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Die tür­ki­sche Tra­di­ti­on, Chris­ten zu er­mor­den

Ro­bert Jo­nes, 21.7.2016, Gates­to­ne In­sti­tu­te

  • Die zahl­rei­chen Ver­trä­ge der Tür­kei mit west­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen schei­nen dort den Hass auf Chris­ten nicht re­du­ziert zu ha­ben.
  • In der Tür­kei sind es „ge­wöhn­li­che Men­schen”, die Chris­ten tö­ten oder an­grei­fen, und dann fin­det die Jus­tiz oder das po­li­ti­sche Sys­tem ir­gend­wie ei­nen Weg, den Tä­tern zu er­mög­li­chen, mit den Ver­bre­chen da­von zu kom­men. Über die meis­ten die­ser Ver­bre­chen wird nicht in den in­ter­na­tio­na­len Me­di­en be­rich­tet und die Tür­kei wird nie zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen.
  • Wäh­rend Mus­li­me ziem­lich frei sind, über­all in der Welt ih­re Re­li­gi­on aus­zu­üben und ih­re An­sich­ten zu den an­de­ren Re­li­gio­nen von sich zu ge­ben, kön­nen Chris­ten und an­de­re Nicht-​Muslime in der Tür­kei und an­de­ren mehr­heit­lich mus­li­mi­schen Län­dern für den Ver­such ge­tö­tet wer­den, ih­re Re­li­gi­on fried­lich aus­zu­üben oder of­fen ih­re An­sich­ten aus­zu­drü­cken.
  • „Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus”, der von vie­len Lin­ken im Wes­ten lei­den­schaft­lich ver­tei­digt wird, hät­te Wun­der wir­ken kön­nen in multi-​ethnischen und multi-​religiösen Re­gio­nen wie Ana­to­li­en. Aber lei­der er­laubt is­la­mi­sche Ideo­lo­gie nur ei­ne Kul­tur, ei­ne Re­li­gi­on, und ei­ne Denk­rich­tung un­ter ih­rer Herr­schaft: Is­lam. Iro­ni­scher­wei­se ist dies die zen­tra­le Tat­sa­che, die die­se Lin­ken nicht se­hen wol­len.

Pa­ter An­drea San­to­ro (links), ein 61-​jähriger römisch-​katholischer Pries­ter, und der 63-​jährige Bi­schof Lu­i­gi Pa­dove­se (rechts), apos­to­li­scher Vi­kar von Ana­to­li­en, wa­ren zwei der in den letz­ten Jah­ren in der Tür­kei er­mor­de­ten christ­li­chen Pries­ter.

Am 26. Ju­li er­leb­te die fran­zö­si­sche Stadt Saint-​Étienne-​du-​Rouvray ei­nen schreck­li­chen is­la­mis­ti­schen An­griff. Zwei Ter­ro­ris­ten des Is­la­mi­schen Staa­tes (ISIS) tö­te­ten ei­nen 85-​jährigen Pries­ter, Jac­ques Ha­mel, wäh­rend der Mes­se in sei­ner Kir­che. Zwei Non­nen und zwei Kirch­gän­ger wur­den als Gei­seln ge­nom­men.

Die Ter­ro­ris­ten, die dem ISIS die Treue ge­schwo­ren hat­ten und die „Al­la­hu Ak­bar” rie­fen, schlitz­ten die Keh­le des Pries­ters auf und film­ten die blu­ti­ge Epi­so­de auf Vi­deo, ge­mäss ei­ner Non­ne, die den An­griff über­leb­te.

Sol­che is­la­mis­ti­schen An­grif­fe sind viel­leicht neu in EU-​Mitgliedsländern, aber nicht in der Tür­kei. Seit Jahr­zehn­ten sind in der Tür­kei vie­le un­schul­di­ge, wehr­lo­se Chris­ten von mus­li­mi­schen An­grei­fern ab­ge­schlach­tet wor­den.

Chris­ten wer­den in der Tür­kei auch heu­te täg­lich an­ge­grif­fen, er­mor­det oder be­droht; die An­grei­fer kom­men in der Re­gel mit ih­ren Ver­bre­chen da­von.

In Mal­a­tya, wäh­rend des Zir­ve Bibel-​Verlag Mas­sa­kers, wur­den am 18. April 2007 drei christ­li­che Mit­ar­bei­ter von fünf Mus­li­men an­ge­grif­fen, schwer ge­fol­tert, be­ka­men dann ih­re Hän­de und Fü­ße ge­fes­selt und ih­re Keh­len durch­ge­schnit­ten.

