den. „Ich glau­be, ich muss mei­ne Na­ti­on vor je­der Art von Au­to­ri­tät schüt­zen, selbst ih­re ei­ge­ne Au­to­ri­tät”, er­klär­te er. „Ich möch­te, dass die Pa­läs­ti­nen­ser ei­nen de­mo­kra­ti­schen Staat er­rich­ten, nicht nur ih­re Au­to­ri­tät aus­deh­nen.”

Der ers­te um­fas­sen­de Be­richt wur­de im Mai 1997, sechs Mo­na­te nach ih­rer Grün­dung, aus­ge­ge­ben. Die Be­schrei­bung von „Fol­ter in gros­sem Maß­stab” und „Nor­men il­le­ga­len Ver­hal­tens” der Pa­läs­ti­nen­si­schen Be­hör­de „kratz­te an ei­nem Ta­bu”, wie es die Wa­shing­ton Post aus­drück­te. „In ei­ner po­li­ti­schen Kul­tur, die vie­le Kri­ti­ker zum Schwei­gen ge­bracht hat, fiel die Kühn­heit der Or­ga­ni­sa­to­ren, die auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz in ei­nem arabisch-​geführtes Ho­tel in Ost-​Jerusalem ge­nannt, so sehr auf wie ihr ge­mes­se­ner und kri­ti­scher Be­richt,” sag­te die Zei­tung. Die Post ver­merk­te auch, dass in den pa­läs­ti­nen­si­schen Me­di­en kei­ne Er­wäh­nung der PHRMG er­schie­nen, und lie­fer­te ei­ne An­ek­do­te aus Eids Pres­se­kon­fe­renz: „Eid lach­te, als er ei­nen Re­por­ter von der Al-​Quds dai­ly sah [in de­ren Sei­ten Eid frü­her is­rae­li­sche Un­ta­ten auf wö­chent­li­cher Ba­sis aus­ge­brei­tet hat­te] … lach­te und frag­te, war­um er sich die Mü­he ge­macht hat­te, über­haupt her­ge­kom­men zu sein. Der Re­por­ter sag­te, er ha­be ge­hofft, dass Eid is­rae­li­sche Miss­bräu­che er­wäh­nen wür­de, die er ver­öf­fent­li­chen könn­te.”

Eid ver­ur­teil­te Is­ra­el und die Ver­ei­nig­ten Staa­ten für Bei­hil­fe zu den Miss­bräu­chen durch die pa­läs­ti­nen­si­schen Be­hör­den auf­grund der Theo­rie, dass sie freie Hand brauch­ten, um Ra­di­ka­le an der Un­ter­gra­bung des Frie­dens­pro­zes­ses zu hin­dern. „Als Prä­si­dent Ara­fat das Staats­si­cher­heits­ge­richt per Prä­si­den­ten­er­lass im April 1995 ein­zu­set­zen ent­schied, ga­ben Is­ra­el und die Ver­ei­nig­ten Staa­ten nicht nur ih­ren Se­gen zu des­sen Grün­dung, son­dern un­ter­stütz­ten auch die il­le­ga­le Art und Wei­se, in der es seit 1995 funk­tio­niert hat”, schrieb er.

Im Sep­tem­ber 2000 schuf die zwei­te oder „Al-​Aqsa” -In­ti­fa­da ei­nen neu­en Kon­text für Eids Ar­beit. Zu­nächst ziel­te Eids Kri­tik auf die Is­rae­lis. „Was die Pa­läs­ti­nen­ser zur Ge­walt dräng­te, ist Frus­tra­ti­on”, sag­te er ei­nem ame­ri­ka­ni­schen Re­por­ter. „Die Is­rae­lis Bull­do­zern im­mer noch pa­läs­ti­nen­si­sche Häu­ser, bau­en im­mer noch Sied­lun­gen, tö­ten im­mer noch Pa­läs­ti­nen­ser.” Ei­ne Wo­che in die neue In­ti­fa­da gab die PHRMG ei­nen Be­richt her­aus über To­des­fäl­le von Kin­dern un­ter den Pa­läs­ti­nen­sern, mit de­tail­lier­ten An­ga­ben über vier Fäl­le und mit den Na­men und dem Al­ter von 11 Ju­gend­li­chen, die ge­stor­ben wa­ren. Ei­ne wei­te­re PHRMG-​Erklärung pro­tes­tier­te ge­gen Is­ra­els Schlies­sung des Gaza-​Flughafens und ver­lang­te im Mi­ni­mum Lan­de­rech­te für Flug­zeu­ge mit me­di­zi­ni­schen Hilfs­gü­tern.

