«

»

Es ist Zeit, die Fak­ten zu ler­nen über Ju­däa und Samaria

Der jüngs­te Auf­ruhr um die Ent­schei­dung der Re­gie­rung, fast 1’000 Hekt­ar am Gva­ot in Gush Et­zi­on zu „Staats­land” zu er­klä­ren, ist ein klas­si­sches Bei­spiel für die Un­kennt­nis der Ge­schich­te und des Rechts, das die meis­ten Dis­kus­sio­nen über is­rae­li­sche Ak­tio­nen jen­seits der in­ter­na­tio­nal be­grüss­s­ten „Grü­nen Li­ne” be­glei­tet. Me­di­en­schlag­zei­len rund um die Welt schrien „An­schluss” und „Land­raub”, die pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de er­klär­te es ein „Ver­bre­chen” und Au­ßen­mi­nis­te­ri­en auf der gan­zen Welt ha­ben die Auf­he­bung der Ent­schei­dung ge­for­dert. Aber nur we­ni­ge Ar­ti­kel, Pres­se­mit­tei­lun­gen oder Com­mu­ni­qués lies­sen sich aus über den Ha­ken an der Sa­che: den recht­li­chen und his­to­ri­schen Sta­tus des in Fra­ge ste­hen­den Landes.

Für vie­le, wenn nicht die meis­ten auf der Welt, ist je­der Zen­ti­me­ter Land hin­ter den Waf­fen­still­stands­li­ni­en von 1949 au­to­ma­tisch pa­läs­ti­nen­si­sches Land; ein Schau­spiel der Un­ver­traut­heit mit der Ge­schich­te und des Völkerrechts.

Um den Sta­tus des Ge­biets wirk­lich zu ver­ste­hen, müs­sen wir zu­nächst un­ter­schei­den zwi­schen pri­va­tem und na­tio­na­lem Land.

Na­tür­lich gibt es Land im Pri­vat­be­sitz von Pa­läs­ti­nen­sern in Ju­däa und Sa­ma­ria, was von vie­len als „West­bank” in schein­ba­rer Rück­sicht auf die jor­da­ni­sche Be­sat­zung, die den Be­griff als Ge­gen­über­stel­lung zu sei­nem öst­li­chen Ufer er­fun­den hat. Die­se Be­rei­che, wie bei Land in Pri­vat­be­sitz über­all auf der Welt, darf nicht an­ge­tas­tet wer­den, es sei denn es gibt sehr drin­gen­den Grund für ei­ne Re­gie­rung oder ei­ne sou­ve­rä­ne Macht, dies zu tun. Die­se Be­rei­che, nach os­ma­ni­schen und bri­ti­schen Auf­zeich­nun­gen, bil­den nicht mehr als ein paar Pro­zent der Ge­samt­flä­che, was be­deu­tet, dass die über­wie­gen­de Mehr­heit nicht in Pri­vat­be­sitz ist.

Der An­spruch, dass die­se Ge­bie­te auf na­tio­na­ler Ebe­ne „pa­läs­ti­nen­sisch” sei­en, ist je­doch pro­ble­ma­tisch. Zu be­haup­ten, ein Land­strich ge­hö­re ei­ner be­stimm­ten Na­ti­on, er­for­dert, dass das Ge­biet die­sem Volk ge­hört, und wor­auf sie ei­ne Art all­ge­mein an­er­kann­te Sou­ve­rä­ni­tät hal­ten oder hielten.

Al­le die­se Kri­te­ri­en wer­den his­to­risch vom jü­di­schen Volk er­füllt, und nicht von den Palästinensern.

In der Tat wur­den die Ju­den mit na­tio­na­len Rech­ten in die­sen Ge­bie­ten aus­ge­stat­tet nicht nur Kraft der Ge­schich­te und ver­gan­ge­ner Sou­ve­rä­ni­tät, son­dern auch von ver­blei­ben­dem Rechts we­gen durch das Völkerbund-​Mandat, das nie­mals be­en­det wur­de und das von der Char­ta der Ver­ein­ten Na­tio­nen im Ar­ti­kel 80 wei­ter­ge­führt wur­de – der be­rühm­ten „Palästina-​Klausel”, die ent­wor­fen wur­de, zum Teil, um die Kon­ti­nui­tät in Be­zug auf die Rech­te der Ju­den aus dem Völ­ker­bund zu garantieren.

In den letz­ten fast 2000 Jah­ren, seit der Zer­stö­rung des jü­di­schen Sou­ve­rä­ni­tät und der Ver­trei­bung der meis­ten sei­ner in­di­ge­nen Be­völ­ke­rung, blieb es ein be­setz­ter und ko­lo­ni­sier­ter Aus­sen­pos­ten im Ge­biet vie­ler glo­ba­len und re­gio­na­len Reiche.

Die Os­ma­nen wa­ren die letz­ten, die of­fi­zi­ell das Ge­biet auf­teil­ten in das, was sie als os­ma­ni­sches Sy­ri­en be­zeich­ne­ten, das das heu­ti­ge Is­ra­el, Sy­ri­en, Jor­da­ni­en und Tei­le des Irak um­fasst. Vor dem os­ma­ni­schen Land­ge­setz von 1858 ist das Land gros­sen­teils münd­lich wei­ter­ge­ge­ben wor­den, nach Sit­te oder Tra­di­ti­on. Un­ter den Os­ma­nen aus dem 19. Jahr­hun­dert, wur­de Land in drei Haupt­ka­te­go­ri­en auf­ge­teilt: Mulk, Mi­ri und Mawat.

