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Mus­li­me war­nen: Anti-​Terror-​Gesetze könn­ten Leh­re des Ko­ran verhindern

He­ath As­ton, 8.10.2014, Sid­ney Morning Herald

Ly­dia Shel­ly vom Mus­lim Le­gal Net­work mit Er­tunc Ya­sar Ozen und Mousta­fa Kheir im Par­la­ment. (Fo­to: An­drew Meares)

Ein mus­li­mi­scher Kle­ri­ker, der aus be­stimm­ten Ko­ran­pas­sa­gen pre­digt, könn­te sich im „brei­ten” Netz des neu­en Anti-​Terror-​Gesetzes der Re­gie­rung ver­fan­gen, warn­ten is­la­mi­sche Führer.

Der Groß­muf­ti von Aus­tra­li­en, Ibra­him Abu Mo­ham­mad, und der aus­tra­li­sche Rat der na­tio­na­len Ima­me ha­ben ge­for­dert, dass die Straf­tat der „Be­für­wor­tung des Ter­ro­ris­mus” aus dem so ge­nann­ten For­eign Figh­ters Bill ent­fernt wer­den soll, das der­zeit im Par­la­ment ver­han­delt wird.

Sie gin­gen am sel­ben Tag mit ih­rer Op­po­si­ti­on an die Öf­fent­lich­keit, als Pre­mier­mi­nis­ter To­ny Ab­bott den Ge­setz­ent­wurf als un­er­läss­lich un­ter­stütz­te, um die „Hass­pre­di­ger”, ein­schließ­lich der radikal-​islamischen Grup­pe Hizb ut-​Tahrir, einzudämmen.

Die Or­ga­ni­sa­ti­on ver­an­stal­tet am Frei­tag ei­nen Vor­trag in Lak­em­ba, um „die Po­li­tik und die Plä­ne der amerikanisch-​geführten In­ter­ven­ti­on im Irak und in Sy­ri­en” zu de­nun­zie­ren, und Mr. Ab­bott hat ein­ge­stan­den, dass der ge­gen­wär­ti­ge Rechts­rah­men nicht ge­nügt, um den An­lass zu ver­hin­dern. Der Rat der Ima­me sag­te, dass ein Kle­ri­ker un­ter das neue Ge­setz fal­len könn­te, selbst wenn er ein­fach „die Pflicht ei­nes Mos­lems be­für­wor­te, sein Land zu verteidigen”.

„Wir sind da­her be­sorgt dar­über, dass der Vor­schlag schwer­wie­gen­de Aus­wir­kun­gen auf die freie Mei­nungs­äu­ße­rung hat und ei­ne ab­schre­cken­de Wir­kung auf die le­gi­ti­men re­li­giö­sen und po­li­ti­schen De­bat­ten ha­ben wird”, sag­te der Rat – der 250 Ima­me ver­tritt – in ei­ner Vor­la­ge an den par­la­men­ta­ri­schen Ge­mein­sa­men Aus­schuss für Ge­heim­dienst und Sicherheit.

Mit­glie­der des Mus­lim Le­gal Net­work, die am Mitt­woch vor dem Aus­schuss er­schie­nen, sag­ten, dass die vom Ge­ne­ral­staats­an­walt Ge­or­ge Bran­dis ein­ge­führ­ten Ge­set­ze den ex­tre­men Rand und nicht die Mainstream-​Muslime ins Vi­sier neh­men sollten.

Sie sag­ten, dass je­de Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft da­mit kon­fron­tiert wer­den könn­te, dass sie ei­nes Ter­ror­ver­bre­chens an­ge­klagt wird,„wenn sie sich in ih­ren Pre­dig­ten auf Ge­schich­ten im Ko­ran, in der Bi­bel und in der Tho­ra berufen”.

Es ist do­ku­men­tiert, dass die Al Qaida-​Manager der 9/​11-​Selbstmordpiloten sie da­zu ge­drängt hat­ten, sich an Pas­sa­gen im Ko­ran zu ori­en­tie­ren, in de­nen Gott ver­spricht, „Ter­ror in die Her­zen de­rer zu wer­fen, die die Wahr­heit ver­leug­nen wol­len; und dann schlagt sie auf ih­re Nacken!”

Doch ei­ni­ge Ge­lehr­te ha­ben dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Al­te Tes­ta­ment in sei­ner Sym­bo­lik eben­so ge­walt­tä­tig ist wie bei­spiels­wei­se Psalm 137, der die Ba­by­lo­ni­er be­droht: „Ge­seg­net sei, wer eu­re Klei­nen nimmt und sie ge­gen die Fel­sen stößt”.

Der Is­la­mi­sche Rat von Vic­to­ria sag­te in sei­ner Stel­lung­nah­me, dass das neue Ge­setz Mos­lems kri­mi­na­li­sie­ren wür­de, die „le­gi­ti­me For­men des be­waff­ne­ten Kamp­fes” un­ter­stüt­zen, ein­schließ­lich des Wi­der­stands ge­gen das Assad-​Régime in Sy­ri­en und den pa­läs­ti­nen­si­schen Kon­flikt mit Israel.

Die weit ge­fass­te De­fi­ni­ti­on von „Ter­ro­ris­mus” und die Art und Wei­se, wie sie bis­wei­len se­lek­tiv auf sol­che Grup­pen an­ge­wandt er­de, sei problematisch…[und] die Be­fug­nis des Ge­ne­ral­staats­an­walts, ter­ro­ris­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen oh­ne Auf­sicht und Kon­se­quenz auf­zu­lis­ten, ver­schär­fe die­ses Pro­blem noch wei­ter”, sag­te er.

„Die­se De­fi­ni­ti­on aus­zu­deh­nen auf ‚aus­län­di­sche Über­grif­fe’ und ‚Ver­rat’, wenn Aus­tra­li­en be­reits Ge­set­ze hat, die sich mit die­sen Din­gen be­schäf­tigt, trübt das Was­ser des­sen nur noch mehr, was als Ter­ro­ris­mus an­ge­se­hen wer­den kann und was als le­gi­ti­mer Wi­der­stand ge­gen Un­ter­drü­ckung an­ge­se­hen wer­den sollte.

„Die Kri­mi­na­li­sie­rung des Ak­tes der ‚Be­für­wor­tung des Ter­ro­ris­mus’ fügt die­ser Fra­ge ei­ne wei­te­re Kom­ple­xi­täts­schicht hin­zu. Der Um­fang des­sen, was als ‚Be­für­wor­tung des Ter­ro­ris­mus’ gilt, ist unklar.”

Der Rat iden­ti­fi­zier­te, wie er sagt, ei­ne Dop­pel­mo­ral ge­gen­über Mos­lems, die nach Sy­ri­en und in den Irak ge­hen möch­ten, um ih­re Hil­fe zur Ver­fü­gung zu stel­len, die ih­re Päs­se an­nul­liert be­kom­men, wäh­rend Rei­sen zio­nis­ti­scher Ju­den nach Is­ra­el igno­riert wür­den – ei­nes Staa­tes, der il­le­gal pa­läs­ti­nen­si­sches Ter­ri­to­ri­um be­set­ze mit der In­ten­ti­on, in ei­nem Krieg ge­gen Ga­za­ner zu kämp­fen und der Kriegs­ver­bre­chen be­schul­digt wor­den ist”.

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