Wäh­rend er die is­rae­li­sche Pres­se für ih­ren Man­gel an Ob­jek­ti­vi­tät at­ta­ckier­te, be­schul­dig­te er auch pa­läs­ti­nen­si­sche Nach­rich­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen der Ver­brei­tung von „Fehl­in­for­ma­tio­nen,” und er ging be­son­ders hart um mit an­de­ren pa­läs­ti­nen­si­schen Men­schen­rechts­grup­pen, von de­nen er dach­te, dass sie die Er­eig­nis­se aus­nut­zen. Er schrieb:

Die­nen die­se Or­ga­ni­sa­tio­nen wirk­lich der Sa­che der Men­schen­rech­te, oder ver­su­chen sie, Pu­bli­zi­tät zu ge­win­nen auf Kos­ten der Men­schen­rech­te? Müs­sen wir, die Pa­läs­ti­nen­ser, die Din­ge zu die­sem Zeit­punkt wirk­lich über­trei­ben, wenn das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk blu­tet? Die Fak­ten spre­chen für sich. Die Pa­läs­ti­nen­ser sind die Op­fer; Über­trei­bun­gen und un­ge­naue Be­richt­erstat­tung wird nur un­se­re Glaub­wür­dig­keit be­schä­di­gen.

Wäh­rend die Ge­walt noch in­ten­si­ver wur­de, wur­de Eid zu­neh­mend kri­tisch ge­gen­über der pa­läs­ti­nen­si­schen Sei­te. Im Fe­bru­ar rief er Ara­fat öf­fent­lich da­zu auf, „den Schwer­punkt des Auf­stands von be­waff­ne­tem Wi­der­stand zu un­be­waff­ne­te, zi­vi­len Pro­test zu ver­schie­ben. … Die Zu­kunft der ge­sam­ten Re­gi­on wird nicht durch die In­ti­fa­da be­stimmt wer­den, son­dern durch den Frie­dens­pro­zess”, füg­te er hin­zu. Sei­ne Wor­te fie­len auf tau­be Oh­ren, und in den nächs­ten Jah­ren wuchs sei­ne Kri­tik herb. In ei­nem Zei­tungs­auf­satz von 2003 ging er auf Ara­fat per­sön­lich los:

Der pa­läs­ti­nen­si­sche Prä­si­dent re­det im­mer noch von Shaheeds [Mär­ty­rern] und er er­mu­tigt Kin­der, Mär­ty­rer zu wer­den, in­dem er ih­nen sagt, dass ein Shaheed auf der Er­de von Gott so gross be­trach­ten wird, wie 40 Shaheeds im Him­mel. (Die­se Aus­sa­ge wur­de noch von kei­ner Or­ga­ni­sa­tio­nen für den Schutz von Kin­dern.)

Es scheint, dass Ara­fat noch im­mer Pa­läs­ti­nen­ser da­zu er­mu­tigt, sich zu op­fern, ei­ne Hal­tung, die oh­ne Lo­gik oder Ethik ist. Statt über Frie­den und Le­ben zu re­den, statt Ko­exis­tenz zu un­ter­stüt­zen, an­statt das Be­wusst­sein der Men­schen zu fül­len, for­dert Ara­fat den Tod. Es scheint, als ob die fast 2’500 Pa­läs­ti­nen­ser und mehr als 700 Is­rae­lis, die wäh­rend die­ser In­ti­fa­da ge­tö­tet wur­den, nicht ge­nug sind, um Ara­fats po­li­ti­sche In­ter­es­sen zu er­fül­len.

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Eids ei­ge­ne Or­ga­ni­sa­ti­on, und sein gleich­wer­ti­ger und beid­sei­ti­ger An­satz ge­gen­über Un­ge­rech­tig­keit wä­re ein wei­te­res Op­fer des er­höh­ten Kon­flikt­zu­stan­des und des da­mit ver­bun­de­nen Man­gels an Ach­tung vor der Wahr­heit, der das Schei­tern des Oslo-​Friedensprozesses wei­ter­hin cha­rak­te­ri­siert. Im Jahr 2011 gin­gen Eids PHRMG die Mit­tel aus und sie schloss ih­re Tü­ren. Al­le pa­läs­ti­nen­si­schen Men­schen­rechts­grup­pen sind ab­hän­gig von eu­ro­päi­schen För­der­mit­teln, und die Geld­ge­ber küm­mern sich mehr um Miss­bräu­che durch Is­ra­el als durch die PA, wes­halb Spen­den an Eids Grup­pe kaum Prio­ri­tät hat­ten. Seit­dem ver­dient er sein Geld als Kom­men­ta­tor und Red­ner, oft von Pro-​Israel-​Gruppen ge­spon­sert, die sei­ne Kri­tik an der pa­läs­ti­nen­si­schen Füh­rung und ei­ni­ge ih­rer Ur­sa­chen be­grüs­sen. Er pran­gert Fa­tah we­gen Kor­rup­ti­on an, be­hält sich aber sei­ne schärfs­ten Wor­te für die Ha­mas vor:

