Ein gefährlicher Deal: Trumps „Board of Peace“ und die Hamas
Khaled Abu Toameh, 4. August 2026, Gatestone Institute
aus dem Englischen von Martin Christen
- Das ursprüngliche Ziel von Trumps Friedensplan war nicht, das Arsenal der Hamas zu verlegen, sondern es dauerhaft zu eliminieren.
- In Lagern untergebrachte Waffen bleiben funktionsfähige Waffen. Heute eingelagerter Sprengstoff kann morgen leicht zurückgeholt werden. Stillgelegte Raketenfabriken können die Produktion wieder aufnehmen. Tunnelsysteme, die lediglich kartiert statt zerstört werden, können erneut genutzt werden.
- Das Problem war nie, wo die Hamas ihre Waffen aufbewahrt. Das Problem war schon immer, dass die Hamas überhaupt Zugang zu ihnen hat.
- Die Übergabe von Waffen von einer palästinensischen Gruppe an eine andere ist keine Entmilitarisierung.
- Noch beunruhigender ist die Behauptung des neuen Deals, dass „keine Waffen an Israel oder nicht-palästinensische Parteien übertragen oder übergeben werden dürfen“.
- Ebenso besorgniserregend ist, dass der neue Stufenplan die Entwaffnung an einen israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen knüpft.
- Warum sollte es einer Terrororganisation, die das Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel verübt hat, gestattet sein, die Bedingungen ihrer eigenen Entwaffnung zu diktieren? Kein Land, das gegen den IS oder Al-Qaida kämpft, würde zuerst seine Truppen abziehen und erst danach hoffen, dass Terroristen freiwillig ihre Waffen niederlegen. Die Hamas sollte nicht die Bedingungen ihrer Niederlage aushandeln. Sie muss zur bedingungslosen Kapitulation und Entwaffnung gezwungen werden.
- Dies ist derselbe Ghazi Hamad [hochrangiger Hamas-Funktionär], der öffentlich schwor, dass die Hamas das Massaker vom 7. Oktober immer wieder wiederholen werde, bis Israel vernichtet ist: „Die Al-Aqsa-Flut [der Name, den die Hamas für das Massaker vom 7. Oktober verwendet] ist nur das erste Mal, und es wird ein zweites, ein drittes, ein viertes Mal geben, weil wir die Entschlossenheit, den Willen und die Fähigkeiten zum Kampf haben.“
- Wer glaubt, dass der neu gegründete NCAG der Hamas irgendwie die Stirn bieten und seine Autorität gegenüber der Terrororganisation durchsetzen wird, gibt sich einer Illusion hin.
- Das weitaus wahrscheinlichere Szenario ist, dass die Hamas weiterhin hinter den Kulissen das Sagen hat, während sie einer anderen palästinensischen Körperschaft die Verantwortung für die Regierungsführung, die Gehälter im öffentlichen Dienst, den Wiederaufbau und das Einsammeln internationaler Hilfe überlässt.
- Dies würde im Wesentlichen das Hisbollah-Modell im Libanon replizieren, wo eine hochgerüstete, vom Iran unterstützte Terrormiliz koexistiert mit einer formellen Regierung, während sie ihre unabhängige militärische Macht und ihren ultimativen politischen Einfluss beibehält.
- Nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe des Stufenplans wiesen die Islamischen Revolutionsgarden des Iran den Plan rundweg zurück und erklärten, dass „der Widerstand“ (die Hamas) standhaft bleiben werde bis zum – wie sie es nannten – „endgültigen Sieg“ über Israel.
- Der Iran versteht die Hamas besser als jeder andere, weil er die Terrororganisation seit Jahrzehnten finanziert, aufrüstet und ausbildet. Wenn das iranische Regime die Aussicht auf eine Entwaffnung der Hamas offen ablehnt, warum sollte dann irgendjemand anderes glauben, dass die Hamas beabsichtigt, sich an das Abkommen zu halten?

Das ursprüngliche Ziel von Trumps Friedensplan war nicht, das Arsenal der Hamas zu verlegen, sondern es dauerhaft zu eliminieren. In Lagern untergebrachte Waffen bleiben funktionsfähige Waffen. Heute eingelagerter Sprengstoff kann morgen leicht zurückgeholt werden. Stillgelegte Raketenfabriken können die Produktion wieder aufnehmen. Tunnelsysteme, die lediglich kartiert statt zerstört werden, können erneut genutzt werden. (Foto: Fars Media Corporation, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)
Fast ein Jahr lang bestand die internationale Gemeinschaft darauf, dass es für den Gazastreifen keine Zukunft geben könne, wenn die Hamas nicht jeder Waffe, jedes Tunnels, jeder Raketenfabrik und jeglicher militärischer Fähigkeiten beraubt würde.