Neun Jah­re sind ver­gan­gen, aber es hat im­mer noch kei­ne Ge­rech­tig­keit ge­ge­ben für die Fa­mi­li­en der drei Män­ner, die so bru­tal er­mor­det wor­den wa­ren.

Zu­nächst wur­den die fünf Ver­däch­ti­gen, die im­mer noch in Haft wa­ren, von ei­nem tür­ki­schen Ge­richt aus ih­rem Hoch­si­cher­heits­ge­fäng­nis ent­las­sen, das ent­schied, dass ih­re In­haf­tie­rung neu ver­ab­schie­de­te ge­setz­li­che Gren­zen über­schritt.

Der Pro­zess ist noch nicht ab­ge­schlos­sen. Der Staats­an­walt be­haup­tet, dass die Tat „kein ter­ro­ris­ti­scher Akt war, weil die Tä­ter kei­ne hier­ar­chi­sche Bin­dung hat­ten, ih­re Tat nicht kon­ti­nu­ier­lich war und die Mes­ser, die sie für das Mas­sa­ker ver­wen­det hat­ten, tech­nisch nicht aus­rei­chen, um die Hand­lung als ter­ro­ris­ti­sche Tat aus­se­hen zu las­sen.”

Wenn das Ge­richt die­se Rechts­auf­fas­sung des Staats­an­walts ak­zep­tiert, dann könn­te es den Weg für ei­nen Frei­spruch eb­nen. Doch bei den vie­len „mys­te­riö­sen” Ent­schei­dun­gen der tür­ki­schen Jus­tiz, Ver­bre­cher frei­zu­spre­chen, könn­ten die­se Mör­der auch sonst je­der­zeit durch ein „Über­ra­schungs­ur­teil” frei­ge­spro­chen wer­den.

Iro­ni­scher­wei­se sag­te Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan im März, dass es not­wen­dig ist, den Ter­ro­ris­mus neu zu de­fi­nie­ren und die­je­ni­gen, die sol­che Hand­lun­gen un­ter­stüt­zen, mit ein­zu­schlies­sen, und füg­te hin­zu, dass es sich da­bei um Jour­na­lis­ten, Ge­setz­ge­ber oder Ak­ti­vis­ten han­deln könn­te. Es ge­be kei­nen Un­ter­schied, sag­te er, zwi­schen „ei­nem Ter­ro­ris­ten, der ei­ne Waf­fe oder ei­ne Bom­be hält und den­je­ni­gen, die ih­re Stel­lung und ih­ren Stift ver­wen­den, um den Zie­len von Ter­ro­ris­ten zu die­nen.”

In ei­nem Land, in dem staat­li­che Be­hör­den so aus­ge­spro­chen „sen­si­bel” sind in Sa­chen „Ter­ro­ris­mus” und „Men­schen, die Ge­weh­re hal­ten,” war­um sind die Mör­der von Chris­ten nicht im Ge­fäng­nis, und war­um ver­sucht der Staats­an­walt, die Mor­de an Chris­ten als „nicht-​terroristische Hand­lun­gen dar­zu­stel­len”?

Lei­der wa­ren die drei Chris­ten in Mal­a­tya we­der die ers­ten noch die letz­ten Chris­ten, die in der Tür­kei er­mor­det wur­den.

Am 5. Fe­bru­ar 2006 wur­de Pa­ter An­drea San­to­ro, ein 61-​jähriger römisch-​katholischer Pries­ter, in der Kir­che San­ta Ma­ria in der Pro­vinz Trab­zon er­mor­det. Er wur­de er­schos­sen, wäh­rend er in sei­ner Kir­che im Ge­bet knie­te. Zeu­gen hör­ten die 16-​jährigen Mör­der wäh­rend des Mor­des „Al­la­hu Ak­bar” („Al­lah ist der Größ­te”) schrei­en.

Nach dem Mord führ­te der 74-​jährige Pa­ter Pier­re François Re­né Bru­nis­sen von Sam­sun den nächs­te Got­tes­dienst in der Kir­che von San­to­ro durch, die sich ei­nes knap­pen Dut­zend Mit­glie­der rühm­te. Weil nie­mand San­to­ro frei­wil­lig er­set­zen woll­te, wur­de Pa­ter Pier­re an­ge­wie­sen, je­den Mo­nat von Sam­sun nach Trab­zon zu rei­sen, um sich um die klei­ne Ge­mein­de der Stadt zu küm­mern.

„Dies ist ein schreck­li­cher Vor­fall”, sag­te Pa­ter Pier­re. „Es ist ei­ne Sün­de, ei­ne Per­son zu tö­ten. Nach all die­sen Vor­fäl­len ma­che ich mir hier Sor­gen um mein Le­ben.”

