«

»

Eu­ro­pa: Die Sub­sti­tu­ti­on ei­ner Be­völ­ke­rung

Gi­ulio Meot­ti, 27.8.2016, Gatestone In­sti­tu­te

  • In ei­ner Ge­ne­ra­ti­on wird Eu­ro­pa nicht wie­der­zu­er­ken­nen sein.
  • Ost­eu­ro­pa hat jetzt „den größ­ten Be­völ­ke­rungs­ver­lust in der mo­der­nen Ge­schich­te”, wäh­rend Deutsch­land Ja­pan über­holt hat mit der nied­rigs­ten Ge­bur­ten­ra­te der Welt.
  • Eu­ro­pa, wäh­rend es al­tert, er­neu­ert sei­ne Ge­ne­ra­tio­nen nicht mehr und heisst statt­des­sen ei­ne mas­si­ve An­zahl von Mi­gran­ten aus dem Na­hen Os­ten, Afri­ka und Asi­en will­kom­men, die die ein­hei­mi­schen Eu­ro­pä­er er­set­zen wer­den und die Kul­tu­ren mit ra­di­kal un­ter­schied­li­chen Wer­ten über Sex, Wis­sen­schaft, po­li­ti­scher Macht, Kul­tur, Wirt­schaft und der Be­zie­hung zwi­schen Gott und Mensch mit­brin­gen.

Raus mit dem Al­ten, rein mit dem Neu­en… Eu­ro­pa, wäh­rend es al­tert, er­neu­ert nicht mehr sei­ne Ge­ne­ra­tio­nen, son­dern heisst statt­des­sen ei­ne mas­si­ve Zahl von Mi­gran­ten aus dem Na­hen Os­ten, Afri­ka und Asi­en will­kom­men, die die ein­hei­mi­schen Eu­ro­pä­er er­set­zen wer­den und die Kul­tu­ren mit ra­di­kal un­ter­schied­li­chen Wer­ten über Sex, Wis­sen­schaft, po­li­ti­scher Macht, Kul­tur, Wirt­schaft und der Be­zie­hung zwi­schen Gott und Mensch mit­brin­gen.


To­des­fäl­le, die die Ge­bur­ten über­stei­gen, mö­gen wie Sci­ence Fic­tion klin­gen, aber sie sind jetzt Eu­ro­pas Rea­li­tät. Es ist ein­fach pas­siert. Im Jahr 2015 sind 5,1 Mil­lio­nen Ba­bys in der EU ge­bo­ren wor­den, wäh­rend 5,2 Mil­lio­nen Men­schen star­ben, was be­deu­tet, dass die EU zum ers­ten Mal in der mo­der­nen Ge­schich­te ei­ne ne­ga­ti­ve na­tür­li­che Ver­än­de­rung in der Be­völ­ke­rung ver­zeich­ne­te. Die Zah­len stam­men von Eu­ro­stat (Sta­tis­ti­sches Amt der Eu­ro­päi­schen Uni­on), die seit 1961 die eu­ro­päi­sche Be­völ­ke­rung zählt. Es ist of­fi­zi­ell.

Es gibt je­doch noch ei­ne an­de­re über­ra­schend ho­he Zahl: die eu­ro­päi­sche Be­völ­ke­rung stieg ins­ge­samt von 508,3 Mio. auf 510,1 Mio. Ha­ben Sie er­ra­ten war­um? Die Im­mi­gran­ten­be­völ­ke­rung stieg um rund zwei Mil­lio­nen in ei­nem Jahr, wäh­rend die ein­hei­mi­sche Be­völ­ke­rung Eu­ro­pas schrumpf­te. Es han­delt sich um die Sub­sti­tu­ti­on ei­ner Po­pu­la­ti­on. Eu­ro­pa hat den Wil­len ver­lo­ren, sei­ne Be­völ­ke­rung zu er­hal­ten oder wach­sen zu las­sen. Die Si­tua­ti­on ist so de­mo­gra­phisch und seis­misch wie wäh­rend der gro­ßen Pest des 14. Jahr­hun­derts.

Die­se Um­schich­tung ist das, was der bri­ti­sche De­mo­graph Da­vid Co­le­man in sei­ner Stu­die „Ein­wan­de­rung und eth­ni­sche Ver­än­de­rung in Län­dern mit nied­ri­ger Frucht­bar­keits­ra­te: Ein drit­ter de­mo­gra­phi­scher Über­gang” (Im­mi­gra­ti­on and Eth­nic Chan­ge in Low-​Fertility Coun­tries: A Third De­mo­gra­phic Tran­si­ti­on) be­schrieb. Eu­ro­pas selbst­mör­de­ri­sche Ge­bur­ten­ra­te, ge­kop­pelt mit Mi­gran­ten, die sich schnel­ler ver­meh­ren, wird die eu­ro­päi­sche Kul­tur um­pflü­gen. Die sin­ken­de Ge­bur­ten­ra­te der ein­hei­mi­schen Eu­ro­pä­er fällt, in der Tat, zu­sam­men mit der In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung des Is­lam in Eu­ro­pa und der „Re-​Islamisierung” der Mus­li­me.