Mulk war das ein­zi­ge Ge­biet, das im her­kömm­li­chen Sin­ne des Wor­tes in pri­va­tem Be­sitz war, und wie ge­sagt, es um­fass­ten nur ei­nen ge­rin­gen Teil des ge­sam­ten Ge­biets, ein Gross­teil da­von im Be­sitz von Ju­den, die das Recht auf Be­sitz des Lan­des durch Re­for­men erhielten.

Mi­ri war Land im Staats­be­sitz, und Ein­zel­per­so­nen konn­ten ei­nen An­spruch er­wer­ben, die­ses Land kul­ti­vie­ren zu dür­fen und den Zehn­ten an die Re­gie­rung zu zah­len. Be­sitz konn­te nur mit Zu­stim­mung des Staa­tes über­tra­gen wer­den. Mi­ri Rech­te konn­ten an Er­ben über­tra­gen wer­den, und das Land konn­te un­ter­ver­pach­tet wer­den. Mit an­de­ren Wor­ten, ein ähn­li­ches Ar­ran­ge­ment wie bei ei­nem Mie­ter in ei­ner Woh­nung oder Haus, mit Rech­ten am Grund­stück, aber nicht auf das Grundstück.

Schliess­lich war Ma­wat Staat oder her­ren­lo­ses Land, we­der im Be­sitz von Pri­vat­per­so­nen noch ir­gend­wie kul­ti­viert. Die­se Be­rei­che, um­fass­ten fast zwei Drit­tel des ge­sam­ten Territoriums.

Das Ge­biet, das vor kur­zem von der is­rae­li­schen Re­gie­rung zu „Staats­land” er­klärt wor­den war, was ein Pro­zess im Rah­men ei­ner in­ten­si­ven lau­fen­den Un­ter­su­chung für vie­le Jah­re ge­we­sen ist, ist Ma­wat Land. Mit an­de­ren Wor­ten, hat es kei­nen pri­va­ten Sta­tus und ist nicht in Privatbesitz.

Vie­le An­sprü­che auf das Ge­biet ent­stan­den ganz plötz­lich im Ver­lauf der Un­ter­su­chung, aber al­le wur­den als un­be­grün­det ab­ge­wie­sen auf der Grund­la­ge des Bodenrechts.

In­ter­es­san­ter­wei­se soll­ten die­je­ni­gen, die Ju­däa und Sa­ma­ria als „be­setz­tes Ge­biet” be­trach­ten, klar ver­ste­hen, dass nach dem Völ­ker­recht die Be­sat­zungs­macht das be­reits be­stehen­de Bo­den­recht als Grund­la­ge für An­sprü­che ver­wen­den muss, ge­nau so, wie Is­ra­el es in die­sem Fall ge­hal­ten hat, auch und ob­wohl die of­fi­zi­el­le Po­si­ti­on Is­ra­els ist, dass es sich nicht sel­ber de ju­re als Be­sat­zungs­macht im ju­ris­ti­schen Sin­ne des Wor­tes sieht.

Kei­ne die­ser Tat­sa­chen wer­den in den vie­len Be­rich­ten über die Mass­nah­men der Re­gie­rung in Gva­ot und Um­ge­bung über­haupt nur an­ge­deu­tet. Das ist zu­tiefst un­ge­recht und ein Wi­der­schein des je­wei­li­gen Hin­ter­grun­des, Ge­schich­te und Fak­ten wür­de den not­wen­di­gen Kon­text lie­fern für das, was sich zu ei­nem in­ter­na­tio­na­len Zwi­schen­fall ent­wi­ckelt hat, wo es gar kei­nen ge­ben sollte.

Ich neh­me häu­fig aus­län­di­sche Be­su­cher und Be­am­te auf ei­ne Tour durch Ef­rat und Gush Et­zi­on mit und bin er­staunt über die wohl­mei­nen­de Un­wis­sen­heit und Vor­ur­tei­le, die vie­le, auch Freun­de von Is­ra­el, ha­ben über den Sta­tus die­ser Re­gi­on und Ju­däa und Sa­ma­ria all­ge­mein. Üb­li­cher­wei­se wer­den je­doch bis zum En­de der Tour vie­le die­ser Po­si­tio­nen auf­ge­deckt und die­je­ni­gen, mit de­nen ich spre­che, sind er­staunt, dass es auch ei­ne an­de­re Sei­te der Ge­schich­te gibt, nach­dem ih­nen ver­si­chert wur­de, dass die pro-​Judäa und Samaria-​Position aus­schliess­lich auf der Grund­la­ge der Bi­bel fusst.

Ich be­grüs­se, und for­de­re so­gar al­le und je­den auf, aus Grün­den der in­tel­lek­tu­el­len Red­lich­keit her­zu­kom­men die Wirk­lich­keit für sich selbst zu se­hen und die Ge­schich­te und den Kon­text der Re­gi­on ken­nen­zu­ler­nen. Nie­mand hat je durch in­tel­lek­tu­el­le Neu­gier ver­lo­ren, und ich bin si­cher, dass wir die nächs­te Auf­re­gung und den nächs­ten in­ter­na­tio­na­len Zwi­schen­fall ver­rin­gern kön­nen, wenn ei­ne grös­se­re Zahl von Men­schen mehr ver­traut ist mit den Tat­sa­chen der Geschichte.

Der Au­tor ist Bür­ger­meis­ter von Ef­rat, das in der Gush Etzion-​Region liegt, und ein frü­he­rer Part­ner ei­ner füh­ren­den Anwaltskanzlei.

1 Ping

  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] Ju­däa und Sa­ma­ria nach dem in­ter­na­tio­na­len Recht, er­klärt von Oded Re­vi­vi in der Je­ru­sa­lem Post, über­setzt von Da­ni­el auf seinem […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php