Im Ju­li 2006 wur­de er von ei­nem Mus­lim in Sam­sun mit dem Mes­ser ver­letzt und ver­wun­det. Der Tä­ter, 53, sag­te, dass er auf den Pries­ter ein­ge­sto­chen ha­be, um „sei­ner Mis­si­ons­tä­tig­keit ent­ge­gen­zu­tre­ten.” [1]

Die An­grif­fe ge­gen die christ­li­che Kul­tur in Ana­to­li­en ge­hen in der Neu­zeit wei­ter – auch nach­dem die Tür­kei 1949 dem Eu­ro­pa­rat und 1952 der NATO bei­ge­tre­ten ist.

Die zahl­rei­chen Ver­trä­ge der Tür­kei mit west­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen schei­nen dort den Hass auf Chris­ten nicht re­du­ziert zu ha­ben. Im März 2007, als die christ­li­che Ge­mein­schaft von Mer­sin sich auf Os­tern vor­be­rei­te­te, be­trat ein jun­ger Mus­lim mit ei­nem Kebab-​Messer die Kir­che und at­ta­ckier­te die Pries­ter, Ro­ber­to Fer­ra­ri und Hen­ry Ley­lek.

Mer­sin, im Sü­den der Tür­kei, ist die Hei­mat von Tar­sus, dem Ge­burts­ort des hei­li­gen Pau­lus, und meh­re­re Kir­chen da­tie­ren aus der frü­hes­ten christ­li­chen Ära.

So wie die christ­li­chen Wur­zeln Ana­to­li­ens ge­schwächt wur­den, so auch ih­re Ver­bin­dun­gen zur west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on. „Der An­griff ge­gen den Pries­ter ist ein In­di­ka­tor da­für, dass An­ka­ra nicht be­reit ist für Eu­ro­pa”, sag­te der römisch-​katholische Kar­di­nal und Theo­lo­ge, Wal­ter Kas­per, der ita­lie­ni­schen Zei­tung Cor­rie­re del­la Se­ra. „Es gibt ein ge­wis­ses Maß an To­le­ranz, aber es gibt kei­ne wirk­li­che Frei­heit. Die Tür­kei muss vie­le Din­ge än­dern. Die­se Än­de­rung dreht sich nicht um Ge­set­ze. Ei­ne Än­de­rung der Men­ta­li­tät ist not­wen­dig. Aber man kann die Men­ta­li­tät nicht an ei­nem Tag än­dern.”

Bi­schof Lu­i­gi Pa­dove­se, apos­to­li­scher Vi­kar von Ana­to­li­en, sag­te: „Wir füh­len uns nicht si­cher, ich bin sehr be­sorgt. Fa­na­tis­mus ent­wi­ckelt sich in man­chen Grup­pen. Man­che Men­schen wol­len ge­zielt die At­mo­sphä­re ver­gif­ten und ka­tho­li­sche Pries­ter ins Vi­sier neh­men. Anti-​Missionsfilme wer­den im Fern­se­hen aus­ge­strahlt.”

Bei ei­ner Ge­denk­fei­er für Pa­ter San­to­ro im Fe­bru­ar sag­te Bi­schof Pa­dove­se:

„Heu­te stel­len wir uns die Fra­ge, die wir vor vier Jah­ren ge­stellt ha­ben: War­um? Wir stel­len die glei­che Fra­ge auch für al­le an­de­ren Op­fer, die so un­ge­recht er­mor­det wur­den, ob­wohl sie un­schul­dig wa­ren. War­um? Was ver­such­ten sie durch die Er­mor­dung von Pa­ter An­drea zu zer­stö­ren? Nur ei­nen Men­schen, oder was die­ser Mensch ver­trat? Das Ziel der Er­schie­ßung Pa­ter An­dre­as war auf je­den Fall, ei­nen ka­tho­li­schen Geist­li­chen zu er­schie­ßen. Sein Pa­ter­tum wur­de der Grund sei­nes Mar­ty­ri­ums.