Der Friedensplan von US-Präsident Donald J. Trump vom September 2025 verlangte es ausdrücklich: Gaza sollte entmilitarisiert, die terroristische Infrastruktur zerstört und die Waffen dauerhaft unbrauchbar gemacht werden.
Artikel 13 von Trumps 20-Punkte-Plan besagt:
„Jegliche militärische, terroristische und offensive Infrastruktur, einschließlich Tunnelsystemen und Waffenproduktionsstätten, wird zerstört und nicht wieder aufgebaut. Es wird ein Prozess der Entmilitarisierung Gazas unter Aufsicht unabhängiger Beobachter stattfinden. Dieser umfasst das dauerhafte Unbrauchbarmachen von Waffen durch ein vereinbartes Stilllegungsverfahren, unterstützt durch ein international finanziertes Rückkauf- und Reintegrationsprogramm – alles verifiziert durch die unabhängigen Beobachter.“
Jetzt jedoch scheint dieses klare Ziel durch etwas radikal Anderes ersetzt worden zu sein. Anstatt das Arsenal der Hamas zu eliminieren, diskutieren die Verhandlungsführer über die Einlagerung von Waffen, deren Übertragung an eine andere palästinensische Partei und sogar darüber, Hamas-Mitgliedern den Besitz von „persönlichen Schusswaffen“ zu gestatten.
Das ursprüngliche Ziel von Trumps Friedensplan war nicht, das Arsenal der Hamas zu verlegen, sondern es dauerhaft zu eliminieren. Das Ersetzen von „Entmilitarisierung“ durch „Lagerung“ ist ein Gewinn für die Hamas und andere palästinensische Terrorgruppen im Gazastreifen.
Der neueste Deal zwischen Trumps „Board of Peace“ und der Hamas mit dem Titel „Ein Stufenplan zur Vollendung der Umsetzung von Präsident Trumps umfassendem Friedensplan in Gaza“ besagt:
„Ein Prozess zur Stilllegung und Einlagerung schwerer Waffen, militärischer Produktionsstätten, Waffendepots und Tunnelsysteme soll beginnen, nachdem die verbleibenden Verpflichtungen im Rahmen des Protokolls von Scharm el-Scheich erfüllt wurden, das NCAG [Nationale Komitee für die Verwaltung Gazas] seinen Dienst aufgenommen hat und die ISF [Internationale Stabilisierungstruppe] stationiert ist.“
Wie wurde aus dem Versprechen einer dauerhaften Entmilitarisierung eine Diskussion über Lagerhallen voller Hamas-Waffen? In Lagern untergebrachte Waffen bleiben funktionsfähige Waffen. Heute eingelagerter Sprengstoff kann morgen leicht zurückgeholt werden. Stillgelegte Raketenfabriken können die Produktion wieder aufnehmen. Tunnelsysteme, die lediglich kartiert statt zerstört werden, können erneut genutzt werden.
Das Problem war nie, wo die Hamas ihre Waffen aufbewahrt. Das Problem war schon immer, dass die Hamas überhaupt Zugang zu ihnen hat.
Die Annahme, dass das NCAG oder die ISF verhindern könnten, dass Terroristen wieder die Kontrolle über die eingelagerten Waffen erlangen, ist völlig irreführend. Noch beunruhigender ist die Bedingung des neuen Deals, dass „keine Waffen an Israel oder nicht-palästinensische Parteien übertragen oder übergeben werden dürfen“.
Die Übergabe von Waffen von einer palästinensischen Gruppe an eine andere ist keine Entmilitarisierung.
Ebenso besorgniserregend ist, dass der neue Stufenplan die Entwaffnung an einen israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen knüpft:
„Dieser Prozess [zur Stilllegung und Einlagerung schwerer Waffen, militärischer Produktionsstätten, Waffendepots und Tunnelsysteme] soll schrittweise an einen israelischen Rückzug aus den von ihm kontrollierten Gebieten in Gaza und die Stilllegung [von Israel unterstützter] bewaffneter Milizen gekoppelt werden.“
Warum sollte es einer Terrororganisation, die das Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel verübt hat, gestattet sein, die Bedingungen ihrer eigenen Entwaffnung zu diktieren? Kein Land, das gegen den IS oder Al-Qaida kämpft, würde zuerst seine Truppen abziehen und erst danach hoffen, dass Terroristen freiwillig ihre Waffen niederlegen. Die Hamas sollte nicht die Bedingungen ihrer Niederlage aushandeln. Sie muss zur bedingungslosen Kapitulation und Entwaffnung gezwungen werden.