Ich ver­su­che, Spre­cher zu sein für die­je­ni­gen, die ge­stor­ben sind. Ich den­ke, dass die Men­schen, die ge­stor­ben sind, ei­ne Nach­richt hin­ter­las­sen ha­ben. Ich möch­te, dass die Welt ih­re Stim­men hört. „Wir star­ben grund­los.” Die Men­schen, die in Ga­za star­ben, sind von ih­rer ei­ge­nen Füh­rung ge­op­fert wor­den: Ha­mas. Der­je­ni­ge, der drei Krie­ge über Ga­za brach­te, war Ha­mas. In je­dem Land nut­zen die Re­gie­run­gen ih­re Ge­schos­se und Ra­ke­ten da­zu, ih­re Be­völ­ke­rung zu schüt­zen, doch die Ha­mas tat das Ge­gen­teil, sie schütz­te ih­re Ra­ke­ten mit ih­rem Volk. Ich fra­ge mich manch­mal, wie die Ha­mas den Sieg des Krie­ges des ver­gan­ge­nen Som­mers fei­ert, und ich fra­ge mich als Pa­läs­ti­nen­ser, wenn un­se­re Tra­gö­di­en ein Sieg sind, wie sieht dann un­se­re Nie­der­la­ge aus.

Sol­che Wor­te brin­gen vor­her­seh­ba­re De­nun­zia­tio­nen auf Eids Kopf, ge­nau­so wie es sei­ne De­nun­zia­tio­nen der BDS-​Bewegung tun, sie ver­ar­me das Le­ben der ein­fa­chen Pa­läs­ti­nen­ser. „Neh­men Sie So­da­Stream”, sagt er. „Als Er­geb­nis des Um­zugs [ih­rer Fa­brik] aus der West­bank nach Süd­is­ra­el ver­lo­ren 2’500 Pa­läs­ti­nen­ser ih­ren Job.”

Wie vor­aus­zu­se­hen war, wird Eid als Ver­rä­ter de­nun­ziert, vor al­lem von BDS-​Aktivisten aus­ser­halb Pa­läs­ti­nas. In den Ge­bie­ten, wo er wei­ter­hin sei­ne Hei­mat hat, er­in­nert man sich oft an­er­ken­nend an sei­ne Ver­tei­di­gung der Pa­läs­ti­nen­ser ge­gen Miss­brauch von je­der Sei­te. Doch un­ter den aus­län­di­schen Kämp­fern für die pa­läs­ti­nen­si­sche Sa­che wis­sen nur we­ni­ge von sei­ner Ver­gan­gen­heit, als er die Rech­te der Hamas-​Mitglieder ver­tei­dig­te, als er bei­spiels­wei­se vor der is­rae­li­schen Se­cu­ri­ty aus­wich, der jor­da­ni­schen Muk­ha­barat, und li­ba­ne­si­schen Christen-​Milizen, um sich in die ab­ge­le­ge­nen Ber­ge von Li­ba­non zu schlei­chen im Jahr 1992, um über die Be­din­gun­gen der Hamas-​Militanten zu be­rich­ten, die die Re­gie­rung Ra­bin zu­sam­men­ge­trie­ben und dort­hin de­por­tiert hat­te. „Mir ist es egal, ob ich ein Ver­rä­ter ge­nannt wer­de”, sagt Eid. „Je­der Ara­ber, der auf­steht und sei­ne ei­ge­ne Füh­rung kri­ti­siert, wird ein Ver­rä­ter für Is­ra­el ge­nannt. Ich ver­su­che, We­ge zu fin­den, das täg­li­che Le­ben für mein Volk zu ver­bes­sern und ei­ne bes­se­re Zu­kunft zu si­chern.”


Joshua Mu­rav­chik ist der Au­tor von Ma­king Da­vid In­to Go­li­ath: How the World Tur­ned Against Is­ra­el und Trail­bla­zers of the Arab Spring: Voices of De­mo­cra­cy in the Midd­le East.

1 Ping

  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] (Da­ni­el): – Bas­sem Eid mach­te ‘B’Tselem’ be­rühmt, in­dem er is­rae­li­sche Miss­bräu­che auf­deck­te. Jetzt ist …. – Eu­ro­pas Mus­li­me has­sen den […]

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