„Die Bot­schaft von Chris­tus am Kreuz ist klar. ‚Va­ter, ver­gib ih­nen, denn sie wis­sen nicht, was sie tun.’ Hät­ten sie ge­wusst, hät­ten sie das nicht ge­tan. Es ist falsch, ein Le­ben aus­zu­lö­schen, um ei­ne Ideo­lo­gie hoch zu hal­ten. Es ist falsch, zu den­ken, dass ein Mensch, der mit uns nicht ein­ver­stan­den ist, ein Pro­blem ist und ver­nich­tet wer­den soll­te. Dies ist der Fun­da­men­ta­lis­mus, der ei­ne Ge­sell­schaft zu­sam­men­bre­chen lässt. Weil er die Ko­exis­tenz zer­stört. Die­ser Fun­da­men­ta­lis­mus – un­ab­hän­gig da­von, wel­cher Re­li­gi­on oder po­li­ti­scher An­schau­ung er an­ge­hört – ge­winnt viel­leicht ein paar Schlach­ten, aber er ist da­zu ver­ur­teilt, den Krieg zu ver­lie­ren. Das ist es, was die Ge­schich­te uns lehrt. Ich hof­fe, dass die­se Stadt und die­ses Land sich in ei­nen Ort ver­wan­deln, wo die Men­schen als Brü­der und Schwes­tern le­ben kön­nen und sich ver­ei­ni­gen für das Ge­mein­wohl für al­le. Ist un­ser al­ler Al­lah nicht der­sel­be?”

Nein, lei­der ist der un­ser al­ler Al­lah nicht der­sel­be.

Nur vier Mo­na­te spä­ter, im Ju­ni 2010, war Pa­dove­se an der Rei­he, er­mor­det zu wer­den. Die­ses Mal war der Mör­der des Bi­schofs sein ei­ge­ner Fah­rer der letz­ten vier Jah­re. Der Fah­rer stach zu­erst auf den Bi­schof ein, dann schnitt er sei­ne Keh­le durch, wäh­rend er „Al­la­hu Ak­bar” schrie.

Bei der Ver­hand­lung sag­te der Fah­rer, dass der Bi­schof „Ma­sih ad-​Dajjal” („der fal­sche Mes­si­as”) sei, dann re­zi­tier­te er zwei­mal laut im Saal den Ad­han (is­la­mi­scher Ge­bets­ruf).

In dem Ge­biet, wo die Chris­ten einst ge­die­hen, schafft selbst die Kon­ver­si­on zum Chris­ten­tum jetzt erns­te Pro­ble­me.

„Neue Chris­ten, die aus mus­li­mi­schen Fa­mi­li­en kom­men, wer­den oft iso­liert und aus­ge­grenzt”, schreibt Car­nes. „Tur­gay Ucal, ein Pas­tor ei­ner un­ab­hän­gi­gen Kir­che in Is­tan­bul, der vom Is­lam zum Chris­ten­tum kon­ver­tier­te, sag­te: ‚Der Bud­dhis­mus ist Ok, aber nicht das Chris­ten­tum. Es gab ei­ne Ge­schich­te.„‚

Und zu die­ser Ge­schich­te ge­hört, wie ein­hei­mi­sche Chris­ten in Ana­to­li­en von Mus­li­men ge­tö­tet wur­den. [2]

Die Ge­samt­be­völ­ke­rung der Tür­kei be­trägt et­wa 80 Mil­lio­nen; Gläu­bi­ge nicht-​muslimischen Glau­bens – meist Chris­ten und Ju­den – um­fas­sen 0,2%. Den­noch ist an­ti­christ­li­che Stim­mung im­mer noch weit ver­brei­tet in wei­ten Tei­len der tür­ki­schen Ge­sell­schaft. [3]

Es scheint da ein Mus­ter zu ge­ben: Die Er­mor­dung von Chris­ten wird in der Tür­kei im Ver­steck­ten be­gan­gen: Es sind „nor­ma­le Men­schen”, die Chris­ten er­mor­den oder an­grei­fen, und dann fin­det die Jus­tiz oder das po­li­ti­sche Sys­tem ir­gend­wie ei­nen Weg, den Mör­dern oder An­grei­fern zu er­mög­li­chen, mit dem, was sie ge­tan ha­ben, da­von zu kom­men. Lei­der wird über die meis­ten die­ser Ver­bre­chen nicht in den in­ter­na­tio­na­len Me­di­en be­rich­tet, und die Tür­kei wird nie zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen.

Die Tür­kei hat je­doch im Jahr 1995 ein Zoll­uni­ons­ab­kom­men mit der Eu­ro­päi­schen Uni­on un­ter­zeich­net und wur­de als Kan­di­dat für die vol­le Mit­glied­schaft im Jahr 1999 of­fi­zi­ell an­er­kannt. Die Ver­hand­lun­gen über den Bei­tritt der Tür­kei zur EU sind noch nicht ab­ge­schlos­sen.