Während Diskussionen über die Entwaffnung im Gange waren, begann die Hamas Berichten zufolge damit, weitere Sturmgewehre unter dem Vorwand des „persönlichen Eigentums“ an ihre Einsatzkräfte zu verteilen. Das israelische Medium Kan News zitierte eine ungenannte palästinensische Quelle mit den Worten, Ziel der Gewehrverteilung sei es, sicherzustellen, dass die Waffen in den Händen von Hamas-Mitgliedern bleiben. „Die Hamas wird sich nicht entwaffnen lassen. Punkt“, betonte die Quelle.
Noch bevor die erste Phase überhaupt umgesetzt wurde, suchte die Hamas bereits nach Schlupflöchern.
Kurz nach der Bekanntgabe des neuen Stufenplans sagte der hochrangige Hamas-Funktionär Ghazi Hamad in einem Interview mit dem im saudi-arabischen Besitz befindlichen Sender Al-Arabiya TV:
„Die Waffen werden eingelagert und nicht übergeben, und dies ist an die Verpflichtung Israels geknüpft. Was wir mit den Vermittlern vereinbart haben, ist die Einlagerung der Waffen, nicht deren Herausgabe. Unsere politische und zivile Rolle in Gaza geht weiter. Die Hamas hat ihr nationales Projekt zur Rückgewinnung des palästinensischen Landes nicht aufgegeben und wird es auch nicht aufgeben. Wir betrachten die aktuelle Phase aufgrund der Umstände, die der Gazastreifen durchmacht, als außergewöhnlich.“
Dies ist derselbe Ghazi Hamad, der öffentlich schwor, dass die Hamas das Massaker vom 7. Oktober immer wieder wiederholen werde, bis Israel vernichtet ist:
„Wir müssen Israel eine Lektion erteilen, und wir werden dies immer und immer wieder tun. Die Al-Aqsa-Flut [der Name, den die Hamas für das Massaker vom 7. Oktober verwendet] ist nur das erste Mal, und es wird ein zweites, ein drittes, ein viertes Mal geben, weil wir die Entschlossenheit, den Willen und die Fähigkeiten zum Kampf haben.“
Dieses Zitat allein sollte jegliches Vertrauen in die Versprechungen der Hamas gegenüber dem „Board of Peace“ zerstören.
Wer glaubt, dass das neu gegründete NCAG der Hamas irgendwie die Stirn bieten und seine Autorität gegenüber der Terrororganisation durchsetzen wird, gibt sich einer Illusion hin. Die Hamas herrscht seit 2007 über den Gazastreifen. Sie kontrolliert Tausende bewaffnete Männer, Nachrichtendienste, Clan-Allianzen, finanzielle Ressourcen und einen tief verwurzelten Polit- und Sicherheitsapparat. Kein technokratisches Komitee kann einfach ankommen und eine Organisation verdrängen, die fast zwei Jahrzehnte lang rücksichtslos ihre Macht gefestigt hat.
Das weitaus wahrscheinlichere Szenario ist, dass die Hamas weiterhin hinter den Kulissen das Sagen hat, während sie einer anderen palästinensischen Körperschaft die Verantwortung für die Regierungsführung, die Gehälter im öffentlichen Dienst, den Wiederaufbau und das Einsammeln internationaler Hilfe überlässt.
Dies würde im Wesentlichen das Hisbollah-Modell im Libanon replizieren, wo eine hochgerüstete, vom Iran unterstützte Terrormiliz mit einer formellen Regierung koexistiert, während sie ihre unabhängige militärische Macht und ihren ultimativen politischen Einfluss beibehält.
Befürworter des neuen Stufenplans argumentieren, dass internationale Beobachter und die ISF die Umsetzung überwachen werden. Internationale Beobachter mögen Lagerhallen kontrollieren und die Lieferung humanitärer Hilfe beaufsichtigen, und die ISF mag palästinensische Sicherheitskräfte ausbilden. Sie werden sich der Hamas jedoch nicht entgegenstellen, wenn diese beschließt, sich wieder aufzurüsten. Sie werden garantiert nicht ihr Leben riskieren, um terroristische Infrastruktur zu demontieren.
Nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe des Stufenplans wiesen die Islamischen Revolutionsgarden des Iran den Plan rundweg zurück und erklärten, dass die Bemühungen zur Entwaffnung der Hamas „nichts erreichen werden“ und bereits gescheitert seien. Teheran gelobte, dass „der Widerstand“ (die Hamas) standhaft bleiben werde bis zum – wie sie es nannten – „endgültigen Sieg“ über Israel.
Der Iran versteht die Hamas besser als jeder andere, weil er die Terrororganisation seit Jahrzehnten finanziert, aufrüstet und ausbildet. Wenn das iranische Regime die Aussicht auf eine Entwaffnung der Hamas offen ablehnt, warum sollte dann irgendjemand anderes glauben, dass die Hamas beabsichtigt, sich an das Abkommen zu halten?
Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter Journalist mit Sitz in Jerusalem.
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