Konsequenzen: Eine Welt aus Muslimen und „Nicht-Muslimen“
Paul Gherkin, 14. Oktober 2026, Primary Bowman
Aus dem Englischen von Martin Christen
Die Parade internationaler Würdenträger hat New York City wieder verlassen. Wie jeden September kamen die verschiedenen Führungspersönlichkeiten aus der freien und der unfreien Welt zusammen, um vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu sprechen.
Zurückgelassen haben sie den Geruch eines verrottenden Organismus.
Diese globale Organisation blickt seit Langem auf eine Geschichte unwirksamer Bürokratie zurück. Das ist – und bleibt vermutlich auf ewig – das prägende Merkmal, wenn Tausende von Politikern und Diplomaten aus unterschiedlichsten Kulturen und Weltanschauungen zusammenkommen. Man könnte argumentieren, dass ihre Unfähigkeit, irgendetwas zu bewirken, eher als schützende Erleichterung denn als Versagen gewertet werden sollte.
Das eigentliche Problem geht jedoch weit über den schwelenden Konflikt zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden hinaus, in dem Regionen um einen größeren Anteil an wirtschaftlicher und politischer Macht konkurrieren. Das ist Politik im großen Maßstab.
Die Fäulnis entspringt einer Institution, die die Welt zunehmend in Muslime und „Nicht-Muslime“ spaltet:
- Aserbaidschan weist muslimische und „nicht-muslimische“ Gemeinschaften auf
- Die UNO bohrt nach, ob Kuwait „alle Rechtsvorschriften aufhebt, die nicht-muslimische Frauen diskriminieren“
- Das irakische Recht legt eindeutig fest: „Keine muslimische Frau darf einen nicht-muslimischen Mann heiraten.“
- Die UNO verweist darauf, dass in Malaysia unterschiedliche Gesetze für Muslime und für Nicht-Muslime gelten
- Die UNO erkundigte sich bei den Malediven, ob Gesetze aufgehoben wurden, die Nicht-Muslimen den Erwerb der Staatsbürgerschaft verwehren
- Pakistan erlässt spezifische Gesetze für Nicht-Muslime
- Die UNO hinterfragt, ob in Katar weiterhin abweichende Gesetze für Nicht-Muslime in Kraft sind
- UNO-Bericht über Somalia: „Nicht-Muslime berichten, dass sie ihre Religion nicht offen ausüben können.“
- Die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über ein Bundesgesetz zur „Regulierung von Gebetsstätten für Nicht-Muslime“
Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Farkhunda Malikzada (eine muslimische Frau) wurde 2015 in Afghanistan geschlagen und gelyncht, nachdem man sie fälschlicherweise beschuldigt hatte, einen Koran verbrannt zu haben. Nach Malikzadas Lynchmord erklärten etliche muslimische Geistliche und afghanische Regierungsbeamte, sie habe den Islam geschändet, um die US-amerikanische Staatsbürgerschaft zu erlangen.
Führungskräfte der UNO-Agenturen bedienen sich dieser Unterscheidung in gleicher Weise:
- „Das wachsende Ausmaß an gewalttätigem Extremismus gefährdet Muslime wie Nicht-Muslime gleichermaßen“ – UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, Oktober 2015
- „Diese großzügige Behandlung gilt für Muslime und Nicht-Muslime gleichermaßen“ – UNO-Flüchtlingskommissar António Guterres, März 2015
- „Die israelischen Behörden verbotenen Nicht-Muslimen den Besuch der Stätte an den letzten Tagen des Ramadan“ – Tor Wennesland im Bericht an den UNO-Sicherheitsrat, April 2023
Keine andere Religion wird bei den Vereinten Nationen derart häufig als Trennlinie verwendet. Versuchen Sie einmal, „Nicht-Christen“, „Nicht-Hindus“ oder irgendeine andere begriffliche Spaltung von Menschen und Gesetzen in den Unterlagen zu finden – Sie werden kaum eine Handvoll Treffer finden.

Priyantha Kumara, Priyantha Kumara, ein in Pakistan lebender sri-lankischer Buddhist, wurde 2021 der Gotteslästerung beschuldigt; ein Mob prügelte ihn zu Tode und zündete seinen Leichnam an.
KONSEQUENZEN
Die Allgegenwart des Begriffs „Nicht-Muslime“ bewirkt mehrere Dinge gleichzeitig. Sie rückt Muslime in das Zentrum der religiösen Welt, erhebt den Islam zum dominanten religiösen Bezugspunkt und löscht alle anderen in einer einzigen Kategorie des „Anderen“ aus. Christen, Baha’i, Hindus, Juden, Buddhisten und unzählige andere Religiöse Gemeinschaften verlieren ihre eigenständigen Identitäten, Geschichten und Glaubenssysteme. Sie werden einzig und allein dadurch definiert, was sie nicht sind: Muslim.
Diese sprachliche Zentrierung des Islam ist eine subtile Form islamischer Suprematie. Die stetige Wiederholung von „Nicht-Muslim“ ist eine Form der kollektiven Bewusstseinsprägung – sie konditioniert die Menschen dazu, den Islam als den Maßstab zu betrachten, an dem alle anderen Religionen gemessen werden. Sprache formt Annahmen, und Wiederholung lässt diese Annahmen selbstverständlich erscheinen. Schließlich bettet sich eine solche religiöse Hierarchie so tief in den alltäglichen Wortschatz ein, dass die Menschen sie gar nicht mehr wahrnehmen.
Der Abstand zwischen dem höflichen bürokratischen Begriff „Nicht-Muslim“ und der radikalislamischen Charakterisierung anderer als „Ungläubige“ ist kleiner, als es zunächst den Anschein hat. Die Wörter tragen zwar unterschiedliche Bedeutungen und Implikationen, aber beide ordnen die Menschheit entlang einer einzigen religiösen Trennlinie ein: jene, die dem Islam angehören, und jene, die es nicht tun. Für Radikale, die eine islamische Dominanz anstreben, ist genau diese Teilung fundamental.
Die Vereinten Nationen wurden gegründet, um die gleiche Würde aller Völker anzuerkennen. Dennoch stellt ihr eigener Wortschatz wiederholt eine einzige Religion in den Mittelpunkt und verbannt den Rest der Menschheit an den Rand.
Die Vereinten Nationen unterwerfen die Religionen der Welt auf subtile Weise dem Islam. Direkt vor unseren Augen.

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