Wie kommt es, dass ei­ne Na­ti­on, die so vie­le Chris­ten im Lau­fe der Ge­schich­te an­ge­grif­fen oder er­mor­det hat, und die sich für die­se Ver­bre­chen nicht ein­mal ent­schul­digt hat, als ge­eig­ne­ter Kan­di­dat für die EU-​Mitgliedschaft gilt? We­gen der Ge­fahr der Er­pres­sung, Eu­ro­pa mit Mus­li­men zu über­schwem­men? Die Tür­kei wird Eu­ro­pa oh­ne­hin mit ih­nen flu­ten. Es gibt so­gar ei­nen Na­men da­für: Hi­jrah, Ver­brei­tung des Is­lam (Ji­had) durch Aus­wan­de­rung. Ge­nau wie es die Mus­li­me in­ner­halb der Tür­kei ge­tan ha­ben.

Und wel­che Art von Kul­tur und Zi­vi­li­sa­ti­on ha­ben vie­le Mus­li­me größ­ten­teils in den Län­dern, die sie er­obert ha­ben, auf­ge­baut? Wenn man die his­to­ri­sche und die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on in Län­dern mit mus­li­mi­scher Mehr­heit be­ob­ach­tet, so sieht man vor­wie­gend Mor­de, An­grif­fe und Hass: Der Hass auf Nicht-​Muslime, Hass auf Frau­en, Hass auf frei­es Den­ken und ein ex­trem tie­fer Hass auf al­les, was nicht is­la­misch ist. Vie­le Mus­li­me, die in den Wes­ten mi­griert sind, ha­ben ver­sucht, den po­li­ti­schen Is­lam auch in die freie Welt zu im­por­tie­ren.

Mus­li­mi­sche Ré­gime, ein­schliess­lich der Tür­kei, ha­ben kei­ne zi­vi­li­sier­te De­mo­kra­ti­sie­rung er­reicht, die al­len ih­ren Bür­gern – Mus­li­men und Nicht-​Muslimen – er­mög­li­chen wür­de, ein frei­es und si­che­res Le­ben zu le­ben.

Wäh­rend Mus­li­me über­all in der Welt ziem­lich frei sind, ih­re Re­li­gi­on aus­zu­üben und ih­re An­sich­ten über an­de­re Re­li­gio­nen oder den Athe­is­mus aus­zu­drü­cken, kön­nen Chris­ten und an­de­re Nicht-​Muslime in der Tür­kei und an­de­ren Län­dern mit mus­li­mi­scher Mehr­heit ge­tö­tet wer­den, wenn sie nur schon fried­lich ih­re Re­li­gi­on aus­zu­üben oder of­fen ih­re Mei­nung zu äu­ßern ver­su­chen.

„Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus”, der von vie­len Lin­ken im Wes­ten lei­den­schaft­lich ver­tei­digt wird, hät­te in multi-​ethnischen und multi-​religiösen Or­ten wie Ana­to­li­en Wun­der wir­ken kön­nen. Aber lei­der er­laubt die is­la­mi­sche Ideo­lo­gie nur ei­ne Kul­tur, ei­ne Re­li­gi­on, und ei­ne Den­kart un­ter ih­rer Herr­schaft: Is­lam. Iro­ni­scher­wei­se ist dies die zen­tra­le Tat­sa­che, die die­se Lin­ken nicht se­hen wol­len.

Ein gro­ßer Teil der Ge­schich­te des Is­lam zeigt, dass die Na­tur der is­la­mi­schen Ideo­lo­gie be­deu­tet, zu er­obern oder zu in­fil­trie­ren, und dann Nicht-​Muslime zu do­mi­nie­ren.

Im All­ge­mei­nen ha­ben die Mus­li­me nie das ge­rings­te In­ter­es­se an fried­li­cher Ko­exis­tenz mit Nicht-​Muslimen ge­zeigt. Auch wenn die meis­ten Mus­li­me nicht Dschi­ha­dis­ten sind, so spre­chen sich die meis­ten nicht ge­gen Dschihad-​Angriffe aus. Vie­le schei­nen so Dschi­ha­dis­ten still zu un­ter­stüt­zen. Dass es auch fried­li­che mus­li­mi­sche Ein­zel­per­so­nen gibt, die an­de­re Re­li­gio­nen re­spek­tie­ren, än­dert an die­ser tra­gi­schen Tat­sa­che nichts.

Des­halb ha­ben Nicht-​Muslimen im Wes­ten je­des Recht, den Tag zu fürch­ten, an de­nen ih­nen in den Hän­den der Mus­li­me die­sel­be Be­hand­lung zu­kommt. Die Angst, die Nicht-​Muslime vor is­la­mi­schen An­grif­fen ha­ben, ist, auf­grund der jüngs­ten Be­wei­se, so­wohl ra­tio­nal als auch ge­recht­fer­tigt.