Im Jahr 2015 ver­zeich­ne­te Por­tu­gal die zweit­nied­rigs­te Ge­bur­ten­ra­te in der Eu­ro­päi­schen Uni­on (8,3 pro 1000 Ein­woh­ner) und ein ne­ga­ti­ves na­tür­li­ches Wachs­tum von -2,2 je 1000 Ein­woh­ner. Wel­ches EU-​Land hat­te die nied­rigs­te Ge­bur­ten­ra­te? Ita­li­en. Seit dem „Baby-​Boom” der 1960er Jah­re hat sich die Ge­bur­ten­ra­te in dem Land, das be­kannt ist für sei­ne gro­ßen Fa­mi­li­en, mehr als hal­biert. Im Jahr 2015 sank die Zahl der Ge­bur­ten auf 485.000, we­ni­ger als in je­dem an­de­ren Jahr seit das mo­der­ne Ita­li­en im Jah­re 1861 ge­grün­det wur­de.

Ost­eu­ro­pa hat heu­te „den größ­ten Be­völ­ke­rungs­ver­lust in der mo­der­nen Ge­schich­te”, wäh­rend Deutsch­land Ja­pan bei der nied­rigs­ten Ge­bur­ten­ra­te der Welt über­holt hat, im Durch­schnitt der letz­ten fünf Jah­re. In Deutsch­land und Ita­li­en wa­ren die Rück­gän­ge be­son­ders dra­ma­tisch, -2,3% bzw. -2,7% nach un­ten.

Ei­ni­ge Un­ter­neh­men sind nicht ein­mal mehr in­ter­es­siert an eu­ro­päi­schen Märk­ten. Kimberly-​Clark, die Hug­gies Win­deln macht, hat sich von den meis­ten Län­dern Eu­ro­pas zu­rück­ge­zo­gen. Der Markt lohnt sich ein­fach nicht mehr. Wäh­rend­des­sen hat Proc­ter & Gam­ble, die Pam­pers Win­deln pro­du­ziert, in das Ge­schäft der Zu­kunft in­ves­tiert: Win­deln für al­te Men­schen.

Eu­ro­pa er­graut; Man kann all die Trau­rig­keit ei­ner Welt spü­ren, die sich ver­braucht hat. Im Jahr 2008 sa­hen die Län­der der Eu­ro­päi­schen Uni­on die Ge­burt von 5.469.000 Kin­dern. Fünf Jah­re spä­ter gab es fast ei­ne hal­be Mil­li­on we­ni­ger, 5.075.000 – ein Rück­gang von 7%. Die Ge­bur­ten­ra­ten sind nicht nur in Län­dern mit äch­zen­den Volks­wirt­schaf­ten wie Grie­chen­land ge­sun­ken, son­dern auch in Län­dern wie Nor­we­gen, das ziem­lich glatt durch die Fi­nanz­kri­se hin­durch­ge­se­gelt ist.

Wie Lord Sacks vor kur­zem sag­te: „sin­ken­de Ge­bur­ten­ra­ten könn­ten das En­de des Wes­tens her­bei­buch­sta­bie­ren”. Eu­ro­pa, wäh­rend es al­tert, er­neu­ert sei­ne Ge­ne­ra­tio­nen nicht mehr und heisst statt­des­sen ei­ne mas­si­ve Zahl von Mi­gran­ten aus dem Na­hen Os­ten, Afri­ka und Asi­en will­kom­men, die die ein­hei­mi­schen Eu­ro­pä­er er­set­zen wer­den, und die Kul­tu­ren mit ra­di­kal un­ter­schied­li­chen Wer­ten über Sex, Wis­sen­schaft, po­li­ti­sche Macht, Kul­tur, Wirt­schaft und die Be­zie­hung zwi­schen Gott und Mensch mit­brin­gen.