Be­denkt man, wie un­säg­lich Nicht-​Muslime in mehr­heit­lich mus­li­mi­schen Län­dern be­han­delt wer­den, ein­schließ­lich der Tür­kei, wer kann es ih­nen ver­den­ken, sich Sor­gen zu ma­chen über die mög­li­che Is­la­mi­sie­rung ih­rer ei­ge­nen frei­en Ge­sell­schaf­ten?

War­um will die Tür­kei, die ih­re ei­ge­nen Chris­ten zu has­sen scheint, über­haupt vi­sa­frei­en Zu­gang zum christ­li­chen Eu­ro­pa ha­ben?

Ro­bert Jo­nes, ein Tür­kei­ex­per­te, lebt ak­tu­ell in Gross­bri­tan­ni­en.


[1] Das Chris­ten­tum hat in Sam­sun ei­ne lan­ge Ge­schich­te – wie in al­len an­de­ren ana­to­li­schen Städ­ten. Als Ami­sos, auf grie­chisch, war es ei­nes der Zen­tren der an­ti­ken grie­chi­schen Pontos-​Region und trug da­zu bei, den christ­li­chen Ein­fluss in der Re­gi­on zu ver­brei­ten.

„Nach 1914 schwand die grie­chi­sche und ar­me­ni­sche Be­völ­ke­rung be­trächt­lich auf­grund der or­ga­ni­sier­ten To­des­mär­sche und an­de­rer Me­tho­den, die von den Tür­ken wäh­rend des grie­chi­schen und ar­me­ni­schen Ge­no­zid ein­ge­setzt wur­den”, ge­mäss „Pon­tos Welt”.

Jahr­zehn­te spä­ter sind An­grif­fe ge­gen Chris­ten im­mer noch all­täg­lich. Im De­zem­ber 2007 wur­de ein wei­te­rer ka­tho­li­scher Pries­ter, Adria­no Fran­chi­ni, 65, von Iz­mir, eben­falls wäh­rend des Sonn­tags­got­tes­diens­tes von ei­nem 19-​jährigen Mus­lim mit dem Mes­ser ver­wun­det.

Iz­mir, oder Smyr­na, war ein kirch­li­ches Ter­ri­to­ri­um des Öku­me­ni­schen Pa­tri­ar­chats von Kon­stan­ti­no­pel, und ei­ne der sie­ben Kir­chen Asi­ens, die von Apos­tel Jo­han­nes im Buch der Of­fen­ba­rung er­wähnt wird.

Wäh­rend der os­ma­ni­schen Zeit ver­füg­te Smyr­na über ei­ne der größ­ten Po­pu­la­tio­nen von Grie­chen und Ar­me­ni­ern. Heu­te gibt es nur noch ei­ne klei­ne christ­li­che Min­der­heit in der Stadt. Die Ver­wüs­tung der grie­chi­schen Kul­tur in der Stadt er­reich­te ih­ren Hö­he­punkt wäh­rend der als „Ka­ta­stro­phe von Smyr­na” be­kann­ten Er­eig­nis­se. Die tür­ki­sche Ar­mee zer­stör­te die Stadt im Jah­re 1922, nach dem gro­ßen Brand von Smyr­na. Die tür­ki­schen Sol­da­ten er­mor­de­ten vie­le nicht-​muslimische Zi­vi­lis­ten, dar­un­ter Dut­zen­de von Pries­tern und Bi­schö­fen und zwang un­zäh­li­ge grie­chi­sche Män­ner in Ar­beits­ba­tail­lo­ne. Die meis­ten Grie­chen flo­hen aus ih­ren Häu­sern in der Stadt, um Zu­flucht in Grie­chen­land und an­de­ren Staa­ten zu su­chen.

„Der gro­ße Brand von Smyr­na”, schrieb der Au­tor Io­an­na Zi­kak­ou, „war die Spit­ze der Ka­ta­stro­phe Klein­asi­ens, ein En­de der 3000 Jah­re grie­chi­scher Prä­senz an den Ägäis-​Ufern Ana­to­li­ens  und er ver­schob das Be­völ­ke­rungs­ver­hält­niss zwi­schen Mus­li­men und Nicht-​Muslimen.”

Ge­mäss dem Jour­na­lis­ten To­ny Car­nes:

„Nur we­ni­ge Na­tio­nen ha­ben ei­ne so rei­che christ­li­che Ge­schich­te wie die Tür­kei. Dies ist der Ort, wo Pau­lus ei­ni­ge der frü­hes­ten Kir­chen grün­de­te, dar­un­ter die Ge­mein­de in Ephe­sus. Sie­ben Kir­chen in die­ser Re­gi­on wer­den im Buch der Of­fen­ba­rung an­ge­spro­chen. Die­je­ni­gen, aus der frü­hen mo­nas­ti­schen Be­we­gung fan­den in den Höh­len von Kap­pa­do­ki­en ei­nen na­he­zu per­fek­ten Ort, um ein Le­ben im Ge­bet zu füh­ren.

„Doch das Chris­ten­tum kam in der Tür­kei im Jahr 1453 un­ter is­la­mi­sche Herr­schaft und ist seit Jahr­hun­der­ten ste­tig zu­rück­ge­gan­gen, wo­bei die letz­ten 100 Jah­re das Schlimms­te wa­ren. Um 1900 be­trug die christ­li­che Be­völ­ke­rung 22 Pro­zent. Heu­te schät­zen die meis­ten Ex­per­ten, dass es we­ni­ger als 200.000 Chris­ten im gan­zen Land gibt, die we­ni­ger als 0,3 Pro­zent der Be­völ­ke­rung aus­ma­chen.”

Heu­te sind im is­la­mi­sier­ten Ana­to­li­en die Mit­glie­der der win­zi­gen christ­li­chen Min­der­heit täg­lich ver­ba­len oder kör­per­li­chen An­grif­fen aus­ge­setzt. Ka­mil Ki­ro­g­lu ist in der Tür­kei als Mus­lim ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen. Im Al­ter von 24 wur­de er Christ und dien­te in der tür­ki­schen Kir­che bis 2009. Nach­dem er Christ wur­de, wur­de er von sei­ner Fa­mi­lie aus­ge­stos­sen.

Am 8. Ja­nu­ar 2006 wur­de Ki­ro­g­lu von fünf jun­gen mus­li­mi­schen Män­nern be­wusst­los ge­schla­gen.

„Der An­griff folg­te auf ei­nen Got­tes­dienst”, schreibt der Ge­lehr­te John L. Al­len Jr. in sei­nem Buch The Glo­bal War on Chris­ti­ans. „Ki­ro­g­lu be­rich­te­te spä­ter, dass ei­ner der jun­gen Män­ner, ein Mes­ser schwin­gend, ge­schrien hat­te, ‚Schwö­re Je­sus ab oder ich wer­de dich jetzt tö­ten!’ Ein an­de­rer schrie an­de­ren Be­rich­ten zu­fol­ge: ‚Wir wol­len kei­ne Chris­ten in die­sem Land!’ Als die An­grei­fer gin­gen, sag­ten sie ei­nem Freund von Ki­ro­g­lu, dass sie ein Ge­schenk für ihn hin­ter­las­sen hät­ten. Es stell­te sich als ein drei Me­ter lan­ges, ge­bo­ge­nes Mes­ser her­aus, hin­ter­las­sen als ei­ne wei­te­re War­nung vor christ­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten.

„Die Tür­kei mag ein of­fi­zi­ell sä­ku­la­rer Staat sein, aber so­zio­lo­gisch ist es ei­ne is­la­mi­sche Ge­sell­schaft. Im All­ge­mei­nen kommt die größ­te Be­dro­hung für die Chris­ten nicht von re­li­giö­sen fa­na­ti­schen For­men des Is­lam, son­dern von Ul­tra­na­tio­na­lis­ten, die Chris­ten als Agen­ten des Wes­tens se­hen, die ih­nen oft vor­wer­fen, in der­sel­ben Li­ga wie die kur­di­schen Se­pa­ra­tis­ten zu sein.”

Im Jahr 2009 sag­te Bar­tho­lo­mai­os I. von Kon­stan­ti­no­pel, der Pa­tri­arch der christlich-​orthodoxen Kir­che in ei­nem In­ter­view mit CBS, dass die Chris­ten der Tür­kei Bür­ger zwei­ter Klas­se sei­en, und dass er sich in den Hän­den der tür­ki­schen staat­li­chen Be­hör­den „ge­kreu­zigt” füh­le.

[2] „Die Ver­nich­tung der nicht-​türkischen /​ nicht-​muslimischen Völ­ker aus Ana­to­li­en be­gann am 24. April 1915 mit der Ver­haf­tung von 250 ar­me­ni­schen In­tel­lek­tu­el­len in Is­tan­bul”, schrieb der Ko­lum­nist Raf­fi Be­dro­syan.

„Bin­nen we­ni­ger Mo­na­te sind 1,5 Mil­lio­nen Ar­me­ni­er aus ih­rer his­to­ri­schen Hei­mat von 4.000 Jah­ren ge­tilgt wor­den, dort, wo jetzt der Os­ten der Tür­kei liegt, so­wie aus den nörd­li­chen, süd­li­chen, zen­tra­len und west­li­chen Tei­len der Tür­kei. Über 250.000 As­sy­rer wur­den zur sel­ben Zeit im Süd­os­ten der Tür­kei mas­sa­kriert. Dann war die Rei­he an den pon­ti­schen Grie­chen, aus dem Nor­den der Tür­kei an der Schwarz­meer­küs­te be­sei­tigt zu wer­den, spo­ra­disch im­mer wie­der ab 1916.”