Lin­ke und Sä­ku­la­ris­ten nei­gen da­zu, die Be­deu­tung der de­mo­gra­phi­schen und kul­tu­rel­len Fra­gen zu igno­rie­ren. Des­halb kom­men die wich­tigs­ten War­nun­gen von ei­ni­gen christ­li­chen Füh­rern. Der ers­te, der auf die­se dra­ma­ti­sche Ent­wick­lung auf­merk­sam ge­macht hat, war ein gro­ßer ita­lie­ni­scher Mis­sio­nar, Pa­ter Pie­ro Ghed­do, der er­klär­te, dass auf­grund sin­ken­der Ge­bur­ten­ra­ten und re­li­giö­ser Apa­thie „der Is­lam eher frü­her als spä­ter die Mehr­heit in Eu­ro­pa er­obern wird.” Er wur­de von an­de­ren, wie dem li­ba­ne­si­schen Kar­di­nal Be­cha­ra Rai ge­folgt, der die Ost-​Katholiken am Va­ti­kan aus­ge­rich­tet führt. Rai warn­te da­vor, dass „der Is­lam Eu­ro­pa durch Glau­ben und Ge­bur­ten­ra­te er­obern wird.” Ei­ne ähn­li­che War­nung kam vor kur­zem von ei­nem wei­te­ren Kar­di­nal, Ray­mond Leo Bur­ke.

In ei­ner Ge­ne­ra­ti­on ab heu­te wird Eu­ro­pa nicht mehr wie­der­zu­er­ken­nen sein. Die Men­schen in Eu­ro­pa schei­nen jetzt weit­ge­hend zu den­ken, dass die Iden­ti­tät ih­rer Zi­vi­li­sa­ti­on in ers­ter Li­nie durch ei­nen fri­vo­len Li­ber­ta­ris­mus be­droht ist, ei­ne Ideo­lo­gie, die un­ter dem Vor­wand der Frei­heit al­le Ver­bin­dun­gen de­kon­stru­ie­ren will, die den Men­schen an sei­ne Fa­mi­lie bin­den, an sei­ne Ab­stam­mung, sei­ne Ar­beit, sei­ne Ge­schich­te, sei­ne Re­li­gi­on, sei­ne Spra­che, sei­ne Na­ti­on, sei­ne Frei­heit. Es scheint von ei­ner Träg­heit zu kom­men, der es egal ist, ob Eu­ro­pa blüht oder welkt, wenn un­se­re Zi­vi­li­sa­ti­on ver­schwin­det, in eth­ni­schem Cha­os er­trun­ken, oder von ei­ner neu­en Re­li­gi­on aus der Wüs­te über­rannt.

Wie ein Pa­pier im Wa­shing­ton Quar­ter­ly er­klärt, hat das töd­li­che Zu­sam­men­tref­fen zwi­schen der eu­ro­päi­schen sin­ken­den Ge­bur­ten­ra­te und dem Auf­stieg des Is­lam be­reits er­heb­li­che Fol­gen: Eu­ro­pa ist zu ei­nem In­ku­ba­tor des Ter­ro­ris­mus ge­wor­den; hat ei­nen neu­en gif­ti­gen An­ti­se­mi­tis­mus ge­bil­det; ei­ne po­li­ti­sche Ver­schie­bung nach rechts au­ßen ge­se­hen; die größ­te Kri­se in der eu­ro­päi­schen au­to­ri­tä­ren Uni­on durch­ge­macht und ei­ne Neu­aus­rich­tung der Au­ßen­po­li­tik er­lebt seit Eu­ro­pas Rück­zug aus dem Na­hen Os­ten.

Der de­mo­gra­phi­sche Sui­zid wird nicht nur er­fah­ren; er scheint ge­wollt. Die xe­no­phi­le eu­ro­päi­sche Bour­geoi­sie, die heu­te die Po­li­tik und die Me­di­en steu­ert, scheint mit ei­nem sno­bis­ti­schen und ma­so­chis­ti­schen Ras­sis­mus durch­drun­gen. Sie ha­ben sich ge­gen die Wer­te ih­rer ei­ge­nen jüdisch-​christlichen Kul­tur ge­wandt und das mit ei­nem hal­lu­zi­na­to­ri­schen, ro­man­ti­sie­ren­den Blick auf die Wer­te an­de­rer Kul­tu­ren kom­bi­niert. Das trau­ri­ge Pa­ra­do­xon ist, dass die Eu­ro­pä­er jetzt jun­ge Men­schen aus dem Na­hen Os­ten in gro­ßer Zahl im­por­tie­ren, um ih­re Lifestyle-​Entscheidungen zu kom­pen­sie­ren.

Ein agnos­ti­scher und ste­ri­ler Kon­ti­nent – sei­ner Göt­ter und Kin­der be­raubt, weil es sie ver­bannt hat – wird kei­ne Kraft mehr ha­ben, zu kämp­fen oder ei­ne Zi­vi­li­sa­ti­on der Eif­ri­gen und Jun­gen zu as­si­mi­lie­ren. Das Schei­tern, der kom­men­den Trans­for­ma­ti­on zu be­geg­nen, scheint der Sei­te des Is­lam zu­gu­te zu kom­men. Ist das, was wir se­hen, sind das die letz­ten Ta­ge des Som­mers?

Gi­ulio Meot­ti, Kul­tur­re­dak­tor für Il Fo­glio, ist ein ita­lie­ni­scher Jour­na­list und Au­tor.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php