Or­han Pi­caklar, der Pfar­rer der Aga­pe Kir­che aus Sam­sun, wur­de von mus­li­mi­schen Ein­hei­mi­schen im Jahr 2007 ent­führt und be­droht. Er sag­te, dass die Leu­te auch ver­sucht hät­ten, sei­nen 11-​jährigen Sohn von sei­ner Schu­le zu kid­nap­pen. Sei­ne Kir­che wur­de un­zäh­li­ge Ma­le ge­stei­nigt. Ah­met Gu­ve­ner, der Pfar­rer der evan­ge­li­schen Kir­che Diyarba­k­ir, sag­te, er ha­be so vie­le Dro­hun­gen er­hal­ten, dass er auf den Tod war­tet. „Ich wer­de ei­nem Freund von mir ei­ne schrift­li­che Voll­macht ge­ben. Wenn ich ster­be, dann will ich, dass er sich um mei­ne Kin­der küm­mert.”

[3] Sie­he die Jah­res­be­rich­te des Ver­ban­des Evan­ge­li­scher Kir­chen über Rechts­ver­let­zun­gen ge­gen Chris­ten in der Tür­kei.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gates­to­ne In­sti­tuts.

2 Kommentare

  1. B.B.

    Vie­len Dank für den auf­schluss­rei­chen Be­richt. Be­son­ders gru­se­lig fand ich den Mord an ei­nem ka­tho­li­schen Geist­li­chen, der von sei­nem mus­li­mi­schen Chauf­feur nach vier­jäh­ri­ger Zu­sam­men­ar­beit auf bes­tia­li­sche Wei­se um­ge­bracht wur­de. Nor­ma­ler­wei­se soll­te sich nach der­art lan­ger Zeit ei­ne per­sön­li­che Be­zie­hung, die auf ge­gen­sei­ti­gem Re­spekt und Ver­trau­en be­ruht, ent­wi­ckelt ha­ben.

  2. Lisa Zulauf

    Vie­len Dank für den Blog-​Beitrag. Ich den­ke die Tür­kei ist ei­ne es­sen­ti­el­le Schlüs­sel­stel­le des wei­te­ren Ge­sche­hens, mit wel­cher es sich gut dar­an tut, sich ver­tieft da­mit aus­ein­an­der zu set­zen. Für den ressorcen-​ungrigen Wes­ten ist die Tür­kei ein un­um­gäng­li­cher Part­ner, wel­cher je­doch auf­grund des­sen ei­ner­seits die Le­gi­ti­ma­ti­on er­hält sei­ne in­nen­po­li­ti­schen In­ter­es­sen un­ge­stört durch­zu­set­zen. An­de­rer­seits die aus­sen­po­li­ti­schen Vor­ha­ben ent­we­der den Ab­sich­ten des Wes­tens zu­gu­te kom­men, mit des­sen Ko­ope­ra­ti­on er­wirkt wer­den (die ei­ne Hand wäscht die an­de­re), den ‚Un­ter­neh­mun­gen’ der Tür­kei der Rü­cken zu­ge­kehrt wird, oder die Ma­chen­schaf­ten un­ter Er­do­gan ganz ein­fach fahr­läs­sig igno­riert wer­den. Er­do­gan ver­folgt ganz klar sei­ne ei­ge­nen Vi­sio­nen. Die Ab­sa­ge des os­ma­ni­schen Rei­ches ist nicht lan­ge her. Es ist höchs­te Zeit, dass sich Chris­ten in Eu­ro­pe in­ten­si­ver mit dem in­ter­na­tio­na­len po­li­ti­schen Ge­sche­hen aus­ein­an­der­set­zen, und zwar kri­tisch, nicht bloss ‚main stream’. Ich den­ke die sie­ben Kir­chen, in der da­ma­li­gen rö­mi­schen Pro­vinz Asia, heu­ti­ge die west­li­che Re­gi­on der Tür­kei, wer­den nicht um­sonst gleich zu be­ginn der Of­fen­ba­rung in der Bi­bel an­ge­spro­chen.
    Dies sind bloss ein paar mei­ner Ge­dan­ken, Ex­per­tin bin ich in den an­ge­spro­che­nen The­men bei wei­tem nicht… . Andere/​weitere Ge­dan­ken?

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